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Mittwoch, 15. Dezember 2021

Little Christmas - St. Florianer Sängerknaben (Ars Produktion)


 Mit dem Chorherrenstift St. Florian feiern auch die St. Florianer Sängerknaben in diesem Jahr 950jähriges Bestehen. Zu den Aufgaben des renommierten Knabenchores, der zu seinen Mitgliedern einstmals unter anderem Anton Bruckner zählte, gehört noch immer die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten im Stift St. Florian in Linz. Doch die Jungs singen ebenso zu den Salzburger Festspielen, sie übernehmen Knabenpartien an bedeutenden europäischen Opernhäusern und konzertieren weltweit. 

Zu ihrem Repertoire gehören aber auch Volksweisen, in oftmals coolen modernen Arrangements – und jede Menge Weihnachtslieder, wie diese CD beweist. Sie enthält Aufnahmen aus den Jahren 1998 bis 2021; der Chor wird zumeist vom langjährigen künstlerischen Leiter Franz Farnberger dirigiert, mitunter steht auch Chorleiter Markus Stumpner am Pult. Die Leistungen der Sängerknaben sind ganz erstaunlich; die Leistungen all der Pädagogen, die die Burschen betreuen, kann man gar nicht genug würdigen. 

Der Chorklang ist immer beeindruckend, aber insgesamt doch von Jahr zu Jahr recht unterschiedlich. Das hat seinen Grund. In St. Florian werden die Knaben offensichtlich als heranreifende Künstlerpersönlichkeiten wahrgenommen und individuell gefördert. So sind aus dem Chor im Laufe der Jahre einige exzellente Solisten hervorgegangen. Auch auf dieser CD ist das Solistenensemble mehrfach zu erleben. 

Und gemeinsam mit den Sängerknaben singen bei etlichen Stücken die Herren des Männerchores, den Franz Farnberger 1989 gegründet hat. Das war eine kluge Entscheidung, denn damit hat er einerseits den den St. Florianer Sängerknaben Zugang zu einem sehr viel umfangreicheren Repertoire ermöglicht. Zum anderen bietet der Männerchor aber auch eine Perspektive für Choristen nach dem Stimmbruch – und die Sängerknaben bekommen zugleich „große“ Vorbilder. 

Diese Strategie war sehr erfolgreich, wie die vorliegende CD zeigt. Der Zuhörer darf sich über ein abwechslungsreiches, mit viel Fingerspitzengefühl und wenig Puderzucker zusammengestelltes Programm freuen. Bei jedem einzelnen Lied ist die Begeisterung der jungen Sänger sowie die Freude am Singen zu spüren. Ein gelungenes Weihnachtsgeschenk zum Chorjubiläum. 

Mittwoch, 11. August 2021

Listen to our cry (Ars Produktion)


 Diese CD ist besonders, das zeigt schon ein Foto von der Aufnahmesituation im Innenteil: Musiker, die mit Mund-Nase-Maske am Pult sitzen. Werke von fünf Komponisten, die ihre Heimat verlassen haben, um künstlerisch tätig zu sein. Musik, die Einflüsse aus unterschiedlichsten Kulturen verknüpft – und damit oftmals auch Konflikträume aufzeigt. Ein Trompeter aus Deutschland, der ein Schofar bläst, das ihm der israelische Pianist und Komponist Benjamin Jussupow geschenkt hat. 

Angesichts der aktuellen woken Trends am Weltanschauungsmarkt zuckt man kurz zusammen und fragt sich: Ja, darf der denn das? Oder ist das etwa schon kulturelle Aneignung?? Unsere Vorväter aber, die Feldherrn und Königen gern die Sopranlage zuwiesen, dürften kaum die Auffassung teilen, dass Hautfarbe, Geschlecht und Herkunft für die Vergabe von Rollen ein entscheidendes Kriterium darstellen. Über die Saturiertheit, Verklemmtheit und Verblendung der modernen Gesellschaft würden sie vermutlich ein homerisches Gelächter anstimmen. 

Freiheit ist auch das zentrale Motiv der Musiker, die zu dem vorliegenden Album beigetragen haben. Schon die Liste der Instrumente, die Reinhold Friedrich für diese Einspielung genutzt hat, führt einmal rings um die Welt. Benjamin Jussupow vereint in seinem Stück Listen to our cry Motive aus der jüdischen, der christlichen und der muslimischen Tradition. Ivan Fischer kombiniert in seiner Kantate Die Stimmen der Geister jiddische und deutsche Texte und Klänge. 

Giya Kancheli stellt in Night Prayers die Erinnerung an seine im Bürgerkrieg zerstörte Heimat Georgien neben ein Echo der westlichen Welt, abgespielt vom Tonband. Alan Hovhaness, geboren in den USA, nimmt in Haroutioun Bezug auf armenische Traditionen. Luca Lombardi, geboren und aufgewachsen in Italien, hat 2008 die israelische Staatsangehörigkeit angenommen. Er lebt heute in beiden Ländern, und sein Stück predah (Hebräisch für Abschied/Trennung) entstand 2014 im Andenken an den verstorbenen Dirigenten Claudio Abbado. 

Die Trompete vereint all diese verschiedenen Stimmen; Reinhold Friedrich führt in seinem Spiel die unterschiedlichen musikalischen Welten zusammen. Er musiziert gemeinsam mit dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt unter Leitung von Ruben Gazarian. Den Klavierpart in Jussupows Konzert spielt Eriko Takezawa, und die Kantate singt Dorothee Mields. 


