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Sonntag, 29. Mai 2016

Zelenka: Psalmi Vespertini I (Nibiru)

Einmal mehr wendet sich das Ensemble Inégal mit den Prager Barocksolisten dem Werk von Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) zu. Die Sänger und Musiker um Adam Viktora haben bereits mehrfach Kompositionen des Dresdner Hof- musikers aus dem Archivschlaf erweckt und sich damit große Verdienste um die Wiederentdeckung seiner Musik erworben. Zelenka, so stellt sich zunehmend heraus, beein- druckt nicht nur durch handwerkliche Perfektion. Seine Werke sind in jeder Hinsicht bemerkenswert – und je mehr davon wieder aufgeführt werden, desto interessanter erscheint das Schaffen dieses Musikers, der in Dresden zunächst Violone bzw. Kontra- bass spielte, und dann 1735 zum Kirchencompositeur ernannt wurde. 
In den Jahren zwischen 1725 und 1728 komponierte Zelenka unter ande- rem sechs Vesperpsalmen und ein Magnificat. Die Auswahl der Psalmtexte machte es möglich, diese prächtigen Musikstücke für nahezu jede Vesper- feier des Kirchenjahres zu nutzen. Dieses umfangreiche Projekt hatte ganz sicher noch einen anderen Hintergrund: Johann David Heinichen, der Dresdner Hofkapellmeister, litt an Tuberkulose und war in seinen letzten Lebensjahren oftmals so krank, dass ihn Zelenka und Ristori vertreten mussten. Zelenka nutzte die Chance, sich mit seinen originellen Kirchen- kompositionen insbesondere der Kurfürstin zu empfehlen. Als Heinichen 1729 starb, bewarb er sich schließlich um die Nachfolge – die Stelle erhielt jedoch Johann Adolf Hasse. Auf dieser CD sind nun Zelenkas Psalmi Vespertini I erstmals vollständig zu hören. 

Donnerstag, 9. Mai 2013

Zelenka: Gaude laetare / Missa Sanctissima Trinitatis (Nibiru)

Die fünf späten Messen von Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) sind rätselhafte Werke. Das beginnt schon mit dem Titel - die Missa Sanctissimae Trinitatis ist nicht etwa für das Trinitatisfest be- stimmt, sondern der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet; Zelenka schrieb zudem noch weitere Messen Dei Patris, Dei Filii und, als seine letzte Messe, die Missa Omnium Sanctorum
Diese Messen scheren sich weder in der Besetzung noch in der Länge um höfische Konventionen. Es fehlt der Glanz der Blechbläser, der repräsentative Auftritt, den man vom Hof Augusts des Starken und seines Sohnes erwartet. Und obendrein waren diese Werke deutlich zu lang, sie erscheinen trotz der geradezu kammermusikalisch anmutenden Besetzung außer- ordentlich umfangreich. 
Die fünf späten Messen, entstanden zwischen 1736 und 1741, ent- halten prachtvolle konzertante Chorsätze und beeindruckende Chorfugen ebenso wie kunstvolle Arien und solistische Ensembles. Die Prager Barocksolisten und das Ensemble Inégal haben die Missa Sanctissimae Trinitatis unter Adam Viktora bei Nibiru eingespielt. Als Solisten singen Gabriela Eibenová, Sopran, Carlos Mena, Alto, Makoto Sakurada und Václav Cízek, Tenor, Roman Hoza, Bariton und Lisandro Abadie sowie Marián Krejcík, Bass. Das Ensemble ist rund- um grandios, und die Aufnahmen sind wirklich hörenswert. 
Die CD enthält ein weiteres Stück des Komponisten, die Motette Gauda, laetare. Sie wurde, wie Quellenforschungen ergaben, wahr- scheinlich zu Trinitatis 1731 im Vespergottesdienst erstmals auf- geführt. Es ist ein heiteres Werk, und man kann Zelenka hier geradezu opernhaft galant erleben - was sich über seine Kompositionen nicht eben oft sagen lässt. 

Dienstag, 28. Februar 2012

Zelenka: Il serpente di bronzo (Nibiru)

Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) wirkte als Kontrabassist, Kapellmeister - ohne freilich jemals diesen Titel zu erhalten - und "Kirchen-Compositeur" am Dresdner Hof. Seine Kantate Il serpente di bronzo wurde am Karfreitag 1730 erstmals aufge- führt. Sie gehörte in die Reihe jener italienischen Oratorien, die bis 1825 alljährlich am Karfreitag und Karsamstag in der Hofkirche erklangen. Diese galten nicht dem Passionsbericht, sondern Erzählungen aus dem Alten und Neuen Testament, die mit dem Leiden und Sterben Christi assoziiert wur- den. 
Il serpente di bronzo beruht auf Numeri 21, 4 bis 9; der Librettist, Hofpoet Stefano Benedetto Pallavicini, erfindet dazu drei Figuren - Azaria, Namuel und Egla, um den biblischen Bericht in eine kurze Handlung zu bringen. Das Volk Israel nämlich ist müde geworden, will nicht länger durch die Wüste marschieren und sehnt sich nach Ägyp- ten zurück. Um das Volk zu strafen, sendet Gott, Bass, in seinem Zorn Schlangen aus, die mit einem Biss die Zweifler zum Schweigen bringen und jede Flucht verhindern sollen. Derart bedrängt, wird das Volk schnell wieder fromm - und Mose, Tenor, fleht zu Gott um Hilfe. Der lässt mit sich reden, und weist Mose an, eine Schlange gießen und aufstellen zu lassen. Wer diese Statue ansieht, der soll - wenn er wür- dig ist - geheilt werden. Und dann berichtet Moses von der Vision des an Kreuz genagelten Gottes - und nur, wer ihm seinen Blick zuwendet, der finde Heil und Leben. 
Zelenkas Umsetzung dieser Geschichte erweist sich als außerordent- lich originell und zugleich klangschön. Der Komponist verzichtet beispielsweise auf eine Ouvertüre; er eröffnet und beschließt das Werk mit Doppelchören. Insbesondere in den Klagegesängen und in dem grandiosen Gebet des Mose offenbart Zelenka, dass er sein Handwerk in herausragender Weise verstand. 
Adam Viktora hat das Werk nun mit dem Ensemble Inégal in Welt- ersteinspielung bei dem tschechischen Label Nibiru vorgestellt. Die Aufnahme beeindruckt. Das Ensemble musiziert frisch und rhetorisch versiert, und auch die Sänger sind exzellent. Insbesondere die Soli- sten sind ausgewiesene Experten für "Alte" Musik, die schon an zahl- reichen anderen Projekten mitgewirkt haben. Zu hören sind Hana Blaziková, Sopran, Petra Noskaiová und Alex Potter, Alt, Jaroslav Brezina, Tenor und Peter Kooij, Bass.