Posts mit dem Label Genuin Classics werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Genuin Classics werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 31. August 2021

nothing but tuba (Genuin)


Tuba? Ist das nicht das ganz tiefe Blasinstrument, verantwortlich für das Fundament des Blechbläserklanges? So ist es – und auf dieser CD zeigen gleich drei Tubisten, wie wunderschön man damit musizieren kann. 

Constantin Hartwig, Fabian Neckermann und Steffen Schmid präsentieren Kompositionen aus 500 Jahren Musikgeschichte. Allerdings ist die Tuba ein ziemlich junges Instrument; die ersten Exemplare erklangen um 1835. Repertoire für Tuba-Trio ist ohnehin rar, und deshalb haben sich die drei Musiker passende Arrangements meist selbst geschrieben. 

Zu hören sind jedoch auch Originalkompositionen von Nico Samitz, die dieser eigens für das Tuba-Trio 21meter60 geschrieben hat. Ansonsten reicht das Programm von Monteverdis Canzonetten bis hin zur Filmmusik von Ennio Morricone. Was für ein Sound! Bei einigen Stücken komplettiert Schlagzeuger Severin Stitzenberger die Besetzung. 

Im Beiheft berichten die Tubisten, warum sie als Trio unterwegs sind: „Das Ganze hat ehrlich gesagt als verrückte Idee bei einem gemeinsamen Bier angefangen.“ Denn sie alle haben 2016 als Solisten am Deutschen Musikwettbewerb teilgenommen. Als Trio musizieren sie nun bereits fünf Jahre gemeinsam – und zu diesem Jubiläum kann man dem einzigartigen Bläserensemble nur gratulieren: Auf die nächsten fünf Jahre! 


 

Freitag, 2. Juli 2021

Schubert: Works for Piano Duo (Genuin)

 


Musik von Franz Schubert (1797 bis 1828) präsentiert das Duo Lontano auf dieser CD. Babette Hierholzer und Jürgen Appell haben dafür ein hochinteressantes Programm zusammengestellt. Kurioserweise ist nur das letzte Stück, die Fantasie f-Moll D 940 original für Klavierduo entstanden. Es ist ein großartiges Werk, das zu den schönsten Stücken gehört, die jemals für Klavier zu vier Händen entstanden sind. 

Ein berühmtes Streichquartett steht am Anfang und auch im Mittelpunkt dieses Albums: Das d-Moll-Quartett D 810 Der Tod und das Mädchen hat kein geringerer als Robert Franz (1815 bis 1892) für Klavierduo bearbeitet. Die Transkription lässt erkennen, wie sehr Schubert beim Komponieren vom Klavier aus gedacht hat – und die beiden Pianisten musizieren mit dem gebührenden Ausdruck. Sehr beeindruckend. 

Zwischen diesen beiden Großwerken erklingt das Notturno Es-Dur D 897, wahrscheinlich ursprünglich ein Bestandteil des Klaviertrios D 898. Die Version für Klavier vierhändig, die das Duo Lontano für diese Einspielung ausgewählt hat, stammt von Josef von Gahy (1793 bis 1864). Der Wiener Hofbeamte war mit Schubert befreundet, und musizierte gemeinsam mit ihm als sein Klavierpartner auf den „Schubertiaden“. Bei seiner Transkription integrierte er die beiden Streicher auf geniale Weise in den Klavierpart, den er dafür neu strukturierte. 

Indem er sich streng an Schuberts Original orientierte, schuf er ein eigenständiges Werk, das dem Vorbild aufs Schönste gerecht wird. Vielen Dank an das Duo Lontano, das auch auf dieser CD wieder mit seinen Entdeckungen begeistert. 


Dienstag, 18. Mai 2021

A Dream (Genuin)

 


Noch vor hundert Jahren war es selbstverständlich, dass Virtuosen im Konzert eigene Werke spielten. Pianisten glänzten gern auch mit Improvisationen über populäre Melodien oder Phantasien über besonders anspruchsvolle Stücke von bekannten Kollegen. Damit boten sie einem sachkundigen Publikum anspruchsvolle Unterhaltung, und sie konnten unter Beweis stellen, dass sie nicht nur über eine exzellente Technik verfügten, sondern vor allem auch selbst kreativ waren. 

Improvisation auf einem hohen musikalischen Niveau darf man heutzutage wohl nur noch von Jazzpianisten und von Kirchenmusikern erwarten; dort ist das Improvisieren nach wie vor Bestandteil der Ausbildung. Unter klassisch trainierten Pianisten hingegen gilt es bereits als spektakulär, im Konzert eine eigene Kadenz zu spielen. 