Sonntag, 6. Oktober 2019

Rheinberger: Liederbuch für Kinder (Ars Produktion)

Dass Josef Gabriel Rheinberger (1839 bis 1901) nicht nur Orgelmusik und geistliche Chorwerke geschaffen hat, sondern unter anderem auch eine Menge Lieder für die Solostimme, das ist wenig bekannt. Clemens Morgenthaler, Professor für Gesang am Vorarlberger Landeskonservatorium Feldkirch, will dies ändern. Der Bassbariton, der auch an der Musikhochschule Trossingen unterrichtet, hat mit Studierenden daher Rheinbergers Liederbuch für Kinder op. 152 erarbeitet und eingespielt. 
Die 30 Lieder sind im Dezember 1887 entstanden. Sie schildern in schlichter Form Situationen und Begebenheiten, wie sie Kinder erleben, vom Aufstehen am Morgen bis zum nicht immer konfliktfreien Kinderspiel. Verse und Melodie sind deshalb einfach gehalten. Philipp Heiß verdeutlicht am Klavier oftmals mit Klangmalerei Stimmung und Umfeld; so hört man Vogelgesang oder etwa das Drehen eines Spinnrades. 
Für die Sängerinnen Julia Großsteiner, Petra Tschabrun, Eva-Maria Heinzle, Lea Müller, Victoria Türtscher, Anna Welte, Mirjam Fässler und Sarah-Lena Eitrich war diese Weltersteinspielung keine einfache Aufgabe. Denn diese Lieder mit ihrer kindlich-naiven Gestaltung fordern Schlichtheit und Eindringlichkeit statt vordergründiger sängerischer Brillanz. Die Studierenden müssen mit schlanker Stimme singen, quasi kindlich, um den Zauber wirken zu lassen, der in der Tat auf diesen Melodien liegt. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich sie Rheinbergers Lieder erfassen und gestalten. 
Die freundlichen Weisen könnte man sich gut auch von noch jüngeren Stimmen gesungen vorstellen. So müssten sie hinreißend klingen, wenn sie von den geschulten Stimmen des Chornachwuchses beispielsweise des Rundfunkkinderchores Leipzig gesungen werden. 

Montag, 19. November 2018

Duo Praxedis - histoires für Harfe & Klavier (Ars Produktion)

Große Oper in raffinierten Arrangements – das bietet die neue Doppel-CD des Mutter-Tochter-Duos Praxedis. Auch wenn die meisten der Komponisten, die diese Bearbeitungen geschaffen haben, eher zu den wenig bekannten gehören, sind diese Variationen, Duos, Capricen oder Fantaisies über Melodien von Gioachino Rossini, Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti , Ferdinand Hérold, Giacomo Meyerbeer oder Wolfgang Amadeus Mozart doch ausgesprochen charmant und lebendig. 
Einmal mehr beweisen Praxedis Hug-Rütti, Harfe, und Praxedis Geneviève Hug, Klavier, dass die Kombination der beiden Instrumente, die früher in den Salons sehr beliebt war, auch heute noch ihre Reize hat. Und die virtuosen Opern-Bearbeitungen geben dem Duo Praxedis umfassend Gelegenheit zu brillieren. 

Sonntag, 5. August 2018

Les préludes sont des images - Debussy (Ars Produktion)

Da wir gerade beim Crowdfunding waren: Über die Plattform Startnext hat Mario Häring Gelder für seine zweite Solo-CD gesammelt. Der junge Pianist, Jahrgang 1989, wollte unbe- dingt Werke von Claude Debussy (1862 bis 1918) einspielen – doch als er mit der Planung des Projektes begann, war er noch Student. „Debussys Musik begleitet mich generell schon seit der Kindheit“, berichtet Häring im Beiheft. „Früh habe ich z.B. die Arabesques und Golliwog's Cakewalk gespielt und mich sofort in die französischen Klänge verliebt. An ihnen kann man wunderbar am Klang arbeiten, was natürlich Auswirkungen auf das Klavierspiel allgemein hat und ganz neue Möglichkeiten eröffnet.“ 
Den hundertsten Todestag des Komponisten in diesem Jahr vor Augen, wollte sich Häring einmal mehr mit dem Werk Debussys auseinander- setzen. Die Finanzierung über Startnext ist ihm gelungen, und so konnte der Pianist sein CD-Projekt bei Ars Produktion verwirklichen. 
Ausgewählt hat Mario Häring dafür die Préludes, Premier Livre L. 117, Images, Deuxième Série L. 111, Children's Corner L. 113 sowie, quasi als Zugabe, die Rêverie L. 68. „Die ausgewählten Zyklen stammen alle aus einer Schaffensperiode und bieten trotzdem sehr verschiedene Eindrücke von Debussys Kompositionsstil“, erläutert der Pianist. „Allen gemeinsam ist für mein Empfinden aber ein stark atmosphärischer Ausdruck, der sich in meiner Vorstellung oft in natürlichen Szenerien abspielt – wie es ja auch oft die Titel widerspiegeln.“ 
Häring musiziert virtuos. Seine Technik ist beeindruckend; ich muss allerdings gestehen, dass mich sein Spiel insgesamt ziemlich ratlos zurücklässt. Häring entfesselt wahre Klangkaskaden, aber das Atmosphärische will sich sich mir nicht recht mitteilen. Der Pianist sucht nach einer Alternative zu den Rubati und all den anderen Freiheiten, die sich Pianisten schon zu Lebzeiten des Komponisten genommen haben – was dieser aber offenbar nicht sehr geschätzt hat. Was tun? Häring stellt selbst fest, dass Debussy selbst eher leise und elegant gespielt hat. 
Mir persönlich gefallen die Aufnahmen am besten, wo Pianisten zu Debussy einen poetischen Zugang gefunden haben – große Bögen, erkennbare Strukturen, und ein staunenswert differenziertes Klavierspiel. Ich wünsche mir farbenreiche, fein nuancierte und sensibel austarierte Interpretationen, und ja, mitunter vielleicht auch ein wenig Witz und Ironie. In dieser Aufnahme finde ich davon eher wenig. Häring musiziert heute mit dem Schwung der Jugend – er ist ohne Zweifel ein exzellenter Pianist, und ich bin gespannt darauf, wie er diese Stücke in 25 Jahren spielen wird. Wenn er aus einer anderen Perspektive in die Noten schaut. Mit mehr Distanz vielleicht. Und mehr Gelassenheit. 

