Beinahe ebenso beliebt wie das Klavier war zur Zeit der Romantik das Harmonium. Und weil es interessante Klangfarben mitbrachte, durfte es nicht nur in so manchem gutbürgerlichen Haushalt Einzug ins Musikzimmer halten. Auch erstaun- lich viele Komponisten schrieben Werke dafür.
Annikka Konttori-Gustafsson, Piano, und der Organist Jan Lehtola präsentieren auf dieser CD einige Beispiele dafür – und zwar, bis auf das Andante cantabile von Jean Sibelius (1865 bis 1957), durchweg in Weltersteinspielungen. Zu hören sind Sibelius' Schauspielmusik zu Pelléas und Mélisande, bearbeitet für Harmonium und Klavier von Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933), sowie zwei Zyklen Karg-Elerts für diese Besetzung, Poesien op. 35 und Silhouetten op. 29.
Musikalisch sind diese Werke ziemlich reizvoll. Allerdings wird der Hörgenuss dadurch etwas getrübt, dass in Finnland, wo die Aufnahmen entstanden sind, kein Kunstharmonium aufzutreiben war. Und deshalb spielt Jan Lehtola auf der Orgel der Sovitutsenkirkko in Hollola. Das moderne Instrument, errichtet von Veikko Virtanen Oy, verfügt über 26 Register auf zwei Manualen und Pedal. Es klingt aber nicht wirklich wie ein Harmonium (das zudem deutlich weniger Register aufbieten könnte). Insofern ist dies tatsächlich eine Orgel-CD, auch wenn Jan Lehtola ziemlich zurückhaltend registriert.
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Donnerstag, 5. April 2018
Sonntag, 3. Juli 2016
L'Harmonium excentrique de Karg-Elert (Gallo)
Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933), eigentlich Siegfried Theodor Karg, verbrachte den größten Teil seines Lebens in Leipzig. Dort sang der Knabe im Chor der Johanniskirche, ging zum Klavierunterricht und komponierte erste Werke. Ein Stipendium ermöglichte es ihm, am Konservatorium zu studieren, wo unter anderem Carl Reinecke und Robert Teichmüller zu seinen Lehrern gehörten.
Ab 1901 wirkte Karg-Elert vor allem als Klavierlehrer; außerdem kompo- nierte er, überwiegend Klavier- und Kammermusik. In späteren Jahre wandte er sich zudem der Orgel zu. 1919 wurde er Dozent für Musiktheorie und Komposition am Leipziger Konser- vatorium, 1932 Professor. Im Dritten Reich allerdings wurde seine Musik überhaupt nicht geschätzt. Auch in der Nachkriegszeit entsprach sie nicht den Idealen, so dass sie jahrzehntelang wenig gespielt wurde. Mittlerweile ändert sich das. Und es lohnt sich, wie diese CD beweist.
Das Kunstharmonium ist ein Exot unter den Tasteninstrumenten. Karg-Elert, im Jahre 1904 durch den Musikverleger und Instrumentenhändler Carl Simon darauf hingewiesen, war begeistert – und spielte das Kunst- harmonium schon bald virtuos. Mit seinem farbenreichen Klang scheint es ein ideales Medium für seine Kompositionen gewesen zu sein. In Gesamt- werk Karg-Elerts hat die Musik für das Harmonium ganz besonderes Gewicht; niemand hat mehr Werke dafür geschaffen.
Auf dieser CD präsentiert Joris Verdin, von Haus aus eigentlich Organist, Karg-Elerts Kompositionen für Kunstharmonium op. 26, die Sonatine in e-Moll op. 14 Nr. 2 und die Intarsien op 76. Dafür hat er zwei Instrumente aus der Werkstatt von Victor Mustel ausgewählt – ein Harmonium aus dem Jahre 1891 sowie ein Orgue-Célesta von 1927. Letzteres kombiniert auf jeweils einem Manual Célesta und Harmonium. Karg-Elerts Musik erscheint weniger „exzentrisch“ als vielmehr geistreich und handwerklich ungemein gut gemacht. Grandios! Eine Einspielung, die rundum beein- druckt.
Ab 1901 wirkte Karg-Elert vor allem als Klavierlehrer; außerdem kompo- nierte er, überwiegend Klavier- und Kammermusik. In späteren Jahre wandte er sich zudem der Orgel zu. 1919 wurde er Dozent für Musiktheorie und Komposition am Leipziger Konser- vatorium, 1932 Professor. Im Dritten Reich allerdings wurde seine Musik überhaupt nicht geschätzt. Auch in der Nachkriegszeit entsprach sie nicht den Idealen, so dass sie jahrzehntelang wenig gespielt wurde. Mittlerweile ändert sich das. Und es lohnt sich, wie diese CD beweist.
Das Kunstharmonium ist ein Exot unter den Tasteninstrumenten. Karg-Elert, im Jahre 1904 durch den Musikverleger und Instrumentenhändler Carl Simon darauf hingewiesen, war begeistert – und spielte das Kunst- harmonium schon bald virtuos. Mit seinem farbenreichen Klang scheint es ein ideales Medium für seine Kompositionen gewesen zu sein. In Gesamt- werk Karg-Elerts hat die Musik für das Harmonium ganz besonderes Gewicht; niemand hat mehr Werke dafür geschaffen.
Auf dieser CD präsentiert Joris Verdin, von Haus aus eigentlich Organist, Karg-Elerts Kompositionen für Kunstharmonium op. 26, die Sonatine in e-Moll op. 14 Nr. 2 und die Intarsien op 76. Dafür hat er zwei Instrumente aus der Werkstatt von Victor Mustel ausgewählt – ein Harmonium aus dem Jahre 1891 sowie ein Orgue-Célesta von 1927. Letzteres kombiniert auf jeweils einem Manual Célesta und Harmonium. Karg-Elerts Musik erscheint weniger „exzentrisch“ als vielmehr geistreich und handwerklich ungemein gut gemacht. Grandios! Eine Einspielung, die rundum beein- druckt.
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