Jürgen Geiger beweist auf seiner aktuellen CD bei Genuin, dass die Kombination aus Klavier und Kirchenmusik durchaus produktiv sein kann. Er hat eine Auswahl virtuoser Klavierliteratur in romantischer Tradition zusammengestellt, die auch Salon-Pièces durchaus nicht verschmäht. (Was unseren Vorvätern Vergnügen bereitet hat - warum soll dies heute eigentlich auf dem Konzertpodium nur noch sehr am Rande, als Zugabe, gespielt werden?) Nicht wenige dieser Werke hat Jürgen Geiger selbst, ganz in der Tradition der alten Virtuosen, bearbeitet. Und einige hat er gänzlich selbst komponiert. 

So erklingt Geigers Musik in einer Reihe mit Stücken von Franz Liszt oder von Leopold Godowsky und Vladimir Horowitz. Der Pianist musiziert mit überragender Technik, Gespür für Klang und Sinn für Dramatik. Ganz großes Kino. 


Dienstag, 5. Januar 2021

Ambarabà (Genuin)


 Harfe, Gitarre und Mandoline – das macht, wenn man es zusammenrechnet, insgesamt einundsechzig Saiten, und deshalb heißt dieses Trio sixty1strings. Auf ihrer Debüt-CD, die bei Genuin veröffentlicht wurde, zeigen Ekaterina Solovey (Mandoline), Negin Habibi (Gitarre) und Konstanze Kuß (Harfe), wie reizvoll diese höchst unterschiedlichen Zupfinstrumente gemeinsam klingen können. 

Fasziniert lauscht man bereits dem ersten Stück, Aquarium aus Camille Saint-Saëns Karneval der Tiere. Nie zuvor waren die Bahnen, die die Fische durch das Wasser ziehen, derart wasserklar zu hören. Auf dem Album präsentieren die jungen Musikerinnen neben der einzigen Komposition, die eigens für diese Besetzung entstanden ist – Carillon, Récitatif, Masque von Hans-Werner Henze (1926 bis 2012) führte das Trio einst zusammen – sehr unterschiedliche Werke, von Alberto Ginasteras Danzas argentinas über Maurice Ravels Suite Ma mére l’oye bis hin zu Ambarabà, einem Stück von Walter Fähndrich, das ursprünglich für Synthesizer geschrieben wurde. Musiziert wird gleichberechtigt; jedes der Instrumente kommt auf dem Album bestens zur Geltung, und jede der drei Virtuosinnen trägt gleichermaßen zur Schönheit und Originalität des Gesamtklanges bei. Sehr hörenswert! 


Freitag, 20. November 2020

Joseph Haydn and his London Disciples (Genuin)


Als Joseph Haydn (1732 bis 1809) einst aus der ungarischen Provinz nach London kam, wurde er dort von der Gesellschaft begeistert gefeiert. Die Kompositionen des Musikers waren in Großbritannien bekannt und beliebt; unter den Neugierigen, die versuchten, den maestro persönlich zu treffen, waren auch etliche Kollegen. Viele behaupteten, Haydns Schüler gewesen zu sein – Rebecca Maurer hat für diese CD zwei Musiker aufgespürt, die wohl tatsächlich eine Verbindung zu dem Hochgeehrten hatten. 
Thomas Haigh, ein Geiger und Pianist aus Manchester, über den sonst nicht viel bekannt ist, hat neben eigenen Werken auch eine große Anzahl von Klavierarrangements populärer Musikstücke geschaffen. Mit Haydns Kompositionen hat er sich gründlich auseinandergesetzt, denn er hat etliche seiner Sinfonien und Ouvertüren für das Klavier bearbeitet. 
Rebecca Maurer stellt allerdings Werke vor, in denen Haigh in origineller Weise Vorbild und eigene musikalische Gedanken verbindet: Three Canzonetta’s of Dr. Haydn’s Arranged as Rondos for the Piano Forte sind kurz nach Haydns English Canzonettas um 1796 publiziert worden. Eine Fantaisie, veröffentlicht 1817, kombiniert muntere Tanzmelodien, Zitate aus Haydns Paukenwirbel-Sinfonie und Variationen über Gott erhalte Franz den Kaiser. Haydn war bekanntermaßen ein Mann von Humor; diese skurrile Zusammenstellung reicht aber weit über das hinaus, was er selbst in seinen Werken an musikalischen Scherzen versteckt hat. 
Christian Ignatius Latrobe (1758 bis 1836) traf Joseph Haydn 1791, und er widmete seinem Idol noch im gleichen Jahr die Three Sonatas for the Pianoforte op. 3. Rebecca Maurer hat für diese Einspielung daraus einen langsamen Satz der Sonata I in A Dur ausgewählt. Im Kontrast zu diesen Werken, die durchweg wohl eher für das häusliche Musizieren entstanden sind, interpretiert die Pianistin aber auch Haydns für den Konzertsaal bestimmte Sonaten in Es-Dur Hob. XVI:52 und C-Dur Hob. XVI:50. Es sind dies virtuose Werke, perfekt auf die damaligen Bedürfnisse der besten Pianisten Londons und auch auf die Möglichkeiten der englischen Instrumente abgestimmt. 
Wie faszinierend diese Musik einstmals geklungen hat, das demonstriert Rebecca Maurer mit dieser CD. Denn die international gefragte Hammerklavier-Virtuosin konnte für die Aufnahme ein originales Londoner Fortepiano von 1816 aus der Werkstatt von John Broadwood & Sons nutzen. Es befindet sich heute in Salzburg, in der Sammlung von Thomas Albertus Irnberger. Dort ist die Einspielung auch aufgezeichnet worden. 
Zuvor hatte sich Maurer mit dem Instrument ausgiebig vertraut gemacht, und seine Klangmöglichkeiten und Spieleigenschaften sorgsam erkundet. Das Ergebnis ist eine faszinierende, bis ins letzte Detail stilsichere und zudem mitunter augenzwinkernde Interpretation. Rebecca Maurer präsentiert sowohl die Musikstücke – überwiegend in Weltersteinspielungen – als auch das historische Instrument wunderbar. Hinreißend! 

