„The idea for this Concerti Bizarri programme has been floating around in my head for a few years now, from when I put together a programme of mixed instrumental concertos combined with a suite by Georg Philipp Telemann called La Bizarre“, schreibt Monika Huggett, die Konzertmeisterin des Irish Baroque Orchestra. „The IBO is crammed full of wonderful musicians and they can fully inhabit the role of soloist in every way: technically, musically and charismatically.“
Und so ist letztendlich diese CD entstanden. Sie gibt Zeugnis von einer Zeit, da Musik zumeist für konkrete Anlässe und vorhandene Besetzungen geschrieben wurde. Das Konzert für zwei Violoncelli RV 531 beispielsweise schrieb Antonio Vivaldi für Musikerinnen, die am Ospedale della Pietá in Venedig ausgebildet wurden. Johann David Heinichen komponierte sein Oboenkonzert in g-Moll S. 237 für die Dresdner Hofkapelle. Johann Friedrich Fasch war Hofkapellmeister in Zerbst, Christoph Graupner in Darmstadt.
In beiden Ensembles musizierten damals exzellente Instrumentalisten – warum also ein Violinkonzert schreiben, wenn man seine Konzerte mit Flöte und Oboe oder aber mit zwei Oboen da caccia, zwei Bratschen, zwei Fagotten und Basso continuo wesentlich interessanter und abwechslungs- reicher besetzen kann? Graupner beispielsweise schuf ein Konzert für Flöte d'amore, Oboe d'amore und Viola d'amore – ein schönes Beispiel für das Spiel mit Klangfarben; die Komponisten der Barockzeit waren da ausgesprochen experimentierfreudig. Dass sie auch Virtuosität durchaus schätzten, beweist Graupners Fagottkonzert GWV 301, ein Werk, das enorm hohe Ansprüche an den Solisten stellt. Komplettiert wird die Einspielung durch Telemanns Konzert für zwei Violinen und Fagott TWV 53: D4.
Bizarr ist an dieser CD allerdings nur das Coverbild. Wer Vergnügen hat
an einem farbenreichen, spannenden Programm abseits der allzu ausge- tretenen Pfade, dem sei diese CD wärmstens empfohlen. Denn das Irish Baroque Orchestra musiziert auch sehr hörenswert – mit Neugier und mit einer gehörigen Portion Temperament.
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Montag, 17. Juli 2017
Sonntag, 28. August 2016
Music in Dresden in the times of Augustus II the Strong (Dux)
Zur Zeit Augusts des Starken war Dresden eine Kunstmetropole von europäischem Rang. In der Musik profitierte der Hof von Anregungen aus Italien und Frankreich sowie aus Böhmen, der Heimat etlicher Musi- ker, und natürlich aus der reichen deutschen Tradition.
Während August der Starke in seiner Jugend mehrfach zu Gast am französischen Hof war, verbrachte sein Sohn Friedrich August II. mehr Zeit in Italien als in Fontainebleau. In seinem Gefolge reisten auch Musiker, unter anderem Johann Georg Pisendel, der spätere Konzertmeister der sächsischen Hofkapelle. Er nutzte seinen Aufenthalt in Venedig, Rom und Neapel nicht zuletzt, um bedeutende Musiker kennenzulernen und eine Vielzahl von Werken zu kopieren.
Seine Sammlung, die etwa 1800 Werke umfasste, befindet sich heute im Bestand „Schranck No: II.“ der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden. Aus dieser Kollektion haben Martyna Pastuszka, Violine, Krzysztof Firlus, Viola da gamba, und Marcin Świątkiewicz, Cembalo, einige kostbare Raritäten ausgewählt und bei dem polnischen Label Dux eingespielt. Dabei handelt es sich durchweg um Violinsonaten, und zwar von Antonio Vivaldi, Johann David Heinichen, Felippo Benna, Francesco Maria Veracini und, möglicherweise, denn wirklich sicher ist diese Zuschreibung nicht, von Johann Friedrich Schreyfogel. Viel mehr als der Name ist über diesen Komponisten nicht bekannt. Martyna Pastuszka vermutet, dass er ein Geiger war. Aber diese Musik hat in der Tat Qualität, und auch wenn es sicherlich viel Arbeit macht, sich mit den nur skizzenhaft überlieferten Sonaten auseinander- zusetzen – es hat sich gelohnt. Man darf gespannt darauf sein, welche Schätze aus Schranck No: II. in Zukunft zu hören sein werden; sehr vieles ist bislang noch gar nicht ediert.
