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Samstag, 11. November 2017

Monteverdi: Madrigals Book 8 Madrigali guerrieri et amorosi (Naxos)

Das achte Madrigalbuch von Claudio Monteverdi (1567 bis 1643), besser bekannt unter dem Titel Madrigali guerrieri, et amorosi, erschien fünf Jahre vor dem Tode des Komponisten und enthält viele Meisterwerke, mit denen Monteverdi Musikgeschichte geschrieben hat. Zum 450. Geburtstag des Komponisten hat das Ensemble Delitiæ Musicæ unter Marco Longhini bei Naxos dieses Opus komplett in einem exklusiven 4-CD-Set präsentiert, inklusive einem sehr umfangreichen und mit Sorgfalt zusammengestellten Beiheft. 
Damit würdigt das Label den Jubilar, dem es in einzigartiger Weise gelungen ist, menschliche Emotionen in Musik hörbar werden zu lassen. Diese CD-Kollektion gruppiert die Madrigale nach Affekten, in Madrigali guerrieri, Madrigali amorosi und Madrigali rappresentativi. Zu hören ist, in Ersteinspielung, die ungekürzte Fassung, die auch die zusätzlichen Instrumentalwerke von Biagio Marini (1594 bis 1663) mit einschließt. Monteverdi hat sie eingefügt, und so erklingen die Sinfonias und die diversen Tänze, wie er das haben wollte. 
Die Instrumentierung ist üppig; so wechseln sich neun (!) Musiker im Basso continuo ab; dazu kommen ein Gambenconsort und ein barockes Streicherensemble, zu dem auch ein Paar Blockflöten sowie diverse Schlaginstrumente gehören. Die Madrigale auf diesem Album werden übrigens ausschließlich von Männern gesungen; die Partie des Cupid in Ballo delle ingrate übernimmt mit Beniamino Borciani ein Knaben-Sopran. 

Montag, 13. Januar 2014

Gesualdo: Madrigal Books 5 and 6 (Naxos)

Mit dieser CD endet die Gesamtein- spielung der Madrigale von Carlo Gesualdo da Venosa (1566 bis 1613) bei dem Label Naxos. Sie enthält das fünfte und das sechste Libro de'Madrigali – beide ver- öffentlicht 1611, und dann erneut 1613 sowie 1614/1616. Das zeigt, wie begehrt diese Noten seinerzeit waren. Über die Biographie des Komponisten sowie die Debatten, die in späteren Jahrhunderten um seine Werke geführt worden sind, ist in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet worden. Wer sich dafür interessiert, der kann 
die Blogeinträge über das Stichwort unkompliziert aufspüren. 
Um Konventionen musste sich der Fürst ohnehin nicht den Kopf zerbrechen; ob seine Musik einem Publikum gefällt, das dürfte ihm ziemlich egal gewesen sein. Adel und Reichtum ermöglichten es ihm, konsequent am Ausdruck zu arbeiten – und dabei gelegentlich auch einmal Regeln zu brechen. Wer Renaissancemusik liebt, der wird seine Freude an den akustischen Gemälden Gesualdos haben, an den kühnen harmonischen Rückungen, dem Ausbrechen aus allzu simplen Kadenzen und Rhythmen, die sich am Text orientieren. 
Das Ensemble Delitiae Musicae, geleitet von Marco Longhini, besteht ausschließlich aus Sängern. Alessandro Carmignani, Paolo Costa, Fabio Fùrnari, Raffaele Giordani, Paolo Fanciullacci, Marco Scavazza und Walter Testolin agieren sehr harmonisch, exzellent aufeinander abgestimmt und mit schönem Ton. Auf das nächste Projekt dieser Sänger darf man schon gespannt sein – zur Wiederentdeckung der Musik aus der Zeit der Renaissance und des Barock jedenfalls hat das Ensemble bislang mit etlichen herausragenden Aufnahmen beigetragen. 

Donnerstag, 19. Juli 2012

Gesualdo: Madrigals Book 3 / Madrigals Book 4 (Naxos)

Das Ensemble Delitiae Musicae setzt seine Gesualdo-Einspielung bei Naxos fort; erschienen sind jetzt Aufnahmen des dritten und vierten Madrigalbuches. Die beiden CD zeigen erneut, wie einzigartig die Werke dastehen, die Carlo Gesualdo (1566 bis 1613) geschaffen hat. Dieser Komponist ist nicht nur aufgrund seiner kühnen musikalischen Ideen eine Legende. Don Carlo, Fürst zu Venosa und der letzte seines Stammes, wurde in erster Linie durch ein brutales Verbrechen berühmt: 1590 gab er vor, zur Jagd auszureiten. Doch am Abend kehrte die Jagdgesellschaft unvermittelt zurück, und sie ertappte Gesualdos Ehefrau mit ihrem Liebhaber. Beide wurden umgebracht, und wohl auch ein Kind. Trotz erneuter Heirat scheint Gesualdo danach nicht mehr recht glücklich geworden zu sein.
Gesualdo veröffentlichte insgesamt sieben Sammlungen mit Madriga- len. Sechs davon sind überliefert. Bei Naxos kann man jetzt den Wer- ken des Komponisten lauschen, die 1595 und 1596 als Il terzo libro de'madrigali und Il quarto libro de'madrigali in Ferrara veröffent- licht wurden. Wie bereits ihre Vorgänger, zeigen auch sie jene eigen- tümliche Melodik und Harmonik, die Gesualdos Werke so unver- wechselbar macht. 