Sonntag, 6. September 2020

Joseph Haydn - Four Sonatas (Genuin)

Klaviersonaten von Joseph Haydn (1732 bis 1809) widmet sich Brigitte Meyer auf dieser Genuin-CD. Die Schweizer Pianistin entstammt wie Friedrich Gulda und Martha Argerich der Wiener Talentschmiede des großen Lehrers Bruno Seidlhofer. Für diese Einspielung wählte sie vier sehr unterschiedliche Klaviersonaten aus dem umfangreichen Gesamtwerk Haydns aus. 
Die D-Dur-Sonate Hob. XVI:24 orientiert sich am Vorbild Carl Philipp Emanuel Bachs – aber Haydn führt dieses in einzigartiger, impulsiver Weise weiter. „Ich spüre hier immense Lebensfreude“, so Meyer, „und um die auszudrücken, muss man über die Technik verfügen, um beispielsweise auch schnellere Tempi wählen zu können. Für mich fordert die Sonate in D-Dur viel Phantasie vom Interpreten.“ 
Die Sonate in As-Dur Hob XVI:46 hingegen sei weit detaillierter ausgearbeitet: „Haydn schafft hier eine eigene Sprache, mit fließender Harmonie und großer rhythmischer Lebendigkeit“, schreibt die Pianistin im Beiheft. „Seine kühne und oft überraschende Art mit Harmonien umzugehen, ist für den Interpreten aufschlussreich und äußerst inspirierend.“ 
Die beiden Sonaten in C-Dur und Es-Dur Hob. XVI:50 und 52 komponierte Haydn anlässlich seiner Reise nach London 1794/95. Es sind virtuose Werke, bestimmt für den Vortrag auf englischen Instrumenten, kühn und modern. 
Brigitte Meyer findet für jedes der vier so verschiedenen Werke einen eigenen Ausdruck. Auf dem modernen Fazioli-Flügel musiziert sie fein nuanciert, sehr elegant, dabei kraftvoll und mit Esprit. Hinreißend musiziert, ich habe jeden Ton genossen. Das ist ein sehr interessanter Beitrag zum Beethoven-Jubiläumsjahr. 

Freitag, 17. Juli 2020

Ridil: Solo Songs and Works for Male Choir (Genuin)

Christian Ridil? Die Tatsache, dass die Camerata Musica Limburg seinem Schaffen eine komplette CD gewidmet haben, macht neugierig. Denn Werke zeitgenössischer Komponisten, zumal wenn es sich um Vokalmusik handelt, gelangen ohnehin nur höchst selten per Silberscheibe zum Publikum. Was also macht die Liedsätze von Christian Ridil so besonders? 
Seine musikalische Laufbahn startete Ridil, Jahrgang 1943, bei den Regensburger Domspatzen. Nach seinem Studium in München und Augsburg wirkte er etliche Jahre als Gymnasiallehrer, und wurde dann Hochschullehrer und Universitätsmusikdirektor an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Im Jahre 2011 wurde er emeritiert. 
Für sein umfangreiches kompositorisches Schaffen wurde Christian Ridil vielfach ausgezeichnet, und seine Werke werden von Chören gern gesungen. Das gilt auch für die Camerata Musica Limburg, die seine Kompositionen auf dieser CD mit großem Engagement vortragen. Dabei überrascht die enorme stilistische Bandbreite; so erklingen frühe, an der Romantik orientierte Studentenchöre ebenso wie knackige, witzige Volksliedsätze, zur kleinen Volksliedsuite verknüpft. Den Schlusspunkt setzt das düstere Belsatzar nach einem Text von Heinrich Heine. Zu hören sind zudem Liebeslieder und Psalmvertonungen, vorgetragen von dem Bariton (und ehemaligen Limburger Domsingknaben) Nikolaus Fluck zusammen mit dem versierten Liedbegleiter Andreas Frese. 
Die Camerata Musica Limburg unter Leitung von Jan Schumacher interpretieren die Werke von Christian Ridil klangschön und ausdrucksstark. Die Sänger bringen so die vielen Facetten seiner Kompositionen wunderbar zur Geltung. Bei der Volksliedsuite werden sie von den Blechbläsern Gerhard Schultheis, Egbert Lewark, Andreas Weil und Ilja Danilov unterstützt. Und als Sprecher, quasi als kleiner Insiderscherz, ist auch Tonmeister Holger Busse kurz zu hören. 

