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Mittwoch, 26. Januar 2022

In Search Of (Avi-Music)


Seit zehn Jahren sind die Pianisten Gülru Ensari und Herbert Schuch ein Paar - und gefunden haben sie sich nicht nur fürs Leben, sondern auch auf dem Konzertpodium. Zwar musizieren die beiden noch immer solistisch, und sind auch begehrte Kammermusikpartner. Doch als Duo haben sie bereits zwei erfolgreiche Alben zusammen eingespielt, „Go East“ und „Dialogues“. 

Dabei war schon zu erkennen, dass die Künstler höchst unterschiedliche Hintergründe und Erfahrungen mitbringen - was ihre Partnerschaft aber offensichtlich beflügelt. Die Geburt ihrer Tochter Kayra hat Gülrü Ensari und Herbert Schuch nun veranlasst, sich auf die Suche nach Kindheitserinnerungen zu begeben. 

„Wir hatten beide einen Plattenspieler zuhause“, meint Gülru Ensari – doch das war es dann offensichtlich auch schon fast mit dem Gemeinsamkeiten. Im Beiheft ist beschrieben, dass Herbert Schuch seine Kindheit in Ceauşescu-Rumänien verbracht hat und zunächst „im Grünen“ aufgewachsen ist. Er gehört zur Minderheit der Banater Schwaben, und seine Familie liebte ungarische Operettenmelodien. 

Gülru Ensari kam in Istanbul zur Welt – einer Metropole zwischen Orient und Okzident. Auch ihre Kindheit war erfüllt von Musik, klassischer westlicher Musik, denn ihre Mutter war Pianistin, und deshalb wuchs sie mit Brahms, Dvořák und Tschaikowski auf. 

Erinnern konnten sich beide an Pjotr Tschaikowskis Ballett Der Nussknacker, dass sie schon als Kinder geliebt haben. Es erklingt hier in einer Fassung für zwei Klaviere von Nicolas Economou. Außerdem haben die Pianisten ausgewählte Ungarische Tänze von Johannes Brahms mit Antonin Dvořáks Slawischen Tänzen kombiniert – wobei sie den Hörer trotz orchestraler Vielfarbigkeit mit präzise herausgearbeiteten musikalischen Strukturen beglücken. „Uns interessierte die Begegnung, der Dialog, das Zusammenbringen von Unterschieden“, erklärt Herbert Schuch. „So wie es sich auch in unserer persönlichen Geschichte zeigt.“ Und im Klavierspiel des Duos, das auch im beim gemeinsamen Musizieren darauf besteht, Individualität produktiv einzubringen. 

Die Aufnahme schließt mit dem Auftragswerk Sarmal („Spirale“) des türkischen Komponisten Oğuzhan Balcı. Gülru Ensaris Mutter hat den Geiger oft am Klavier begleitet. Später, als auch Gülru Klavier studierte, stand er ihr als Konzertmeister und Dirigent bei Orchesterkonzerten zur Seite. Sein Stück Sarmal entfaltet einen regelrechten Sog, wie ein Gedankenwirbel; man kann dabei meditieren oder aber der eigenen Kindheit nachsinnen. Aus starken Wurzeln erwächst Neues, wie diese CD zeigt. Überaus spannend!
 

Freitag, 1. Januar 2021

Aus der Neuen Welt (Querstand)




Orgelduos sind reizvoll, aber auf CD selten zu finden. Zwei Organisten, die an einer Orgel gemeinsam musizieren – das verdoppelt quasi die Möglichkeiten, die dieses ohnehin orchestrale Instrument klanglich bietet. 
Die Brüder Markus und Pascal Kaufmann, aus dem sächsischen Lichtenstein stammend, pflegen diese spezielle Kunst schon seit Kindertagen. Mittlerweile haben sie gemeinsam an der Dresdner Musikhochschule sowie der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden studiert. Pascal Kaufmann war Assistent bei Frauenkirchen-Organist Samuel Kummer; er ist mittlerweile als Kirchenmusiker in Augustusburg unweit von Chemnitz tätig. Markus Kaufmann wirkt als Domorganist in Quedlinburg. 
Auf der vorliegenden CD musizieren die Brüder an der Orgel, die Daniel Kern für die Dresdner Frauenkirche geschaffen hat. Der Orgelbauer aus dem Elsass vereinte in diesem Instrument aus dem Jahre 2005 Register nach dem barocken Vorbild von Gottfried und Andreas Silbermann sowie nach dem Vorbild der großen französischen sinfonischen Orgeln von Aristide Cavaillé-Coll. Charakteristische Stimmen aus beiden Epochen stehen nebeneinander. 
Diese besonderen Klangmöglichkeiten nutzten Markus und Pascal Kaufmann auch für ihre Einspielung. Im Zentrum steht die Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ op. 95 von Antonín Dvořák in der von Pascal Kaufmann transkribierten Fassung für Orgel vierhändig. Komplettiert wird das Programm durch die Humoreske op. 101/7 des Komponisten in einer Transkription für Orgel von Edwin Lemare, vorgetragen von Markus Kaufmann, sowie durch eine Tondichtung von Franz Liszt – Der Heilige Franziskus von Paula auf den Wogen schreitend S 175, eigentlich ein Klavierstück, gleichfalls für vierhändiges Spiel auf der Orgel bearbeitet von Pascal Kaufmann. Die Kern-Orgel erweist sich als wunderbares Instrument für dieses Repertoire, und ihr Facettenreichtum passt zu dieser Musik ausgezeichnet.

