Als kaiserlicher Hofkapellmeister hatte Johann Joseph Fux (1660 bis 1741) nicht nur seine Musiker zu leiten. Zu seinen Aufgaben gehörte es darüber hinaus, Werke für höfische Zeremonien zu komponieren. Und so finden sich in seinem Schaffen neben Opern und Festmusiken, die beispielsweise bei Hochzeiten, Krönungen oder zu Geburtstagen vor großem Publikum aufgeführt wurden, auch Kammermusik, die in den privaten Gemächern der kaiserlichen Familie erklungen ist, sowie zahlreiche geistliche Werke, wie Messen, Vespern, Psalmvertonungen, Oratorien oder Kantaten.
Die enge Verbindung von Kirche und Staat gehörte zu den Grundfesten des Habsburgerreiches; der Kaiser selbst betrachtete Religiosität als oberste Herrschertugend und stellte seine Frömmigkeit demonstrativ zur Schau. Im Gottesdienst verschmolzen kirchliches und fürstliches Zeremoniell – und Karl VI. war ein großer Verehrer der Gottesmutter Maria, was auch im Schaffen seines Hofkapellmeisters Fux sichtbar wird. Auf dieser CD stellt das Ensemble Accentus Austria, geleitet von Thomas Wimmer, Mariengesänge und Gradualsonaten des Komponisten vor. Das Programm ist ebenso erlesen wie das Spiel der Musiker. Und auch wenn beispielsweise der Text des Ave Regina gleich vierfach erklingt – Fux' Vertonungen sind ausgesprochen unterschiedlich und facettenreich. Hana Blažíková singt zudem großartig.
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Dienstag, 3. Oktober 2017
Mittwoch, 13. Juli 2016
Zelenka: Missa Divi Xaverii / Litaniae de Sancto Xaverio (Accent)
Noch einmal Musik aus Dresden: Dort wurde 1729 das Fest des Heiligen Franz Xaver mit besonderer Inbrunst begangen. Denn im Vorjahr war der älteste Sohn von Maria Josepha von Habsburg, Gattin des sächsischen Kronprinzen Friedrich August II., an den Pocken gestorben. Ein weiterer Sohn, Christian Friedrich, saß im Rollstuhl und sollte eigentlich den geistlichen Stand erwählen. Dass er dereinst zwar kurz, aber doch recht erfolgreich regieren sollte, das konnte Maria Josepha nicht ahnen. Ihr persönlicher Schutz- patron sollte dem jungen Paar daher nicht zuletzt dabei behilflich sein, einen männlichen Erben in die Welt zu setzen.
Entsprechend glanzvoll gestaltete Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) die Musik für die Feier der Oktav des Heiligen: Die Missa Divi Xaverii ZWV 12 ist für eine der größten Besetzungen geschrieben, die Zelenka jemals verwendet hat: Solisten und Chor, jeweils vierstimmig, Pauken und vier Trompeten, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Hörner, Fagott, Streicher sowie Basso continuo.
Man wundert sich, dass dieses beeindruckende Werk bislang noch nie- mand eingespielt hat. Zelenkas Musik ist grandios, und Vaclav Luks präsentiert mit einem exzellenten Solistenensemble sowie seinem Colle- gium Vocale 1704 bzw. Collegium 1704 die Messe nun in einer ebenfalls großartigen Aufnahme bei Accent. Man höre nur die Blechbläser – phantastisch! Zu hören ist zudem eine Litanei Zelenkas für den Gedenk- tag des Heiligen.
Entsprechend glanzvoll gestaltete Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) die Musik für die Feier der Oktav des Heiligen: Die Missa Divi Xaverii ZWV 12 ist für eine der größten Besetzungen geschrieben, die Zelenka jemals verwendet hat: Solisten und Chor, jeweils vierstimmig, Pauken und vier Trompeten, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Hörner, Fagott, Streicher sowie Basso continuo.
Man wundert sich, dass dieses beeindruckende Werk bislang noch nie- mand eingespielt hat. Zelenkas Musik ist grandios, und Vaclav Luks präsentiert mit einem exzellenten Solistenensemble sowie seinem Colle- gium Vocale 1704 bzw. Collegium 1704 die Messe nun in einer ebenfalls großartigen Aufnahme bei Accent. Man höre nur die Blechbläser – phantastisch! Zu hören ist zudem eine Litanei Zelenkas für den Gedenk- tag des Heiligen.
Mittwoch, 13. April 2016
Zelenka: Italian Arias (Accent)
Am 18. November 1733 bewarb sich Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) beim sächsischen Kurfürsten um den Posten des Kapellmeisters. Zwar hatte Friedrich August II. bereits 1730 Johann Adolf Hasse zum Hofkapell- meister ernannt. Doch existierte daneben noch eine zweite Stelle, die seit langem unbesetzt war.
Um zu beweisen, dass er durchaus in der Lage war, nicht nur Kirchenmu- sik, sondern auch Opern zu kompo- nieren, hatte Zelenka seinem Dienstherrn bereits im Oktober acht italienische Arien überreicht. Diese Arbeitsprobe freilich überzeugte den Kurfürsten nicht. Er ernannte den Musiker lediglich zum Hofkomponisten, 1735 dann zum Kirchencompo- siteur.