Sonntag, 29. Oktober 2017

Sounds of Hollywood (Ars Produktion)

Dies ist bereits die dritte CD mit Filmmusik, die die Vogtland Philharmonie unter Leitung von Stefan Fraas eingespielt hat. Dieses Orchester ist einzigartig in der deutschen Musiklandschaft – und das nicht nur deshalb, weil es von zwei Bundesländern, Thüringen und Sachsen, gemeinsam getragen wird. Bekannt ist es auch für seine ungewöhnlichen Veranstaltungs- und Konzertformate. Damit wirbt es ziemlich erfolgreich um Publikum, das normalerweise nicht ins Sinfonie- konzert gehen würde. 
So lädt „Sounds of Hollywood“ ein zu einer musikalischen Reise durch die Welt der Filme. Das Konzert, mitunter sogar als Open Air, bietet sowohl Musik- als auch Kinofans ein unvergessliches Erlebnis. Dazu wird der Orchestersound ergänzt durch legendäre Filmszenen, die zusammen mit Großaufnahmen der Künstler auf eine überdimensionale Leinwand übertragen werden. 
Auf diese multimediale Dimension muss freilich verzichten, wer sich die bekannten Filmmusiken per CD ins Haus holt. Auch das ganz besondere Flair einer Großveranstaltung unter freiem Himmel überträgt sich hier nicht, da die Aufnahmen in der Stadthalle Werdau entstanden sind. Zu hören sind Hits aus Hollywood, für jeden Geschmack. Das Programm reicht von Star Wars – Das Erwachen der Macht über Bonanza bis zu Batman und vom Dschungelbuch über Games of Thrones bis hin zu Der Polarexpress. Nicht alles ist so filigran gestaltet, wie man sich das wünschen könnte. Aber generell hat das Album etliches zu bieten – man höre nur John Williams' Filmmusik zu Die Geisha, mit ausgesprochen reizvollen Solopartien von Violine und Violoncello, gespielt von Konzert- meister Sergei Synelnikov und Solo-Cellist Peter Manz. 

Montag, 11. September 2017

Vivaldi: Fagottkonzerte / Oboenkonzerte (Ars Produktion)

Simon Fuchs, Solo-Oboist des Tonhalle-Orchesters Zürich, und Matthias Rácz, Solofagottist dieses Ensembles sowie des Lucerne Festival Orchestra, präsentieren Konzerte von Antonio Vivaldi. Entstanden sind sie einst für das Mädchenorchester des Ospedale della Pietà in Venedig. Nicht umsonst wird dieses Ensemble in zeitgenössi- schen Reiseberichten immer wieder sehr gelobt. Die jungen Musikerinnen müssen enorm gut ausgebildet und überragend in ihrem jeweiligen Fach gewesen sein; diese Kompositionen jedenfalls sind durchaus anspruchsvoll und bieten selbst heutigen Solisten, auf modernen Instrumenten, so manche Herausforderung. 
Sowohl die Oboe als auch das Fagott waren zu Vivaldis Lebzeiten Innova- tionen. Entsprechend experimentierfreudig werden sie eingesetzt. Bei den Oboenkonzerten beispielsweise orientierte sich der Komponist am Vorbild der Violine, und auch dem Fagott verlangt er, unter anderem mit weiten Intervallsprüngen zwischen Tenor- und Basslage, so einiges ab. 
Eine Auswahl aus dem umfangreichen Repertoire, das Vivaldi für die Oboe und das Fagott geschaffen hat, ist auf dieser CD zu hören. Simon Fuchs und Matthias Rácz spielen virtuos, gekonnt gestalten sie ein abwechs- lungsreiches Programm. Die Solisten musizieren gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter Johannes Schlaefli. 

