Harmoniemusik erfreute sich einst, ganz besonders in Österreich, großer Beliebtheit. Wenn sich Adlige keine komplette Hofkapelle leisten konnten oder wollten – zu einem Bläseroktett reichte es dann doch allemal. Und wie es im Schloss klang, so tönte es bald auch in den Klöstern.
Gefragt waren dabei nicht nur Originalkompositionen. Die Bläserharmonien spielten gern die aktuellen „Hits“, das waren schon zu Mozarts Zeiten geschickte Arrangements von Orchesterstücken, vor allem aber auch beliebte Opernmelodien. Einer der bekanntesten Arrangeure solcher Werke war der Klarinettist Wenzel Sedlak (1776 bis 1851). Der Wiener Kapellmeister bearbeitete, sozusagen nebenbei, gut 25 Jahre lang Partituren von Opern und Balletten für die Harmoniemusik.
Etliche seiner Werke dürften für den Kaiserhof bestimmt gewesen sein. Doch auch bei den Augustinern in Altbrünn finden sich in der Klosterbibliothek mehr als 50 seiner Arrangements. Eines davon hat das legendäre Consortium Classicum um den Klarinettisten Dieter Klöcker 1986 bei Dabringhaus und Grimm eingespielt.
Der Freischütz von Carl Maria von Weber in der Version von Wenzel Sedlak, für Harmoniemusik plus Kontrabass – das ist gleich aus mehreren Gründen ein spannendes Unterfangen. So ist es interessant, nachzuvollziehen, welche Ausschnitte aus der Oper der Arrangeur bearbeitenswert oder aber arrangierbar fand. Zum anderen aber ist es bemerkenswert, welchen Instrumenten er welche Gesangslinie zugewiesen hat – und wie er generell mit den acht Bläsern versucht, Webers Orchesterklang kreativ zu bewältigen. Unmöglich? Wer diese CD anhört, der wird staunen. Und er wird sich an den cleveren Lösungen erfreuen, die Sedlak stets mit sicherer Hand gefunden hat. Was für ein Witz! Erfreulich ist aber auch die feinsinnige Interpreta- tion durch die neun Musiker, jeder einzelne ein Meister – dem Consortium Classicum zu lauschen, das ist immer wieder ein Vergnügen. Die Klangqualität der Aufnahmen dieses Labels zu loben, das hieße wohl Eulen nach Athen tragen. Wer Opern eigentlich mag, aber sich oft über die Sänger ärgert, der sollte sich diese Aufnahme unbedingt anhören.
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Donnerstag, 24. Juli 2014
Sonntag, 29. Juni 2014
Mozart: Harmoniemusik (Coviello Classics)
Dass erfolgreiche Werke oftmals in neuen Arrangements aufgeführt werden, ist ein alter Hut. Es erscheint ein bisschen kurios, dass Andreas N. Tarkmann im Beiheft zu dieser CD meint, sich für seine Bearbeitungen rechtfertigen zu müssen. Denn von Bach bis Berlioz und von Haydn bis Henze haben viele Komponisten eigene oder auch fremde Musik bearbeitet. Auch Mozart hat das mehr als einmal getan, beispielsweise um beliebte Melodien aus seinen Opern in einem Arrangement für Bläser vermarkten zu können. Diese sogenannten Harmoniemusiken waren zu Mozarts Zeit sehr beliebt. So hat der Komponist seine eigene Bläserserenade KV 375 nachträglich zum Oktett gemacht. In dieser Fassung spielt sie auf dieser CD das Ensemble Prisma. Tarkmann hat Mozarts Sinfonie Nr. 1 sehr ansprechend für Bläser arrangiert. Auch ein Fragment, das wohl einmal ein Quintett für Klarinette, Bassett- horn und Streicher werden sollte, ergänzte er, wobei er aber auf allzu kühne Hinzufügungen verzichtet hat. Das berühmte Rondo Alla Turca erklingt als virtuoser Schluss.
