Warum Johann Sebastian Bach am Ende seines Lebens Die Kunst der Fuge schrieb, darüber diskutieren Musikwissenschaftler bis heute. Ob dieses komplexe und außerordentlich gelehrte, unvollendete Werk über- haupt dazu gedacht war, gespielt zu werden, oder ob es nicht vielmehr so etwas wie „Augenmusik“, künstleri- sches Vermächtnis des Komponisten, war – das wird sich wohl nicht mehr klären lassen.
Rachel Podger hat sich mit Brecon Baroque an den berühmten Fugenzyklus gewagt. Das Ensemble musiziert in einer „klassischen“ Streichquartettbesetzung, wobei Johannes Pram- sohler gelegentlich die zweite Geige beiseite legt und zur Bratsche greift; zu hören sind zudem neben Rachel Podger, Violine, noch Jane Rogers, Viola, Alison McGillivray, Violoncello, und, leider sehr oft, auch Marcin Świąt- kiewics am Cembalo – was durchaus nicht als Kritik an seinem Cembalo- spiel zu verstehen ist. Aber das Cembalo „mitlaufen“ zu lassen, was ja bei Barockmusik durchaus üblich ist, das macht aus einer Fuge, in der eigentlich alle Stimmen gleich bedeutsam sind, ein Werk quasi für Melodiestimmen und Basso continuo. Bei allem Respekt – so dürfte Bach das ganz sicher nicht gemeint haben. Und der Transparenz ist eine solche Lesart auch nicht gerade zuträglich. Schade!
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Dienstag, 17. Januar 2017
Freitag, 13. Mai 2016
Mozart, Haydn: Duo Sonatas (Channel Classics)
„The Duos for Violin and Viola by Mozart have long been favourite pieces of ours – pieces we'd take out and play when there wasn't a keyboard player or cellist to hand, or busk as teenagers to carn extra pocket money“, schreiben Rachel Podger und Jane Rogers im Beiheft zu dieser CD. „Back then, the audience's response clearly indicated how appealing these pieces were as our takings always doubled when we played them!“
Diese Duette seien so gelungen, dass niemals die Frage aufkomme, wo denn der Rest des Streichquartettes geblieben sei, scherzen die Musikerinnen. Rachel Podger und Jane Rogers haben die Lieblingsstücke nun auf CD veröffentlicht – ergänzt durch zwei Werke in der gleichen Besetzung von Michael Haydn. Kurioserweise kannten Podger und Rogers diese Duette bislang nicht, wie sie berichten. Dabei gehören die Werke eigentlich zusammen: 1783 sollte Michael Haydn sechs Duos für seinen Dienstherrn, den Erzbischof von Salzburg, schreiben. Vier hatte er fertig; dann kam sein Freund Mozart zu Besuch, und half ihm bei den fehlenden Musikstücken aus.
Diese Duette seien so gelungen, dass niemals die Frage aufkomme, wo denn der Rest des Streichquartettes geblieben sei, scherzen die Musikerinnen. Rachel Podger und Jane Rogers haben die Lieblingsstücke nun auf CD veröffentlicht – ergänzt durch zwei Werke in der gleichen Besetzung von Michael Haydn. Kurioserweise kannten Podger und Rogers diese Duette bislang nicht, wie sie berichten. Dabei gehören die Werke eigentlich zusammen: 1783 sollte Michael Haydn sechs Duos für seinen Dienstherrn, den Erzbischof von Salzburg, schreiben. Vier hatte er fertig; dann kam sein Freund Mozart zu Besuch, und half ihm bei den fehlenden Musikstücken aus.
Dienstag, 25. Mai 2010
Mozart: Phantasia. Music for Basset Clarinet, Viola and Fortepiano (Ramée)
Es ist überliefert, dass Mozart die Flöte nicht mochte. Dafür aber gefiel ihm offenbar der Klang der Klarinette, über den ein Zeitgenos- se Mozarts schrieb, er sei "in Liebe zerflossenes Gefühl - so ganz der Ton des empfindsamen Herzens". An dieser Beschreibung scheint uns Mozart nicht ganz unschuldig zu sein, denn in seinen Werken bringt er den Klang der Klarinette zum Strahlen. Seine Kompositio- nen gaben dem Instrument einen Platz jenseits der damals üblichen Orchesterparts und der Harmoniemusik.
Mozart war mit dem böhmischen Klarinettenvirtuosen Anton Stadler eng befreundet war, und schrieb zahlreiche Stücke für ihn. So auch das Trio für Klarinette, Viola und Klavier Es-Dur KV 498, das aus unerfindlichen Gründen bis heute als Kegelstatt-Trio bekannt ist. Dabei handelt es sich um anspruchsvolle Hausmusik, wie sie damals in Wien nicht ungewöhnlich war. Auch wenn sich heute wohl nur noch Profis an solche Werke wagen - den Klavierpart schuf der Komponist für seine Schülerin Franziska von Jacquin, in deren Hause das Werk dann offensichtlich auch erklungen ist. Die Bratsche dürfte Mozart selbst gespielt haben.
Wie virtuos die Damen der "gehobenen Stände" das Pianoforte be- herrschten, das zeigt auch das zweite Werk auf dieser CD: Die Fantasie c-Moll KV 475 schrieb Mozart für Maria Theresa von Trattner, die Frau eines bedeutenden Wiener Verlegers, Druckers und Buchhänd- lers. Die Mozarts wohnten zur Miete in ihrem hochherrschaftlichen Hause, dem Trattnerhof. Die beiden Familien verkehrten freund- schaftlich miteinander; von Trattners waren Taufpaten für vier Mozart-Kinder.
Das dritte und letzte Werk, die Grande Sonate pour Le Piano-Forte avec accompag. d'un Clarinette ou Violon obligé, erweist sich als eine Bearbeitung von Mozarts Klarinettenquintett A-Dur KV 581 für Pianoforte und Bassettklarinette. Sie wurde in der British Library aufgefunden - und erwies sich als eine hochinteressante Quelle, weil das Manuskript von Mozarts berühmtem Klarinettenquintett verloren ist, und die gedruckten Ausgaben einschließlich der Neuen Mozart-Ausgabe nachweislich mangelhaft sind. "Neben der Erstein- spielung der Grande Sonate war unser Hauptanliegen, mit dieser CD zu zeigen, dass wir uns hinsichtlich der ,Lektüre' von Mozarts Parti- turen noch immer in einem Lernprozess befinden", unterstreichen Anneke Veenhoff (Hammerklavier) und Nicole van Bruggen (Klarinette). Den Bratschenpart im Kegelstatt-Trio übernahm Jane Rogers.
Die Musikerinnen setzen aber nicht nur auf die Originalmanuskripte und auf Nachbauten historischer Instrumente, um sich Mozarts Musik anzunähern. Sie haben die gesamte CD zudem in einer histo- rischen Stimmung, der sogenannten Temperierung nach Prelleur, eingespielt. Der Unterschied ist ganz erstaunlich; insbesondere die Klangfarben der Fantasie erscheinen wie von einem Grauschleier befreit, und klangliche Nuancen werden hörbar, die man sehr erfreut zur Kenntnis nimmt.
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