Donnerstag, 19. März 2020

Ensemble Midtvest (Naxos)

Was spielt ein Ensemble, das ein Bläserquintett ebenso aufbieten kann wie exzellente Streicher sowie einen Pianisten? 
MidtVest ist ein ganz erstaunliches kammermusikalisches Chamäleon, und für sein Debütalbum bei Naxos hat das dänische Ensemble spezielle Arrangements von zwei berühmten Serenaden ausgewählt. Die Gran Partita KV 361 von Wolfgang Amadeus Mozart erklingt in einer zeitgenössischen Bearbeitung von Christian Friedrich Gottlieb Schwencke (1767 bis 1822) für Oboenquintett. Mozarts Musik inspirierte auch Antonín Dvořák zu seiner wunderschönen Serenade op. 44, hier in einer Version für fünf Bläser und vier Streicher, von dem tschechischen Kontrabassisten František Hertl. 
Dieses Programm ist Geschmackssache; aber musiziert wird grandios. MidtVest spielt ohne Frage in der Ausnahmeklasse. Das macht die CD zum Ereignis. 

Freitag, 27. September 2019

Sommernachtskonzert 2019 (Sony)

Das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker lockt alljährlich bis zu 100.000 Besucher in den festlich beleuchteten Park von Schloss Schönbrunn. In diesem Jahr musizierte das Orchester unter Leitung von Gustavo Dudamel. „Rhapsody in Blue“ lautete das Motto des Programmes – und da verwundert es nicht, dass faktisch alle Stücke irgend etwas mit Amerika zu tun hatten. Zugleich haben etliche von ihnen einen Bezug zur Wiener Musiktradition. 
Das Programm beginnt mit Leonard Bernsteins schwungvoller Ouvertüre zu Candide. Der Komponist, Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker, dirigierte sie in Wien sogar einmal selbst – beim Philharmonikerball 1978. Den Jubilee Waltz schrieb Johann Strauss 1872, als er in die USA reiste, um in Boston seine Musik beim World's Peace Jubilee zu dirigieren. 1893 reiste auch Carl Michael Ziehrer in die USA. In Chicago musizierte er mit seinem 60köpfigen Orchester in „Old Vienna“, einem Kulissendorf, in dem auch Händler und Gastronomen Spezialitäten aus dem Österreich anboten. Als Referenz an das Publikum schrieb Ziehrer den Sternenbanner-Marsch, in dem er populäre amerikanische Melodien jener Zeit verarbeitete. 
Die Idee zu The Stars and Stripes Forever hatte John Philipp Sousa auf der Rückreise von einem Urlaub in Europa 1896. Das Stück kann man getrost als amerikanischen Nationalmarsch ansehen. Etwas aus dem ansonsten recht beschwingten Rahmen fällt das berühmte Adagio von Samuel Barber. Er war der erste amerikanische Komponist, dessen Musik die Wiener Philharmoniker seinerzeit spielten – und die New Yorker Uraufführung dieses Stückes dirigierte einst 1938 Arturo Toscanini; seine Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern hatte dieser allerdings nach dem deutschen Einmarsch beendet. 
George Gershwin, auf dieser CD vertreten mit der Rhapsodie in Blue, arbeitete am Broadway eng mit Max Steiner zusammen. Der gebürtige Wiener schuf die Musik für über 300 Filme, zu hören ist hier die Casablanca-Suite
Böhmische und amerikanische Musiktraditionen verknüpfte Antonín Dvořák in seiner Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“. Der Komponist wirkte mehrere Jahre als Leiter eines Konservatoriums in den USA. Sein Werk wurde 1896 erstmals von den Wiener Philharmonikern aufgeführt. Dvořák war dem Orchester verbunden, und er hat es auch mehrfach dirigiert. 
Als Zugabe erklingt der Hoe-Down aus Aaron Coplands Ballett Rodeo, schwungvoll präsentiert von den Musikern. In diesem Konzert führte Gustavo Dudamel zwei sehr unterschiedliche musikalische Traditions- linien gekonnt zusammen, und zeigte, wie viele Berührungspunkte es doch gibt. Bei der Rhapsodie in Blue war Yuja Wang die grandiose Solistin. In der magischen Atmosphäre des wohl größten Klassik-Open-Airs konnte das Publikum somit ein ebenso unterhaltsames wie stimmungsvolles Konzert genießen. 

