Posts mit dem Label Wagner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wagner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 15. Oktober 2021

Bottesini: Revolution of Bass (Berlin Classics)

 

 „So eine Riesenkiste, die wirklich wunderbare Töne hervorbringen kann. Faszinierend!“, schildert Dominik Wagner seine erste Begegnung mit dem Kontrabass. Damals war er zehn Jahre alt, und spielte eigentlich Cello – doch den einstigen Wiener Sängerknaben hat die Faszination Kontrabass nicht wieder losgelassen. Den einzigartigen Klang dieses Instrumentes zu ergründen, den Ton differenziert gestalten zu können, daran arbeitet er seitdem. Und obwohl er noch immer studiert, konnte er bereits zahlreiche Preise gewinnen, unter anderem beim ARD Musikwettbewerb und dem Fanny Mendelssohn Förderpreis. Wagner ist zudem Echo Klassik Preisträger. 

Auch auf dieser CD frönt er seiner Leidenschaft: Die Kompositionen von Giovanni Bottesini – über dessen Lebensweg in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet worden ist – sind Belcanto für Kontrabass. Dazu stellen sie höchste Anforderungen an die Spieltechnik; nicht umsonst gilt Bottesini, dessen 200. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern können, als „Paganini des Kontrabasses“. 

Wie schwierig es ist, aus diesen Noten tatsächlich Musik werden zu lassen, das allerdings wird der Hörer nicht merken, wenn er diese CD genießt. Das Programm beginnt mit dem Concerto Nr. 1 in fis-Moll, das Wagner gemeinsam mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Leitung von Emmanuel Tjeknavorian interpretiert. Es ist ein ebenso virtuoses wie effektvolles Konzert, das man gern auch auf dem Konzertpodium öfter erleben würde. 

Zu hören sind weiter das Gran Duo Concertante für Violine, Kontrabass und Orchester sowie das Gran Duo Concertante über Themen aus Bellinis Oper I Puritani für Violoncello, Kontrabass und Orchester. Als Solisten musizieren hier an der Seite von Dominik Wagner Benjamin Schmid, Violine, und Jeremias Fliedl, Violoncello. 

Ebenso brillant gesetzt sind die Bonustitel, mit Can Çakmur am Klavier: Une bouche aimée und Tutto che il mondo serra, mit Sopranistin Ursula Langmayr, sowie das Allegretto Capriccio und die Rêverie für Kontrabass und Klavier. 

Somit zeigt diese CD, wie ein Kaleidoskop, verschiedenste Facetten des Werkes des Jubilars. Und Wagner galoppiert mit seinem Kontrabass so leichtfüßig durch Bottesinis Virtuosenstücke, dass man nur staunen kann. Alles wirkt so einfach und so natürlich, und hat dabei so viel Ausdruck und Seele – großes Kompliment an die Musiker, sie spielen wirklich großartig; Dominik Wagner stehen alle Wege offen für eine Zukunft als Solist. 


Sonntag, 24. Januar 2021

Berlin! Organ Works by Berlin Composers (MDG)

 


Wenn es um Orgelmusik von Berliner Komponisten des 19. Jahrhunderts geht, dann ist Andreas Sieling ohne Zweifel Experte. Der Kirchenmusiker schrieb seine Promotion über August Wilhelm Bach (1796 bis 1869), der einst an der Berliner Marienkirche wirkte, Orgellehrer von Felix Mendelssohn Bartholdy war, und kein Angehöriger der berühmten Musikerfamilie. 

Für diese CD hat er allerdings Werke von anderen Berliner Organisten ausgewählt – eingebettet in drei Präludien und Fugen op. 37 von Felix Mendelssohn Bartholdy erklingen Kompositionen von Otto Dienel (1839 bis 1905), Franz Wagner (1870 bis 1929), August Haupt (1810 bis 1891) sowie Philipp Rüfer (1844 bis 1919). 

Es sind einige Raritäten darunter, wie die Konzertfuge des Orgelvirtuosen August Haupt, die bisher noch gar nicht in einer Aufnahme vorlag. Auch die Orgelsonate in g-Moll op. 16 von Philipp Rüfer erklingt in Weltersteinspielung. 

Sieling ist seit 2005 Domorganist in der Hauptstadt, und am Berliner Dom steht ihm mit der großen Orgel von Wilhelm Sauer, die 1905 mit dem Gebäude eingeweiht worden ist, das perfekte Instrument für diese Musik zur Verfügung. Seinerzeit war diese Orgel mit 7.269 Pfeifen und 113 Registern, die sich auf vier Manuale und Pedal verteilen, die größte in Deutschland. Das spätromantische Instrument, errichtet damals als Bravourstück der modernsten technischen und musikalischen Möglichkeiten der deutschen Orgelbaukunst, folgt dem Orchesterklang als Klangideal. Die größte Orgel des bedeutenden Orgelbauers ist glücklicherweise trotz aller Bombenschäden am Gebäude so gut erhalten geblieben, dass sie restauriert und dabei wieder in den Originalzustand gebracht werden konnte. 