Während August der Starke in seiner Jugend mehrfach zu Gast am französischen Hof war, verbrachte sein Sohn Friedrich August II. mehr Zeit in Italien als in Fontainebleau. In seinem Gefolge reisten auch Musiker, unter anderem Johann Georg Pisendel, der spätere Konzertmeister der sächsischen Hofkapelle. Er nutzte seinen Aufenthalt in Venedig, Rom und Neapel nicht zuletzt, um bedeutende Musiker kennenzulernen und eine Vielzahl von Werken zu kopieren.
Seine Sammlung, die etwa 1800 Werke umfasste, befindet sich heute im Bestand „Schranck No: II.“ der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden. Aus dieser Kollektion haben Martyna Pastuszka, Violine, Krzysztof Firlus, Viola da gamba, und Marcin Świątkiewicz, Cembalo, einige kostbare Raritäten ausgewählt und bei dem polnischen Label Dux eingespielt. Dabei handelt es sich durchweg um Violinsonaten, und zwar von Antonio Vivaldi, Johann David Heinichen, Felippo Benna, Francesco Maria Veracini und, möglicherweise, denn wirklich sicher ist diese Zuschreibung nicht, von Johann Friedrich Schreyfogel. Viel mehr als der Name ist über diesen Komponisten nicht bekannt. Martyna Pastuszka vermutet, dass er ein Geiger war. Aber diese Musik hat in der Tat Qualität, und auch wenn es sicherlich viel Arbeit macht, sich mit den nur skizzenhaft überlieferten Sonaten auseinander- zusetzen – es hat sich gelohnt. Man darf gespannt darauf sein, welche Schätze aus Schranck No: II. in Zukunft zu hören sein werden; sehr vieles ist bislang noch gar nicht ediert.
Sonntag, 21. Februar 2016
Heinichen: Italian Cantatas & Concertos (Accent)
Nicht nur Musiker, auch den Adel zog es einst aus deutschen Landen nach Italien. Mitunter kam es so zu über- raschenden Begegnungen. So traf im Jahre 1716 der sächsische Kurprinz Friedrich August in Venedig auf Johann David Heinichen (1683 bis 1729). Der Sohn eines Pfarrers aus Krössuln bei Weißenfels hatte sechs Jahre lang unter den Kantoren Johann Schelle und Johann Kuhnau an der Leipziger Thomasschule gelernt. Bei Kuhnau nahm Heinichen zusätzlich Privatunterricht im Orgel- und Cembalospiel; gemeinsam mit dem späteren Darmstädter Hofkapellmeister Christoph Graupner wurde er durch Kuhnau zudem im Fach Komposition unterwiesen.
Von 1702 bis 1705 studierte Heinichen dann Jura an der Universität Leipzig, und musizierte in Telemanns studentischem Collegium musicum. Noch als Student bewarb er sich um die Nachfolge Telemanns als Musik- direktor der Neukirche; allerdings erhielt er das Amt nicht; wir wissen jedoch, dass er in den darauffolgenden Jahren etliche Werke für die Leipziger Oper geschrieben hat. Auch im Opernhaus vorm Salztor des Herzogs Moritz Wilhelm zu Sachsen-Zeitz in Naumburg wurden Opern von Heinichen aufgeführt. Als dort aber 1710 der Thronfolger starb, und Landestrauer ausgerufen wurde, entschied sich Heinichen, nach Italien zu reisen.
Er hielt sich einige Zeit in Rom auf, wo er kurzzeitig für Fürst Leopold von Anhalt-Köthen musizierte, Bachs späteren Dienstherrn. Ansonsten scheint Heinichen überwiegend in Venedig gelebt zu haben. Im Karneval 1713 präsentierte er erfolgreich zwei Opern. Immer wieder traf er auch Kollegen wieder, die er bereits aus Leipzig kannte. So war Gottfried Heinrich Stölzel 1713/14 in Venedig, und Johann Georg Pisendel traf 1716 im Gefolge des sächsischen Kurprinzen dort ein.
Friedrich August weilte auf Kavalierstour in Venedig; im Hause der Bankiersgattin Angioletta Bianchi, die eine hervorragende Sängerin und Cembalistin war, hörte der Kurprinz und spätere König August III. einige Kantaten Heinichens – und engagierte den Musiker umgehend als Kapellmeister auf Lebenszeit. Eigens dafür holte er aus der Heimat die Zustimmung seines Vaters August der Starke ein.
