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Montag, 7. Dezember 2020

Vom Himmel hoch, da komm ich her (Christophorus)

 


Beim Lesen der Stichworte Weihnachten und Leipzig denkt jeder Musikfreund sogleich an den Thomaskantor Johann Sebastian Bach und sein berühmtes Weihnachtsoratorium. Diese CD aus dem Hause Christophorus zeigt, dass Bachs Amtsvorgänger ebenfalls hinreißend schöne Kompositionen zum Fest geschaffen haben. Der Kammerchor der Christuskirche Karlsruhe hat gemeinsam mit dem Ensemble L’arpa festante sowie den Solisten Monika Mauch, Hanna Zumsande, Franz Vitzthum, Sebastian Hübner und Ekkehard Abele unter Leitung von Peter Gortner in einem Konzert am 22. Dezember 2019 Festmusiken von Sebastian Knüpfer, Johann Schelle und Johann Kuhnau aufgeführt. 

Die ausgewählten Werke nehmen Bezug auf Martin Luthers Choral Vom Himmel hoch, da komm ich her, der von allen drei Thomaskantoren in den Mittelpunkt ihrer Kompositionen gestellt wurde. Während Knüpfers Kantate Ach mein hertzliebes Jesulein noch hörbar auf Stadtpfeifertraditionen beruht, setzt Schelle bereits auf Pauken und Trompeten, um das neu geborene Kind gebührend zu feiern. In seiner Choralkantate Vom Himmel kam der Engel Schar hat er sechs Strophen des Weihnachtsliedes verwendet. Sein Actus Musicus auff Weyh-Nachten aus dem Jahr 1683 hingegen ist ein knapp halbstündiges Oratorium, das die Zuhörer seinerzeit nicht nur zur Andacht angehalten, sondern mit allerlei Liedzitaten sowie mit einer breiten Palette an Klangfarben auch erfreut und gut unterhalten haben dürfte. 

Kuhnaus Magnificat hingegen glänzt bereits in hochbarocker Pracht. Die Musiker haben dieses Werk, so wie es damals üblich war, um vier weihnachtliche Einlagesätze erweitert. Ein ansprechendes Konzertprogramm, das weihnachtlichen Jubel auch in diesem Corona-Jahr in jede Stube bringt; leider wird die Freude zu Hause am Lautsprecher ein wenig getrübt durch die Akustik der Karlsruher Kirche, die im dem Live-Mitschnitt ziemlich präsent wirkt. 


Sonntag, 28. April 2019

Loewe: Das Sühnopfer des Neuen Bundes (Oehms Classics)

