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Dienstag, 5. Januar 2021

Schumann - Klara Min (Hänssler Classic)


 Mit den Klavierwerken Robert Schumanns hat sich Klara Min über eine lange Zeit beschäftigt: „I did not fall in love with him at first sight as I did with Chopin“, meint die Pianistin. Doch die Ausdauer hat sich gelohnt, wie diese CD beweist. 

Zu hören sind Arabeske op. 18, Kreisleriana op. 16 und Carnaval op. 9. Klara Min spielt hinreißend, ihre Interpretation vereint exzellente Technik und tiefes künstlerisches Verständnis. Von leicht und zart über innig und lebendig bis hin zu kraftvoll und resolut findet sie für jedes dieser Werke, fein ausdifferenziert, den passenden Ausdruck. 


Montag, 19. Juli 2010

Schumann: Piano Works; Martynov (Caro Mitis)

Und da wir gerade beim Thema sind - auch Juri Martinow hat frühe Klavierwerke Schumanns einge- spielt, in etwas anderer Kombina- tion allerdings: Das Blumenstück op 19 und die Arabeske op. 18 setzt er als Rahmen, und fasst damit die Sonate für Klavier Nr. 1 fis-Moll op. 11 sowie die Kreisleria- na op. 16.
Die Sonate, zumindest noch orien- tiert an der bekannten Form, pu- blizierte Schumann unter seinen Pseudonymen: Clara zugeeignet von Florestan und Eusebius, schrieb er auf das Titelblatt. Diese beiden Phantasiegestalten sind dem Musikfreund aus Schumanns Zeitschrift vertraut, wo sie selten einer Meinung waren - und sich auch vom Temperament her deutlich unterschieden. In der Zunei- gung zu Clara Wieck aber waren sich die beiden offensichtlich einig. Und darüber, welche Phrase nun von welchem Schumann-Alter-Ego stammt, sollen sich Musikwissenschaftler streiten.
Die Kreisleriana sind ein Zyklus von Miniaturen - was wohl die Lieb- lingsform des Komponisten gewesen sein dürfte. Die acht Phantasien kreisen um Clara: "Eine recht ordentlich wilde Liebe liegt darin in einigen Sätzen, und Dein Leben und meines", schrieb Schumann. Doch gewidmet hat er sie einem Musikerkollegen: "Seinem Freunde Frédéric Chopin zugeeignet." Diese Widmung wiederum setzt Juri Martinow in Musizierhaltung um. Er nimmt die Kreisleriana beinahe aristokratisch, distanziert - was den Stücken aber erstaunlich gut bekommt; seine Auffassung überzeugt.
Arabeske und Blumenstück sind sich in ihrer Grundsubstanz ziemlich ähnlich - es sind, so Schumann, "Variationen, aber über kein Thema". Wie in einem Kaleidoskop werden hier die Themenfragmente umein- ander geschüttelt, immer wieder ergeben sich neue, bestaunenswerte Klangbilder, kleine Wunder von großer Tiefe. Auch hier gefällt mir das überlegte, am Notentext orientierte, sorgsam gestaltende, aber im Einsatz gestalterischer Mittel sehr zurückhaltende Klavierspiel von Juri Martinow. Bravo!

Sonntag, 18. Juli 2010

Schumann: Kreisleriana - Arabeske - Carnaval; Korstick (Oehms Classics)

Kraftvoll und geradlinig spielt Michael Korstick drei frühe Schlüs- selwerke von Robert Schumann: Die Kreisleriana op. 16, die Arabeske op. 18 und Carnaval op. 9. 
Korsticks Auffassung zufolge bringt Carnaval das Wesen Schumanns auf den Punkt, wie kein anderes Stück. Die Aufnahme dieses Zyklus stammt aus dem Jahre 1997; der Pianist hat sich entschieden, sie mit in diese CD zu integrieren, weil sie in den Kon- text passt - und weil er sie noch immer für gültig hält. "Ich mache mir grundsätzlich immer so viele Gedanken über die Interpretation eines Stücks, dass ich nicht nach fünf Jahren alles falsch finde. Ich glaube zudem, dass es keine Aktualität gibt, wenn man sich ernsthaft mit Musik auseinandersetzt", sagt Korstick. "Es geht ja um eine tiefere Wahrheit, und man muss dieser so nah wie möglich kommen. Das unterliegt keinen Aktualitätsschwankungen."
Während Carnaval von der Polarität der Schumann-Seelenzustände Florestan und Eusebius geprägt sei, sieht der Pianist "diese Wider- sprüche in Kreisleriana in dem Sinn aufgehoben, als sie organisch miteinandere verbunden werden." Und an Arabeske fasziniert ihn besonders die Coda: "Das sind für mich die erstaunlichsten Einzel- takte, die Schumann überhaupt geschrieben hat. Schumann sehnte sich nach irdischem Frieden, und in dieser Coda hat er ihn gefun- den." 
Bei dieser Einspielung bleibt nichts Zufall, nichts gefühlig-nebulös, hier ist jeder Takt durchdacht und jeder Pedaleinsatz wohlüberlegt. Zu Schumann passt ein derartiges analytisch sorgsames Musizieren ausgezeichnet; Korstick macht Zusammenhänge hörbar, und zeigt so Seelenlandschaften auf. Diese Aufnahme ist insgesamt von einer Klarheit und Strukturiertheit, die bei einem Romantiker verblüfft. Ein würdiges Präsent zum 200. Geburtstag des Komponisten - für mich gehört diese CD zu den besten Schumann-Einspielungen zum Jubiläum.

Samstag, 17. Juli 2010

Schumann - Harada (Audite)

Hideyo Harada spielt drei frühe Schlüsselwerke von Robert Schumann: Die Fantasie C-Dur
op. 17, die Kreisleriana op. 16 und die Arabeske op. 18 sind vor seiner Hochzeit mit Clara Wieck entstan- den. Das hätte eine interessante Kombination sein können.
Die Interpretation der Pianistin aber kann mich nicht begeistern. Statt Struktur und Gestalt gibts jede Menge Tempo-Varianten, in bunter Mischung und ohne er- kennbare Funktion: Rubato, ritar- dando, rallentando, a piacimentoSchumann selbst meint in seinen Musikalischen Haus- und Lebensregeln: "Spiele im Takte. Das Spiel mancher Virtuosen ist wie der Gang eines Betrunkenen. Solche nimm dir nicht zum Muster." Das ist, denke ich, eine klare Anweisung; ein Profi sollte gute Gründe haben, wenn er doch anders gestaltet. Und die Kreisleriana hat Schumann seinem Freunde Chopin zugeeignet - davon höre ich hier aber nichts. Diese Super-Audio- CD bietet Romantik mit viel Zuckerguss, für die höhere Tochter, das ist eine Einspielung zum Gruseln! Schade drum.