„Eine CD aufzunehmen mit einem Instrument, das mindestens
200 Jahre lang nicht gespielt worden ist (…), das ist eine Herausforderung“, meint Krishna- sol Jiménez. Der Gitarrist, der in Mexiko geboren wurde und heute unter anderem in Basel lehrt, hat sie gern angenommen - denn das Instrument, das ihm dafür zur Verfügung stand, das war nicht irgendeines: Die sogenannte Sabionari-Gitarre hat Antonio Stradivari im Jahre 1679 ange- fertigt. Das Instrument ist eine Rarität, denn es sind nur fünf Gitarren aus der Werkstatt des berühmten Instrumentenbauers erhalten.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Sabionari-Gitarre von einer fünfchörigen Barockgitarre zu einem sechssaitigen Instrument umgebaut. 2011 entschied sich der Eigentümer, die Sabionari-Gitarre restaurieren und dabei möglichst die ursprüngliche Konfiguration wiederherzustellen zu lassen. Die französischen Spezialisten Sinier de Ridder erhielten zudem den Auftrag, die Sabionari-Gitarre in einen Zustand zu bringen, in dem sie gespielt werden kann. Das macht diese Gitarre doppelt wertvoll, denn keine andere Gitarre Stradivaris ist in einem derart guten Zustand.
Auf dieser CD ist das Instrument nach seiner erfolgreichen Restau- rierung erstmals zu hören. Jiménez spielt darauf vier Suiten aus den Livres de Pièces pour la Guittarre von Robert de Visée (1655 bis 1733). Und der Klang ist in der Tat ein ganz besonderes Erlebnis. Man höre nur die Suite in Fis-Dur „accord nouveau“, bei der die Gitarre in Skordatur einen Halbton tiefer gestimmt wurde. Dies stellt das war- me, dunkle Timbre des Instrumentes noch stärker heraus.
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Freitag, 21. Juni 2013
Montag, 23. August 2010
Une larme - Rosario Conte (Carpe diem)
Rosario Conte, Spezialist für histo- rische Zupfinstrumente, wendet sich mit dieser CD einem großen Gitarristen der Barockzeit zu: Francesco Corbetta, geboren 1615 in Pavia, veröffentlichte mit 24 Jahren seine ersten Gitarren- kompositionen. Nach ausgiebigen Konzertreisen durch ganz Europa wirkte er zunächst am Hofe Ludwigs XIV. in Paris. Dort kam er in Kontakt zu Charles II., der in Frankreich im Exil lebte und die Gitarre sehr geschätzt haben soll.
Nach seiner Krönung, der Wiederherstellung des englischen Hofes und der Rückkehr der Königs ging auch Corbetta nach England, ohne aber den engen Kontakt zum Hof der Könige von Frankreich abreißen zu lassen. Ludwig gestattete es dem Virtuosen, eine Sammlung mit seinen Werken zu veröffentlichen - und sie dem König von England zu widmen. Sämtliche Stücke Corbettas, die Conte für diese CD einge- spielt hat, entstammen La Guitarre Royale (1671).
Drei Jahre später legte der Gitarrist ein weiteres Werk mit demselben Titel vor - dieses allerdings war dem Sonnenkönig gewidmet, desses Gitarrenlehrer Corbetta war. Als er 1681 in Paris starb, erhielt Robert de Visée dieses Amt. In seinem ersten Buch, dem Livre de Guitarra (1682), erweist dieser seinem Vorgänger mit einer Allemande Tombeau de Monsieur Francisque musikalische Reverenz. Auch dieses Werk, dem ein Prélude vorangestellt ist, hat Conte für die vorliegende CD ausgewählt.
Une larme ist rundum gelungen. Wer schöne Musik hören will, der wird von betörenden Klängen verzaubert. Und wer sich für Barock- gitarre interessiert, der kann hier erfahren, was mit einem solchen Instrument alles anzufangen ist - wenn man es virtuos spielen kann. So reizt Corbetta beispielsweise im Tombeau de Madame D'Orleans die technischen Möglichkeiten der Gitarre in faszinierender Art und Weise aus und lässt so ganz erstaunliche Klangwelten entstehen. Das ist grandios, das muss man einfach gehört haben.
Conte erfasst die Stücke aus jener fernen Zeit nicht nur vom Noten- bild her, sondern auch in ihrem Geist. "Die Musik Corbettas vereint Zartheit des Stils, große Kenntnis des Instruments und Tiefe der Sprache; in dieser Musik schwingt stets auf dem Grunde die Stille mit in den zarten Klängen der Gitarre - Klänge, mit denen die Stille einen immerwährenden Dialog führt", schreibt der Gitarrist. "Nach dem Ende der letzten Note erobert sie sich ihren Platz zurück, ganz so wie es der Tod mit unserem Leben macht."
Conte erfasst die Stücke aus jener fernen Zeit nicht nur vom Noten- bild her, sondern auch in ihrem Geist. "Die Musik Corbettas vereint Zartheit des Stils, große Kenntnis des Instruments und Tiefe der Sprache; in dieser Musik schwingt stets auf dem Grunde die Stille mit in den zarten Klängen der Gitarre - Klänge, mit denen die Stille einen immerwährenden Dialog führt", schreibt der Gitarrist. "Nach dem Ende der letzten Note erobert sie sich ihren Platz zurück, ganz so wie es der Tod mit unserem Leben macht."
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