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Dienstag, 13. März 2018

#hornlikes (Genuin)

„Die Hörner sind los!“, warnt das Leipziger Label Genuin Classics. Nachdem sie bisher immer gemeinsam mit anderen Ensembles zu hören waren, haben die Musiker von German Hornsound nun zum ersten Mal eine CD eingespielt, auf der sie pur zu erleben sind. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn das Hornquartett hat dafür Lieblingsstücke seiner Mitglieder neu arrangiert. 
Das ermöglicht interessante Eindrücke – egal, ob Sebastian Schorr Händels populäre Arie Lascia ch'io pianga einmal auf dem Horn spielen möchte, Stephan Schottstädt die ebenso berühmte Englischhorn-Melodie der Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvořák erkundet, Christoph Eß die Trompetenklänge aus dem Finalsatz des zweiten Brandenburgischen Konzertes von Johann Sebastian Bach auf das Horn verlegt, oder Timo Steininger den Meditango von Astor Piazzolla. Jeder Musiker durfte drei Favoriten für diese CD auswählen. Und es gibt, von Händels Wassermusik bis zu Verdis Messa da Requiem und von Alessandro Marcellos Oboenkonzert bis hin zu Bruckners Chorälen, eigentlich kein einziges Werk, das nicht mindestens so schön klingt wie im Original, wenn es derart gekonnt durch vier Hörner vorgetragen wird. 
Und weil es so schön ist, hatte auch das Publikum drei #hornlikes frei. Es entschied sich für Melodien von Richard Wagner, Franz Schubert und Engelbert Humperdinck. Eigens für Tonmeister Michael Silberhorn, der „es gerne hat, wenn es mal ein bisschen schmettert“, erklingt dann zum Schluss noch ein Chor aus Carl Maria von Webers Freischütz. Hinreißend! 
Die Edel-Blechbläser von German Hornsound entlocken ihren Instrumen- ten ebenso farben- wie nuancenreiche Klänge. Sie demonstrieren, dass mit dem Horn gefühlvolle Melodielinien genauso selbstverständlich gestaltet werden können wie rhythmische Fundamente. Von ätherisch bis groovig sind alle Optionen möglich – Horn grandios! 

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Felix Klieser - Horn Trios (Berlin Classics)

Zu einer Reise in die Geschichte des Horntrios lädt Felix Klieser ein. Auf seinem neuesten und mittlerweile dritten Album hat der junge Hornist interessante Werke versammelt, die immerhin über einen Zeitraum von gut hundert Jahren entstanden sind. 
Im Mittelpunkt steht dabei das Horntrio op. 40 von Johannes Brahms (1833 bis 1897), ein bekanntes Werk, mit dem sich Klieser schon als Jungstudent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover beschäftigte – damals war er gerade einmal 13 Jahre alt. Und es gehört, wie der Hornist im Geleitwort zu der CD schreibt, noch immer zu seinen Lieblingsstücken. 
Eingerahmt wird Brahms' großartige Musik durch zwei Horntrios des französischen Komponisten Frédéric Nicolas Duvernoy (1765 bis 1838), der Hornist an der Pariser Oper war, sowie die Quatre petites pièces op. 32 des Fauré-Schülers Charles Koechlin (1867 bis 1950). Den Schlusspunkt setzt die Serenade op. 73 von Robert Kahn (1865 bis 1951). 
Für diese Einspielung hat sich Felix Klieser zwei erfahrene Partner gesucht: Geiger Andrej Bielow und Pianist Herbert Schuch. Die drei Musiker kennen sich schon viele Jahre, sie haben auch schon gemeinsam musiziert. Diese Vertrautheit kommt der Aufnahme zugute. Um Kammermusik angemessen zu gestalten, müssen sich alle Beteiligten einbringen, zugleich aber auch die Kollegen hervortreten und musikalisch zu Wort kommen lassen. 
Klieser und seinen Musizierpartnern gelingt dieses Wechselspiel bestens. Sein warmer, romantischer Hornton gesellt sich zum ebenfalls bemerkenswert farbenreichen Geigenspiel Bielows, und Herbert Schuch ergänzt den Klavierpart sensibel und nuancenreich. Ein faszinierendes Album voll herrlicher Klänge, und mit einem klugen Konzept. 

