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Sonntag, 2. Januar 2022

Bach: The six Partitas BWV 825-830 (Hyperion)


 Die sechs Partiten BWV 825-830 hat Mahan Esfahani für Hyperion eingespielt. Wer das Label kennt, der weiß, dass er eine herausragende Interpretation erwarten darf. Wer mit dem Werk vertraut ist, der wird bald aufhorchen – denn der iranische Cembalist hat nicht nur einfach in die Noten geschaut, sondern sich obendrein intensiv mit den Quellen und aktuellen musikwissenschaftlichen Debatten auseinandergesetzt. 

Im Beiheft gibt es einen klugen Essay, in dem der Musiker seine Sicht auf Bachs Musik und seine künstlerischen Entscheidungen begründet. Wer aber keine Lust darauf hat, sich mit Lesarten, Verzierungspraxis und Auseinandersetzungen um das korrekte Metrum zu befassen, der kann sich ebenso gut einfach entspannt im Sessel zurücklehnen – und Esfahanis gradiosem, energiegeladenen Cembalospiel lauschen. Mich jedenfalls hat dieses Doppelalbum begeistert. Exquisit! 


Samstag, 1. Januar 2022

Daniil Trifonov - Bach: The Art of Life (Deutsche Grammophon)


 Eine sehr persönliche Sicht auf das Schaffen Johann Sebastian Bachs offenbart dieses Doppelalbum. Um Die Kunst der Fuge, als spätes Meisterwerk, hat Daniil Trifonov Werke der vier komponierenden Söhne Bachs gruppiert, sowie eine Auswahl an kleinen Stücken aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach und zwei „Schicksalsstücke“, die eng mit der Biographie des Komponisten verknüpft sind: Die Chaconne aus der Partita für Violine solo BWV 1004 erklingt in einer Transkription für linke Hand von Johannes Brahms, und der berühmte Choral Jesus bleibet meine Freude in der bekannten Version von Myra Hess.

Daniil Trifonov befragt die alten Kompositionen aus einer sehr zeitgenössischen Perspektive. Der Pianist spielt Bach selbstverständlich am modernen Konzertflügel, und schon nach wenigen Takten ist dem Zuhörer klar, dass es ihm keineswegs um eine historisch adäquate Interpretation geht. Spätestens beim Anhören seiner Version von Die Kunst der Fuge stellt man ernüchtert fest: Für Trifonov ist Bach nicht Anfang und Ende aller Musik, sondern eher ein Accessoire, das zur Selbstinszenierung genutzt wird. Klavier freilich spielt der Mann genial – aber reicht das aus? 

Montag, 8. November 2021

Triptychon - Iveta Apkalna (Berlin Classics)


Einmal mehr hat Iveta Apkalna ein faszinierendes Album veröffentlicht. Nach ihrer Ersteinspielung der Orgel der Elbphilharmonie Hamburg und einer Aufnahme mit Orgelsinfonien von Charles-Marie Widor und Louis Victor Vierne, aufgezeichnet an der Doppelorgel des National Kaohsiung Center for the Arts in Taiwan – im größten Kulturzentrum Asiens befindet sich auch die größte Orgel des Kontinents, erbaut von der Orgelbauwerkstatt Klais – kombiniert die Organistin nun auf Tryptichon Musik von Pēteris Vasks, Johann Sebastian Bach und Franz Liszt. 

Damit spannt sie einen Bogen über drei Jahrhunderte und drei Konfessionen. Im Tryptichon führt sie zugleich drei musikalische Welten zusammen, die sich erheblich unterscheiden. Im Zentrum steht dabei Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), protestantisch, Barockmensch, brillanter Organist und langjähriger Thomaskantor; seine Werke signierte er soli deo gloria. Ausgewählt hat Apkalna für diese Einspielung Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur BWV 564, die Triosonate BWV 527 und die Schübler-Choräle BWV 645-650. 

Bach zur Seite stellt sie den lettischen Komponisten Pēteris Vasks, Jahrgang 1946, Sohn eines Baptistenpfarrers, im Glauben und in seiner Heimat zutiefst verwurzelt. „Lettland ist Pēteris Vasks und Pēteris Vasks ist Lettland“, kommentiert Iveta Apkalna. „In seiner Musik höre ich die Landschaft Lettlands, den weiten Horizont unseres flachen Landes, die Wiesen und Wälder, Vogelstimmen und das Meer.“ Pēteris Vasks ist derzeit neben Arvo Pärt der meistgespielte Komponist des Baltikums. 

