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Montag, 7. Februar 2022

Robert Schumann - Lieder in historischen Aufnahmen (Hänssler Profil)

 

Was für eine Schatzkiste! Mehr als hundert Jahre Liedgesang sind in dieser 4-CD-Box dokumentiert: Lotte Lehmann, Fjodor Schaljapin, Elisabeth Schwarzkopf, der junge Dietrich Fischer-Dieskau, Lilli Lehmann, Richard Tauber, Flora Nielsen, Hans Hotter, und noch sehr viel mehr Bühnenlegenden sind hier zu hören. Auch unter den Klavierpartnern findet sich so manche Legende. Doch bei etlichen der Lieder, die berühmte Sänger seinerzeit in die Aufnahmetrichter der Plattenfirmen gesungen haben, ist heute nicht mehr herauszufinden, wer sie seinerzeit begleitet hat. Die frühesten Tondokumente dieser Edition reichen immerhin bis in das Jahr 1901 zurück. 

Was für eine Sammlung hat Keith Hardwick da 1984 für EMI zusammengestellt! Es ist wunderbar, dass Hänssler Classic nunmehr diese Raritäten, sorgsam restauriert und remastered, wieder zugänglich macht. Dieter Fuoß als Herausgeber hat für diese Box drei CD mit Schumann-Liedern in historischen Aufnahmen noch durch eine weitere CD mit Liederzyklen des Komponisten, ebenfalls in historischen Einspielungen, ergänzt. Beim Anhören kommt Nostalgie auf: Was für Stimmen! Danke für diese Edition. 


Sonntag, 9. Januar 2022

À sa guitare (Erato)


 Einen Weg vom Barock bis in die Gegenwart beschreiten Countertenor Philippe Jaroussky und Gitarrist Thibaut Garcia mit ihrem ersten gemeinsamen Album. Der Sänger und der Instrumentalist überschreiten nicht nur Epochen- und Landes-, sondern auch Genregrenzen. Dabei haben sie sich gegenseitig vorangetrieben und inspiriert. 

So hat jeder von ihnen Zugang zu Musik gefunden, an die er ohne den anderen wohl nicht herangegangen wäre: „Chacun a influencé l’autre“, berichtet beispielsweise Garcia im Beiheft, „si j’ai amené Philippe vers le répertoire de John Dowland que j’aime tant, je ne croyais pas d’emblée au Nocturne de Fauré. Il a instisté jusqu’à ce que je m’aperçoive que ça fonctionnait. À l’inverse, c’est moi qui l’ai convaincu d’enregistrer une pièce plus moderne et populaire qui m’est très chère: L’Alfonsina… Et je m’en réjouis!“ 

Das Album spannt daher einen Bogen von Rossini bis zu Barbara, von Mozart bis Britten, und von Poulencs Sarabande bis zu Rodriguez‘ La cumparsita. Absoluter Höhepunkt aber ist Schuberts Erlkönig – wohlüberlegt gestaltet von Philippe Jaroussky, und atemberaubend begleitet durch Thibaut Garcia. Hier zeigt sich ganz besonders, dass die beiden Musiker phantastisch miteinander arbeiten können. Grandios! 

Jaroussky findet für jedes einzelne Lied individuell einen passenden stimmlichen Ausdruck, und sein Umgang mit dem Text ist immer wieder faszinierend. Gitarrist Garcia aber ist ebenfalls ein Meister seines Faches. Gemeinsam haben die beiden mit hohem Aufwand und viel Herz ein Album eingespielt, das vom ersten bis zum letzten Ton begeistert. Unbedingt anhören, diese CD ist wirklich ein Erlebnis. 


Donnerstag, 23. Dezember 2021

Lieder zur Weihnacht - Peter Schreier (Berlin Classics)

 

Schätze aus dem Archiv legt Berlin Classics Klassikfreunden auch in diesem Jahr wieder auf den Gabentisch. Gleich zwei CD präsentieren historische Aufnahmen mit Peter Schreier. So hat der legendäre Tenor 1969 in Leipzig mit Musikern des Gewandhausorchesters unter der Leitung von Thomaskantor Erhard Mauersberger Arien von Johann Sebastian Bach gesungen; die Schallplatte ist 1970 erschienen. 

