A Festival of Nine Lessons and Carols ist eine britische Tradition. Der Name dieses Gottesdienstes, der am Heiligabend in vielen Gemeinden stattfindet, verrät bereits den Ablauf: Neun Texte aus der Bibel („lessons“) werden gelesen, und dazu werden Weihnachtslieder gesungen. Welt- weit bekannt sind die Gottesdienste, die alljährlich im King's College in Cambridge gefeiert werden; sie werden seit 1928 von der BBC im Rundfunk übertragen.
In Deutschland wird dieser Brauch mittlerweile ebenfalls vielerorts aufgegriffen. So lädt auch der Neue Knabenchor Hamburg seit 2014 zum Festival of Nine Lessons and Carols; das ursprüngliche Konzept aber wurde für die Weihnachtskonzerte modifiziert: „Rufus Beck rezitiert keine biblischen oder vorrangig geistlichen Geschichten, sondern vielmehr fantasievolle Nacherzählungen der weihnachtlichen Ereignisse sowie Gedichte rund um das große Fest“, schreibt Chorleiter Jens Bauditz in seinem Geleitwort zu dieser CD. „Die Lesungen sollen Kinder wie Erwachsene einladen, sich mal heiter und mal besinnlich auf die innere Reise nach Bethlehem zu begeben. (..) Die musikalische Auswahl fand hingegen ganz im Sinne der alten englischen Tradition statt.“
Und so beginnen die jungen Sänger, ganz klassisch, mit Once in Royal David's City. Es erklingen zahlreiche bekannte Carols, von Ding! Dong! Merrily on High bis zu Away in a Manger und von The First Nowell bis hin zu O Come, All Ye Faithful. Auch das beliebte Hark! The Herald Angels Sing von Felix Mendelssohn Bartholdy, als abschließender Hymnus, darf natürlich nicht fehlen.
Zwischen die althergebrachten Sätze hat Bauditz einige neue eingefügt; Meeres Stille beispielsweise hat die Hamburger Komponistin Gloria Bruni (*1955) eigens für den Chor geschaffen. Rufus Beck liest dazu Texte von Hoffmann von Fallersleben bis James Krüss. Und wer den kleinen Nick schätzt, der kann sich über Heiligabend von Rene Goscinny freuen.
Der Neue Knabenchor Hamburg singt hörenswert – blitzsauber, wohlab- gestimmt und farbenreich. Das Ensemble profitiert davon, dass es nicht nur über Sopran und Alt verfügt, sondern auch die älteren Sänger nach dem Stimmwechsel weiter mitwirken können. Auf dieser CD erklingen immer- hin Chorsätze für bis zu achtstimmigen gemischten, dreistimmigen Knaben- und vierstimmigen Männerchor. Das ist beachtlich, und es sorgt zugleich enorm für Abwechslung. Langeweile kommt beim Anhören dieser CD jedenfalls nicht auf – obwohl es „nur“ A-cappella-Chorgesang plus Lesungen gibt. Sehr gelungen!
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Samstag, 24. Dezember 2016
Freitag, 27. Februar 2015
Beck: Symphonies Op. 4, Nos. 4-6 / Op. 3, No. 5 (Naxos)
Franz Ignaz Beck (1723 oder 1734, da sind sich die Quellen nicht ganz einig, bis 1809) stammte aus Mann- heim. Er begann seine musikalische Ausbildung bei seinem Vater und setzte sie dann bei Johann Stamitz fort. Beck spielte exzellent Violine, Kontrabass und Orgel und war wohl auch als Kammervirtuose beim Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz beschäftigt – das jedenfalls liest man auf dem Titelblatt seines Opus 1, veröffentlicht 1758 in Paris. Über seinen Abschied aus Mannheim kursiert die wilde Geschichte, er sei geflohen, weil er einen Rivalen im Duell getötet habe. Und erst viele Jahre später sei ihm zugetragen worden, dass sein Widersacher quicklebendig sei, weil er den Tod nur vorgetäuscht habe. Es könnte aber auch schlicht der Fall sein, dass Beck nach Venedig reiste, um dort Unterricht bei Baldassare Galuppi zu nehmen. Über Neapel ging Beck schließlich nach Frankreich, wo er zunächst als Konzertmeister in Marseille tätig war. 1761 wechselte der Musiker nach Bordeaux, wo er als Kapellmeister am Grand Théâtre sowie als Organist und Musikpädagoge wirkte.
Mit seinen Ouvertüren und Sinfonien gilt Beck als ein zwar wenig bekannter, aber musikhistorisch wichtiger Komponist der Mannheimer Schule. Die Böhmische Kammerphilharmonie Pardubice hat unter Marek Stilec nun erneut bei Naxos eine Auswahl seiner Sinfonien gekonnt eingespielt, und zwar aus Opus 3 die Nummer 5 und aus Opus 4 die Nummern 4, 5 und 6. Damit wird eine frühere Edition komplettiert. Die Werke erweisen sich als reizvoll, sie sind ausdrucksstark bis dramatisch und schwungvoll. Die Einspielung macht zugleich deutlich, dass Beck zu den Wegbereitern der Wiener Klassik gehört – noch ein zusätzlicher Grund dafür, dass man seine Musik kennenlernen sollte. Es lohnt sich.
