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Sonntag, 27. Dezember 2020

Wilhelm Friedemann Bach: Duets for Two Flutes (Naxos)

 


Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784), der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs, gilt der Nachwelt ebenso als Tastenvirtuose denn als schwieriger Charakter. Dass er auch Flötenduette komponiert hat, erstaunt. Und wann diese sechs Duette entstanden sind, das kann nur vermutet werden. Quantz jedenfalls, Hausvirtuose und Flötenlehrer Friedrichs des Großen, hat Auszüge aus einigen dieser Stücke für seine Solfeggi verwendet. 

Bachs Duette für zwei Flöten erweisen sich als höchst anspruchsvoll. Die beiden Stimmen sind eng verflochten, sie imitieren einander, wetteifern in den Figurationen und singen gefühlvoll gemeinsam in den langsamen Sätzen. Patrick Gallois und Kazunori Seo präsentieren Bachs Kompositionen auf dieser CD mit Ebenmaß und Eleganz. 


Mittwoch, 26. Juli 2017

Devienne: Flute Concertos (Naxos)

Patrick Gallois setzt seine Gesamt- einspielung der Flötenkonzerte von François Devienne (1759 bis 1803) bei Naxos fort: Nach den Konzerten 1-4, Aufnahme und Lebensweg des Komponisten wurden hier im Blog bereits andernorts vorgestellt, sind nunmehr die Konzerte 5-8 und 9-12 erschienen. Es sind virtuose Werke voll Grazie und Eleganz; nicht alle dieser Kompositionen sind gleichermaßen herausragend – doch hörenswert, das macht diese Edition deutlich, sind sie allesamt. 
Gallois interpretiert Deviennes Konzerte stets mit Blick auf die Gesamtstruktur. Auch wenn er wunderbar und detailreich ausziert, verliert er sich doch niemals in Details und legte offenkundig keinen Wert darauf, Virtuosität als Selbstzweck zu zelebrie- ren. Es ist ein partnerschaftliches Musizieren, beinahe kammermusika- lisch intensiv, was er gestaltet. Der Flötenpart steht im steten Dialog mit dem Orchester, und genauso lässt sich auch das Swedish Chamber Orchestra bei dieser Aufnahme hören. Auf die Fortsetzung dieser Edition – wenn ich mich nicht irre, fehlen noch zwei Konzerte, die Deviennes Witwe posthum veröffentlicht hat – darf man gespannt bleiben. 

Freitag, 30. September 2016

Michael Haydn: Symphonies (Naxos)

Nach den Sinfonien von Franz Joseph Haydn (1732 bis 1809), die auf 34 CD mit unterschiedlichen Interpreten vollständig vorliegen, wendet sich Naxos nunmehr auch den Werken von Johann Michael Haydn (1737 bis 1806) zu. Die beiden ersten CD hat das Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice mit dem französischen Flötisten Patrick Gallois am Dirigentenpult mittlerweile veröffentlicht. Sie machen deutlich, dass die Musik von Michael Haydn durchaus Aufmerk- samkeit verdient – auch  wenn der Komponist bislang, im Schatten seines Bruders, weniger wahrgenommen worden ist. Er wirkte ab 1763 bis an sein Lebensende als Konzert- und Kapellmeister am Hofe des Fürsterzbischofs in Salzburg. Seine Sinfonien sind überraschend originell und zudem sehr elegant; man stellt bald fest, dass sie auch den jungen Wolfgang Amadeus Mozart hörbar inspiriert haben. 

Montag, 20. Juni 2016

Mercadante: Flute Concertos Nos. 1, 2 and 4 (Naxos)

Obwohl Saverio Mercadante (1795 bis 1870) in erster Linie Opern kompo- niert hat, lohnt sich doch auch der Blick auf sein Instrumentalwerk, wie diese CD beweist. Der Musiker, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, erhielt seine Ausbildung am Conser- vatorio di San Sebastiano in Neapel. Dort lernte er, Geige und Flöte zu spielen, und erhielt zudem Gesangs- unterricht sowie ab 1813 auch Unterricht im Fach Komposition. 
Während seiner Zeit am Konserva- torium schuf er ziemlich viele Instrumentalwerke; nach dem Studium allerdings schrieb er vorwiegend Opern. Von 1827 bis 1830 arbeitete Mercadante in Spanien; nach seiner Rückkehr wurde er 1833 Kapellmeister der Kathedrale zu Novara und 1840 der Nachfolger seines Lehrers Niccolò Antonio Zingarelli als Direktor des Konservatoriums in Neapel, wo er bis an sein Lebensende wirkte. 
Mercadante war, neben Bellini und Donizetti, der bedeutendste italienische Opernkomponist seiner Zeit und als solcher sehr erfolgreich. Erstaunli- cherweise sind seine Werke in Vergessenheit geraten. Patrick Gallois hat nun gemeinsam mit der Sinfonia Finlandia Jyväskylä für Naxos eine Gesamteinspielung der Flötenkonzerte von Mercadante begonnen. Sie startet mit dem Flötenkonzert Nr. 2 in e-Moll op. 57 – dem wohl bekanntesten Werk des Komponisten, das dieser bereits 1813 zu Papier gebracht hatte. Zu hören sind auf der ersten CD zudem die Konzerte Nr. 4 in G-Dur und Nr. 1 in E-Dur, op. 49. Sie beginnen stets mit einem umfangreichen Allegro maestoso; dann folgt ein relativ kurzer langsamer Mittelsatz, und zum Schluss erklingt ein virtuoser Kehraus – hier mit polnischen bzw. russischen Motiven. 
Mercadante setzt die Flöte wirkungsvoll in Szene; der Solist erhält reichlich Gelegenheit, zu brillieren. Gallois musiziert hörenswert, und dirigiert obendrein noch das Orchester, das erfreulich präzise agiert. Insgesamt sieben Flötenkonzerte, davon sechs für Soloflöte und eines für zwei Flöten, hat Mercadante geschrieben. Auf die Fortsetzung dieser Edition darf man also gespannt bleiben. 