Wer die Entscheidung des Herrschers nachvollziehen will: Petr Wagner hat nun mit seinem Ensemble Tourbillon bei Accent die Arien ZWV 176 eingespielt. Mit ihrer kleinen Besetzung und ihrem üppigen Umfang scheinen sie eher Arie da camera zu sein; dank der versierten Musiker sowie der exzellenten Sänger Hana Blažiková, Sopran, Markéta Cukrová, Alt, und Tomás Šelc, Bassbariton, ist dies rundum Musik zum Genießen. Bravi!
Um zu beweisen, dass er durchaus in der Lage war, nicht nur Kirchenmu- sik, sondern auch Opern zu kompo- nieren, hatte Zelenka seinem Dienstherrn bereits im Oktober acht italienische Arien überreicht. Diese Arbeitsprobe freilich überzeugte den Kurfürsten nicht. Er ernannte den Musiker lediglich zum Hofkomponisten, 1735 dann zum Kirchencompo- siteur.
Wer die Entscheidung des Herrschers nachvollziehen will: Petr Wagner hat nun mit seinem Ensemble Tourbillon bei Accent die Arien ZWV 176 eingespielt. Mit ihrer kleinen Besetzung und ihrem üppigen Umfang scheinen sie eher Arie da camera zu sein; dank der versierten Musiker sowie der exzellenten Sänger Hana Blažiková, Sopran, Markéta Cukrová, Alt, und Tomás Šelc, Bassbariton, ist dies rundum Musik zum Genießen. Bravi!
Mittwoch, 27. Mai 2015
Staden: Motetten (Deutsche Harmonia Mundi)
Johann Staden (1581 bis 1634) wuchs in Nürnberg auf. Über seine Kindheit und Jugend ist weiter nichts bekannt. 1604, als er eine Pfarrerstochter heiratete, war er bereits fürstlich brandenburgischer Hoforganist bei Markgraf Christian in Bayreuth; dieser verlegte 1605 nach einem Stadtbrand seine Residenz nach Kulmbach. Staden scheint zudem einige Zeit Hoforganist in Dresden gewesen zu sein. 1616 erhielt er jedoch die Stelle des Organisten an der Nürnberger Spitalkirche, und kehrte in die Heimat zurück. Noch im gleichen Jahr wechselte er an die Kirche St. Lorenz, und 1618 wurde er Organist an St. Sebald. Damit hatte er die bedeutendste Organistenstelle von Nürnberg inne, und war zugleich für das städtische und kirchliche Musikwesen zuständig. Er war auch als Komponist hoch angesehen. Staden veröffentlichte fünf Sammlungen mit weltlichen Gesängen und 17 Kollektionen mit geistlicher Musik. Zu seinen Schülern gehörte übrigens Johann Erasmus Kindermann (1616 bis 1655).
Der Dreißigjährige Krieg allerdings machte auch vor der wohlhabenden Reichsstadt nicht halt. 1627 erlagen Stadens Ehefrau und vier seiner Kinder einer Pest-Epidemie. 1629 heiratete der Organist daher erneut. Den Frieden sollte er nicht mehr erleben. 1634 grassierte erneut die Pest in Nürnberg. Die Seuche raffte tausende Bürger dahin; auch Staden fiel ihr zum Opfer.
Auf dieser CD ist in Weltersteinspielung seine Kirchenmusik 1 zu hören, 1625 im Druck erschienen. Diese Kollektion enthält 15 Vertonungen liturgischer Texte und Psalmen, entstanden offenbar für Festgottesdienste in Nürnberger Kirchen. Die Musikstücke sind von höchst unterschied- lichem Charakter, von der solistisch zu besetzenden Motette bis hin zur prachtvollen Mehrchörigkeit nach venezianischem Vorbild.
Der Windsbacher Knabenchor, geleitet von Martin Lehman, präsentiert diese bedeutenden Werke sehr ansprechend und gekonnt. Die jungen Sänger überzeugen durch einen kraftvollen, von soliden Männerstimmen getragenen Chorklang. Sie singen auch in kleinen Gruppen sowie solistisch souverän. So sind neben den Solisten Hana Blažiková, Sopran, Alex Potter, Altus, Satoshi Mizukoshi, Tenor, und Dominik Wörner, Bass, etliche Chorsolisten zu hören.
Klanggewaltige Werke mit raffinierten Wirkungen durch Echo- und Fern- chöre wechseln sich ab mit virtuosen, mit einzelnen Sängern besetzten Stücken. Begleitet werden sie ebenso gekonnt von den Alte-Musik-Spezia- listen der Capella de la Torre und des Concerto Palatino. Beeindruckend! Es ist sehr erstaunlich, dass diese großartige Musik bisher noch nicht einmal editorisch erschlossen ist. Insofern freut man sich über dieses Engagement für sein Werk – und wünscht sich mehr davon.
Der Dreißigjährige Krieg allerdings machte auch vor der wohlhabenden Reichsstadt nicht halt. 1627 erlagen Stadens Ehefrau und vier seiner Kinder einer Pest-Epidemie. 1629 heiratete der Organist daher erneut. Den Frieden sollte er nicht mehr erleben. 1634 grassierte erneut die Pest in Nürnberg. Die Seuche raffte tausende Bürger dahin; auch Staden fiel ihr zum Opfer.
