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Freitag, 3. Mai 2019

Scarlatti: Responsories for Holy Week - Holy Saturday (Deutsche Harmonia Mundi)

„Forse Sua Altezza Reale si degnerà di accettare l'offerta di questo debole parto della mia corta abilità nel porre in Musica li Mottetti Sacri, allo stile sodo del Palestrina (..) Se piacerà, li Responsi potranno trovar sostegno nel basso per l'Organo, quantunque le voci in solitudine mi sembrino talvolta più convenienti al dramma del Redentore, che fu senza sostegno, solo e rinnegato.“ So soll sich Alessandro Scarlatti in einem Brief geäußert haben, den er zusammen mit den Noten der Responsorien an den Großherzog der Toskana gesandt haben soll. Für Cosimo III. de' Medici hatte Scarlatti damals bereits mehrfach Opern geschrieben; 1702 war er auch selbst in Florenz, um dort eine Aufführung zu leiten. Und wenn obige Erinnerung, die der Kapellmeister von Santa Maria del Fiore zu Papier gebracht hat, zutrifft, dann könnten die Responsorien erstmals 1708 in Florenz erklungen sein. 
Es sind Werke von großer Ausdruckskraft, als Zyklus durchkomponiert, ungemein emotional. Zu Recht gilt Alessandro Scarlatti (1660 bis 1725) als „Erneuerer der Barockmusik“. Er führte die dreisätzige Sinfonia mit der Abfolge schnell – langsam – schnell ein, die er regelmäßig an den Anfang seiner Opern setzte. Alle anderen italienischen Opernkomponisten übernahmen dies schon sehr bald. Außerdem schrieb Scarlatti Sonate a quattro, und schuf damit quasi den Vorgänger des modernen Streichquartettes. 
Für diese CD wurden die Responsorien für den Karsamstag durch vier Motetten und vier Orgelstücke des Komponisten ergänzt. La Stagione Armonica unter Leitung von Sergio Balestracci gestaltet dieses Programm gemeinsam mit dem Organisten Carlo Steno Rossi. „Emotional packende Musik zu Ostern – mustergültig interpretiert“, wirbt  das Label; ein Urteil, das ich voll bestätigen kann. 

Donnerstag, 14. Mai 2015

Paer: La Passione di Gesù Cristo (cpo)

Ferdinando Paër (1771 bis 1839) war ein Musiker mit einem ganz erstaun- lichen Lebensweg. Er stammte aus Parma, und debütierte 1791 in seiner Heimatstadt als Opernkomponist – offensichtlich erfolgreich, denn 1792 wurde er zum maestro di cappella und 1797 zum Generalmusikdirektor des dortigen Hofes ernannt. Noch im selben Jahr ging Paër dann mit seiner zukünftigen Ehefrau, einer Sängerin, nach Wien, wo das Ehepaar an der italienischen Oper engagiert wurde. Nach einer Zwischenstation in Prag kam Paër dann 1803 als Kapellmeister am Morettischen Opernhaus nach Dresden. Nach vier Jahren zog er weiter nach Paris, wo er maître de chapelle an Napoleons Hof wurde, zudem Dirigent an der Opéra-comique und 1812 auch Kapellmeister des Théâtre des Italiens. Er wurde Mitglied der Académie des Beaux-Arts, und er unterrichtete am Pariser Konservatorium im Fach Komposition. 
Paër schrieb mehr als 40 Opern, die sehr erfolgreich waren; er gehörte aber nicht nur zu den wichtigsten Opernkomponisten seiner Generation, er schuf auch geistliche und Kammermusik. „Eine neue Cantate in wäl'scher Sprache ,das heilige Grab', Musik von Ferd. Paër und von demselben auch dirigirt“, so kommentierte die Wiener Tonkünstlersocietät eine Aufführung am Palmsonntag 1803, zugunsten der Witwen und Waisen. Das Musik- stück, entstanden auf einen Text von Pietro Bagnoli, bringt uns die Trauer angesichts des gekreuzigten Christus an seinem Grab drastisch vor Augen und Ohren. Dieses Opus, man würde es heute wohl eher als Oratorium bezeichnen, ist nun in Weltersteinspielung bei cpo erschienen. 
Paërs Musik klingt ein wenig, als hätten Mozart und Beethoven gemein- sam komponiert. Sie ist leidenschaftlich, dabei aber stets auch elegant und von schönen Melodien getragen. Die Rolle des Johannes war seinerzeit für Luigi Lodovico Marchesi bestimmt, einen berühmten Sopranisten – was man noch immer wahrnehmen kann; die lange ausgehaltenen Töne, die Verzierungen, die anspruchsvolle Melodik – das ist eine Partie für einen herausragenden Sänger. Auch der Chor hat heikle Aufgaben zu meistern. 
Es singen Valentina Coladonate, Sopran/Johannes, Valentina Kutzarova, Mezzosopran/Maria Magdalena, Enea Scala, Tenor/Nikodemus und Alvaro Lozano, Bariton/Joseph von Arimathea, sowie der Coro La Stagione Armonica, und es musiziert das Orchestra di Padova e del Veneto unter Sergio Balestracci.