Die dritte CD widmet die Organistin Franz Liszt (1811 bis 1886), Wunderkind und reisender Klaviervirtuose, in ganz Europa gefeiert, verehrt und umschwärmt. Er war katholisch, und nach vielen erfolgreichen Jahren als Kapellmeister in Weimar wandte sich Liszt im Alter verstärkt dem Glauben zu. 1865 erhielt er die niederen Weihen. Er schrieb stets auch geistliche Musik, und elf Werke für Orgel. Aus seinem Schaffen wählte Iveta Apkalna die Choralbearbeitung Nun danket alle Gott, von Liszt einst komponiert für die Einweihung der Walcker-Orgel im Dom zu Riga, Fantasie und Fuge über den Choral Ad nos, ad salutarem undam sowie Präludium und Fuge über B-A-C-H

Das Instrument, an dem Iveta Apkalna all diese doch so unterschiedlichen Komponisten spielt, befindet sich in Neubrandenburg. Dort wurde die einstige Marienkirche, im April 1945 vom Feuer zerstört, als Konzertkirche rekonstruiert und schließlich 2001 wieder eröffnet. Der Unternehmer Günther Weber stiftete dann zwei Millionen Euro und ermöglichte so den Bau einer Orgel. 

Dieses Projekt wurde durch Iveta Apkalna begleitet, und die Organistin spielte schließlich im Juli 2017 auch das erste Konzert auf dem neuen Instrument, das von Johannes Klais Orgelbau Bonn und der Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt gemeinsam errichtet worden ist. Die Orgel umfasst insgesamt 2852 Pfeifen, in vier Manualen und Pedal. Die Konzertkirche bietet dazu eine phantastische Akustik - der perfekte Ort also für Orgelvirtuosen. 

„Die Orgel klingt unglaublich warm, samtig und rund“, berichtet Iveta Apkalna. „Und sie gibt dem Organisten durch ihre klar definierten 70 Register alle Möglichkeiten, ob solo oder mit Orchester, vom Frühbarock über romantische Literatur bis hin zur Moderne. Durch den umfassenden Prozess und die intensive, freundschaftliche Zusammenarbeit mit den beiden Orgelbauern Philipp Klais und Martin Schwarz sowie dem Stifter Günther Weber ist diese Orgel wirklich zu einer persönlichen Liebesgeschichte geworden.“ Auf dieser CD ist das Instrument nun in Ersteinspielung zu hören; die geschickte Zusammenstellung des Programmes gestattet es der Organistin, die vielen Klangmöglichkeiten der Orgel durch die sehr unterschiedlichen Register mit ihren verschiedenen Farben eindrucksvoll zu demonstrieren. 

 

Sonntag, 31. Oktober 2021

"Denn Silbermann wird aus dem Werck erkennt" (Rondeau)


 Aus dem sächsischen Kleinbobritzsch stammte Gottfried Silbermann (1683 bis 1753). Das Orgelbauerhandwerk erlernte er im Elsass bei seinem Bruder Andreas. Doch weil er diesem nicht Konkurrenz machen wollte, kehrte er schließlich als Meister nach Sachsen zurück. In Frauenstein, wo er aufgewachsen war, baute er 1711 die erste Orgel in der Heimat - „weil Frauenstein mein Vaterland, Gott zu Ehren und der Kirche zu Liebe“, so schrieb Silbermann, und dies, ohne ein Honorar dafür einzufordern. 

Wenn das zutrifft, so war es dennoch eine kluge Investition. Denn das Instrument gefiel. Der junge Orgelbauer richtete seine Werkstatt im sächsischen Freiberg ein. Die große Orgel im dortigen Dom St. Marien wurde sein zweites Projekt. Und viele weitere Aufträge folgten; etwa 50 Orgeln errichtete der Meister mit seinen Gesellen. In Sachsen sind 31 davon erhalten geblieben. 

Schon eine Weihegedicht für die Crostauer Orgel verweist darauf, wie einzigartig diese Instrumente sind: „Silbermann wird aus dem Werck erkennt“, meinte damals der Dichter. Denn die Orgeln, die er gebaut hat, haben einen unverwechselbaren Klang; Gottfried Silbermann zählt ohne Zweifel zu den bedeutendsten Orgelbauern überhaupt. 

Auf dieser CD präsentiert Lucas Pohle, Kantor an der Kirche in Crostau, „sein“ Hausinstrument, dessen Restaurierung durch die Hermann Eule Orgelbau GmbH 2016 er initiiert und begleitet hat. Zu hören sind Präludium und Fuge G-Dur BWV 541 von Johann Sebastian Bach, zwei der Schübler-Choräle (BWV 645 und 647) sowie die Sonate e-Moll BWV 528 – was dem Organisten Gelegenheit gibt, die Stärken des Instrumentes und die allermeisten Register ins beste Licht zu rücken. 

Drei Choralbearbeitungen sowie die Fantasie in f-Moll für Oboe und Orgel des Bach-Schülers Johann Ludwig Krebs machen deutlich, wie exzellent der Klang beider Instrumente harmoniert. Hier musiziert Pohle gemeinsam mit der Dresdner Oboistin Luise Haugk. Einen Glanzpunkt zum Schluss setzt die Solo-Kantate Geist und Seele wird verwirret BWV 35 – eine der wenigen Kantaten Bachs mit obligater Orgelstimme. Als Partner dafür hat Pohle die Altistin Britta Schwarz sowie das renommierte Dresdner Barockorchester gewählt. Ein schönes Programm, und ein gelungenes Orgelporträt. 

