„Im Bach-Jahr 1950 habe ich in Stuttgart und Reutlingen zum ersten Mal die Kantate ,Vom Reiche Gottes' aufgeführt, eine abendfüllende Kantaten-Zusammenstellung, die aus dem Wunsche heraus entstanden war, einzelne bedeutende Teile des Bachschen Kantatenwerks, die aus mancherlei Gründen so gut wie nie aufgeführt worden und deshalb unbekannt geblieben waren, vor dem völligen Vergessen zu bewahren und sie der Praxis wieder zuzuführen“, zitiert das Beiheft zu dieser CD Hans Grischkat (1903 bis 1977). Der Kirchenmusiker folgte damit einer Anregung Albert Schweitzers, der sich von der Kompilation dann auch sehr angetan zeigte.
Grischkat hat Chöre, Rezitative, Ariosi, Arien und Choräle gesammelt, die er besonders gelungen fand, die aber normalerweise nur selten oder gar nicht zu hören sind. Und er hat aus diesem Bestand anschließend ein umfangreiches Werk zusammengefügt, das auf Veränderungen im Text und fast durchweg auch auf Eingriffe in Bachs Kompositionen verzichtet und trotzdem ein attraktives Ganzes ergibt. Der Thomaskantor selbst wäre bei einem solchen Pasticcio vermutlich weit weniger behutsam vorgegangen; er hat sogar komplette Kantaten mehrfach verwendet und dabei mitunter auch kräftig verändert.
„Oft lag die Versuchung nahe, aus bekannten und oft aufgeführten Kanta- ten einzene Stücke zu verwenden“, schreibt Grischkat. „Doch habe ich darauf bewusst verzichtet, da es mir darum ging, unter allen Umständen das Bachsche Gesamtwerk im Prinzip unangetastet zu lassen.“ Dennoch wird ein inhaltlicher Zusammenhang erkennbar: Der erste Teil beschreibt den Menschen vor Gott, mit seinem Streben nach Heil und Gnade. Der zweite Teil ist dem Lobpreis gewidmet.
Jürgen Budday hat dieses Werk im September 2013 mit dem Maulbronner Kammerchor und dem Barockorchester Il Capriccio im Konzert in der romanischen Maulbronner Klosterkirche aufgeführt; ein Mitschnitt dieses Ereignisses ist bei KuK erschienen. Den beiden Toningenieuren Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger ist es einmal mehr gelungen, trotz der schwierigen akustischen Verhältnisse mit einer beeindruckenden Aufzeichnung die besondere Atmosphäre der Konzerte in der Unesco-Welterbe-Stätte einzufangen.
Als Solisten singen Heike Heilmann, Sopran, Franz Vitzthum, Altus, und Falko Hönisch, Bass. Sie alle überzeugen durch Ausdrucksstärke und Textverständlichkeit. Der Maulbronner Kammerchor meistert die Chor- partien mit sauberer Intonation, hoher Präzision und ausgewogenem Chorklang. Das Orchester Il Capriccio musiziert hochprofessionell und gut abgestimmt. Es ist zu spüren, dass die Musiker mit „Alter“ Musik bestens vertraut sind. Budday führt seine Scharen mit sicherer Hand durch das nicht unkomplizierte Opus. So hat Grischkat vor den Schluss-Choral Lobe den Herren eine mächtige Fuge gesetzt, die erst einmal bewältigt werden will. In dem sehr informativen Beiheft ist übrigens die jeweilige Besetzung nachzulesen. Dort findet sich auch der Text sowie die Quelle der einzelnen Kantatenteile.
Posts mit dem Label Maulbronner Kammerchor werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Maulbronner Kammerchor werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 14. April 2015
Mittwoch, 22. Dezember 2010
Händel: Messiah; Budday (K&K)
Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler dokumen- tieren seit vielen Jahren in exzellenten Mitschnitten auf ihrem Label K & K Konzerte im Kloster Maulbronn. 1147 gegründet, ist es ein eindrucksvolles Zeugnis der Zisterzienserkultur - und die besterhaltene Klosteranlage nördlich der Alpen. Seit 1993 gehört Kloster Maulbronn zum Unesco-Weltkulturerbe.
Jürgen Budday, Musiklehrer am Evangelisch-theologischen Se- minar Maulbronn, Kirchenmusikdirektor und Leiter der Konzerte im Kloster Maulbronn, der Kantorei Maulbronn und des Maulbronner Kammerchores, hat sich ganz besonders den Oratorien Händels verschrieben, und im Laufe der Jahre etliche davon im Rahmen der Kloster-Konzerte aufgeführt.
Die vorliegende CD dokumentiert ein Konzert vom September 2005, bei dem Händels Messias erklang - selbstverständlich in englischer Sprache, und in einer Fassung aus dem Jahre 1748, in der Budday so viel wie möglich von den Absichten des Komponisten deutlich machen wollte. So griff er auf die Ripieno-Vorschriften der Dubliner Partitur zurück, und erzielt damit außerordentlich interessante dyna- mische Effekte - für jedermann hörbar unter anderem am Beginn des legendären Halleluja-Chores. Dabei geht es nicht nur um die Differen- zierung zwischen "laut" und "leise"; mit der barocken "Terrassendyna- mik" verbunden ist in diesem Falle auch ein ganz erstaunlicher Zuwachs in der Palette der verfügbaren Klangfarben. Das macht diese Einspielung spannend - und der ganz außerordentlich gut studierte Maulbronner Kammerchor, in Verbindung mit der versierten Hannoverschen Hofkapelle, die hier auf rekonstruierten historischen Instrumenten spielt, und bei einem Stimmton von 415 Hertz. Die Solisten - Miriam Allan, Sopran, Michael Chance, Countertenor, Mark LeBrocq, Tenor und Christopher Purves, Bass - sind solide, aber ich finde sie nicht überragend.
Abonnieren
Posts (Atom)