Freitag, 3. Juli 2020

Latin (Genuin)

Musik aus Lateinamerika erklingt in Konzertsälen hierzulande selten. Dabei gibt es dort eine beeindruckende Musiktradition. Mit seiner neuen CD bei Genuin lädt das Duo Lontano zu einer Entdeckungsreise durch eine Musiklandschaft ein, die in Europa nur teilweise bekannt ist. 
Babette Hierholzer und Jürgen Appell präsentieren Kompositionen für Klavier zu vier Händen, wobei die meisten davon, wie Tango-Klassiker von Carlos Gardel und Astor Piazzolla sowie populäre Melodien wie Bésame mucho oder Malagueña, speziell für diese Besetzung bearbeitet worden sind. 
Zu hören sind außerdem Werke von Louis Moreau Gottschalk (1829 bis 1869. Der Musiker, in New Orleans geboren, wurde durch französisch-kreolische Einflüsse geprägt. Er galt als Wunderkind, und wurde im Alter von 13 Jahren zum Musikstudium nach Paris geschickt. Auch dort machte er durch sein virtuoses Klavierspiel auf sich aufmerksam; Chopin prophezeite dem Jungen, er werde einmal der König der Pianisten sein. 
Gottschalk inspirierte etliche Schüler, wie Maria Teresa Carreño, oder den Geiger José White Lafitte, den er ermutigte, ebenfalls nach Paris zum Studium zu gehen. Auch sie sind auf der CD mit Stücken vertreten, ebenso wie Heitor Villa-Lobos (1887 bis 1959), Ernesto Nazareth (1863 bis 1934) oder Isaac Albéniz(1860 bis 1909)  – der zwar aus Spanien stammt, aber im Kindesalter mehrfach seinen Eltern durchbrannte. So gelangte er bis nach Buenos Aires und nach Kuba. Dem abwechslungsreichen Programm lauscht man gern. Und das Duo Lontano musiziert hingebungsvoll, mit Temperament und auch mit Grazie. 

Dienstag, 23. Juni 2020

Offenbach Fantastique! (Genuin)

Das Leipziger Symphonieorchester, gegründet 1963 als „Staatliches Orchester des Bezirkes Leipzig“, hat seinen Sitz in Böhlen und bringt Kultur in die Region rings um die Messestadt. Dass die Musiker, die alljährlich über hundert Konzerte spielen, nicht nur ländlichen Charme, sondern durchaus auch Pariser Eleganz und eine gehörige Portion Esprit aufbieten können, beweist diese CD mit Musik von Jacques Offenbach. 
Dirigent Nicolas Krüger, ausgebildet am Pariser Konservatorium, hat dafür ein originelles Programm zusammengestellt, dass neben einigen wenigen bekannten Melodien des Komponisten vor allem aus Entdeckungen besteht. Ihren Titel trägt diese geistreiche Kollektion zu Recht: Offenbach? Fantastique! 

Mittwoch, 18. März 2020

The Golden Age (Genuin)