Auf dieser CD ist in Weltersteinspielung seine Kirchenmusik 1 zu hören, 1625 im Druck erschienen. Diese Kollektion enthält 15 Vertonungen liturgischer Texte und Psalmen, entstanden offenbar für Festgottesdienste in Nürnberger Kirchen. Die Musikstücke sind von höchst unterschied- lichem Charakter, von der solistisch zu besetzenden Motette bis hin zur prachtvollen Mehrchörigkeit nach venezianischem Vorbild.
Der Windsbacher Knabenchor, geleitet von Martin Lehman, präsentiert diese bedeutenden Werke sehr ansprechend und gekonnt. Die jungen Sänger überzeugen durch einen kraftvollen, von soliden Männerstimmen getragenen Chorklang. Sie singen auch in kleinen Gruppen sowie solistisch souverän. So sind neben den Solisten Hana Blažiková, Sopran, Alex Potter, Altus, Satoshi Mizukoshi, Tenor, und Dominik Wörner, Bass, etliche Chorsolisten zu hören.
Klanggewaltige Werke mit raffinierten Wirkungen durch Echo- und Fern- chöre wechseln sich ab mit virtuosen, mit einzelnen Sängern besetzten Stücken. Begleitet werden sie ebenso gekonnt von den Alte-Musik-Spezia- listen der Capella de la Torre und des Concerto Palatino. Beeindruckend! Es ist sehr erstaunlich, dass diese großartige Musik bisher noch nicht einmal editorisch erschlossen ist. Insofern freut man sich über dieses Engagement für sein Werk – und wünscht sich mehr davon.
Mittwoch, 11. März 2015
Vienna 1709 (Accent)
Die Viola da gamba eignet sich wie kaum ein anderes Instrument dazu, mit musikalischen Mitteln Emotionen auszudrücken. Auf dieser CD stellen die Sopranistin Hana Blažíková und der Gambenvirtuose Petr Wagner mit seinem Ensemble Tourbillon zahl- reiche Arien vor, die dies in schönster Weise belegen. Obwohl die Gambe am Hof in Wien nur relativ kurze Zeit als obligates Begleitinstrument gefragt war, ist es erstaunlich, wie viele delikate Partien die Komponi- sten dort für dieses Instrument geschaffen haben. Die kaiserliche Familie interessierte sich für Musik, und die Gambe galt als Instrument des Adels – auch deshalb erklang sie, quasi als musikalische Huldigung, bevorzugt in Opern und Oratorien, die Mitgliedern des Herrscherhauses oder Adligen gewidmet waren.
Zu hören sind Arien von Pietro Baldassari (vor 1690 bis nach 1768), Attilio Ariosti (1666 bis 1729), Giovanni Battista Bononcini (1670 bis 1747) und dem trefflichen Johann Joseph Fux (um 1660 bis 1741), dessen Musik leider bislang weitgehend noch der Erweckung aus dem Archivschlaf harrt. Das lohnt sich, wie die wundervollen Werke beweisen, die für diese CD ausgewählt wurden. Ob hochvirtuos oder sanglich schlicht – wie er die Gambe einsetzt, um Affekte zu gestalten, das beeindruckt noch heute. Petr Wagner geben diese Partien reichlich Gelegenheit, zu brillieren. Besonders schön erklingt die Gambe allerdings im Duett mit dem lichten und klaren Sopran von Hana Blažíková, meiner Meinung nach eine der derzeit schönsten Stimmen Europas. Bravi!
Zu hören sind Arien von Pietro Baldassari (vor 1690 bis nach 1768), Attilio Ariosti (1666 bis 1729), Giovanni Battista Bononcini (1670 bis 1747) und dem trefflichen Johann Joseph Fux (um 1660 bis 1741), dessen Musik leider bislang weitgehend noch der Erweckung aus dem Archivschlaf harrt. Das lohnt sich, wie die wundervollen Werke beweisen, die für diese CD ausgewählt wurden. Ob hochvirtuos oder sanglich schlicht – wie er die Gambe einsetzt, um Affekte zu gestalten, das beeindruckt noch heute. Petr Wagner geben diese Partien reichlich Gelegenheit, zu brillieren. Besonders schön erklingt die Gambe allerdings im Duett mit dem lichten und klaren Sopran von Hana Blažíková, meiner Meinung nach eine der derzeit schönsten Stimmen Europas. Bravi!
Montag, 10. Juni 2013
Bach: Cantatas; Suzuki (BIS)
Mit großem Engagement treiben alle Beteiligten die Bach-Kantaten- edition des Bach Collegiums Japan unter Masaaki Suzuki bei BIS Records voran. Mittlerweile liegt Super Audio-CD Nummer 53 vor; dazu kommt CD Nummer drei mit weltlichen Kantaten. Sie enthält auch das fragmentarisch über- lieferte Quodlibet BWV 524, vom dem hier vermutet wird, es sei zu einer Hochzeit entstanden.
Suzuki musiziert stets mit einem ausgesuchten kleinen Ensemble. Den Solisten stehen einige wenige Ripienisten zur Seite. Auch Orche- ster und Continuo sind schlank besetzt. Diese Einspielung ist in ihrer exzellenten Qualität derzeit unübertroffen. Man freut sich über die Brillanz, die Intensität und die Ausdrucksstärke, mit der diese Auf- nahmen immer wieder beeindrucken. Bravi!
