Dienstag, 6. Dezember 2011

Schütz: Ich hebe meine Augen auf (Raumklang)

Kirchenmusik spiegelte zur Zeit Heinrich Schütz' oftmals konkrete Kirchenräume. Zum einen experimentierten die Musiker damals mit der Mehrchörigkeit, und placierten dazu Sänger und Instrumentalisten auf diversen Emporen oder in Seitenkapellen. Zum anderen fungierten die Mu- siker gewissermaßen als irdisches Abbild der musizierenden Engels- chöre, und der Gottesdienst nahm das Gotteslob in der Ewigkeit vorweg. So fragte sich Michael Praetorius im Vorwort seiner Poly- hymnia 1619, was derjenige im Himmel machen wolle, der keine Lust zur Musik verspüre: "Denn im Himmel muessen wir alle, der Herr so wol alß der Knecht, Musiciren. Und ob es wol nicht ohne, daß wir in der reichen erstattung, zu der Himmlischen Cantorey gnugsamb instruirt und tuechtig gemacht werden: So heist es dennoch, last uns die Kunst lernen auff Erden, die wir im Himmel gebrauchen werden."
Heinrich Schütz, der in Venedig die Mehrchörigkeit erlebt und stu- diert hat, musizierte am Hofe der sächsischen Kurfürsten unter ande- rem in der Schlosskapelle, erbaut im 16. Jahrhundert im Stil von Spätgotik und Renaissance, mit einem Netzgewölbe und einer geräu- migen, umlaufenden Empore. Für diesen Kirchenraum schuf Schütz eine Reihe von Werken, die auf den kontrastreichen Dialog zwischen Favorit- und Kapellchören setzen. Die vorliegende CD gibt einen Eindruck von der Klangpracht dieser üppig besetzten Werke. Sie zeigt aber auch, wie Schütz mit reduzierten Mitteln - der Dreißigjährige Krieg brachte auch in Dresden Sparzwänge - verblüffende Effekte erzielte. 
Noch freilich ist die Sanierung der Schlosskapelle, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, nicht abgeschlossen. Aus diesem Grunde haben die Mitglieder der Cappella Sagittariana Dresden unter Norbert Schuster diese CD in der Dresdner Lukaskirche eingespielt. Die Aufnahme beeindruckt durch wahre Klangfluten - mir ist das fast ein bisschen viel Getöse; Schütz war auch ein Meister der Kontraste, nicht nur der Vielstimmigkeit. 

Barsanti: 6 Concerti Grossi (Dynamic)

Francesco Barsanti (1690 bis 1772) stammte aus Lucca. Wie viele seiner damaligen Musiker- kollegen, ging er ins Ausland: 1714 reiste er gemeinsam mit Francesco Gemiani nach London, und wirkte dann dort an der italienischen Oper als Flötist und Oboist. 
1724 veröffentlichte Barsanti seine ersten Kompositionen, Sonaten für Flöte/Violine und Basso continuo, was ihm einige Aufmerksamkeit und eine Anstellung in Edinburgh einbrachte. Dort schuf er unter anderem seine Concerti grossi op. 3 (1742), seine Ouvertüren op. 4 (1743) und eine Sammlung alter schottischer Volkslieder für Flöte und Basso continuo (1742), die bis heute als eine erstklassige Quelle dieser Melodien gilt. 
1743 kehrte Barsanti nach London zurück. Dort hatte er offenbar unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu leiden. Dennoch komponierte er fleißig weiter, unter anderem die Six Concerti Grossi from Giovanni Battista Sammartini's Sonate notturne op. 6, die das Label Dynamic auf dieser CD vorlegt.
Sie wurden 1757 erstmals veröffentlicht, und bedienten den Geschmack des britischen Publikums, das populäre Melodien gern in diversen Varianten und auf den verschiedensten Instrumenten hören wollte. Auch wir können uns heute daran erfreuen, zumal das Ensemble Banchetto Musicale - Il Piacere diese hübsche Musik hier temperamentvoll auf Originalinstrumenten eingespielt hat.