Freitag, 28. Juli 2017

Duo Praxedis (Ars Produktion)

Harfe und Klavier? Diese Kombina- tion, die uns heutzutage eher exotisch erscheint, gehörte in den musikali- schen Salons des frühen 19. Jahrhun- derts offenbar zu den Standards. Sowohl die Harfe als auch das Klavier erfreuten sich seinerzeit beim Adel und beim vermögenden Bürgertum großer Beliebtheit. Das Duo Praxedis erweckt diese Praxis zu neuem Leben. 
Praxedis Hug-Rütti, Harfe, und Praxedis Geneviève Hug am Klavier präsentieren auf gleich zwei CD Originalkompositionen aus jener Zeit für die beiden Instrumente. Und man reibt sich erstaunt die Augen, welches spieltechnische Können diese Werke voraussetzen. Die meisten der ausgewählten Stücke sind keineswegs Musik für Dilettanten. Das Mutter-Tochter-Duo überzeugt mit einem abwechslungsreichen Programm und brillantem Spiel. Auch klanglich ist diese Duoformation durchaus attraktiv.

Montag, 3. Oktober 2016

Hidden Gems - Ignaz Joseph Pleyel (Ars)

Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) galt zu Lebzeiten als „Componist von erstem Range“, man sah ihn auf Augenhöhe mit seinem Lehrer Joseph Haydn und mit Wolfgang Amadeus Mozart. Pleyel wurde in ganz Europa gefeiert, und seine Werke erschienen in erstklassigen Verlagen. Der Musi- ker erwies sich auch als erfolgreicher Geschäftsmann: In Paris gründete er einen Musikverlag, der rasch zu den Marktführern gehörte. Auch mit seiner Klaviermanufaktur verdiente Pleyel viel Geld. Und als er schließ- lich eine Konzertreihe, die Salons Pleyel, startete, kamen die Reichen und die Schönen, um europäischen Stars wie Frédéric Chopin oder dem Wunderkind Clara Wieck zu lauschen. La Salle Pleyel ist noch heute eine Institution in Paris. 
Die Musik von Ignaz Pleyel geriet allerdings in Vergessenheit – aus uner- findlichen Gründen, wie man nach dem Anhören zweier CD mit Hidden Gems feststellen muss. Sie sind auf Initiative der Internationalen Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft (IPG) entstanden, die sich an seinem Geburts- ort, im niederösterreichischen Ruppersthal, ganz entschieden für das Vermächtnis des Komponisten einsetzt – und sie enthalten wahrhaftige Schätze. Aus dem Jahre 1792 stammen die drei Streichquartette Ben 359, Ben 360 und Ben 361. Es musiziert das Ignaz Pleyel Quartett mit Raimund Lissy und Dominik Hellsberg, Violine, Robert Bauerstatter, Viola und Bernhard Naoki Hedenborg, Violoncello, sämtlich Mitglieder der Wiener Philharmoniker. 
Auf der zweiten CD folgen Pleyels Violinkonzert in C-Dur, Ben 1106, das Bratschenkonzert in D-Dur, Ben 1062 und die Sinfonie in B-Dur, Ben 127/1493. Es musizieren die Camerata pro Musica unter Christian Birn- baum; als Solisten sind Cornelia Löscher, Violine, und Robert Bauerstatter, Viola, zu erleben. Immer wieder verblüfft die Originalität, mit der Pleyel seine Werke gestaltet, sein überaus eleganter Stil und seine liebevolle Instrumentierung, die auch Orchesterinstrumente mit ihren Klangfarben immer wieder aufs Schönste zur Geltung bringt. Man kann der IPG für diese beiden CD mit Entdeckungen nur dankbar sein; sämtliche Werke erklingen in Weltersteinspielungen – und hoffentlich folgen noch viele ähnlich engagierte Aufnahmen nach; es wäre großartig, wenn sie ergänzt würden durch Noteneditionen.

Samstag, 6. August 2016

Pasión Tango - Friedrich Kleinhapl und Andreas Woyke (Ars Produktion)

Ein Cellist und ein Pianist spielen zusammen Tango – und wie! Wenn Friedrich Kleinhapl und Andreas Woyke diese Musik gestalten, dann hat man mitunter den Eindruck, jeder könnte Gedanken und Gefühle des anderen lesen. Doch bis zu dieser CD war es ein langer Weg: „2003 traten Andreas Woyke und ich mit Astor Piazzollas Grand Tango zum ersten Mal gemeinsam auf“, berichtet Kleinhapl. Das war meine erste intensivere Auseinandersetzung mit Tangos und Astor Piazzolla. Dieses so unglaublich energiegeladene Stück ließ uns nie mehr los, löste eine Sehnsucht nach mehr aus. Die große Frage war aber immer: wie sollten wir zu Arrangements anderer Tangos für unsere Besetzung kommen, die so stark sind, dass sie neben dem Grand Tango bestehen können?“ 
Die Antwort verblüfft: Es ergab sich. In Caracas lernte Kleinhapl beim Musizieren mit dem Simón Bolívar Orchester den venezolanischen Kompo- nisten Federico Ruíz kennen. Er schrieb ein hinreißendes Arrangement von Piazzollas Adiós Nonino, die Österreicherin Dorothee Badent arrangierte Milonga del ángel. Auch der in Hollywood arbeitende Gerrit Wunder schuf Bearbeitungen speziell für die beiden Musiker. „Die Ideen flogen wie in einem Ping-Pong-Spiel zwischen uns hin und her“, so der Cellist. „Aus den Arrangements unserer Komponistenfreunde wurden sehr rasch unsere eigenen. (..) Entstanden ist dabei wahrscheinlich so etwas wie eine Mischung aus südamerikanischer Inspiration mit bewusst nicht verleug- neten europäischen Wurzeln – jedenfalls aber zumindest für uns selbst ein Rausch der Energien, Klangfarben und Stimmungen.“ Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass Woyke und Kleinhapl ganz phantastisch mit- einander musizieren. Unbedingt anhören!