Seit 1993 ist sie wieder spielbar, und Sieling verdeutlicht mit dieser Einspielung, welch überwältigende Nuancen und welche Vielfalt an Farben das Instrument ermöglicht. Für jedes der höchst unterschiedlichen Werke findet er den passenden Klang, und die Aufnahme erfasst zudem die Akustik des Doms so prägnant, dass man meint, im Kirchengestühl zu sitzen. Auf die Spitze getrieben wird dies bei der Zugabe – dabei sind die Türen geöffnet, und die Geräusche der Stadt mischen sich mit der Musik. Keine Frage: Das ist Berlin! 


Montag, 28. Dezember 2020

Bach Cantatas (Accentus)


 Seine erste CD als Leiter des Leipziger Thomanerchores widmete Gotthold Schwarz Kantaten von Johann Sebastian Bach. Der Sänger und Kirchenmusiker, der mit den Thomanern schon seit vielen Jahren als Stimmbildner und vertretungsweise auch als Chorleiter arbeitete, wurde 2016 zum 17. Thomaskantor nach Bach berufen. 

In der Beschäftigung mit Bachs Kantaten, die nach wie vor für das Repertoire des berühmten Leipziger Knabenchores von zentraler Bedeutung sind, sieht Schwarz „eine lebenslange und wunderschöne Aufgabe und Herausforderung“. Für diese CD hat er drei Kompositionen ausgewählt, die sich mit dem besonderen Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen auseinandersetzen: Allein zu dir, Herr Jesu Christ BWV 33, Wer Dank opfert, der preiset mich BWV 17, und Was Gott tut, das ist wohlgetan BWV 99. Die Thomaner sowie Solisten musizieren dabei gemeinsam mit dem Sächsischen Barockorchester.


Montag, 7. Oktober 2019

Kur-Concert in Meran (Fra Bernardo)

Diese CD entführt uns in die gute alte Zeit: Um 1900 trafen sich in dem idyllisch gelegenen Meran die Reichen und der Adel. Sie reisten zur Kur oder einfach zur Erholung nach Südtirol, und die Stadt bemühte sich natürlich, diese Gäste auch gut zu unterhalten. Das „Curorchester“ in Meran war, nach dem in Karlsbad, eines der ältesten in Europa. 
Es spielte auch im Theater, wo vor allem Operetten aufgeführt wurden – und zwar stets die aktuellen Stücke, kurz nach der Uraufführung in Wien. Und so kamen auch Komponisten wie Franz Léhar oder Leo Fall nach Meran, um ihre Werke zu dirigieren. 
Heute gibt es in Meran längst kein Kurorchester mehr. Aus Kurgästen, die mehrere Wochen blieben und neben ihren Behandlungen gern auch Konzert und Theater genossen, sind Touristen geworden – Instagram statt High Society. 
Das Notenarchiv des Kurorchesters aber ist noch vorhanden. Auf dieser CD zeigt Philipp von Steinaecker mit seiner Musica Saeculorum, welches Repertoire von diesem Ensemble um die Jahrhundertwende gespielt worden ist. Neben allerlei Tänzen, vor allem der Familie Strauss, erklingen beispielsweise auch zwei Fantasien mit Melodien aus Richard Strauss' Opern Ariadne auf Naxos und Elektra oder der Karfreitagszauber aus Richard Wagners Parsifal. Sopranistin Laura Giordano singt zudem eine Arie der Musetta aus Giacomo Puccinis Oper La Bohème
Wer ein solches Programm bewältigt – und bei mehr als 400 Auftritten pro Jahr war seinerzeit ganz sicher wenig Zeit für Proben – der muss ohne Zweifel ein exzellenter Musiker sein. Entsprechend hoch muss die Qualität des Kurorchesters einst gewesen sein. Das Ensemble Musica Saeculorum tritt da also in große Fußstapfen, und es musiziert ebenfalls höchst hörenswert. 
Für diese Einspielung wurde das originale Stimmenmaterial der Kurmusik Meran verwendet. Und es ist erstaunlich, was für Klangfarben so ein Salonorchester mit einer Handvoll Streichern, Flöte, Oboe, Klarinette, Posaune und Schlagwerk sowie Harmonium und Klavier als Fundament erzeugen kann. Ungewohnt, aber vom ersten bis zum letzten Ton faszinierend. 

Donnerstag, 25. April 2019

Bach: Matthäuspassion (Naxos)

