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Montag, 28. Oktober 2019

Freimaurermusik (Berlin Classics)

Die Aura des Geheimnisvollen begleitet die Freimaurerei von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Bekannt ist, dass viele Logen die Musik schätzten und förderten. Weit weniger bekannt ist die Tatsache, dass offenbar von den Freimaurern selbst auch gesungen wurde. Der Musik, die Logenbrüder dafür schufen, widmet sich das Ensemble Vocal Concert Dresden unter Leitung von Peter Kopp auf der vorliegenden CD. Die Herren des renommierten Kammerchores werden dabei vom Dresdner Instrumental-Concert auf zeitgenössischen Instrumenten stilecht begleitet; so erklingt beispielsweise ein Hammerklavier anstelle eines modernen Flügels. Das sorgt für ein faszinierendes Flair, und auch die Sänger schaffen es, so schlicht zu singen, dass man vermeint, tatsächlich Freimaurer zu hören. Die meisten der eingespielten Werke sind zudem außerhalb der Zeremonien, für die sie seinerzeit entstanden sind, noch nie erklungen. 

Montag, 19. März 2018

Unvergänglichkeit - Michaela Schuster (Oehms Classics)

Unvergänglichkeit nannte Erich Wolfgang Korngold seinen Liederzyklus, und Michaela Schuster wählt Zyklus und Idee zum Kern des Programmes für ihre zweite CD, die jüngst bei Oehms Classics erschienen ist. Die Mezzosopranistin hat offenbar ein Faible für das große Thema Zeit – ihre erste CD mit dem Titel Morgen! und mit Liedern von Johannes Brahms, Robert Schumann, Max Reger und Richard Strauss begeisterte ebenfalls bereits durch ein kluges Konzept. 
Nun folgt also das zweite Album, und hier sind Lieder von Gustav Mahler, Max Reger Kurt Weill in Korngolds Zyklus quasi hineingeflochten. Sie ergänzen diese Liederfolge, und setzen mitunter nachdenkliche, mitunter auch kecke Akzente. Dieses Programm ist rundum schlüssig, und zugleich überraschend und extravagant. Ähnliches lässt sich über den Liedvortrag von Michaela Schuster sagen. 
Die Sängerin gestaltet jedes einzelne Lied mit großer Sorgfalt, und mit brillanter Technik und Artikulation. Man versteht wirklich jedes Wort, und man kann jeden musikalischen Gedanken nachvollziehen. Das macht diese CD zum Erlebnis – und in Matthias Veit hat die Mezzosopranistin zudem einen exzellenten Liedbegleiter an ihrer Seite. Großartig! 

Sonntag, 18. August 2013

Der stille Kurfürst (Klanglogo)

Der sächsische Kurfürst Friedrich August III. (1750 bis 1827) – ab 1806 König Friedrich August I. – regierte ein verarmtes und durch Kriege verheertes Land. Obwohl seine Untertanen den Regenten sehr schätzten und mit dem Beinamen „der Gerechte“ ehrten, brachte seine Redlichkeit dem König eine Menge Ärger ein. So geriet er nach dem Ende der Napoleonischen Kriege, die Sachsen furchtbar verwüstet hatten, in Gefangenschaft, und verlor große Teile seines Territoriums an Preußen. 
Politik war nicht die Leidenschaft des Herrschers, der sich lieber mit der Botanik beschäftigte – und mit der Musik. So gab es neben den repräsentativen Aufführungen am Dresdner Hof durchaus auch das private Musizieren der Herrscherfamilie. Friedrich August III. war musikalisch sehr versiert, doch offenbar schätzte er es nicht, wenn darum viel Aufsehens gemacht wurde. 
So musizierte der König vorzugsweise gemeinsam mit seinem Hoforganisten Peter August (1726 bis 1787), der auch etliche Werke dafür bearbeitete. Nach seinem Tod übernahm dies Hofkapellmeister Joseph Schuster (1748 bis 1812). Die vorliegende CD enthält Beispiele aus der reichhaltigen Musikaliensammlung des Regenten. Hildegard Saretz und Michaela Hasselt haben die Werke nicht, wie der König und seine Musizierpartner, an zwei Cembali, sondern an einem Cembalo und einem Hammerflügel eingespielt. Das klingt sehr apart – und gibt dem Zuhörer die Möglichkeit, die beiden Partien akustisch differenziert zu verfolgen. 
Die Aufnahme verweist auf einen wenig bekannten Aspekt sächsischer Musikgeschichte. Die Suche in den Archiven ist mühsam, doch lohnenswert. Saretz und Hasselt zeigen, dass abseits des immer gleichen Standard-Repertoires Entdeckungen noch immer möglich sind. So ist dieses Debüt des Leipziger Cembalo-Duos gleich doppelt gelungen. Bravi! 

Dienstag, 6. Dezember 2011

Schütz: Ich hebe meine Augen auf (Raumklang)

Kirchenmusik spiegelte zur Zeit Heinrich Schütz' oftmals konkrete Kirchenräume. Zum einen experimentierten die Musiker damals mit der Mehrchörigkeit, und placierten dazu Sänger und Instrumentalisten auf diversen Emporen oder in Seitenkapellen. Zum anderen fungierten die Mu- siker gewissermaßen als irdisches Abbild der musizierenden Engels- chöre, und der Gottesdienst nahm das Gotteslob in der Ewigkeit vorweg. So fragte sich Michael Praetorius im Vorwort seiner Poly- hymnia 1619, was derjenige im Himmel machen wolle, der keine Lust zur Musik verspüre: "Denn im Himmel muessen wir alle, der Herr so wol alß der Knecht, Musiciren. Und ob es wol nicht ohne, daß wir in der reichen erstattung, zu der Himmlischen Cantorey gnugsamb instruirt und tuechtig gemacht werden: So heist es dennoch, last uns die Kunst lernen auff Erden, die wir im Himmel gebrauchen werden."
Heinrich Schütz, der in Venedig die Mehrchörigkeit erlebt und stu- diert hat, musizierte am Hofe der sächsischen Kurfürsten unter ande- rem in der Schlosskapelle, erbaut im 16. Jahrhundert im Stil von Spätgotik und Renaissance, mit einem Netzgewölbe und einer geräu- migen, umlaufenden Empore. Für diesen Kirchenraum schuf Schütz eine Reihe von Werken, die auf den kontrastreichen Dialog zwischen Favorit- und Kapellchören setzen. Die vorliegende CD gibt einen Eindruck von der Klangpracht dieser üppig besetzten Werke. Sie zeigt aber auch, wie Schütz mit reduzierten Mitteln - der Dreißigjährige Krieg brachte auch in Dresden Sparzwänge - verblüffende Effekte erzielte. 
Noch freilich ist die Sanierung der Schlosskapelle, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, nicht abgeschlossen. Aus diesem Grunde haben die Mitglieder der Cappella Sagittariana Dresden unter Norbert Schuster diese CD in der Dresdner Lukaskirche eingespielt. Die Aufnahme beeindruckt durch wahre Klangfluten - mir ist das fast ein bisschen viel Getöse; Schütz war auch ein Meister der Kontraste, nicht nur der Vielstimmigkeit.