Vor einiger Zeit hat Christoph Heesch bei Genuin eine CD veröffentlicht, die dann leider in meinem Regal liegen geblieben ist. Jetzt habe ich sie angehört – und beschlossen, trotzdem darüber zu schreiben, weil die Aufnahme rundum fasziniert. Der junge Cellist, der bei Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt studierte, konnte bereits etliche Wettbewerbe gewinnen. Bei diesem Projekt musiziert er unter Leitung von Jakob Lehmann gemeinsam mit dem Kammerorchester Eroica, dessen Solo-Cellist er auch ist. Und er hat dafür ein geradezu phänomenales Programm zusammengestellt: Heesch spielt vier Cellokonzerte aus den Jahren 1924/25, die jeweils für sich schon eine Sensation sind. 
Es war eine aufregende Zeit, in der spektakuläre Musik entstand. Die Kammermusik Nr.3 op. 36 Nr. 2 von Paul Hindemith (1895 bis 1963), das Konzert für Violoncello und Blasorchester von Jacques Ibert (1890 bis 1962), das Konzert für Violoncello und Kammerorchester op. 35 von Ernst Toch (1887 bis 1964) und das Concertino für Violoncello, Bläser, Klavier und Schlagzeug von Bohuslav Martinů (1890 bis 1959) hinterfragen Konventionen klassischer Musik, und suchen nach neuen Wegen des Musizierens. Allen gemeinsam ist das reduzierte „Orchester“, in dem nur einige wenige Musiker spielen. Die Grenzen zwischen den Gattungen und auch die Abgrenzung zwischen Solist und Orchester kommen ins Fließen. 
Daraus lässt sich auch für die heutige Zeit lernen, meint Heesch: „Es ist mir ein großes Anliegen, sie mit Blick auf die Werke dieser vier fantastischen Komponisten aus vollkommen unterschiedlichen Kulturkreisen, Schulen und Einflüssen zu betrachten. Bieten sie doch Inspiration und Ideen für die Zukunft – sowohl jedes für sich als auch alle zusammen. Die rhythmische Strenge bei Hindemith, die französisch-elegante Leichtigkeit von Ibert, die tiefe Empfindsamkeit bei Toch und die folkloristisch-kraftvolle Dramatik im Werk von Martinů ergänzen sich zu einer musikalisch revolutionären Klangidee. Durch die schlanke Besetzung entwickelt sich in allen vieren eine musikalische Transparenz, die es ermöglicht, aus dem sinfonischen ,Korsett‘ des Cellokonzertes in die viel intimere Kompositionsform des Solokonzertes zu wechseln.“  
Der inszenierte Auftritt des Solisten und die Trennung von Solo- und Orchesterpassagen, wie man dies aus romantischen Instrumentalkonzerten kennt, wird in diesen Stücken durch quasi kammermusikalisches Musizieren in unmittelbaren Dialog ersetzt. Dennoch sind diese vier Konzerte nicht weniger anspruchsvoll, sie sind virtuos, sperrig, herausfordernd – und Heesch musiziert grandios. Was für ein Ton, welch enorme Intensität – von diesem jungen Musiker wird man hoffentlich noch viel hören! 

Montag, 17. Februar 2020

British Classics (Genuin)

Bläsermusik hat in Großbritannien eine lange Tradition. Von der Bergmannskapelle bis zum kammermusikalischen Ensemble – das Repertoire ist breit und abwechslungsreich. Auf dieser CD präsentiert die Sächsische Bläserphilharmonie eine attraktive Werkauswahl, vom Frühbarock bis in die klassische Moderne. Es erklingt Musik von William Byrd und Henry Purcell, geschickt arrangiert für sinfonische Bläserbesetzung. Auch die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel darf da nicht fehlen. Sie entstand einst aus Anlass der Beendigung des österreichischen Erbfolgekrieges – und der König hatte angeordnet: „no fiddles“. Der Komponist befolgte diese Vorgabe; später fügte er allerdings Streicher hinzu, und diese Fassung wird auch meist gespielt. Umso spannender ist es, wenn die Bad Lausicker Profis unter Leitung von Chefdirigent Thomas Clamor nun das Original in seiner ganzen Pracht zelebrieren. 
Unangefochten im Mittelpunkt der Einspielung steht allerdings das Tuba-Konzert von Ralph Vaughan Williams (1872 bis 1958). Solist Andreas Martin Hofmeir demonstriert, wie melodiös und federleicht doch dieses schwergewichtige Instrument klingen kann. Ein ganz besonderes Vergnügen, zumal auch die Sächsische Bläserphilharmonie ihren Part in Bestform gestaltet. Komplettiert wird das Programm durch die First Suite for Military Band, op. 28 von Gustav Holst, uraufgeführt 1929, und zwei bekannte Werke von Edward Elgar – die Enigma-Variation IX, Nimrod, und natürlich erklingt zum Schluss der Marsch Pomp and Circumstance

Dienstag, 17. Dezember 2019

Bübchens Weihnachtstraum (Genuin)

Einladung zum Krippenspiel, mit Chor und einem kleinen Orchester: Stimmungsvoll wie die Märchenoper Hänsel und Gretel ist auch Bübchens Weihnachtstraum, ebenfalls von Engelbert Humperdinck. Seine Musik führt uns mitten hinein in die festliche Atmosphäre am Heiligabend. Es duftet nach Backwerk und Tannenzweigen, in der Stube ist es heute besonders heimelig, und draußen vor dem Fenster tanzen die Schneeflocken. Einem kleinen Jungen dauert das Warten aufs Christkind zu lang. Er schlummert ein, und Humperdinck zeigt uns in seiner Kombination aus Liedern, Sprechtext und Orchestermusik, wie das Bübchen im Traum schon an die Krippe tritt. 
Dabei kombinierte der Komponist bekannte Weihnachtslieder und neue Ideen. Humperdinck erweist sich gerade in diesem kleinen Stück als ein großer Meister, der mit bescheidenen Mitteln ganz enorme Wirkung erzielen kann. Seine Orchestration und auch seine Chorsätze sind schlicht und zugleich raffiniert – und der MDR Kinderchor hat nun glücklicherweise Bübchens Weihnachtstraum wiederentdeckt und das „melodramatische Krippenspiel für Schule und Haus“ auf CD eingespielt. 
Das Leipziger Ensemble, das seit Januar 2018 von Alexander Schmitt geleitet wird, ist der einzige Kinderchor der ARD – und künstlerisch ein Juwel, wie diese Aufnahme beweist. Daran haben auch das MDR-Sinfonieorchester sowie Sopranistin Lisa Rothländer mitgewirkt, die das kleine Solo hinreißend singt. Als Erzähler brilliert Axel Thielmann, der die Hörer gekonnt und humorvoll durch die Geschichte geleitet. Und weil es so schön ist, gibt’s als Zugabe gleich noch einige Weihnachtslieder aus der Chortradition. 