Samstag, 28. Juli 2018

Kozeluch: Cantata for the Coronation of Leopold II (Naxos)

Als Kaiser braucht man starke Nerven. Das wird bestätigen, wer die Huldi- gungskantate Heil dem Monarchen angehört hat, die Leopold Anton Koželuch (1747 bis 1818) anlässlich der Krönung von Leopold II. 1791 in Prag geschaffen hat. Sie hat ohne Zweifel ihre Längen, aber was tut man nicht alles zum Zwecke der Repräsen- tation. Außerdem war übrigens im Rahmen der Feierlichkeiten Mozarts Oper La clemenza di Tito erklungen. 
Koželuch war 1778 aus Prag nach Wien gegangen, wo er als Pianist sehr erfolgreich war, und bald als Musiklehrer der Prinzessin Elisabeth am kaiserlichen Hofe ein und aus ging. 1792 wurde er durch Kaiser Franz II., den Nachfolger Leopolds II., zum Kammerkapellmeister und Hofkomponisten ernannt. 
Die „Krönungs-Cantate“ hatte Koželuch auf Ersuchen der böhmischen Stände komponiert. Den Text schrieb August Gottlieb Meißner (1753 bis 1807), Professsor an der Prager Universität, Insidern vielleicht bekannt als Librettist, oder aber als Erfinder des Genres Kriminalgeschichte. Das Opus wurde dann von 200 Sängern und Musikern feierlich im Prager National-Theater aufgeführt. 
Wer also sollte berufener sein, diese Kantate wiederzuentdecken, als das Prager Sinfonieorchester FOK unter Leitung von Marek Štilec und ein handverlesenes Sängerensemble aus der Goldenen Stadt. Solisten sind Kristýna Vylíčová, Sopran, sowie Tomáš Kořínek und Josef Moravec, Tenor. Am Cembalo zu hören ist Filip Dvořák. Insgesamt ist die Besetzung freilich heute bescheidener als einst 1791; man staunt aber, welche Wucht die Chöre haben, obwohl die Martinů Voices in Kammerchorbesetzung agieren. 

Mittwoch, 2. Mai 2018

Landkjening - Landerkennung (Genuin)

Als die Fabriken und die Städte wuchsen und mehr und mehr Eisenbahnen durch die Lande schnauften, da trafen sich nach Feierabend die Männer gern im Gesangsverein – und sie sangen ein Loblied auf Heimat, Natur und Volksverbundenheit. 
Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit der Männerchöre. Und besonders schön sangen sie offenbar in Leipzig. 
So kam es, dass Musiker aus ganz Europa, die am Leipziger Konservatorium studierten, durch diese Chorvereine inspiriert wurden. Das romantische Repertoire passte ausgezeichnet zum erstarkenden politischen Bewusstsein in jener Zeit: Überall regten sich die Völker, mit dem Ziel, Nationalstaaten zu gründen. Und deshalb betonte man auch die eigenen Traditionen. 
Beispiele dafür hat das Ensemble Nobiles auf seiner dritten CD bei Genuin zusammengetragen. Bei einigen Liedern werden die Sänger durch die Pianisten Alexander Schmalcz und Sung-Ah Park gekonnt begleitet. Zu hören sind charaktervolle Vokalwerke aus Böhmen, Norwegen und Finnland, von Antonín Dvořák, Edvard Grieg und Jean Sibelius. 
Diese Raritäten erklingen in den Originalsprachen; im Beiheft sind die Texte sowie Übersetzungen zu finden. Die fünf Sänger aus Leipzig lassen sich blitzsauber und perfekt aufeinander abgestimmt hören. Allerdings vermisst man an manchen Stellen Kraft und Wucht, wie sie stärker besetzte Männerchöre aufbringen können. Dennoch bleibt es eine hinreißende Aufnahme, mit hervorragenden Klangqualitäten. 

Mittwoch, 11. April 2018

Ludwig Güttler - Edition Europa (Berlin Classics)

