Zur Zeit Augusts des Starken war Dresden eine Kunstmetropole von europäischem Rang. In der Musik profitierte der Hof von Anregungen aus Italien und Frankreich sowie aus Böhmen, der Heimat etlicher Musi- ker, und natürlich aus der reichen deutschen Tradition.
Während August der Starke in seiner Jugend mehrfach zu Gast am französischen Hof war, verbrachte sein Sohn Friedrich August II. mehr Zeit in Italien als in Fontainebleau. In seinem Gefolge reisten auch Musiker, unter anderem Johann Georg Pisendel, der spätere Konzertmeister der sächsischen Hofkapelle. Er nutzte seinen Aufenthalt in Venedig, Rom und Neapel nicht zuletzt, um bedeutende Musiker kennenzulernen und eine Vielzahl von Werken zu kopieren.
Seine Sammlung, die etwa 1800 Werke umfasste, befindet sich heute im Bestand „Schranck No: II.“ der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden. Aus dieser Kollektion haben Martyna Pastuszka, Violine, Krzysztof Firlus, Viola da gamba, und Marcin Świątkiewicz, Cembalo, einige kostbare Raritäten ausgewählt und bei dem polnischen Label Dux eingespielt. Dabei handelt es sich durchweg um Violinsonaten, und zwar von Antonio Vivaldi, Johann David Heinichen, Felippo Benna, Francesco Maria Veracini und, möglicherweise, denn wirklich sicher ist diese Zuschreibung nicht, von Johann Friedrich Schreyfogel. Viel mehr als der Name ist über diesen Komponisten nicht bekannt. Martyna Pastuszka vermutet, dass er ein Geiger war. Aber diese Musik hat in der Tat Qualität, und auch wenn es sicherlich viel Arbeit macht, sich mit den nur skizzenhaft überlieferten Sonaten auseinander- zusetzen – es hat sich gelohnt. Man darf gespannt darauf sein, welche Schätze aus Schranck No: II. in Zukunft zu hören sein werden; sehr vieles ist bislang noch gar nicht ediert.
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Sonntag, 28. August 2016
Dienstag, 24. Juni 2014
Devil's Trill (Passacaille)
Rasante Läufe, schier unglaubliche Figurationen, Doppel- und
Tripel- griffe – im Zeitalter der reisenden Virtuosen ließen sich
Geiger immer neue Höchstschwierigkeiten ein- fallen, um Publikum
anzulocken und zu beeindrucken.
Dass die Geschichte der virtuosen Violinmusik aber schon lange vor Paganini, Viotti und Vieuxtemps begonnen hat, das beweist die vorliegende CD. Enrico Onofri präsentiert in seiner Einspielung mit dem Imaginarium Ensemble Kompositionen, die die künstleri- schen Ahnen des „Teufelsgeigers“ geschaffen haben. Die drei Italiener spielen auf historischen Instrumenten, wobei das Cembalo der moderne Nachbau eines italienischen Vorbilds aus dem 17. Jahr- hundert ist. Sie zeigen mit sehr viel Spielfreude, dass es dem barocken Geiger in erster Linie um den Ausdruck von Affekten gegangen ist. Diesem Ziel ordnete sich alles virtuose Rankenwerk unter; ein expressives messa di voce, kunstvolle Triller und ein perfekt geformter Klang waren den Musikern ebenso wichtig wie schwierige Doppelgriffe oder schnelle Passagen. In Briefen und mit Werken für ihre Schüler gaben sie ausführliche Anleitungen, wie all das gespielt werden sollte. Wie es sich anhörte, das demonstriert Onofri am Beispiel von zwei Sonate Accademiche aus der Feder von Francesco Maria Veracini (1690 bis 1778). Es erklingen zudem eine Sonate von Giovanni Mossi (1680 bis 1742) und eine Invention von Francesco Antonio Bonporti (1672 bis 1749). Und natürlich darf auch die berühmte Teufelstriller-Sonate von Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) nicht fehlen.
