Orgelmusik zum Sonntag! Erfreut hat mich gestern eine CD mit Orgelmusik von Matthias Weckmann, die Hilger Kespohl für das audiophile Label Musikproduktion Dabringhaus und Grimm eingespielt hat. Dies war zugleich die erste Aufnahme der Orgel von Arp Schnitger in der Kirche St. Pankratius zu Hamburg-Neuenfelde nach der denkmalgerechten Restaurierung.
Montag, 24. Januar 2022
Matthias Weckmann: Organ Music (MDG)
Orgelmusik zum Sonntag! Erfreut hat mich gestern eine CD mit Orgelmusik von Matthias Weckmann, die Hilger Kespohl für das audiophile Label Musikproduktion Dabringhaus und Grimm eingespielt hat. Dies war zugleich die erste Aufnahme der Orgel von Arp Schnitger in der Kirche St. Pankratius zu Hamburg-Neuenfelde nach der denkmalgerechten Restaurierung.
Samstag, 8. Januar 2022
Anton Diabelli: Works for Flute and Guitar (MDG)
Anton Diabelli (1781 bis 1858) ist durch Beethovens Diabelli-Variationen vielen Musikfreunden zumindest dem Namen nach bekannt. Doch der umtriebige Verleger, der es immerhin bis zum k.u.k. Hofmusikalienhändler brachte, war auch ein begnadeter Arrangeur und Komponist.
Freitag, 31. Dezember 2021
Heinrich Scheidemann: Organ Musik (MDG)
Die Orgel der Barockkirche St. Pankratius in Neuenfelde ist ein ganz besonderes Instrument. Errichtet wurde sie 1688 von Arp Schnitger.
Der Orgelbauer hatte eine enge Beziehung zu Neuenfelde; seine Frau stammte aus der Gemeinde, und Schnitger erwarb 1693 den Hof seines Schwiegervaters. In späteren Jahren wohnte er dort, und er liegt in St. Pankratius auch begraben.
Es ist seine größte zweimanualige Orgel, mit 34 Registern in Rückpositiv, Oberwerk und Pedal. Außerdem ist sie durch den Meister vollständig neu angefertigt worden; das vorhandene Instrument von Hans Christoph Fritzsche aus den Jahren 1672/73, das für das 1682 neu errichtete Gotteshaus offenbar zu klein war, wurde durch Schnitger seinerzeit in eine andere Kirche nach Stade umgesetzt.
Im 19. Jahrhundert wurde die Arp-Schnitger-Orgel durch Umbauten erheblich verändert. Im Zuge der Orgelbewegung und auch danach gab es diverse Versuche, das Instrument wieder zu instand zu setzen. Weil das Ergebnis nicht überzeugte, veranlasste Organist Hilger Kespohl schließlich eine umfassende Restaurierung. Sie wurde in den Jahren 2015 bis 2017 durch die Orgelwerkstatt Kristian Wegscheider ausgeführt – und dabei ist nach denkmalpflegerischen Grundsätzen der Zustand von 1688 weitgehend wieder hergestellt worden.
Für seine zweite Einspielung an diesem herrlichen Instrument hat Hilger Kespohl ein Programm mit Werken von Heinrich Scheidemann (ca. 1596 bis 1663) zusammengestellt. Es umfasst sowohl Beispiele für Motettenkolorierungen des Hamburgers, als auch elegante Stücke nach weltlichen Vorlagen, die wohl eher im häuslichen Umfeld erklungen sind, sowie Choralbearbeitungen, wie Scheidemanns berühmte Choralfantasie Ein feste Burg ist unser Gott.
Kespohl musiziert wunderbar, und auch die technische Qualität der Aufnahme gilt es an dieser Stelle zu rühmen. Man hat wirklich den Eindruck, im Kirchenraum zu sitzen. Grandios!
Sonntag, 19. September 2021
Bach: Dritter Theil der Clavier Übung (MDG)
Die große Orgel in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen gehörte einst zu den beeindruckenden Erbstücken des hanseatischen Orgelbarock. Ein Instrument gab es dort wohl bereits um 1400; über Jahrhunderte haben Organisten wie David und Heinrich Scheidemann oder Jan Adam Reincken immer wieder Umbauten und Erweiterungen veranlasst. Bereits Hans Scherer d.J., der 1605/06 ein neues Gehäuse mit Hamburger Prospekt anfertigte, hat Pfeifenbestände seiner Vorgänger übernommen und erweitert. Ab 1631 ergänzte Gottfried Fritzsche ein Brustwerk und jeweils ein Register im Pedal und im Hauptwerk; dessen Schüler Friedrich Stellwagen zeichnete in den Jahren 1644 bis 1647 für einen Umbau verantwortlich, und unter Reincken fügte Friedrich Besser ab 1671 unter anderem die Pedalregister Groß-Posaune und Principal 32‘ hinzu.