Sonntag, 4. Juni 2017

Salut à la forêt (Coviello Classics)

Eine Reise in die Geschichte des Horns unternimmt das Deutsche Horn Ensemble auf dieser CD. „Die Beschäftigung mit ,Alter Musik' und der historisch informierten Auffüh- rungspraxis bringt es automatisch mit sich, dass man immer wieder originalen, wirklich alten Instru- menten begegnet“, berichten die Musiker im Beiheft. „Schon allein die angeborene Neugier eines interes- sierten Musikers führt immer wieder zu Erlebnissen und Entdeckungen. Sei es, dass man die Gelegenheit findet, in den Archiven und Magazinen eines etablierten Museums andächtig vor den intrumentalen Schätzen der Vergangenheit zu stehen und im Idealfall unter kundiger Aufsicht und Zuhilfenahme weicher Handschuhe den alten Preziosen mehr oder weni- ger vorsichtige Töne zu entlocken. Oder ein befreundeter Sammler, oft auch ein Kollege öffnen einem die Tore zu ihren Sammlungen. Auch die Zeiten des vermehrten Onlinehandels oder der sozialen Netzwerke bringen immer wieder vermehrt Kontakt mit einer überraschend viel- fältigen Welt der Instrumentenentwicklung.“ 
Denn nicht immer hat das Horn so ausgesehen, wie wir es heute kennen. Das Naturhorn hat nicht nur keine Ventile, es klingt auch anders. Mit der Erfindung der Ventile, zum Anfang des 19. Jahrhunderts, war es aber nicht getan. Denn auch das Instrument insgesamt musste angepasst werden – heute hilft der Computer dabei; damals war die Qualität der veränderten Instrumente teilweise so unbefriedigend, dass Hornvirtuosen im Zweifels- fall lieber das vertraute Naturhorn spielten.  
So erzählen die Hornisten im Beiheft die berühmte Anekdote, dass bei der Uraufführung von Schumanns höchst anspruchsvollem Konzertstück für vier Hörner im Jahre 1850 Eduard Pohle, Solohornist des Leipziger Gewandhauses, noch in der letzten Probe vor dem Konzert wieder zum Naturhorn griff, und sich entschied, den technisch schwierigen Part doch nicht auf dem Ventilhorn zu blasen. 
Auch die Mitglieder des Deutschen Horn Ensembles haben mit solchen Problemen zu kämpfen: „Der Konzertbetrieb der letzten zehn Jahre bringt immer häufiger romantisches Repertoire in historischer Aufführungs- praxis auf die Programme. Dafür müssen die passenden Instrumente gefunden werden.“ Originale Ventilhörner aber aus jener Zeit kommen, siehe oben, eher nicht in Frage. Das Deutsche Horn Ensemble hat statt dessen gemeinsam mit dem Hornbauer Andreas Jungwirth aus Freischling bei Wien ein Instrument nach einem alten Vorbild entwickelt, das in seiner Spielbarkeit heutigen Ansprüchen genügt. 
Ein Satz dieser Hörner ist hier zu hören, wenn Christoph Moinian, Joaquim Palet Sabater, Oliver Kersken und Stefan Oetter Musik für vier Hörner in F aus dem 19. Jahrhundert spielen. Besondere Schmankerl sind dabei die stimmmungsvollen Chorsätze von Franz Abt (1819 bis 1885). Doch auch die Serenade von Robert Stark (1847 bis 1922) oder die Quatuors originaux op. 75 von Carl August Hänsel (1799 bis möglicher- weise 1885) geben interessante Einblicke in den Gebrauch des chroma- tischen Horns in der damaligen Zeit. 
Das Hornquartett Salut à la Forêt stammt von Rainulphe Marie Eustache Marquis d'Osmond (1828 bis 1891), Spross eines ebenso bedeutenden wie vermögenden Adelsgeschlechtes, der hier seine Leidenschaft für die Jagd auf gelungene Weise mit jener für die Musik kombiniert. 
Und weil es gerade so schön passt, haben die vier Hornisten die Instru- mente gewechselt und das Programm noch um die Segeberger Messe für Parforcehörner in Es ergänzt, ein Werk ihres Ensemblemitgliedes Oliver Kersken. Auch die Besetzung wurde dafür erweitert, um Johannes Leuftink, Lars Mechelke und Sascha Blaue. Und so grüßt, auf den musikhistorisch eigentlich älteren Instrumenten, das 21. Jahrhundert, mit berückenden Klängen, die Tradition und Moderne vereinen. Ein tolles Album, unbedingt anhören! 