Dienstag, 3. Dezember 2019

Schubert: Elysium (Genuin)

Nun ist sie komplett, die Gesamteinspielung aller Werke für Männerchor von Franz Schubert durch die Camerata Musica Limburg. Was für ein Projekt! Seit 2015 folgte CD auf CD, und jedesmal wieder erfreuten die Chorsänger mit ihrem makellosen, strahlenden, perfekt homogenen Chorklang. Da ist deutlich zu spüren, dass die Mitwirkenden schon viele Jahre in bester Harmonie zusammen singen, und zugleich vom Kinderalter an eine solide Ausbildung erfahren haben. 
Das Vokalensemble, geleitet von Jan Schumacher, ist aus den Limburger Domsingknaben hervorgegangen. Mittlerweile bestehen die Camerata Musica Limburg seit gut 20 Jahren. Sie musizieren nach wie vor auf allerhöchstem Niveau, und konnten zudem offenbar auch die freundschaftliche Verbindung aus der gemeinsamen Zeit im Knabenchor aufrecht erhalten. Man spürt es jedenfalls, dass sie sich schon sehr lange kennen und ausgezeichnet verstehen. 
Und es ist wunderbar, dass diese Herren auch nach dem Stimmbruch weiter Lust auf Chorgesang hatten. Denn es gibt heute nicht mehr sehr viele Ensembles, die sich an alle Lieder Schuberts wagen können. So verwundert es auch nicht, dass die Camerata Musica Limburg mittlerweile mehrfach zur Schubertiade in Schwarzenberg und Hohenems eingeladen worden sind. Schließlich sind gerade die Chöre, die Schubert oftmals für seine Freunde geschrieben hat, ein zentraler Bestandteil seines Werkes. Und so freut man sich über die umfassende Einspielung, die nun mit dem sechsten und letzten Teil bis in die Gegenwart weist. 
„Perspectives on Schubert“ setzt Lieder der Romantiker in spannungsvolle Beziehung zu Werken, die zeitgenössische Komponisten eigens für dieses CD-Projekt geschaffen haben. Diese Produktion vereint Bearbeitungen ebenso wie Stücke, die Schuberts Chorsätze reflektieren. Das reicht von den Arrangements Friedrich Silchers und Johannes Brahms' über Franz Abt und Peter Cornelius bis hin zu Ersteinspielungen, etwa von Mårten Jansson, Alwin Schronen, Nicola Campogrande, Thomas Thurnher oder Christopher Tarnow. Beauftragt wurden dafür Komponisten, die dem Ensemble persönlich bekannt waren. Entstanden ist auf diesem Wege eine hochinteressante CD, die die Reihe würdig komplettiert. Bravi! 

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Across The Lake (Genuin)

Sie kommen längst nicht mehr nur vom Bodensee, und sie haben eine gemeinsame Leidenschaft: Das Ensemble Lake Brass, gegründet 2010 als Hornquartett, ist heute mit zwölf Hörnern, zwei Tenorhörnern, Tuba und drei Schlagzeugern üppig besetzt. Seit 2017 wird Lake Brass von Norbert Stertz, Professor für Horn an der Hochschule für Musik Detmold, geleitet. Und die Musiker stammen aus vielen verschiedenen Ländern. Auf ihrer ersten CD bei Genuin präsentieren sie einen satten Blechbläsersound mit imposantem Fundament. Was für eine Tiefblechgruppe! 
Das Programm ist abwechslungsreich. Zu hören ist Filmmusik von Hans Zimmer, Steve Jablonsky, Trevor Jones, John Powell und John Williams, dazu Sinfonisches von Gustav Mahler, Kammermusik von Dmitri Schostakowitsch, Felix Mendelssohn Bartholdys berühmter Chor Abschied vom Walde in einem Arrangement für Lake Brass, und auch zwei Premieren sind dabei: Die Bodensee Fantasie von Kerry Turner und Zerberus von Alexander Reuber, speziell für das Ensemble geschrieben, erklingen in Weltersteinspielung. Man staunt einmal mehr darüber, wie nuancen- und farbenreich Blechbläser musizieren können. Es ist herrlich, der Sound ist großartig, das kann man mit Worten gar nicht erfassen. Wer den Hörnerklang liebt, der sollte sich diese CD auf gar keinen Fall entgehen lassen. 