Montag, 4. Oktober 2021

Bach: Harpsichord Concertos transcribed for Mandolin (Dynamic)


 „Risulta facile pensare come qualunque musicista desideri studiare ed eseguire la musica di Johann Sebastian Bach“, schreibt Davide Ferella im Beiheft zu dieser CD. Doch wer Mandoline spielt, der hat nicht das Glück, einfach Originalrepertoire aus dem Notenschrank nehmen zu können. 

Aus diesem Grunde hat Ferella geeignete Werke herausgesucht und transkribiert; seine Wahl fiel dabei auf die Cembalokonzerte des verehrten Meisters: „Il lavoro di transcrizione e rielaborazione è basato sugli originali per clavicembalo perché molto più adatti all’esecuzione con il mandolino. Basti pensare all’emissione sonora che in entrambi gli strumenti avviene mediante il pizzico della penna; ciò fa sì che la scrittura risulti particolarmente confacente allo strumento esaltandone peculiarità espressive oltre che tecniche.“ 

Die Cembalokonzerte, von Davide Ferella und den Musikern des Ensembles Profili Barocchi virtuos und mit Spielfreude vorgetragen, sind im Klang dem Original tatsächlich verblüffend ähnlich. Zu hören sind die Concerti BWV 1052 und 1055. Das Concerto BWV 1059 hat Ferella nach Kantatensinfonien aus Geist und Seele sind verwirret BWV rekonstruiert, wobei er den langsamen Satz aus dem Concerto BWV 1056 übernommen hat. 

Besonderes Highlight der Einspielung: Das Concerto 1060, für zwei Cembali; ursprünglich waren die Solo-Instrumente wahrscheinlich Oboe und Violine. Hier musiziert Ferella gemeinsam mit Dorina Frati. Rundum gelungen! Diese CD erfreut nicht nur Mandolinen-Enthusiasten. 


Sonntag, 19. September 2021

Bach: Dritter Theil der Clavier Übung (MDG)

 

Die große Orgel in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen gehörte einst zu den beeindruckenden Erbstücken des hanseatischen Orgelbarock. Ein Instrument gab es dort wohl bereits um 1400; über Jahrhunderte haben Organisten wie David und Heinrich Scheidemann oder Jan Adam Reincken immer wieder Umbauten und Erweiterungen veranlasst. Bereits Hans Scherer d.J., der 1605/06 ein neues Gehäuse mit Hamburger Prospekt anfertigte, hat Pfeifenbestände seiner Vorgänger übernommen und erweitert. Ab 1631 ergänzte Gottfried Fritzsche ein Brustwerk und jeweils ein Register im Pedal und im Hauptwerk; dessen Schüler Friedrich Stellwagen zeichnete in den Jahren 1644 bis 1647 für einen Umbau verantwortlich, und unter Reincken fügte Friedrich Besser ab 1671 unter anderem die Pedalregister Groß-Posaune und Principal 32‘ hinzu. 

An diesem Instrument hat Johann Sebastian Bach 1720 musiziert, als er sich um die Organistenstelle an St. Jacobi bewarb. Er zeigte sich begeistert von der „Schönheit und Verschiedenheit des Klanges“ der 16 (!) Zungenregister „dieses in allen Stücken vortrefflichen Werkes“, und er spielte mehr als zwei Stunden. Auch die Zuhörer waren sehr beeindruckt: „Ich dachte, diese Kunst wäre ausgestorben, ich sehe aber, dass sie in Ihnen noch lebet“, soll der betagte und von Bach verehrte Reincken nach dem Probespiel gesagt haben. 

Dennoch bewarb sich der Thüringer damals vergebens. Die Stelle erhielt ein Kollege, der bereit war, dafür eine Spende von 4.000 Mark – seinerzeit eine immense Summe – aufzuwenden. Bach wurde später Thomaskantor, und noch später schrieb er die Orgelchoräle, die auf dieser CD zu hören sind. Doch noch einmal zurück zur Geschichte der Orgel in St. Katharinen. Denn dieses Instrument, mittlerweile eine Großorgel, wurde auch in den darauffolgenden Jahrhunderten immer wieder verändert. 1943 veranlasste schließlich der Organist Friedrich Brinkmann, dass 17 Register demontiert und im Kellergewölbe von St. Michaelis eingelagert wurden. 

Bei einem Luftangriff wenig später, am 30. Juli 1943, wurden Kirche und Orgel zerstört. Nach dem Wiederaufbau errichtete die Firma Kemper in den Jahren 1960 bis 62 eine neue Orgel. Sie wurde aber zunehmend als unbefriedigend empfunden, und schließlich 2007 an eine polnische Gemeinde verkauft – mit Ausnahme jener Pfeifen, die einst Bestandteil der historischen Orgel waren. 