Sonntag, 7. Mai 2017

Hornmusik - Peter Damm (Berlin Classics)

Mit einer CD-Box erinnert Berlin Classics an Peter Damm, einen der bedeutenden Hornisten des 20. Jahr- hunderts. Er feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag – und auch wenn er sich vor zehn Jahren vom Konzertpodium verabschiedet hat, sind seine Schallplatten immer noch ausgesprochen hörenswert. Das liegt zum einen daran, dass Peter Damm sein Horn stets mit einem unver- wechselbaren, schlanken Ton singen ließ; sein Spiel war nuancenreich und brillant. 
Während seiner jahrzehntelangen Laufbahn hatte der Musiker zahlreiche hervorragende Partner an seiner Seite. Auch davon gibt diese Box Zeugnis. An den Aufnahmen beteiligt waren Dirigenten wie Herbert Kegel oder Franz Konwitschny, Orchester wie das Gewandhausorchester Leipzig, die Staatskapelle Dresden oder die Dresdner Philharmonie, Pianisten wie Peter Rösel und Amadeus Webersinke, der Organist Hansjürgen Scholze, und etliche weitere Musikerkollegen. 
Außerdem hat sich Peter Damm mit großer Neugier und Experimentier- freude ein umfangreiches Repertoire erschlossen, das vom Barock bis zur Gegenwart reichte. Er gehörte zu den ersten Hornisten, die in der Lage waren, Werke in der extrem hohen Clarinlage wieder aufzuführen. Er spielte aber auch zahlreiche Uraufführungen von Musikstücken, die Komponisten eigens für ihn geschrieben haben. 
Auf den sechs CD in dieser Box macht Berlin Classics wichtige Schall- plattenaufnahmen mit dem Hornisten wieder zugänglich. Zu hören sind beispielsweise Mozarts Hornquintett, Sonaten für Horn und Klavier von Ludwig van Beethoven und von Siegfried Köhler, Musik für Horn und Klavier von Gioachino Rossini sowie von französischen Komponisten, das Konzertstück für vier Hörner und Orchester F-Dur von Robert Schumann, die beiden Hornkonzerte von Richard Strauss, ein Hornkonzert von Sieg- fried Kurz, das dieser auch selbst dirigierte, oder die Neuen Divertimenti nach Rameau von Udo Zimmermann, ebenfalls dirigiert vom Komponisten. Ergänzt wird die umfangreiche Kollektion durch Hornkonzerte vom sächsi- schen Hof, eingespielt 1987 von Peter Damm gemeinsam mit seinem Hornistenkollegen Dieter Pansa und der Cappella Sagittariana unter Eduard Melkus, sowie durch Musik für Horn und Orgel, die in der Hofkirche zu Dresden aufgenommen worden ist. 
Peter Damm, geboren 1937 in Meiningen, wurde bereits mit 22 Jahren Solohornist des Gewandhausorchesters Leipzig. 1969 wurde Damm zum Solohornisten der Staatskapelle Dresden berufen. In dieser Position wirkte der Musiker an über hundert Studioaufnahmen mit, unter Dirigenten wie Herbert von Karajan, Herbert Blomstedt, Bernard Haitink und Giuseppe Sinopoli. Er unterrichtete zudem als Professor an der Dresdner Musikhoch- schule, sowie in Meisterkursen und Workshops. Mit seinem kantablen Hornspiel stellte sich Damm ganz in die Dresdner Tradition und prägte das noble Spiel der Dresdner Bläser fast vierzig Jahre lang. 

Donnerstag, 19. Januar 2017

Rügheimer Jagdmusik (MDG)

Zum 80. Geburtstag gratuliert MDG seinem Künstler und Freund Michael Höltzel mit einer Wiederveröffent- lichung der Rügheimer Jagdmusik. Das ist möglicherweise das schönste Geschenk, um einen derart vielseiti- gen Musiker zu ehren, der nicht zuletzt viele Jahre lang an der Hochschule für Musik Detmold als Professor gelehrt und Generationen von Hornisten ausgebildet hat. Mehr als 80 seiner ehemaligen Schüler reisten übrigens im Oktober 2016 aus aller Welt an, um in einem Festkon- zert gemeinsam mit ihrem früheren Lehrer noch einmal die Hubertusmesse sowie das Rügheimer Requiem zu spielen – wie einst, in der Stadtkirche zu Horn, unweit von Detmold. 
Über das Horn kam Höltzel einst zur Jagd: In den 60er Jahren, als er noch Solohornist der Bamberger Symphoniker war, verhalf er dem Kronacher Jagdhorn-Corps mehrfach zu Meisterehren. Höltzel begeisterte sich aber nicht nur für die Jagdmusik; er wurde auch selbst zum passionierten Jäger. 
Und so ließ er es sich auch nicht nehmen, mit den von ihm gegründeten und geleiteten Detmolder Hornisten alljährlich am St. Hubertustag zu musizieren. Dieses Ensemble verwendet nicht nur das übliche Ventilhorn, es ist auch für sein makelloses Spiel auf dem Parforcehorn weithin berühmt. 
Speziell für „seine“ Detmolder Hornisten komponierte Höltzel auch die drei Werke, die auf dieser CD zu hören sind. Den Anlass dafür bot eine tradi- tionsreiche Schleppjagd, zu der sich alljährlich im Jagdhof „Hohe Pfalz“ im unterfränkischen Rügheim eine Woche lang nicht nur etliche Meuten, sondern auch zahlreiche Reiter versammelten. Und so entstanden die „Hohe Pfalz“-Fanfare, festlich und sehr virtuos, der St. Georgs-Hymnus, eine Reitermesse, und das bewegende Rügheimer Requiem, wohl das einzige für Parforcehörner geschriebene Werk dieser Art. Besonderes letzteres steckt voller Zitate und Anspielungen. So wird im Agnus Dei der amerikanische Zapfenstreich durch das Große Halali abgelöst, das wiederum im Glockengeläut verklingt. In den Glockenklang mischt sich das Christe, du Lamm Gottes; das letzte Wort haben dann wieder die Glocken. Zu erleben ist auf dieser CD eine Einspielung aus dem Jahre 1983. 