Pünktlich zum Osterfest veröffent- lichten Bachchor und Bachorchester Mainz ihre Interpretation der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Ralf Otto, der den Chor seit 32 Jahren leitet, setzt einmal mehr auf das Motto: „Histo- risch informiert, aber zeitgemäß interpretiert.“ 
Das Ergebnis begeistert. Und so verwundert es auch nicht, dass für die Einspielung renommierte Solisten gewonnen werden konnten, allen voran Georg Poplutz in der Partie des Evangelisten. Die Jesus-Worte singt Matthias Winckhler. Bei den Arien achtet Otto sehr genau darauf, welchem Chor sie zugeordnet sind. Daher sind die Solisten in allen vier Stimmlagen doppelt besetzt – was für ein Luxus! 
Auch sonst achtet Ralf Otto wenig auf Aufführungstraditionen, und umso genauer auf die Noten. Das führt dann dazu, dass auch bei dieser Aufnahme viele Details wahrnehmbar werden, die sonst oft nicht zu hören sind. Auch die Tempi, die Otto wählt, sorgen da für so manche Überraschung. 
Hier wird Text ausgelegt mit musikalischen Mitteln. Man höre nur, wie der Chor die Choräle singt – die Wirkung ist verblüffend. Vielfach verzichtet Otto auf Rasanz, und setzt statt dessen auf Ausdruck und Klarheit. Das bekommt beispielsweise dem Eingangschor ausgezeichnet, dem man die Klage in diesem Falle tatsächlich abnimmt. Transparenz bieten aber nicht nur die Chöre, sondern auch die Musiker des Orchesters. Mit ihrem Spiel unterstreichen sie die Aussage der Vokalisten. So sollte es sein; einmal mehr setzen Bachchor und Bachorchester mit dieser Aufnahme Maßstäbe.

Montag, 26. November 2018

Molter: Sinfonias & Cantatas (cpo)

Mit einem Editionsprojekt ehrte Thüringen Johann Melchior Molter (1696 bis 1765): Aus Anlass des 250. Todestages startete Theater&Phil- harmonie Thüringen mit dem Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena eine Neuausgabe der Werke des Komponisten, der in Tiefenort an der Werra zur Welt kam, und in Karls- ruhe sowie in Eisenach als Hofkapell- meister wirkte. 
Studierende der Hochschule für Musik Franz Liszt beschäftigten sich intensiv mit den alten Handschriften, die sich in der Badischen Landes- bibliothek Karlsruhe befinden und online abrufbar sind. Sie haben für einige Werke Molters, die seit seinem Tod nicht mehr gespielt wurden, Notenmaterial erstellt. 
Dies ist nicht nur die Grundlage für eine Molter-Werksausgabe, die in den kommenden Jahren bei der Verlagsgruppe Kamprad in Altenburg erscheinen soll. Es schafft auch die Voraussetzung für die Aufführung dieser Musik durch das Reußische Kammerorchester, das unter der Leitung von Werner Ehrhardt Molters Musik einstudiert und in Altenburg und Gera aufgeführt hat. 
So ist auch dieser Mitschnitt entstanden, der im Geraer Konzertsaal aufgezeichnet wurde. Ehrhardt, selbst ein exzellenter Barockgeiger, Gründungsmitglied des Concerto Köln und Gründer des Ensemble L'Arte del Mondo, lässt das Reußische Kammerorchester differenziert und elegant musizieren. So gelingt insbesondere Molters Flötenkonzert sehr ausdrucksvoll; Solist ist Andreas Knoop. Bei den großbesetzten Orchesterstücken am Anfang und Ende der CD wird allerdings hörbar, dass das Orchester solide, aber nicht überragend agiert. 
Die beiden Arien und die umfangreiche Cantata L'augellin tra verdi fronde sind technisch anspruchsvoll und virtuos; leider wird Julia S. Wagner mit ihrem doch recht massigen Sopran diesen Kabinettstückchen des Rokoko-Ziergesanges nur unzureichend gerecht. Hier hätte man sich eine wesentlich beweglichere, koloratursichere Stimme gewünscht. 

Donnerstag, 15. November 2018

Herz-Tod (Decca)

Die Liebe und der Tod – das sind die Themen, denen sich der Bassist Günther Groissböck gemeinsam mit seinem Klavierbegleiter Gerold Huber mit dieser Einspielung zuwendet. Ausgewählt hat der Sänger dafür die Vier ernsten Gesänge von Johannes Brahms, die Michelangelo-Lieder von Hugo Wolf, die Rückert-Lieder von Gustav Mahler – und die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner. 
Sie sind hier zum ersten Male auf CD mit einer Männerstimme zu hören. „Mich hat die Klangsprache der Wesendonck-Lieder schon immer fasziniert, da sie eben dem Tristan an vielen Stelle so nahesteht“, erläutert Günther Groissböck in einem Interview, das im Beiheft nachzulesen ist: „Außerdem habe ich im Text keine verbindliche Geschlechtszugehörigkeit entdeckt, sodass ich mir einfach gedacht habe: Warum denn nicht mal diese ,gender-neutralen' Lieder als Mann singen, weil es ja auch Titel wie ,Schmerzen' oder ,Stehe still' gibt, zu denen etwas draufgängerisches Testosteron sehr gut passt, wie ich finde.“ 
Der Österreicher ist ein gefragter Wagner-Sänger. Sein Bass ist prachtvoll, aber der Liedgesang wirkt mitunter etwas kühl und zurückhaltend; in der Textausdeutung erscheint mir beispielsweise Hans Hotter viel stärker. Gerold Huber allerdings erweist sich einmal mehr als kongenialer Klavierpartner. Es ist beeindruckend, mit welchem Feingefühl er mit dem Sänger in einen Dialog tritt, wie sensibel er auf jede Nuance im Ausdruck reagiert. So wird aus dem Klavierpart weit mehr als eine Begleitung. Huber zeigt immer wieder, wieviel der Pianist zum Gesamtkunstwerk Lied beitragen kann. 

