Die 24 Capricen op. 1 schrieb Niccolò Paganini (1782 bis 1840) für Solovioline. Sie gehören noch immer zu den Prüfsteinen für jeden Solisten, da jedes dieser Stücke andere technische Anforderungen stellt – und höllisch anspruchsvoll sind sie alle. Diese Werke auf die Querflöte zu übertragen, das ist ein extrem wagemutiges Projekt.
Die ungarische Flötistin Dóra Seres hat sich dieser Herausforderung gestellt. Sie ist Preisträgerin vieler renommierter internationaler Wettbewerbe, und derzeit Soloflötistin des DR Underholdnings- orkestrets.
Um Paganinis Capricen angemessen auf die Böhmflöte zu übertragen, hat sie sich auf ihren musikalischen Kern konzentriert, und auf einige Effekte verzichtet, die zu geigenspezifisch sind, wie beispielsweise Doppelgriffe.
Das Ergebnis bleibt spieltechnisch dennoch eine Herausforderung, selbst für eine Solistin ihrer Klasse. Seres galoppiert in geradezu atemberaubendem Tempo durch Läufe und Arpeggien. Man wird jedoch feststellen, dass es nicht ausreicht, das Instrument virtuos zu beherrschen, wenn man dieser Musik gerecht werden will. So ist diese Aufnahme streckenweise sehr gelungen; mitunter vermisst man aber das letzte Quentchen an Raffinesse in der Intonation, den über alle Oktaven gleichermaßen ausgewogenen Ton, und man würde sich mehr Mut zur Phrasierung und Gestaltung wünschen – gern auch zu Lasten der Rasanz.
Posts mit dem Label Hungaroton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hungaroton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 1. August 2013
Montag, 2. Juli 2012
Gulyás Csilla - Baroque (Hungaroton)
Bearbeitungen bekannter Werke für Harfe solo - das ist eine Spezialität der ungarischen Harfenistin Csilla Gulyás. Auf dieser CD ist sie mit Hits aus der Barockzeit zu hören. Die Arrangements sind klug durch- dacht; sie nutzen die Klangeffekte, die das Instrument gestattet. Die Solistin musiziert zudem schwung- voll und virtuos. Mit einem Wort: Hinreißend! Wer die Harfe schätzt, der wird diese CD lieben.
Samstag, 31. Dezember 2011
Werner: Musikalischer Kalender (Hungaroton)
Gregor Joseph Werner (1693 bis 1766) gehört heute zu den weit- gehend vergessenen Komponisten. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt; er wirkte wohl zu- nächst als Organist in Melk, und hat dann wahrscheinlich in Wien bei Johann Joseph Fux studiert.
1728 trat er in den Dienst der Fürsten Esterházy, und dort blieb er bis an sein Lebensende. Allein die Tatsache, dass er der Vorgän- ger Haydns auf dem Posten des ersten Kapellmeisters und als solcher auch einige Zeit Haydns Vorgesetzter war, sollte auf sein Werk neugierig machen. Doch bislang ist kaum eines seiner Stücke auf CD zu bekommen. Nun hat das Ensemble Aura Musicale unter Leitung von Balázs Máté auf zeitgenössischen Instrumenten seinen Neuen und sehr curios-Musicalischen Instrumental-Calender eingespielt. Dieses launige Werk, der zunächst ein wenig an Vivaldis Vier Jahreszeiten erinnert, gibt Zeugnis von dem grandiosen Humor seines Komponi- sten - und von dessen handwerklicher Meisterschaft.
