Das Kloster Maulbronn, im Jahre 1147 von Zisterziensermönchen gegründet, gilt heute als die einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen und wurde 1993 Unesco-Weltkulturerbe. Auch wenn sie Scharen von Touristen anlockt, so ist sie doch nicht vorrangig ein Museum, sondern vielmehr sehr lebendig. So beherbergt Kloster Maulbronn die Evangelische Akademie, ein Gymnasium mit Internat. Außerdem finden alljährlich dort etwa 25 Konzerte statt – und einige davon werden durch Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler in der Edition Kloster Maul- bronn dokumentiert.
Einen wirklich bemerkenswerten Konzertmitschnitt haben die beiden Toningenieure kürzlich veröffentlicht: Im Mai 2015 war die Sopranistin Sarah Wegener mit dem Ensemble Il Capriccio in Maulbronn zu Gast. Mit Liedern und Arien überwiegend aus der Zeit des Barock bezauberte die Sängerin das Publikum, bestens begleitet durch die Musiker um Konzertmeister Friedemann Wezel, die durchaus auch eigene Akzente setzten.
Auf dem Programm standen Werke von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), Giovanni Battista Ferrandini (1710 bis 1791) und Henry Purcell (1659-1695) ebenso wie zwei Gesänge für Sopran solo, von Younghi Pagh-Paan (*1945) und von Elliott Carter (1908 bis 2012), einem Schüler von Charles Ives, Gustav Holst und Nadia Boulanger.
Eine phantastische, große Stimme, klug und mit Leidenschaft eingesetzt, hervorragende Musiker, die wunderbar miteinander harmonieren, und dazu die einzigartige Atmosphäre des Klosters Maulbronn – es muss ein großartiger Abend gewesen sein. Unbedingt anhören, es lohnt sich!
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Samstag, 31. Dezember 2016
Dienstag, 7. Februar 2012
Weimarer Bläserquintett (Genuin)
"Ein Konzerterlebnis", nennt sich diese CD im Untertitel - und sie hält, was sie damit verspricht. Als ginge es darum, jeden Zweifel auszuräumen, stellen Tomo Andreas Jäckle, Flöte, Frederike Timmermann, Oboe, Sebastian Lambertz, Klarinette, Stephan Schottstädt, Horn und Jacob Karwath, Fagott, gleich im ersten Stück ihre handwerkliche Brillanz unter Beweis. Die fünf Musiker präsentieren die Ouvertüre zu Mozarts Oper Die Zauberflöte in einer Bearbeitung von Joachim Linckelmann, dass es ein Vergnügen ist, ihnen dabei zuzuhören. Hier wird nicht nur überaus gekonnt, sondern obendrein auch noch mit Humor und mit viel Sinn für Klangfarben musiziert.
Es folgt das Bläserquintett von Pavel Haas (1899 bis 1944) aus dem Jahre 1929, ein von Melancholie überschattetes Werk, das den mährischen Komponisten seinerzeit europaweit bekannt machte. Doch sein Ruhm hat den Schüler von Leos Janácek nicht gerettet; er galt als "Halbjude" und wurde in Auschwitz umgebracht.
Franz Danzi (1763 bis 1826) schuf neun Bläserquintette für die Musi- ker um Antonín Reicha, den Begründer des Genres. Für diese CD hat das Weimarer Ensemble eines davon ausgewählt, das sich als elegante Unterhaltungsmusik erweist. Im Kontrast dazu steht das Bläserquin- tett von Elliot Carter, Jahrgang 1908, das dieser 1948 komponiert hat. Es zeigt die fünf Instrumente als mehr oder minder kapriziöse, manchmal auch geschwätzige Individualisten, die es dennoch letzten Endes schaffen, gemeinsam Kammermusik zu machen. Die CD endet romantisch mit einem Werk des berühmten Flötisten Paul Taffanel (1844 bis 1908).
Es folgt das Bläserquintett von Pavel Haas (1899 bis 1944) aus dem Jahre 1929, ein von Melancholie überschattetes Werk, das den mährischen Komponisten seinerzeit europaweit bekannt machte. Doch sein Ruhm hat den Schüler von Leos Janácek nicht gerettet; er galt als "Halbjude" und wurde in Auschwitz umgebracht.
Franz Danzi (1763 bis 1826) schuf neun Bläserquintette für die Musi- ker um Antonín Reicha, den Begründer des Genres. Für diese CD hat das Weimarer Ensemble eines davon ausgewählt, das sich als elegante Unterhaltungsmusik erweist. Im Kontrast dazu steht das Bläserquin- tett von Elliot Carter, Jahrgang 1908, das dieser 1948 komponiert hat. Es zeigt die fünf Instrumente als mehr oder minder kapriziöse, manchmal auch geschwätzige Individualisten, die es dennoch letzten Endes schaffen, gemeinsam Kammermusik zu machen. Die CD endet romantisch mit einem Werk des berühmten Flötisten Paul Taffanel (1844 bis 1908).