Dienstag, 29. Mai 2018

Wagner: Concert Overtures (Naxos)

Das MDR Sinfonieorchester unter Jun Märkl präsentiert auf dieser CD ausgesprochene Raritäten: Folgt man dem Lebensweg von Richard Wagner (1813 bis 1883), so sind da etliche Musikstücke zu entdecken, die es nicht bis in das Repertoire geschafft haben. Zwei Konzertouvertüren sowie die Ouvertüre zu der historischen Tragödie König Enzio stammen aus den Jugendjahren des Komponisten; sie sind während seines Musikstudiums in Leipzig entstanden. 
Vorbilder des jungen Wagners, der sich hier ausprobiert, waren ganz offenkundig Beethoven und Mendelssohn. Später, da war Richard Wagner bereits in Magdeburg bei der Bethmannschen Theatertruppe, datieren die Ouvertüren zu Christopher Columbus, Die Feen und Das Liebesverbot. Hier überrascht Wagner mit italienischen Klängen – und mit charakteristischen, immer wiederkehrenden Motiven. 
Als Geburtstagsständchen für seine Frau Cosima schrieb er dann 1870 das Siegfried-Idyll; dieses Werk, das populär wurde, beschließt die Einspielung aus den Jahren 2011/12, die insgesamt durch solide Qualität überzeugt. Meine Empfehlung! 

Dienstag, 8. Mai 2018

Bach: Himmelfahrtsoratorium (Rondeau)

Auch das Himmelfahrtsoratorium BWV 11 von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) lässt Pauken und Trompeten laut erschallen. Anders als das berühmte Weihnachtsoratorium beschränkt sich dieses Werk allerdings auf eine Kantate – ursprünglich wurde es im Werkverzeichnis auch als solche geführt, mit dem Titel Lobet Gott in seinen Reichen
Eine Aufnahme, die ziemlich genau vor einem Jahr aufgezeichnet worden ist, lädt dazu ein, sich mit Bachs musikalischer Botschaft zum Festo Ascensionis Christi zu befassen. Auf der CD sind dazu noch zwei weitere thematisch passende Bach-Werke zu finden – die Himmelfahrtskantate Wer da gläubet und getauft wird (BWV 37) sowie die Pfingstkantate O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe (BWV 34). 
Zu hören sind der Gutenberg-Kammerchor Mainz und das auf historischen Instrumenten musizierende Neumeyer Consort. Unter der Leitung von Felix Koch singt zudem mit Jasmin Hörner, Sopran, Julien Freymuth, Altus, Christian Rathgeber, Tenor, und Christian Wagner, Bass ein viel- versprechendes junges Solistenquartett. Eine interessante Einspielung, wunderbar passend zum Festkalender. 

Dienstag, 13. März 2018

#hornlikes (Genuin)

„Die Hörner sind los!“, warnt das Leipziger Label Genuin Classics. Nachdem sie bisher immer gemeinsam mit anderen Ensembles zu hören waren, haben die Musiker von German Hornsound nun zum ersten Mal eine CD eingespielt, auf der sie pur zu erleben sind. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn das Hornquartett hat dafür Lieblingsstücke seiner Mitglieder neu arrangiert. 
Das ermöglicht interessante Eindrücke – egal, ob Sebastian Schorr Händels populäre Arie Lascia ch'io pianga einmal auf dem Horn spielen möchte, Stephan Schottstädt die ebenso berühmte Englischhorn-Melodie der Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvořák erkundet, Christoph Eß die Trompetenklänge aus dem Finalsatz des zweiten Brandenburgischen Konzertes von Johann Sebastian Bach auf das Horn verlegt, oder Timo Steininger den Meditango von Astor Piazzolla. Jeder Musiker durfte drei Favoriten für diese CD auswählen. Und es gibt, von Händels Wassermusik bis zu Verdis Messa da Requiem und von Alessandro Marcellos Oboenkonzert bis hin zu Bruckners Chorälen, eigentlich kein einziges Werk, das nicht mindestens so schön klingt wie im Original, wenn es derart gekonnt durch vier Hörner vorgetragen wird. 
Und weil es so schön ist, hatte auch das Publikum drei #hornlikes frei. Es entschied sich für Melodien von Richard Wagner, Franz Schubert und Engelbert Humperdinck. Eigens für Tonmeister Michael Silberhorn, der „es gerne hat, wenn es mal ein bisschen schmettert“, erklingt dann zum Schluss noch ein Chor aus Carl Maria von Webers Freischütz. Hinreißend! 
Die Edel-Blechbläser von German Hornsound entlocken ihren Instrumen- ten ebenso farben- wie nuancenreiche Klänge. Sie demonstrieren, dass mit dem Horn gefühlvolle Melodielinien genauso selbstverständlich gestaltet werden können wie rhythmische Fundamente. Von ätherisch bis groovig sind alle Optionen möglich – Horn grandios! 