Was er da in Noten gesetzt hat, das beschreibt Werner selbst so: "Hoch- und nach Standes-Gebühr geneigter Leser! Hier wird Dir ein Wercklein zur Gemüths-Ergötzung vorgeleget, von derley Gattung noch keines jemahl zum Vorschein gekommen. Es betitult sich aber dieses: der neue und sehr Curios- Musicalische Instrumental-Calender. Hiervon nun eine Kurtz- und deutliche Information zu geben, so folget demnach zu wissen, daß gleich Anfangs Januarii mit zitternden Noten die Kälte exprimiret wird. Im Februario kommen allerhand lustige Faßnachts-Stuck mit Harlequins Hochzeit, worbey ein verworffener Tag einfallet (&c). Der Martius deutet auf die trau- rige Fasten. In dem April folget das variable Wetter mit mancherley vermischten Tacten. Der Majus bringet die Gärtnerey, samt dem Nachtigalls-Gesang. Der Junius und Julius hat Erd-beben und Donner-Wetter. Im Augusto und September kommen der Zeit gemäß einige curiose Stuck. Der October führet den Faßbinder auf. In dem November ist der melancholische Student wegen der Schulen Anfang, darbey sich die Mühl hören lasset, weilen sich jeder über den Winter gern proviantiret. Der December hat den Schlaff wegen der langen Nächte. Es kommet auch die Sonne zum Vorschein, wie sie Quartal-weiß in die vier Himmels-Zeichen, des Widders, Krebsen, Waag und Steinbock einruckt (&c). In Summa , es ist eines jeden Monaths Eigenschafft so deutlich exprimiret, als es sich in der Music thun lässet."
Die Musiker haben an Werners Programmmusik hörbar Vergnügen - und der Zuhörer auch. Wenn die Sonne im Krebs ein Menuett im Krebsgang absolviert, die Frösche quaken, Stürme tosen oder das Posthorn ertönt, wenn man eine Hetzjagd belauscht oder die Mühle vernimmt, dann kann man über diese musikalische Charakterisier- kunst nur staunen. Mehr davon!
1728 trat er in den Dienst der Fürsten Esterházy, und dort blieb er bis an sein Lebensende. Allein die Tatsache, dass er der Vorgän- ger Haydns auf dem Posten des ersten Kapellmeisters und als solcher auch einige Zeit Haydns Vorgesetzter war, sollte auf sein Werk neugierig machen. Doch bislang ist kaum eines seiner Stücke auf CD zu bekommen. Nun hat das Ensemble Aura Musicale unter Leitung von Balázs Máté auf zeitgenössischen Instrumenten seinen Neuen und sehr curios-Musicalischen Instrumental-Calender eingespielt. Dieses launige Werk, der zunächst ein wenig an Vivaldis Vier Jahreszeiten erinnert, gibt Zeugnis von dem grandiosen Humor seines Komponi- sten - und von dessen handwerklicher Meisterschaft.
Was er da in Noten gesetzt hat, das beschreibt Werner selbst so: "Hoch- und nach Standes-Gebühr geneigter Leser! Hier wird Dir ein Wercklein zur Gemüths-Ergötzung vorgeleget, von derley Gattung noch keines jemahl zum Vorschein gekommen. Es betitult sich aber dieses: der neue und sehr Curios- Musicalische Instrumental-Calender. Hiervon nun eine Kurtz- und deutliche Information zu geben, so folget demnach zu wissen, daß gleich Anfangs Januarii mit zitternden Noten die Kälte exprimiret wird. Im Februario kommen allerhand lustige Faßnachts-Stuck mit Harlequins Hochzeit, worbey ein verworffener Tag einfallet (&c). Der Martius deutet auf die trau- rige Fasten. In dem April folget das variable Wetter mit mancherley vermischten Tacten. Der Majus bringet die Gärtnerey, samt dem Nachtigalls-Gesang. Der Junius und Julius hat Erd-beben und Donner-Wetter. Im Augusto und September kommen der Zeit gemäß einige curiose Stuck. Der October führet den Faßbinder auf. In dem November ist der melancholische Student wegen der Schulen Anfang, darbey sich die Mühl hören lasset, weilen sich jeder über den Winter gern proviantiret. Der December hat den Schlaff wegen der langen Nächte. Es kommet auch die Sonne zum Vorschein, wie sie Quartal-weiß in die vier Himmels-Zeichen, des Widders, Krebsen, Waag und Steinbock einruckt (&c). In Summa , es ist eines jeden Monaths Eigenschafft so deutlich exprimiret, als es sich in der Music thun lässet."
