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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Mr. Handel's Trumpeters (Raumklang)

Den Spuren berühmter Kollegen folgt Johann Plietzsch mit seinem Barocktrompeten Ensemble Berlin: Die dritte CD des Ensembles bei dem Label Raumklang ist den Trompetern gewidmet, die im 17. und 18. Jahr- hundert am englischen Hof musi- zierten. Das Instrument hatte stets eine wesentliche Rolle in der höfischen Repräsentation: „Als Attribut der Macht verkörperte sie all das, was die Regenten waren oder sein wollten: Kraftvoll, mächtig und unermesslich reich!“, schreibt Plietzsch in einer umfangreichen Einführung im Beiheft. 
In England allerdings erlangte die Trompete erst zum Ende des 17. Jahr- hunderts tatsächlich Bedeutung. Und so beginnt diese CD mit Henry Purcell (1659 bis 1695), der Trompetenmusik nach italienischem Vorbild für Oberhoftrompeter Mathias Shore und sein 16köpfiges Ensemble schrieb. Natürlich dürfen auch die Werke von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) nicht fehlen – die er für Musiker wie William Bull, Mathias, William und John Shore, vor allem aber für Valentine Snow (um 1700 bis 1770) komponierte. Dieser Musiker war „Mr. Handel's Trumpe- ter“, und er war seinerzeit offenbar ausgesprochen populär. 
Das Barocktrompeten Ensemble Berlin präsentiert zudem Musik wenig bekannter Komponisten, wie eine Royal Trumpet Suite des Londoner Klavierlehrers Gottfried Keller, und Bühnenmusiken von John Shore, Nicola Mattheis und Jeremiah Clarke. Es ist ein abwechslungsreiches Programm, in dem die Klänge der acht virtuos geblasenen Barocktrompe- ten nebst Pauken und Basso continuo immer wieder durch „leise“ Musik- stücke ergänzt werden, in denen Orgel oder auch Laute Akzente setzen. Gratulation, diese CD ist wirklich sehr gelungen!

Samstag, 29. Dezember 2012

The King's Christmas (Raumklang)

Weihnachten im elisabethanischen England und im Reich der Stuarts - das sind einerseits höfischer Glanz und festliche Pracht, andererseits aber Besinnung, Ruhe und Einkehr. Diese beiden Pole bestimmen auch diese CD, die das Barocktrompeten Ensemble Berlin unter Johann Plietzsch bei Raumklang einge- spielt hat. Da sind einerseits die Masques und Morality Plays, und die feierlichen Gottesdienste - mit Pauken und Trompeten repräsen- tiert dort der Hof, und auch die Posaunen unterstreichen mit ihrem kraftvollen Klang den Machtan- spruch, der hier demonstriert wird. 
Da sind aber auch die ruhigen Stücke, wo Lauten zu hören sind, und mitunter auch die Orgel. Das Barocktrompeten Ensemble Berlin setzt für diese CD bewusst auf Kontraste. Musiziert wird mit der gewohnten Professionalität; die Bläser spielen ihre historischen Instrumente versiert und klangschön. Das ist mit Sicherheit nicht einfach und technisch kein Spaziergang, aber es verleiht dieser Einspielung auch eine einzigartige Aura - man höre nur The Cold Genius aus Henry Purcells King Arthur-Suite. Grandios! 

Montag, 21. November 2011

Tromba Hispanica (Raumklang)

"Die Instrumente des Ensembles symbolisieren gewissermaßen das geteilte Spanien am Ende der Reconquista", schreibt Johann Plietzsch, Leiter des Barocktrom- peten Ensembles Berlin, in dem sehr informativen Beiheft zu dieser CD. "Die Trompeten und Pauken waren von großer militärischer Bedeutung, sie dienten der Organi- sation in der Kriegsführung und der Motivation der Truppen, waren weit hörbare Übermittler von Nachrichten und Befehlen. Auch demonstrierten sie Macht und Stärke im höfischen zeremoniell. Zusammen mit der Truhenorgel (Symbol der Kirche) stehen sie für das christliche Spanien. Die Lautenfamilie (Theorbe und andere Zupfinstrumente) sowie die unterschiedlichsten Percussionsinstru- mente wie Rahmentrommeln, Tambourins etc, entstammen der maurisch-arabischen Kultur." 
Für die CD haben die Musiker des Barocktrompeten Ensembles Berlin auf Nachbauten historischer Instrumente Werke aus dem 16. und
17. Jahrhundert eingespielt. Sie entstammen zum einen dem Habs- burger Hof, zum anderen sind es jedoch auch erste Ergebnisse der Suche nach "original" spanischer Trompetenmusik. Sie ist im Gegen- satz zu den Werken der italienischen Trompeter, die weitgehend er- forscht und dokumentiert sind, noch nicht besonders gut erschlos- sen. Denn die Trompeterzünfte sorgten seinerzeit dafür, dass ihre Musik geheimgehalten wurde; die Stücke wurden innerhalb der Zunft weitergegeben - und nicht notiert. Wer herausfinden möchte, wie sie geklungen haben, der muss auf die Spurensuche gehen: In Lauten- tabulaturen oder in spanischer Orgelmusik finden sich Trompeten- stücke, die damals offensichtlich so populär waren, dass sie auch auf anderen Instrumenten nachgespielt wurden. 

Nach solchen Überlieferungen wurden einige dieser Werke rekonstru- iert. Eine tolle CD, denn schon die sechs Barocktrompeten ergeben ein prachtvolles Klangbild. Doch auch Jan Grüter und Simon Linné an Barockgitarre und Theorbe, Mark Nordstrand, Truhenorgel und Tan Kutay, Pauken und Percussion, setzen mit ihrer Kunst Akzente. Wunderbar!