Sie wurden zum Schlüsselmaterial für einen rekonstruktiven Neubau, der auf der Grundlage aller Informationen erfolgte, die man über das Instrument im Jahre 1720 hatte. Die „Orgel für Bach“ wurde in den Jahren 2007 bis 2013 durch die Orgelbaufirma Flentrop (Zaandam/Niederlande) errichtet. Der Initiator dieses Projektes, Andreas Fischer, Kantor und Organist an St. Katharinen, hat nun Bachs exemplarischen Zyklus von Orgelchorälen an diesem Instrument eingespielt: Der berühmte Dritte Theil der Clavier Übung – 21 Choralvorspiele, quasi eingerahmt zwischen einem großen Präludium und einer ebenso gewichtigen Tripelfuge. In dieser Kollektion zeigt Bach an repräsentativen Beispielen die vielfältigen Möglichkeiten der Choralbearbeitung. 

Fischers Interpretation ist exzellent, und die Aufnahme macht zudem deutlich, dass die Flentrop-Orgel mit ihren vielfältigen Klangfarben und der norddeutschen Wucht ihrer Pedalregister bestens zu Bachs Musik passt. Zu loben ist außerdem, dass die Aufnahme einen ausgezeichneten akustischen Eindruck vom Kirchenraum vermittelt. Eine grandiose Einspielung, vom ersten bis zum letzten Ton rundum gelungen. Unbedingte Empfehlung! 


Dienstag, 14. September 2021

Bach: The Well-Tempered Clavier I (Avi-Music)

 

„Zum Nutzen und Gebrauch der Lehrbegierigen Musicalischen Jugend, als auch derer in diesem studio schon habil seyenden besonderem Zeitvertreib“, so vermerkte Johann Sebastian Bach 1722 auf seinem Manuskript. Inspiriert durch die Ariadne Musica von Johann Caspar Ferdinand Fischer (1662 bis 1746), der sich auf 20 Tonarten beschränkte, hatte der Musiker, weiland Hofkapellmeister in Köthen, 24 Präludien und Fugen komponiert – in jeder Tonart ein Paar, womit er zugleich zeigte, dass sich dies auf einem Tasteninstrument („Clavier“) in wohltemperierter Stimmung bestens spielen ließ. 

Das Cembalo, das Luca Guglielmi für diese Aufnahme ausgewählt hat, ist ein zeitgenössisches Original aus der Werkstatt von Christian Zell (Hamburg, 1737). Es befindet sich im Museu de la Musica in Barcelona, wo auch die Aufnahme entstanden ist, und es klingt eher voll und dunkel. Der italienische Musiker, der mittlerweile als Professor an der Musikhochschule in Barcelona lehrt, spielt Bachs Musik in geradezu exemplarischer Weise; seine Anmerkungen zu den einzelnen Stücken im Beiheft sind prägnant und erhellend. 

Und genau so ist auch sein Cembalo-Spiel. Virtuosität ist hier kein Selbstzweck; es gibt keinen romantischen Überschwang, keine Eitelkeit, keine leeren Passagen. Bei aller Liebe zum Detail behält Guglielmi immer den gesamten Zyklus im Blick. So wirkt die Einspielung als Einheit, ebenso wie jedes Stück für sich überzeugt. Der Interpret lockt den Zuhörer hinein in Bachs Klang-Kosmos. Man wird demütig vor dieser großen Kunst. Vom ersten bis zum letzten Ton ein Mirakel, unbedingt anhören! 


Montag, 13. September 2021

Bach: Piano Transkriptions (Naxos)


 2020, auf dem Höhepunkt der Pandemie, saßen weltweit Künstler ebenso wie ihr Publikum zu Hause. Konzerte wurden abgesagt oder verschoben. Der lang andauernde Lockdown sorgte für eine Zwangspause, die etliche Musiker kreativ nutzten. Viele von ihnen erschlossen sich nicht nur neues Repertoire; sie suchten zudem nach einem alternativen Zugang zum Publikum. So gab auch der Pianist Kotaro Fukuma Online-Konzerte. 

Der Japaner, der zeitweise in Berlin lebt, fragte außerdem über Social Media seine Follower, welche Klaviermusik sie am liebsten hören. Die Antwort war: Werke von Johann Sebastian Bach. So entstand dieses Album, denn Bach gehört ohnehin zu den Lieblingskomponisten von Kotaro Fukuma. Der Musiker beschränkt sich dabei allerdings nicht auf die Klavierstücke; sein besonderes Interesse gilt den Klaviertranskriptionen. 

Sein Programm ist eine Zusammenstellung von historischen Bearbeitungen. Unter den Arrangeuren sind etliche berühmte Klaviervirtuosen, von Franz Liszt über Ferruccio Busoni bis hin zu Johannes Brahms und Wilhelm Kempf. Fukuma selbst hat eine Transkription der Erbarme Dich-Arie aus der Matthäus-Passion BWV 244 geschrieben, die sich in dieser illustren Reihe nicht verstecken muss. 