Heinichen revanchierte sich mit diversen musikalischen Huldigungen, nicht zuletzt an Maria Josepha von Habsburg. Die Gattin des Kurprinzen war Heinichen sehr gewogen. Der Musiker, der leider zunehmend unter der Tuberkulose litt, schuf in den zwölf Lebensjahren, die ihm noch verblieben, neben Musiken für höfische Feste und für den Gottesdienst in der katholi- schen Hofkirche insbesondere auch Kantaten und Instrumentalwerke, die für das intime Musizieren in den Räumen des Kurprinzen-Paares bestimmt waren. Sie sind, gemeinsam mit ähnlichen Werken aus Heinichens Zeit in Venedig, in zwei dicken Sammelbänden überliefert.
Die Batzdorfer Hofkapelle hat nun eine Auswahl dieser kurfürstlichen Privatmusik eingespielt. Die vier Kantaten versetzen den Zuhörer in ein ländliches Idyll, das von Nymphen und Hirten bevölkert wird. Sopranistin Marie Friederike Schröder, leider in den Koloraturen nicht wirklich sattel- fest, und Alto Terry Wey, sehr hörenswert, singen diese Kabinettstückchen höfischen Ziergesanges. Insbesondere der abschließende Dialog zwischen Clori und Tirsi, man hören nur das finale Duetto O mio ben, ist auch in der Instrumentierung von betörender Wirkung.
Neben diesen Gesangsstücken erklingen auch zwei Concerti Heinichens; überliefert sind diese in Abschriften der Darmstädter Hofkapelle. Die kurzen Werke geben den Instrumentalsolisten, hier sind es Geige und Oboe, Gelegenheit, sowohl mit virtuosen Passagen als auch mit schönen Tönen zu glänzen. Die Soli spielen Daniel Deuter, Violine, bzw. Xenia Löffler, Oboe. Die gesamte Batzdorfer Hofkapelle zeigt sich einmal mehr in Hochform und bester Spiellaune – aus einem regionalen Projekt ist mittlerweile ohne Zweifel ein Spitzenensemble von europäischem Format herangewachsen. Bravi!
Von 1702 bis 1705 studierte Heinichen dann Jura an der Universität Leipzig, und musizierte in Telemanns studentischem Collegium musicum. Noch als Student bewarb er sich um die Nachfolge Telemanns als Musik- direktor der Neukirche; allerdings erhielt er das Amt nicht; wir wissen jedoch, dass er in den darauffolgenden Jahren etliche Werke für die Leipziger Oper geschrieben hat. Auch im Opernhaus vorm Salztor des Herzogs Moritz Wilhelm zu Sachsen-Zeitz in Naumburg wurden Opern von Heinichen aufgeführt. Als dort aber 1710 der Thronfolger starb, und Landestrauer ausgerufen wurde, entschied sich Heinichen, nach Italien zu reisen.
Er hielt sich einige Zeit in Rom auf, wo er kurzzeitig für Fürst Leopold von Anhalt-Köthen musizierte, Bachs späteren Dienstherrn. Ansonsten scheint Heinichen überwiegend in Venedig gelebt zu haben. Im Karneval 1713 präsentierte er erfolgreich zwei Opern. Immer wieder traf er auch Kollegen wieder, die er bereits aus Leipzig kannte. So war Gottfried Heinrich Stölzel 1713/14 in Venedig, und Johann Georg Pisendel traf 1716 im Gefolge des sächsischen Kurprinzen dort ein.
Friedrich August weilte auf Kavalierstour in Venedig; im Hause der Bankiersgattin Angioletta Bianchi, die eine hervorragende Sängerin und Cembalistin war, hörte der Kurprinz und spätere König August III. einige Kantaten Heinichens – und engagierte den Musiker umgehend als Kapellmeister auf Lebenszeit. Eigens dafür holte er aus der Heimat die Zustimmung seines Vaters August der Starke ein.
Heinichen revanchierte sich mit diversen musikalischen Huldigungen, nicht zuletzt an Maria Josepha von Habsburg. Die Gattin des Kurprinzen war Heinichen sehr gewogen. Der Musiker, der leider zunehmend unter der Tuberkulose litt, schuf in den zwölf Lebensjahren, die ihm noch verblieben, neben Musiken für höfische Feste und für den Gottesdienst in der katholi- schen Hofkirche insbesondere auch Kantaten und Instrumentalwerke, die für das intime Musizieren in den Räumen des Kurprinzen-Paares bestimmt waren. Sie sind, gemeinsam mit ähnlichen Werken aus Heinichens Zeit in Venedig, in zwei dicken Sammelbänden überliefert.
