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Sonntag, 30. Juni 2019

Brahms: Ein deutsches Requiem (Capriccio)

Wiederentdeckung einer älteren Aufnahme, die ich persönlich hoch schätze: Capriccio hat eine Interpretation von Brahms Ein deutsches Requiem wieder veröffentlicht, die Herbert Kegel 1985 mit dem damaligen Rundfunkchor und Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig eingespielt hat. Solisten waren Mari Anne Häggander und Siegfried Lorenz. 
Es ist dies eine kantige, schwermütige, mitunter auch schroffe Interpretation; zu Brahms' Werk aber passt diese Lesart in ihrer Konsequenz ausgezeichnet. Die beiden Leipziger Ensembles haben unter der Leitung ihres langjährigen Chefdirigenten eine grandiose Einspielung erarbeitet, die wohl für alle Zeit Maßstäbe setzt. Für den Kapellmeister freilich, der hier im Zenit seines Schaffens zu erleben ist, war es eine bittere Zeit: 1985 wurde Herbert Kegel in Dresden, gegen seinen Willen und seine Ambitionen, in Rente geschickt. Fünf Jahre später schied er aus dem Leben. 

Samstag, 20. Juli 2013

Wagner again? Die ersten Dresdner Nachkriegsaufnahmen (Hänssler Profil)

Vier Jahre lang mussten Dresdner Opernliebhaber nach 1945 warten, bis sie erstmals wieder eine Oper Richard Wagners anhören konnten. Immer wieder versuchten Dresdner Kapellmeister, die Musik des Kom- ponisten zumindest im Konzert zu spielen. So gelang es Generalmusik- direktor Joseph Keilberth, im Novem- ber 1946 das Vorspiel zu Parsifal aufzuführen. 
Danach aber verschwanden Wagners Werke wieder für zwei Jahre aus allen Programmen. 1948 erklang dann in einem Festkonzert zum 400jährigen Bestehen der Staatskapelle Dresden das Vorspiel zu den Meistersingern. Die Oper komplett zur Eröffnung des Großen Hauses aufzuführen, das wiederum wurde Keilberth nicht gestattet. 
Wagners Musik war in der DDR, zumal in den Besatzungsjahren, ein Politikum. Denn seine Werke waren durch die Wagner-Verehrung im Dritten Reich sozusagen kontaminiert; wurden die Aufführungen zunächst von der sowjetischen Militäradministration verboten, so waren es später die SED und ihre Handlanger, die Wagner aufgrund politischer Vorbehalte von der Bühne verbannten.
Erst 1949 durfte wieder eine Oper Wagners in Dresden aufgeführt werden – Tannhäuser; zu hören waren unter anderem Christel Goltz und Bernd Aldenhoff. In den nächsten Jahren folgten Die Meistersinger von Nürn- berg, Der fliegende Holländer, Lohengrin, Die Walküre, Tristan und Isolde und Rheingold.
Einige dieser Aufführungen wurden durch den Rundfunk mitgeschnitten; auch gab es aus den frühen Jahren einige Rundfunkproduktionen von Wagner-Opern. Hänssler Profil hat auf drei CD für die Semperoper Edition eine Auswahl dieser ersten Dresdner Nachkriegsaufnahmen zusammen- gestellt. Hier sind in akzeptabler Qualität viele namhafte Dresdner Sänger jener Zeit zu hören, und Dirigenten wie Keilberth, Rudolf Kempe oder Kurt Striegler.


Donnerstag, 18. März 2010

Wagner: Parsifal (Berlin Classics)

Eine Runde alter Männer, in Ritualen und Formeln erstarrt - ein Schelm, wer Arges dabei denkt! und hoher Respekt vor dem Dirigenten Herbert Kegel, der 1975 in der DDR diese Einspielung von Wagners Bühnenweihfestspiel durchgesetzt hat. Den Ideologen des DDR-Regimes freilich war Wagners Parsifal aus ganz anderen Gründen suspekt. Die ganze Geschichte um den Gral, das Blut, Amfortas, Kundry und Klingsor und die Erlösung wird bis heute nur zu gern mit Blick auf Wagners antisemitische Schriften inter- pretiert. Die Experten streiten darüber gern und heftig.
Kegel hält sich aus solchen Debatten heraus - oder auch nicht, denn schon die Entscheidung für eben dieses Stück ist ja bereits durchaus ein Zeichen. So entschloss sich der Dirigent, Wagners Oper in ihrer Nähe zur Musik des 20. Jahrhunderts zu erkunden. 
Das Ergebnis ist noch heute hörenswert - und das nicht nur aufgrund der erstklassigen Besetzung. Genannt seien hier nur Theo Adam als Amfortas, Ulrik Cold als Gurnemanz, René Kollo als Parsifal, Gisela Schröter als Kundry, die Rundfunkchöre Berlin und Leipzig, der Thomanerchor sowie das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig. Kegel meidet jegliches Pathos - und zeigt uns Wagners Werk in einer Leichtigkeit und Transparenz, die diesem Stoff derart perfekt entspricht, dass man sich diese historische Aufnahme noch heute gern anhört.