Die Musiker haben an Werners Programmmusik hörbar Vergnügen - und der Zuhörer auch. Wenn die Sonne im Krebs ein Menuett im Krebsgang absolviert, die Frösche quaken, Stürme tosen oder das Posthorn ertönt, wenn man eine Hetzjagd belauscht oder die Mühle vernimmt, dann kann man über diese musikalische Charakterisier- kunst nur staunen. Mehr davon!
Montag, 28. März 2011
Graun: Der Tod Jesu (Hungaroton)
Carl Heinrich Graun (1704 bis 1759) begann seine Ausbildung als Kruzianer in Dresden. Seine erste Anstellung erhielt er als Hofsänger in Braunschweig; 1735 trat er ge- meinsam mit seinem Bruder Jo- hann Gottlieb Graun in die Kapelle des preußischen Kronprinzen ein. Friedrich der Große ernannte Graun zum Kapellmeister - und schickte ihn nach Italien, um Sänger für die Königliche Hofoper zu rekrutieren.
Ironischerweise waren es Deut- sche, die die italienische Oper zur Blüte führten - Georg Friedrich Händel, Carl Heinrich Graun und Johann Adolf Hasse. Und obwohl Graun in erster Linie Opern komponiert hat, fiel dieser Teil seines Werkes mit dem Verschwinden der opera seria aus dem Repertoire dem Vergessen anheim. Die Kirchenmusik hingegen blieb im Gedächt- nis des Publikums - vor allem Grauns Passionskantate Der Tod Jesu, uraufgeführt in der Karwoche 1755 im Berliner Dom.
Sie wurde bis 1858 alljährlich unter anderem durch die Berliner Singakademie am Karfreitag aufgeführt. Dann sollte das beliebte Werk durch Bachs Matthäuspassion ersetzt werden - doch auf Wunsch des Kaisers wurde das Programm bald wieder geändert, und Grauns Kan- tate erklang erneut, bis 1884. Anders als Bach, setzt Graun weniger auf die Dramatik, sondern auf die Reflexion des Heilsgeschehens unter Mitwirkung des Publikums - denn die Choräle sang, mit einer Ausnahme, das Kirchenvolk mit. Der Text von Carl Wilhelm Ramler ist nicht gerade große Dichtkunst; aber die Interpreten dieser Auf- nahme schaffen trotzdem eine akzeptable Auslegung. Es singen Mária Zádori und Márta Fers, Sopran, Martin Klietmann, Tenor und Klaus Mertens, Bass sowie der Kammerchor Cantamus aus Halle/Saale. Es musiziert die Capella Savaria, ein renommiertes ungarisches Ensem- ble, das sich vor allem der Musik des 18. Jahrhunderts verschrieben hat, unter Leitung seines damaligen Leiterns Pál Németh. Wenn man bedenkt, dass diese Aufnahme aus dem Jahre 1991 stammt, dann ist sie sehr verdienstvoll und musikalisch hochachtbar.
Ironischerweise waren es Deut- sche, die die italienische Oper zur Blüte führten - Georg Friedrich Händel, Carl Heinrich Graun und Johann Adolf Hasse. Und obwohl Graun in erster Linie Opern komponiert hat, fiel dieser Teil seines Werkes mit dem Verschwinden der opera seria aus dem Repertoire dem Vergessen anheim. Die Kirchenmusik hingegen blieb im Gedächt- nis des Publikums - vor allem Grauns Passionskantate Der Tod Jesu, uraufgeführt in der Karwoche 1755 im Berliner Dom.