Die Batzdorfer Hofkapelle hat nun eine Auswahl dieser kurfürstlichen Privatmusik eingespielt. Die vier Kantaten versetzen den Zuhörer in ein ländliches Idyll, das von Nymphen und Hirten bevölkert wird. Sopranistin Marie Friederike Schröder, leider in den Koloraturen nicht wirklich sattel- fest, und Alto Terry Wey, sehr hörenswert, singen diese Kabinettstückchen höfischen Ziergesanges. Insbesondere der abschließende Dialog zwischen Clori und Tirsi, man hören nur das finale Duetto O mio ben, ist auch in der Instrumentierung von betörender Wirkung.
Neben diesen Gesangsstücken erklingen auch zwei Concerti Heinichens; überliefert sind diese in Abschriften der Darmstädter Hofkapelle. Die kurzen Werke geben den Instrumentalsolisten, hier sind es Geige und Oboe, Gelegenheit, sowohl mit virtuosen Passagen als auch mit schönen Tönen zu glänzen. Die Soli spielen Daniel Deuter, Violine, bzw. Xenia Löffler, Oboe. Die gesamte Batzdorfer Hofkapelle zeigt sich einmal mehr in Hochform und bester Spiellaune – aus einem regionalen Projekt ist mittlerweile ohne Zweifel ein Spitzenensemble von europäischem Format herangewachsen. Bravi!
Sonntag, 26. Juli 2015
La Dresda galante (Klanglogo)
Zwei sächsische Herrscher haben die Residenzstadt Dresden geprägt bis zum heutigen Tage: Friedrich August I. (1670 bis 1733), bekannt als August der Starke, orientierte sich am französischen Vorbild. Sein Sohn Friedrich August II. (1696 bis 1763) liebte die Kunst und Musik Italiens, die er auf seiner Kavalierstour kennengelernt hatte. Auf dieser Reise in den Jahren 1615/16 begleiteten ihn Dresdner Hofmusiker, und so lautete das Motto seiner Regierungszeit auch in der Hofkapelle „Venedig statt Versailles“.
Musik aus jenem sagenhaften Augusteischen Zeitalter hat das Zürcher Barockorchester für diese CD zusammengetragen. Werke von Antonio Vivaldi, Johann Adolf Hasse, Wilhelm Friedemann Bach, Giovanni Alberto Ristori und Johann David Heinichen erklingen, wobei die Instrumentalisten von der Sopranistin Miriam Feuersinger unterstützt werden. Mit ihrer klaren Stimme kann die Sängerin herrliche weite Bögen gestalten; Koloraturen liegen ihr weniger. Die zwölf „Alte“-Musik-Spezialisten um Konzertmeisterin Renate Steinmann und den Cembalisten Jermaine Sprosse musizieren gekonnt und farbenreich.
Musik aus jenem sagenhaften Augusteischen Zeitalter hat das Zürcher Barockorchester für diese CD zusammengetragen. Werke von Antonio Vivaldi, Johann Adolf Hasse, Wilhelm Friedemann Bach, Giovanni Alberto Ristori und Johann David Heinichen erklingen, wobei die Instrumentalisten von der Sopranistin Miriam Feuersinger unterstützt werden. Mit ihrer klaren Stimme kann die Sängerin herrliche weite Bögen gestalten; Koloraturen liegen ihr weniger. Die zwölf „Alte“-Musik-Spezialisten um Konzertmeisterin Renate Steinmann und den Cembalisten Jermaine Sprosse musizieren gekonnt und farbenreich.
Sonntag, 19. Juli 2015
Concerti - Flanders Recorder Quartet & friends (Aeolus)
„Muziek is eten, drinken, religie, zuurstof, leven“, meint das Flanders Recorder Quartet im Beiheft zu dieser CD. Bart Spanhove, Joris Van Goethem, Paul Van Loey und Tom Beets musizieren seit mehr als 25 Jahren miteinander. Zum Jubiläum haben die vier Blockflötisten ein Programm mit Concerti zusammen- gestellt, und es mit dieser Aufnahme auch jenen Hörern zugänglich gemacht, die nicht die Gelegenheit hatten, das Ensemble live zu erleben.
