In einem Manuskript, das um 1770 zusammengestellt wurde und sich heute in der Musikaliensammlung Ton Koopmans befindet, wurde eine bislang unbekannte Version einer Kantate von Georg Friedrich Händel aufgespürt: Tu fedel? Tu costante? HWV 171a weicht erheblich von der bislang bekannten Fassung HWV 171 ab.
Es wird vermutet, dass Händel diese Kantate auf seiner Italienreise in Venedig oder in Florenz komponierte – und als sie 1707 in Rom aufgeführt werden sollte, hatte er die Noten nicht mehr, und musste sich noch einmal an die Arbeit machen. Das Ergebnis unterscheidet sich erheblich von der älteren Variante, was eine ziemliche Sensation darstellt. Zumal bislang unbekannte Kompositionen Händels aus seiner Zeit in Italien ohnehin nur noch sehr selten entdeckt werden.
Auf dieser CD ist die Kantate nun erstmals in der neu aufgefundenen Fassung zu hören, gemeinsam mit weiteren Kantaten aus Händels frühen Jahren sowie zwei auserlesenen Kammerduetten. Ton Koopman musiziert mit dem Amsterdam Baroque Orchestra. Es singen die kubanische Sopranistin Yetzabel Arias Fernandez und Bassbariton Klaus Mertens.
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Sonntag, 18. März 2018
Sonntag, 27. November 2016
Händel: Duetti e Terzetti italiani (Glossa)
Als der junge Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) nach Italien reiste, muss dies für ihn, ähnlich wie für Johann Wolfgang von Goethe, eine Art Erweckungserlebnis gewesen sein. Die italienische Musik, die italienische Lebensart und die italienische Sonne haben Händel inspiriert und sein Werk lebenslang beeinflusst.
Aus Italien brachte der Komponist auch die Leidenschaft für ein Genre mit, das damals beim musikbegeister- ten Adel ganz besonders gefragt war: Die Duetti da camera, kunstvolle, mitunter sogar virtuose Zwiegesänge, die einen Text gekonnt und zumeist sehr expressiv auslegen. Händel hat insgesamt 23 solcher Werke geschrie- ben – die ersten während seiner Zeit in Italien, weitere dann in Hannover, und noch 1740/45 in London schuf er Kammerduette. Fabio Bonizzoni ist derzeit dabei, mit seinem Ensemble La Risonanza bei Glossa eine Gesamt- einspielung dieser ausdrucksstarken Musikstücke zu erarbeiten.
Auf dieser CD sind neben sieben Kammerduetten auch beide Kammerter- zette des Komponisten zu hören. Es singen Roberta Invernizzi und Silvia Frigato, Sopran, Krystian Adam, Tenor, und Thomas Bauer, Bariton. Diese Werke sind, mit möglicherweise einer Ausnahme, auf Händels Italienreise entstanden. Sie beeindrucken durch die Souveränität, mit der der junge Komponist von seinen Kollegen dort gelernt hat – und die Eleganz ihrer Satzkunst und Textausdeutung.
Aus Italien brachte der Komponist auch die Leidenschaft für ein Genre mit, das damals beim musikbegeister- ten Adel ganz besonders gefragt war: Die Duetti da camera, kunstvolle, mitunter sogar virtuose Zwiegesänge, die einen Text gekonnt und zumeist sehr expressiv auslegen. Händel hat insgesamt 23 solcher Werke geschrie- ben – die ersten während seiner Zeit in Italien, weitere dann in Hannover, und noch 1740/45 in London schuf er Kammerduette. Fabio Bonizzoni ist derzeit dabei, mit seinem Ensemble La Risonanza bei Glossa eine Gesamt- einspielung dieser ausdrucksstarken Musikstücke zu erarbeiten.
Auf dieser CD sind neben sieben Kammerduetten auch beide Kammerter- zette des Komponisten zu hören. Es singen Roberta Invernizzi und Silvia Frigato, Sopran, Krystian Adam, Tenor, und Thomas Bauer, Bariton. Diese Werke sind, mit möglicherweise einer Ausnahme, auf Händels Italienreise entstanden. Sie beeindrucken durch die Souveränität, mit der der junge Komponist von seinen Kollegen dort gelernt hat – und die Eleganz ihrer Satzkunst und Textausdeutung.
Mittwoch, 15. Oktober 2014
Händel: Duetti da Camera (Glossa)
Für den Gebrauch bei Hofe kompo- nierte Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) einst seine Duetti da Ca- mera. Die ersten davon entstanden noch in Hannover, weitere dann in London. Letztere waren, so wird ver- mutet, nicht mehr für die Hausmusik der Prinzessinnen, sondern zum Vortrag durch professionelle Sänger bestimmt, denn sie sind technisch deutlich anspruchsvoller.