An diesem Instrument hat Johann Sebastian Bach 1720 musiziert, als er sich um die Organistenstelle an St. Jacobi bewarb. Er zeigte sich begeistert von der „Schönheit und Verschiedenheit des Klanges“ der 16 (!) Zungenregister „dieses in allen Stücken vortrefflichen Werkes“, und er spielte mehr als zwei Stunden. Auch die Zuhörer waren sehr beeindruckt: „Ich dachte, diese Kunst wäre ausgestorben, ich sehe aber, dass sie in Ihnen noch lebet“, soll der betagte und von Bach verehrte Reincken nach dem Probespiel gesagt haben.
Dennoch bewarb sich der Thüringer damals vergebens. Die Stelle erhielt ein Kollege, der bereit war, dafür eine Spende von 4.000 Mark – seinerzeit eine immense Summe – aufzuwenden. Bach wurde später Thomaskantor, und noch später schrieb er die Orgelchoräle, die auf dieser CD zu hören sind. Doch noch einmal zurück zur Geschichte der Orgel in St. Katharinen. Denn dieses Instrument, mittlerweile eine Großorgel, wurde auch in den darauffolgenden Jahrhunderten immer wieder verändert. 1943 veranlasste schließlich der Organist Friedrich Brinkmann, dass 17 Register demontiert und im Kellergewölbe von St. Michaelis eingelagert wurden.
Bei einem Luftangriff wenig später, am 30. Juli 1943, wurden Kirche und Orgel zerstört. Nach dem Wiederaufbau errichtete die Firma Kemper in den Jahren 1960 bis 62 eine neue Orgel. Sie wurde aber zunehmend als unbefriedigend empfunden, und schließlich 2007 an eine polnische Gemeinde verkauft – mit Ausnahme jener Pfeifen, die einst Bestandteil der historischen Orgel waren.
Sie wurden zum Schlüsselmaterial für einen rekonstruktiven Neubau, der auf der Grundlage aller Informationen erfolgte, die man über das Instrument im Jahre 1720 hatte. Die „Orgel für Bach“ wurde in den Jahren 2007 bis 2013 durch die Orgelbaufirma Flentrop (Zaandam/Niederlande) errichtet. Der Initiator dieses Projektes, Andreas Fischer, Kantor und Organist an St. Katharinen, hat nun Bachs exemplarischen Zyklus von Orgelchorälen an diesem Instrument eingespielt: Der berühmte Dritte Theil der Clavier Übung – 21 Choralvorspiele, quasi eingerahmt zwischen einem großen Präludium und einer ebenso gewichtigen Tripelfuge. In dieser Kollektion zeigt Bach an repräsentativen Beispielen die vielfältigen Möglichkeiten der Choralbearbeitung.
Fischers Interpretation ist exzellent, und die Aufnahme macht zudem deutlich, dass die Flentrop-Orgel mit ihren vielfältigen Klangfarben und der norddeutschen Wucht ihrer Pedalregister bestens zu Bachs Musik passt. Zu loben ist außerdem, dass die Aufnahme einen ausgezeichneten akustischen Eindruck vom Kirchenraum vermittelt. Eine grandiose Einspielung, vom ersten bis zum letzten Ton rundum gelungen. Unbedingte Empfehlung!
Montag, 6. September 2021
Bach: Goldberg Variations (MDG)
Das Berlage Saxophone Quartet spielt Bachs Goldberg-Variationen. Für seine Kollegen vom Berlage Saxophone Quartet hat Peter Vigh Bachs grandioses Werk vollkommen neu instrumentiert, und dabei höchst interessante Klangfarben zum Vorschein gebracht.
Anders als etwa ein Streichquartett, dessen Besetzung quasi unveränderlich feststeht, nutzen die Saxophonisten jeweils unterschiedliche Instrumente – zehn sind es insgesamt. Lars Niederstrasser, Peter Vigh, Juani Palop und Eva van Grinsven haben sich für dieses Aufnahmeprojekt zudem unter Anleitung durch den Barockspezialisten Walter van Hauwe intensiv mit der historischen Musizierpraxis auseinandergesetzt.
Im Ergebnis haben die Saxophonisten einen sehr individuellen Zugang zu Bachs Komposition gefunden: Fast entrückt wirkt die Aria, mit der der Zyklus beginnt. Jede Variatio erhält dann einen ganz eigenen Charakter. Das Berlage Saxophone Quartet überrascht mit einer großen Klarheit. Es ist, als hätte man die Goldberg-Variationen noch nie gehört; man sitzt förmlich auf der Stuhlkante, bis dann die Aria abschließend erneut erklingt. Unbedingt anhören, höchst spannend!
Montag, 12. Juli 2021
Rinck: Chamber Music (MDG)
Es muss nicht immer Beethoven sein: Auch Johann Christian Heinrich Rinck (1770 bis 1846) gehörte im vergangenen Jahr zu den Jubilaren. Dieser Name freilich wird heute kaum noch jemandem etwas sagen. Chorsängern wird vielleicht das Lied Abend wird es wieder einfallen, das Rinck nach einem Text Hoffmann von Fallerslebens geschrieben hat. Organisten kennen möglicherweise seine sechsbändige Praktische Orgelschule op. 55, die weltweit verbreitet und sehr populär war.
