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Sonntag, 4. Oktober 2020

John Williams in Vienna (Deutsche Grammophon)

 

Im Januar 2020 dirigierte John Williams erstmals die Wiener Philharmoniker – und sowohl die Presse als auch das Publikum gerieten darüber schier in Ekstase: „Besuch vom lieben Gott“, titelte beispielsweise der Standard. 

Es war ohne Zweifel ein Ereignis, und wer Karten bekommen hatte, der konnte sich freuen. Im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins erklangen im Konzert diesmal ausschließlich Werke des legendären amerikanischen Filmkomponisten – und als Stargast stand auch die Geigerin Anne-Sophie Mutter mit auf der Bühne. 

Die Musiker schätzen nicht nur Williams‘ Musik; sie waren auch von seiner hochprofessionellen Probenarbeit und von seiner präzisen Schlagtechnik begeistert gewesen, so wird berichtet. Die Blechbläser sollen darum gebeten haben, den Imperial March unbedingt mit ins Programm zu nehmen. Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit; auch der Komponist versicherte, die Arbeit mit den Wiener Philharmonikern sei für ihn „eine ganz besondere Ehre“

Die bekannten Melodien aus Filmen wie Star Wars, Indiana Jones, Jurassic Park wirken in dieser Aufnahme sehr edel; man vergisst beinahe, dass es sich nicht um sinfonische Musik, sondern eigentlich um Filmsoundtracks handelt. Die Kompositionen von John Williams haben aber durchaus das Format, um auch im Konzertsaal, ganz ohne Leinwand, das Publikum zu begeistern. Das spricht für die Qualität seiner Musik. 

Diese CD dokumentiert das besondere Konzert – und vielleicht gelingt es bei nächster Gelegenheit, neben den phantastischen Filmmusiken auch einmal ein „richtiges“ Orchesterwerk von John Williams mit ins Programm zu nehmen. May the Force be with you! 


Freitag, 30. August 2019

Across the Stars (Deutsche Grammophon)

Gestern war ich auf der Autobahn unterwegs, in der Dämmerung, ringsum am Horizont Wetter- leuchten, und dazu habe ich diese CD angehört. Great! Wer hätte das gedacht – aber dies ist ohne Zweifel mein ganz persönliches Album des Jahres. 
Ganz ehrlich: Anne-Sophie Mutter gehörte bislang nicht zu meinen Favoriten. Doch die anfängliche Skepsis wich bald purer Begeisterung. Denn die Geigerin kann Moderne. Die Aufnahme bietet eine breit gefächerte Auswahl von John Williams’ berühmten Filmthemen, vom Komponisten höchstpersönlich neu arrangiert und auch selbst dirigiert. Eingespielt wurde sie in Culver City in Kalifornien, im großen Aufnahmesaal der Sony Pictures Studios – dort, wo üblicherweise Filmmusiken für Hollywood aufgezeichnet werden, und von Musikern, die dafür üblicherweise engagiert werden. 
Schon vor Jahren bat Anne-Sophie Mutter John Williams, ein Stück für sie zu schreiben, und sie äußerte zudem den Wunsch, auch ausgewählte Filmmusiken zu spielen. „In discussing this idea, we both realized that I had adapted only one or two of these pieces for solo violin and orchestra, and that the remainder of the chosen material would have to be new developed and orchestrated to complete her album. Because the opportunity to write for a great virtuoso always presents an energizing and exciting opportunity, I set about this project with great enthusiasm“, sagt John Williams.  „Working with Anne-Sophie on this recording has been a pure inspiration. She has brought vibrant life to these familiar themes in new and unexpected ways, which has been a great joy for me as a composer.“ 
Links neben John Williams Dirigentenpult, wie im Konzert, aber im Meister-Yoda-T-Shirt, musizierte Anne-Sophie Mutter. „Ich bin nicht einfach nur ein Fan“, meint die Geigerin. „Ich bewundere die Musik von John Williams, auch seine klassischen Filmmusiken. Von seinem Orchestersatz lerne ich unglaublich viel über Ausdruck und musikalische Farben. Es ist für mich ein echtes Abenteuer, hier den richtigen Ton, die richtige Nuance zu suchen und zu finden.“ 
Man muss aber feststellen, dass genau dies Anne-Sophie Mutter bewundernswert gelungen ist. Sie musiziert mit beeindruckender Leidenschaft und unglaublich ausdrucksstark. Es ist wie ein Sprung in die Zukunft: Immer wieder entdeckt der Hörer neue Facetten, neue Klangfarben, einen mutigen Strich. 
Die Geigerin nutzt ihre brillante Technik, um Williams' Musik bis in die feinste Schattierung perfekt zu gestalten. Man höre nur Night Journeys aus Dracula – was für ein Drama! Kein Violinkonzert könnte aufregender sein, keine Sonate mehr bewegen. Und die ganze Aufnahme strahlt eine Musizierfreude aus, es ist einfach grandios. Bravi, bravi, bravi! 