Wer Lust hat, zum Osterfest einmal nicht Bachs Matthäuspassion anzuhören, und wer eine große Portion romantisches Pathos verkraftet, dem sei an dieser Stelle Carl Loewes Passionsoratorium Das Sühnopfer des neuen Bundes empfohlen. 
Der Komponist ist heute vor allem für seine großartigen Balladen- vertonungen bekannt. Er hat mehr als 500 Lieder komponiert, und außerdem 17 Oratorien, etliche Kantaten, sechs Opern, diverse Kammermusik sowie je zwei Sinfonien und Klavierkonzerte, die leider alle in Vergessenheit geraten sind. Diese Einspielung mit den Arcis-Vocalisten München sowie dem Barock- orchester L'arpa festante unter der Leitung von Thomas Gropper zeigt, dass sich eine Sichtung dieser Notenbestände durchaus lohnen könnte. 
Johann Carl Gottfried Loewe (1796 bis 1869) war der Sohn eines Kantors. Er stammte aus Löbejün bei Magdeburg, und ging zunächst in Köthen zur Schule. Dank eines Stipendiums konnte der höchst begabte Knabe seine Ausbildung 1809 an der Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale fortsetzen. Er sang als Sopranist im Stadtsingechor, und war auch ein gefragter Solist. Daniel Gottlob Türk und Johann Friedrich Reichardt gehörten zu seinen Lehrern. 
1816 bewarb sich Loewe um die Organistenstelle an der Marktkirche, die er aber nicht bekam. So begann er dann ein Jahr später, nach bestandener Reifeprüfung, ein Theologiestudium an der Universität der Saalestadt. Außerdem wirkte er auch weiterhin als Sänger, und komponierte. 1820 erfuhr Loewe, dass für die Stettiner Hauptkirche St. Jacobi ein Kantor gesucht wird. Auf Wunsch des dortigen Magistrats reiste der junge Musiker zunächst nach Berlin, wo Carl Friedrich Zelter, Leiter der Singakademie und Berater der preußischen Regierung in musikalischen Angelegenheiten, Loewes Eignung prüfte. Das Zeugnis fiel offenbar positiv aus – Loewe erhielt die Stelle, und blieb in Stettin sagenhafte 46 Jahre lang. Der Musiker war dort nicht nur Kantor und Organist, er unterrichtete auch am Gymnasium und am Lehrerbildungsseminar und war städtischer Musikdirektor. Außerdem gründete er den Pommerschen Chorverband, und organisierte zahlreiche Musikfeste. In den Ferien ging er auf Konzertreisen; er war ein exzellenter Tenor und auch ein begnadeter Pianist. 1837 wurde Loewe Ehrendoktor der Universität Greifwald, und Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 
1864 erlitt Loewe einen Schlaganfall, und wurde in Kiel von seinen Töchtern gepflegt.  Als er dann nach seiner Genesung den Dienst in Stettin wieder antreten wollte, forderte ihn der Magistrat auf, in den Ruhestand zu treten. Und so kehrte Loewe 1866 nach Kiel zurück, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. In Kiel ist er auch begraben, doch sein Herz wurde in einem Pfeiler unter „seiner“ Orgel in Stettin beigesetzt. Eine Gedenktafel erinnert dort noch heute an den großen Musiker. 
Das Libretto für Das Sühnopfer des neuen Bundes lieferte Wilhelm Telschow, eigentlich ein Experte für Buchhaltung und kaufmännische Rechnen. Es ist eine Kombination aus Bibelzitaten, Psalmtexten, Choralstrophen und freier Dichtung. Die Bibelworte hat Telschow sprachlich meist vereinfacht; die Rede Jesu allerdings ließ er unangetastet. Ansonsten fällt die betont schlichte Sprache auf, für die sich der Dichter entschied. 
Die Musik hingegen ist kunstvoll; Loewe zeigt in seiner Kirchenmusik, neben seiner Bach-Verehrung, Sinn für Dramatik. Doch auch die Gefühle jener Menschen, die Christus auf dem Wege vom Hause Simonis, wo eine Frau Jesus mit duftendem Wasser übergossen hat, über Gefangennahme und Kreuzigung bis zur Grablegung begleiten, spiegelt er ausdrucksvoll in seinem Werk. 
Monika Mauch, Ulrike Malotta, Georg Poplutz und Andreas Burkhart als Solisten sowie die Arcis-Vokalisten und das Barockorchester L'arpa festante stellen das Oratorium höchst ansprechend vor. Wer eine andere Facette des Balladenspezialisten Loewe kennenlernen möchte, der sollte diese Doppel-CD unbedingt anhören. Eine Entdeckung, nicht nur für Freunde sakraler Chormusik. 

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Graun: Uns ist ein Kind geboren (Oehms Classics)

Im Jahre 1724 wurde Carl Heinrich Graun (1704 bis 1759) als Tenor an den Braunschweiger Hof verpflichtet. Doch bald stellte sich heraus, dass der junge Hofsänger, der seine musikalische Ausbildung an der Dresdner Kreuzschule erhalten hatte, weit mehr konnte – und so wurde er neben Hofkapellmeister Georg Caspar Schürmann zunächst zum Opernkomponisten, und dann auch zum Vizekapellmeister. 
Für die Hochzeit des preußischen Kronprinzen komponierte er 1733 eine Oper, die diesem so gut gefiel, dass er den Musiker an seinen Hof nach Rheinsberg holte. Als Friedrich II. 1740 den Thron bestieg, ernannte er Carl Heinrich Graun zu seinem Hofkapell- meister. 
Von den zahlreichen geistlichen Werken des Komponisten sind nur sehr wenige überliefert. Desto erfreuter war die Musikwelt, als in den 1990 in Washington D.C., in der Library of Congress, die Abschrift eines Weihnachtsoratoriums von Graun gefunden wurde. Wer sie angefertigt hat, wann das Stück entstanden ist und wer den Text geschaffen hat – all diese Fragen konnte die Musikwissenschaft bislang noch nicht klären. 
Mittlerweile haben einige Ensembles Grauns Weihnachtsoratorium wiederentdeckt – so auch die Arcis-Vocalisten, gegründet im Jahre 2005 von Thomas Gropper, der das Ensemble noch immer leitet. Der Münchner Projektchor hat das Werk nun gemeinsam mit dem Barockorchester L'arpa festante in einer Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk bei Oehms Classics veröffentlicht. Aus der gut besetzten Solistenriege sticht insbeson- dere Monika Mauch heraus, die ihren Part mit beeindruckender Eleganz singt. Zu hören sind zudem Marion Eckstein, Mezzosopran, Georg Poplutz, Tenor, und Raimund Nolte, Bassbariton.