Mittwoch, 27. Juli 2016

Konzert-Raritäten aus dem Pleyel-Museum Vol. 16 (Ars Produktion)

Das Pleyel-Museum, ansässig im niederösterreichischen Ruppersthal im Geburtshaus von Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831), überrascht einmal mehr mit einer Neuveröf- fentlichung: Zwei konzertante Sym- phonien und eine Symphonie aus der Feder des Komponisten haben die Camerata pro Musica gemeinsam mit exzellenten Solisten unter Leitung von Christian Birnbaum 2014 in ihrem Neujahrskonzert in Grafen- wörth vorgestellt. 
Hört man den Mitschnitt dieser Aufführung, dann fragt man sich einmal mehr, wieso Pleyel, Musiker, Komponist, Musikverleger und Klavierfabrikant und in all dem sehr erfolgreich, derart in Vergessenheit geraten konnte. Seine Symphonie in d-Moll Ben 160, auf dieser CD in Weltersteinspielung, erweist sich als ein dramatisches Stück von hohem Rang. 
Außedem erklingen die Symphonie Concertante in A-Dur Ben 114 für Klavier, Violine  und Orchester sowie die Symphonie Concertante in F-Dur Ben 115 für Flöte, Oboe, Horn, Fagott und Orchester, letztere in der Origi- nalversion Pleyels nach dem Erstdruck aus dem Jahre 1802. Die konzer- tierenden Soloinstrumente werden durchweg von erstklassigen Musikern gespielt; der Zuhörer darf sich zudem daran erfreuen, dass Pleyel offenbar ein ausgesprochenes „Händchen“ für Klangfarben und musikalische Effekte hatte. Es ist zu wünschen, dass diese charmanten Werke zukünftig auch in so manchem Abonnementkonzert erklingen – sie dürften sowohl den Solisten als auch dem Publikum Vergnügen bereiten. 

Mittwoch, 13. Juli 2016

Dresdner Fagottkonzerte aus Schranck II (Ars Produktion)

Die Dresdner Kapellsolisten, 1994 gegründet von Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle und geleitet von Helmut Branny, bringen Musik wieder zum Klingen, die zur Zeit Augusts des Starken von der Dresdner Hofkapelle gespielt wurde. Die Auswahl ist groß, denn die umfangreiche Musikaliensammlung des damaligen Dresdner Konzert- meisters Johann Georg Pisendel ist nahezu komplett überliefert. Sie wurde nach ihrem Ankauf durch den Hof im „Schranck No: II“ aufbewahrt; über diese spektakuläre Noten- kollektion, die sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden befindet, wurde in diesem Blog bereits mehrfach berichtet. 
Auf dieser CD sind nun aus den Beständen des „Schranck No: II“ zwei Fagottkonzerte von Antonín Reichenauer (?1694 biss 1730) sowie eines von Johann Gottlieb Graun (1703 bis 1771) und eines von Franz Horneck (um 1690 bis nach 1724) zu hören, vorbildlich interpretiert von Solo-Fagottist Erik Reike. Diese erstmals eingespielten Konzerte dürften Fagottisten generell erfreuen (sobald Noten-Editionen erschienen sind), denn sie bereichern das nicht übermäßig umfangreiche Repertoire für dieses Instrument um vier echte Perlen. Man staunt, welche Schätze im „Schrank No: II“ immer noch verborgen liegen! 
Georg Philipp Telemanns (1681 bis 1767) Concerto für zwei Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur, TWV 52: Es 1, befindet sich nicht in Pisendels Sammlung. Es ist aber bekannt, dass der Komponist 1719 zur Kurprinzenhochzeit in Dresden war, und Musik dafür geschrieben hat. Vermutet wird, dass dieses Konzert für die virtuosen Hornisten der Hof- kapelle entstanden ist, und 1719 während der Feierlichkeiten von diesen aufgeführt wurde. Nicht umsonst beginnt es mit einer majestätischen Polonaise. Den anspruchsvollen Solo-Part haben Harald Heim und Klaus Gayer übernommen. 

Mittwoch, 25. Mai 2016

Childhood Impressions (Ars Produktion)

