Wer Lust hat, zum Osterfest einmal nicht Bachs Matthäuspassion anzuhören, und wer eine große Portion romantisches Pathos verkraftet, dem sei an dieser Stelle Carl Loewes Passionsoratorium Das Sühnopfer des neuen Bundes empfohlen.
Der Komponist ist heute vor allem für seine großartigen Balladen- vertonungen bekannt. Er hat mehr als 500 Lieder komponiert, und außerdem 17 Oratorien, etliche Kantaten, sechs Opern, diverse Kammermusik sowie je zwei Sinfonien und Klavierkonzerte, die leider alle in Vergessenheit geraten sind. Diese Einspielung mit den Arcis-Vocalisten München sowie dem Barock- orchester L'arpa festante unter der Leitung von Thomas Gropper zeigt, dass sich eine Sichtung dieser Notenbestände durchaus lohnen könnte.
Johann Carl Gottfried Loewe (1796 bis 1869) war der Sohn eines Kantors. Er stammte aus Löbejün bei Magdeburg, und ging zunächst in Köthen zur Schule. Dank eines Stipendiums konnte der höchst begabte Knabe seine Ausbildung 1809 an der Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale fortsetzen. Er sang als Sopranist im Stadtsingechor, und war auch ein gefragter Solist. Daniel Gottlob Türk und Johann Friedrich Reichardt gehörten zu seinen Lehrern.
1816 bewarb sich Loewe um die Organistenstelle an der Marktkirche, die er aber nicht bekam. So begann er dann ein Jahr später, nach bestandener Reifeprüfung, ein Theologiestudium an der Universität der Saalestadt. Außerdem wirkte er auch weiterhin als Sänger, und komponierte. 1820 erfuhr Loewe, dass für die Stettiner Hauptkirche St. Jacobi ein Kantor gesucht wird. Auf Wunsch des dortigen Magistrats reiste der junge Musiker zunächst nach Berlin, wo Carl Friedrich Zelter, Leiter der Singakademie und Berater der preußischen Regierung in musikalischen Angelegenheiten, Loewes Eignung prüfte. Das Zeugnis fiel offenbar positiv aus – Loewe erhielt die Stelle, und blieb in Stettin sagenhafte 46 Jahre lang. Der Musiker war dort nicht nur Kantor und Organist, er unterrichtete auch am Gymnasium und am Lehrerbildungsseminar und war städtischer Musikdirektor. Außerdem gründete er den Pommerschen Chorverband, und organisierte zahlreiche Musikfeste. In den Ferien ging er auf Konzertreisen; er war ein exzellenter Tenor und auch ein begnadeter Pianist. 1837 wurde Loewe Ehrendoktor der Universität Greifwald, und Mitglied der Berliner Akademie der Künste.
1864 erlitt Loewe einen Schlaganfall, und wurde in Kiel von seinen Töchtern gepflegt. Als er dann nach seiner Genesung den Dienst in Stettin wieder antreten wollte, forderte ihn der Magistrat auf, in den Ruhestand zu treten. Und so kehrte Loewe 1866 nach Kiel zurück, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. In Kiel ist er auch begraben, doch sein Herz wurde in einem Pfeiler unter „seiner“ Orgel in Stettin beigesetzt. Eine Gedenktafel erinnert dort noch heute an den großen Musiker.
Das Libretto für Das Sühnopfer des neuen Bundes lieferte Wilhelm Telschow, eigentlich ein Experte für Buchhaltung und kaufmännische Rechnen. Es ist eine Kombination aus Bibelzitaten, Psalmtexten, Choralstrophen und freier Dichtung. Die Bibelworte hat Telschow sprachlich meist vereinfacht; die Rede Jesu allerdings ließ er unangetastet. Ansonsten fällt die betont schlichte Sprache auf, für die sich der Dichter entschied.