In Vorbereitung auf den 75. Ge- burtstag, den Ludwig Güttler im Juni feiert, hat Berlin Classics nun eine Vier-CD-Box veröffentlicht. Sie fasst noch einmal Werke zusammen, die dem berühmten Trompeter besonders wichtig sind. Das liegt nicht allein an ihrer musikalischen Qualität. Ebenso bedeutsam findet Güttler einen ganz anderen Aspekt der Musik: Sie führt Europa zusammen – und das schon seit Jahrhunderten. 
Unbeeindruckt von politischen Ent- wicklungen, reisten Musiker durch die Lande. Sie lernten voneinander, sie korrespondierten miteinander, und sie tauschten ihre Werke aus. So spielte das Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart unter anderem in Italien, in Paris und in London. „Reisen bereichern Persönlichkeit und Personalstil und wirken so auf die Arbeit des Komponisten an jedem Ort weiter“, unterstreicht Ludwig Güttler. Doch ein Musiker musste nicht unbedingt den mühsamen Weg über die Alpen antreten, um von seinen italienischen Kollegen zu lernen. 
Als Beispiel führt Güttler Johann Sebastian Bach an, der sich bekanntlich längere Zeit in Norddeutschland aufhielt – aber Vivaldis Konzerte mit Hilfe von Partituren erkundete, die sein Weimarer Dienstherr aus Italien mitgebracht hatte. Auch Georg Philipp Telemann war mit der italienischen Musik bestens vertraut, ohne jemals in Italien gewesen zu sein. Seine weiteste Reise führte nach Paris; seine erste Anstellung hatte er in Polen. All diese Eindrücke und Einflüsse spiegeln sich in seinen Werken. 
Gefördert wurde dieser Austausch durch den Adel Europas. In dem Bestreben, dem jeweiligen Hof Glanz zu verleihen und damit das eigene Renommée zu stärken, wetteiferten die Herrscher darum, die besten Musiker zu engagieren. Talente aus dem eigenen Land schickten sie zur Ausbildung bei berühmten Kollegen. So kam der Dresdner Geiger Johann Georg Pisendel zu Antonio Vivaldi nach Venedig, und der Kontrabassist Jan Dismas Zelenka nach Wien, wo er Kontrapunkt und Komposition bei Johann Joseph Fux studierte. 
Musikalisch war Europa schon früh vereint – diese Botschaft vermittelt der Trompeter Ludwig Güttler mit einer Auswahl an Einspielungen, die viele Facetten des kulturellen Austausches hörbar werden lässt. Dabei reicht diese Edition von Bach und dessen Zeitgenossen Vivaldi, Telemann, Pisendel, Zelenka, Neruda und Hasse über Haydn und Mozart bis hin zu Antonín Dvořák, der freilich bis nach Amerika reiste. Aber das ist eigentlich schon wieder ein anderes Kapitel europäischer Geschichte. 

Dienstag, 13. März 2018

#hornlikes (Genuin)

„Die Hörner sind los!“, warnt das Leipziger Label Genuin Classics. Nachdem sie bisher immer gemeinsam mit anderen Ensembles zu hören waren, haben die Musiker von German Hornsound nun zum ersten Mal eine CD eingespielt, auf der sie pur zu erleben sind. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn das Hornquartett hat dafür Lieblingsstücke seiner Mitglieder neu arrangiert. 
Das ermöglicht interessante Eindrücke – egal, ob Sebastian Schorr Händels populäre Arie Lascia ch'io pianga einmal auf dem Horn spielen möchte, Stephan Schottstädt die ebenso berühmte Englischhorn-Melodie der Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvořák erkundet, Christoph Eß die Trompetenklänge aus dem Finalsatz des zweiten Brandenburgischen Konzertes von Johann Sebastian Bach auf das Horn verlegt, oder Timo Steininger den Meditango von Astor Piazzolla. Jeder Musiker durfte drei Favoriten für diese CD auswählen. Und es gibt, von Händels Wassermusik bis zu Verdis Messa da Requiem und von Alessandro Marcellos Oboenkonzert bis hin zu Bruckners Chorälen, eigentlich kein einziges Werk, das nicht mindestens so schön klingt wie im Original, wenn es derart gekonnt durch vier Hörner vorgetragen wird. 
Und weil es so schön ist, hatte auch das Publikum drei #hornlikes frei. Es entschied sich für Melodien von Richard Wagner, Franz Schubert und Engelbert Humperdinck. Eigens für Tonmeister Michael Silberhorn, der „es gerne hat, wenn es mal ein bisschen schmettert“, erklingt dann zum Schluss noch ein Chor aus Carl Maria von Webers Freischütz. Hinreißend! 
Die Edel-Blechbläser von German Hornsound entlocken ihren Instrumen- ten ebenso farben- wie nuancenreiche Klänge. Sie demonstrieren, dass mit dem Horn gefühlvolle Melodielinien genauso selbstverständlich gestaltet werden können wie rhythmische Fundamente. Von ätherisch bis groovig sind alle Optionen möglich – Horn grandios! 

Sonntag, 12. November 2017

Dvorák: Complete Symphonies & Concertos (Decca)

Nach seiner Rückkehr zur Tschechischen Philharmonie im Jahre 2012 hat sich Jiří Bělohlávek noch einmal dem Werk von Antonín Dvořák zugewandt. Der Dirigent hatte das Orchester bereits in den Jahren 1990 bis 1992 geleitet, als Nachfolger von Václav Neumann, und in den Jahren danach war er auch international sehr erfolgreich tätig, unter anderem als Leiter des BBC Symphony Orchestra.
Bei Decca sind nun zwei wichtige Editionen erschienen. Da wäre zum einen diese Box, die auf sechs CD alle neun Sinfonien und die Konzerte von Dvořák zusammenfasst. Die Sinfonien in dieser Ballung zu hören, das ist ein Erlebnis – zumal sich die Aufnahmen durch viele kleine Details auszeichnen, die man mit Freude wahrnimmt. Da ist alles mit Hingabe gestaltet, mit großer Klarheit strukturiert und sehr fein ausgearbeitet. Man lausche nur dem berühmten Englischhorn-Solo im Largo der Sinfonie Aus der Neuen Welt – berückend!
Beim Cellokonzert ist Alisa Weilerstein zu hören, beim Klavierkonzert spielt Garrick Ohlsson den Solopart. Die große Überraschung war für mich aber das Violinkonzert, das von Frank Peter Zimmermann mit Noblesse interpretiert wird. Diese Aufnahme ist wirklich hinreißend.
Die zweite CD mit der Tschechischen Philharmonie und Bělohlávek, die hier vorgestellt werden soll, bietet eine exzellente Einspielung von Dvořáks Slawischen Tänzen opp. 46 und 72. Auch hier wird deutlich, dass das Prager Orchester Weltklasse hat – und bei Dvořák kann diesen Musikern derzeit kaum jemand das Wasser reichen. Sie spielen schwungvoll und frisch, und zugleich derart differenziert, dass es eine Freude ist. In manchen Passagen wirkt das geradezu kammermusikalisch; man höre nur die Holzbläser... Diese Aufnahme setzt ohne Zweifel Maßstäbe, und sie wird wohl für eine lange Zeit Referenzcharakter haben. Großartig, unbedingt anhören!