Samstag, 9. Juli 2016

Wald. Horn. Lied (Genuin)

Hörnerklang und Männergesang – wer denkt da nicht sofort an Wald und Weidwerk? Das Leipziger Vokalquintett Amarcord und das Hornquartett German Hornsound beschwören auf ihrer neuen CD in der Tat raunende Wipfel und die Freuden der Jagd. Bei der Zusammenstellung des Programms sind sie selbst auf die Pirsch gegangen - und haben einige Raritäten aufzubieten. So beginnt die CD mit einem herrlichen Waldlied von August Horn (1825 bis 1893), einem Leipziger Kapellmeister, der insbesondere als Arrangeur seinerzeit weithin geschätzt und gerühmt wurde. Von Robert Schumann erklingen die Fünf Gesänge aus Heinrich Laubes Jagdbrevier op. 137. Sie zeigen den Komponisten als einen Mann von Humor; so warnt eines der Lieder „Habet acht auf der Jagd! Mancher ist zu Grund gegangen, weil der Nachbar sich verfangen und ein Lauf ist losgegangen! Habet acht auf der Jagd!“ 
Abwechslung bringt das Quartett für vier Jagdhörner op. 38 von Constan- tin Fjodorowitsch Homilius (1840 bis möglicherweise 1918). Sein Vater war 1838 von Dresden nach St. Petersburg gegangen, wo er zunächst als Erster Waldhornist im Orchester der Kaiserlichen Theater musizierte, später dann als Professor am Konservatorium unterrichtete, und der St. Petersburger Philharmonischen Gesellschaft als Direktor und Schatz- meister vorstand. Sein erstgeborener Sohn Constantin wurde erst Geiger an der Kaiserlichen Oper, und war dann von 1866 bis 1910 Organist der deutschen reformierten Kirche. Danach verliert sich seine Spur. Das Horn- quartett könnte für die Hornklasse seines Vaters entstanden sein. Es ist großartige Musik, wirklich eine Entdeckung. 
Das gilt auch für Meeresstille und Glückliche Fahrt für Männerchor und Hörnerbegleitung op. 16 von Carl Goldmark (1830 bis 1915). Damit verlassen wir den sächsischen Wald und machen einen Abstecher nach Wien. Dort lebte Goldmark, der Sohn eines jüdischen Kantors, geboren und aufgewachsen in Ungarn, und fristete sein Dasein als Theatergeiger und indem er Klavierunterricht gab. Von 1862 bis 1865 leitete er zudem sehr erfolgreich einen Männerchor. Als Komponist aber wurde er dann berühmt – auch wenn Hanslick ihn „Dissonanzenkönig“ nannte, feierten ihn sowohl die Kritiker als auch das Publikum. Mit dem Anschluss ans Dritte Reich verschwanden allerdings die Werke Carl Goldmarks von der Bühne; auch nach 1945 interessierte sich niemand mehr für das Schaffen des einst so populären Komponisten. Hört man die farbenreichen Gesänge, wünscht man sich unbedingt die Re-Integration dieses Gesamtwerkes in den Konzert- und Spielbetrieb – das lohnt sich garantiert. 
Ins Grüne kehrt die CD anschließend zurück, mit der Waldwanderung von Ferdinand Hummel (1855 bis 1928), sechs Gesängen für Männerchor und Hörner in wechselnder Besetzung. Er war Musikdirektor am Königlichen Schauspielhaus zu Berlin und einer der ersten Filmkomponisten überhaupt. Ohne Hörner erklingen dann die Vier Gesänge op. 17 D 983 von Franz Schubert. Sein Nachtgesang im Walde D 913, nun wieder mit Hornquartett, ist ein bezauberndes Stück, mit sehr viel Atmosphäre. Ähnlich viel Waldes- rauschen findet sich in Waldeinsamkeit op. 38 von Carl Steinhauer (1852 bis 1934). Er hatte in Leipzig studiert und prägte dann über Jahrzehnte den Chorgesang in seiner Heimatstadt Düsseldorf sowie in Oberhausen. Als städtischer Musikdirektor, hochgeachtet und geehrt, ging er 1921 in Rente. 
Die beiden Ensembles, die diese Werke abseits des üblichen Repertoires herausgesucht haben, haben bis zum Ruhestand glücklicherweise noch viele Jahre vor sich – wir gratulieren zu einer gelungenen CD, und hoffen auf weitere gemeinsame Projekte. Bravi!