Weil originale barocke Konzerte für vier Blockflöten und Orchester enorm selten sind, haben die Musiker ein wenig getrickst. So hat Joris Van Goethem ein Konzert für vier Violinen und Orchester von Antonio Vivaldi, das wiederum Johann Sebastian Bach für vier Cembali und Orchester (BWV 1065) bearbeitet hat, für vier Blockflöten arrangiert. Dabei hat er sich an beiden Vorbildern orientiert, was eine reizvolle Mischung ergibt. Und weil das so schön ist, erklingt anschließend auch noch Vivaldis Concerto con Quattro Violini obligato op. 3 Nr. 1 RV 549 – selbstredend ebenfalls in einer Flöten-Version.
Das Concerto a 8 von Johann David Heinichen wurde tatsächlich für vier Blockflöten geschrieben – das Flanders Recorder Quartet hat allerdings eine Bearbeitung für drei Solisten erstellt, um sogenannte Unisoni in den Mittelstimmen zu vermeiden, Abschnitte, wo mehrere Blockflöten dieselbe Stimme spielen. Heinichen war zwar experimentierfreudig, aber auf diesen Effekt verzichten auch die Zuhörer dankend. Bezaubernd klingt Three parts upon a ground von Henry Purcell, wenn es von Blockflöten derart brillant gespielt wird.
Sehr attraktiv auch ist die Variante, die sich das Flanders Recorder Quartet für das vierte Brandenburgische Konzert in G-Dur BWV 1049 überlegt hat. Dieses gibt es nämlich auch als Cembalokonzert in F-Dur BWV 1057, und ohne konzertierende Violine kommen die Blockflöten besonders hübsch zur Geltung – dem Cembalo geben sie sehr nett ein Echo. Und wenn Flötisten einmal bei Bach sind, dann laden auch die Orgelchoräle zu Entdeckungen ein.
Das Programm endet mit Motion, geschaffen von dem belgischen Kompo- nisten Piet Swerts 2003 als Auftragswerk eigens für die vier Blockflötisten. „Als uitvoerders is het een feest Motion op een concert te kunnen vertol- ken“, schreibt Bart Spanhove im Beiheft, „zelfs na vijftig uitvoeringen ontdekken we nog nieuwe zaken. Her doet ons als blokfluitisten deugd dat Piet Swerts dit schreef alsof hij het beste strijkkwartet voor ogen had.“
Weil originale barocke Konzerte für vier Blockflöten und Orchester enorm selten sind, haben die Musiker ein wenig getrickst. So hat Joris Van Goethem ein Konzert für vier Violinen und Orchester von Antonio Vivaldi, das wiederum Johann Sebastian Bach für vier Cembali und Orchester (BWV 1065) bearbeitet hat, für vier Blockflöten arrangiert. Dabei hat er sich an beiden Vorbildern orientiert, was eine reizvolle Mischung ergibt. Und weil das so schön ist, erklingt anschließend auch noch Vivaldis Concerto con Quattro Violini obligato op. 3 Nr. 1 RV 549 – selbstredend ebenfalls in einer Flöten-Version.
Das Concerto a 8 von Johann David Heinichen wurde tatsächlich für vier Blockflöten geschrieben – das Flanders Recorder Quartet hat allerdings eine Bearbeitung für drei Solisten erstellt, um sogenannte Unisoni in den Mittelstimmen zu vermeiden, Abschnitte, wo mehrere Blockflöten dieselbe Stimme spielen. Heinichen war zwar experimentierfreudig, aber auf diesen Effekt verzichten auch die Zuhörer dankend. Bezaubernd klingt Three parts upon a ground von Henry Purcell, wenn es von Blockflöten derart brillant gespielt wird.
Sehr attraktiv auch ist die Variante, die sich das Flanders Recorder Quartet für das vierte Brandenburgische Konzert in G-Dur BWV 1049 überlegt hat. Dieses gibt es nämlich auch als Cembalokonzert in F-Dur BWV 1057, und ohne konzertierende Violine kommen die Blockflöten besonders hübsch zur Geltung – dem Cembalo geben sie sehr nett ein Echo. Und wenn Flötisten einmal bei Bach sind, dann laden auch die Orgelchoräle zu Entdeckungen ein.