Das Trio Parnassus hat sich nun Rincks Kammermusik zugewandt, und die erste CD, die bei Dabringhaus und Grimm veröffentlicht worden ist, macht deutlich, dass der Komponist aus gutem Grunde zu Lebzeiten hochgeschätzt war. Johann Christian Heinrich Rinck stammte aus dem thüringischen Elgersburg bei Ilmenau, und wurde 1786 in Erfurt Schüler von Johann Christian Kittel. 1790 trat er seine erste Anstellung an als Stadtorganist in Gießen; 1803 wurde er dort Universitätsmusikdirektor. 1805 wechselte er nach Darmstadt, wo er zunächst als Stadtorganist, Kantor und Musiklehrer am Gymnasium wirkte.
Schon bald wurde er zudem Mitglied der Hofkapelle, 1813 Hoforganist und 1817 Kammermusikus des Großherzogs Ludwig I. von Hessen-Darmstadt. Rinck galt als einer der bedeutenden Orgelvirtuosen seiner Zeit, und auch als Orgelsachverständiger und Komponist gehörte er zu den herausragenden Persönlichkeiten der Kirchenmusikgeschichte des 19. Jahrhunderts.
Als Enkelschüler von Johann Sebastian Bach verstand er sich selbstverständlich auf die Traditionen der barocken Polyphonie, und er verschmolz sie mit der Eleganz der Klassik und der Individualität der Frühromantik. Damit schuf er einen beeindruckenden persönlichen Stil – auch wenn er seine Werke bescheiden als Kompositionen „für meine Schüler“ ansah.
Das Trio Parnassus präsentiert nun Rincks Kammermusik. Die Stücke, die sehr unterschiedlich sind, werden von Julia Galić, Violine, Michael Groß, Violoncello und Johann Blanchard, Piano, elegant und stilsicher vorgestellt. Es sind nicht durchweg Triosonaten. So gibt es auf Volume 1 eine Sonate très facile für Violine und Piano. Volume 2 enthält auch ein Trio für Flöte, Violoncello und Klavier, was die Musiker gemeinsam mit der fabelhaften Helen Dabringhaus an der Flöte klangschön vortragen.
Die Aufnahmen, wie stets bei MDG auch von erstklassiger technischer Qualität, machen sehr neugierig auf jenes Repertoire, das von Musikhistorikern lange als „minderwertig“ aussortiert worden ist. Es ist immer wieder erfreulich, welche Trouvaillen zum Vorschein kommen, wenn engagierte Musiker sich nicht von Vorurteilen blenden lassen, sondern aufmerksam in die alten Noten schauen. Mehr davon, und: Bravi!
Samstag, 3. Juli 2021
Buxtehude: Early Organ Works (MDG)
Harald Vogel, Professor an der Hochschule für Künste Bremen, ist mit der norddeutschen Orgelmusik und auch mit der Orgellandschaft vertraut wie kaum ein anderer. Er hat zahlreiche Aufnahmen eingespielt, Orgelwerke wichtiger Komponisten ediert, als Orgelsachverständiger Kirchgemeinden bei der Erhaltung und Restaurierung ihrer Instrumente unterstützt, Neubauprojekte begleitet, und vieles mehr. Die Liste seiner Schüler ist lang und 2018 ehrte die Hansestadt Lübeck Harald Vogel mit dem Buxtehude-Preis – eine Auszeichnung mit Symbolkraft, denn in jenem Jahr jährt sich der Dienstantritt Dieterich Buxtehudes an der Lübecker Marienkirche zum 350. Male.
In der Tat hat sich Harald Vogel wie kein zweiter um das historische Orgelspiel und ganz speziell um das Werk Buxtehudes verdient gemacht. So hat er für MDG auf 17 historischen Orgeln eine Gesamtaufnahme der Kompositionen des großen norddeutschen Organisten eingespielt.
Die frühesten Überlieferungen der Orgelwerke Buxtehudes finden sich im Codex E. B., entstanden 1688 in Dresden. Diese Handschrift enthält sowohl Werke aus der italienisch-süddeutschen als auch der norddeutschen Orgeltradition. MDG fasste, passend zur Preisverleihung, seinerzeit sämtliche Buxtehude-Werke aus dem Codex auf einer CD zusammen. Dabei erklingt, als Rarität, die Ersteinspielung einer Sonate mit obligater Gambe, entstanden als Musik zur Kommunion. Sie wird von dem renommierten Gambisten Thomas Fritzsch gemeinsam mit Vogel gespielt.