Am Bechstein überzeugt Kotaro Fukuma durch eine exquisite Technik und seinen ebenso einfühlsamen wie brillanten Vortrag. Bei seinem Spiel sind ihm aber nicht nur Klangfarben und Ausdruck wichtig, sondern auch die ganz besonderen spirituellen Qualitäten dieser Musik. 


Montag, 6. September 2021

Bach: Goldberg Variations (MDG)


 Das Berlage Saxophone Quartet spielt Bachs Goldberg-Variationen. Für seine Kollegen vom Berlage Saxophone Quartet hat Peter Vigh Bachs grandioses Werk vollkommen neu instrumentiert, und dabei höchst interessante Klangfarben zum Vorschein gebracht. 

Anders als etwa ein Streichquartett, dessen Besetzung quasi unveränderlich feststeht, nutzen die Saxophonisten jeweils unterschiedliche Instrumente – zehn sind es insgesamt. Lars Niederstrasser, Peter Vigh, Juani Palop und Eva van Grinsven haben sich für dieses Aufnahmeprojekt zudem unter Anleitung durch den Barockspezialisten Walter van Hauwe intensiv mit der historischen Musizierpraxis auseinandergesetzt. 

Im Ergebnis haben die Saxophonisten einen sehr individuellen Zugang zu Bachs Komposition gefunden: Fast entrückt wirkt die Aria, mit der der Zyklus beginnt. Jede Variatio erhält dann einen ganz eigenen Charakter. Das Berlage Saxophone Quartet überrascht mit einer großen Klarheit. Es ist, als hätte man die Goldberg-Variationen noch nie gehört; man sitzt förmlich auf der Stuhlkante, bis dann die Aria abschließend erneut erklingt. Unbedingt anhören, höchst spannend! 


Sonntag, 5. September 2021

Stille Klagen (Passacaille)

 

Buße, Reue und Erlösung stehen im Zentrum der vorliegenden CD. Für diese Aufnahme haben Griet de Geyter und das Ensemble Il Gardellino drei Kantaten aus der Barockzeit ausgewählt: Dieterich Buxtehude vertonte für O dulcis Jesu BuxWV 83 einen Text, der dem Zisterzienser Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wird. Ein Bußpsalm ist die Textgrundlage für Georg Philipp Telemanns Ach Herr, strafe mich nicht TWV 7:2. Johann Sebastian Bachs Kantate Mein Herze schwimmt im Blut BWV 199 wiederum basiert auf dem biblischen Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner. 

Es ist durchaus möglich, dass die alten Texte einen Menschen heutzutage zunächst wenig ansprechen; zu fremd erscheint ihr Ausdruck, überwältigend oft ihre Metaphernwelt. Desto beredter kann allerdings die Musik wirken, die in ihrer emotionalen Kraft die Botschaft des Textes quasi übersetzt. Die Musiker von Il Gardellino sowie Organist Leo van Doeselaar bringen den schlanken, klaren Sopran von Griet de Geyter exquisit zur Geltung. Besonders schön erklingt die Gesangsstimme dabei im Duett mit der Oboe von Marcel Ponseele (Telemann) bzw. Lidewei De Sterck (Bach). Zum Programm gehören zudem eine Buxtehude-Sonate und zwei Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, ebenfalls hinreißend musiziert. Bravi! 


Dienstag, 10. August 2021

Bach: Goldberg Variations; Kraggerud (Simax)


 Kann man die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach auch mit einem Kammerorchester aufführen? Bernt Simen Lund und Henning Kraggerud haben ein Arrangement dafür geschrieben, das dem Original auf faszinierende Weise gerecht wird – und das Arctic Philharmonic Chamber Orchestra musiziert obendrein hinreißend. Eine der schönsten Aufnahmen der Goldberg-Variationen überhaupt. 

Kombiniert wird Bachs berühmtes Werk mit Topelius Variations, mit denen Henning Kraggerud dem finnischen Historiker und Poeten Zacharias (Zachris) Topelius (1818 bis 1898) seine Referenz erweist. 


Samstag, 10. Juli 2021

Bach: Eternity / Praise (Deutsche Harmonia Mundi)

 


Nach den Lutherkantaten, denen sich Christoph Spering mit seinen Ensembles Chorus Musicus Köln und Das Neue Orchester zum Reformationsjahr 2017 zugewandt hatte, sind mittlerweile bei der Deutschen Harmonia Mundi die beiden nächsten Doppel-CD mit Kompositionen Johann Sebastian Bachs aus dem Choralkantaten-Jahrgang 1724/25 erschienen. 

Eternity enthält O Ewigkeit, du Donnerwort BWV 20, Wer nur den lieben Gott lässt walten BWV 93, Ach Gott, wie manches Herzeleid BWV 3, Meine Seele erhebt den Herrn BWV 10, Du Friedefürst, Herr Jesu Christ BWV 116 und Meinen Jesum lass ich nicht BWV124. Das neuere Album mit dem Titel Praise fasst auf ebenfalls zwei CD die Kantaten Lobe den Herren, den mächtigen König BWV 137, Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 140, Ach wie flüchtig, ach wie nichtig BWV 26, Jesu, nun sei gepreiset BWV 41, Mache dich, mein Geist bereit BWV 115, und Christus, der ist mein Leben BWV 95 zusammen. 