Die Musik hingegen ist kunstvoll; Loewe zeigt in seiner Kirchenmusik, neben seiner Bach-Verehrung, Sinn für Dramatik. Doch auch die Gefühle jener Menschen, die Christus auf dem Wege vom Hause Simonis, wo eine Frau Jesus mit duftendem Wasser übergossen hat, über Gefangennahme und Kreuzigung bis zur Grablegung begleiten, spiegelt er ausdrucksvoll in seinem Werk.
Monika Mauch, Ulrike Malotta, Georg Poplutz und Andreas Burkhart als Solisten sowie die Arcis-Vokalisten und das Barockorchester L'arpa festante stellen das Oratorium höchst ansprechend vor. Wer eine andere Facette des Balladenspezialisten Loewe kennenlernen möchte, der sollte diese Doppel-CD unbedingt anhören. Eine Entdeckung, nicht nur für Freunde sakraler Chormusik.
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Sonntag, 28. April 2019
Donnerstag, 7. Dezember 2017
Graun: Uns ist ein Kind geboren (Oehms Classics)
Im Jahre 1724 wurde Carl Heinrich Graun (1704 bis 1759) als Tenor an den Braunschweiger Hof verpflichtet. Doch bald stellte sich heraus, dass der junge Hofsänger, der seine musikalische Ausbildung an der Dresdner Kreuzschule erhalten hatte, weit mehr konnte – und so wurde er neben Hofkapellmeister Georg Caspar Schürmann zunächst zum Opernkomponisten, und dann auch zum Vizekapellmeister.
Für die Hochzeit des preußischen Kronprinzen komponierte er 1733 eine Oper, die diesem so gut gefiel, dass er den Musiker an seinen Hof nach Rheinsberg holte. Als Friedrich II. 1740 den Thron bestieg, ernannte er Carl Heinrich Graun zu seinem Hofkapell- meister.
Von den zahlreichen geistlichen Werken des Komponisten sind nur sehr wenige überliefert. Desto erfreuter war die Musikwelt, als in den 1990 in Washington D.C., in der Library of Congress, die Abschrift eines Weihnachtsoratoriums von Graun gefunden wurde. Wer sie angefertigt hat, wann das Stück entstanden ist und wer den Text geschaffen hat – all diese Fragen konnte die Musikwissenschaft bislang noch nicht klären.
Mittlerweile haben einige Ensembles Grauns Weihnachtsoratorium wiederentdeckt – so auch die Arcis-Vocalisten, gegründet im Jahre 2005 von Thomas Gropper, der das Ensemble noch immer leitet. Der Münchner Projektchor hat das Werk nun gemeinsam mit dem Barockorchester L'arpa festante in einer Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk bei Oehms Classics veröffentlicht. Aus der gut besetzten Solistenriege sticht insbeson- dere Monika Mauch heraus, die ihren Part mit beeindruckender Eleganz singt. Zu hören sind zudem Marion Eckstein, Mezzosopran, Georg Poplutz, Tenor, und Raimund Nolte, Bassbariton.
Für die Hochzeit des preußischen Kronprinzen komponierte er 1733 eine Oper, die diesem so gut gefiel, dass er den Musiker an seinen Hof nach Rheinsberg holte. Als Friedrich II. 1740 den Thron bestieg, ernannte er Carl Heinrich Graun zu seinem Hofkapell- meister.
Von den zahlreichen geistlichen Werken des Komponisten sind nur sehr wenige überliefert. Desto erfreuter war die Musikwelt, als in den 1990 in Washington D.C., in der Library of Congress, die Abschrift eines Weihnachtsoratoriums von Graun gefunden wurde. Wer sie angefertigt hat, wann das Stück entstanden ist und wer den Text geschaffen hat – all diese Fragen konnte die Musikwissenschaft bislang noch nicht klären.
Mittlerweile haben einige Ensembles Grauns Weihnachtsoratorium wiederentdeckt – so auch die Arcis-Vocalisten, gegründet im Jahre 2005 von Thomas Gropper, der das Ensemble noch immer leitet. Der Münchner Projektchor hat das Werk nun gemeinsam mit dem Barockorchester L'arpa festante in einer Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk bei Oehms Classics veröffentlicht. Aus der gut besetzten Solistenriege sticht insbeson- dere Monika Mauch heraus, die ihren Part mit beeindruckender Eleganz singt. Zu hören sind zudem Marion Eckstein, Mezzosopran, Georg Poplutz, Tenor, und Raimund Nolte, Bassbariton.
