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Freitag, 22. September 2017

Caldara: Trio Sonatas (Glossa)

Eine neue Aufnahme mit Triosona- ten von Antonio Caldara (um 1670 bis 1736) haben Amandine Beyer und Leila Schayegh zusammen eingespielt. An dieser Produktion der Schola Cantorum Basilienses, der weltweit einzigartigen Hochschule für Alte Musik, wirken zudem mit Jonathan Pešek, Violoncello, Jörg-Andreas Bötticher, Cembalo und Orgel, sowie Matthias Spaeter, der eine italienische Barocklaute spielt. 
Die Triosonaten von Caldara sind deshalb so interessant, weil der Komponist eigentlich mit seinen Opern und Oratorien berühmt wurde. Die Instrumentalstücke erschienen 1693 bzw. 1699 als Opus 1 und 2 im Druck. Caldara, der sich auf dem Titelblatt seines Erstlings als „Musico di Violoncello Veneto“ vorstellt, setzt sich darin zwar mit dem Vorbild Corelli auseinander – aber er findet sehr rasch ganz eigene musikalische Wege, die sich vom typischen „Corelli-Sound“ doch deutlich unterscheiden. 
Die Karriere des jungen Musikers haben die beiden Drucke offenbar befördert: 1699 ging er an den Hof der Gonzaga nach Mantua, ab 1707 wirkte er in Rom, und 1717 wurde er Vizekapellmeister am Wiener Hof. In Wien blieb der Musiker bis zu seinem Tod; er war dort anerkannt und wurde sehr geehrt. 
Auf dieser CD präsentieren Amandine Beyer und Leila Schayegh gemein- sam mit ihren Musikerkollegen eine Auswahl seiner Triosonaten, stilsicher vorgetragen und auch heute noch durchaus hörenswert. 

Samstag, 1. Juli 2017

Farina: Sonate e Canzoni (Pan Classics)

Betrachtet man die Entwicklung des Geigenspiels, gehört das 17. Jahr- hundert mit zu den spannendsten Epochen der Musikgeschichte. Leila Schayegh hat für diese CD einige äußerst interessante Werke aus dieser Zeit zusammengestellt. Die meisten dieser Musikstücke stammen von Carlo Farina (um 1604 bis 1639). Dieser Geiger, der aus Mantua stammte, wurde 1625 nach Dresden berufen, wo er unter Heinrich Schütz als Konzertmeister in der Hofkapelle des sächsischen Kurfürsten musizierte. 
Als bei Hofe durch den 30jährigen Krieg das Geld knapp wurde, sah sich Johann Georg I. gezwungen, das Orchester aufzulösen. Farina kehrte zunächst wieder nach Italien zurück; er ging dann nach Danzig und schließlich nach Wien. Einige seiner Werke sind in fünf Sammlungen überliefert, die in den Jahren 1626 bis 1628 in Dresden gedruckt wurden. Schayegh hat ihre Auswahl durch drei Stücke ergänzt, die aus derselben Zeit stammen und in einer Breslauer Handschrift zu finden sind. Sie zeigen, wie das virtuose Violinspiel italienischer Provenienz Musiker in Deutschland beeindruckt und beeinflusst hat. 
Die Geigerin spürt konsequent dem historischen Klang nach. Das geht so weit, dass sie sogar die „alten“ Haltungen erprobt: „Wir haben uns für die vorliegende Aufnahme an Bildern und Texten orientiert, die zeigen, dass die Violine zur Zeit Farinas in Italien, Frankreich und im norddeutschen Raum meist nicht auf dem Schlüsselbein, sondern weiter unten, oberhalb der Brust, angesetzt wurde“, berichtet Leila Schayegh in einem Geleitwort. „Dazu gehörte auch eine andere Bogenhaltung: der Daumen hielt den Bogen unter dem Frosch, auf dem Übergang zum Haar. (..) Schließlich wurden auf die Violine noch vier reine Darmsaiten gespannt, ein Setting, das den Gesamtklang aufhellt und gleichzeitig aufrauht. Nun fühlt sich das Spiel plötzlich ganz anders an. Die Bogenhand ist etwas unflexibler, da Daumen und Finger weiter voneinander entfernt sind. Das Gewicht des rechten Arms hängt tief und schwer in den Saiten. Die linke Hand hält die Violine gänzlich allein, das Instrument schwingt fast frei auf minimaler Auflagefläche. Auch in den schwierigsten Passagen (..) ist kein Schlüsselbein als Unterlage mehr da, kein Kopf, keine Schulter, die auch nur kurz zu Hilfe eilen könnten. Beim Cello wird der Klang etwas indirekter und feiner, vielleicht auch etwas sandiger, bei der Violine konkreter, penetranter, roher.“ 
Diese Veränderungen prägen diese Aufnahme ganz erstaunlich. Bei ihrem beinahe meditativen Violinspiel begleiten Daniele Caminiti, Erzlaute, Jonathan Pesek, Violoncello und Viola da gamba, und Jörg Halubek, Cembalo und Continuo-Orgel, die Geigerin. Zwei Toccaten für Cembalo von Michelangelo Rossi (1601 bis 1656) sowie das beeindruckende Il Ciarlino Capriccio Chromatico von Pietro Paolo Melli (1579 bis 1623) runden das Programm ab. 