Suzuki musiziert stets mit einem ausgesuchten kleinen Ensemble. Den Solisten stehen einige wenige Ripienisten zur Seite. Auch Orche- ster und Continuo sind schlank besetzt. Diese Einspielung ist in ihrer exzellenten Qualität derzeit unübertroffen. Man freut sich über die Brillanz, die Intensität und die Ausdrucksstärke, mit der diese Auf- nahmen immer wieder beeindrucken. Bravi!
Dienstag, 26. Februar 2013
Bach: Ach süßer Trost! Leipzig Cantatas (Phi)
Den Leipziger Kantaten von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) wendet sich Philippe Herreweghe mit seinem Ensemble Collegium Vocale Gent auf dieser CD zu. Das ist durchaus ein span- nendes Thema, denn Bach, der zuvor in Weimar und Köthen als Konzertmeister und als Hof- kapellmeister gewirkt hatte, hatte auch in Leipzig nicht die Absicht, traditionelle Kantorenmusik zu liefern.
Herreweghe hat vier Kantaten aus Bachs erstem Leipziger Kantaten-Jahrgang ausgewählt, um zu demonstrieren, wie experimentier- freudig der neu gewählte Thomaskantor war. Die Kantaten Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht BWV 105, Schauet doch und sehet, ob irgendein Schmerz sei BWV 46, Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe BWV 25 und Warum betrübst du dich, mein Herz? BWV 138 entstanden sämtlich in den Monaten Juli bis September 1723 - und sie beeindrucken durch formale wie gestalterische Vielfalt. Auch bei den technischen Ansprüchen, die Bach an Instrumentalisten und Sänger stellte, ist zu bemerken, dass er seine Anforderungen keines- wegs zurückschraubte.
Die Sänger und Musiker des Collegium Vocale Gent freilich kann das nicht schrecken. Sie interpretieren die vier Kantaten unter Leitung von Philippe Herreweghe in gewohnt expressiver Weise. Das Ensem- ble ist hervorragend besetzt; die Aufnahme beeindruckt durch ihre erlesene Klangkultur, Ausgewogenheit und Textnähe. Wenn dies eine Reihe werden soll, dann darf man sich auf die nächsten Einspielungen freuen - bravi!
Herreweghe hat vier Kantaten aus Bachs erstem Leipziger Kantaten-Jahrgang ausgewählt, um zu demonstrieren, wie experimentier- freudig der neu gewählte Thomaskantor war. Die Kantaten Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht BWV 105, Schauet doch und sehet, ob irgendein Schmerz sei BWV 46, Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe BWV 25 und Warum betrübst du dich, mein Herz? BWV 138 entstanden sämtlich in den Monaten Juli bis September 1723 - und sie beeindrucken durch formale wie gestalterische Vielfalt. Auch bei den technischen Ansprüchen, die Bach an Instrumentalisten und Sänger stellte, ist zu bemerken, dass er seine Anforderungen keines- wegs zurückschraubte.
Die Sänger und Musiker des Collegium Vocale Gent freilich kann das nicht schrecken. Sie interpretieren die vier Kantaten unter Leitung von Philippe Herreweghe in gewohnt expressiver Weise. Das Ensem- ble ist hervorragend besetzt; die Aufnahme beeindruckt durch ihre erlesene Klangkultur, Ausgewogenheit und Textnähe. Wenn dies eine Reihe werden soll, dann darf man sich auf die nächsten Einspielungen freuen - bravi!
Donnerstag, 31. Mai 2012
Zelenka: Sepolcri - Cantatas for Holy Sepulchre (Supraphon)
"Die frühen Werke eines Kompo- nisten sind besonders interessant", meint Professor Dr. Wolfgang Horn, Inhaber des Lehrstuhls für Musikwissenschaft an der Uni- versität Regensburg. "Oft zeigen sie eine große Kraft und Kühnheit, zuweilen aber auch mangelnde Übung und Erfahrung. Gerade dies aber verrät, welchen Idealen ein Komponist zustrebt."
Der Zelenka-Experte hat zwei der drei Kantaten auf dieser CD rekon- struiert und für Aufführungen wieder zugänglich gemacht. Dr. Reinhold Kubik, Wien, edierte Immisit Dominus pestilentiam ZWV 58, das dritte Werk, das hier zu hören ist. Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) schrieb sie für das Sepulcrum Sacrum; sie waren also Bestandteil der Osterliturgie am Collegium Clementinum, und wurden bei den Altstädter Jesuiten in Prag als Bestandteil der Meditation am Gottesgrab aufgeführt.
Immisit Dominus pestilentiam komponierte Zelenka im Jahre 1709. Attendite et videte ZWV 59 entstand 1712, da war der Musiker bereits in Dresden angestellt, und Deus dux fortissime ZWV 60 schrieb er 1716, da weilte er zu einem Studienaufenthalt beim Kaiserlichen Kapellmeister Johann Joseph Fux in Wien. Alle drei Werke, berichtet Horn in dem sehr informativen Beiheft der CD, sind in Dresden als autographe Partituren überliefert, die aber schlecht erhalten seien. Insbesondere Attendite et videte sei nur deshalb zu rekonstruieren gewesen, weil der Komponist bei dieser Kantate auf seine Missa Sanctae Caeciliae ZWV 1 zurückgegriffen hat, und so vorhandene Musik per Parodieverfahren in ein "neues" Stück verwandelt hat. Dieses "Musik-Recycling" war damals üblich; Händel beispielsweise hat seine schönsten Melodien mehrfach in seinen Opern eingesetzt, und auch Bach ließ Tönet ihr Pauken auch als Jauchzet, frohlocket singen.