Bach-Einspielungen gibt es viele. Diese hier kann mit exzellenten Solisten begeistern. Zu hören sind Dorothee Mields, Sopran, Olivia Vermeulen, Alt, Georg Poplutz und Benedikt Kristjánsson, Tenor, sowie Daniel Ochoa und Tobias Berndt, Bass. Textausdeutung ist allerdings nicht die Stärke dieser Aufnahme; Spering verzichtet darauf, die rhetorischen Qualitäten der Musik herauszuarbeiten. Ich hatte mir mehr erhofft; schade! 


Freitag, 21. Mai 2021

beyond words - Felix Klieser (Berlin Classics)

 

Dass Musik, die ursprünglich für Sängerinnen und Sänger geschrieben worden ist, auch als Sprache ohne Worte funktioniert, beweist Felix Klieser mit diesem Album. Dazu hat der Hornist bekannte Melodien von Bach, Vivaldi, Händel und Gluck ausgewählt. Gemeinsam mit dem Ensemble Chaarts Chamber Artists aus der Schweiz erkundet Klieser die Stücke, und gestaltet jeweils ganz unterschiedliche musikalische Welten. 

In Händels berühmtem Halleluja oder in Vivaldis Gloria übernimmt er den Part des Chores, klar vom Orchester abgesetzt. In vielen Arien, am schönsten sicherlich in Bachs Erbarme dich aus der Matthäus-Passion, tritt er in einen spannungsvollen Dialog mit dem Orchester – und gelegentlich wird er auch ein Teil davon. 

Farbenreich und außerordentlich einfühlsam spürt Felix Klieser dem musikalischen Gehalt der Kompositionen nach; er kombiniert barocken Affekt und romantischen Hornklang. Eine interessante Kombination, und ein Album zum Träumen und Schwelgen. Barock-Puristen freilich wird diese CD eher nicht begeistern. 

Samstag, 15. Mai 2021

Piano Lessons - Christoph Eschenbach (Deutsche Grammophon)


 Einen großen Musiker erkennt man oft daran, dass er auch scheinbar simple Stücke mit derselben Sorgfalt spielt wie die Virtuosenliteratur. Ein Beispiel dafür bietet diese faszinierende Box, in der auf 16 CD so ziemlich alles zu hören ist, was ein Klavierschüler üblicherweise im Unterricht übt. 

Die Box enthält zahlreiche Klassiker der Klavierpädagogik, von Ferdinand Beyers Vorschule im Klavierspiel über Johann Sebastian Bachs Inventionen, Wolfgang Amadeus Mozarts Sonata facile bis hin zu Ludwig van Beethovens berühmter Mondscheinsonate oder den Liedern ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy. 

Burgmüller, Czerny, Clementi, Diabelli – Christoph Eschenbach zeigt mit seinen Interpretationen, dass selbst Etüden und Sonatinen sehr viel Spaß machen können. Der Pianist, heute Chefdirigent des Berliner Konzerthausorchesters, hat diese Kollektion Mitte der 1970er Jahre eingespielt. Sie war bisher aber nur als Japan-Import erhältlich. 

Umso mehr freut man sich darüber, dass diese liebevollen Interpretationen nun für jedermann verfügbar sind. Die Sammlung bietet Musikfreunden fast 17 Stunden Hörvergnügen, und allen Klavierschülern vielfältige Anregungen – denn sämtliche Noten sind über die bekannte Noten-App Tomplay Sheet Music zugänglich, und als Bonus liegt der Box ein Zugangscode bei. Super! 


Dienstag, 16. Februar 2021

Bach & Piazzolla (Berlin Classics)


 Bach und Piazzolla kombiniert Nikola Djoric miteinander auf einem Album. Der serbische, in Österreich lebende Akkordeonist hat gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter der Leitung von Hans-Peter Hoffmann sowohl Bachs Cembalokonzerte BWV 1058 und 1052 als auch Piazzollas bekanntes Konzert für Bandoneon „Aconcagua“ eingespielt. Dabei legt er besonderen Wert auf die Feststellung, dass alle Werke originalgetreu auf seinem Konzertakkordeon erklingen – jede einzelne Note ist an ihrem Platz. 