Mittwoch, 20. Mai 2015

Devienne: Flute Concertos Nos. 1-4 (Naxos)

François Devienne (1759 bis 1803) war der Sohn eines Sattlers. Den ersten Musikunterricht erhielt er bei einem älteren Bruder; später unterwies ihn der Organist seines Heimatstädtchens. Als Devienne zehn Jahre alt war, schrieb er seine erste Messe, die auch aufgeführt wurde. 1776 folgte er seinem Bruder an den Hof von Zweibrücken. Später spielte er Fagott im Orchester der Pariser Oper, und studierte zudem das Flötenspiel beim Soloflötisten Félix Rault. Im Frühjahr 1780 trat er wahrscheinlich in den Dienst des Kardinals Louis-René de Rohan, wo er bis 1785 als Kammermusiker angestellt war. In dieser Zeit komponierte er auch etliche Werke, und er wirkte in dem renommierten Freimaurer-Orchester der Société Olympique mit, für das Joseph Haydn seine Pariser Sinfonien schrieb. 
1780 wurde das erste Werk Deviennes, ein Fagott-Konzert, in den Concerts Spirituel gespielt. Zwei Jahre später debütierte der Musiker dort als Solist – so erfolgreich, dass binnen kurzer Zeit zahlreiche weitere Auftritte dort folgten. Devienne spielte Fagott und Flöte in verschiedenen Orchestern, und er unterrichtete an der École gratuite de musique de la Garde nationale, aus der 1795 das Pariser Konservatorium hervorging. Der Flötist wurde umgehend zum Professsor bestellt. Als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt. Die Übungsstücke, die er für seine Schüler schrieb, werden noch heute gern verwendet – nicht zuletzt deshalb, weil sie gut klingen und die Musizierlust wecken. Er schrieb zudem eine Flötenschule, „Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte“, die, ähnlich wie Quantz' „Versuch einer Anleitung, die Flöte traversière zu spielen“ zu einer wichtigen musikhistorischen Quelle geworden ist. 
Devienne komponierte etliche Opern, für die er sehr gefeiert wurde, acht Sinfonien, zahlreiche Konzerte für Flöte und Fagott, einige Musiken für Blasorchester sowie jede Menge Kammermusik. Der Musiker erkrankte leider an einem Nervenleiden, so dass er nach Charenton gebracht werden musste, wo er wenig später verstarb, gerade einmal 44 Jahre alt. 
Schon Jean-Pierre Rampal hatte sich für die Werke des Kollegen einge- setzt. Jetzt hat sein Schüler Patrick Gallois bei Naxos gemeinsam mit dem Schwedischen Kammerorchester Deviennes erste vier Flötenkonzerte eingespielt. „François Devienne est le flûtiste à l'origine de l'école de flûte française“, begeistert sich Gallois. „Devienne a besoin d'une approche spécifique, une grande précision dans les ornements, l'inflexion du son, l'articulation et le phrasé.“ Solche Musik wiederzuentdecken, das bereite jedoch Probleme: „Nous redécouvrons toutes ces musiques sans avoir le temps de les comprendre et donc nous appliquons des solutions toutes faites aux questions posées. Un grand nombre de compositeurs ont été considérés comme mineurs faute de trouver une lecture correcte.“ 
Gallois hat die Werke Deviennes sorgfältig studiert. „Le travail de la méthode et de tous les concertos de Devienne conjointement aus 6 con- certos et à la méthode de Mercadante, grand admiteur de Devienne, m'a permis de définir une direction musicale grâce à la clarté des explications sur les ornements, articulations et coups de langue“, berichtet der Flötist. Die Sorgfalt lohnt sich, denn Deviennes Flötenkonzerte sind ebenso geistreich wie elegant. Und genauso sind sie hier zu hören. „La musique est faite de questions et chaque moment amène sa solution“, resümiert der Solist. „J'espère que cet registrement, par sa fraîcheur et vivacité, aura réussi à répondre en partie aux questions posées par François Devienne.“