1978 entstand im Studio Lukaskirche Dresden eine Einspielung mit Weihnachtsliedern von vier großen Liedmeistern der Spätromantik: Peter Cornelius (1824 bis 1874), Joseph Haas (1879 bis 1960), Max Reger (8173 bis 1916) und Hugo Wolf (1860 bis 1903). Klavierpartner des Sängers war bei dieser Produktion Norman Shetler. Zu hören sind beispielsweise Cornelius‘ bekannte Weihnachtslieder op. 8 oder aber Regers berühmtes Maria am Rosenstrauch op. 142 Nr. 3. Und man staunt noch heute, mit welcher Intensität sich Peter Schreier jedem einzelnen dieser Lieder zuwendet. Noch immer ist dies eine der schönsten Aufnahmen mit diesem Repertoire. 


Sonntag, 16. Mai 2021

Fremde Heimat (Oehms Classics)


 Das Wandern und der Wanderer sind zentrale Sujets der deutschen Romantik. Der Reiz der großen weiten Welt, die Entdeckungslust und der Verlust von Heimat – das sind Erfahrungen, die nicht nur die Dichter, sondern auch Komponisten zu großartigen Werken bewegt haben. Rafael Fingerlos hat eine Liedauswahl zusammengestellt, die vom frohen Aufbruch über die Begegnung mit der Fremde bis hin zur Entfremdung vom Beschreiten des Lebensweges erzählt. 
Die CD macht deutlich, dass abseits von Schuberts Winterreise viel zu entdecken ist. Rafael Fingerlos gelingen zudem sensible, tiefgreifende Liedinterpretationen – und Sascha El Mouissi begleitet den Bariton feinfühlig am Klavier. 

Sonntag, 14. Juni 2020

Sena Jurinac Schumann (Hänssler Profil)

Sena Jurinac (1921 bis 2011) wirkte fast 40 Jahre lang an der Wiener Staatsoper. Sie wurde aber auch an vielen anderen Häusern gern beschäftigt, und war weltweit unter anderem als Octavian in Strauss‘ Rosenkavalier, in Mozart-Partien wie Donna Elvira, Fiordiligi, Cherubino oder die Contessa, als Jenufa und auch als Küsterin oder als Knusperhexe in Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel zu erleben. Von der Bühne verabschiedete sie sich 1982 in der Rolle der Marschallin. 
Dass sie auch eine hervorragende Liedersängerin war, beweist die vorliegende Einspielung aus dem Jahre 1954 – es ist die einzige Einspielung von Klavierliedern, an der Sena Jurinac jemals mitgewirkt hat. Die Sopranistin ist auf dieser CD mit zwei Liederzyklen von Robert Schumann zu hören. Begleitet wird sie am Klavier von Franz Holetschek. 
Frauenliebe und Leben op. 42 gehört mit seinen altbackenen Texten, die vom Komponisten musikalisch zudem ziemlich eindimensional gestaltet worden sind, nicht gerade zu meinen Favoriten. Doch wenn Sena Jurinac die Lieder singt, vergisst man, dass dieses Rollenkonzept auch mit viel Mottenpulver nicht in die heutige Zeit zu retten ist. Sie gestaltet Schumanns Musik so intensiv und so lebendig, dass insbesondere auch der Liederkreis op. 39 zum Erlebnis wird. Sena Jurinac erweist sich als eine herausragende Lied-Interpretin – und mit dieser Platte hat sie sich für alle Zeit einen Platz in meinem ganz persönlichen Sänger-Olymp gesichert. Großartig! 

Dienstag, 3. Dezember 2019

Schubert: Elysium (Genuin)

Nun ist sie komplett, die Gesamteinspielung aller Werke für Männerchor von Franz Schubert durch die Camerata Musica Limburg. Was für ein Projekt! Seit 2015 folgte CD auf CD, und jedesmal wieder erfreuten die Chorsänger mit ihrem makellosen, strahlenden, perfekt homogenen Chorklang. Da ist deutlich zu spüren, dass die Mitwirkenden schon viele Jahre in bester Harmonie zusammen singen, und zugleich vom Kinderalter an eine solide Ausbildung erfahren haben. 
Das Vokalensemble, geleitet von Jan Schumacher, ist aus den Limburger Domsingknaben hervorgegangen. Mittlerweile bestehen die Camerata Musica Limburg seit gut 20 Jahren. Sie musizieren nach wie vor auf allerhöchstem Niveau, und konnten zudem offenbar auch die freundschaftliche Verbindung aus der gemeinsamen Zeit im Knabenchor aufrecht erhalten. Man spürt es jedenfalls, dass sie sich schon sehr lange kennen und ausgezeichnet verstehen. 
Und es ist wunderbar, dass diese Herren auch nach dem Stimmbruch weiter Lust auf Chorgesang hatten. Denn es gibt heute nicht mehr sehr viele Ensembles, die sich an alle Lieder Schuberts wagen können. So verwundert es auch nicht, dass die Camerata Musica Limburg mittlerweile mehrfach zur Schubertiade in Schwarzenberg und Hohenems eingeladen worden sind. Schließlich sind gerade die Chöre, die Schubert oftmals für seine Freunde geschrieben hat, ein zentraler Bestandteil seines Werkes. Und so freut man sich über die umfassende Einspielung, die nun mit dem sechsten und letzten Teil bis in die Gegenwart weist. 
„Perspectives on Schubert“ setzt Lieder der Romantiker in spannungsvolle Beziehung zu Werken, die zeitgenössische Komponisten eigens für dieses CD-Projekt geschaffen haben. Diese Produktion vereint Bearbeitungen ebenso wie Stücke, die Schuberts Chorsätze reflektieren. Das reicht von den Arrangements Friedrich Silchers und Johannes Brahms' über Franz Abt und Peter Cornelius bis hin zu Ersteinspielungen, etwa von Mårten Jansson, Alwin Schronen, Nicola Campogrande, Thomas Thurnher oder Christopher Tarnow. Beauftragt wurden dafür Komponisten, die dem Ensemble persönlich bekannt waren. Entstanden ist auf diesem Wege eine hochinteressante CD, die die Reihe würdig komplettiert. Bravi! 