Samstag, 30. September 2017

Davon ich singen und sagen will (cpo)

„Wer singt, betet doppelt“ – dieser Satz, der dem Kirchenvater Augustinus zugeschrieben wird, könnte gut auch von Martin Luther stammen. Der Reformator schätzte die Musik sehr, und so ist es kein Wunder, dass zum Gedenken an den Thesenanschlag, der sich am 31. Oktober 2017 zum 500. Male jährt, mittlerweile auch eine enorme Anzahl an CD erschienen sind.
Eine der schönsten hat das Osnabrücker Label cpo nun veröffentlicht. Für diese Produktion haben sich der Bach-Chor Siegen unter Leitung von Ulrich Stötzel und das auf „Alte“ Musik spezialisierte Johann Rosenmüller Ensemble, das von Arno Paduch geleitet wird, zusammengetan. Unterstützt durch renommierte Solisten – Monika Mauch und Ina Siedlaczek, Sopran, Franz Vitzthum, Countertenor, Georg Poplutz und Nils Giebelhausen, Tenor, sowie Markus Flaig und Jens Hamann, Bariton – zeigen sie auf dieser CD, wie das Lied zu einem wichtigen Medium der Reformation wurde.
Nicht nur die singende Gemeinde, auch die Figuralmusik übernahm rasch Luthers Texte und seine Melodien. So erklingen auf dieser CD überwie- gend Werke von Komponisten, die als Zeitgenossen der Reformation gewirkt haben, oder aber im nachfolgenden Jahrhundert. So gilt Johann Walther als „Urkantor“ der evangelisch-lutherischen Kirche. Zu hören ist weiter Musik von Johann Eccard, Michael Praetorius, Heinrich Schütz, Lucas Osiander, Matthäus Le Maistre, Werner Fabricius, Johann Rosenmüller und Johann Sebastian Bach.
Das abwechslungsreiche Programm wird ergänzt durch Instrumental- stücke von Hans Neusidler und Thomas Stoltzer. Und natürlich darf auch Martin Luther nicht fehlen, auch wenn er sich seinerzeit bescheiden einen „kleinen und tumpenen Tenor“ nannte. Dass er von der Musik durchaus etwas verstand, zeigt seine vierstimmige Cantus-firmus-Motette Non moriar sed vivam. Die Stücke für diese Aufnahme wurden durchweg mit Sorgfalt ausgewählt; so gelang manche Entdeckung abseits der allseits bekannten Luther-Choräle und Chorsätze.
Musiziert wird erfreulich differenziert und ausgesprochen ausdrucksstark. Walther klingt deutlich anders als Bach, am anderen Ende des Zeithori- zontes. Eine prächtige, rundum gelungene Einspielung zum Lutherjahr 2017 – unbedingt anhören! Es lohnt sich. 

Mittwoch, 15. April 2015

Graun: Der Tod Jesu (Oehms Classics)

Carl Heinrich Grauns Passions- oratorium Der Tod Jesu, uraufgeführt 1755 im Berliner Dom, war ein Auftragswerk von Prinzessin Anna Amalia. Die kunstsinnige Schwester Friedrichs II. von Preußen nutzte dafür ein Libretto von Karl Wilhelm Ramler (1725 bis 1798); der Dichter war seinerzeit eine Berühmtheit und galt als der deutsche Horaz. Zu seinen geistlichen Kantatentexten, die allesamt von etlichen bedeutenden Komponisten vertont wurden, gehören auch noch Die Hirten bey der Krippe zu Bethlehem (1757) und Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu (1760). 
Das Passionsoratorium legt weniger Wert auf die Erzählung als vielmehr auf die Reflexion des Passionsgeschehens. Graun kombinierte dazu virtuose Arien mit emotional bewegenden Chören und feierlichen Chorälen. Nicht die strenge Form, sondern Leidenschaft und Ausdruck sollten die Zuhörer bewegen. Der Tod Jesu war ein großer Erfolg; das Oratorium wurde bis weit in das 19. Jahrhundert alljährlich in Berlin aufgeführt. Um 1850 begann das Publikum allerdings zu murren. Die Arien im Stile der opera seria und die empfindsamen Texte wurden als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Und so verschwand dieses Werk des Hofkapellmeisters Friedrichs des Großen schließlich aus dem Repertoire. 
Erst jüngst haben einige Ensembles Grauns Oratorium wiederentdeckt – so auch die Münchner Arcis-Vocalisten, gegründet im Jahre 2005 von dem renommierten Gesangspädagogen Professor Thomas Gropper, der das Ensemble noch immer leitet. Dieser Projektchor hat nun Der Tod Jesu gemeinsam mit dem Barockorchester L'arpa festante in einer Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk bei Oehms Classics veröffentlicht. Aus der gut besetzten Solistenriege sticht insbesondere Monika Mauch heraus, die selbst die schwierigsten Passagen mit Leichtigkeit und Eleganz singt. Zu hören sind zudem Georg Poplutz, Tenor, und Andreas Burkhart, Bass.