Sonntag, 31. Januar 2016

Oestreich: Horn Quartets - Horn Trios (MDG)

Virtuose romantische Musik für vier bzw. drei Hörner haben die Deutschen Naturhorn Solisten vor einigen Jahren bei Dabringhaus und Grimm vorgestellt. Die grandiose Aufnahme der Quartett- und Triosätze von Carl Oestreich (1800 bis 1840) ist nun wieder erhältlich. 
Der Name dieses Komponisten ist wahrscheinlich nicht einmal allen Hornisten bekannt. Carl Wilhelm Eduard Oestreich stammte aus Spremberg, einem Städtchen in der Niederlausitz. Es wird vermutet, dass er in Dresden studiert hat, wo er dann wohl auch sein erstes Engagement bei der sächsischen Hofkapelle antrat. 1826 jedenfalls wurde er Hornist im Orchester der Oper in Frankfurt/Main. Er soll zudem auf eine längere Konzertreise durch Deutschland gegangen sein. Im Jahre 1832 wurde er aus gesundheitlichen Gründen pensioniert; woran Oestreich litt, ist nicht bekannt – belegt ist aber, dass er, nach langer Krankheit, bereits 1840 gestorben ist. 
Seine Kompositionen sind in überwiegend in Frankfurt/Main entstanden. Wilhelms Bruns von den Deutschen Naturhorn Solisten berichtet im Beiheft zu dieser CD, dass „eine Fülle von Werken“ erhalten geblieben ist, ein Teil davon befindet sich heute in den Beständen der Stadt- und Uni- versitätsbibliothek Frankfurt. Neben den Quartetten und Trios, die auf dieser CD zu hören sind, liegen dort unter anderem Konzertstücke für ein oder zwei Hörner und Orchester, Kammermusiken und Märsche sowie Vokalwerke und eine Oper. 
„Geht man mit einem Naturhorn unter dem Arm auf Entdeckungsreise durch die Bibliotheken dieser Welt, um Stücke für Hornduo, -trio oder -quartett zu finden, so muß man gerade bei den Werken des 19. Jahr- hunderts immmer wieder hinterfragen, ob diese Stücke noch für das Naturhorn, oder schon für das um 1815 entwickelte und sich langsam, aber stetig durchsetzende Ventilhorn geschrieben wurden“, schreibt Bruns. Er schildert im Beiheft sehr amüsant, welches Durcheinander dieser Übergangsprozess mit sich brachte. 
Die Trios und Quartette von Carl Oestreich aber sind ganz eindeutig für Naturhorn entstanden – auch wenn die Musiker anfänglich daran zweifelten: „Bei der ersten Sichtung der Oestreich-Mikrofilme (..) beschlich uns alle zunächst der vage Verdacht, es könne sich (..) doch um Werke für Ventilhorn handeln“, meint Bruns. Diese Vermutung beseitigte aber ein Artikel aus dem Jahre 1830 in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung, in dem ein Kritiker feststellt, ein Hornpart sei aufgrund der vielen Stopfnoten „ungewöhnlich schwierig auszuführen“ – auf einem Ventilhorn lasse sich dies sicherlich einfacher spielen. „Daß man bei so einer kritischen Äußerung eines Zeitgenossen mit einem nicht ganz leicht zu bewerkstelligenden Notentext zu rechnen hat, war uns schon klar, doch weckten einige unerhörte Passagen immer noch unsere Skepsis. Zu unrecht, wie sich herausstellte“, so der Hornist. „Doch sind uns noch niemals so ,verstopfte' Hornpartien wie diese untergekommen.“ 
Wilhelm Bruns, Oliver Kersken, Stefan Oetter, Christoph Moinian und Tilman Schärf haben sich an diese technisch höchst anspruchsvolle Musik gewagt – und begeistern mit ihrem Können. Die Deutschen Naturhorn Solisten spielen virtuos, dynamisch differenziert, absolut sauber in der Intonation, ohne den kleinsten Wackler, und mit einem verblüffend farbenreichen Hornton. Und Oestreichs Werke sind mit ihren jagdlich-volkstümlichen Anklängen und so mancher ironischen Wendung auch für den Zuhörer das reine Vergnügen. Bravi! 