Bei Supraphon sind Zelenkas Kantaten nun in der Reihe Music from eighteenth-century Prague erschienen. Die Musikaliensammlung der Salvatorkirche im Prager Clementinum ist nicht erhalten geblieben, so dass diese Werke zu den wenigen Dokumenten gehören, die uns heute einen Rückschluss auf die Kirchenmusik ermöglichen, die im größten und ältesten Jesuitenkolleg Böhmens zu dieser Zeit erklungen ist.
Das Collegium Marianum hat die Weltersteinspielung der drei Sepol- kra übernommen. Das Ensemble, das auf zeitgenössischen Instru- menten musiziert und von der Flötistin Jana Semerádová geleitet wird, konnte für dieses Projekt ein Doppelquartett von herausragen- den Sängern gewinnen. Hana Blazíková und Barbora Sojková, Sopran, David Erler und Daniela Cermáková, Alt, Tobias Hunger und Tomás Lajtkep, Tenor sowie Tomás Král und Jaromír Nosek, Bass, singen ausdrucksstark; Solisten wie Ripienisten sind exzellent, und die Auf- nahme ist vom ersten bis zum letzten Ton eine Freude.
Der Zelenka-Experte hat zwei der drei Kantaten auf dieser CD rekon- struiert und für Aufführungen wieder zugänglich gemacht. Dr. Reinhold Kubik, Wien, edierte Immisit Dominus pestilentiam ZWV 58, das dritte Werk, das hier zu hören ist. Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) schrieb sie für das Sepulcrum Sacrum; sie waren also Bestandteil der Osterliturgie am Collegium Clementinum, und wurden bei den Altstädter Jesuiten in Prag als Bestandteil der Meditation am Gottesgrab aufgeführt.
Immisit Dominus pestilentiam komponierte Zelenka im Jahre 1709. Attendite et videte ZWV 59 entstand 1712, da war der Musiker bereits in Dresden angestellt, und Deus dux fortissime ZWV 60 schrieb er 1716, da weilte er zu einem Studienaufenthalt beim Kaiserlichen Kapellmeister Johann Joseph Fux in Wien. Alle drei Werke, berichtet Horn in dem sehr informativen Beiheft der CD, sind in Dresden als autographe Partituren überliefert, die aber schlecht erhalten seien. Insbesondere Attendite et videte sei nur deshalb zu rekonstruieren gewesen, weil der Komponist bei dieser Kantate auf seine Missa Sanctae Caeciliae ZWV 1 zurückgegriffen hat, und so vorhandene Musik per Parodieverfahren in ein "neues" Stück verwandelt hat. Dieses "Musik-Recycling" war damals üblich; Händel beispielsweise hat seine schönsten Melodien mehrfach in seinen Opern eingesetzt, und auch Bach ließ Tönet ihr Pauken auch als Jauchzet, frohlocket singen.
Bei Supraphon sind Zelenkas Kantaten nun in der Reihe Music from eighteenth-century Prague erschienen. Die Musikaliensammlung der Salvatorkirche im Prager Clementinum ist nicht erhalten geblieben, so dass diese Werke zu den wenigen Dokumenten gehören, die uns heute einen Rückschluss auf die Kirchenmusik ermöglichen, die im größten und ältesten Jesuitenkolleg Böhmens zu dieser Zeit erklungen ist.
Das Collegium Marianum hat die Weltersteinspielung der drei Sepol- kra übernommen. Das Ensemble, das auf zeitgenössischen Instru- menten musiziert und von der Flötistin Jana Semerádová geleitet wird, konnte für dieses Projekt ein Doppelquartett von herausragen- den Sängern gewinnen. Hana Blazíková und Barbora Sojková, Sopran, David Erler und Daniela Cermáková, Alt, Tobias Hunger und Tomás Lajtkep, Tenor sowie Tomás Král und Jaromír Nosek, Bass, singen ausdrucksstark; Solisten wie Ripienisten sind exzellent, und die Auf- nahme ist vom ersten bis zum letzten Ton eine Freude.
Freitag, 6. April 2012
Bach for Japan (BIS)
"Bei der Zusammenstellung dieser CD waren wir mit unseren Gedanken bei all jenen Menschen in Japan, die zu den Opfern des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März 2011 gehören", schreibt Masaaki Suzuki, der künstlerische Leiter des Bach Collegiums Japan, im Beiheft zu dieser CD. Sie hat gleich zwei Ziele: Zum einen handelt es sich um eine Benefiz-CD, die erscheint, um Geld zu sammeln für das "Tohoku Help"-Netzwerk der christlichen Kirchen des vom Erdbeben schwer getroffenen Gebietes. Dieses Projekt wurde wenige Tage nach dem Erdbeben gegründet, um die Opfer der Katastrophe unterstützen.