Sonntag, 17. November 2019

Lieder an die Entfernte (Spektral)

„In die romantische Welt zwischen Traum und Wirklichkeit, Freude und Traurigkeit, Sehnsucht und Liebe entführen“ soll diese CD, so Georg Poplutz und Hilko Dumno. Der Sänger hat dafür gemeinsam mit seinem langjährigen Klavierpartner ein Programm zusammengestellt, in dem zwei berühmte Liederzyklen von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann – An die ferne Geliebte und Dichterliebe – mit eher weniger bekannten Liedern Franz Schuberts korrespondieren. Poplutz, im Lied- und Oratorienfach mittlerweile etabliert, beeindruckt einmal mehr durch seinen ausdrucksstarken Gesang. Auch Pianist Hilko Dumno musiziert ausgesprochen feinfühlig und nuancenreich. Ausgesprochen hörenswert! 

Montag, 28. Oktober 2019

Freimaurermusik (Berlin Classics)

Die Aura des Geheimnisvollen begleitet die Freimaurerei von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Bekannt ist, dass viele Logen die Musik schätzten und förderten. Weit weniger bekannt ist die Tatsache, dass offenbar von den Freimaurern selbst auch gesungen wurde. Der Musik, die Logenbrüder dafür schufen, widmet sich das Ensemble Vocal Concert Dresden unter Leitung von Peter Kopp auf der vorliegenden CD. Die Herren des renommierten Kammerchores werden dabei vom Dresdner Instrumental-Concert auf zeitgenössischen Instrumenten stilecht begleitet; so erklingt beispielsweise ein Hammerklavier anstelle eines modernen Flügels. Das sorgt für ein faszinierendes Flair, und auch die Sänger schaffen es, so schlicht zu singen, dass man vermeint, tatsächlich Freimaurer zu hören. Die meisten der eingespielten Werke sind zudem außerhalb der Zeremonien, für die sie seinerzeit entstanden sind, noch nie erklungen. 

Sonntag, 6. Oktober 2019

Rheinberger: Liederbuch für Kinder (Ars Produktion)

Dass Josef Gabriel Rheinberger (1839 bis 1901) nicht nur Orgelmusik und geistliche Chorwerke geschaffen hat, sondern unter anderem auch eine Menge Lieder für die Solostimme, das ist wenig bekannt. Clemens Morgenthaler, Professor für Gesang am Vorarlberger Landeskonservatorium Feldkirch, will dies ändern. Der Bassbariton, der auch an der Musikhochschule Trossingen unterrichtet, hat mit Studierenden daher Rheinbergers Liederbuch für Kinder op. 152 erarbeitet und eingespielt. 
Die 30 Lieder sind im Dezember 1887 entstanden. Sie schildern in schlichter Form Situationen und Begebenheiten, wie sie Kinder erleben, vom Aufstehen am Morgen bis zum nicht immer konfliktfreien Kinderspiel. Verse und Melodie sind deshalb einfach gehalten. Philipp Heiß verdeutlicht am Klavier oftmals mit Klangmalerei Stimmung und Umfeld; so hört man Vogelgesang oder etwa das Drehen eines Spinnrades. 
Für die Sängerinnen Julia Großsteiner, Petra Tschabrun, Eva-Maria Heinzle, Lea Müller, Victoria Türtscher, Anna Welte, Mirjam Fässler und Sarah-Lena Eitrich war diese Weltersteinspielung keine einfache Aufgabe. Denn diese Lieder mit ihrer kindlich-naiven Gestaltung fordern Schlichtheit und Eindringlichkeit statt vordergründiger sängerischer Brillanz. Die Studierenden müssen mit schlanker Stimme singen, quasi kindlich, um den Zauber wirken zu lassen, der in der Tat auf diesen Melodien liegt. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich sie Rheinbergers Lieder erfassen und gestalten. 
Die freundlichen Weisen könnte man sich gut auch von noch jüngeren Stimmen gesungen vorstellen. So müssten sie hinreißend klingen, wenn sie von den geschulten Stimmen des Chornachwuchses beispielsweise des Rundfunkkinderchores Leipzig gesungen werden. 