Montag, 15. Mai 2017

Sacred Salterio (Christophorus)

Das Psalterium ist ein Musikinstru- ment mit einer langen Geschichte. Seinen Ursprung hatte es wohl im Orient; es gilt als Urform von Zither, Hackbrett, Harfe und auch diversen Tasteninstrumenten, soweit sie mit Saiten ausgestattet sind. Das Psalter besteht aus einem Resonanzkörper, über den Saiten gespannt sind. Anfänglich wurden sie mit den Fingern oder einem Plektrum gezupft, später, so beim Hackbrett oder beim Clavichord, auch mit Hämmerchen angeschlagen. Eine weitere Version, das Streichpsalter, wird mit einem Bogen gestrichen. 
Das Salterio war noch im 18. Jahrhundert eines der bevorzugten Instru- mente des italienischen Adels. Selbst Antonio Vivaldi komponierte für das Salterio; auch Leonardo Vinci, Giovanni Paisiello und viele andere schrieben Musik für das Instrument. Niccolò Jommelli schuf sogar eine Sinfonia di salterio con violini a basso.  
Und mit den adeligen Damen hielt das Salterio Einzug auch in den Klöstern. Zwar untersagte Papst Benedikt XIV. im Jahr 1749 allzu profane Klänge im kirchlichen Raum. Aber wie man in der Kirchenmusik am Wiener Hof nicht auf Pauken und Trompeten verzichten mochte, so blieb das Salterio bei den Nonnen ein geschätztes Instrument. 
Franziska Fleischanderl stellt auf dieser CD mit ihrem Ensemble Il Dolce Conforto und der Sängerin Miriam Feuersinger eine Auswahl an Musik- stücken aus dem Benediktinerinnenkloster San Lorenzo in San Severo vor. Die Nonnen haben insbesondere in der Karwoche beeindruckende Kompositionen für Sopran, Salterio und Orgel in ihre Andachten mit einbezogen. Als Beispiele erklingen die Lezzione Seconda von Domenico Merola, eine Lamentazione Seconda per il Giovedi Santo la Sera aus dem Jahre 1781, deren Urheber nicht bekannt ist, und die Lezzione Terza del Venerdi Santo von Gennaro Manna sowie ein Atto di dolore nach einem Gebet von Pietro Metastasio, komponiert möglicherweise von Salvatore Fighera. 
Gesungen wurden diese Stücke einst wahrscheinlich von einem Kastraten, das jedenfalls legt eine Widmung nahe, die sich im Manuskript fand. Es ist virtuose Musik, die mit ihren großen Spannungsbögen von Miriam Feuer- singer berückend vorgetragen wird. Franziska Fleischanderl musiziert auf einem originalen Salterio, das 1725 in Rom von Michele Barbi gebaut worden ist. Sie erkundet die Spieltechniken, die damals üblich gewesen sind – was sowohl das Zupfen als auch das Anschlagen der Saiten einschließt. Es ist ihr zu danken, dass sie mit ihrem Engagement ein vergessenes Instrument wieder zurück in das Musikleben bringen möchte. Es lohnt sich durchaus; klangschön jedenfalls ist das Salterio. Unterstützt wird sie dabei durch Jonathan Pesek, Violoncello, und Deniel Perer, Truhenorgel.