Freitag, 31. Juli 2015

Bach & Weiss - Lute Music (Carpe Diem)

Toyohiko Satoh hat bei Carpe Diem Records eine neue CD mit Lauten- musik von Johann Sebastian Bach und Silvius Leopold Weiss veröffent- licht. Der japanische Lautenist musiziert mit größter Sorgsamkeit – und auf einem ganz besonderen Instrument: Satoh spielt eine Laute, die 1611 in Ingolstadt von Laurentius Greiff angefertigt und 1673 in eine elfchörige Laute französischer Bauart umgebaut wurde. 
Wer sie im Laufe der Jahrhunderte gespielt hat, das ist zwar nicht bekannt, meint der Musiker. Doch die Musiker, in deren Besitz diese Laute war, haben sie ganz entscheidend geprägt: „A luthier builds an instrument, but it is the performer who makes it into a masterpiece by infusing it with a soul“, erklärt Satoh. „Plenty of souls of past lutenists dwell in this Greiff, and those lutenists made it a masterpiece. I believe it that I can come closer to the spiritual state og nothingness (= infinity) if I am in sympathy with those souls.“ 
Satoh führt in seinem Spiel europäische Brillanz und fernöstliches Denken zusammen: „Bach's music demands not only a high level of technique but also a high level of spirituality. Young players, including myself in my early days, tend to play only with abundant enthusiasm, so der Laute- nistOnly when I turned 70 did I realize that the greater spirituality the music contains, the more necessary it becomes for the performer to expose his natural self to the music, something that I strived for in this recording.“ Sein Musizieren beeindruckt durch Ausdruck und eine Intensität, die ich so nie zuvor gehört habe. Phänomenal – unbedingt anhören!

Kalkbrenner; 3 Piano Sonatas Op. 4 (Dynamic)

Luigi Gerosa, ein auf die Musik der Wiener Klassik des 18. Jahrhunderts spezialisierter Pianist, hat nun bei Dynamic seiner zweite CD mit Werken von Friedrich Kalkbrenner (1785 bis 1849) vorgelegt. Damit macht er die drei Klaviersonaten op. 4 in Weltersteinspielung zugänglich. Musikhistorisch ist dies durchaus interessant, denn Kalkbrenner, Sohn von Christian Kalkbrenner (1755 bis 1806), Kapellmeister der preußischen Königin, war einer der ersten Klaviervirtuosen. Seine Ausbildung begann er bei seinem Vater. 1798 schrieb er sich am Pariser Konservatorium ein, wo er bei Louis Adam studierte. 1802 ging er nach Wien, wo er seine Ausbildung komplettierte. Ab 1805 begann er, zu konzertieren – und er hatte rasch großen Erfolg. Von 1814 bis 1823 lebte Kalkbrenner in England, wo er sehr geschätzt wurde. Er spielte Konzerte, gab Unterricht und veröffentlichte seine ersten Werke. Nach Konzertreisen durch Deutschland und Österreich ließ sich der Pianist schießlich 1824 in Paris nieder, und zog sich  weitgehend ins Privatleben zurück. Kalkbrenner war sehr vermögend, und er hatte zudem eine Tochter aus bestem Hause geheiratet. 1849 starb er in Enghien-les-Bains an der Cholera. 
Kalkbrenner sah sich in einer Reihe mit Haydn, Mozart und Beethoven. Diese Aufnahme allerdings zeigt, dass er offenbar zwar grandios Klavier gespielt hat, aber zumindest in seinen frühen Sonaten außer einer Aneinanderreihung von pianistischen Turnübungen wenig zustande brachte. Was jedoch nützen Höchstschwierigkeiten, wenn es an musikalischer Substanz mangelt. Und so plagt sich der Zuhörer mit einer Wiederholung und noch einer Wiederholung. Gegen dieses Geklimper ist jede Beethoven-Sonate vom ersten bis zum letzten Ton eine Offenbarung. Dass man Kalkbrenners Musik heute nicht mehr spielt, das hat, denke ich, schon seinen Grund.