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Montag, 28. März 2011

Graun: Der Tod Jesu (Hungaroton)

Carl Heinrich Graun (1704 bis 1759) begann seine Ausbildung als Kruzianer in Dresden. Seine erste Anstellung erhielt er als Hofsänger in Braunschweig; 1735 trat er ge- meinsam mit seinem Bruder Jo- hann Gottlieb Graun in die Kapelle des preußischen Kronprinzen ein. Friedrich der Große ernannte Graun zum Kapellmeister - und schickte ihn nach Italien, um Sänger für die Königliche Hofoper zu rekrutieren. 
Ironischerweise waren es Deut- sche, die die italienische Oper zur Blüte führten - Georg Friedrich Händel, Carl Heinrich Graun und Johann Adolf Hasse. Und obwohl Graun in erster Linie Opern komponiert hat, fiel dieser Teil seines Werkes mit dem Verschwinden der opera seria aus dem Repertoire dem Vergessen anheim. Die Kirchenmusik hingegen blieb im Gedächt- nis des Publikums - vor allem Grauns Passionskantate Der Tod Jesu, uraufgeführt in der Karwoche 1755 im Berliner Dom. 
Sie wurde bis 1858 alljährlich unter anderem durch die Berliner Singakademie am Karfreitag aufgeführt. Dann sollte das beliebte Werk durch Bachs Matthäuspassion ersetzt werden - doch auf Wunsch des Kaisers wurde das Programm bald wieder geändert, und Grauns Kan- tate erklang erneut, bis 1884.   Anders als Bach, setzt Graun weniger auf die Dramatik, sondern auf die Reflexion des Heilsgeschehens unter Mitwirkung des Publikums - denn die Choräle sang, mit einer Ausnahme, das Kirchenvolk mit. Der Text von Carl Wilhelm Ramler ist nicht gerade große Dichtkunst; aber die Interpreten dieser Auf- nahme schaffen trotzdem eine akzeptable Auslegung. Es singen Mária Zádori und Márta Fers, Sopran, Martin Klietmann, Tenor und Klaus Mertens, Bass sowie der Kammerchor Cantamus aus Halle/Saale. Es musiziert die Capella Savaria, ein renommiertes ungarisches Ensem- ble, das sich vor allem der Musik des 18. Jahrhunderts verschrieben hat, unter Leitung seines damaligen Leiterns Pál Németh. Wenn man bedenkt, dass diese Aufnahme aus dem Jahre 1991 stammt, dann ist sie sehr verdienstvoll und musikalisch hochachtbar. 

Donnerstag, 9. September 2010

Albrechtsberger: Music for Entertainment (Hungaroton)

Johann Georg Albrechtsberger (1736 bis 1809) war zur Zeit Haydns und Mozarts ein Gigant des Wiener Musiklebens. Als Kirchen- musiker gelangte er zu Ruhm und Ehre, seine Zeitgenossen erklärten ihn zum besten Organisten der damaligen Zeit; in die Musikge- schichte aber ist er vor allem als ein gesuchter Kompositionslehrer und als ein ausgewiesener Experte in Sachen Kontrapunkt eingegan- gen.
Zu Albrechtsbergers Komposi- tionsschülern gehörten unter anderem Ignaz Moscheles, Carl Czerny, Johann Nepomuk Hummel, Mozarts Sohn Franz Xaver - und Ludwig van Beethoven, über den der Meister allerdings meinte, er werde "nie was Ordentliches machen." 
Auch kluge Leute können sich halt irren. Und auch was sein eigenes Werk betraft, täuschte sich Albrechtsberger, als er an den Verleger Breitkopf schrieb: "Wenn ich Ihnen mit meinen 4, 5 oder 6 stimmigen Geigen fugen, oder mit Gradualen, Offertorien, oder andere Kirchen Stücken mit oder ohne Orgel dienen kann, so stehe ich Ihnen um einen billigen Preis zu Diensten. Um die Gallanterie- oder Theater Stücke habe ich mich in meinem Leben wenig besorgt." 
Gerade diese hübschen kleinen Werke aber, die Albrechtsberger in jungen Jahren komponiert hat, lagen der Nachwelt besonders am Herzen. Das wird wenig verblüffen, wie die vorliegende CD aufzeigt. Denn zum einen sind einige der Stücke geradezu experimentelle Musik, verglichen mit dem Standard der damaligen Zeit. Und zum anderen sind sie wirklich sehr schön; sie beweisen, dass ein großer Meister auch aus wenig viel machen kann.
Denn ein Komponist musste damals oft mit den Musikern vorlieb nehmen, die gerade vorhanden waren. So kamen Besetzungen zustande wie ein Flötenquartett, also Flöte, Violine, Viola, Cello, oder ein Trio mit Flöte, Harfe und Violoncello oder aber Flöte, Viola und Violone, was kein Schreibfehler ist, sondern eine Art Baßgambe. Und selbst wenn die Musiker keineswegs Meister ihres jeweiligen Faches waren, ist es doch erstaunlich, wie klangvoll sich dennoch auch für eine solche Besetzung komponieren lässt. 
Der ungarische Flötist Pál Németh hat gemeinsam mit Andrea Vigh, Harfe, und Mitgliedern des Savaria Barockorchesters einige dieser Raritäten für das Label Hungaroton auf zeitgenössischen Instrumen- ten eingespielt. Und diese Aufnahme kann man wirklich genießen.