Childhood Impressions, Erinne- rungen an die Kindheit, lautet das Motto einer neuen CD mit Werken von George Enescu (1881 bis 1955), die jüngst bei dem Label Ars Produktion erschienen ist. Enescu gehört zu den vielseitigsten Musi- kerpersönlichkeiten des 20. Jahr- hunderts – er war nicht nur der bedeutendste Komponist Rumäniens, er war auch ein Geigen-Wunderkind, ein geschätzter Pianist, ein gefragter Dirigent, sowie Lehrer unter anderem von Ivris Gitlis, Arthur Grumiaux und Yehudi Menuhin. 
Bereits als Vierjähriger spielte Enescu Geige. Von 1888 bis 1894 studierte er Violine am Wiener Konservatorium, anschließend bis 1899 Komposition in Paris bei André Gedalge, Jules Massenet und Gabriel Fauré. Er legte schon in jungen Jahren die ersten eigenen Stücke vor; dazu gehören die Violinsonaten Nr. 1 in D-Dur op. 2 und Nr. 2 in f-Moll op. 6, die auf dieser CD zu hören sind. Komplettiert wird das Programm durch ein Alterswerk: Mit der Suite in D-Dur op. 28 Impressions d’enfance komponierte Enescu ein Echo der Atmosphäre seiner Kindertage. 
Eingespielt wurden diese drei bedeutenden Werke von den Gewinnern des renommierten George Enescu International Competition 2014, Stefan Tarara und Lora-Evelin Vakova-Tarara. Der junge Geiger, Schüler und Assistent von Zakhar Bron, war von 2010 bis 2015 erster Konzertmeister bei den Mannheimer Philharmonikern; seit 2012 ist er erster Konzert- meister und Solist des Hulencourt Soloists Chamber Orchestra. Er hat bereits zahlreiche bedeutende Wettbewerbe gewonnen, und ist sowohl ein gefragter Solist wie auch ein gern gesehener Kammermusikpartner. 
Ähnliches wäre auch über Lora-Evelin Vakova-Tarara zu sagen. Die Pianistin, die aus Bulgarien stammt, hat erst 2013 ihr Studium bei Eckart Heiligers an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen. Auf der 2015 veröffentlichten Debüt-CD The Sound of the 20s hatte das Duo bereits Enescus dritte Sonate op. 25 interpretiert. Damit haben die beiden jungen Musiker nunmehr die kammermusikalischen Werke Enescus für Violine und Klavier komplett vorgestellt. 

Freitag, 25. Dezember 2015

Weihnacht in Maulbronn (Ars Produktion)

Das Kloster Maulbronn ist als die am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Zisterzienser-Abtei jenseits der Alpen nicht nur ein einzigartiges Baudenkmal und UNESCO-Weltkulturerbe. Seit 1556 besteht in diesen Gebäuden zudem eine evangelische Schule, heute ein Gymnasium, das Evangelische Seminar, mit Schwerpunkt auf den Alten Sprachen, Musik und Religion. Der Musiklehrer dieser  Schule, Jürgen Budday, hat in der einzig- artigen Atmosphäre der Abtei eine ebenfalls einzigartige Konzertreihe, die Klosterkonzerte, etabliert. Mittlerweile befindet er sich im Ruhestand, und sein Nachfolger Sebastian Eberhardt führt die Konzertreihe weiter. Die Leitung des renommierten Maulbronner Kammerchores, gegründet eben- falls von Budday, wird im kommenden Sommer Benjamin Hartmann, ein früherer Seminarist und Schüler Buddays, übernehmen. 
Dieses Umfeld inspirierte ein kleines Ensemble dazu, weihnachtliche Musik einzuspielen. Erika Budday, die Organistin und Kirchenmusikdirek- torin am Kloster Maulbronn, hat gemeinsam mit der Oboistin Julia Strö- bel-Bänsch und dem Hornisten Joachim Bänsch sowie der Sopranistin Sibylla Rubens ein Programm zusammengestellt, das viele bekannte Werke in teilweise sehr interessanten Arrangements enthält, dazu einige weniger bekannte, wie Ausschnitte aus dem Oratorienfragment Christus op. 97 von Felix Mendelssohn Bartholdy oder eine Paraphrase über Händels Tochter Zion, freue dich! aus den 18 Pièces nouvelles von Alexandre Guilmant. Es ist kein Live-Mitschnitt; so erklingen in manchen Stücken drei Hörner – Studiotechnik machts möglich. Wer Lust hat auf ein Wunschkonzert-Programm mit Händels Lascia ch'io pianga oder dem Largo aus Vivaldis Vier Jahrsezeiten, hier für Oboe, Horn und Orgel, der wird an dieser CD sein Vergnügen haben. 

Freitag, 11. Dezember 2015

Natale in Italia (Ars Produktion)

Musik zur Weihnacht aus dem barocken Repertoire hat Jean Tubéry mit seinem Ensemble La Fenice zusammengetragen. Dabei stehen Instrumental- neben Vokalstücken, und bekannte Namen, wie Girolamo Frescobaldi, Johann Schmelzer oder Jan-Jacob van Eyck neben weniger präsenten, wie Giovanni Battista Bovicelli (um 1550 bis 1594??), Urba- ni Loth oder Biagio Marini (1594 bis 1663). Es singen und spielen Dagmar Saskova, Sopran, Jan van Elsacker, Tenor, Jean Tubéry, Blockflöte und Zink, Stéphanie Pfister, Violine, Lucas Peres, Bassgambe, Philippe Grisvard, Orgelpositiv, Cembalo und Bass, sowie Nicolas Achten, Theorbe, Tripelharfe, Barockgitarre und Baryton. Das Programm ist abwechslungsreich und gut durchdacht. Und die Klangmöglichkeiten dieses Ensembles sind ebenso vielfältig wie seine Besetzung; allerdings reicht die Qualität der Sänger nicht ganz an die der Musiker heran. 