Samstag, 27. April 2013

Homilius: Markuspassion (Carus)

Gottfried August Homilius (1714 bis 1785) kam im Alter von acht Jahren nach Dresden, wo er an der Dresdner Annenschule lernte. Ab Mai 1735 studierte er Jura in Leipzig. Musikalisch muss er da schon ziemlich versiert gewesen sein, denn er vertrat den Organi- sten der Nikolaikirche beim Generalbass-Spiel - und könnte möglicherweise sogar die Thoma- ner begleitet haben, die dort unter ihrem Kantor Johann Sebastian Bach gesungen haben. Homilius soll auch selbst ein Schüler Bachs gewesen sein.
1742 wurde er Organist an der Dresdner Frauenkirche, 1755 Kreuz- kantor. Die Kreuzkirche allerdings wurde 1760 im Siebenjährigen Krieg zerstört, so dass Homilius mit den Kruzianern in der Frauen- und in der Sophienkirche musizierte. Zu seinen Schülern zählen Johann Adam Hiller und Johann Friedrich Reichardt. Homilius' Werke waren sehr beliebt und weit verbreitet; Carl Philipp Emanuel Bach beispielsweise hat sie in Hamburg aufgeführt. Kurioserweise sind die Abschriften zumeist auch die einzigen Quellen. Denn nach Homilius' Tod haben die Erben sämtliche Musikalien verkauft. Und so ist kaum eines seiner Werke autograph überliefert.
Die Markuspassion widmete Homilius der preußischen Prinzessin Anna Amalia. Die Schwester Friedrichs des Großen liebte die Musik; sie komponierte selber, und hat unter anderem Carl Heinrich Graun zu seinem berühmten Passionsoratorium Der Tod Jesu inspiriert. Auch in Dresden wurden damals solche "modernen" Werke aufgeführt, die nur noch aus reflektierenden, Andacht und Gefühl ansprechenden Texten bestehen.
Die Passionen "alter Art", die auf den Bericht des Evangelisten setzen, und ihn durch Chöre, Choräle und Arien ergänzen, waren zu Homilius' Zeiten aus der Mode geraten. Der Kreuzkantor aber verwendet dieses traditionelle Formmodell - und er folgt auch in seiner Musik keines- wegs nur dem Zeitgeschmack. 
Die Theoretiker der Empfindsamkeit forderten Schlichtheit und Ein- gängigkeit: Musik soll den Hörer unmittelbar berühren; die "alten", barocken Werke wurden als kompliziert und gekünstelt empfunden. Homilius zeigt mit seiner Markuspassion, wie man auf kunstvolle Weise "einfache" Melodien schreiben kann. Dem Komponisten geht es nicht um die dramatische Zuspitzung, sondern um Reflexion. Die Rezitative sind nüchtern, aber elegant. Die Arien sind rar; sie sind melodiös und für den Zuhörer leicht fassbar. Die Texte verweisen auf den Tod Jesu als Heilsgeschehen. Zeilen aber wie "Ihr spottet und wollt Christen heißen / und sklavisch euch den Lastern weihn? / Wie Töpfe wird er euch zerschmeißen; / und er wird groß und herrlich sein." dürften beim Publikum heute eher Schmunzeln als Andacht hervorrufen. Die Textdeutung hat Homilius weitgehend dem Orchester übertragen. Am deutlichsten wird das in der Begleitung der Arien hörbar, mit einer bewundernswerten Instrumentierung. 
Die Turbachöre sind erstaunlich lang und expressiv. Und die Choräle reflektieren das Passionsgeschehen, nicht anders als bei Bach. Fritz Näf hat mit seinen Basler Madrigalisten hier eine nicht übermäßig dankbare Aufgabe, denn der Part des Chores ist nicht sonderlich umfangreich. Die Solisten sind im Bereich der "Alten" Musik überwiegend etabliert. Monika Mauch, Ruth Sandhoff, Hans Jörg Mammel und Thomas Laske fügen sich perfekt in den schlanken, durch feine Nuancen geprägten Gesamtklang ein. Auch das Orchester L'arpa festante erweist sich einmal mehr als versierter Partner der Sänger. Das hört man gern. Und es ist kaum zu glauben, doch die vorliegende Aufnahme dieses Werkes ist die Weltersteinspielung.