Sie wurde bis 1858 alljährlich unter anderem durch die Berliner Singakademie am Karfreitag aufgeführt. Dann sollte das beliebte Werk durch Bachs Matthäuspassion ersetzt werden - doch auf Wunsch des Kaisers wurde das Programm bald wieder geändert, und Grauns Kan- tate erklang erneut, bis 1884. Anders als Bach, setzt Graun weniger auf die Dramatik, sondern auf die Reflexion des Heilsgeschehens unter Mitwirkung des Publikums - denn die Choräle sang, mit einer Ausnahme, das Kirchenvolk mit. Der Text von Carl Wilhelm Ramler ist nicht gerade große Dichtkunst; aber die Interpreten dieser Auf- nahme schaffen trotzdem eine akzeptable Auslegung. Es singen Mária Zádori und Márta Fers, Sopran, Martin Klietmann, Tenor und Klaus Mertens, Bass sowie der Kammerchor Cantamus aus Halle/Saale. Es musiziert die Capella Savaria, ein renommiertes ungarisches Ensem- ble, das sich vor allem der Musik des 18. Jahrhunderts verschrieben hat, unter Leitung seines damaligen Leiterns Pál Németh. Wenn man bedenkt, dass diese Aufnahme aus dem Jahre 1991 stammt, dann ist sie sehr verdienstvoll und musikalisch hochachtbar.
Samstag, 25. Dezember 2010
Georg & Franz Benda: Flute Sonatas (Hungaroton)
In der Giedde-Sammlung der Königlichen Bibliothek Kopenhagen befindet sich eine Abschrift von vier Flötensonaten von Franz Benda und elf Flötensonaten von Georg Benda. Die Brüder - sie hießen eigentlich Frantisek und Jiri Antonín - gehören zu jenen böhmi- schen Musikern, die im 18. Jahr- hundert ihre Heimat verließen, um andernorts, irgendwo in Europa, anerkannt zu werden und ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Franz Benda, der ältere Bruder, kam schon als Zehnjähriger nach Dresden, wo er als Kapellknabe an der Katholischen Hofkirche diente und im Geigenspiel unterwiesen wurde. Mit 14 Jahren begann er, eigene Stücke zu komponieren. Er spielte in verschiedenen Hofkapellen, und lernte schließlich in Dresden Quantz kennen, der ihm eine Anstellung als Erster Geiger am Hof des preußischen Kronprinzen in Ruppin verschaffte. Franz Benda wurde später Konzertmeister und nach Quantz' Tod auch der wichtig- ste musikalische Ratgeber Friedrichs des Großen.
1742 ermöglichte es der König dem Musiker, seine Familie nach Berlin zu holen. So gab Benda seinen Brüdern Joseph und Georg Unterricht auf der Geige, seiner Schwester Anna Franziska Gesangs- stunden. Dies erwies sich als Ausgangspunkt für eine Dynastie von Berufsmusikern, die bis heute existiert; Georg Benda beispielweise war zunächst Geiger in der Hofkapelle Friedrichs, und wurde dann 1750 Hofkapellmeister des Herzogs Friedrich III. von Sachsen-Gotha. Er gilt als Schöpfer des Melodrams, und war zu Lebzeiten sehr populär.
Die Flötensonaten werden die Gebrüder Benda vermutlich für Friedrich den Großen geschrieben haben. Der König beherrschte das Instrument virtuos, und entsprechend anspruchsvoll ist auch der Solopart dieser galanten Werke. Veronika Oross - sie spielt übrigens eine Flöte von August Richard Hammig, Markneukirchen, ein ausgesprochen klangschönes Exemplar - bereitet dies keinerlei Probleme. Die Solistin nimmt die Sonaten temperamentvoll, und gestaltet trotz des zügigen Tempos ganz wunderbar. Ihr Ton begeistert ebenso beständig wie ihre Phrasierung, und auch Kousay Mahdi am Barockcello und Angelika Csizmadia am Nachbau eines Nachbaus eines Ruckers-Cembalos tragen dazu bei, dass sich der Zuhörer keine Sekunde langweilt. Brillant!