Sonntag, 7. Juli 2019

L'Histoire de la romance russe (Hänssler Profil)

Ein durch und durch russisches Genre ist die Romanze. Dabei handelt es sich um ein Kunstlied, das oftmals, aber nicht zwingend, die romantische Liebe besingt. Die ersten Romanzen imitierten westeuropäische Vorbilder, und sie haben auch einen Text in italienischer oder französischer Sprache. Doch bald wurde die Romanze zum Liebling der russischen Salons – und auf dieser CD stellt das Dashkova Ensemble eine kleine Auswahl aus der Fülle dieses sehr speziellen Repertoires vor. 
Zu hören sind Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert – beispielsweise von den „drei Alexandern“, Alexander Alexandrowitsch Aljabjew (1789 bis 1851), Alexander Jegorowitsch Warlamow (1801 bis 1848) und Alexander Lwowitsch Guriljow (1803 bis 1858), berühmten russischen Liedkomponisten. Die Texte und Melodien sind oft volksliedhaft gehalten; und viele dieser Lieder wurden so populär, dass man sie auch beinahe für ein Volkslied hält. Ein gutes Beispiel dafür ist Warlamows Der rote Sarafan. Bekannt ist auch Die Nachtigall, eine Romanze Aljabjews, die viele Komponisten sehr schätzten. Tschaikowski liebte diese Melodie, und Kollegen wie Glinka oder Liszt schrieben Variationen darüber. 
Die meisten Romanzen wurden für Gesang und Klavier geschrieben. Das Tasteninstrument imitiert mit seinen Figuren dabei häufig eine Gitarre – und so begleitet Oleg Timofejew die Stücke auf dieser CD auch auf der siebensaitigen russischen Gitarre. Der Musiker hat zudem einige Werke herausgesucht, die dieses Traditionsinstrument und sein Repertoire exemplarisch vorstellen. 
Gesungen werden die Romanzen von der deutschen Mezzosopranistin Anna Bineta Diouf, die der russischen Sprache und Kultur leidenschaftlich verbunden ist. Man darf gespannt sein, welche musikalischen Schätze das Duo bei seinen kommenden Aufnahmen präsentieren wird. 

Donnerstag, 30. Mai 2019

Schumann: Im wunderschönen Monat Mai (Oehms Classics)

Robert Schumann und Heinrich Heine sind sich begegnet: 1828 reiste der Komponist nach Süddeutschland. Er pilgerte in Bayreuth zum Grabe des Dichters Jean Paul, und in München traf er Heine, der soeben eine Stelle als Redakteur bei den „Neuen allgemeinen politischen Annalen“ angenommen hatte. Schumann staunte über dieses Zusammentreffen: „Er drückte mir freundschaftlich die Hand u. führte mich einige Stunden in München herum – dies alles hatte ich mir nicht von einem Menschen eingebildet, der die Reisebilder geschrieben hatte.“ 
Nach diesem Erlebnis wandte sich Schumann noch einmal mit großem Eifer den Büchern des Poeten zu – und als er dann später begann, Lieder zu schreiben, vertonte er viele Gedichte von Heine. Diese Lieder wählte Sebastian Noack für seine erste CD bei Oehms Classics aus – vor allem den Liederkreis op. 24 und die Dichterliebe op. 48. 
Gemeinsam mit seinem Klavierpartner Manuel Lange hat sich der Bariton dabei entschieden, nicht einfach die üblichen Noten aufs Pult zu legen: Max Friedländer, der Herausgeber, hatte seinerzeit nur jene Lieder transponiert, die für die jeweilige Stimmlage unbequem lagen. Das macht durchaus Sinn, zumal damals Liederzyklen nur selten als solche aufgeführt wurden. 
Will man die Liedfolgen aber komplett singen, geht bei Verwendung der gebräuchlichen Notenausgabe Schumanns ursprüngliche Tonarten-Abfolge verloren. Die Effekte, die der Komponist damit einst beabsichtigte, sind bei dieser Einspielung erstmals nachvollziehbar. Denn Noack und Lange haben die Dichterliebe um eine große Sekunde, den Liederkreis op. 24 um eine kleine Terz abwärts transponiert. Und das macht wirklich etwas aus, man staunt. 
Zu dieser Aufnahme ist ansonsten noch anzumerken, dass die beiden Liedpartner sehr hörenswert miteinander musizieren. Noacks wand- lungsfähiger Bariton und Langes beredter Bösendorfer – man freut sich, eine wirklich gelungene Einspielung. Bravi! 