Donnerstag, 24. Januar 2013
Mendelssohn Bartholdy: Harmoniemusik for Wind Quintet (MDG)
Darf man Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) für ein Bläserquintett arrangieren? Der Komponist hätte über eine solche Nachfrage wahrscheinlich ungläubig gestaunt - denn er hat selber, wie es damals üblich war, etliche seiner Werke für die sogenannte Harmoniemusik bearbeitet.
So hatte Ulf-Guido Schäfer für sein Arrangement der Schauspielmusik von Mendelssohn Bartholdy zu Shakespeares Ein Sommernachts- traum sogar eine Vergleichsversion. Das hat den Klarinettisten des Ma'alot Quintettes aber nicht daran gehindert, das Material neu zu sichten und zu gruppieren. Denn nicht jeder Klangeffekt lässt sich auf Bläser übertragen. So entschied Schäfer, auf die Ouvertüre mit ihren flirrenden Streicherklängen zu verzichten, und startet mit dem Intermezzo und dem anschließenden Auftritt der Handwerker. Etliche Teile des Werkes hat der Arrangeur verwendet und zu einer Suite zusammengefasst. Auf den berühmten Hochzeitsmarsch freilich wird man vergeblich warten - dafür folgt auf das verträumte Notturno aber ein unterhaltsamer Rüpeltanz.
Stephanie Winkler, Flöte, Christian Wetzel, Oboe, Ulf-Guido Schäfer, Klarinette, Volker Grewel, Horn und Volker Tessmann am Fagott zeigen, dass ein Bläserquintett mit seiner Vielfalt an Klangfarben durchaus ähnlich abwechslungsreich aufspielen kann wie ein "richtiges" Orchester. Manche Melodie nimmt man erst durch die Bearbeitung so richtig wahr, weil die Bläser vom Klangbild her deutlich transparenter wirken. Spannend wird dies bei Schäfers Bearbeitung des Streichquartettes in Es-Dur op. 44/3, denn dieses Genre setzt eigentlich auf die Verschmelzung des Klanges der vier Streichinstrumente. Wenn die fünf Bläser ein solches Werk spielen, dann kommt eine gehörige Portion Farbe ins Spiel. Hier passt das sehr gut, wie der Hörer feststellen wird.
Zum Abschluss erklingt ein Stück, das Mendelssohn 1824 für ein kleines Orchester, die sogenannte Hofharmonie von Bad Doberan, geschrieben und später als op. 24 in einer Fassung für großes Blas- orchester veröffentlicht hat. Es hat eine interessante Geschichte, denn dieses Werk erklang später, als Mendelssohn in Leipzig Gewandhauskapellmeister war, alljährlich als Ständchen zu seinem Geburtstag. Der Kontrast zur Bläserquintett-Version ist da logi- scherweise nicht ganz so groß. Gelungen freilich sind die Bearbeitun- gen alle. Und die fünf Musiker spielen exzellent. Resümée: Unbedingt anhören!
So hatte Ulf-Guido Schäfer für sein Arrangement der Schauspielmusik von Mendelssohn Bartholdy zu Shakespeares Ein Sommernachts- traum sogar eine Vergleichsversion. Das hat den Klarinettisten des Ma'alot Quintettes aber nicht daran gehindert, das Material neu zu sichten und zu gruppieren. Denn nicht jeder Klangeffekt lässt sich auf Bläser übertragen. So entschied Schäfer, auf die Ouvertüre mit ihren flirrenden Streicherklängen zu verzichten, und startet mit dem Intermezzo und dem anschließenden Auftritt der Handwerker. Etliche Teile des Werkes hat der Arrangeur verwendet und zu einer Suite zusammengefasst. Auf den berühmten Hochzeitsmarsch freilich wird man vergeblich warten - dafür folgt auf das verträumte Notturno aber ein unterhaltsamer Rüpeltanz.