Donnerstag, 9. September 2010
Werner: 6 Fugues a 4; Albrechtsberger: 6 Quartets op. 16 etc. (Hungaroton)
Zur Zeit des Wiener Klassizismus erfreuten sich Insider weiter an Präludien und Fugen - allerdings war diese "erhabene" Musik nicht unbedingt mehr den Tasteninstru- menten vorbehalten. Selbst wenn sie in der Kirche gespielt wurden, erklangen nun oftmals Streich- instrumente zumindest gemeinsam mit der Orgel.
Am kaiserlichen Hof wie im bürger- lichen Salon aber war das Streich- quartett seinerzeit sehr en vogue. So übernahm diese Kammermusik- formation die gefragte "altmodische" Form - selbst Kaiser Joseph II., der Violoncello spielte, ließ regelmäßig seine Hof-Kammermusiker kommen, um mit ihnen im Quartett zu musizieren. Sein Lieblings- komponist Christoph Sonnleithner schrieb eigens für ihn 36 Streich- quartette, die meisten davon mit Fugenfinale.
Für die vorliegende CD hat das Authentic Quartet, ein ungarisches Ensemble, das auf zeitgenössischen Instrumenten spielt, aber andere Werke ausgewählt: Die Sechs Fugen für Streichquartett von Gregor Joseph Werner (1693 bis 1766), dem Vorgänger Haydns im Dienste des Fürsten Esterházy, sind Streichquartett-Transkriptionen von Ouvertüren zu Oratorien dieses Komponisten. Sie sind interessant, wenn auch keine leichte Kost.
Der Wiener Kirchenmusiker und Kontrapunkt-Experte Johann Georg Albrechtsberger soll mehr als 150 Kirchensonaten geschrieben haben, die aus Präludium und Fuge bestehen. 1798 schuf er seine Sechs Streichquartette op. 16. Ich finde sie formal perfekt, aber ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Daran können auch die begnadeten Streicher Zsolt Kalló, Balász Bozzai (Violine), Gábor Rác (Viola) und Csilla Vályi (Cello) wenig ändern, bei aller Brillanz des Vortrages. Abschließend erklingt die Sonata in C (pro festo Paschalis), op. 11a, hier ohne Continuo-Cembalo, deren erster Satz die Melodie des Chorals "Christus ist erstanden" nach Art einer Bachschen Choral- bearbeitung verwendet - gefolgt von einer bewegten Fuge, die der Freude über die Auferstehung Form und Ausdruck verleiht.
Albrechtsberger: Music for Entertainment (Hungaroton)
Johann Georg Albrechtsberger (1736 bis 1809) war zur Zeit Haydns und Mozarts ein Gigant des Wiener Musiklebens. Als Kirchen- musiker gelangte er zu Ruhm und Ehre, seine Zeitgenossen erklärten ihn zum besten Organisten der damaligen Zeit; in die Musikge- schichte aber ist er vor allem als ein gesuchter Kompositionslehrer und als ein ausgewiesener Experte in Sachen Kontrapunkt eingegan- gen.
Zu Albrechtsbergers Komposi- tionsschülern gehörten unter anderem Ignaz Moscheles, Carl Czerny, Johann Nepomuk Hummel, Mozarts Sohn Franz Xaver - und Ludwig van Beethoven, über den der Meister allerdings meinte, er werde "nie was Ordentliches machen."
Auch kluge Leute können sich halt irren. Und auch was sein eigenes Werk betraft, täuschte sich Albrechtsberger, als er an den Verleger Breitkopf schrieb: "Wenn ich Ihnen mit meinen 4, 5 oder 6 stimmigen Geigen fugen, oder mit Gradualen, Offertorien, oder andere Kirchen Stücken mit oder ohne Orgel dienen kann, so stehe ich Ihnen um einen billigen Preis zu Diensten. Um die Gallanterie- oder Theater Stücke habe ich mich in meinem Leben wenig besorgt."