Das eigentlich spannende aber an dieser Neuedition ist die Vielfalt der Orgeln: Nacheinander erklingen Instrumente, die Buxtehude selbst gespielt hat, wie die Orgeln in Torrlösa, Helsingör, Hamburg-St. Jacobi und Lübeck-St. Jacobi, sowie weitere Orgeln, die Buxtehude möglicherweise besucht hat, im Dom zu Roskilde sowie in Pilsum, Norden-St. Ludgeri und die rekonstruierte Orgel im Herrenhaus Damp. Zu erleben sind die unterschiedlichsten Stimmungen und Register. Damit vermittelt die CD einen Eindruck von der farbenreichen Klangwelt, in der sich Buxtehude einst bewegte. Hochinteressant!
Samstag, 22. Mai 2021
Bill Evans On The Organ (MDG)
Lässt sich Musik eines Jazzpianisten auch auf der Orgel spielen? David Schollmeyer, Kantor und Organist an der Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche in Bremerhaven, stellt mit der vorliegenden Aufnahme unter Beweis, dass es mitunter funktioniert – und, wenn es um Stücke von Bill Evans geht, sogar ganz ausgezeichnet.
Für seine Einspielung hat Schollmeyer Musik aus allen Schaffensphasen des legendären Jazzpianisten ausgewählt, darunter auch fünf Jazz-Walzer. Er bringt zudem das Kunststück fertig, mit diesem Programm zugleich ein beeindruckendes Porträt der Beckerath-Orgel zu verbinden – ein echter audiophiler Ohrenschmaus für jazzferne Orgelfreunde ebenso wie für orgelferne Jazzfreunde, wirbt das Label Dabringhaus und Grimm.
Dieser Einschätzung kann ich mich an dieser Stelle anschließen. Denn auch die technische Qualität der Aufnahme von Werner Dabringhaus und Reimund Grimm sowie Tonmeister Holger Schlegel ist einmal mehr berückend; die Super Audio CD vermittelt tatsächlich den Eindruck, dass man sich in der Kirche befindet. Faszinierend! Das wollte ich an dieser Stelle noch ganz besonders hervorheben. Rundum gelungen.
Sonntag, 24. Januar 2021
Berlin! Organ Works by Berlin Composers (MDG)
Wenn es um Orgelmusik von Berliner Komponisten des 19. Jahrhunderts geht, dann ist Andreas Sieling ohne Zweifel Experte. Der Kirchenmusiker schrieb seine Promotion über August Wilhelm Bach (1796 bis 1869), der einst an der Berliner Marienkirche wirkte, Orgellehrer von Felix Mendelssohn Bartholdy war, und kein Angehöriger der berühmten Musikerfamilie.
Für diese CD hat er allerdings Werke von anderen Berliner Organisten ausgewählt – eingebettet in drei Präludien und Fugen op. 37 von Felix Mendelssohn Bartholdy erklingen Kompositionen von Otto Dienel (1839 bis 1905), Franz Wagner (1870 bis 1929), August Haupt (1810 bis 1891) sowie Philipp Rüfer (1844 bis 1919).
Es sind einige Raritäten darunter, wie die Konzertfuge des Orgelvirtuosen August Haupt, die bisher noch gar nicht in einer Aufnahme vorlag. Auch die Orgelsonate in g-Moll op. 16 von Philipp Rüfer erklingt in Weltersteinspielung.
Sieling ist seit 2005 Domorganist in der Hauptstadt, und am Berliner Dom steht ihm mit der großen Orgel von Wilhelm Sauer, die 1905 mit dem Gebäude eingeweiht worden ist, das perfekte Instrument für diese Musik zur Verfügung. Seinerzeit war diese Orgel mit 7.269 Pfeifen und 113 Registern, die sich auf vier Manuale und Pedal verteilen, die größte in Deutschland. Das spätromantische Instrument, errichtet damals als Bravourstück der modernsten technischen und musikalischen Möglichkeiten der deutschen Orgelbaukunst, folgt dem Orchesterklang als Klangideal. Die größte Orgel des bedeutenden Orgelbauers ist glücklicherweise trotz aller Bombenschäden am Gebäude so gut erhalten geblieben, dass sie restauriert und dabei wieder in den Originalzustand gebracht werden konnte.
Seit 1993 ist sie wieder spielbar, und Sieling verdeutlicht mit dieser Einspielung, welch überwältigende Nuancen und welche Vielfalt an Farben das Instrument ermöglicht. Für jedes der höchst unterschiedlichen Werke findet er den passenden Klang, und die Aufnahme erfasst zudem die Akustik des Doms so prägnant, dass man meint, im Kirchengestühl zu sitzen. Auf die Spitze getrieben wird dies bei der Zugabe – dabei sind die Türen geöffnet, und die Geräusche der Stadt mischen sich mit der Musik. Keine Frage: Das ist Berlin!