Eine Auswahl dieser hübschen Werke präsentieren Roberta Invernizzi und Marina de Liso, Sopran und Mezzosopran, gemeinsam mit dem Ensemble La Risonanza auf der vorliegenden CD. Die beiden Sängerinnen unter- scheiden sich im Timbre recht deutlich, was die Strukturen dieser Musik klar erkennbar werden lässt. Man wird feststellen, dass diese Komposi- tionen für zwei Singstimmen und Basso continuo in ihren musikalischen Qualitäten, aber auch in den Anforderungen an die Sänger Händels Opernarien mindestens ebenbürtig sind. Es ist sehr erfreulich, dass diese Raritäten, die man im Konzert so gut wie nie hören wird, nunmehr wenigstens teilweise auf CD erhältlich sind.
Eine Auswahl dieser hübschen Werke präsentieren Roberta Invernizzi und Marina de Liso, Sopran und Mezzosopran, gemeinsam mit dem Ensemble La Risonanza auf der vorliegenden CD. Die beiden Sängerinnen unter- scheiden sich im Timbre recht deutlich, was die Strukturen dieser Musik klar erkennbar werden lässt. Man wird feststellen, dass diese Komposi- tionen für zwei Singstimmen und Basso continuo in ihren musikalischen Qualitäten, aber auch in den Anforderungen an die Sänger Händels Opernarien mindestens ebenbürtig sind. Es ist sehr erfreulich, dass diese Raritäten, die man im Konzert so gut wie nie hören wird, nunmehr wenigstens teilweise auf CD erhältlich sind.
Sonntag, 26. Januar 2014
Al cielo - Duetti da camera di Benedetto Marcello (Fra Bernardo)
Benedetto Giacomo Marcello (1686 bis 1739) entstammte einem venezianischen Patrizier- geschlecht. Wie seine Vorfahren, wurde auch er Jurist. Er bekleidete verschiedene Ämter, und starb als Camerlengo der Republik in Brescia. Musik war für ihn, wie auch für seinen Bruder Alessandro, eine Freizeitbeschäftigung. Er stu- dierte sie bei Francesco Gasparini und Antonio Lotti, und schuf eine Vielzahl von Werken von der Messe bis zum Konzert und von der Sinfonie bis zum Oratorium. Die Musik Marcellos, der sich selbst bescheiden als „nobile veneto dilettante di contrappunto“ bezeichnete, war selbst am Wiener Hof geschätzt.
Unter den Kompositionen Marcellos, die überliefert wurden, sind mehr als 80 Duetti da camera. Dieses Genre, in späteren Zeiten aus der Mode und in Vergessenheit geraten, stand damals in hoher Blüte. Faktisch alle bedeutenden italienischen Komponisten der Barockzeit haben Kammerduette geschrieben – betont individualistische Minia- turen, die Poesie und Musik kunstvoll verknüpfen.
Eine Auswahl der Kammerduette Marcellos präsentieren Silvia Friga- to und Sara Mingardo auf dieser CD, begleitet durch das Ensemble Gambe di legno. Die Musiker spielen zudem eine Auswahl aus seinen Sonaten für zwei Violoncelli oder zwei Viole da gamba und Basso continuo – traumhaft schöne Melodielinien, mit Gamben besetzt klingt das wirklich toll. Mir persönlich gefällt dieser Teil der Aufnah- me am besten; die Stücke mit den Sängerinnen wirken in der Balance zwischen den einzelnen Stimmen seltsam unausgewogen. Und auch das Timbre der beiden Damen erscheint mir für diese Art Musik nicht besonders passend – zuviel Vibrato, und zu viel Erdenschwere.
Unter den Kompositionen Marcellos, die überliefert wurden, sind mehr als 80 Duetti da camera. Dieses Genre, in späteren Zeiten aus der Mode und in Vergessenheit geraten, stand damals in hoher Blüte. Faktisch alle bedeutenden italienischen Komponisten der Barockzeit haben Kammerduette geschrieben – betont individualistische Minia- turen, die Poesie und Musik kunstvoll verknüpfen.
Eine Auswahl der Kammerduette Marcellos präsentieren Silvia Friga- to und Sara Mingardo auf dieser CD, begleitet durch das Ensemble Gambe di legno. Die Musiker spielen zudem eine Auswahl aus seinen Sonaten für zwei Violoncelli oder zwei Viole da gamba und Basso continuo – traumhaft schöne Melodielinien, mit Gamben besetzt klingt das wirklich toll. Mir persönlich gefällt dieser Teil der Aufnah- me am besten; die Stücke mit den Sängerinnen wirken in der Balance zwischen den einzelnen Stimmen seltsam unausgewogen. Und auch das Timbre der beiden Damen erscheint mir für diese Art Musik nicht besonders passend – zuviel Vibrato, und zu viel Erdenschwere.
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