Donnerstag, 4. Januar 2018

Wagner: Der Ring ohne Worte (Oehms Classics)

Dass Hansjörg Albrecht für diese Aufnahme die Staatskapelle Weimar als Partner gewählt hat, hat gleich mehrere Gründe. Da wäre zum einen die Beziehung zwischen Franz Liszt und Richard Wagner, die dem Residenzstädtchen seinerzeit gleich mehrere Uraufführungen Wagner- scher Werke bescherte, und im Beiheft von Dr. Eva Gesine Baur ebenso amüsant wie detailliert beschrieben wird. Wussten Sie schon, beispielsweise, dass das Festspiel- haus eigentlich im Weimarer Park an der Ilm entstehen sollte? 
Da ist zum anderen die Staatskapelle Weimar selbst, ein bedeutendes thüringisches Orchester mit einer Tradition, die bis in das Jahr 1491 zurückreicht. Hansjörg Albrecht hat mit diesem Klangkörper bereits bei seiner Einspielung von Orchesterliedern Walter Braunfels' zusammen- gearbeitet. 
Seine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Richard Wagners Ring des Nibelungen reicht allerdings weiter zurück. So wurde 2006, ebenfalls bei Oehms Classics, Der Ring als Orgeltranskription veröffentlicht – von Albrecht gespielt auf den beiden Instrumenten der Kirche St. Nikolai in Kiel. Auch andere Werke, die eigentlich für Orchester komponiert wurden, hat der Dirigent und Konzertorganist in Form von Orgeltranskriptionen präsentiert. 
Der Ring ohne Worte wurde am 9. und 10. Oktber 2016 als Live-Mitschnitt in der Neuen Weimarhalle aufgezeichnet. Die Symphonische Dichtung mit Orchesterszenen aus dem Ring des Nibelungen erklang in der Version von Lorin Maazel. Der Maestro komprimierte in seiner Fassung das beinahe 15 Stunden lange Original Wagners auf gut 70 Minuten Spieldauer. Dabei folgte er strikt dem Ablauf des Geschehens, vom Rheingold-Vorspiel bis zum Finale der Götterdämmerung, und fügte wichtige Szenen aneinander, ohne auch nur einen Takt hinzuzufügen. Die Gesangspartien wird man nicht vermissen; die Figuren werden durch Instrumente angedeutet – Sieglinde beispielsweise durch die Flöte, Fafner durch die Bassklarinette. 
Wer nun aber ein Spiel mit Klangfarben erwartet, wie man das von den Orgeltranskriptionen kennt, der wird enttäuscht. Denn Albrecht dirigiert erstaunlich zurückhaltend. Ihn interessiert Substanz, nicht Bombast. So ist diese Einspielung eher puristisch als dramatisch geraten. Langweilig freilich ist das nicht. 

Samstag, 30. September 2017

Wagner: Declarations of Love (Hänssler Classic)

Der Pianist Andrej Hoteev ist immer wieder für eine Überraschung gut. So hat er die Editionen vieler Werke Tschaikowskis anhand der Handschriften überprüft – und sie dann in Urfassungen vorgestellt. Auch die Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski nebst Liedern hat Chotejew – wie man den Namen eigentlich korrekt transkribieren müssste – anhand der Manuskripte neu ediert, und mit seiner Einspielung nicht nur Kritiker beeindruckt. 
Nun hat sich der Pianist, der seit 1993 in Hamburg lebt, dem Schaffen Richard Wagners (1813 bis 1883) zugewandt. Da ist tatsächlich noch Neues zu entdecken! Hoteev präsentiert auf dieser CD die Vier weißen Lieder in Weltersteinspielung; gesungen werden sie von Maria Bulgakova. Es handelt sich dabei eigentlich um Jugendwerke, die der Komponist 1868 zum Klavierlied-Zyklus zusammenfasste, um sie der schwangeren Cosima zum Geburtstag zu überreichen (die zu diesem Zeitpunkt übrigens noch mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratet war). Es ist verblüffend, dass dieser vielfach von den Originalliedern abweichende Zyklus zuvor weder jemals gedruckt noch eingespielt wurde. 
Komplettiert wird das Programm durch die Klaviersonate As-Dur, die sogenannte Wesendonck-Sonate, Schlaflos G-Dur für Klavier, die Wesendonck-Lieder und eine Elegie für Klavier in As-Dur mit der bezeichnenden Angabe „Schmachtend“. Andrej Hoteev fasst damit die musikalischen Liebeserklärungen Wagners, gerichtet an Mathilde Wesendonck sowie an seine spätere Frau Cosima, auf einer CD zusammen. Ein interessantes Konzept, und ein gefühlvolles Album. 