Samstag, 16. Januar 2021
Wilms: Sonatas for piano and flute op. 15 (MDG)
Jan Wellem Wilms gewann 1816 den Wettbewerb, mit dem eine Nationalhymne für das neu gegründete Königreich der Niederlande gesucht wurde. Er gilt als der bedeutendste niederländische Komponist seiner Zeit – doch eigentlich stammte er aus Deutschland: Johann Wilhelm Wilms (1772 bis 1847) kam im Bergischen Land zur Welt, und seine Ausbildung begann er bei seinem Vater, der als Lehrer auch Orgel spielte.
Eigentlich sollte er Pfarrer werden, aber darauf hatte der junge Mann offenbar wenig Lust; 1791 reiste er nach Amsterdam – und dort blieb er dann, musizierte, unterrichtete Flöten- und Klavierschüler, und nahm auch selbst Unterricht. Innerhalb weniger Jahre konnte er sich im europäischen Musikleben etablieren; so wurden seine Werke unter anderem in Leipzig aufgeführt und von den dortigen Verlegern publiziert.
Auf dieser CD präsentieren Helen Dabringhaus und Sebastian Berakdar in Weltersteinspielung Wilms‘ Flötensonaten op. 15. Hört man diese eleganten Musikstücke, wird man bedauern, dass jener das Komponieren nur als Nebenbeschäftigung betrieben hat. Die Aufnahmen sind auch technisch exquisit, und Flötistin Helen Dabringhaus lässt im Dialog mit Sebastian Berakdar diese kleinen Juwelen des Repertoires so recht funkeln und strahlen.
Wilms hat es verstanden, den Klang der Flöte – ein Instrument, das seinerzeit technisch noch unausgereift war und deshalb von etlichen Komponisten ignoriert wurde – neben dem Klavier bestens zur Geltung zu bringen. Es ist auch deshalb erstaunlich, wie derart attraktive Werke so lange unbeachtet bleiben konnten.
Dienstag, 31. März 2020
Mozart: Early String Quartets (MDG)
Damit komplettierte das Ensemble seine zu Recht hochgelobte Gesamt- aufnahme der Streichquartette des Komponisten. Parallel dazu arbeitet das Leipziger Streichquartett noch an einem weiteren bedeutenden Projekt zur Wiener Klassik – die Musiker aus der Messestadt spielen bei MDG auch alle Streichquartette von Joseph Haydn ein.
Als der junge Mozart 1770 sein erstes „Quatro“ schrieb, war die Gattung noch jung und erstaunlich flexibel. Besetzung, Satzfolge, formale Anlage – die Abgrenzung zu ähnlichen Werken, wie Serenaden und Divertimenti, beschäftigte wohl mehr die Musikwissenschaft in späteren Jahrhunderten als jene Komponisten, die das Quartett damals erprobten und weiterentwickelten.
Salzburg freilich scheint für solche Experimente nicht gerade eine Quelle der Inspiration gewesen zu sein: Entstanden sind Mozarts frühe Streichquartette durchweg auf Reisen. Bei seiner ersten Italienreise schrieb der 14jährige KV 80. Die Quartette KV 155 bis 160, von der zweiten Italienreise 1772/73, sind heute als „Mailänder Quartette“ bekannt. Und die Quartette KV 168 bis 173 schrieb Mozart während eines Aufenthaltes von Juni bis September 1773 in Wien.
Das Leipziger Streichquartett zeigt mit dieser Einspielung, mit welcher Innovationsfreude Mozart das neue Genre und seine Möglichkeiten erkundete. Und auch wenn diese Stücke ein wenig im Schatten der berühmten „großen“ Quartette stehen, zeigen sich hier doch bereits der enorme Einfallsreichtum und die herrlichen Melodien, mit denen sich der Komponist auf Dauer einen Platz im musikalischen Olymp gesichert hat.
Das grandiose Leipziger Streichquartett musiziert perfekt aufeinander abgestimmt. Das wird besonders dort deutlich, wo sich die Stimmen Motive wie Bälle zuwerfen, wo ein Spieler die Phrase eines anderen aufnimmt und fortsetzt. Alles wirkt sehr sorgfältig durchgearbeitet, sehr kultiviert – und der warme, harmonische Streicherklang der Leipziger ist ebenfalls ein Ereignis. Überwältigend.
Donnerstag, 27. Februar 2020
Guillou: Organ Works Vol. 1 (MDG)
Jean Victor Arthur Guillou stammt aus Angers. Dort übernahm er schon als Teenager Organistendienste; von 1945 bis 1954 studierte er dann am Conservatoire in Paris. Zu seinen Lehrern gehörten unter anderem Maurice Duruflé, Marcel Dupré und Olivier Messiaen. Anschließend unterrichtete Guillou in Lissabon, doch diese Stelle gab er 1958 auf und zog zur Behandlung einer Lungenerkrankung nach Berlin um. In diesen Jahren komponierte er, lernte die deutschen Orgeln kennen und spielte auch seine ersten Aufnahmen ein.
