Es war ohne Zweifel ein Ereignis: Christian Thielemann dirigierte 2019 zum ersten Male das Neujahrs- konzert der Wiener Philharmoniker. Statt Anton Bruckner Josef Hellmesberger, statt Richard Wagner Carl Michael Ziehrer, und statt Richard Strauss Johann Strauss, die ganze Veranstaltung liebgewordene Wiener Tradition – kurz und gut: Kann Thielemann Walzer?
Um es in einem Satz zusammenzu- fassen: Er kann. Und er bringt dabei durchaus sehr eigene Klangvorstel- lungen ein. Den Orchesterklang gestaltet er schlank und beweglich; musiziert wird mit Esprit und ausge- sprochen elegant. Walzer und Polkas erfreuen durch Anmut und eine gewisse Duftigkeit. (Man höre nur Hellmesbergers Elfenreigen!) Thielemann macht viele kleine Details hörbar, die üblicherweise nicht so klar herausgearbeitet werden.
Für den Zuhörer bietet die Doppel-CD aber noch aus einem anderen Grunde Hörvergnügen: In dem Programm sind immerhin sechs Stücke enthalten, die zuvor noch nie zu einem Neujahrskonzert zu hören waren.
Thielemann ist seit 2013 der künstlerische Leiter der Salzburger Osterfestspiele; die Wiener Philharmoniker hat er aber auch schon vorher dirigiert. Und mit dem Orchester scheint er gut zu harmonieren. Mit der Nähe zum Publikum hat Thielemann ebenfalls keine Probleme: Beim Neujahrskonzert dirigierte er offenbar nicht nur die Musiker, sondern auch die Leute im Saal, die beim abschließenden Radetzky-Marsch ebenso begeistert wie koordiniert klatschen.
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Montag, 28. Januar 2019
Mittwoch, 10. August 2011
Wagner: Der Ring des Nibelungen (Opus Arte)
Diese Live-Mitschnitte aus dem Jahre 2008 dokumentieren eine der spannendsten Aufführungen des Ringes, die Bayreuth in den letzten Jahren erlebt hat. "Dieser Ring wird erstmals wieder den Namen eines Dirigenten tragen", meinte der Berliner Tagesspiegel schon 2006, als die Konturen dieser Inszenierung erkennbar wurden: "Wie man vom Kupfer-, Kirchner- oder Flimm-Ring spricht (...), so spricht man bis heute vom Furtwängler- und vom Keilberth-Ring. Auf dieses Treppchen ist Christian Thielemann gesprungen." Dieser Euphorie mag ich mich nicht ganz anschließen.
Mit Wagner hat sich der Dirigent sein ganzes Berufsleben lang aus- einandergesetzt. Bereits in Nürnberg beeindruckte er mit einer Aufführung des Tristan; 2000 gab er in Bayreuth sein Debüt mit den Meistersingern. Seitdem dirigiert er regelmäßig bei den Festspielen; man darf abwarten, wie das klingen wird, wenn die Sänger nicht mehr durch Wolfgang Wagner eingekauft werden. Denn die Besetzung, die hier zu hören ist, vermag kaum zu überzeugen - abgesehen von Christa Mayer als Erda, Hans-Peter König als Fafner/Hagen und Kwangchul Youn als Fasolt/Hunding. Thielemann gibt sich offenbar alle Mühe, dieses ansonsten auf weiten Strecken grauenvolle Ensem- ble im Orchesterklang versinken zu lassen. Und das gelingt ihm auch. Das Orchester spielt grandios, daraus könnte man wirklich etwas machen. Wenn aber ein Dirigent diesen Formates in Pathos und Lautstärke flüchtet, dann hat das wohl seinen Grund. Denn aus ande- ren Einspielungen ist bekannt, dass Thielemann selbstverständlich auch strukturiert kann - und piano.
Mit Wagner hat sich der Dirigent sein ganzes Berufsleben lang aus- einandergesetzt. Bereits in Nürnberg beeindruckte er mit einer Aufführung des Tristan; 2000 gab er in Bayreuth sein Debüt mit den Meistersingern. Seitdem dirigiert er regelmäßig bei den Festspielen; man darf abwarten, wie das klingen wird, wenn die Sänger nicht mehr durch Wolfgang Wagner eingekauft werden. Denn die Besetzung, die hier zu hören ist, vermag kaum zu überzeugen - abgesehen von Christa Mayer als Erda, Hans-Peter König als Fafner/Hagen und Kwangchul Youn als Fasolt/Hunding. Thielemann gibt sich offenbar alle Mühe, dieses ansonsten auf weiten Strecken grauenvolle Ensem- ble im Orchesterklang versinken zu lassen. Und das gelingt ihm auch. Das Orchester spielt grandios, daraus könnte man wirklich etwas machen. Wenn aber ein Dirigent diesen Formates in Pathos und Lautstärke flüchtet, dann hat das wohl seinen Grund. Denn aus ande- ren Einspielungen ist bekannt, dass Thielemann selbstverständlich auch strukturiert kann - und piano.