"In den vergangenen 20 Jahren haben wir mit dem Bach Collegium Japan erlebt, wie die Musik J. S. Bachs modernen Hörern Trost und Hoffnung bietet, ganz wie sie es auch im 18. Jahrhundert tat", erläu- tert Suzuki das zweite Ziel. "Angesichts der gegenwärtigen Situation haben wir uns dieser Erfahrungen erinnert und das vorliegende Album zusammengestellt - im Gedenken an die vielen Menschen, die ihr Leben verloren, und in der Hoffnung, dass die Musik denen Trost spenden möge, die schmerzliche Verluste erlitten haben, dass sie ihre Schmerzen lindere und ihnen die Kraft gebe, das Land für die nächste Generation wieder aufzubauen."
Es ist ein ruhiges Programm, Musik der Trauer, der Besinnung und der Glaubensgewissheit, vorgetragen in jener exzellenten Qualität, die man mit dem Bach Collegium Japan, seinen hervorragenden Sängern und Musikern verbindet. Die CD beginnt mit Ich steh mit einem Fuß im Grabe BWV 156. Und sie schliesst mit Bachs Motette Komm Jesu, komm BWV 229.
Diese Musik würde auch in Kirchgemeinden hierzulande und auf deutschen Friedhöfen Trauernde wunderbar trösten; es ist ein wohlüberlegtes, erstaunlich farbenreiches Programm, und ich denke, dass diese CD jeder Bestatter kennen sollte. Man kann sie ganz sicher auch an Trauernde verschenken, um Trost zu spenden - und auch wenn sich mit dem Thema in unserem Kulturkreis heutzutage wohl niemand mehr freiwillig auseinandersetzt: Leute, kauft diese CD. Sie ist wirklich phantastisch, und die Menschen in Japan können Hilfe noch immer brauchen.
"In den vergangenen 20 Jahren haben wir mit dem Bach Collegium Japan erlebt, wie die Musik J. S. Bachs modernen Hörern Trost und Hoffnung bietet, ganz wie sie es auch im 18. Jahrhundert tat", erläu- tert Suzuki das zweite Ziel. "Angesichts der gegenwärtigen Situation haben wir uns dieser Erfahrungen erinnert und das vorliegende Album zusammengestellt - im Gedenken an die vielen Menschen, die ihr Leben verloren, und in der Hoffnung, dass die Musik denen Trost spenden möge, die schmerzliche Verluste erlitten haben, dass sie ihre Schmerzen lindere und ihnen die Kraft gebe, das Land für die nächste Generation wieder aufzubauen."
Es ist ein ruhiges Programm, Musik der Trauer, der Besinnung und der Glaubensgewissheit, vorgetragen in jener exzellenten Qualität, die man mit dem Bach Collegium Japan, seinen hervorragenden Sängern und Musikern verbindet. Die CD beginnt mit Ich steh mit einem Fuß im Grabe BWV 156. Und sie schliesst mit Bachs Motette Komm Jesu, komm BWV 229.
Diese Musik würde auch in Kirchgemeinden hierzulande und auf deutschen Friedhöfen Trauernde wunderbar trösten; es ist ein wohlüberlegtes, erstaunlich farbenreiches Programm, und ich denke, dass diese CD jeder Bestatter kennen sollte. Man kann sie ganz sicher auch an Trauernde verschenken, um Trost zu spenden - und auch wenn sich mit dem Thema in unserem Kulturkreis heutzutage wohl niemand mehr freiwillig auseinandersetzt: Leute, kauft diese CD. Sie ist wirklich phantastisch, und die Menschen in Japan können Hilfe noch immer brauchen.
Donnerstag, 15. März 2012
Bach: Missa in h-moll; Herreweghe (Phi)
Die h-Moll-Messe ist mir bislang immer wie ein Fremdkörper in Bachs urprotestantischem Werk erschienen. Überforderte Chöre und wenig inspiriert, aber desto engagierter vortragende Sänger lassen die Beschäftigung mit Bachs "großer catholischer Messe" regelmäßig zur Qual werden - denn wer über Musik schreiben möchte, muss auch schlechte Aufnahmen bis zum bitteren Ende ertragen. So hatte ich wenig Hoffnung, als ich diese CD startete - doch schon nach wenigen Takten weicht das Ent- setzen der Faszination: Das ist Musik!
Es ist bereits seine dritte Einspielung der h-Moll-Messe, die Philippe Herreweghe nun bei seinem eigenen Label Phi veröffentlicht. Die jahrzehntelange intensive Auseinandersetzung des Dirigenten mit Bachs Musik schuf die Grundlage für diese phantastische Aufnahme - für die ihm allerdings auch erstklassige Musiker und Sänger als Part- ner zur Verfügung standen.
Es ist bereits seine dritte Einspielung der h-Moll-Messe, die Philippe Herreweghe nun bei seinem eigenen Label Phi veröffentlicht. Die jahrzehntelange intensive Auseinandersetzung des Dirigenten mit Bachs Musik schuf die Grundlage für diese phantastische Aufnahme - für die ihm allerdings auch erstklassige Musiker und Sänger als Part- ner zur Verfügung standen.
Die Solistenriege besteht aus Dorothee Mields, Hana Blažiková, Damien Guillon, Thomas Hobbs und Peter Kooij, durchweg Sänger mit reicher Erfahrung im Bereich der "Alten" Musik. Und auch das Colle- gium Vocale Gent zeigt sich bestens disponiert. Solisten wie Ripie- nisten singen berückend. So himmlisch klingt Bachs Messe also, wenn Musiker nirgends durch ihre Technik limitiert sind.
