Einer Kontrabassisten-Dynastie, die bereits über vier Generationen reicht, gehört Ernő Rácz an. Der Musiker, der aus Ungarn stammt, ist Solo-Kontrabassist des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich. Auf dieser CD entführt er gemeinsam mit Pianistin Veronika Trisko den Hörer auf eine musikalische Zeitreise. Sie beginnt im 17. Jahrhundert mit einer Sonate in g-Moll von Henry Eccles, ursprünglich für Violine komponiert, die aber ebenso gern von Kontrabassisten gespielt wird. Auch das Arioso aus der Kantate Ich steh mit einem Fuß im Grabe BWV 156 von Johann Sebastian Bach gehört zu jenen Stücken, die Musiker wie Publikum sehr schätzen – hier in Kontrabass-Version.
Nächste Station der Zeitreise: Die Tageszeiten-Sinfonien Hob. I/6-8 von Joseph Haydn, mit ihren anspruchsvollen Kontrabass-Soli. Attraktive Solo-Parts finden sich zudem in den Sinfonien Nr. 31 Mit dem Hornsignal und Nr. 72 Jagd. Auf CD zu hören waren solche Ausschnitte bislang noch nicht; Rácz demonstriert damit eindrücklich, dass ein Kontrabass weit mehr sein kann als nur Fundament des Orchesters.
Dass auch ein Nocturne von Frederic Chopin in einer Kontrabass-Bear- beitung sehr apart klingen kann, zeigt Rácz danach. In seinem Spiel vereint er Virtuosität und Ausdruck. Das unterstreichen auch die nach- folgenden Originalwerke, so vier Stücke von Serge Koussevitzky, und Extrème von Lajos Montag. Kicho komponierte Astor Piazzolla speziell für einen Freund, den Kontrabassisten Enrique „Kicho“ Díaz, der als einer der herausragenden Tango-Interpreten seiner Zeit galt. Die Kontrabass-Zeitreise endet in der Gegenwart, mit vier Werken aus Jelek, játékok és üzenetek für Kontrabass solo von György Kurtág.
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Montag, 12. Februar 2018
Montag, 6. September 2010
Beethoven: Diabelli variations - Márta Kurtág (BMC)
Es gibt einige Werke, die das Zeug zur Bibel des Klavierspiels haben - und wenn man Bachs Wohltempe- riertes Klavier sozusagen als das Alte Testament ansieht, dann hätten Beethovens Diabelli-Varia- tionen durchaus das Format für den Vergleich mit dem Neuen Testament. Das sahen schon Beet- hovens Zeitgenossen ganz ähnlich: "Der Herausgeber erblickt in dieser riesigen Tonschöpfung gewissermassen den Mikrokosmos des Beethovenschen Genius überhaupt, ja sogar ein Abbild der ganzen Tonwelt im Auszuge. Alle Evolutionen des musikalischen Denkens und der Klangfantasie - vom erhabensten Tiefsinn bis zum verwegensten Humor - in unvergleich- bar reichster Mannigfaltigkeit, gelangen in diesem Werke zur bered- testen Erscheinung", begeisterte sich 1871 Hans von Bülow. "Uner- schöpflich ist das Studium desselben, unaufzehrbar die in seinem Inhalte dem musikalischen Hirne ganzer Generationen gebotene Nahrung."
Márta Kurtág, die Frau des ungarischen Komponisten György Kurtág, hat die 33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli op. 120 1952 zum ersten Mal vor Publikum vorgestellt - zu ihrem Diplomkonzert an der Budapester Musikakademie. Die vorliegende Aufnahme spielte die Pianistin 1999 ein. Dazwischen liegen nicht nur Jahre. "Die Diabelli-Variationen habe ich mehrmals im Konzert gespielt", berichtet Márta Kurtág, "manchmal jedoch erst nach einer langen Pause. In solchen Fällen haben wir sie mit meinem Mann immer wieder neu aufgebaut, und ich habe sie auch immer wieder neu einstudiert."
Mit der Einspielung von Beethovens grandiosem Werk wollte die damals 72jährige Pianistin ein Zeichen setzen, eine Spur hinterlassen - es war ihre erste Solo-Aufnahme überhaupt. "Stets war mein Kummer, dass ich für die Welt nicht als eigenständiges Wesen existiere, sondern nur als jemand, der quasi nur als ,Anhängsel' meines Mannes gilt." Doch die akustischen Bedingungen der Auf- nahme waren ungünstig, und so fand die Einspielung zunächst wenig Beachtung. Nach dem Remastering dürfte sich das nun ändern.
Denn diese Interpretation ist derart facetten- und nuancenreich, und zugleich derart kraftvoll, mitunter auch energisch, und ausdrucks- stark, dass man erstaunt aufblickt: Was, schon die Fuge und das abschließende Menuett? Von Vergreisung keine Spur! Und noch immer entwickelt sich diese faszinierende Künstlerpersönlichkeit weiter: "Manchmal denkt mein Mann, dass ich mit meinen 82 Jahren die Diabelli-Variationen erneut aufnehmen sollte", meint die Virtuo- sin. "Für mich ist das selbstverständlich illusorisch... Vielleicht würde ich sie heute anders spielen: freier, weniger streng und mit mehr Wärme..."
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