Sonntag, 27. Februar 2011

Johann Philipp Förtsch: Ich freue mich im Herrn (Carus)

Der Lebenslauf von Johann Philipp Förtsch (1652 bis 1732) erscheint ziemlich typisch für die Barockzeit. Der Sohn des Bürgermeisters von Wertheim am Main konnte ohne materielle Sorgen zunächst das Gymnasium besuchen. Anschließend studierte er in Jena und Erfurt Medizin, Jura und Phi- losophie. Musik gehörte damals so selbstverständlich dazu, dass wir über seine Ausbildung nichts er- fahren - doch nach seiner Kava- lierstour wurde Förtsch 1674 als Tenorist in die Hamburger Kantorei aufgenommen, und auch in der neu gegründeten Oper am Gänsemarkt trat er auf. 
1680 schlug er die angebotene Kantorenstelle in Lübeck aus, und ging als Kapellmeister an den Hof Herzog Christian Albrechts von Hol- stein-Gottorf. Über den Grund für diese Entscheidung rätseln Musik- wissenschaftler bis heute, denn Christian Albrecht lag in Dauerfehde mit Dänemark - was ihn ein Vermögen kostete. Deshalb bestand die Hofkapelle lediglich aus einem Geiger, drei weiteren Musikern, die jeweils mehrere Instrumente beherrschten, einem Lautenisten, fünf Hoftrompetern und einem Organisten, der offenbar auch das Cembalo spielte. Dazu kamen einige Kapellknaben; Förtsch selbst sang Tenor, und Johann Carl Quellmalz, der erste Bassist der Hamburger Oper, war gemeinsam mit Förtsch in die Dienste des Herzogs getreten. 
Für diese kleine Besetzung entstanden die Kantaten, die auf dieser CD nahezu durchweg als Weltersteinspielung vorliegen. Auffällig ist Förtschs sorgsamer Umgang mit dem Wort, ein deklamatorischer Stil, wie wir ihn von Schütz und dessen Nachfolgern kennen - nur eben moderner. 
Wenn der Sinn geistlicher Musik darin bestand, durch "ihre Lieblich- keit bey den Zuhörern eine sonderliche Andacht zu erwecken" - so formulierte es Andreas Hammerschmidt 1669 - dann war Förtsch ein Meister in diesem Genre. Er vermeidet alle Übertreibung, und orientiert sich offenbar auch an den technischen Möglichkeiten der verfügbaren Musiker und Sänger - doch seine Melodien sind ein Genuss, und auch diese Einspielung ist sehr gelungen. Monika Mauch und  Barbara Bübl, Sopran, Alex Potter, Altus, Hans Jörg Mammel, Tenor und Markus Flaig, Bass musizieren gemeinsam mit dem exzel- lenten Barockorchester L'arpa festante, geleitet von Rien Voskuilen, der zugleich an Cembalo und Orgel zu hören ist. 
Förtsch beendete seine musikalische Karriere übrigens schon sehr bald: Als der musikliebende Herzog 1683 erneut nach Hamburg fliehen musste, wandte sich sein Kapellmeister der Medizin zu. Er komplettierte seine Ausbildung an der Universität Kiel, und ging als Arzt nach Husum. Dort behandelte er nicht nur Patienten, sondern er komponierte auch zwölf Opern für die Hamburger Bühne. 1689 er- nannte ihn der Herzog zum Hofarzt. 1694, nach dem Tode von Christian Albrecht, trat Förtsch als Leibarzt und Hofrat in die Dienste seines Bruders August Friedrich, der Bischof von Lübeck war und in Eutin residierte. Aus dem einstigen musicus wurde ein erfolgreicher und hoch angesehender Arzt und Diplomat. Zum Komponieren freilich scheint  Förtsch in all diesen Jahren nicht mehr die Muße gefunden zu haben.