Samstag, 10. Oktober 2015

Schumann, Madsen, Mozart (Genuin)

Die G-Hörner sollen „ganz rauh geploßen werden“, wies Leopold Mozart an, und „so forte alß immer möglich. Item kann auch ein hifthorn da bey sein. Dann soll man etliche Hunde haben die bellen, die übrigen schreyen zusam ho ho etl. Aber nur 6 Tact lang.“ Willkommen im Jagd- revier – ein Sujet, das Komponisten immer wieder gern aufgegriffen haben, denn es lädt zu allerlei Lautmalereien ein. Leopold Mozart inspirierte das weidmännische Geschehen zu einem Werk, in dem auf das Hundebellen, die Rufe der Treiber und die Schüsse allerlei Echos folgen, was nicht nur musikalisch reizvoll ist, sondern auch zu Vermutungen über die Größe des Jagdreviers anregt. Und nach getaner Arbeit feiert die Jagdgesellschaft, sie tanzt ein hübsches Menuett. 
Die Jagd-Sinfonie / 4 Violini / 4 Corni ex D / 2 Corni ex G / 2 Violi / 1 Ku- gelbichse / et / Basso, so notierte Mozart Titel und Besetzung. Das Horn- quartett German Hornsound, gegründet 2009 von ehemaligen Studenten der Hornklasse von Christian Lampert an der Stuttgarter Musikhoch- schule, hat an diesem verspielten Opus hörbares Vergnügen. Auf dieser CD musizieren Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger gemeinsam mit den exzellenten Bamberger Symphonikern unter Leitung von Michael Sanderling. Während die vier Hornisten bei der Jagdsinfonie sehr weitgehend mit dem Orchester musizieren, haben sie im nachfolgenden Konzertstück F-Dur für 4 Hörner und Orchester op. 86 von Robert Schumann eine ziemlich exponierte und obendrein sehr anspruchsvolle Partie. Das ist sicherlich auch der Grund dafür, warum man dieses bezaubernde Stück nur sehr selten hören kann. 
Das dritte Werk auf dieser CD ist für das Ausnahme-Quartett entstanden: 2011 lernte Cristoph Eß, Solohornist der Bamberger Symphoniker, am Rande eines Konzertes der renommierten Festspiele Mecklenburg-Vor- pommern den norwegischen Komponisten Trygve Madsen kennen. Er schrieb für German Hornsound die Sinfonia Concertante, hier in Welt- ersteinspielung zu hören – eine Hommage an Richard Strauss, im Gedenken an dessen 150. Geburtstag im Jahre 2014. Es ist ein intelligentes Spiel mit Anspielungen und Zitaten, musikalisch sehr beachtlich, dabei ausgesprochen witzig, hier und da bis hin zum Schabernack. 
Die vier Hornisten beeindrucken durch ihre Musizierlust ebenso wie durch ihr Musizieren. Sie zeigen, wie herrlich Hörner klingen können, wenn sie so perfekt geblasen werden – edel, kraftvoll und sehr ausdrucksstark. Bravi! und, bitte, unbedingt weitermachen. 

Montag, 18. Mai 2015

Franz und Richard Strauss: Romantic works for horn (Oehms Classics)

Der Komponist Richard Strauss (1864 bis 1949) war der Sohn eines berühmten Virtuosen: Sein Vater, Franz Joseph Strauss (1822 bis 1905) war einer der besten Hornisten seiner Zeit. Der „Joachim auf dem Wald- horn“, wie der Dirigent Hans von Bülow den Musiker einmal nannte, wirkte gut 40 Jahre lang als Erster Hornist an der Hofoper in München, und er unterrichtete als Professor an der Münchner Königlichen Akademie der Tonkunst. Er komponierte auch – und gar nicht mal schlecht, wie diese CD zeigt. 
Xiaoming Han, Sohn des chinesischen Hornisten und Horn-Professors Sin-Guang Han, hat gemeinsam mit dem Pianisten Peter Schmalfuss Musik sowohl von Franz als auch von Richard Strauss eingespielt. Diese Werke für Horn und Klavier sind ausgesprochen selten zu hören. Das mag mit daran liegen, dass sie für einen exzellenten Solisten geschrieben wurden und daher sicherlich spieltechnisch keine leichte Kost sind. Doch es sind wundervolle melodische Stücke, die das Horn sehr gelungen präsentieren. Xiaoming Han, Solohornist der Deutschen Radio Philhar- monie Saarbrücken Kaiserslautern, musiziert mit einem herrlichen warmen, runden Ton und hörbar guter Laune. 
Bei Alphorn für Singstimme mit Klavier- und Hornbegleitung erfreut zudem Sängerin Katja Boost mit ihrem dunkel timbrierten Mezzosopran. Und zum Schluss erklingt die stark verkürzte Kammerversion einer populären Tondichtung von Richard Strauss, in einer Version von dem österreichischen Komponisten Franz Hansenöhrl (1885 bis 1970): Till Eulenspiegel – einmal anders, eine Grotesque musicale für Violine, Klarinette, Horn, Fagott und Kontrabass, erweist sich als eine wirklich brillante Bearbeitung. 