1963 wurde er als Nachfolger von André Marchal Titularorganist an Saint-Eustache in Paris. Die Orgel, die sich heute dort befindet, wurde in den 80er Jahren nach seinen Vorstellungen durch die niederländische Firma Van den Heuvel erbaut. Guillou hat aber immer auch als Konzertorganist musiziert, Studierende unterrichtet, außerdem Konzepte für etliche Orgeln entwickelt und natürlich eigene Werke komponiert. Er war ein Orgelvirtuose von Format, und ein begnadeter Improvisator.
Und er kannte keinen Ruhestand. Seinen Dienst an Saint-Eustache versah er bis zur Karwoche 2015. Am 18. April 2018 schenkte er sich ein Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie quasi zum Geburtstag; zum letzten Male musizierte er öffentlich in München im Oktober 2018. Jean Guillou starb am 26. Januar 2019 in Paris.
Diese Aufnahme, eingespielt im Mai 2018 an der klangmächtigen Stahlhut/Jann Orgel von St. Martin, Dudelange/Luxemburg, hat er noch selbst mit betreut. Zuzana Ferjenčíková ist seine Schülerin; sie hat das Gesamtwerk des großen französischen Organisten ihm zu Ehren bereits 2013 in Saint-Eustache in einer Konzertreihe interpretiert.
Für die erste CD der neuen Gesamteinspielung hat sie neben den Bildern einer Ausstellung noch drei weitere Werke von Jean Guillou ausgewählt: Zu Beginn erklingt die Fantaisie op.1 aus dem Jahre 1954, vom Komponisten seinem Lehrer Marcel Dupré gewidmet. Säya, ou L´Oiseau bleu op. 50 entstand aus einer Improvisation, die Guillou 1992 bei einem Konzert in Korea spielte. Hymnus op. 72 komplettiert das Programm.
Neben der enormen musikalischen Qualität ist an dieser Stelle unbedingt auch die fabelhafte technische Qualität dieser Aufnahme zu erwähnen. Einmal mehr ist es dem audiophilen Label Dabringhaus und Grimm gelungen, Orgelmusik so aufzuzeichnen, dass man einen ausgezeichneten Klang- und Raumeindruck erhält. Chapeau!
Freitag, 31. Januar 2020
The Young Beethoven (MDG)
Das hatte seinen Grund darin, dass die Traversflöte, seit Quantz‘ Tagen unverändert geblieben, für die modernen Orchester und Konzertsäle jener Zeit, die immer größer wurden, zu leise war und darüber hinaus klanglich unausgewogen. Erst nach der Weiterentwicklung des Instrumentes durch Theobald Böhm (1794 bis 1881), der diese Mängel beseitigte, wurde die Querflöte auch wieder ein attraktives Konzertinstrument.
Doch zu Lebzeiten Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) wurde es in erster Linie von Liebhabern gespielt – auch einige seiner Freunde schätzten die Flöte. Und so komponierte Beethoven, vor seinem Abschied aus Bonn 1792, für den Notar Johann Martin Degenhart ein ebenso heiteres wie virtuoses Flötenduo.
Helen Dabringhaus spielt dieses Werk gemeinsam mit ihrem einstigen Lehrer Vukan Milin, Soloflötist des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover. Und auch sonst fand sich in Beethovens Schaffen doch noch einiges an Flötenmusik, was durchaus Qualität hat, wie man beim Anhören dieser CD feststellen wird. Neben zwei Sonaten, die für eine Aufführung mit der Flöte von unbekannter Hand mehr oder minder stark bearbeitet wurden, erklingt insbesondere eine Serenade in D-Dur für Flöte, Viola und Violine, 1802 in Wien erschienen und im Jahr darauf in einer Bearbeitung für Flöte und Klavier noch einmal publiziert. Dieses gelungene Arrangement hat Beethoven zwar nicht selbst erstellt, aber doch „durchgesehen und stellenweise ganz verbessert“, wie er dann an den Verleger schrieb. So fand es dann als op. 42 auch Aufnahme ins Werkverzeichnis.
Die Zugabe erklingt kurioserweise im Programm an zweiter Stelle; eher als ein Echo aus romantischer Zeit erscheint der einzelne langsame Satz aus Beethovens erstem Klavierkonzert in C-Dur op. 15, den Theobald Boehm einst effektvoll für Flöte und Klavier arrangiert hat.
Dabei musiziert Helen Dabringhaus im Duo FlautoPiano mit Fil Liotis. Die junge Flötistin spielt faszinierend; ihr Flötenton ist wunderbar rund, sehr präsent und wandlungsfähig. jede Phrasierung ist klug gewählt, und jede noch so feine Nuance mit Bedacht platziert. Auch ihr Klavierbegleiter ist exzellent – insgesamt erscheint diese CD, mit Blick auf den jungen Beethoven, als ein ebenso gelungener wie überraschender Auftakt zum Beethovenjahr 2020. Bravi!