Herreweghe kann auf einen homogenen, traumhaft schönen En- sembleklang bauen. Wie er Bachs musikalischen Strukturen zum Leben erweckt, das hätte wohl auch den Thomaskantor begeistert. Herreweghe setzt ganz auf eine textnahe Interpretation, und sie ist hier in einzigartiger Intensität gelungen. Diese herausragende Ein- spielung ist ohne Zweifel die neue Referenzaufnahme.
Dienstag, 28. Februar 2012
Zelenka: Il serpente di bronzo (Nibiru)
Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) wirkte als Kontrabassist, Kapellmeister - ohne freilich jemals diesen Titel zu erhalten - und "Kirchen-Compositeur" am Dresdner Hof. Seine Kantate Il serpente di bronzo wurde am Karfreitag 1730 erstmals aufge- führt. Sie gehörte in die Reihe jener italienischen Oratorien, die bis 1825 alljährlich am Karfreitag und Karsamstag in der Hofkirche erklangen. Diese galten nicht dem Passionsbericht, sondern Erzählungen aus dem Alten und Neuen Testament, die mit dem Leiden und Sterben Christi assoziiert wur- den.
Il serpente di bronzo beruht auf Numeri 21, 4 bis 9; der Librettist, Hofpoet Stefano Benedetto Pallavicini, erfindet dazu drei Figuren - Azaria, Namuel und Egla, um den biblischen Bericht in eine kurze Handlung zu bringen. Das Volk Israel nämlich ist müde geworden, will nicht länger durch die Wüste marschieren und sehnt sich nach Ägyp- ten zurück. Um das Volk zu strafen, sendet Gott, Bass, in seinem Zorn Schlangen aus, die mit einem Biss die Zweifler zum Schweigen bringen und jede Flucht verhindern sollen. Derart bedrängt, wird das Volk schnell wieder fromm - und Mose, Tenor, fleht zu Gott um Hilfe. Der lässt mit sich reden, und weist Mose an, eine Schlange gießen und aufstellen zu lassen. Wer diese Statue ansieht, der soll - wenn er wür- dig ist - geheilt werden. Und dann berichtet Moses von der Vision des an Kreuz genagelten Gottes - und nur, wer ihm seinen Blick zuwendet, der finde Heil und Leben.
Zelenkas Umsetzung dieser Geschichte erweist sich als außerordent- lich originell und zugleich klangschön. Der Komponist verzichtet beispielsweise auf eine Ouvertüre; er eröffnet und beschließt das Werk mit Doppelchören. Insbesondere in den Klagegesängen und in dem grandiosen Gebet des Mose offenbart Zelenka, dass er sein Handwerk in herausragender Weise verstand.
Adam Viktora hat das Werk nun mit dem Ensemble Inégal in Welt- ersteinspielung bei dem tschechischen Label Nibiru vorgestellt. Die Aufnahme beeindruckt. Das Ensemble musiziert frisch und rhetorisch versiert, und auch die Sänger sind exzellent. Insbesondere die Soli- sten sind ausgewiesene Experten für "Alte" Musik, die schon an zahl- reichen anderen Projekten mitgewirkt haben. Zu hören sind Hana Blaziková, Sopran, Petra Noskaiová und Alex Potter, Alt, Jaroslav Brezina, Tenor und Peter Kooij, Bass.
Il serpente di bronzo beruht auf Numeri 21, 4 bis 9; der Librettist, Hofpoet Stefano Benedetto Pallavicini, erfindet dazu drei Figuren - Azaria, Namuel und Egla, um den biblischen Bericht in eine kurze Handlung zu bringen. Das Volk Israel nämlich ist müde geworden, will nicht länger durch die Wüste marschieren und sehnt sich nach Ägyp- ten zurück. Um das Volk zu strafen, sendet Gott, Bass, in seinem Zorn Schlangen aus, die mit einem Biss die Zweifler zum Schweigen bringen und jede Flucht verhindern sollen. Derart bedrängt, wird das Volk schnell wieder fromm - und Mose, Tenor, fleht zu Gott um Hilfe. Der lässt mit sich reden, und weist Mose an, eine Schlange gießen und aufstellen zu lassen. Wer diese Statue ansieht, der soll - wenn er wür- dig ist - geheilt werden. Und dann berichtet Moses von der Vision des an Kreuz genagelten Gottes - und nur, wer ihm seinen Blick zuwendet, der finde Heil und Leben.
Zelenkas Umsetzung dieser Geschichte erweist sich als außerordent- lich originell und zugleich klangschön. Der Komponist verzichtet beispielsweise auf eine Ouvertüre; er eröffnet und beschließt das Werk mit Doppelchören. Insbesondere in den Klagegesängen und in dem grandiosen Gebet des Mose offenbart Zelenka, dass er sein Handwerk in herausragender Weise verstand.
Adam Viktora hat das Werk nun mit dem Ensemble Inégal in Welt- ersteinspielung bei dem tschechischen Label Nibiru vorgestellt. Die Aufnahme beeindruckt. Das Ensemble musiziert frisch und rhetorisch versiert, und auch die Sänger sind exzellent. Insbesondere die Soli- sten sind ausgewiesene Experten für "Alte" Musik, die schon an zahl- reichen anderen Projekten mitgewirkt haben. Zu hören sind Hana Blaziková, Sopran, Petra Noskaiová und Alex Potter, Alt, Jaroslav Brezina, Tenor und Peter Kooij, Bass.
