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Dienstag, 11. August 2015

Water Music - Tales of Nymphs and Sirens (Deutsche Harmonia Mundi)

Den Spuren antiker Wasserwesen folgt Katharina Bäuml mit ihrem Ensemble Cappella de la Torre, quer durch die Musik des des 16. und
17. Jahrhunderts. Die Musiker haben eine Menge interessanter Werke herausgesucht – beispielsweise von Luca Marenzio (1553 bis 1599), Adrian Willaert (1490 bis 1562), Thomas Morley (1557 bis 1602), Orlando di Lasso (1532 bis 1594), Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611) oder Lorenzo Allegri (1567 bis 1648). Von imaginären menschen- ähnlichen Wesen wie den Fluss- göttern und den Quellnymphen bis hin zum vor seinem Tode singenden Schwan tummeln sich darin die verschiedensten mythischen Gestalten. Denn in der Renaissance wurde die antike Literatur wiederentdeckt – und mit ihr ein Paralleluniversum, dessen literarische Bewohner mit dem Christentum zumeist nicht ohne weiteres in Übereinstimmung zu bringen waren. 

Die Künstler und ihre Auftraggeber hat das offenbar nicht gestört. Die beiden Welten treten auch in der Musik in spannungsvolle Wechsel- beziehungen, wie diese CD zeigt: Maria wird zum maris stella, der den Gläubigen den Weg auf ihrer Lebensreise weist. In einem Gesang von Josquin Desprez ruft ein Teil der Sänger die Nymphen herbei, auf dass sie trauern helfen – während andere Stimmen einen Psalmtext vortragen, der auf die Vorpassionszeit verweist. Und Baccio Moschini lässt den Flussgott Tiber höchstpersönlich auftreten, um einem Brautpaar von höchstem Stande zu huldigen. 
So wird deutlich, dass das Wasser Komponisten fasziniert hat, lang bevor Barockmusiker das Eintauchen der Ruder oder das stürmisch bewegte Meer effektvoll in Musik verwandelt haben. Die Musiker um Katharina Bäuml lassen die Frösche quaken, und die Sirenen singen; die acht Instrumen- talisten, die auf historischen Musikinstrumenten brillieren, werden dabei unterstützt durch die Sopranistin Cécile Kempenaers und Altus Benno Schachtner. Ein farben- und abwechslungsreiches, klug zusammenge- stelltes Programm – sehr erfreulich! 

Samstag, 13. Oktober 2012

Two Lutes (Sono Luminus)

Lautenmusik aus Englands Goldenem Zeitalter präsentiert Dorian/Sono Luminus auf dieser CD. Gespielt wird diese phantasti- sche Musik von Ronn McFarlane und William Simms. Eine bessere Besetzung ist für Lautenduette kaum denkbar.
McFarlane startete als Autodidakt auf einer "cranky sixteen-dollar steel-string guitar". Er spielte Blues und Rockmusik, doch zugleich studierte er "klassische" Gitarre - bis er die Laute für sich entdeckte. Simms gehört zu den etablierten Early Music-Spezialisten; er spielt Laute ebenso wie Theorbe und Gitarre, und hat, insbesondere auch im Continuo, an zahlreichen Projekten im Bereich der "Alten" Musik mitgewirkt.
Die Werke, die auf dieser CD erklingen, charakterisiert McFarlane wie folgt: "Elizabethan lute duets yield the most companionable and friendly kind of music-making for the players. In equal duets each lutenist plays nearly the same music, alternating playing the melody and the harmonic accompaniment. It feels like a conversation, with each lutenist posing musical questions and answers throughout. Each player is free to improvise upon the written part, so the con- versation can be very individual and spontaneous! On the other hand, in the treble-ground style of lute duet, one lutenist plays a single line melodic part (usually including some virtuosic passages) while the second lutenist plays a chordal accompaniment. Some- times the chordal accompaniment is very simple and repetitive, and it is likely that a skilled player would vary his part to make a more musically satisfying accompaniment. In this recording, the continuo background and improvising skills of William Simms come to the fore, as two- and three-cord accompaniments become highly ima- ginative counterparts to the single-line melody." 
Besser könnte das auch der Kritiker nicht beschreiben. Zu ergänzen bleibt, dass es sich hier nicht nur um faszinierende Musik, sondern darüber hinaus auch um eine wundervolle Einspielung handelt. Die beiden Lautenisten harmonieren exzellent miteinander, und ihre Musizierlust spürt selbst der Zuhörer. Kein Zweifel: Dies ist eine der besten Lauten-CD des Jahres 2012! 

Freitag, 2. Juli 2010

Merry Melancholy (Hänssler)

Joachim Held spielt englische Lautenmusik des 16. Jahrhunderts. Er hat für diese CD Werke aus der Zeit Elisabeths I. ausgewählt, die das Goldene Zeitalter der (Renais- sance-)Laute in England repräsen- tieren. Es dauerte von der Blütezeit des Genres in den 80er Jahren des
16. Jahrhunderts bis ins frühe
17. Jahrhundert - knapp 30 Jahre also.
Dort setzt er einen Schlusspunkt, denn im Barock entwickelten sich die Laute und auch die Musik, die für das Instrument komponiert wurde, ganz erheblich weiter.
Held beginnt mit einem charmanten Stück von einem Komponisten, von dem insgesamt nur neun Werke sowie der Name Lushier bekannt sind. Im Anschluss an seine Almaine erklingen fünf Werke des einzigen englischen Lautenisten, der seine Musik in einem Lauten- buch veröffentlichte: Das 1603 erschienene The Schoole of Musicke von Thomas Robinson enthält sowohl Unterweisungen im Lautenspiel als auch Soli und Duette für das Instrument. Auf dieser CD sind zwei Giguen sowie Variationen zu beliebten Melodien der damaligen Zeit zu hören. All diese Stücke sind ausgesprochen anspruchsvoll. 
Es folgen eine Fantasia sowie Passymeasures Pavan und Galliard von Richard Allison - auch sie erweisen sich als kunstvoll ausgefeilte Werke, die wohl typisch sind für den Stil der elisabethanischen Zeit. Das musikalische Zentrum der CD aber bilden sechs Werke von John Dowland. Dieser Lautenist war in ganz Europa beliebt, und hat an vielen Höfen konzertiert. So sind insgesamt etwa hundert Soli für das Instrument von ihm in Handschriften und Notendrucken vom europäischen Festland zu finden; in England hingegen existiert wohl nur eine Handvoll Quellen. Held spielt unter anderem Dowlands berühmte Pavane Lachrimae sowie die chromatische Forlorn Hope Fancy, zwei Werke, die mit ihrer Melancholie geradezu zum Symbol jener Zeit geworden sind. 
Auch der Lautenist Francis Cutting schrieb zauberhafte Musik, die jedoch sowohl in ihrer Widmung als auch in ihrer Gestaltung von einem gewissen Sinn für Humor zeugt. John Johnson war der erste englische Lautenist, der eine Anstellung bei Hofe erhielt. Auch der Niederländer Philip Rosseter konnte sich dieser Ehre erfreuen - zu Recht, will mir scheinen, denn seine Musik reicht durchaus an die Dowlands heran. Insbesondere sein A Fancy ist ein Lautentraum. Eine schöne Auswahl englischer Renaissancemusik, von Held perfekt vorgetragen. Es würde mich nicht wundern, wenn der Lauten-Spezialist dafür erneut mit einigen der begehrten Branchenpreise geehrt würde. Respekt!