Dienstag, 25. November 2014

Hubertusmesse auf Schloss Augustusburg (Auris Subtilis)

Wer bei dem Wort Hubertusmesse an Jagdhörner denkt, der ist auf der richtigen Spur: Hubertus von Lüttich, so berichtet die Legende, ritt einst an einem kirchlichen Feiertag statt zur Messe zur Jagd aus. Da erschien ihm ein mächtiger Hirsch mit einem Kru- zifix zwischen den Geweihstangen. Durch diese Vision bekehrt, wurde der Bischof von Lüttich schließlich zum Schutzpatron der Jagd. 
Zur Hubertusmesse werden stilecht Parforcehörner geblasen – was nicht nur die Orgelmusik, sondern auch den Klang der Glocken eindrucksvoll zu ersetzen vermag; allerdings sind die Musiker, die sich auf dieses Instru- ment virtuos verstehen, heute extrem rar, so dass eine Hubertusmesse auf Originalinstrumenten gern etwas schräg klingt. Dieses Problem vermeiden die Musiker, die auf dieser CD zu hören sind: Die Studierenden der Horn- klasse um Professor Thomas Hauschild von der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig musizieren auf modernen Instrumenten, und sie spielen souverän und atemberaubend schön. Da stimmt jeder Ton; jede Phrase wird sensibel gestaltet und sorgsam aus- musiziert. 
Die jungen Hornisten beginnen ihr Programm mit einem Echo-Kanon von Orlando di Lasso für Horn-Doppelquartett. Es folgt die Große St. Huber- tusmesse aus der Feder des berühmten Wiener Hornisten Karl Stiegler. Doch dabei belassen es die Musiker nicht. Hörner haben große Bedeutung beispielsweise in Wagners Ring der Nibelungen; Manfred Klier hat daraus 1985 eine Rheingoldfantasie für acht Hörner arrangiert. Und auch die Horn-Version zu Till Eulenspiegels lustige Streiche von Richard Strauss, in einer Version des amerikanischen Hornisten Richard Goldfaden, erklingt auf dieser CD. Der Arrangeur schrieb dazu: „Without a doubt, all hornists are intimately familiar with Strauss's piece. But the chances of being able to play it with an orchestra are slim. So, find nine other hor- nists and make wonderful music together, whenever you want to.“ Ein Gewinn ist das auch für den Zuhörer. Bravi! 

Freitag, 30. August 2013

Reveries - Felix Klieser (Berlin Classics)

Mit dieser CD gibt Felix Klieser sein Debüt. Die Aufnahme lässt keinen Zweifel daran, dass er mit gerade einmal 22 Jahren bereits zu den besten Hornisten der Welt gehört. Sein Spiel ist jeder Anforderung gewachsen; sein Ton ist farben- reich, weich und rund. Das passt bestens zu den Werken, die der junge Musiker und sein künstleri- scher Partner, der Pianist Christof Keymer, für diese Einspielung ausgewählt haben. Es ist Musik der Romantik; und diesem Repertoire widmen sich beide mit Leidenschaft. 
„Schon am Anfang unserer Zusammenarbeit hat uns diese Zeit besonders fasziniert“, schreiben die Musiker in dem informativen Beiheft zu dieser CD. „Die Zeit des Umbruchs, des Neuen, ja auch des Revolutionären, ist für uns fühlbar und lässt uns die damals herrschende Aufbruchstimmung mit den vielen neuen musikalischen Möglichkeiten in der Musik für Horn und Klavier auch heute noch genauso lebendig werden.“ 
Zu hören sind also Werke von Robert Schumann, Reinhold Glière, Josef Gabriel Rheinberger, Camille Saint-Saens, Alexander Glasunow und Richard Strauss. Der besondere Reiz dieser CD liegt im sensiblen Zusammenspiel, im intensiven Dialog zwischen Horn und Klavier. 
Klieser spielt Horn mit den Füßen; er ist ohne Arme geboren. Damit kommt der Musiker, der das Horn bereits als Fünfjähriger zu „seinem“ Instrument erwählt hat, offenbar bestens zurecht. Er ist Bundes- preisträger im Wettbewerb „Jugend musiziert“, war Mitglied im Bundesjugendorchester und wurde mit 17 Jahren Jungstudent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Seit 2011 studiert er dort nun regulär. Ohne Zweifel: Felix Klieser ist ein Ausnahmetalent, und nach seinem Examen dürfte ihm eine großartige Karriere als Solo-Hornist bevorstehen. Gratulation! 