Sonntag, 30. April 2017

Wagner: The Ring - an Orchestral Adventure (Sony)

Diese Aufnahme ist gleich mehrfach ein Experiment: Richard Wagners monumentales 16-Stunden-Opern-Epos Der Ring des Nibelungen auf eine Stunde zu schrumpfen, das ist an sich schon kühn genug. Der nieder- ländische Komponist Henk de Vlieger hat 1991 ein Orchester-Arrangement geschaffen, das die wichtigsten Szenen und Motive zusammenfasst, ohne Wagners Musik zu beschädi- gen. Wer die Schlüsselszenen der Handlung sowie die musikalischen Höhepunkte kompakt genießen möchte, und ohne störenden Gesang, der wird an dieser Version Vergnügen haben. 
Diesen besonderen Ring also hat nun The Baltic Sea Philharmonic unter der Leitung von Kristjan Järvi eingespielt. Auch dies ist ein Abenteuer, denn es handelt sich dabei um ein junges Orchester, erst im April 2016 gegründet, in dem Mitglieder und Alumni des Baltic Sea Youth Philhar- monic musizieren – Nachwuchsmusiker, die aus zehn Ländern entlang der Ostseeküste stammen. 
„Bei allen Veröffentlichungen des Kristjan Järvi Sound Project ist es mein Ziel, Konzepte zu entwickeln, die Assoziationen wecken, Themen beleuch- ten, Geschichten erzählen oder einfach nur die Frage nach den ,Warum' provozieren“, schreibt Järvi. Der in Amerika lebende Este hat mit seinen jungen Musikern diese Variante des Rings auf der Insel Usedom eingespielt, an einem Ort, der idyllische Natur und dämonisches Streben vereint: Diese Debüt-CD ist in der ehemaligen Turbinenhalle der Raketen-Versuchsanstalt in Peenemünde entstanden – „eine weitere Metapher für die Macht der Musik, die einstmals angst- und hasserfüllte Räume in Orte der Einheit und Liebe zu verwandeln weiß“, so Järvi. 
Das Experiment ist gelungen. Die jungen Musiker überzeugen durch ihr professionelles Spiel; diese Abenteuerreise durch Wagners musikalisches Universum ist ausgesprochen lebendig und leidenschaftlich. Bravi! 

Freitag, 31. März 2017

Schmierer: Zodiaci Musici (Accent)

Kann ein Mensch, der Schmierer heißt, gute Musik komponieren? Was für eine Frage! Wenn es um Johann Abraham Schmierer (um 1660 bis nach 1700) geht jedenfalls, dann gilt keineswegs „Nomen est omen.“ Petr Wagner hat sich nun mit seinem Ensemble Tourbillon an Werke des Komponisten gewagt – und demon- striert, wie überaus hörenswert diese sind. 
Über den Lebensweg Schmierers ist nicht viel bekannt. Es wird vermutet, dass er aus Augsburg stammt; zumindest sang er dort als Diskantist in der Domkapelle. Im Sommer 1680 endete sein Dienst dort; er erhielt ein Stipendium, und studierte zunächst in Dillingen Philosophie und dann ab 1682 an der Universität Salzburg Jura. 
1697 wurde Schmierer dann in einem Augsburger Sitzungsprotokoll als Gräffl. Fuggerisch gemeinschaftlicher Archivarius genannt. Ein Jahr später erschien in Augsburg der erste Teil der Zodiaci musici; ein zweiter Teil wurde 1710 im Katalog der Frankfurter Fastenmesse angekündigt. Ob dieser Druck jemals erschienen ist, das lässt sich aber nicht mit Sicherheit sagen – bislang wurde leider noch kein Exemplar aufgefunden. 
So beschränkt sich das Ensemble Tourbillon auf die ersten sechs Suiten dieser Ballettmusik, die sich offenbar an den zwölf Tierkreiszeichen orientiert – auch wenn Experten astrologische Bezüge nicht feststellen konnten. Es wird daher vermutet, dass die Titelwahl eher Werbezwecken diente; auch andere Komponisten zeigten sich dabei seinerzeit sehr einfallsreich. 
Die Musik von Johann Abraham Schmierer klingt, als wäre Jean-Baptiste Lully sein Lehrer gewesen. Die Besetzung, ursprünglich vorgesehen waren vier Streicher und Cembalo ad libitum, hat das Ensemble Tourbillon deut- lich erweitert, vor allem bei den Continuo-Instrumenten, wo insbesondere Theorbe und Gitarre klanglich für Abwechslung sorgen. In den tiefen Streicherpart teilen sich Viola da gamba, Violoncello und Fagott. Auch Violinen ersetzten die Musiker um Petr Wagner gelegentlich durch Holz- bläser, was klanglich Abwechslung bringt. Musiziert wird mit Eleganz und Esprit – eine wirklich gelungene Einspielung. 

Mittwoch, 9. November 2016

Pergolesi: Stabat Mater; Knabenchor der Chorakademie Dortmund (Rondeau)

Der Knabenchor der Chorakademie Dortmund ist – nicht nur, was das Alter seiner Sänger angeht – ein junges Ensemble: Er besteht erst seit 2002. Die Chorakademie Dortmund gilt mit insgesamt über tausend Sängern als eine der größten Sing- schulen Europas. Im Zentrum der Ausbildung steht dort das solistische Singen; auch Jost Salm, der Leiter des Knabenchores, legt besonderen Wert auf die individuelle Stimmausbildung der Kinder und Jugendlichen. Sie werden nicht auf einen harmoni- schen Chorklang hin gedrillt, son- dern der Chorklang soll sich aus den gut geschulten, aber auch entspre- chend unterschiedlichen Stimmen ergeben. 
Wie gut diese Auffassung in der Praxis funktioniert, das zeigt die vor- liegende CD mit „Alter“ Kirchenmusik. Zu hören sind die Missa brevis in
F-Dur von Valentin Rathgeber (1682 bis 1750), das mittlerweile sehr bekannte Stabat mater von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736) und das Klaglied BuxWV 76b von Dieterich Buxtehude (1637 bis 1707). 