Das Programm endet mit Motion, geschaffen von dem belgischen Kompo- nisten Piet Swerts 2003 als Auftragswerk eigens für die vier Blockflötisten. „Als uitvoerders is het een feest Motion op een concert te kunnen vertol- ken“, schreibt Bart Spanhove im Beiheft, „zelfs na vijftig uitvoeringen ontdekken we nog nieuwe zaken. Her doet ons als blokfluitisten deugd dat Piet Swerts dit schreef alsof hij het beste strijkkwartet voor ogen had.“
Samstag, 18. April 2015
Ich hebe meine Augen auf - Telemann, Heinichen & Graupner in Leipzig (Carus)
Musikalisch ambitionierte Studenten hatten zu Beginn des 18. Jahrhun- derts in Leipzig einen attraktiven Studienort. Die Gottesdienste in den beiden Hauptkirchen St. Thomas und St. Nikolai waren weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt aufgrund der Kirchenmusik, die nicht nur von Stadtpfeifern, Kunstgeigern und Thomanern bestritten wurde. Auf der Empore fanden sich auch etliche talentierte Studiosi ein, zumal in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sogar ein Etat vorhanden war, sie fürs Musizieren zu entlohnen.
Doch nicht nur in den Kirchen fanden Musikinteressierte ein reiches Betätigungsfeld. Auch im 1693 gegründeten Leipziger Opernhaus sowie in diversen Collegia musica, die im Kaffeehaus musizierten, saßen Studierende an den Pulten. So gingen die jungen Leute in Scharen an die Pleiße, um dort Jura zu studieren, wie es Brauch war – und sich nebenher auf den Gebiet der Musik zu erproben. Etliche von ihnen wurden anschließend Musiker; erinnert sei hier nur an Georg Philipp Telemann, Johann Georg Pisendel, Gottfried Heinrich Stölzel und die vormaligen Thomasschüler Christoph Graupner, Johann Friedrich Fasch und Johann David Heinichen.
Was aber haben die Studierenden vorgetragen? Diese CD mit L’arpa festante unter Rien Voskuilen vermittelt einen Eindruck davon; herausgesucht wurden Werke von Telemann, Graupner und Heinichen, die mit einiger Sicherheit in den Jugendjahren der Komponisten entstanden sind. Die Musiker von L'arpa festante machen mit Schwung und Präzision die drei Kantaten und Telemanns Ouvertüre zu einem Hörvergnügen. Und auch das Solistenquartett ist mit Veronika Winter, Alex Potter, Hans Jörg Mammel und Markus Flaig erstklassig besetzt.
Doch nicht nur in den Kirchen fanden Musikinteressierte ein reiches Betätigungsfeld. Auch im 1693 gegründeten Leipziger Opernhaus sowie in diversen Collegia musica, die im Kaffeehaus musizierten, saßen Studierende an den Pulten. So gingen die jungen Leute in Scharen an die Pleiße, um dort Jura zu studieren, wie es Brauch war – und sich nebenher auf den Gebiet der Musik zu erproben. Etliche von ihnen wurden anschließend Musiker; erinnert sei hier nur an Georg Philipp Telemann, Johann Georg Pisendel, Gottfried Heinrich Stölzel und die vormaligen Thomasschüler Christoph Graupner, Johann Friedrich Fasch und Johann David Heinichen.
Was aber haben die Studierenden vorgetragen? Diese CD mit L’arpa festante unter Rien Voskuilen vermittelt einen Eindruck davon; herausgesucht wurden Werke von Telemann, Graupner und Heinichen, die mit einiger Sicherheit in den Jugendjahren der Komponisten entstanden sind. Die Musiker von L'arpa festante machen mit Schwung und Präzision die drei Kantaten und Telemanns Ouvertüre zu einem Hörvergnügen. Und auch das Solistenquartett ist mit Veronika Winter, Alex Potter, Hans Jörg Mammel und Markus Flaig erstklassig besetzt.
Dienstag, 16. Juli 2013
Heinichen: La Gara degli Dei (Berlin Classics)
Ein ganz besonderes Präsent hat das Label Berlin Classics kürzlich dem Dirigenten Hartmut Haenchen zum 70. Geburtstag auf den Gabentisch gelegt. Es handelt sich dabei um die Ersteinspielung der Serenata La Gara degli Dei, eines bedeutenden Werkes von Johann Jakob Heinichen (1683 bis 1729). Der Kapellmeister am Hofe Augusts des Starken hat es für die Feierlichkeiten zur Hochzeit des Kronprinzen Friedrich August II. mit Maria Josepha, Tochter Josephs I. von Österreich, komponiert.
Der Wettstreit der Götter stand einst im September 1719 am Beginn des prächtigen Festes. Merkur, Diana, Mars, Venus, Jupiter, Saturn und auch die Sonne selbst wurden aufgeboten, um in einer Freiluft-Aufführung das Festprogramm zu eröffnen und die einzel- nen Höhepunkte anzukündigen. Das Werk erweist sich aber auch als Wett- streit der sieben Sänger sowie der Orchestersolisten, die ihre Virtuosität mit anspruchsvollen Partien unter Beweis stellen konnten.