Montag, 21. Oktober 2019

When Breath Becomes Sound (Genuin)

Lingjia Liang, Alena Wilsdorf, Simo Lu und Franziska Föllmer haben sich beim Studium an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf kennengelernt. 2014 gründeten die drei Flötistinnen und der Flötist dann das Ensemble Tetrachord, das mittlerweile in vielen Wettbewerben Preise erringen konnte. 
Mit seinem CD-Debüt bei Genuin kann das Quartett gleich mehrfach überraschen.  Denn die Flötenklänge kommen daher wie federleichte Schönwetterwölkchen. Das e-Moll-Flötenquartett von Friedrich Kuhlau beispielsweise habe ich noch nie so virtuos und so grandios locker gehört. Und die Deux Esquizzes von Eugéne Bozza wirken so ätherisch wie manch ein impressionistisches Gemälde. Verblüffend geht es weiter, bis zum dem abschließenden, ebenfalls erstklassig musizierten Andante für ein Walze in eine kleine Orgel von Wolfgang Amadeus Mozart. Eine rundum gelungene Einspielung. Auf die kommenden Programme dieses Ensembles darf man sich freuen. 

Donnerstag, 6. Juni 2019

Mozart: The Horn Concertos (Genuin)

Frisch und dennoch innig erklingen auf dieser CD aus dem Hause Genuin die vier Hornkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart. Christoph Eß, der Solohornist der Bamberger Sinfoniker, musiziert gemeinsam mit dem bestens aufgelegten Folkwang Kammerorchester Essen unter Leitung seines Chefdirigenten Johannes Klumpp. 
Die Leistung des Hornisten erscheint umso beeindruckender, weil es sich durchweg um Live-Mitschnitte handelt. Mit zumeist kernig-metallischem Ton spielt Eß durchweg brillant und in allen Lagen stets makellos. 
Der Hornist hat sich mit den Noteneditionen kritisch auseinandergesetzt, und spielt in allen Konzerten – auch in KV 417 – Kadenzen seines Mentors und Freundes Michael Höltzel, dem auch die CD gewidmet ist. Bei dem Hornkonzert KV 412 ist nicht nur die übliche Süßmayr-Fassung des Rondos zu hören, sondern zusätzlich auch Mozart revidierte Version in einer Edition von Robert Levin. 
Und als Zugabe gibt es, mit einem Augenzwinkern, die Invitation to a Journey with Mozart and Four Horn Players, eine witzige Hommage des norwegischen Komponisten Trygve Madsen für German Hornsound. Das mittlerweile legendäre Ensemble, dessen Initiator Eß seinerzeit war, jongliert in diesem Werk lustvoll mit den Themen der Hornkonzerte Mozarts, die Madsen mit Humor, aber zugleich durchaus respektvoll verarbeitet hat. Dabei erhält jeder der vier Hornisten auch Gelegenheit, solistisch zu glänzen. 

Mittwoch, 15. Mai 2019

Reiselust (Genuin)

Louis Spohr (1784 bis 1859) steht im Mittelpunkt dieser CD, die das Eldering Ensemble bei Genuin veröffentlicht hat. Der Violinvirtuose war seinerzeit viel unterwegs und hat dabei eine Menge erlebt. Aus Tagebüchern und Briefen können wir darüber etliches erfahren. So war er 1811 in Beethovens Wohnung bei einer Probe des sogenannten Geistertrios op. 70,1 zugegen. 
Felix Mendelssohn Bartholdy widmete Spohr 1845 sein c-Moll-Klaviertrio op. 66, mit den Choralthemen im vierten Satz; es scheint dem Geiger gefallen zu haben. Seine Frau jedenfalls lobt das Werk sehr, sie notierte zudem in ihrem Tagebuch, dass Spohr es 1846 gemeinsam mit dem Komponisten und dem Cellisten Johann Grabau in Leipzig gespielt hat. 
Die beiden leidenschaftlichen Trios, zwei der ganz großen Werke des Repertoires, komplettiert die heitere Reisesonate. In diesem Duetto für Pianoforte und Violine op. 96 schildert Spohr mit musikalischen Mitteln Eindrücke einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz, die der Geiger 1836 gemeinsam mit seiner Frau Marianne und seiner Tochter Therese unternommen hat. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Man hört Hufschlag und Postillonsignale, und dann das Orgelspiel und die Gesänge in der katholischen Hofkirche. Auch das nahe Böhmen schickt einen musikalischen Gruß. Die Überschrift des ersten Satzes, Reiselust, steht als Motto auch über der CD. 
Simon Monger, Violine, und Sandra Urba, Piano, haben die Reisesonate hier erstmals nach der neuen Urtextausgabe eingespielt. Die jungen Solisten musizieren sehr engagiert; auch der Klaviertrio-Klang, mit Jeanette Gier am Violoncello, ist schlank, agil und lebendig. Das Eldering Ensemble ist ohne Zweifel eine exzellente Formation, die Freunde der Kammermusik im Blick behalten sollten – es lohnt sich! 