Gerade diese hübschen kleinen Werke aber, die Albrechtsberger in jungen Jahren komponiert hat, lagen der Nachwelt besonders am Herzen. Das wird wenig verblüffen, wie die vorliegende CD aufzeigt. Denn zum einen sind einige der Stücke geradezu experimentelle Musik, verglichen mit dem Standard der damaligen Zeit. Und zum anderen sind sie wirklich sehr schön; sie beweisen, dass ein großer Meister auch aus wenig viel machen kann.
Denn ein Komponist musste damals oft mit den Musikern vorlieb nehmen, die gerade vorhanden waren. So kamen Besetzungen zustande wie ein Flötenquartett, also Flöte, Violine, Viola, Cello, oder ein Trio mit Flöte, Harfe und Violoncello oder aber Flöte, Viola und Violone, was kein Schreibfehler ist, sondern eine Art Baßgambe. Und selbst wenn die Musiker keineswegs Meister ihres jeweiligen Faches waren, ist es doch erstaunlich, wie klangvoll sich dennoch auch für eine solche Besetzung komponieren lässt.
Denn ein Komponist musste damals oft mit den Musikern vorlieb nehmen, die gerade vorhanden waren. So kamen Besetzungen zustande wie ein Flötenquartett, also Flöte, Violine, Viola, Cello, oder ein Trio mit Flöte, Harfe und Violoncello oder aber Flöte, Viola und Violone, was kein Schreibfehler ist, sondern eine Art Baßgambe. Und selbst wenn die Musiker keineswegs Meister ihres jeweiligen Faches waren, ist es doch erstaunlich, wie klangvoll sich dennoch auch für eine solche Besetzung komponieren lässt.
Der ungarische Flötist Pál Németh hat gemeinsam mit Andrea Vigh, Harfe, und Mitgliedern des Savaria Barockorchesters einige dieser Raritäten für das Label Hungaroton auf zeitgenössischen Instrumen- ten eingespielt. Und diese Aufnahme kann man wirklich genießen.
Dienstag, 25. Mai 2010
Pleyel: 6 Duos for 2 Violins (Hungaroton)
Ignace Joseph Pleyel (1757 - 1831) war nur ein Jahr jünger als Mozart, aber ein Musikunternehmer vom Scheitel bis zur Sohle. Sein Lebens- werk erscheint gigantisch. Den wechselnden Umständen seines Lebens konnte er immer einen Fortschritt in seiner persönlichen und künstlerischen Entwicklung abgewinnen.
So wurde er auch in Paris, wo er sich letztendlich niedergelassen hatte, bald zu einer zentralen Figur des musikalischen Lebens. Er war Komponist, Kapellmeister, Musikverleger, Musikalienhändler, Klavierfabrikant, Musikpädagoge und sogar Konzertveranstalter in einer Person.
Die Sechs Violinduos op. 23, B 513-518, entstanden vor Pleyels Umzug nach Paris, in seinen fruchtbaren Strassburger Jahren. Vilmos Szabadi und Béla Bánfalvi haben sie für Hungaroton Classic liebevoll erstmals eingespielt. Das lohnt sich durchaus, denn die Duette erweisen sich als ebenso charmante wie anspruchsvolle Stücke mit virtuosen, stürmischen Passagen und bezaubernden, gefühlvollen Kantilenen. Geschrieben wurden sie wahrscheinlich für die gehobene Hausmusik. Sie sind aber keine musikalische Meterware; sie atmen vielmehr Haydnschen Geist und Witz - was kein Zufall ist, denn Pleyel war Haydns Schüler, und die beiden Komponisten waren zudem zeitlebens eng befreundet.
So wurde er auch in Paris, wo er sich letztendlich niedergelassen hatte, bald zu einer zentralen Figur des musikalischen Lebens. Er war Komponist, Kapellmeister, Musikverleger, Musikalienhändler, Klavierfabrikant, Musikpädagoge und sogar Konzertveranstalter in einer Person.