Samstag, 14. November 2015

Der musikalische Garten - Zu Gast im Blauen Haus (Ars)

Der Basler Lucas Sarrasin (1730 bis 1802) kam als Seidenbandfabrikant gemeinsam mit seinem Bruder Jakob zu Wohlstand und Ansehen. Die Geschwister ließen sich in bester Lage zwei Patrizierhäuser bauen: Das Weiße und das Blaue Haus gehören noch heute zu den prächtigsten Barockgebäuden der Stadt. Lucas Sarrasin war zudem sehr interessiert an Kuriositäten, die er seinen Gästen gern vorführte – aber seine eigentli- che Leidenschaft war die Musik. So richtete er in seinem Hause einen Musiksaal ein, in dem er nicht nur eine Orgel aufstellen ließ, sondern auch sämtliche Orchesterinstrumente vorhielt – könnte ja sein, dass sie zur Hausmusik benötigt werden! Auch eine umfangreiche Notensammlung besaß der Fabrikant. 
Sarrasin spielte selbst Geige und Kontrabass. Er gehörte dem Basler Collegium Musicum an. Dort lernte er Jacob Christoph Kachel (1728 bis 1795) kennen, einen hochbegabten Geiger, der im Gefolge eines Prinzen bereits bis nach Italien gereist war. Der junge Virtuose wurde Sarrasins Hausmusiker. 
Welche Musik im Hause Sarrasin erklang, das lässt sich anhand des Kataloges der Musikbibliothek feststellen. Auffällig ist, dass nur etwa ein Viertel der darin aufgelisteten Werke der Vokalmusik zuzurechnen sind. Die Instrumentalmusik stammte aus ganz Europa, allerdings sind Werke aus Frankreich und England nur spärlich vertreten – und es fällt auf, dass Sarrasin überwiegend Kompositionen von Zeitgenossen sammelte. Insge- samt befanden sich mehr als 1.300 Musikalien in Sarrasins Kollektion; ein Drittel davon ist erhalten geblieben. 
Besonders schätzte Sarrasin offenbar Triosonaten; viele von ihnen kommen aus der Mannheimer Schule oder aus Norditalien. Eine Auswahl dieser Werke präsentiert auf dieser CD das Ensemble Der musikalische Garten. Die vier jungen Musiker – Karoline Echeverri Klemm, Germán Echeverri Chamorro, Violine, Annekatrin Beller, Violoncello, und Daniela Niedhammer, Cembalo und Hammerklavier – haben sämtlich an der Schola Cantorum Basiliensis studiert. Und ihr Interesse für die Sammlung Sarrasin beschert dem Zuhörer einen Ausflug in eine blühende musika- lische Landschaft, eine Hör-Kur sozusagen, mit Werken beispielsweise von Johann und Carl Stamitz, Johann Christian Bach – der vor seinem Umzug nach London bekanntlich etliche Jahre in Mailand lebte –, Giovanni Battista Sammartini oder Gaetano Pugnani. Sehr gelungen, und ausgesprochen vielversprechend!

Donnerstag, 9. Juli 2015

à 2 Violin. Verstimbt - Music for 2 Scordatura Violins and Basso continuo (Ars Produktion)

Musik für zwei Violinen und Basso continuo hat Der musikalische Garten für seine Debüt-CD ausge- wählt. Das Ensemble wurde nicht umsonst mehrfach mit Preisen geehrt – und so spielen die Musiker hier ein mit Sorgfalt zusammengestelltes Programm, dass sich durch ein konkretes Merkmal auszeichnet: Die Streichinstrumente sind anders gestimmt, als üblich und gewohnt. 
Diese sogenannte Skordatur, entstanden wahrscheinlich in Italien, war im 17. Jahrhundert vor allem im deutschsprachigen Raum verbreitet und beliebt. Das „Verstimmen“ verändert einerseits den Klang des Instrumentes. Andererseits ermöglicht es dem Geiger, bestimmte Intervalle oder Akkorde zu spielen, die sich sonst nur schwer oder gar nicht greifen lassen. Mitunter lassen sich auch schnelle Passagen durch einen einfacheren Fingersatz  besser spielen – wobei die Stücke auf dieser CD nicht unbedingt die Virtuosität in den Vordergrund stellen. Meistens geht es eher um Klangeffekte, doch simpel ist keine dieser Kompositionen. Auf seiner Suche nach Repertoire aus dem deutschsprachigen Raum hat das Ensemble Der musikalische Garten in diversen europäischen Bibliotheken Werke entdeckt, die wirklich hörenswert sind, und echte Raritäten – etwa die Hälfte der Stücke auf dieser CD erklingt in Weltersteinspielung.

Samstag, 2. August 2014

Clara & Robert Schumann - Romanzen (Ars Produktion)

„Deine Fantasiestücke für Piano und Clarinette (op. 73) gefallen mir ungemein“, so schrieb Fer- dinand David, der Konzertmeister des Leipziger Gewandhaus- orchesters, 1850 an seinen Freund Robert Schumann, „warum machst Du nichts für Geige und Clavier? Es fehlt so sehr an was gescheidtem Neuen, und ich wüßte niemanden, der es besser könnte als Du.“ 
Knapp zwei Jahre später war Schumanns erste Violinsonate vollendet, wenige Wochen darauf die zweite. Es folgte dann noch eine dritte, die Schumann aus der legendären F.A.E.-Sonate entwickelte. Auch die Fantasiestücke existieren in einer Fassung für Klavier und Violine, ebenso wie die Drei Romanzen für Oboe und Klavier – Georg Hamann, Violine/Viola, und die junge Pianistin Beata Beck haben auf einer Doppel-CD bei Ars Produktion Schumacher sämtliche Werke der Schumanns für Violine und Klavier zusammengetragen, nebst den Märchenbildern für Klavier und Viola. 
„Es ist ein Schumann nach dem anderen gekommen“, berichtet Beata Beck über dieses Projekt. „Nach den ,Märchenbildern' haben wir die 1. Sonate in a-Moll gespielt. Anschließend noch die ,Fantasiestücke' und dann kam das Schumann-Jahr 2010.“ Mit einem Schumann-Abend der beiden Musiker, in dessen Gefolge dann diese Aufnahmen entstanden sind. 
Ergänzt haben sie das Programm durch das einzige Werk für Violine und Klavier, das von Clara Schumann überliefert ist – die Drei Ro- manzen op. 22. Es ist unüberhörbar, dass sie von einer Klaviervir- tuosin geschrieben worden sind; auch wenn die Komponistin anson- sten offenbar bemüht war, sich stilistisch ihrem Ehemann anzu- nähern. Hamann und Beck musizieren gekonnt, aus der romantischen Tradition heraus, die sie aber aus moderner Perspektive befragen. Im Musizieren finden der Hochschullehrer und seine Studentin zu einer faszinierenden Harmonie zusammen. Beeindruckend! 