Mittwoch, 28. Dezember 2011
Le Calme. Fernando Sor late works (Linn)
Die Werke von Fernando Sor (1778 bis 1839) seien schon oft und auch sehr gut eingespielt worden, meint William Carter. Warum der Gitar- rist den Aufnahmen eines Andrés Segovia oder Julian Bream dennoch eine weitere hinzufügt? "The answer comes down to a simple question of 'fingernails'", sagt Carter.
Eine Handvoll Virtuosen bewirkte seinerzeit den Einzug der Gitarre in die Salons und Konzertsäle - dazu gehörten neben Sor unter anderem sein Freund Dionisio Aguado, Mauro Giuliani, Matteo Carcassi und Ferdinando Carulli. An die Stelle der fünfchörigen Barockgitarre, die zehn Saiten hatte, trat die moderne Konzertgitarre mit sechs Saiten. Auch die Spielweise veränderte sich, und das führte zu damals einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des Anschlags mit den Fingerkuppen und jenen Virtuosen, die dafür die Fingernägel nutzten.
Auch Segovia und Bream spielen, wie heute üblich, mit den Nägeln - doch Sor lehnte dies seinerzeit ab. Diese andere Art des Anschlags aber bringt auch einen veränderten Klang mit sich, erläutert Carter: "The sound is softer but perhaps more vocal in quality. While each of these methods of playing can give wonderful results (this is my opinion, anyway) they are very different in their basic sound and Sor was a fingertip player." Sor selber schrieb dazu, dass der Klang einer Gitarre, die mit den Nägeln gespielt wird, sich von seinem unterscheide wie ein Cembalo vom Pianoforte.
Um diese Spielweise nachzuvollziehen, ließ sich Carter von dem Gitarrenbauer Tony Johnson eigens ein Instrument bauen, dass sechs Saiten hat, aber wesentlich weicher zu spielen ist, als wir das heute gewohnt sind. "It has the range of colour and dept of bass wich I associate with the guitar (as opposed to a lute) but speaks easily when plucked with bare fingers", schwärmt der Gitarrist.
Der Zuhörer, der ihn spielen hört, wird davon begeistert sein, denn sein Klang ist in der Tat wundervoll, er ist wandlungsfähig und farbenreich. Carter ist ein exzellenter Gitarrist; man spürt jedoch zugleich, dass er nicht einfach Stücke abspielt. Er stellt vielmehr jedes dieser Werke in einen musikhistorischen Kontext. Erstaunt stellt man fest, wie stark die Musik Sors in deutlich älterem Kontext verwurzelt ist. Diese CD ist ein Erlebnis - so wünscht man sich die Auseinander- setzung mit den Klassikern der Gitarre.
Eine Handvoll Virtuosen bewirkte seinerzeit den Einzug der Gitarre in die Salons und Konzertsäle - dazu gehörten neben Sor unter anderem sein Freund Dionisio Aguado, Mauro Giuliani, Matteo Carcassi und Ferdinando Carulli. An die Stelle der fünfchörigen Barockgitarre, die zehn Saiten hatte, trat die moderne Konzertgitarre mit sechs Saiten. Auch die Spielweise veränderte sich, und das führte zu damals einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des Anschlags mit den Fingerkuppen und jenen Virtuosen, die dafür die Fingernägel nutzten.
Auch Segovia und Bream spielen, wie heute üblich, mit den Nägeln - doch Sor lehnte dies seinerzeit ab. Diese andere Art des Anschlags aber bringt auch einen veränderten Klang mit sich, erläutert Carter: "The sound is softer but perhaps more vocal in quality. While each of these methods of playing can give wonderful results (this is my opinion, anyway) they are very different in their basic sound and Sor was a fingertip player." Sor selber schrieb dazu, dass der Klang einer Gitarre, die mit den Nägeln gespielt wird, sich von seinem unterscheide wie ein Cembalo vom Pianoforte.
Um diese Spielweise nachzuvollziehen, ließ sich Carter von dem Gitarrenbauer Tony Johnson eigens ein Instrument bauen, dass sechs Saiten hat, aber wesentlich weicher zu spielen ist, als wir das heute gewohnt sind. "It has the range of colour and dept of bass wich I associate with the guitar (as opposed to a lute) but speaks easily when plucked with bare fingers", schwärmt der Gitarrist.
Der Zuhörer, der ihn spielen hört, wird davon begeistert sein, denn sein Klang ist in der Tat wundervoll, er ist wandlungsfähig und farbenreich. Carter ist ein exzellenter Gitarrist; man spürt jedoch zugleich, dass er nicht einfach Stücke abspielt. Er stellt vielmehr jedes dieser Werke in einen musikhistorischen Kontext. Erstaunt stellt man fest, wie stark die Musik Sors in deutlich älterem Kontext verwurzelt ist. Diese CD ist ein Erlebnis - so wünscht man sich die Auseinander- setzung mit den Klassikern der Gitarre.
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