Mittwoch, 15. April 2015
Graun: Der Tod Jesu (Oehms Classics)
Carl Heinrich Grauns Passions- oratorium Der Tod Jesu, uraufgeführt 1755 im Berliner Dom, war ein Auftragswerk von Prinzessin Anna Amalia. Die kunstsinnige Schwester Friedrichs II. von Preußen nutzte dafür ein Libretto von Karl Wilhelm Ramler (1725 bis 1798); der Dichter war seinerzeit eine Berühmtheit und galt als der deutsche Horaz. Zu seinen geistlichen Kantatentexten, die allesamt von etlichen bedeutenden Komponisten vertont wurden, gehören auch noch Die Hirten bey der Krippe zu Bethlehem (1757) und Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu (1760).
Das Passionsoratorium legt weniger Wert auf die Erzählung als vielmehr auf die Reflexion des Passionsgeschehens. Graun kombinierte dazu virtuose Arien mit emotional bewegenden Chören und feierlichen Chorälen. Nicht die strenge Form, sondern Leidenschaft und Ausdruck sollten die Zuhörer bewegen. Der Tod Jesu war ein großer Erfolg; das Oratorium wurde bis weit in das 19. Jahrhundert alljährlich in Berlin aufgeführt. Um 1850 begann das Publikum allerdings zu murren. Die Arien im Stile der opera seria und die empfindsamen Texte wurden als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Und so verschwand dieses Werk des Hofkapellmeisters Friedrichs des Großen schließlich aus dem Repertoire.
Erst jüngst haben einige Ensembles Grauns Oratorium wiederentdeckt – so auch die Münchner Arcis-Vocalisten, gegründet im Jahre 2005 von dem renommierten Gesangspädagogen Professor Thomas Gropper, der das Ensemble noch immer leitet. Dieser Projektchor hat nun Der Tod Jesu gemeinsam mit dem Barockorchester L'arpa festante in einer Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk bei Oehms Classics veröffentlicht. Aus der gut besetzten Solistenriege sticht insbesondere Monika Mauch heraus, die selbst die schwierigsten Passagen mit Leichtigkeit und Eleganz singt. Zu hören sind zudem Georg Poplutz, Tenor, und Andreas Burkhart, Bass.
Das Passionsoratorium legt weniger Wert auf die Erzählung als vielmehr auf die Reflexion des Passionsgeschehens. Graun kombinierte dazu virtuose Arien mit emotional bewegenden Chören und feierlichen Chorälen. Nicht die strenge Form, sondern Leidenschaft und Ausdruck sollten die Zuhörer bewegen. Der Tod Jesu war ein großer Erfolg; das Oratorium wurde bis weit in das 19. Jahrhundert alljährlich in Berlin aufgeführt. Um 1850 begann das Publikum allerdings zu murren. Die Arien im Stile der opera seria und die empfindsamen Texte wurden als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Und so verschwand dieses Werk des Hofkapellmeisters Friedrichs des Großen schließlich aus dem Repertoire.
Erst jüngst haben einige Ensembles Grauns Oratorium wiederentdeckt – so auch die Münchner Arcis-Vocalisten, gegründet im Jahre 2005 von dem renommierten Gesangspädagogen Professor Thomas Gropper, der das Ensemble noch immer leitet. Dieser Projektchor hat nun Der Tod Jesu gemeinsam mit dem Barockorchester L'arpa festante in einer Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk bei Oehms Classics veröffentlicht. Aus der gut besetzten Solistenriege sticht insbesondere Monika Mauch heraus, die selbst die schwierigsten Passagen mit Leichtigkeit und Eleganz singt. Zu hören sind zudem Georg Poplutz, Tenor, und Andreas Burkhart, Bass.
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