Montag, 7. Januar 2019

Fritz Wunderlich - Lieder (SWR Music)

Der SWR hat in seine Archive gegriffen, und in dieser 3-CD-Box zahlreiche Aufnahmen zusammen- gestellt, die Fritz Wunderlich als Liedersänger zeigen. So enthält die Kollektion jene legendäre Live-Aufnahme von Robert Schumanns Dichterliebe, aufgezeichnet auf den Schwetzinger Festspielen 1965, die das enorme Gestaltungsvermögen des Tenors in beeindruckender Weise dokumentiert. Dazu hat freilich auch sein Klavierbegleiter Hubert Giesen mit beigetragen, der eine Klasse für sich ist – und der mit Wunderlich intensiv zu arbeiten pflegte. So kamen jene feinen Nuancen zustande, die bis heute begeistern. 
Mit Hubert Giesen hat Fritz Wunderlich auch eine großartige Interpretation von Franz Schuberts Liederzyklus Die schöne Müllerin eingespielt, und dazu einige weitere Lieder von Schubert und Ludwig van Beethoven. Außerdem finden sich in dieser Kollektion Lieder von Johannes Brahms, Hugo Wolf und Richard Strauss; am Klavier begleiten dabei Josef Müller-Mayen und Rolf Reinhardt den Sänger. Insgesamt bietet diese Edition einen Überblick über Wunderlichs Liedgesang, von den Anfängen bis kurz vor seinem viel zu frühen, tragischen Tod. Faszinierend! 

Donnerstag, 3. Januar 2019

Schubert: Wanderer (Avi-Music)

Der Wanderer und seine Welt-Sicht steht im Mittelpunkt dieser CD, die Bariton Andrè Schuen und der Pianist Daniel Heide bei Avi-Service for music veröffentlicht haben. 
Dass sie sich dabei auf Lieder von Franz Schubert (1797 bis 1828) beschränken, hat seinen Grund: „Allein schon von der Menge der komponierten Lieder steht Schubert da wie ein Monolith“, sagt Daniel Heide in einem Interview, das man im Beiheft nachlesen kann. „Der Liedbegleiter hat in Schuberts Liedern einen ungeheuren Schatz vor sich! Allein die Winterreise: 75 Minuten attraktivste ,Klaviermusik', quasi am Stück! Das Studium aller dieser Zyklen und Einzellieder füllt viele Jahre beglückendster Studien, Übestunden und Liederabende in der ganzen Welt.“ 
Auch hat kein anderer Komponist derart viele Lieder geschrieben, in denen es um den Wanderer und das Wandern geht. Nicht mit der Postkutsche, sondern auf Schusters Rappen wird beispielsweise die berühmte Winterreise absolviert. Und auch der Müllerbursche befindet sich auf der Wanderschaft, als er verhängnisvollerweise jener schönen Müllerin begegnet. 
Die großen Liederzyklen aber sind nicht Gegenstand dieser Einspielung. „Wir sind diesmal vom Begriff des ,Wanderns' ausgegangen, beziehungs- weise von einer ,Reise', einem ,Weg', und haben dann alle möglichen Varianten davon gesucht“, erläutert Andrè Schuen. „Die drei großen Schwerpunkte, die sich dabei ergeben haben, sind zum einen das romantische ,Wandern' an sich, das bei Schubert ja eine sehr wichtige Rolle spielt, z.B. Der Wanderer (Schlegel), zum zweiten der Weg zur Geliebten wie z.B. in Auf der Bruck oder Willkommen und Abschied, und drittens dann noch die Reise ins Jenseits, in den Tod wie in Totengräbers Heimweh oder Im Abendrot. Durch diese drei Schwerpunkte spiegelt sich meiner Meinung nach eine gewisse Zwiespältigkeit im Programm, die bei Schubert allgegenwärtig ist.“ 
Daher stehen Der Schiffer und An den Mond neben Fahrt zum Hades, und neben einigen wenigen bekannten Liedern sind es vor allem die weniger präsenten, die Schuen und Heide ausgewählt haben. So nehmen Sänger und Pianist den Zuhörer mit auf eine sehr poetische Reise, die eben auch Entdeckungen mit sich bringt. Schuen ist ein versierter Liedersänger, dem man mit Vergnügen lauscht. Und Daniel Heide erweist sich als ein Lied- begleiter von Format. Mit welcher Prägnanz er seinen Klavierpart gestal- tet, wie er dem Sänger ein Dialogpartner ist, das ist sehr beeindruckend. 