„Das Instrument bietet mit seiner Fähigkeit zum Singen und seiner Komplexität einen unvergleichlichen Reiz“, erläutert der Akkordeonvirtuose. „Stellen Sie sich vor: Ein Blasinstrument, das beim Ein- und Ausatmen polyphon spielt und den Klang in der Luft entstehen lässt; ein Tasteninstrument, das Töne wie Streicher mit dem Bogen phrasieren kann, mit zwei unterschiedlichen Manualen, über 500 Tönen, 20 Klangregistern und einem Musiker, der mit allen zehn Fingern spielt und frei atmen kann – das ist das Knopfakkordeon, es singt und atmet.“ 

Dieses „Atmen“ bekommt vor allem Bachs Cembalokonzerten ausgezeichnet, die im Original oftmals etwas hektisch klingen. Das Akkordeon bringt einerseits Farbe, andererseits wirkt auch die Phrasierung auf einmal ganz neu und interessant. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 


Samstag, 2. Januar 2021

Bach: Entfliehet, ihr Sorgen (Deutsche Harmonia Mundi)


 Zwei weitere Kantaten von Johann Sebastian Bach hat Alexander Grychtolik rekonstruiert und mit seinem Ensemble Deutsche Hofmusik eingespielt. Für beide Werke, die in Bachs Leipziger Zeit entstanden sind, waren bislang nur Texte vorhanden. Um sie wieder aufführen zu können, suchte der Cembalist und Dirigent daher nach anderen Werken des Komponisten, die als Parodievorlage für solche Gelegenheitskompositionen gedient haben könnten – oder nach Arien und Chören, in denen Bach selbst seinerzeit musikalische Ideen wiederverwendet hat. 

Denn weltliche Kantaten wurden für den jeweiligen Anlass geschrieben – war das Fest vorbei, gab es keinen Grund, sie nochmals aufzuführen. Zur Krönung des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II., der 1734 in Krakow als August III. auch polnischer König wurde, lieferte Bach einem unbekannten Auftraggeber für eine Huldigung in Leipzig die Kantate Blast Lärmen, ihr Feinde! Verstärket die Macht (BWV 205a). Sie spielt mit ihrem Titel auf den soeben siegreich beendeten Thronfolgekrieg an, der nach dem Tode August des Starken um die polnische Königskrone ausgefochten wurde. Als Vorlage für diese Kantate diente das Dramma per musica „Der zufriedengestellte Aeolus“ (BWV 205), das dafür mit einem neuen Text versehen wurde. 

Die Schäferkantate Entfliehet, ihr Sorgen (BWV 249a), erklungen 1725 als Tafelmusik zum Geburtstag von Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels auf Schloss Neu-Augustusburg, gilt als weltliche Urfassung des Osteroratoriums BWV 249. Mit dem Libretto begann zudem die Zusammenarbeit zwischen Bach und seinem Textdichter Picander. 

Allerdings fehlten dieser Geschichte über zwei Schäferinnen, die auf ihrem Weg zum Geburtstagsfest des Herzogs zwei Hirten treffen, bislang Rezitative. Diese wurden daher durch Grychtolik stilsicher ergänzt. Und wer das Osteroratorium kennt, mit all seinen Seltsamkeiten, der wird beim Anhören dieser CD all das verstehen, was ihm bei der „Recyclingversion“ musikalisch seltsam vorgekommen ist. Was für eine Offenbarung! Musiziert wird zudem exzellent. Solisten der Aufnahme sind Miriam Feuersinger, Sopran, Elvira Bill, Alt, Daniel Johannsen, Tenor und Stephan MacLeod, Bass. 


Montag, 28. Dezember 2020

Bach Cantatas (Accentus)


 Seine erste CD als Leiter des Leipziger Thomanerchores widmete Gotthold Schwarz Kantaten von Johann Sebastian Bach. Der Sänger und Kirchenmusiker, der mit den Thomanern schon seit vielen Jahren als Stimmbildner und vertretungsweise auch als Chorleiter arbeitete, wurde 2016 zum 17. Thomaskantor nach Bach berufen. 

In der Beschäftigung mit Bachs Kantaten, die nach wie vor für das Repertoire des berühmten Leipziger Knabenchores von zentraler Bedeutung sind, sieht Schwarz „eine lebenslange und wunderschöne Aufgabe und Herausforderung“. Für diese CD hat er drei Kompositionen ausgewählt, die sich mit dem besonderen Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen auseinandersetzen: Allein zu dir, Herr Jesu Christ BWV 33, Wer Dank opfert, der preiset mich BWV 17, und Was Gott tut, das ist wohlgetan BWV 99. Die Thomaner sowie Solisten musizieren dabei gemeinsam mit dem Sächsischen Barockorchester.


Sonntag, 27. Dezember 2020

Die Späth-Orgel in St. Oswald Regensburg (Tyxart)


 Am 27. Dezember 1750, „mit Musiken von Trp. Und Pauken“, wurde die Orgel der Regensburger Oswaldkirche eingeweiht. Erbaut wurde dieses Instrument von dem ortsansässigen Frantz Jacob Späth (1714 bis 1786). Berühmtheit erlangte der experimentierfreudige Meister allerdings als Erfinder des Tangentenflügels. 