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Dvorák: Symphony No. 9, Slavonic Dances op. 46 (MDG)

Zwei außerordentlich populäre Werke von Antonín Dvořák hat das Klavierduo Evelinde Trenkner und Sontraud Speidel für ihr neues Album ausgewählt, die kürzlich bei Dabringhaus und Grimm erschienen ist: Die Slawischen Tänze op. 46, entstanden einst auf Anregung des Musikverlegers Fritz Simrock, der bereits Brahms' Ungarische Tänze veröffentlicht hatte, und diesen großen Erfolg gern noch einmal wiederholen wollte. 
Die Orchesterversion machte Dvořák berühmt; die beiden Pianistinnen zeigen aber auf dieser CD, dass das Original, komponiert für Klavier zu vier Händen, ebenfalls sehr reizvoll ist. Weniger bekannt ist, dass der Komponist auf Grundlage seiner Sinfonie Nr. 9 mit dem Titel „Aus der Neuen Welt“ – bei ihrer Uraufführung 1893 in New York mit frenetischem Beifall gefeiert – ebenfalls eine Fassung für Klavier zu vier Händen angefertigt hat. 
Spannend daran ist, dass es sich dabei nicht einfach um einen Klavierauszug handelt, der Orchesterstimmen für das Tasteninstrument passend macht. Dvořák hat vielmehr diese Version aufs Wesentliche verknappt; die Bearbeitung wirkt sehr konzentriert, ja, mitunter sogar beinahe karg, und ausgesprochen klar strukturiert. Man lauscht dem Klavierspiel von Evelinde Trenkner und Sontraud Speidel, die wie aus einem Gedanken heraus fein abgestimmt miteinander musizieren, und hat dabei das Gefühl, dieses Werk völlig neu zu entdecken. Faszinierend! 

Montag, 18. September 2017

In the moment (Naxos)

Das Streichquartett, heutzutage eine der bedeutendsten Gattungen der Kammermusik, gilt gemeinhin als ein Genre großer Meisterwerke. Das Arabella Quartett beweist mit dieser Aufnahme, dass diese nicht unbe- dingt besonders umfangreich sein müssen. Denn es gibt durchaus auch kleine Werke für diese Besetzung, die sich als Pretiosen erweisen. 
So bietet diese CD unter anderem zwei wenig bekannte, aber dennoch starke Stücke von Dmitri Schostako- witsch. Dazu gesellen sich sorgsam ausgewählte Werke von Joaquin Turina, Anton Webern, Felix Mendels- sohn Bartholdy, Carl Nielsen, Hugo Wolff, Antonin Dvořák, Franz Schubert und auch die elegischen Crisan- temi von Giacomo Puccini. Und die Aufnahmen sind sowohl musikalisch als auch akustisch von exzellenter Qualität – meine Empfehlung! 

Freitag, 12. Mai 2017

Geistliche Meisterwerke (Hänssler Classic)

Geistliche Musik in herausragenden Editionen prägt seit der Gründung mit das Profil von Hänssler Classic. Aus der langjährigen Zusammenarbeit mit renommierten Interpreten sind etliche herausragende Projekte ent- standen. Erinnert sei nur an legen- däre Serien wie die Gesamteinspie- lung der Kantaten und Passionen von Johann Sebastian Bach mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart unter Helmuth Rilling. 
Das Label hat nun aus seinen umfangreichen Beständen eine Kollektion zusammmengestellt, die auf immerhin 50 (!) CD Geistliche Meisterwerke vorstellt. Neben bekannten Werken, von Bachs Weihnachts- oratorium bis hin zu Brahms' Ein deutsches Requiem und von Beethovens Missa Solemnis bis hin zu Haydns Oratorium Die Schöpfung, enthält diese Box auch Raritäten. So bekommt der Einsteiger in die Welt der geistlichen Musik eine Sammlung, in der er faktisch alle wichtigen Werke findet – von Heinrich Schütz' Weihnachtsoratorium bis hin zum Requiem von Gabriel Fauré. Doch selbst für Experten hält diese Box so manche Entdeckung bereit: Wer kennt schon Das Liebesmahl der Apostel von Richard Wagner, das Requiem Opus ultimum von Johann Michael Haydn, oder die Große Messe von Johann Ritter von Herbeck? 
Exzellente Sänger, namhafte Orchester, hervorragende Chöre und berühm- te Dirigenten haben an diese Produktionen mitgewirkt; die Liste ist aber zu lang, um sie an dieser Stelle komplett wiederzugeben. Und es wäre nicht gerecht, einzelne Beteiligte herauszuheben. Denn hörenswert ist wirklich alles, was in dieser Box steckt. Viele der Aufnahmen wurden mit Preisen ausgezeichnet. Der Fokus dieser umfangreichen Edition liegt auf den großen Werken der geistlichen Musik vom Barock bis zur Spätromantik, versammelt sind überwiegend Werke aus dem deutschsprachigen Raum. 