Nach der Hochzeit verschwand das Werk im Archiv; diese CD enthält nun die Ersteinspielung nach dem Manuskript, das sich in der Sächsischen Landesbibliothek SLUB befindet. Es handelt sich um den Live-Mitschnitt eines Konzertes am 23. November 2003 im Berliner Konzerthaus durch Deutschlandradio Kultur. Haenchen, der mit dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach schon so manches Werk vom Archivstaub befreit hat, folgte in der Orchesterbesetzung mit 27 Musikern der historischen Überlieferung. Die Rollen der Götter haben Alexandra Coku, Carola Höhn, Simone Nold, Katharina Kammerloher, Annette Markert, Ralph Eschrig und Olaf Bär gesungen. Leider erweist sich das Sänger-Ensemble längst nicht als so ausgewogen und brillant wie das Orchester.
Dennoch wirkt die Musik beeindruckend; Heinichens Werk ist originell, und die Musiker wetteifern darin, es lebendig und mit Esprit vorzustellen. Jubilar Hartmut Haenchen war die CD wichtig genug, die Werkeinführung sowie einen kurzen Text über die langjährige Zusammenarbeit mit seinem Kammerorchester für das Beiheft eigenhändig beizusteuern. Zusätzlich enthält das Beiheft die Gesangstexte mit Erläuterungen. Soviel Sorgfalt erfreut; Dank und Glückwunsch an den Jubilar – und noch viele erfolg- reiche Jahre mit seinem hervorragenden Ensemble!
Der Wettstreit der Götter stand einst im September 1719 am Beginn des prächtigen Festes. Merkur, Diana, Mars, Venus, Jupiter, Saturn und auch die Sonne selbst wurden aufgeboten, um in einer Freiluft-Aufführung das Festprogramm zu eröffnen und die einzel- nen Höhepunkte anzukündigen. Das Werk erweist sich aber auch als Wett- streit der sieben Sänger sowie der Orchestersolisten, die ihre Virtuosität mit anspruchsvollen Partien unter Beweis stellen konnten.
Nach der Hochzeit verschwand das Werk im Archiv; diese CD enthält nun die Ersteinspielung nach dem Manuskript, das sich in der Sächsischen Landesbibliothek SLUB befindet. Es handelt sich um den Live-Mitschnitt eines Konzertes am 23. November 2003 im Berliner Konzerthaus durch Deutschlandradio Kultur. Haenchen, der mit dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach schon so manches Werk vom Archivstaub befreit hat, folgte in der Orchesterbesetzung mit 27 Musikern der historischen Überlieferung. Die Rollen der Götter haben Alexandra Coku, Carola Höhn, Simone Nold, Katharina Kammerloher, Annette Markert, Ralph Eschrig und Olaf Bär gesungen. Leider erweist sich das Sänger-Ensemble längst nicht als so ausgewogen und brillant wie das Orchester.
Dennoch wirkt die Musik beeindruckend; Heinichens Werk ist originell, und die Musiker wetteifern darin, es lebendig und mit Esprit vorzustellen. Jubilar Hartmut Haenchen war die CD wichtig genug, die Werkeinführung sowie einen kurzen Text über die langjährige Zusammenarbeit mit seinem Kammerorchester für das Beiheft eigenhändig beizusteuern. Zusätzlich enthält das Beiheft die Gesangstexte mit Erläuterungen. Soviel Sorgfalt erfreut; Dank und Glückwunsch an den Jubilar – und noch viele erfolg- reiche Jahre mit seinem hervorragenden Ensemble!
Mittwoch, 9. Mai 2012
Pisendel - Violinkonzerte aus Dresden (Raumklang)
Johann Georg Pisendel (1687 bis 1755) begann seine musikalische Ausbildung bei seinem Vater, der Kantor war. 1697 wurde er als Kapellknabe in die Ansbacher Hofkapelle aufgenommen, wo unter anderem Francesco Antonio Pistocchi und Giuseppe Torelli zu seinen Lehrern zählten. Als der Markgraf 1703 seine Kapelle ver- kleinerte, durfte Pisendel bleiben; er erhielt eine Stelle als Violinist. 1709 reiste er nach Leipzig. Dort leitete er zeitweilig das Collegium musicum. Im Januar 1712 ging er als erster Violinist nach Dresden; 1728 wurde er der Nachfolger Jean-Baptiste Volumiers als Konzertmeister der sächsischen Hofkapelle.
