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Mittwoch, 14. November 2018

"Habet Acht!" Songs for Male Voices by Robert Schumann & Albert Lortzing (MDG)

Nicht nur der Gesang, sondern auch politische Debatten prägten einst die Zusammenkünfte von Männer- chören. Kein Wunder, dass solche Gesangsvereine im 19. Jahrhundert, im Gefolge der 1848er Revolution, in ganz Deutschland eine Blütezeit erlebten. Politische Diskussionen führen die Herren der Neuen Detmolder Liedertafel wohl nicht mehr – aber ansonsten pflegen sie die Traditionen der singenden Bürger mit großer Sorgfalt. 
Das lohnt sich, wie diese beiden CD zeigen. Denn die gern belächelten Männergesangsvereine hatten durchaus auch einen hohen musikalischen Anspruch. Namhafte Komponisten schufen Lieder speziell für Männer- stimmen – und die Chorsätze sind oftmals alles andere als einfach, wie man rasch feststellen wird, wenn man versucht, sie heute nachzusingen. 
Die Sänger der Neuen Detmolder Liedertafel, durchweg Profis, präsentieren auf zwei CD gekonnt eine Auswahl aus dem ganz enormen Liederschatz, der da seiner Wiederentdeckung harrt. So erklingen auf CD1 Werke von Albert Lortzing, und auf CD2 Kompositionen von Robert Schumann, wobei einige der Gesänge sogar gemeinsam mit den Detmolder Hornisten vorgetragen werden. Sehr hörenswert! 

Donnerstag, 19. Januar 2017

Rügheimer Jagdmusik (MDG)

Zum 80. Geburtstag gratuliert MDG seinem Künstler und Freund Michael Höltzel mit einer Wiederveröffent- lichung der Rügheimer Jagdmusik. Das ist möglicherweise das schönste Geschenk, um einen derart vielseiti- gen Musiker zu ehren, der nicht zuletzt viele Jahre lang an der Hochschule für Musik Detmold als Professor gelehrt und Generationen von Hornisten ausgebildet hat. Mehr als 80 seiner ehemaligen Schüler reisten übrigens im Oktober 2016 aus aller Welt an, um in einem Festkon- zert gemeinsam mit ihrem früheren Lehrer noch einmal die Hubertusmesse sowie das Rügheimer Requiem zu spielen – wie einst, in der Stadtkirche zu Horn, unweit von Detmold. 
Über das Horn kam Höltzel einst zur Jagd: In den 60er Jahren, als er noch Solohornist der Bamberger Symphoniker war, verhalf er dem Kronacher Jagdhorn-Corps mehrfach zu Meisterehren. Höltzel begeisterte sich aber nicht nur für die Jagdmusik; er wurde auch selbst zum passionierten Jäger. 
Und so ließ er es sich auch nicht nehmen, mit den von ihm gegründeten und geleiteten Detmolder Hornisten alljährlich am St. Hubertustag zu musizieren. Dieses Ensemble verwendet nicht nur das übliche Ventilhorn, es ist auch für sein makelloses Spiel auf dem Parforcehorn weithin berühmt. 
Speziell für „seine“ Detmolder Hornisten komponierte Höltzel auch die drei Werke, die auf dieser CD zu hören sind. Den Anlass dafür bot eine tradi- tionsreiche Schleppjagd, zu der sich alljährlich im Jagdhof „Hohe Pfalz“ im unterfränkischen Rügheim eine Woche lang nicht nur etliche Meuten, sondern auch zahlreiche Reiter versammelten. Und so entstanden die „Hohe Pfalz“-Fanfare, festlich und sehr virtuos, der St. Georgs-Hymnus, eine Reitermesse, und das bewegende Rügheimer Requiem, wohl das einzige für Parforcehörner geschriebene Werk dieser Art. Besonderes letzteres steckt voller Zitate und Anspielungen. So wird im Agnus Dei der amerikanische Zapfenstreich durch das Große Halali abgelöst, das wiederum im Glockengeläut verklingt. In den Glockenklang mischt sich das Christe, du Lamm Gottes; das letzte Wort haben dann wieder die Glocken. Zu erleben ist auf dieser CD eine Einspielung aus dem Jahre 1983. 

Montag, 18. April 2011

Dauprat: Grand Sextuor (MDG)

Louis François Dauprat (1781 bis 1868) war ein berühmter fran- zösischer Hornist, und er war Professor für Horn am damals schon renommierten Conserva- toire de Paris. Er muss schon in jungen Jahren ein exzellenter Instrumentalist gewesen sein; als Absolvent der 1795 von Joseph Kenn eingerichteten Hornklasse am Conservatoire gewann er 1798 den erstmals ausgesetzten Premier Prix - ein Inventionshorn aus der da- mals führenden Werkstatt von Lucien Joseph Raoux. Das Instrument wird heute im Museum der Musikhochschule gezeigt, wo es zu den Glanzpunkten der Ausstellung gehört.
Auf eine Laufbahn als Virtuose hatte Dauprat, der als seriös und be- scheiden beschrieben wird, wenig Lust. Dennoch wurde er Nachfolger seines Lehrers Kenn im Pariser Opernorchester sowie am Conserva- toire, sowie Erster Hornist in den Königlichen und Kaiserlichen Hofkapellen und ständiger Solist der Kammermusik von König Louis Philippe.
Dauprat - im Fach Komposition ein Schüler von Anton Reicha - schuf zahlreiche Werke für sein Instrument; aber wohl ausschließlich zu Ausbildungszwecken für seine Schüler. Das Große Sextett in C-Dur ragt aus der Masse der typischen Unterrichtsliteratur aber gleich mehrfach heraus - zum einen natürlich durch seinen Umfang, mit gut 40 Minuten Spieldauer dürfte es jede Unterrichtsstunde sprengen. Zum anderen aber sind die Anforderungen an die sechs Hornisten, die dieses abwechslungsreiche und schön klingende Stück spiele wollen, ganz enorm. Wenn man bedenkt, dass zu Dauprats Zeiten ausschließ- lich Naturhörner geblasen wurden, dann scheint der Professor sein Grand Sextuor wohl eher geschaffen zu haben, um im Kreise seiner Meisterschüler so recht nach Herzenslust der Kunst des Hornblasens auf höchstem Niveau zu frönen. 
Die Detmolder Hornisten, ein Ensemble der Hochschule für Musik Detmold, die dieses Werk 1982 unter der Leitung des damaligen Horn-Professors Michael Höltzel eingespielt haben, beherrschen das heikle Instrument so virtuos, dass all die schwierigen Passagen so locker klingen, als spielte man rein zum Vergnügen. Da ist kein schlechter Ansatz zu hören, und kein einziger unreiner Ton. Dauprat hätte diese Aufnahme ganz sicher gefallen - und wer den Klang des Horns liebt, der wird begeistert sein.