Samstag, 15. Juni 2013

Siegfried und Violetta oder List, Last, Lust und Lunge (Genuin)

Vier junge Hornisten hatten eine Idee. Das Ergebnis liegt nun im CD-Player - und es ist eine großartige Hommage an die beiden Jubilare des Jahres 2013, Richard Wagner und Giuseppe Verdi, beide geboren 1813, ja , vielleicht sogar die ori- ginellste Geburtstagsgabe, die in diesem Jahr ein Label vorgelegt hat. 
Denn Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger - sämtlich erfolgreich im Hornisten-Beruf sowie gemeinsam als Hornquartett German Hornsound - wollten nicht einfach Musik der beiden Jubilare in schmissigen Arrangements vortragen. Und so haben sie sich auf die Suche nach einem Autor gemacht, der einen Text für dieses Pro- gramm schreibt. In Herbert Rosendorfer fanden sie den idealen Partner, der sich zudem mit Wagner bestens auskannte. Verdi hingegen war eher das Thema seines Freundes Karl Dietrich Gräwe, der sich auch an der Ideensuche beteiligte. 
Schließlich (er-)fanden Musiker und Autoren gemeinsam eine span- nende Geschichte - waren nicht Verdi und Wagner des öfteren in Venedig, mitunter sogar zur gleichen Zeit? Wäre es also nicht denk- bar, dass sie sich dort begegnet sind? Teodoro, einstmals Oberkellner in Caffé Florian auf dem Markusplatz, hat da so einiges beobachtet - und Gräwe ließ es sich nicht nehmen, diese Rolle selbst zu sprechen. Zu Wort kommt außerdem Richard Wagner; ihm gibt Martin Seifert Stimme. Herbert Rosendorfer hat leider die Premiere dieses "Opern- fragmentes in drei Akten", wie das Werk von seinen Schöpfern benannt wurde, nicht mehr erlebt. Es ist ein würdiger Schlusspunkt unter ein großes Lebenswerk. 
List, Last, Lust und Lunge erweist sich als ein geistreiches, humor- volles Opus, in dem Text und Musik in einen witzigen Dialog treten. Die vier Hörner, sehr hörenswert gespielt, kommentieren das gesprochene Wort. Dafür wurden die passenden Ausschnitte aus Werken der beiden Jubilare geschickt ausgewählt und pfiffig arrangiert. Und nicht nur Opernfreunde werden sich beim Anhören dieser beiden CD ausgezeichnet amüsieren - versprochen! 

Donnerstag, 26. April 2012

Hubertusmesse auf Schloss Augustusburg (Auris Subtilis)

Welche Bedeutung die Jagd einst für Sachsens Kurfürsten hatte, das ist noch heute am Schloss Augus- tusburg bei Chemnitz zu erkennen. Es war eines der Jagdschlösser der Wettiner, und diese CD soll seine klingende Visitenkarte werden. Sie dokumentiert einen Jagdbrauch, der in vielen europäischen Län- dern gepflegt wird: Alljährlich wird am Hubertustag, dem 3. Novem- ber, von Hornisten die Hubertus- messe geblasen - üblicherweise auf dem Parforcehorn.
Nun haben Hornstudenten der Hochschule für Musik "Felix Mendels- sohn Bartholdy" in Leipzig, Klasse Professor Thomas Hauschild, diesen Brauch aufgegriffen, und unter Leitung ihres Lehrers eine solche Hubertusmesse in Augustusburg eingespielt. Anna Euen, Hsin Ju Lee, Cosima Schneider, Abel Perez Armas, Konrad Balint, Benedikt Euler, Miguel Jesus Herrera, Jakob Knauer, Francesco Lillo und Andreas Pöche blasen gemeinsam mit ihrem Lehrer Le Rendez-vous de chasse, die berühmte Fantasie von Gioacchino Rossini, La grande Messe de Saint Hubert nach Jules Cantin, die Siegfriedfantasie für acht Hörner von Karl Stiegler, die Konzertante Musik für acht Hörner op. 78 von Jan Koetsier und Carnaval romain op. 9 von Hector Berlioz. Die jungen Musiker spielen wunderbar - perfekt im Ansatz, sauber intoniert, homogen und präzise, dynamisch differenziert. Eine der schönsten Horn-CD überhaupt - unbedingt anhören!