Donnerstag, 30. März 2017

Ani & Nia Sulkhanishvili Piano Duo (Oehms Classics)

Die Zwillingsschwestern Ani und Nia Sulkhanishvili haben sich schon in jungen Jahren dem Klavier ver- schrieben. Hört man sie heute als Klavierduo musizieren, dann mag man kaum glauben, dass sie nicht schon als Kinder gemeinsam gespielt haben. 
Doch erst in ihrem 13. Lebensjahr entdeckten die Mädchen durch einen Zufall die Petite suite von Claude Debussy – für Klavier zu vier Händen. Und dieses Erlebnis hat sie so begeistert, dass die beiden Georgierinnen ihre Professorin überzeugten, sie fortan nicht nur solistisch, sondern auch als Klavierduo zu unterrichten. 
Mittlerweile haben die jungen Damen etliche Wettbewerbe gewonnen. Beim 64. Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2015 in München haben die Schwestern den zweiten Platz belegt – und konnten mit ihrer außergewöhnlichen Darbietung zudem Oehms Classics für eine CD-Produktion gewinnen. 
Zu hören sind die Legenden für Klavier zu vier Händen op. 59 von Antonín Dvořák und die Rhapsodie espagnole von Maurice Ravel, ebenfalls in einer Fassung für Klavier zu vier Händen. Die beiden Werke entstammen nicht nur geographisch betrachtet höchst unterschiedlichen Gegenden. So trifft Böhmen auf Spanien, wie es allerdings ein Franzose sah. Auch klanglich sind sie höchst verschieden, und Dvořáks Musik erscheint vom Charakter her lang nicht so orchestral wie Ravels Werk. 
Ani und Nia Sulkhanishvili gestalten daher auch ihre Interpretation sehr differenziert. Vom feinsten Pianissimo bis zum knalligen Akzent und mit einer großen Palette an Klangfarben spüren sie den Absichten der beiden Komponisten nach. Von diesem Klavierduo wird in Zukunft ohne Zweifel noch so manches zu hören sein. 

Donnerstag, 3. November 2016

Dvorák: Slavonic Dances - Legends - Notturno - Miniatures - Prague Waltzes (Eloquence)

Orchesterwerke von Antonin Dvořák hat Ivan Fischer im Jahre 1999 mit dem Budapest Festival eingespielt. Auf einer Doppel-CD, nun bei Elo- quence wiederveröffentlicht, finden sich die Slawischen Tänze op. 46 und 72, die Legenden op 59, das Notturno in B-Dur op. 40, die Miniaturen op. 75A sowie die Prager Walzer. Die Aufnahme begeistert durch die Spiel- kultur der Musiker, die zwar an Temperament nicht sparen, aber zugleich auch immer sensibel und elegant agieren. Obendrein gefällt mir der transparente Klang; immer- hin war dies eine der ersten Mehrkanalaufnahmen im SACD-Format. In jeder Hinsicht lohnenswert! 

Montag, 13. Juni 2016

Dvorák: Sacred Works & Cantatas (Supraphon)

Supraphon hat seine Archive gesichtet – und aus den Beständen eine Edition mit Werken des großen tschechischen Komponisten Antonín Dvořák zusammengestellt. Sie erscheint in einer Reihe von Boxen, geordnet nach Werkgruppen. Leider lassen sich die Boxen nicht besonders gut öffnen. Der Inhalt aber überzeugt. So bietet eine Box mit acht CDs einen umfangreichen, fast neunstündigen Überblick über das geistliche Vokalwerk. Neben bekannten Werken wie Requiem op. 89 oder Stabat mater op. 58 enthält die Box auch eine ganze Reihe von Raritäten. Die Geisterbraut op. 69 schrieb Dvořák 1884 für das Musikfest in Birmingham; die Uraufführung der Kantate mit 400 (!) Chorsängern und 150 Orchestermusikern dirigierte der Komponist selbst. Noch im gleichen Jahr bestellte auch das Musikfestival in Leeds ein Werk. Gewünscht wurde ein biblischer Stoff – Dvořák hingegen entschied sich für ein Oratorium über ein religiöses Sujet aus der tschechische Geschichte: Die Heilige Ludmilla op. 71. Ausgewählt wurden zudem Te Deum op. 103, Messe D-Dur op. 86, die Biblischen Lieder op. 99 in beiden Fassungen, Psalm 149 op. 79, Die Erben des Weißen Berges op. 30, sowie eine Reihe Lieder auf liturgische Texte, die Dvořák für seinen Freund Alois Göbl geschrieben hat. 
Auf der letzten CD befindet sich außerdem ein CD-ROM-Track mit allen Gesangstexten und Übersetzungen. Die Aufnahmen sind erstklassig, zum Teil preisgekrönt. Leider ist die Liste der Mitwirkenden zu lang, um hier ins Detail zu gehen. Aber schon der Name des Labels bürgt für hervorragende Einspielungen mit namhaften Sängern, Chören, Orchestern, Dirigenten und, bei der Klavierfassung der Biblischen Lieder, dem großartigen Piani- sten Ivan Moravec. Unbedingt anhören, es lohnt sich in jedem Falle.