Anders als professionelle Musiker jener Zeit war ihr Schöpfer nicht einem Mäzen verpflichtet; Beifall und wirtschaftlicher Erfolg konnten Gesualdo egal sein, denn Musik war für ihn Zeitvertreib und nicht Broterwerb. Das Schloss, in dem er wohnte, gehörte ihm, und dazu auch umfangreiche Ländereien in Süditalien. So konnte der Prinz auch bei der Auswahl der Texte ganz seinem persönlichen Geschmack folgen.
Delitiae Musicae, geleitet von Marco Longhini, nutzt für die Inter- pretation der Gesualdo-Madrigale eine Urtext-Edition, die Longhini gemeinsam mit Rosaria Chiodini erstellt hat. Bei dieser Aufnahme werden alle Stimmen von Männern gesungen - Carmen Leoni, die einzige Frau in diesem Ensemble, spielt das Cembalo. Die Sänger agieren perfekt aufeinander abgestimmt, vom Timbre bis zu gestal- terischen Feinheiten. Klanglich erinnern diese CD an die Gesualdo-Interpretationen des Hilliard Ensembles; in der Qualität reichen Delitiae Musicae daran allerdings nicht ganz heran.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Banchieri:Il studio dilettevole / Il metamorfosi musicale (Stradivarius)

Hört man diese witzigen Stücke, wird man staunen. Denn ihr Schöpfer Adriano Banchieri (1568 bis 1634) war ein Mönch. Banchieri stammt aus Bologna. Und eigent- lich hieß er Tommaso, doch als er 1587 in den Benediktinerorden eintrat, nahm er den Namen Adriano an. Er wirkte als Organist, Komponist und Musiktheoretiker. Seine Madrigalbücher sind offen- bar direkte Vorläufer des Musik- theaters. 
Sie erzählen Geschichten, ja, es gibt sogar einen Erzähler, doch statt Arien erklingen dann Madrigale. Diese freilich haben es in sich; sollten die Mönche sie gesungen haben, dann waren sie nicht nur höchst geübte Sänger, sondern sie dürften dabei auch eine Menge Spaß gehabt haben. Denn Banchieris Madrigale sind musikalische Kostbarkeiten ganz besonderer Art. Diese urkomischen Kabinett- stückchen fordern von den Sängern Charakterisierungskunst und beständige Registerwechsel. Die Voraussetzung dafür ist eine virtuose Gesangstechnik sowohl mit Brust- als auch mit Kopfstimme. 
Die vorliegende Aufnahme fasst zwei weniger bekannte Werke zusammen - Il studio dilettevole, besser bekannt als Il Terzo Libro delle Canzonette a tre voci, und Il metamorfosi musicale, Quarto Libro delle Canzonette a tre voci, aus den Jahren 1600 bzw. 1601. Die Musiker des Ensembles Delitiae Musicae unter Leitung von Marco Longhini zelebrieren diese köstlichen Scherze mit Hingabe. 
Sie können sich das auch leisten, denn die Sänger - Alessandro Car- mignani, Paolo Costa und Marcello Vargetto - sind wirklich brillant. Sie fisteln, näseln, brummen und tönen, wie es gerade passt, und zeigen dabei eine geradezu ansteckende Musizierlust. So wird auch der Zuhörer diese CD genießen. Denn bei aller Theatralik und allem Klamauk - in erster Linie hat Banchieri wundervolle Musik kompo- niert. Und diese wird hier höchst solide vorgetragen. Bravi! 

Montag, 25. Oktober 2010

Gesualdo: Madrigals Book 1 (Naxos)

Die Madrigale von Carlo Gesualdo sind nicht nur aufgrund ihrer kühnen musikalischen Gestaltung eine Legende. Ihr Schöpfer, Don Carlo, war Fürst zu Venosa, und er wurde in erster Linie durch ein brutales Verbrechen berühmt - durch den Mord an seiner ersten Ehefrau Maria d'Avalos, deren Liebhaber und wohl auch einem Kind. 
Vier Jahre später veröffentlichte er Il Primo Libro de'Madrigali, seine erste Sammlung mit Madri- galen. Sechs weitere folgten; im Alter wandte sich der Fürst jedoch auch in seinen Kompositionen zunehmend der Religion zu. Davon freilich ist in seinen frühen Werken wenig zu spüren. Sie preisen die Liebe in allen Variationen, die die Dichtkunst der damaligen Zeit dafür erfunden hatte - und mit jener eigentümlichen Melodik und Harmonik, die seine Werke so unverwechselbar macht.
Das Ensemble Delitiae Musicae, geleitet von Marco Longhini, hat für das Label Naxos die fünfstimmigen Madrigale nach dem Urtext ein- gespielt. Dabei werden alle Stimmen von Männern gesungen - die einzige Frau in diesem Ensemble sitzt am Cembalo. In ihrer Perfektion und ihrem Timbre erinnert diese Aufnahme sehr an das Hilliard Ensemble, das vor vielen Jahren jenes Werk vorgestellt hat, mit dem Gesualdo verstummte: Die Tenebrae, Musik zum Karfreitag.