Dienstag, 31. Dezember 2019
Clara Schumann and her Family (MDG)
Clara Schumann (1819 bis 1896) war eine Ausnahmekünstlerin, die sich nicht so recht in das biedermeierliche Bild von Familie einfügen lässt. Denn mit ihrem Klavierspiel ernährte sie ihre Familie, den komponierenden Gatten Robert oftmals inklusive – Konzertreisen also statt Kinder, Küche, Kirche. Und zunehmend wird auch ihr eigenes Schaffen geschätzt.
Diese CD, entstanden anlässlich des 100. Todestages von Clara Schumann 1996, gilt dennoch dem familiären Umkreis der Musikerin. Denn dort gibt es noch immer einiges zu entdecken; Ira Maria Witoschynskyj hat das Programm dafür gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Joachim Draheim mit großer Sorgfalt vorbereitet und begeistert fast durchweg mit Ersteinspielungen.
Die Werke von Robert und Clara Schumann, Johannes Brahms und Claras Halbbruder Woldemar Bargiel (1828 bis 1897) ergeben ein ungemein erhellendes Bild ihrer kompositorischen Kompetenz und der künstlerischen Atmosphäre im engsten Kreis ihrer Familie. Clara Schumann tritt uns darin nicht nur als Virtuosin, Komponistin, Arrangeurin und als Assistentin Robert Schumanns, sondern auch als Widmungsempfängerin, Schwester, Freundin, Ehefrau und Mutter entgegen. Hinreißend, voller Überraschungen, und obendrein exquisit gespielt. Brava!
Montag, 16. Dezember 2019
Cantate Domino (MDG)
Damit schafft das Ensemble zugleich die Verbindung von Salzburg nach Leipzig. Denn Mozart kam 1789 auf einer Reise in die Messestadt. Dort hörte er eine Probe der Thomaner, und fragte nach, von wem denn diese unglaubliche Musik sei. Daraufhin legte man ihm die Noten der Bach-Motette vor. Was Mozart dann von Bach gelernt hat, das zeigt sein Rätselkanon. Er ist immerhin neunstimmig (!) – und wird auf dieser CD ganz in Bachs Sinn interpretiert.
Auch sonst zeigt sich das Ensemble BachWerkVokal rundum versiert; staunend stellt man beim Blick ins Beiheft fest, wie schlank und flexibel besetzt die jungen Musiker agieren. Jeder ist hier ein Solist. Und die Sängerinnen und Sänger formieren sich je nach Bedarf zu Chören. Auch die Instrumentalisten sind exzellent.
Sie lassen Harfe, Trompeten und Posaunen ertönen, das Meer brausen und die Wasserströme frohlocken. Gordon Safari versteht sich bestens darauf, sein Ensemble sprechend-vital und farbenreich musizieren zu lassen. Ganz erstaunlich, wie lebendig doch „Alte“ Musik sein kann! Unbedingt anhören, das ist eine der schönsten CD des Jahres.
Sonntag, 8. Dezember 2019
Weihnacht mit Johann Sebastian Bach (MDG)
Donnerstag, 20. Juni 2019
Rossini: Péchés de Vieillesse (MDG)
Die neuen Entwicklungen am Musiktheater interessierten den Kompo- nisten offenbar wenig; er hatte genug mit seiner angegriffenen Gesundheit zu kämpfen, und schrieb nie wieder eine Oper. In seinen letzten Lebensjahren, nach seiner Genesung, schuf er kaum noch Musik für die Öffentlichkeit. Doch er komponierte eine Vielzahl kleiner Stücke zum rein privaten Gebrauch, die er Péchés de vieillesse nannte, Sünden des Alters.
Ab 1855 wohnte Rossini gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Olympe Pélissier in Paris – und das Paar führte einen gefragten Salon. Tout-Paris traf sich dort zum musikalischen Samedi Soir, und bei dieser Gelegenheit erklangen auch die „Alterssünden“. Und davon gibt es nicht gerade wenige: Es sind immerhin 13 Notenbände mit Vokal-, Chor- und Kammermusik sowie über einhundert Klavierstücken, die der „pianiste de 4ème classe (sans rivauxs)“, so Rossini über Rossini, zu Papier brachte und auch den „Pianisten der vierten Klasse“ widmete.
Stefan Irmer hat sich diesem Repertoire zugewandt und die Klaviermusik aus den Péchés de vieillesse im Verlaufe mehrerer Jahre komplett auf acht CD eingespielt. Der Pianist präsentiert die „Morceaux Semicomique“ ebenso sorgsam wie hintergründig, mit Sinn für Ironie und Doppel- bödigkeiten sowie mit viel Humor und Elan.
Das Label Dabringhaus und Grimm hat nun sämtliche Aufnahmen dieser nur scheinbar leichtgewichtigen Werke in einer liebevoll gestalteten Box noch einmal zusammengefasst. Der Zuhörer erhält damit die Chance, einen gewichtigen Teil des Schaffens Rossinis kennenzulernen. Man erlebt den Komponisten als einen witzigen, engagierten, scharfsinnigen und auch hochpolitischen Kommentator jener Zeit. Grandios!