Montag, 29. Januar 2018

Schubert: Forellenquintett (Deutsche Grammophon)

Die renommierte Geigerin Anne-Sophie Mutter, mittlerweile seit über 40 Jahren im Klassik-Geschäft, und der exzellente Pianist Daniil Trifonov, jetzt Mitte zwanzig, haben im Juni 2017 im Baden-Badener Festspiel- haus zusammen mit drei jungen Stipendiaten der Anne-Sophie Mutter Stiftung Schuberts Klavierquintett in A-Dur D 667 gespielt, allgemein bekannt als Forellenquintett. Auf dem Programm standen außerdem das Trio in Es-Dur Notturno D 897, ein kühnes spätes Werk für Violine, Cello und Klavier, sowie zwei bekannte Lieder des Komponisten, arrangiert als Encores. 
„Die größten Werke der Musikgeschichte sind für kammermusikalische Besetzungen geschrieben“, sagt Anne-Sophie Mutter. „Aber nicht nur deshalb habe ich die Kammermusik schon immer geliebt und liebe sie immer mehr. Es gibt keine Musik von einer solchen Intimität und keine, die so viel Spontaneität erlaubt und Reaktionsfähigkeit benötigt.“ 
Mit Daniil Trifonov musizierte Anne-Sophie Mutter bei diesem Projekt zum ersten Mal gemeinsam. Beteiligt als Kammermusikpartner sind zudem Hwayoon Lee, Viola, Maximilian Hornung, Violoncello und Roman Patkoló, Kontrabass. Musiziert wird frisch und akzentuiert; festzustellen ist allerdings, dass die Geige und das Klavier sehr oft dominieren. 
Auch in den beiden Zugaben zeigen Mutter und Trifonov, wie gut sie trotz des Generationen-Unterschieds miteinander harmonieren. „Es ist eine ganz eigene Literatur mit einem ganz besonderen Stil“, meint die Geigerin. Das Ave Maria beispielsweise hat Jascha Heifetz 1917 in sein Repertoire aufgenommen, und mehr als 200 Mal gespielt. „Das schöne Arrangement des Ständchens (..) bringt doch wunderbar die Einsamkeit, Dunkelheit und Melancholie zum Ausdruck, die über dem Lied liegen“, so Anne-Sophie Mutter. „Auch wenn Daniil, Franz Liszt und ich den Arrangeuren ein bisschen geholfen haben, um die Originale noch etwas besser durchscheinen zu lassen.“ 

Freitag, 29. Januar 2010

Anne-Sophie Mutter - Mendelssohn (Deutsche Grammophon)

Mendelssohns Violinkonzert in e-Moll op. 64, uraufgeführt 1845 in Leipzig, gehört mit seinen ein- gängigen Melodien bis heute unangefochten zu den Lieblingen des Konzertpublikums - und der Solisten.
Anne-Sophie Mutter hat dieses Werk schon einmal, 1980, mit Karajan und den Berliner Sinfo- nikern eingespielt. Die vorliegende Aufnahme ist ein Live-Mitschnitt aus dem März 2008, mit dem Gewandhausorchester Leipzig unter Kurt Masur. Für diesen Klangkörper kann sich die Solistin durchaus begeistern: "Es ist die Transparenz, die Eleganz des Klanges, das Wissen um die innere Balance", schwärmt Mutter.
Die Solistin lässt sich vom Orchester inspirieren und tragen - sowohl durch die leidenschaftlich drängenden Passagen des Konzertes als auch in jenen flirrenden, schwerelos dahinhuschenden Abschnitten, wie sie überwiegend im dritten Satz zu finden sind - typisch für Men- delssohn, und zugleich eine große Herausforderung für die Musiker. Mutter liebt Mendelssohns Komposition, "die alles vereint, was große Musik ausmacht", so die Violinistin: "Leidenschaft, Virtuosität, Reinheit des Ausdrucks, Tiefe der Empfindung, bedingungslose Hingabe an den musikalischen Ausdruck. Es ist ein Geniestreich, und diese Musik ist unsterblich." 
Diese Aufnahme ist exzellent; man wird sie mit Freude anhören. Nicht ganz so hinreißend allerdings finde ich das Klaviertrio Nr. 1 in d-Moll, op. 49, und die Violinsonate in F-Dur, beide eingespielt im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins. André Previn am Bösendorfer ist mir zu massiv, zu monolithisch; ich hätte mir da mehr Leichtigkeit und Transparenz gewünscht.