Dass die Geschichte der virtuosen Violinmusik aber schon lange vor Paganini, Viotti und Vieuxtemps begonnen hat, das beweist die vorliegende CD. Enrico Onofri präsentiert in seiner Einspielung mit dem Imaginarium Ensemble Kompositionen, die die künstleri- schen Ahnen des „Teufelsgeigers“ geschaffen haben. Die drei Italiener spielen auf historischen Instrumenten, wobei das Cembalo der moderne Nachbau eines italienischen Vorbilds aus dem 17. Jahr- hundert ist. Sie zeigen mit sehr viel Spielfreude, dass es dem barocken Geiger in erster Linie um den Ausdruck von Affekten gegangen ist. Diesem Ziel ordnete sich alles virtuose Rankenwerk unter; ein expressives messa di voce, kunstvolle Triller und ein perfekt geformter Klang waren den Musikern ebenso wichtig wie schwierige Doppelgriffe oder schnelle Passagen. In Briefen und mit Werken für ihre Schüler gaben sie ausführliche Anleitungen, wie all das gespielt werden sollte. Wie es sich anhörte, das demonstriert Onofri am Beispiel von zwei Sonate Accademiche aus der Feder von Francesco Maria Veracini (1690 bis 1778). Es erklingen zudem eine Sonate von Giovanni Mossi (1680 bis 1742) und eine Invention von Francesco Antonio Bonporti (1672 bis 1749). Und natürlich darf auch die berühmte Teufelstriller-Sonate von Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) nicht fehlen.
Sonntag, 28. November 2010
Shadows - Baroque Music by Vivaldi, Blavet, Dieupart and Veracini (Solo Musica)
"Aus Liebe zur Barockmusik habe ich dieses Programm eingespielt", schreibt Ramón Ortega Quero, Solo-Oboist des Symphonie- orchesters des Bayerischen Rund- funks und Rising Star der European Concert Hall Organization 2010/11. "Wir haben die drei italienischen Sonaten und drei französische Stücke aufgenommen und versucht, Ähnlichkeiten und Unterschiede beider Stilrichtun- gen deutlich zu machen."
Das ist offenbar gar nicht so einfach, denn die Musiker der Barockzeit reisten umher, um zu lernen, einander zuzuhören und Arbeiten berühmter Kollegen zu kopieren. Italien galt damals als das Maß aller Dinge. Concerti grossi nach Corelli, die Kirchensonate oder die nea- politanische Oper wurden bald in ganz Europa nachgeahmt.
Die Franzosen bevorzugten Suiten, Folgen von Tanzsätzen; sie über- nahmen aber bald die Innovationen aus Italien. So steht auf dieser CD nur noch ein Werk für den französischen Stil - und die Suite VI in f-Moll stammt lustigerweise von Charles Dieupart, der in London lebte und arbeitete. Die beiden Werke von Michel Blavet, damals der berühmteste Flötist in Frankreich, folgen bereits dem Modell der Sonate. Die CD enthält zudem Sonaten von Francesco Maria Veracini und Antonio Vivaldi - darunter auch die Sonate c-Moll RV 53, das einzige der sechs Werke, das ursprünglich für Oboe entstanden ist.
Alle sechs Werke stehen zudem im Tongeschlecht Moll, was das Label veranlasste, den Titel Schatten für die CD zu wählen. Nach der Affektenlehre, die im Beiheft sogar zitiert wird, haben aber nicht alle Moll-Tonarten etwas Düsteres; erst die Wiener Klassik bevorzugte die Dur-Tonarten, und degradierte Moll zum Kontrast. Johann Mattheson beschreibt in seinem Neu-Eröffneten Orchestre (1713) aber nicht nur die Charaktere der einzelnen Tonarten: "Der gleichsam redende Haut- bois, ital. Oboe, ist bey den Frantzosen, und nunmehro auch bey uns, das, was vor diesem in Teutschland die Schalmeyen (von den alten Musicis Piffari genandt) gewesen sind, ob sie gleich etwas anders eingerichtet. Die Hautbois kommen, nach der Flute Allemande, der Menschen-Stimme wol am nähesten, wenn sie mannierlich und nach der Sing-Art tractiert werden, wozu ein großer Habitus und sonder- lich die gantze Wissenschaft der Singe-Kunst gehöret. Werden aber die Hautbois nicht auff das aller delicateste angeblasen, (es sei denn im Felde oder inter pocula, wo mans eben so genau nicht nimmt) so will ich lieber eine gute Maultrummel oder ein Kamm-Stückchen davor hören, und glaube, es werden ihrer mehr also verwehnet seyn."
Was die Qualität des Oboenspiels angeht, so ist bei dieser CD nicht viel zu befürchten; auch wenn der Ton vielleicht noch ein wenig weicher, singender, samtiger werden könnte. Und mit Luise Buchberger am Violoncello und Peter Kofler am Cembalo steht Ramón Ortega Quero ein versiertes Continuo zur Seite.
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