Donnerstag, 21. Februar 2013

Mozart: Violin Sonatas arranged for flute and piano (Naxos)

Schaut man in sein Werkverzeich- nis, dann hat Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) die Flöte nur sehr gelegentlich mit Kompo- sitionen bedacht - was Flötisten bedauern. Denn seine beiden Flötenkonzerte, das Konzert für Flöte und Harfe, das Flötenquar- tett KV 285 sowie das berühmte Andante KV 315 sind durchaus gelungen, wenn man bedenkt, dass Mozart über die Flöte schrieb, sie sei "ein instrument, das ich nicht leiden kan"
Sucht man weiter nach Flötenmusik des Komponisten, so finden sich noch einige Sonaten, die er als Achtjähriger in London geschrieben hat. Sie waren für Violine oder Flöte und ein Tasteninstrument bestimmt, und Königin Charlotte gewidmet. Patrick Gallois, ein Schüler von Jean-Pierre Rampal und derzeit einer der besten Virtuosen auf diesem Instrument, hat aus den Sonaten für Klavier, zumeist in Begleitung einer Violine, die Mozart nach seiner Salzburger Kündigung geschaffen hat, vier ausgewählt, und für Flöte und Klavier bearbeitet.
Damit ist ihm ein großer Wurf gelungen, denn sie klingen nun, als wären sie tatsächlich für Flöte entstanden - und stellen eine enorme Bereicherung des schmalen Repertoires dar. Gallois hat die vier Werke gemeinsam mit der Pianistin Maria Prinz bei Naxos eingespielt. Es ist eine gelungene CD, klangschön, elegant und virtuos. Schön wäre es, wenn er nun auch noch die Noten publizieren würde. 

Montag, 23. August 2010

Witt: Symphony in C major "Jena" - Flute Concerto in G major (Naxos)

Auch Friedrich Witt würde heute im Konzertleben keine Rolle mehr spielen, hätte man nicht seine Sinfonie in C-Dur zunächst irrtüm- lich für ein Werk des jungen Beethoven gehalten. 1909 hatte Fritz Stein, Musikdirektor der Universität Jena, im Notenarchiv das komplette Aufführungs- material dieses Werkes entdeckt. Das Titelblatt fehlte. Auf einer Stimme war zu lesen "par Louis von Beethoven", auf einer anderen stand "Symphonie von Beethoven" - und der Komponist selber hatte einmal geäußert, dass er sich in jungen Jahren an einer Sinfonie in C-Dur nach dem Vorbild der Nr. 97 von Haydn versucht habe.
Später klärte sich freilich der Sachverhalt, und der Autor des Werkes steht mittlerweile zweifelsfrei fest: Friedrich Witt, geboren 1770 im württembergischen Niederstetten, hatte sein erstes Engagement als Cellist in der Kapelle des Fürsten von Oettingen-Wallerstein. Dort erhielt er Kompositionsunterricht vom Hofkapellmeister Anton Rösler, bekannter als Antonio Rosetti. Haydn selbst übersandte dem Fürsten einige seiner Londoner Sinfonien - womit auch die Herkunft der Inspirationsquelle geklärt wäre. 
1793 ging Witt auf Konzertreisen; 1802 übernahm er die Leitung der Fürstbischöflichen Kapelle in Würzburg. Nach ihrer Auflösung 1814 wurde er Kapellmeister am Würzburger Theater, für das er wohl auch etliche Opern schrieb. Witt komponierte zudem 23 Sinfonien, einige Messen, diverse Konzerte, Harmonie- und Kammermusik. 1836 starb er in Würzburg. 
Die vorliegende CD enthält neben der "Jenaer" Sinfonie eine weitere Sinfonie in A-Dur sowie das Flötenkonzert in G-Dur, op. 8. Es ist kein Wunder, dass die C-Dur-Sinfonie gut 50 Jahre lang für ein Werk des jungen Beethoven gehalten wurde. Denn genau so klingt sie - auf dem Wege zwischen Haydn und den späteren Werken des Wiener Kompo- nisten; formbewusst, geistreich und schwungvoll. Außerordentlich anspruchsvoll, aber auch sehr lohnenswert ist das Flötenkonzert. Es wird in dieser Aufnahme von Patrick Gallois gespielt, einem Schüler von Jean-Pierre Rampal, der auch dirigiert - in diesem Falle das Orchester Sinfonia Finlandia Jyväskylä, dessen künstlerischer Leiter er seit 2003 ist. Musiziert wird auf hohem Niveau, sehr differenziert, beinahe kammermusikalisch. Bravi!