Mit seinen Ouvertüren und Sinfonien gilt Beck als ein zwar wenig bekannter, aber musikhistorisch wichtiger Komponist der Mannheimer Schule. Die Böhmische Kammerphilharmonie Pardubice hat unter Marek Stilec nun erneut bei Naxos eine Auswahl seiner Sinfonien gekonnt eingespielt, und zwar aus Opus 3 die Nummer 5 und aus Opus 4 die Nummern 4, 5 und 6. Damit wird eine frühere Edition komplettiert. Die Werke erweisen sich als reizvoll, sie sind ausdrucksstark bis dramatisch und schwungvoll. Die Einspielung macht zugleich deutlich, dass Beck zu den Wegbereitern der Wiener Klassik gehört – noch ein zusätzlicher Grund dafür, dass man seine Musik kennenlernen sollte. Es lohnt sich.
Samstag, 2. August 2014
Clara & Robert Schumann - Romanzen (Ars Produktion)
„Deine Fantasiestücke für Piano und Clarinette (op. 73) gefallen mir ungemein“, so schrieb Fer- dinand David, der Konzertmeister des Leipziger Gewandhaus- orchesters, 1850 an seinen Freund Robert Schumann, „warum machst Du nichts für Geige und Clavier? Es fehlt so sehr an was gescheidtem Neuen, und ich wüßte niemanden, der es besser könnte als Du.“
Knapp zwei Jahre später war Schumanns erste Violinsonate vollendet, wenige Wochen darauf die zweite. Es folgte dann noch eine dritte, die Schumann aus der legendären F.A.E.-Sonate entwickelte. Auch die Fantasiestücke existieren in einer Fassung für Klavier und Violine, ebenso wie die Drei Romanzen für Oboe und Klavier – Georg Hamann, Violine/Viola, und die junge Pianistin Beata Beck haben auf einer Doppel-CD bei Ars Produktion Schumacher sämtliche Werke der Schumanns für Violine und Klavier zusammengetragen, nebst den Märchenbildern für Klavier und Viola.
„Es ist ein Schumann nach dem anderen gekommen“, berichtet Beata Beck über dieses Projekt. „Nach den ,Märchenbildern' haben wir die 1. Sonate in a-Moll gespielt. Anschließend noch die ,Fantasiestücke' und dann kam das Schumann-Jahr 2010.“ Mit einem Schumann-Abend der beiden Musiker, in dessen Gefolge dann diese Aufnahmen entstanden sind.
Ergänzt haben sie das Programm durch das einzige Werk für Violine und Klavier, das von Clara Schumann überliefert ist – die Drei Ro- manzen op. 22. Es ist unüberhörbar, dass sie von einer Klaviervir- tuosin geschrieben worden sind; auch wenn die Komponistin anson- sten offenbar bemüht war, sich stilistisch ihrem Ehemann anzu- nähern. Hamann und Beck musizieren gekonnt, aus der romantischen Tradition heraus, die sie aber aus moderner Perspektive befragen. Im Musizieren finden der Hochschullehrer und seine Studentin zu einer faszinierenden Harmonie zusammen. Beeindruckend!
Knapp zwei Jahre später war Schumanns erste Violinsonate vollendet, wenige Wochen darauf die zweite. Es folgte dann noch eine dritte, die Schumann aus der legendären F.A.E.-Sonate entwickelte. Auch die Fantasiestücke existieren in einer Fassung für Klavier und Violine, ebenso wie die Drei Romanzen für Oboe und Klavier – Georg Hamann, Violine/Viola, und die junge Pianistin Beata Beck haben auf einer Doppel-CD bei Ars Produktion Schumacher sämtliche Werke der Schumanns für Violine und Klavier zusammengetragen, nebst den Märchenbildern für Klavier und Viola.
„Es ist ein Schumann nach dem anderen gekommen“, berichtet Beata Beck über dieses Projekt. „Nach den ,Märchenbildern' haben wir die 1. Sonate in a-Moll gespielt. Anschließend noch die ,Fantasiestücke' und dann kam das Schumann-Jahr 2010.“ Mit einem Schumann-Abend der beiden Musiker, in dessen Gefolge dann diese Aufnahmen entstanden sind.
Ergänzt haben sie das Programm durch das einzige Werk für Violine und Klavier, das von Clara Schumann überliefert ist – die Drei Ro- manzen op. 22. Es ist unüberhörbar, dass sie von einer Klaviervir- tuosin geschrieben worden sind; auch wenn die Komponistin anson- sten offenbar bemüht war, sich stilistisch ihrem Ehemann anzu- nähern. Hamann und Beck musizieren gekonnt, aus der romantischen Tradition heraus, die sie aber aus moderner Perspektive befragen. Im Musizieren finden der Hochschullehrer und seine Studentin zu einer faszinierenden Harmonie zusammen. Beeindruckend!
Montag, 16. Juni 2014
Brahms: Ein deutsches Requiem (Hänssler Profil)
Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms gehört zu jenen Werken, die wieder und wieder eingespielt werden. Diese Auf- nahme mit dem Schleswig-Holstein Festival Chor Lübeck und dem Kammerorchester Basel unter Rolf Beck erträgt man aufgrund der herausragenden Solisten. Christia- ne Karg ist ein Ereignis, und Thomas E. Bauer singt ebenfalls sehr hörenswert. Das Beiheft ist sorgsam erstellt und enthält einen lesenwerten Aufsatz von Dr. Gerald Felber über Brahms' Musik. Ansonsten ist über diese CD leider nicht viel Positives zu berichten – Lautstärke ersetzt halt nicht innere Spannung, und auch dieser Chor hat Probleme mit der Höhe. Schade.
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