Samstag, 22. Januar 2011
New Year's Eve Concert 2010 (Deutsche Grammophon)
Das Silvesterkonzert des ZDF wurde in diesem Jahr erstmals nicht aus Berlin, sondern aus der Dresdner Semperoper übertragen. Christian Thielemann startet in sein Engagement bei der Dresdner Staatskapelle mit Auszügen aus Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe. Damit folgt er übrigens seinem Mentor Herbert von Karajan, der für die leichte Muse durchaus auch ein Faible hatte.
Die lustige Witwe gehört, dieser Kalauer sei gestattet, eher zu den Schwergewichten des Genres. Nummern wie Da geh ich zu Maxim, Ja, das Studium der Weiber ist schwer, das Vilja- Lied oder Lippen schweigen sind keineswegs leichte Kost; für die Partie der vermögen- den Witwe Hanna Glawari wurde in diesem Falle Renée Fleming angeheuert, und den Grafen Danilo singt Christopher Maltman. Um diese Weltstars herum agieren stimmstark die hauseigenen Kräfte aus dem Solistenensemble der Semperoper sowie der Staatsopernchor Dresden.
Die Staatskapelle erweist sich erneut als ein erstklassiges Opern-Orchester, das auch einmal Vergnügen am Wiener Walzer findet. Zwar bleibt der typisch sächsisch-gedeckte Orchesterklang prägend, und zum Wiener Überschwang sind die Dresdner nicht zu verführen. Aber bei den Zugaben stellt man erstaunt fest, dass Bernstein der Staats- kapelle durchaus liegt. Und zum Abschluss erklingt mit An der Elbe sogar ein Walzer von Johann Strauss Sohn - ein Gruß an die Stadt der Neujahrskonzerte.
Die Silvesterkonzerte dürften in Dresden umgehend zu einer Tradition werden. Diese Innovation Thielemanns wird das konservative Dresdner Publikum vermutlich nicht überfordern. Und die Gäste der sächsischen Landeshauptstadt werden sich an den Stars ebenfalls erfreuen, bevor sie in die Hotels entschwinden, um festlich zu dinieren und ins neue Jahr hinüberzufeiern. Alle sind glücklich - was will man mehr.
Die lustige Witwe gehört, dieser Kalauer sei gestattet, eher zu den Schwergewichten des Genres. Nummern wie Da geh ich zu Maxim, Ja, das Studium der Weiber ist schwer, das Vilja- Lied oder Lippen schweigen sind keineswegs leichte Kost; für die Partie der vermögen- den Witwe Hanna Glawari wurde in diesem Falle Renée Fleming angeheuert, und den Grafen Danilo singt Christopher Maltman. Um diese Weltstars herum agieren stimmstark die hauseigenen Kräfte aus dem Solistenensemble der Semperoper sowie der Staatsopernchor Dresden.
Die Staatskapelle erweist sich erneut als ein erstklassiges Opern-Orchester, das auch einmal Vergnügen am Wiener Walzer findet. Zwar bleibt der typisch sächsisch-gedeckte Orchesterklang prägend, und zum Wiener Überschwang sind die Dresdner nicht zu verführen. Aber bei den Zugaben stellt man erstaunt fest, dass Bernstein der Staats- kapelle durchaus liegt. Und zum Abschluss erklingt mit An der Elbe sogar ein Walzer von Johann Strauss Sohn - ein Gruß an die Stadt der Neujahrskonzerte.
Die Silvesterkonzerte dürften in Dresden umgehend zu einer Tradition werden. Diese Innovation Thielemanns wird das konservative Dresdner Publikum vermutlich nicht überfordern. Und die Gäste der sächsischen Landeshauptstadt werden sich an den Stars ebenfalls erfreuen, bevor sie in die Hotels entschwinden, um festlich zu dinieren und ins neue Jahr hinüberzufeiern. Alle sind glücklich - was will man mehr.
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