Dienstag, 3. Juni 2014

Pleyel: Streicher-Raritäten (Ars Produktion)

„Dann sind dermalen Quartetten heraus von einem gewissen Pleyel, dieser ist ein Scolar von Joseph Haydn“, schrieb Wolfgang Ama- deus Mozart 1784 in einem Brief an seinen Vater nach Salzburg. „Wenn sie selbige noch nicht kennen, dann suchen Sie sie zu bekommen; es ist der Mühe werth. Sie sind sehr gut geschrieben und sehr angenehm. Er wird seinen Meister gleich herauskennen. Gut und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit imstande ist, uns Haydn zu remplacieren.“ Wenn man bedenkt, wie selten Mozart positiv über einen Mitmusiker urteilte, dann wiegt dieses Lob gleich noch viel schwerer – zumal der Briefschreiber Haydn sehr schätzte und verehrte. 
Dennoch hat die Musikgeschichtsschreibung Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) zum Leichtgewicht erklärt und seine Werke dem Vergessen anheimgegeben. Dass dies ein Fehler war, davon kann sich jeder leicht überzeugen, wenn er sich diese CD anhört. Die jüngste Folge der Pleyel-Edition bietet Raritäten in Ersteinspielungen. Das Janácek Quartett, unterstützt durch Bohuslav Matousek und Miloslav Jelínek, musiziert mit schönem Ton und in geistiger Harmonie. Zu hören ist das Streichquartett Ben 352 – mit nur einer Violine, aber dafür mit zwei Bratschen und Violoncello. Das Streichsextett in F-Dur Ben261 besetzte Pleyel mit zwei Violinen, zwei Bratschen, Violoncello und Kontrabass. Das Ergebnis ist ein satter Sound, wie man heute sagen würde. Und wunderbar gelungen, mit zauberhaften musika- lischen Einfällen, ist das Werk obendrein. Den Abschluss macht das Quintett Ben 287, ein Spätwerk Pleyels, das ungedruckt geblieben ist. Es hat einen enormen Umfang und beeindruckt durch eine kühne Kombination aus Kontrapunkt und Moderne. Unbedingt anhören! 

Dienstag, 14. Januar 2014

Rota: Cello Concertos & Il Gattopardo (Ars Produktion)

Der Komponist Nino Rota (1911 bis 1979) wird im Bereich der soge- nannten „Ernsten“ Musik leider noch immer nicht ganz für voll genommen. Seine Werke, insbe- sondere seine Sinfonien und Konzerte, doch auch die Opern und Bühnenmusiken, sind außerordent- lich selten zu hören. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen hat Rota schlicht zuviel Filmmusik geschrieben. Von ihm stammt die Musik für die allermeisten Filme Fellinis. Auch Francis Ford Coppola oder Luchino Visconti arbeiteten mit ihm zusammen. Zum anderen war es ihm ziemlich egal, welche Erwartungen Kritiker und Kollegen an die „Neue“ Musik hatten. Modernität und Originalität interessierten ihn nicht. „Wenn jemand sagt, dass alles, was ich in meiner Musik zum Ausdruck zu bringen versuche, ein wenig Nostal- gie, viel Humor und Optimismus ist, dann denke ich, dass dies genau dem entspricht, wie man sich später an mich erinnern soll“, so zitiert das Beiheft zu dieser CD den Komponisten. 
Hier erklingen die beiden Violoncellokonzerte Rotas. Sie sind 1972/73 entstanden. Das erste erscheint wie eine Studie nach dem Vorbild des romantischen Solokonzertes, dessen Ausdrucksmittel und dessen Pathos Rota ins 20. Jahrhundert weiterträgt. Das zweite hingegen, das mit einem Zitat aus einem Mozart-Violinkonzert beginnt, wirkt in seiner Abgeklärtheit wie eine Referenz an die Klassik. Friedrich Kleinhapl musiziert – mit einem wunderbaren Ton, aber leider nicht gänzlich frei von Eitelkeit. Es ist ein Tick zuviel Gestal- tungswille, eine Prise zuviel Drama, zuviel Risiko; insbesondere das zweite Konzert könnte der Cellist durchaus etwas entspannter angehen. Kleinhapl musiziert gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Augsburg unter Dirk Kaftan. Und als opulente Zugabe gibt’s die Ballabili, eine Suite per orchestra piccola aus der Filmmusik zu Il Gattopardo