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Sonntag, 22. Juli 2018

à la francaise - Duos der französischen Romantik für Kunstharmonium & Klavier (Christophorus)

Als „Orgue à Double-Expression“, „Harmonium d'Artiste“ oder auch „Harmonium d'Art“ erlebte das Kunstharmonium in Frankreich um die Jahrhundertwende eine kurze Blütezeit. Um 1900 wurden dort doppelt so viele Harmonien wie Klaviere verkauft. Zu den führenden Instrumentenbauern in diesem Markt gehörten Victor Mustel (1815 bis 1890) sowie seine Söhne Charles und Auguste. 
Ihrem Vermächtnis ist diese CD gewidmet; Jan Hennig und Ernst Breidenbach musizieren auf Kunst- harmonium und Piano. Die Instrumente sind Originale – der Konzert- flügel ist ein klangschöner Erard aus dem Jahre 1858, mit sommier de bronze, und das Harmonium aus dem Jahre 1902 verfügt im oberen Bereich zusätzlich über ein Celesta, übrigens ebenfalls eine Erfindung von Victor Mustel. Das Instrument wurde seinerzeit nach Deutschland verkauft, und erklingt nun wieder nach sorgfältiger Restauration. 
Für diese Einspielung haben die beiden Musiker Werke ausgewählt, wie man sie damals auch im Konzertsaal des Pariser Harmoniumbauers hätte hören können. Und so reicht das Programm von kleinen Salonstücken bis hin zu wirklich großer Musik, wie der Sonate op. 55 von Adolphe Blanc (1828 bis 1885) oder Prélude et Fugue op. 28 von Marie Prestat. Durchweg handelt es sich um Raritäten, die man sonst wahrscheinlich nirgends hören kann. 
Mit großem Engagement machen Jan Hennig und Ernst Breidenbach auf ein Kapitel der europäischen Musikgeschichte aufmerksam, das wieder- zuentdecken sich durchaus lohnt. Denn die Klangkombination Konzert- flügel – Kunstharmonium ist eine sehr aparte, die außerordentlich viele Klangfarben zu bieten hat, und hinreißende Effekte ermöglicht. Meine unbedingte Empfehlung! 

Donnerstag, 5. April 2018

Karg-Elert: Music for Piano and Organ (Toccata Classics)

Beinahe ebenso beliebt wie das Klavier war zur Zeit der Romantik das Harmonium. Und weil es interessante Klangfarben mitbrachte, durfte es nicht nur in so manchem gutbürgerlichen Haushalt Einzug ins Musikzimmer halten. Auch erstaun- lich viele Komponisten schrieben Werke dafür. 
Annikka Konttori-Gustafsson, Piano, und der Organist Jan Lehtola präsentieren auf dieser CD einige Beispiele dafür – und zwar, bis auf das Andante cantabile von Jean Sibelius (1865 bis 1957), durchweg in Weltersteinspielungen. Zu hören sind Sibelius' Schauspielmusik zu Pelléas und Mélisande, bearbeitet für Harmonium und Klavier von Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933), sowie zwei Zyklen Karg-Elerts für diese Besetzung, Poesien op. 35 und Silhouetten op. 29. 
Musikalisch sind diese Werke ziemlich reizvoll. Allerdings wird der Hörgenuss dadurch etwas getrübt, dass in Finnland, wo die Aufnahmen entstanden sind, kein Kunstharmonium aufzutreiben war. Und deshalb spielt Jan Lehtola auf der Orgel der Sovitutsenkirkko in Hollola. Das moderne Instrument, errichtet von Veikko Virtanen Oy, verfügt über 26 Register auf zwei Manualen und Pedal. Es klingt aber nicht wirklich wie ein Harmonium (das zudem deutlich weniger Register aufbieten könnte). Insofern ist dies tatsächlich eine Orgel-CD, auch wenn Jan Lehtola ziemlich zurückhaltend registriert.