Freitag, 8. Mai 2015

Elegy - Harriet Krijgh (Capriccio)

Wie macht sie das nur? Harriet Krijgh spielt elegische Komposi- tionen europäischer Meister der Romantik und der frühen Moderne. Es sind überwiegend sehr bekannte Melodien, doch die junge niederländische Cellistin lässt sie frisch und sehr berührend klingen. Ihr Ton ist hinreißend – so poetisch spielt derzeit kein anderer Cellist, so stimmungsvoll und traumhaft schön. Dennoch wirkt jeder Bogenstrich ganz natürlich, nichts klingt gewollt oder aufgesetzt. Ob der berühmte Schwan aus dem Karneval der Tiere von Camille Saint-Saens, die Waldesruhe von Antonín Dvorák oder Max Bruchs berühmtes Kol Nidrei – die junge Solistin findet zu jedem dieser Stücke einen Zugang, fernab von Edelkitsch und plumper Gefühligkeit. Gekonnt begleitet wird die Solistin von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Gustavo Gimeno. Mein klarer Favorit auf dieser
CD ist ein Werk von Jacques Offenbach, Les larmes de Jacqueline. Bezau- bernd! Und als Zugabe gibt es dann noch eine Bonus-DVD mit einem Porträt der Solistin. 

Samstag, 2. Mai 2015

Dvorák Edition (Brilliant Classics)

Die mit Abstand schönste CD-Box des Jahres ist nun bei Brilliant Classics erschienen. Der ansprechend gestaltete Schuber lässt sich nach oben aufklappen. Und dann kommen 45 CD zum Vorschein, dem Inhalt entsprechend farblich abgestuft. Im Deckel des Schubers befindet sich eine Überblicksliste, so dass man die gesuchten Werke mit einem Blick und einem Griff findet. Perfekt! Ergänzt wird diese Zusammenstellung durch ein Beiheft mit Informationen zum Leben des Komponisten und knapp auch zu den einzelnen Werkgruppen – allerdings nur in englischer Sprache. Dieses Wunderkästchen enthält Musik von Antonín Dvořák (1841 bis 1904). 
Der Tscheche gehört weltweit zu den beliebtesten Komponisten. Wer diese Kollektion anschaut, der wird feststellen, dass aber nur wenige seiner Werke allgemein bekannt sind. Dazu gehören die berühmte Sinfonie Nr. 9 Aus der Neuen Welt, die Oper Rusalka, das Dumky-Trio, einige Streich- quartetteCello- und Violinkonzert sowie Stabat mater und Requiem
Wer mehr hören möchte, dem sei diese Box sehr empfohlen: Die Dvořák-Edition bietet die derzeit umfangreichste Kollektion seiner Werke. Sie enthält sämtliche Sinfonien, die sinfonischen Dichtungen, Ouvertüren und weitere Orchesterwerke, die Konzerte, alle Streichquartette und große Teile der übrigen Kammermusik sowie die vollständige Klaviermusik. Darüber hinaus enthält die Box zahlreiche Chorwerke, Stabat Mater und Requiem sowie die Oper Rusalka. Zu finden sind zudem zahlreiche Lieder des Komponisten, viele davon in Weltersteinspielungen. 
Die Qualität der Aufnahmen ist hoch. Zu den Interpreten gehören unter anderem die Staatskapelle Berlin unter Otmar Suitner, das Janáček Philharmonic Orchestra unter Theodore Kuchar, die Bamberger Sympho- niker unter Antal Doráti, die Pianistin Inna Poroshina sowie Ruggiero Ricci, Rudolf Firkušný und Zara Nelsova als Solisten bei den Konzerten. Tschechische Musiker wie die Prague Singers, das Vlach Quartet und das weltberühmte Stamitz Quartet sowie der Geiger Bohuslav Matoušek und Pianist Petr Adamec unterstreichen den hohen Anspruch der Kollektion. Besondere Überraschung: Bei den Solo-Liedern ist der großartige Tenor Peter Schreier zu hören, am Klavier begleitet von Marián Lapšanský. 
Dvořák vermochte es einzigartig, volkstümlich anmutende Melodien zu Werken voll romantischem Zauber und berückenden Klangfarben zu formen. Sein Schaffen war stark von seiner böhmischen Heimat geprägt. Allerdings übernahm der Komponist, der von 1892 bis 1895 als Direktor des National Conservatory of Music in New York tätig war, auch Klänge aus Amerika. So erklingt in seiner Musik auch ein Echo der Spirituals der schwarzen Plantagenarbeiter, der Volksmusik der europäischen Einwan- derer und der traditionellen Indianermusik. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 