Sonntag, 14. April 2019

Souvenirs (Genuin)

Aleksandra Mikulska nutzt ihr Debüt bei dem Leipziger Label Genuin, um auf eine wenig bekannte Facette des Schaffens von Franz Liszt hinzuweisen: Die Werke, die die polnische Pianistin für diese CD ausgewählt hat, sind musikalische Erinnerungsstücke – an seine Lebensgefährtin Marie Gräfin d'Agoult, seine zweite Liebe, Carolyne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein, geschätzte Kollegen wie Robert Schumann und Frédéric Chopin, und an Länder, die Liszt beeindruckt haben, wie Spanien, wohin ihn 1844/45 eine lange Konzertreise führte, die Ukraine, und natürlich seine geliebte Heimat Ungarn. 
Mikulska, Sonderpreisträgerin beim 15. Internationalen Frédéric-Chopin-Wettbewerb, musiziert großartig. Sie spielt Liszts Kompositionen mit grandioser Sensibilität, überzeugt durch feinste Differenzierung und faszinierende Klangsinnlichkeit. Natürlich kann sie auch zupacken – aber viel interessanter sind in diesem Falle die vielen Nuancen und Farben, die sie dem Flügel entlockt. So kann man diese virtuose Musik völlig neu entdecken. Traumhaft! 

Freitag, 1. Februar 2019

Reflections (Genuin)

Wenn Yukyeong Ji ihre CD „Reflections“ nennt, dann hat sie offenbar weniger das Phänomen des Spiegels im Sinn als vielmehr den Vorgang der Reflektion in seiner ganzen Vielfalt: „visuell (wie bei Debussy in Reflets dans l'eau), formal (wie Messiaens in Par Lui tout a été fait) oder als Hommage, wie beispielsweise Beethoven von zahllosen Komponisten lebenslang als Vorbild gesehen wurde. Kunst reflektiert die gesellschaftlichen Umstände und generell lassen alle Werke die Persönlichkeit der sie Erschaffenden widerscheinen.“ 
Auf ihrer Debüt-CD bei dem Leipziger Label Genuin präsentiert die koreanische Pianistin, die in Seoul und in Hannover studiert hat, ein höchst anspruchsvolles Programm, das viele Facetten aufzeigt. Zu hören ist Musik von Uzong Choe, der eigens für diese CD ein Prélude neu komponierte, Toru Takemitsu, Bertold Hummel, Maurice Ravel und Olivier Messiaen. Yukyeong Ji begeistert mit einer exzellenten Technik und außergewöhnlichem Gestaltungsvermögen. Sehr beeindruckend! 

Sonntag, 25. November 2018

Funeralisssimo (Genuin)

Geige, Violoncello und Akkordeon – das ist die Besetzung, die Matthias Well für sein Debütalbum wählte. Der Fanny-Mendelssohn-Förder- preisträger 2017 hat sich intensiv mit Trauermusik beschäftigt. Denn schon als Kind spielte er auf Trauerfeiern. Der Trauergeiger fasziniert den jungen Musiker: „Doch was zeichnet ihn aus? Worin liegt das Geheimnis seiner Kunst“, fragt Well in einem klugen Essay, der im Beiheft nachzulesen ist. „In erster Linie muss der Violinist mit seinem Spiel die tiefen Gefühle aufnehmen, von denen die Anwesenden ergriffen sind, und sie kunstvoll in einen Klangteppich weben, der die Tragik des Moments abbildet, ihr eine Form verleiht und sie greifbar macht. Der individuelle Schmerz wird auf die Ebene der ewigen menschlichen Erfahrung gehoben.“ 
Studienkollegen haben Matthias Well berichtet, wie Beerdigungen in anderen Ländern ablaufen, ob und was am Grab musiziert wird. Sie haben dem Geiger auch die entsprechenden Musikstücke geschickt. Dabei wurde bald sichtbar, dass die Bräuche regional höchst unterschiedlich sind. 
Auf dieser CD stellt Well ein Programm vor, dass zu mitteleuropäischer Trauerkultur passt, aber Melodien aus vielen Regionen der Erde enthält. Vom westafrikanischen Totentanz bis zum deutschen Volkslied, von indonesischen Klängen bis zum Jodler aus dem Alpenland und vom indische Raga bis zum Lamento Mexicano reichen die ausgewählten Stücke. Auch „klassische“ Musik von Johann Sebastian Bach, Reinhold Glière, Alessandro Stradella, Ciprian Porumbescu und Astor Piazzolla erklingt. 
Erstaunlicherweise harmonieren all diese sehr unterschiedlichen Stücke dennoch ausgezeichnet miteinander. Bei dieser Einspielung unterstützten den Violinisten seine Schwester Maria Well sowie der Akkordeonist Zdravko Živković. Schöne Töne, große Bögen. Und die Kombination von Violine, Cello und Akkordeon wirkt sanft und tröstlich. Das perfekte Album zum heutigen Totensonntag!