In den beiden ersten Stücken singen Tizian Geyer, Knabensopran, und Sven Wagner, Knabenalt; gelegentlich unterstützt durch weitere Knaben aus dem Chor, die als Ripienisten agieren, in kleiner Besetzung. Das gilt auch beim Klaglied, das vom Knabensopran Yorick Ebert gesungen wird. 

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Abel: The Drexel Manuscript (Accent)

Die Sammlung des Mäzens Joseph William Drexel – sie befindet sich heute in der New York Public Library – enthält, neben vielen anderen Schätzen, neunundzwanzig Kompositionen von Carl Friedrich Abel für Solo-Gambe. 
Carl Friedrich Abel (1723 bis 1787) war des Sohn des Gambenvirtuosen Christian Ferdinand Abel, der zu Bachs Zeiten in der Köthener Hofkapelle musizierte. Von 1739 bis 1743 soll er sich in Leipzig aufgehal- ten haben; ob er ein Schüler Bachs war, wie vermutet wird, das lässt sich nicht belegen. Ab 1745 jedenfalls musizierte er in der Dresdner Hofkapelle, wo er auch erste Kompositionen schuf. Zehn Jahre später verließ er die Residenz, und verbrachte einige Jahre auf Konzertreisen durch Europa. 1759 ging er schließlich nach London, wo er wohl, abgesehen von einem kurzen Aufenthalt 1782 am preußischen Hof in Berlin, die verbeibenden Jahre verbrachte. Mit Johann Christian Bach war Abel eng befreundet, die „Bach-Abel-Konzerte“ waren in London eine Institution. 
Die Werke aus dem Drexel-Manuskript soll Abel während seiner Zeit in England geschrieben haben. Petr Wagner spielt sie in der Reihenfolge der Handschrift. Einige davon sind umfangreiche Kompositionen, andere ähneln eher Skizzen – Wagner hat sie Präludien und Kadenzen genannt. Es sind virtuose Stücke darunter und galante, kapriziöse und empfindsame; sogar eine Fuge findet sich. Mit seiner Einspielung macht Wagner deut- lich, warum Abel von seinen Zeitgenossen  derart geschätzt wurde. Wer Gambenmusik liebt, der sollte diese CD unbedingt anhören. 

Dienstag, 23. August 2016

In Residence (Genuin)

Was für ein Sound! Inspiriert durch seine Arbeit in Venezuela mit dem Venezuelan Brass Ensemble, grün- dete Thomas Clamor, nach langen Jahren als Trompeter bei den Berliner Philharmonikern heute ein interna- tional gefragter Dirigent und Leiter der Sächsischen Bläserphilharmonie sowie künstlerischer Leiter der Deutschen Bläserakademie, im Jahre 2010 gemeinsam mit Karl Schagerl ein ganz besonderes Orchester, über Nationen und Grenzen hinweg: Das European Brass Ensemble. Mehr als 150 Musiker aus 24 verschiedenen Nationen haben sich bereits an der Arbeit in dem Elite-Ensemble beteiligt, das im Stift Melk seine Heimstätte gefunden hat. Das Stift, das zum Unesco-Welterbe gehört, und die dortigen Benediktiner haben quasi die Schirmherrschaft für das Orchester übernommen. Seine Arbeit wird zudem durch das Land Niederösterreich finanziell unterstützt. 
Einen besseren Botschafter als das European Brass Ensemble kann man sich kaum vorstellen. Schon beim ersten Stück, der genialen Stift Melk Fanfare, komponiert für diese Bläserformation von dem Jazzmusiker James Morrison, der darin auch selbst die Piccolo-Trompete spielt, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Denn nicht nur Morrison, sondern das gesamte Ensemble spielt sensationell. Das Label Genuin schwärmt von einer „Phalanx aus Edelmetall“ – und mir fehlen die Superlative, um dieses Musikerlebnis angemessen zu beschreiben. Phänomenal! Unbedingt anhören! 