Sonntag, 26. Mai 2019
Vieuxtemps: Works for Viola and Piano (MDG)
Begeisterung löste der Geiger aus, wohin er auch kam – beim Publikum wie bei den Kollegen; in Kassel spielte er Louis Spohr vor, der ihn sehr lobte, und auch Paganini zeigte sich angetan. Schon als 20jähriger präsentierte Vieuxtemps in St. Petersburg mit großem Erfolg sein Violinkonzert Nr. 1. Sechs weitere folgten, dazu zahlreiche Werke für Violine und Klavier, Violine und Orchester oder Violine solo.
Doch die heimliche Liebe des Violinvirtuosen galt der Viola, für die er einige seiner schönsten Kompositionen schuf. Christian Euler und Paul Rivinius haben einige davon für diese CD ausgewählt. Die Sonate B-Dur op. 36 beispielsweise ist meiner Meinung nach eines der schönsten Werke dieser Gattung überhaupt. Und Euler zeigt, wie wundervoll das gesangliche Spiel, das so typisch für die französisch-belgische Violinschule ist, zur Bratsche passt.
Brillanz und Klangschönheit – in diesen Werken ist beides gefordert. Vieuxtemps hat generell sowohl den Bratschisten als auch den Pianisten mit dankbaren Partien bedacht; und so treten hier Euler und Rivinius oftmals in einen angeregten Dialog. Mit Leidenschaft und Sensibilität musizieren beide, und bringen so diese elegante Musik ausgezeichnet zur Geltung. Virtuosität und Kantilene sind hier bestens vereint. Unbedingt anhören, es lohnt sich!
Sonntag, 5. Mai 2019
Bizet: Piano Works (MDG)
Auf dieser CD präsentiert Johann Blanchard eine beeindruckende Raritätenauswahl, vom Grande Valse de concert bis zu den sechs Chants du Rhin und von Chasse Fantastique bis zu den Variations Chromatiques de Concert. Auch die Klavierfassung der L'Arlesienne-Suite Nr. 1 und zwei Nocturnes sind zu hören.
Und wie Blanchard diese Werke spielt, das lässt das Herz eines jeden Musikfreundes höher schlagen. Der Pianist musiziert auf dem von Dabringhaus und Grimm oft eingesetzten Steinway „Manfred Bürki“ aus dem Jahre 1901, und zeigt dabei so ganz nebenbei, was für ein zauber- haftes Instrument dieser Flügel ist. Was für Klänge! Eine hinreißend schöne Einspielung, die man immer wieder anhören möchte.
Dienstag, 30. April 2019
Bach: St Mark Passion (MDG)
Die Texte sind vor allem deshalb für uns heute so interessant, weil von Bachs Markus-Passion keine einzige Note auf uns gekommen ist. Weder die Partitur noch irgendeine Stimme war aufzuspüren. Bekannt ist allerdings, dass Bach etliche seiner Kompositionen mehrfach verwendete; das sogenannte Parodieverfahren wurde seinerzeit viel genutzt. Dabei erhielt eine Arie oder ein Chor einfach einen neuen Text – fertig!
Die Bach-Forschung hat daher akribisch geprüft, welche Werke des Komponisten zu Picanders Texten passen könnten. Und sie hat festgestellt, dass der Eingangs- und der Schlusschor sowie drei Arien wahrscheinlich in der Trauerode Lass, Fürstin, lass noch einen Strahl BWV 198 zu finden sind. Mit aufmerksamem Blick konnten so vier der acht Arien sowie die meisten Choräle identifiziert werden.
Es hat zudem etliche Versuche gegeben, die fehlenden Teile zu ergänzen – modern, historisierend oder unter Rückgriff auf originale Musik von Bach und seinen Zeitgenossen. Kirchenmusikdirektor Andreas Fischer, Kantor und Organist an der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg, legt auf dieser Doppel-CD nun seine Version vor. Dieser Fassung liegen durchweg und ausschließlich Kompositionen Bachs zugrunde, auch bei den Rezitativen.
Sie haben in diesem Passionsoratorium besonderes Gewicht, weil der Gang der Handlung nur selten durch Arien unterbrochen wird. Ähnlich bedeutend sind aber die Choralstrophen; sie beziehen die Gemeinde in das Heilsgeschehen quasi mit ein. Und es sind ziemlich viele – eine dankbare Aufgabe für die Hamburger Cantorey St. Catharinen.
Für sein Experiment konnte Andreas Fischer zudem das renommierte Ensemble Bell' arte Salzburg gewinnen, das von der Geigerin Annegret Siedel geleitet wird. Der Zuhörer darf sich darüber freuen; man lausche nur den Gambenpartien, die von den Musikern wirklich großartig gespielt werden. Und auch das Solistenquintett ist mit Katherina Müller, Jan Börner, Matthias Bleidorn, Manfred Bittner und Richard Logiewa überzeugend besetzt.
