Stephanie Winkler, Flöte, Christian Wetzel, Oboe, Ulf-Guido Schäfer, Klarinette, Volker Grewel, Horn und Volker Tessmann am Fagott zeigen, dass ein Bläserquintett mit seiner Vielfalt an Klangfarben durchaus ähnlich abwechslungsreich aufspielen kann wie ein "richtiges" Orchester. Manche Melodie nimmt man erst durch die Bearbeitung so richtig wahr, weil die Bläser vom Klangbild her deutlich transparenter wirken. Spannend wird dies bei Schäfers Bearbeitung des Streichquartettes in Es-Dur op. 44/3, denn dieses Genre setzt eigentlich auf die Verschmelzung des Klanges der vier Streichinstrumente. Wenn die fünf Bläser ein solches Werk spielen, dann kommt eine gehörige Portion Farbe ins Spiel. Hier passt das sehr gut, wie der Hörer feststellen wird.
Zum Abschluss erklingt ein Stück, das Mendelssohn 1824 für ein kleines Orchester, die sogenannte Hofharmonie von Bad Doberan, geschrieben und später als op. 24 in einer Fassung für großes Blas- orchester veröffentlicht hat. Es hat eine interessante Geschichte, denn dieses Werk erklang später, als Mendelssohn in Leipzig Gewandhauskapellmeister war, alljährlich als Ständchen zu seinem Geburtstag. Der Kontrast zur Bläserquintett-Version ist da logi- scherweise nicht ganz so groß. Gelungen freilich sind die Bearbeitun- gen alle. Und die fünf Musiker spielen exzellent. Resümée: Unbedingt anhören!
Mittwoch, 10. August 2011
Romantic Wind Serenades (MDG)
Auf dieser CD präsentiert Dieter Klöckner mit dem Consortium Classicum ein vergessenes Meister- werk: Die Serenade von Wilhelm Emilius Hartmann (1836 bis 1898). "Die Komposition ist mit Sicherheit eines der wertvollsten Bläser- werke des 19. Jahrhunderts, und sie darf sich getrost an die Seite von Lachners Oktett op. 156 oder Dvoráks a-Moll-Serenade stellen", erklärt Klöckner. "Eine vollkom- mene Beherrschung der Instru- mentation, überraschende harmo- nische Einfälle und herrliche melodische Gedanken verwundern den heutigen Hörer stets auf Neue und werfen zugleich die Frage auf, warum ein solch exzeptionelles Werk gänzlich in Vergessenheit ge- raten konnte."
Die Aufnahme stellt dieses Stück neben die Serenade für Blasinstru- mente, Violoncello und Kontrabass in d-Moll op. 44 von Antonin Dvorák aus dem Jahre 1878, und einer Ouverture, die Felix Mendels- sohn Bartholdy 1824 im Urlaub für die Bad Doberaner Bademusik geschrieben hat - was ihr eine kuriose Besetzung eingebracht hat, in dem "Blaseorchester" spielten nämlich auch eine Trompete sowie ein Bass-Englischhorn. Dieses Instrument wird hier durch den Kontra- bass ersetzt. So kombiniert diese CD drei Raritäten aus der Zeit der Romantik, durchweg wunderschön, und vom Consortium Classicum traumhaft vorgestellt. Bravi!
Die Aufnahme stellt dieses Stück neben die Serenade für Blasinstru- mente, Violoncello und Kontrabass in d-Moll op. 44 von Antonin Dvorák aus dem Jahre 1878, und einer Ouverture, die Felix Mendels- sohn Bartholdy 1824 im Urlaub für die Bad Doberaner Bademusik geschrieben hat - was ihr eine kuriose Besetzung eingebracht hat, in dem "Blaseorchester" spielten nämlich auch eine Trompete sowie ein Bass-Englischhorn. Dieses Instrument wird hier durch den Kontra- bass ersetzt. So kombiniert diese CD drei Raritäten aus der Zeit der Romantik, durchweg wunderschön, und vom Consortium Classicum traumhaft vorgestellt. Bravi!
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