Donnerstag, 11. August 2016

Meinem Kinde (Gramola)

Lieder für Kinder und Lieder über Kinder erklingen auf dieser CD. Sopranistin Ute Ziemer und ihr Klavierbegleiter Julian Riem haben ein Programm zusammengestellt, dass neben Bekannten auch etliche Überraschungen bietet. So hat der 26jährige Richard Wagner (1813 bis 1883) mit Dors, mon enfant in seinen Trois mélodies ein berühren- des Wiegenlied geschaffen. 
Auch Komponisten wie Alexander Zemlinsky (1871 bis 1942, Hermann Zilcher (1881 bis 1948), Hugo Wolf (1860 bis 1903) und Max Reger (1873 bis 1916) hätte man in dieser Reihe nicht unbedingt vermutet. Auch Franz Schubert (1797 bis1828), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) und der finnische Liedkomponist Yrjö Kilpinnen (1892 bis 1959), der in Berlin und Wien studiert hat, sind mit Werken vertreten. Die Kanzonette La Ninna nanna von Gaetano Donizetti (1797 bis 1848) fällt ein wenig aus dem Rahmen; sie gibt zwar vor, ein Wiegenlied zu sein, doch sie ähnelt eher einer Opernarie mit vorangestelltem Rezitativ. 
Nicht fehlen dürfen in einem solchen Programm Lieder von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), Robert Schumann (1810 bis 1856) und Richard Strauss (1864 bis 1949). Sie hatten alle selbst Kinder; doch mit die schönsten und bekanntesten Melodien, die man dem Nachwuchs noch heute gern singt, schuf Johannes Brahms (1833 bis 1897), der zwar mit- unter heftig verliebt war, aber dennoch bis an sein Lebensende Junggeselle blieb. 
Ute Ziemer, die diese CD ihrer 2013 geborenen Tochter gewidmet hat, gestaltet die Lieder klug und abwechslungsreich. Begleitet wird sie erneut von Julian Riem, der für diese Aufnahme einen Flügel von Èrard gespielt hat. Damit ermöglicht er es den Hörern, den Klavierklang des 19. Jahr- hunderts zu erleben – was zu diesen Werken ausgezeichnet passt. Sehr gelungen! 

Freitag, 5. August 2016

Theo Adam - Edition zum 90. Geburtstag (Berlin Classics)

„Aber so ist das mit einem Sängerleben – uns bleibt Gott sei Dank nur die Erinnerung!“, mit diesen Worten schließt Peter Schreier seine Gratulation an Theo Adam, der jüngst seinen 90. Geburtstag gefeiert hat. Glücklicherweise sind im Laufe einer langen Sängerkarriere aber auch zahlreiche Mitschnitte und Aufnahmen entstanden, so dass man den Dresdner Bassbariton in einigen seiner Partien noch immer hören kann. 
So hat Berlin Classics als besondere Gabe zum Ehrentag des Jubilars drei CD in einer Box zusammengefasst, die an die erfolgreiche Laufbahn des Sängers erinnern. Es erklingen sowohl geistliche Arien aus Bachs Weihnachtsoratorium, der Matthäus-Passion und einigen Kantaten, als auch Arien aus Mozarts Opern sowie Ausschnitte aus Opern von Richard Strauss und Richard Wagner. Entstanden sind all diese Einspielungen in der sächsischen Heimat. Doch der Wirkungskreis von Theo Adam war weit; er reichte von der Dresdner Semperoper über die New Yorker Met und die Mailänder Scala bis nach Bayreuth. 
Vom Meister Ortel in den Meistersingern bis hin zum Ochs von Lerchenau im Rosenkavalier – im Laufe der Jahre hat Theo Adam weit über hundert verschiedene Rollen gesungen und verkörpert. Sein Humor ist ebenso legendär wie seine sängerische Präzision, sein Stilbewusstsein und sein Ringen um Textverständlichkeit (was weit darüber hinaus zielte, dass das Publikum jedes Wort verstehen kann). Von der Bühne und aus dem öffentlichen Leben hat sich Theo Adam mittlerweile zurückgezogen. Diese drei CD zeigen uns den großen Sänger noch einmal auf der Höhe seiner Kraft und seines Könnens – ausgesprochen beeindruckend! 

Mittwoch, 13. April 2016

Zelenka: Italian Arias (Accent)

Am 18. November 1733 bewarb sich Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) beim sächsischen Kurfürsten um den Posten des Kapellmeisters. Zwar hatte Friedrich August II. bereits 1730 Johann Adolf Hasse zum Hofkapell- meister ernannt. Doch existierte daneben noch eine zweite Stelle, die seit langem unbesetzt war. 
Um zu beweisen, dass er durchaus in der Lage war, nicht nur Kirchenmu- sik, sondern auch Opern zu kompo- nieren, hatte Zelenka seinem Dienstherrn bereits im Oktober acht italienische Arien überreicht. Diese Arbeitsprobe freilich überzeugte den Kurfürsten nicht. Er ernannte den Musiker lediglich zum Hofkomponisten, 1735 dann zum Kirchencompo- siteur. 
Wer die Entscheidung des Herrschers nachvollziehen will: Petr Wagner hat nun mit seinem Ensemble Tourbillon bei Accent die Arien ZWV 176 eingespielt. Mit ihrer kleinen Besetzung und ihrem üppigen Umfang scheinen sie eher Arie da camera zu sein; dank der versierten Musiker sowie der exzellenten Sänger Hana Blažiková, Sopran, Markéta Cukrová, Alt, und Tomás Šelc, Bassbariton, ist dies rundum Musik zum Genießen. Bravi!