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Bach: Cantatas; Suzuki (BIS)
Die Bach-Kantatenedition des Bach Collegiums Japan unter Masaaki Suzuki ist mittlerweile bei Super Audio-CD Nummer 50 angekom- men. Die Rezensentin hat in die CD 47 und 49 hineingehört, und war erneut begeistert. Hier wird wirk- lich auf dem allerletzten, absolut aktuellen Stand der Forschung fundiert musiziert. Doch dabei kom- men weder der Ausdruck noch die Andacht zu kurz. Diese Aufnahmen haben eine ganz er- staunliche Ausstrahlung, die weit über die pure musikalische Brillanz hinausgeht.
Suzuki setzt auf ein Mini-Ensemble; die Solisten werden durch einige wenige Ripienisten unterstützt, und auch das Orchester und das Con- tinuo sind außerordentlich schlank besetzt. Das hindert die Musiker aber nicht daran, beispielsweise in der Kantate Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm zum Neujahr BWV 171 eine faszinierende Klangpracht zu entwickeln. Dies ist ohne Zweifel derzeit die beste Bach-Kantateneinspielung auf dem Markt - auch wenn die Bläser nicht durchweg der reine Genuss sind. Unbedingt zu empfehlen!
Suzuki setzt auf ein Mini-Ensemble; die Solisten werden durch einige wenige Ripienisten unterstützt, und auch das Orchester und das Con- tinuo sind außerordentlich schlank besetzt. Das hindert die Musiker aber nicht daran, beispielsweise in der Kantate Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm zum Neujahr BWV 171 eine faszinierende Klangpracht zu entwickeln. Dies ist ohne Zweifel derzeit die beste Bach-Kantateneinspielung auf dem Markt - auch wenn die Bläser nicht durchweg der reine Genuss sind. Unbedingt zu empfehlen!
Samstag, 7. August 2010
Bach: Cantatas, Vol. 46 (BIS)
Die vier Kantaten auf dieser Super Audio-CD entstanden in der zweiten Jahreshälfte 1726. Musik- wissenschaftler haben festgestellt, dass Bach damals die Musik für die sonntäglichen Kantatenaufführun- gen nicht mehr durchweg selbst geschrieben hat, sondern auch auf Werke anderer Komponisten zurückgriff.
So erklangen vom Februar bis September 1726 nachgewiesener- maßen auch 18 Kantaten des Mei- ninger Hofkapellmeisters Johann Ludwig Bach, eines entfernten Verwandten. Ob Bach dadurch ent- lastet worden ist, so dass er sich intensiver mit eigenen Projekten beschäftigen konnte, darüber können wir heute nur spekulieren.
Erkennbar ist aber, dass sich seine Kantaten verändert haben. Ins- besondere die Eingangschöre haben an Gewicht gewonnen; und die musikalische Konzeption der Kantaten erscheint durchgängig, wie aus einem Guss. So stellt Bach die wesentlichen Themen der Kantate Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben BWV 102 schon in der instru- mentalen Einleitung vor. Der Eingangschor der Kantate Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist erweist sich als ebenso faszinierende wie eindrückliche musikalische Predigt. In Wer Dank opfert, der preiset mich BWV 17 lenkt Bach zunächst den Blick zum Himmel, und dann auf die Endlichkeit irdischen Strebens.
So erklangen vom Februar bis September 1726 nachgewiesener- maßen auch 18 Kantaten des Mei- ninger Hofkapellmeisters Johann Ludwig Bach, eines entfernten Verwandten. Ob Bach dadurch ent- lastet worden ist, so dass er sich intensiver mit eigenen Projekten beschäftigen konnte, darüber können wir heute nur spekulieren.
Erkennbar ist aber, dass sich seine Kantaten verändert haben. Ins- besondere die Eingangschöre haben an Gewicht gewonnen; und die musikalische Konzeption der Kantaten erscheint durchgängig, wie aus einem Guss. So stellt Bach die wesentlichen Themen der Kantate Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben BWV 102 schon in der instru- mentalen Einleitung vor. Der Eingangschor der Kantate Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist erweist sich als ebenso faszinierende wie eindrückliche musikalische Predigt. In Wer Dank opfert, der preiset mich BWV 17 lenkt Bach zunächst den Blick zum Himmel, und dann auf die Endlichkeit irdischen Strebens.
Es erhub sich ein Streit BWV 19 zeigt den Kampf des Erzengels Michael gegen den Teufel als wilde Schlacht, ein martialisches Geschehen, begleitet von Pauken und Trompeten, die auch den Sieg dann in festlichem Glanz feiern. Der Hörer darf sich freuen, denn diese Einspielung überzeugt vom ersten bis zum letzten Ton. Sie beruht auf sorgfältigem Studium der Quellen - aber letztendlich begeistert das ausdrucksstarke Musizieren des Bach Collegiums Japan unter seinem Leiter Masaaki Suzuki.
Die Solisten Hana Blaziková (Sopran), Robin Blaze (Alto), Gerd Türk (Tenor) und Peter Kooij (Bass) singen ebenso wundervoll wie der ganze schlank besetzte Chor, in den sie nach ihren Soli jeweils wieder zurücktreten. So hat man diese Kantaten noch nicht gehört; das ist definitiv die beste Aufnahme, die derzeit erhältlich ist. Phantastisch!
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