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Stille und Nacht (Oehms Classics)

Ein Nachtrag sei gestattet aus dem vergangenen Jahr: Der Salzburger Bariton Rafael Fingerlos, aufge- wachsen in der Stille-Nacht-Gemeinde Mariapfarr im Lungau, und sein Klavierpartner Sascha El Mouissi haben ein ausgesprochen originelles Programm rings um die Begriffe „Stille“ und „Nacht“ zusammengestellt. Es erklingen Lieder von Robert Fürstenthal, Richard Strauss, dem Ehepaar Schumann, Johannes Brahms, Carl Bohm und Franz Schubert – wobei es eher die weniger populären Werke sind, die Fingerlos und El Mouissi ausgewählt haben. 
Dabei ist ihnen sogar eine Weltersteinspielung gelungen – Rudolf Polsterers Lied Die Zeit steht still markiert die Schwelle vom ziemlich weltlichen ersten Teil zum Schlusssegment, das dann mit den Vater-unser-Liedern von Peter Cornelius und dem bekannten Die Könige aus den Weihnachtsliedern des Komponisten ins geistliche Repertoire wechselt. 
Klarer Höhepunkt der CD: Das nunmehr 200 Jahre alte Lied Stille Nacht von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber, in Originalfassung für zwei Männerstimmen und Gitarre. Sie wird gespielt von David Bader, und Tenor Bernhard Berchtold singt gemeinsam mit Rafael Fingerlos die heimliche Weihnachtshymne Österreichs mit allen sechs Strophen – hinreißend, anrührend, ganz schlicht. 

Dienstag, 11. Dezember 2018

Meridiane Nord - Sjaella (Raumklang)

„Nord“ heißt das neue Album von Sjaella, das soeben bei dem Label Raumklang erschienen ist. Es ist zugleich die erste CD der Serie Meridiane, mit der das A-cappella-Ensemble internationale Folklore und Weltmusik aus den unter- schiedlichsten Regionen erkunden will. 
„Der Norden Europas ist nicht nur wegen unseres Ensemble-Namens ein passender Startpunkt für dieses Projekt“, schreibt Sopranistin Franziska Eberhardt im Beiheft. „Vor allem die skandinavische Chortradition hält uns seit vielen Jahren in ihrem Bann. Die dort beheimateten Ensembles haben unseren Klang geprägt und Interesse an ihrem vielfältigen Liedgut geweckt. Die musikalische Schlichtheit der Lieder, ihre kantablen Melodien mitsamt der kunstvollen Verzierungen und nicht zuletzt die vielen klangvollen und mystisch anmutenden Sprachen haben uns gereizt und die wichtigsten Impulse zu unserer Expedition durch Skandinavien, Großbritannien und Irland gesetzt.“ 
Die jungen Sängerinnen von Sjaella haben dafür ein ebenso anspruchs- volles wie klangschönes Programm zusammengestellt. Die Lieder erklingen in den originalen Sprachen und in modernen Arrangements, die das Sextett aus Leipzig oftmals sogar selbst geschrieben hat. Gesungen wird professionell, farbenreich und beseelt. Als Gäste wirken mit Peter Alexander Bauer, Percussion, und Barnabas Herrmann, Thin Whistle. Und auch musikalisch bietet die CD viel Abwechslung. Sehr gelungen! 