Sonntag, 21. September 2014

David Oistrakh plays Piano Tris by Chopin, Dvorák, Ravel & Smetana (Deutsche Grammophon)

Vor langer, langer Zeit, als Gymna- siallehrer noch Partituren lesen konnten und selbst Klavier oder aber Geige spielten, da reichte es aus, wenn zwei, drei oder gar vier Namen auf einem Plakat standen – und die Leute strömten in Scharen herbei, um Musik zu hören. Selbst durch Hunger, Krieg und klirrende Kälte waren sie davon nicht abzuhalten. Als das Radio noch Luxus war, konnte man mit Kammermusik große Säle füllen. Heute musizieren Streichtrios oder Quartette in sehr viel kleineren Räumen, und während in jedem Laden irgendwelche Musik dudelt, haben ihre Auftritte eher den Ruf einer gewissen Exklusivität. 
Welch grandioses Niveau die Kammermusik in ihrem goldenen Zeitalter hatte, davon vermittelt die vorliegende Doppel-CD aus dem Hause Deutsche Grammophon einen Eindruck. Die Musiker, die auf diesen historischen Aufnahmen zu hören sind, waren allesamt berühmte Solisten. Geiger David Oistrach (1908 bis 1874), Cellist Swjatoslaw Knuschewitzky (1908 bis 1963) und Pianist Lew Oborin (1907 bis 1974) konzertierten zwei Jahrzehnte lang auch als Trio miteinander. Dass sie das gemeinsame Musizieren sehr geschätzt haben müssen, das wird der Zuhörer bald feststellen. Denn obwohl alle drei Künstler sehr deutlich mit einem solistischen Impetus antreten, wirken sie sehr harmonisch zusammen. Niemand spielt sich in den Vordergrund, keiner musiziert an den Kollegen vorbei. Hervorragend ist die Einspielung von Dvoraks berühmtem Dumky-Trio, wie überhaupt das tschechische Repertoire den Musikern besonders zu liegen scheint. Und die Aufnahme von Chopins Klaviertrio op. 8 ist grandios; ich kenne keine bessere. Bravi, Blumen – es war einmal... 

Freitag, 25. Juli 2014

Dvorák / Schumann: Cello Concertos (Onyx)

Wie kann man mit Schumanns Violoncello-Konzert Aufsehen erregen? Man lässt das Pathos weg, und schaut statt dessen sehr genau in die Noten. Der spanische Cellist Pablo Ferrández erreichte damit eine Interpretation, die sich durch eine ganz erstaunliche Anmut und Leichtigkeit auszeichnet. Gemeinsam mit den Stuttgarter Philharmonikern unter Radoslaw Szulc gelang ihm so eine Aufnahme, die meiner Meinung nach zu den besten gehört, die derzeit erhältlich sind. Auch das Cellokonzert von Dvorák sowie El cant dels ocells, ein katalanisches Weihnachtslied in einem Arrangement von Pablo Casals, das den Gesang der Vögel an der Krippe des Christkinds schildert, spielt Ferrández sehr hörenswert. Beeindruckend!

Montag, 16. Juni 2014

Prayer - Voice & Organ (Deutsche Grammophon)

Das aktuelle Album von Magdalena Kozená enthält Musik aus (fast) ganz Europa und aus einem Zeitraum, der vom Barock bis ins 20. Jahrhundert reicht. Die Mezzosopranistin hat gemeinsam mit dem Organisten Christian Schmitt geistliche Lieder und Arien zusammengetragen, die zumeist weniger für den Vortrag im Gottesdienst als vielmehr für die häusliche Andacht geschrieben worden sind. Von Johann Sebastian Bach bis zu Giuseppe Verdi, von Hugo Wolf bis zu Maurice Duruflé und von Franz Schubert bis zu Antonín Dvorák und vom Ave Maria bis zum Kaddisch reicht die Spannbreite der Werke, die für diese CD ausgewählt worden sind. 
Sie sind weniger virtuos als vielmehr innig und besinnlich, was für einen Sänger aber eine besondere Herausforderung darstellt. Denn es gibt kaum etwas schwierigeres, als ein „simples“ Strophenlied gut vorzutragen. Kozená meistert diese Herausforderung bestens – ins- besondere dort, wo es doch so etwas wie eine Handlung zu gestalten gilt. Die Sängerin kann zudem ein berückendes Piano aufbieten. Faszinierend!