Die Orgel in der Oswaldkirche hat Frantz Jacob Späth gemeinsam mit Johann Andreas Stein errichtet. Dieser hatte das Handwerk bei Johann Andreas Silbermann in Straßburg erlernt, und nach seiner Tätigkeit bei Späth ließ er sich schließlich in Augsburg als Orgel- und Klavierbauer nieder. In seiner Bewerbung dort führte er an, er habe „in Regensburg in der großen schönen Orgel von St. Oswald das ganze Pfeiffwercke, als das Wesen einer Orgel, von meiner eigenen Handt verfertiget und intonieret.“ 

Glücklicherweise blieb das Instrument über Jahrhunderte unverändert; eine Erweiterung durch Paul Ott aus dem Jahre 1954 wurde in den Jahren 1986 bis 1991 durch die Bonner Orgelbaufirma Klais im Zuge einer umfassenden Restaurierung wieder rückgängig gemacht. So präsentiert sich die Späth-Orgel heute wieder im exzellenten und ursprünglichen Zustand. 

Roman Emilius, Stadt- und Dekanatskantor in Regensburg, stellt auf dieser CD das Instrument vor, das durch einzigartige Klangfarben begeistert. In bester süddeutscher Tradition, wirkt diese Orgel ausgesprochen charaktervoll und ausdrucksstark. Und mit seinem geschickt zusammengestellten Programm bringt Roman Emilius die Vorzüge des Instrumentes hervorragend zur Geltung. Für Kenner und Liebhaber bietet seine Werkauswahl zudem auch einige spezielle Höhepunkte. Humor und Orgel – eine Kombination, die ich nur empfehlen kann. 


Freitag, 17. Juli 2020

Bach - Redemption (Alpha)

Redemption ist der Titel des neuen Albums, das Anna Prohaska gemeinsam mit der Lautten Compagney Berlin veröffentlicht hat. In einer Zeit, in der aufgrund der Gefahr durch den Corona-Virus Konzerte extrem selten geworden sind, haben sich die Sängerin und die Musiker zusammengefunden, um ausgewählte Stücke aus Kantaten von Johann Sebastian Bach einzuspielen. Das Programm hat zum Ziel, mit Musik in diesen Krankheits- und Krisenzeiten Trost zu spenden, den Hörern emotionale und kontemplative Räume zu eröffnen. 
Die Sopranistin hat dazu weit mehr anzubieten als nur schöne Töne. Allerdings weiß Bach für kranke Seelen eher jenseitigen Trost. „Ich ende behende mein irdisches Leben“ (BWV 57) – diese Vorstellung wird beim modernen Menschen ganz sicher keinen Jubel auslösen. Den meisten Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts dürfte es eher seltsam erscheinen, mit Bach anzustimmen: „Ich habe genug. Drum wünsch ich noch heute mit Freuden von hinnen zu scheiden.“ (BWV 82a) Auch die Aufforderung „Bete aber auch dabei“ (BWV 115) wird wohl bei der Mehrheit Befremden auslösen. 
Inhaltlich also ist das mit der Erlösung so eine Sache. Musikalisch allerdings ist das Album wunderbar. Wie das Sängerquartett – in den Chören wirken neben Anna Prohaska auch Susanne Langner, Christian Pohlers und Karsten Müller mit – „Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe“ (BWV 25) anstimmt, das beispielweise ist ein ganz besonders Kabinettstückchen. Auch Wolfgang Katschner und seine Lautten Compagney weiß zum Ausdruck viel mit beizutragen. Und es ist in der Tat ein Trost, dass das Label Alpha die fertig geschnittene Aufnahme nur wenige Wochen nach der Einspielung digital auf den Markt gebracht hat. 

Freitag, 3. Juli 2020

Stay ye angels (Accentus)

„Wenn du aus dir verjagst / All Unruh und Getümmel, / So wirft Sankt Michael / Den Drachen aus dem Himmel.“ So zitiert das Beiheft den Barockdichter Angelus Silesius. Der Erzengel, der den Drachen tötet, ist auch in dem Programm, das die Gaechinger Cantorey unter Leitung von Hans-Christoph Rademann im September 2018 in der Stadtkirche St. Wenzel zu Naumburg aufgeführt hat, präsent. Zwei der Kantaten, Es erhub sich ein Streit BWV 19 und Man singet mit Freuden vom Sieg BWV 149, komponierte Johann Sebastian Bach einst für das Michaelisfest. Die dramatischen Werke, mit Pauken und Trompeten, wählte Rademann als Rahmen für zwei Solokantaten: Gott soll allein mein Herze haben BWV 169, wo Altstimme und konzertierende Orgel in genialer Verflechtung die himmlische Liebe besingen, und Der Friede sei mit dir BWV 158. In dieser Kantate verkündet der Solo-Bass, dass Satan nunmehr gefällt sei. 
Die Gaechinger Cantorey musiziert routiniert in schlanker Besetzung; das Solistenquartett der Aufnahme besteht aus Lenneke Ruiten, Anke Vondung, Benedikt Kristjánsson und Peter Harvey. Den glanzvollsten Part allerdings hat auf dieser CD die Orgel von Zacharias Hildebrandt, gespielt vom Organisten David Franke. Ein herrliches Instrument, und es ist immer wieder eine Freude, es zu hören.