Donnerstag, 15. November 2018

Herz-Tod (Decca)

Die Liebe und der Tod – das sind die Themen, denen sich der Bassist Günther Groissböck gemeinsam mit seinem Klavierbegleiter Gerold Huber mit dieser Einspielung zuwendet. Ausgewählt hat der Sänger dafür die Vier ernsten Gesänge von Johannes Brahms, die Michelangelo-Lieder von Hugo Wolf, die Rückert-Lieder von Gustav Mahler – und die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner. 
Sie sind hier zum ersten Male auf CD mit einer Männerstimme zu hören. „Mich hat die Klangsprache der Wesendonck-Lieder schon immer fasziniert, da sie eben dem Tristan an vielen Stelle so nahesteht“, erläutert Günther Groissböck in einem Interview, das im Beiheft nachzulesen ist: „Außerdem habe ich im Text keine verbindliche Geschlechtszugehörigkeit entdeckt, sodass ich mir einfach gedacht habe: Warum denn nicht mal diese ,gender-neutralen' Lieder als Mann singen, weil es ja auch Titel wie ,Schmerzen' oder ,Stehe still' gibt, zu denen etwas draufgängerisches Testosteron sehr gut passt, wie ich finde.“ 
Der Österreicher ist ein gefragter Wagner-Sänger. Sein Bass ist prachtvoll, aber der Liedgesang wirkt mitunter etwas kühl und zurückhaltend; in der Textausdeutung erscheint mir beispielsweise Hans Hotter viel stärker. Gerold Huber allerdings erweist sich einmal mehr als kongenialer Klavierpartner. Es ist beeindruckend, mit welchem Feingefühl er mit dem Sänger in einen Dialog tritt, wie sensibel er auf jede Nuance im Ausdruck reagiert. So wird aus dem Klavierpart weit mehr als eine Begleitung. Huber zeigt immer wieder, wieviel der Pianist zum Gesamtkunstwerk Lied beitragen kann. 

Sonntag, 22. Juli 2018

A Matter of Heart (Challenge Classics)

Tenor, Horn und Klavier – das war eine Kombination, wie geschaffen für die Romantiker! Aus der großen Anzahl von Liedern mit obligatem Horn – allein im 19. Jahrhundert sind etwa 200 derartige Werke entstanden, ist in einem sehr informativen Text im Beiheft nachzulesen – stellt die vorliegende CD eine kleine, aber attraktive Auswahl vor. 
Tenor Christoph Prégardien hat gemeinsam mit dem Hornisten Olivier Darbellay und mit seinem Klavierbegleiter Michael Gees allerdings einen Zyklus aus dem 20. Jahrhundert zum zentralen Werk dieser Einspielung erkoren: The Heart of the Matter von Benjamin Britten (1913 bis 1976) spielt sowohl vom Text als auch von den musikalischen Mitteln her in einer ganz anderen Liga als die eher vom ländlichen Idyll geprägten Lieder der Romantiker Franz Lachner (1803 bis 1890), Konradin Kreutzer (1780 bis 1849), Henry Hugo Pierson (1815 bis 1873) und Carl Kossmaly (1812 bis 1893). Und natürlich darf auch das berühmte Auf dem Strom von Franz Schubert (1797 bis 1828) nicht fehlen. Das ist ein gelungenes Finale; allerdings zerfällt die Aufnahme für mein Empfinden in zwei Teile, die nicht so ganz zusammenpassen wollen. Trotz des schönen Wortspiels im Titel. 

Montag, 25. Juni 2018

Wehmut (Genuin)

Die dritte Folge der Gesamtein- spielung sämtlicher Werke Franz Schuberts (1797 bis 1828) für Männerchor ist jüngst bei dem Leipziger Label Genuin Classics erschienen. Die Camerata Musica Limburg – der mittlerweile renommierte Männerchor ist 1999 aus dem Chor der Limburger Domsingknaben hervorgegangen und wird von Jan Schumacher geleitet – konnten für ihr Projekt einmal mehr namhafte Solisten gewinnen. So sind auf dieser CD auch die irische Mezzosopranistin Alison Browner und der lyrische Tenor Christoph Prégardien zu hören. 
Werke für Vokalensembles hat Franz Schubert in großer Zahl hinterlassen. Bereits als Schüler vertonte er Gedichte, um sich im mehrstimmigen Satz zu üben. So sind einige Terzette überliefert, die Schubert für den Kompo- sitionsunterricht beim Hofkapellmeister Antonio Salieri geschrieben hat. 
Die meisten seiner Vokalsätze aber schuf Schubert vermutlich für das gesellige Singen im Kreise seiner Freunde. Einige von ihnen kannte er bereits aus seiner Zeit als Sängerknabe in der Wiener Hofmusikkapelle. Und wie schon im Konvikt, so war Schubert offenbar auch in späteren Jahren gern bereit, zu Festlichkeiten oder auch einfach so rasch ein Lied zu Papier zu bringen. 
Viele seiner Liedsätze sind solche Gelegenheitskompositionen, was allerdings nicht unbedingt bedeutet, dass es ihnen an Qualität mangelt. Auf dieser CD ist ein hinreißendes Beispiel dafür zu hören: Leise, leise lasst uns singen D 635 ist das Zeugnis eines charmanten Scherzes, den die Herren spontan der Wiener Sängerin Fanny Hügel zugewandt haben, die ganz offensichtlich bei einer Geselligkeit eingeschlummert war. 
Auch jener Kanon, den Schubert seinem Lehrer Salieri, von den singenden Schülern launig als „unser aller Großpapa“ gefeiert, im Jahre 1816 zum 50. Dienstjubiläum gewidmet hat, dürfte wohl eher nicht zur Veröffent- lichung vorgesehen gewesen sein. Insofern bietet die CD, neben bekannten Werken wie Das Dörfchen D 598, reichlich Anlass zu Entdeckungen.  Der Titel allerdings trifft das Wesen dieser Musik eher nicht; die Runde um Schubert scheint ja doch recht fidel gewesen zu sein. 
Die Camerata Musica Limburg singt mit viel Charme, Leichtigkeit und perfekter Intonation. Der Chorklang ist eher weich als kernig und strahlend. Begleitet werden die Sänger mitunter von dem Pianisten Andreas Frese (der ansonsten im Tenor singt), oder von Tilman Hoppstock auf der Gitarre – was sich im Zusammenklang mit dem Limburger Männerchor unglaublich gut macht, unbedingt anhören! 