Sonntag, 21. März 2010
Chopin: Polonaises; Alex Szilasi on authentic Pleyel Piano (Hungaroton)
Wie haben Chopins Werke eigent- lich geklungen, als die Solisten noch nicht nahezu durchweg Flügel des Hauses Steinway gespielt haben? Welchen Einfluss hat überhaupt das Instrument, mit dem ein Komponist arbeitet, auf sein Werk?
Dass solche Fragen durchaus interessant sind, zeigen zwei CD aus dem Hause Hungaroton Classic: Alex Szilasi, ein exzellenter ungarischer Pianist, spielt Chopins Polonaisen und die Mazurkas ohne Opus-Nummern auf einem Flügel des Hauses Pleyel.
Diese Klaviermanufaktur wurde 1807 von Ignaz Josef Pleyel in Paris gegründet. Nach seinem Tode 1831 führte sein Sohn Camille den Betrieb weiter, und er etablierte zudem einen berühmten Salon, der zum Treffpunkt der Pariser Musikwelt wurde. Dafür ließ er eigens einen Konzertsaal, die Salle Pleyel, errichten. Zu den ersten Solisten, die dort 1832 musizierten, gehörten die 13jährige Clara Wieck - und Frédéric Chopin.
Die Flügel aus dem Hause Pleyel waren damals weithin berühmt für ihre leichtgängige Mechanik und ihren sonoren, warmen, samtigen Ton. Chopin war von den Instrumenten Pleyels so begeistert, dass er fürderhin nahezu ausschließlich sie spielte. Vom Klang her ist das schon ein Unterschied; auf dem historischen 280er Pleyel-Flügel, der zwischen 1886 und 1890 gebaut wurde und bei vorliegender Aufnahme zum Einsatz kam, ist spieltechnisch längst nicht das möglich, was ein moderner Flügel heute hergibt. Chopin selbst aber dürfte einen noch älteren Bautyp gespielt haben. Denn wenn ich meinen Augen und Ohren trauen darf, so handelt es sich bei diesem Instrument - leider ist aus dem Beiheft nichts zu erfahren - nicht mehr um einen Hammerflügel, sondern bereits um ein Exemplar, das über einen Gussrahmen und Filzhämmerchen verfügt. Dennoch zwingt dieses Instrument den Pianisten zur Präzision, und unterstützt diese durch einen kristallklaren, brillanten Sound. Chopins Werke klingen wie auf Hochglanz poliert; man hört die Polonaisen - seinerzeit nicht nur virtuose, sondern auch hoch- politische Stücke - wie durch eine Lupe. Szilasi spielt grandios. Er entlockt dem Instrument eine ganze Palette an Klangfarben, und zelebriert "seinen" Chopin teilweise humorvoll, mitunter pathetisch. Meine Empfehlung!
Freitag, 26. Februar 2010
Liszt: Hungarian Rhapsodies; Duo Egri & Pertis (Hungaroton)
Was es nicht alles gibt! Da hat doch ein Flötist namens Franz Doppler eine Orchesterversion von Liszts Ungarischen Rhapsodien ge- schrieben - und die gefiel dem Weimarer Virtuosen so gut, dass er daraus gleich noch eine Fassung für Klavier zu vier Händen machte.
Das Pianisten-Ehepaar Monika Egri und Attila Pertis zeigt in dieser Einspielung deutlich, welch er- staunlichen Unterschied zur Aus- gangskomposition das ermöglicht. Der orchestrale, dichtere Klavierklang fällt sofort auf - doch später hört man auch eine Vielzahl feiner Unterschiede in der musikalischen Gestaltung. Egri & Pertis nehmen Liszts Bravourstücke sehr sachlich, ohne das Zigeunermelos zu übertreiben. Eine Entdeckung!
Abonnieren
Posts (Atom)