Montag, 19. März 2018

Comedian Harmonists (Hänssler Profil)

Nahezu hundert Aufnahmen mit den Comedian Harmonists weist der Katalog ihrer Plattenfirma Electrola aus. Das Ensemble war 1928 ent- standen, in wirtschaftlich schwieriger Zeit – und fast ein Jahr lang dauerte es dann, bevor in ganz Deutschland schließlich der Durchbruch gelang. Harry Frommermann, Robert Biberti, Ari Leschnikoff, Roman Cycowski, Erich Collin und der Pianist Erwin Bootz waren Stars; sie sangen vor ausverkauften Häusern und wurden weltweit gefeiert. 
Das Ende dieser Erfolgsgeschichte kam 1935, als drei „Nichtarier“ mit Auftrittsverbot belegt wurden, und Deutschland verließen. Noch bis 1949 gab es Nachfolge-Gruppen, die aber allesamt nicht das Format des Originals hatten. 
Noch heute sind Lieder wie Wochenend und Sonnenschein oder Veronika, der Lenz ist da bekannt und beliebt. Und so habe ich mich gefreut, als das Label Profil eine Kollektion ihrer Hits auf zwei CD veröffentlichte. Die Freude aber hielt nicht lange vor. Zum einen befindet sich auf der ersten CD ein dicker Kratzer, der dafür sorgt, dass einige Titel nicht angehört werden können. 
Zum anderen hat das Unternehmen diesmal das Beiheft eingespart. An Informationen sind wirklich nur die Titel der Songs verfügbar – es gibt keine Aufnahmedaten, keine Hinweise auf die genutzten Platten, keine Angaben zu Komponisten und Textautoren, keinerlei biografische Anmerkungen. Und das ist wirklich enttäuschend. Wer nur eine Playlist haben möchte, der kann sich diese ganz sicher auch anderweitig zusammenstellen. 

Unvergänglichkeit - Michaela Schuster (Oehms Classics)

Unvergänglichkeit nannte Erich Wolfgang Korngold seinen Liederzyklus, und Michaela Schuster wählt Zyklus und Idee zum Kern des Programmes für ihre zweite CD, die jüngst bei Oehms Classics erschienen ist. Die Mezzosopranistin hat offenbar ein Faible für das große Thema Zeit – ihre erste CD mit dem Titel Morgen! und mit Liedern von Johannes Brahms, Robert Schumann, Max Reger und Richard Strauss begeisterte ebenfalls bereits durch ein kluges Konzept. 
Nun folgt also das zweite Album, und hier sind Lieder von Gustav Mahler, Max Reger Kurt Weill in Korngolds Zyklus quasi hineingeflochten. Sie ergänzen diese Liederfolge, und setzen mitunter nachdenkliche, mitunter auch kecke Akzente. Dieses Programm ist rundum schlüssig, und zugleich überraschend und extravagant. Ähnliches lässt sich über den Liedvortrag von Michaela Schuster sagen. 
Die Sängerin gestaltet jedes einzelne Lied mit großer Sorgfalt, und mit brillanter Technik und Artikulation. Man versteht wirklich jedes Wort, und man kann jeden musikalischen Gedanken nachvollziehen. Das macht diese CD zum Erlebnis – und in Matthias Veit hat die Mezzosopranistin zudem einen exzellenten Liedbegleiter an ihrer Seite. Großartig!