Pisendel war nicht nur ein bedeutender Violinvirtuose, sondern auch sehr fleißig und sehr beliebt. Vivaldi schätzte ihn und komponierte für ihn. Auch Telemann, Graupner und Bach schrieben ihm Solopartien. Von seinem Notenarchiv profitieren Musiker noch heute, denn es gilt als eine der wichtigsten Quellen für die Musik der Dresdner Hofkapelle zur Zeit des Barock.
Einige der Schätze aus dieser Bibliothek haben nun die Musiker der International Baroque Players um Johannes Pramsohler gehoben. Als Erstveröffentlichungen erklingen ein Concerto in D-Dur für Violine, Flöten, Oboen, Streicher und Basso continuo von Johann Friedrich Fasch, ein Concerto in a-Moll für Violine, Streicher und Basso conti- nuo von Johann David Heinichen, das Concerto in G-Dur für Violine, Hörner, Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo von Pisendel sowie die Triosonate HWV 392 von Georg Friedrich Händel in einer Orchesterversion von Pisendel. Ergänzt wird dieses anspruchsvolle Programm durch das Konzert, das Georg Philipp Telemann seinem Freund 1719 bei einem Besuch in Dresden übergab, das sogenannte Pisendel-Konzert, und zwar in der zweiten, überarbeiteten Fassung. Es würdigt die Fähigkeiten des Geigenvirtuosen, und gehört zu den wenigen auch technisch wirklich anspruchsvollen Geigenkonzerten Telemanns.
Diese Werke belegen noch heute eindrucksvoll, mit welcher Eleganz und Leichtigkeit in Dresden damals musiziert wurde - die Hofkapelle muss durchweg mit exzellenten Musikern besetzt gewesen sein, wie sie kaum an einem anderen Hof Europas in derartiger Zahl verfügbar gewesen sein dürften. Doch nicht nur die jungen Musiker der Inter- national Baroque Players greifen mit dieser Repertoirewahl für ihre Debüt-CD nach den Sternen. Johannes Pramsohler spielt die Geige Reinhard Goebels, eine Pietro Giacomo Rogeri aus dem Jahre 1713. Was Streicher, Holzbläser und Continuo betrifft, so wird man von diesem künstlerischen Nachwuchs ganz sicher noch hören. Die Blechbläser allerdings wurden durch die Anforderungen bis an die Grenzen ihres Leistungsvermögens getrieben; das überzeugt noch nicht. Und auch der bemüht energische Zugriff und die etwas selt- same Akustik dieser Aufnahme sorgen leider dafür, dass die Freude nicht gänzlich ungetrübt bleibt.
Pisendel war nicht nur ein bedeutender Violinvirtuose, sondern auch sehr fleißig und sehr beliebt. Vivaldi schätzte ihn und komponierte für ihn. Auch Telemann, Graupner und Bach schrieben ihm Solopartien. Von seinem Notenarchiv profitieren Musiker noch heute, denn es gilt als eine der wichtigsten Quellen für die Musik der Dresdner Hofkapelle zur Zeit des Barock.
Einige der Schätze aus dieser Bibliothek haben nun die Musiker der International Baroque Players um Johannes Pramsohler gehoben. Als Erstveröffentlichungen erklingen ein Concerto in D-Dur für Violine, Flöten, Oboen, Streicher und Basso continuo von Johann Friedrich Fasch, ein Concerto in a-Moll für Violine, Streicher und Basso conti- nuo von Johann David Heinichen, das Concerto in G-Dur für Violine, Hörner, Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo von Pisendel sowie die Triosonate HWV 392 von Georg Friedrich Händel in einer Orchesterversion von Pisendel. Ergänzt wird dieses anspruchsvolle Programm durch das Konzert, das Georg Philipp Telemann seinem Freund 1719 bei einem Besuch in Dresden übergab, das sogenannte Pisendel-Konzert, und zwar in der zweiten, überarbeiteten Fassung. Es würdigt die Fähigkeiten des Geigenvirtuosen, und gehört zu den wenigen auch technisch wirklich anspruchsvollen Geigenkonzerten Telemanns.
Diese Werke belegen noch heute eindrucksvoll, mit welcher Eleganz und Leichtigkeit in Dresden damals musiziert wurde - die Hofkapelle muss durchweg mit exzellenten Musikern besetzt gewesen sein, wie sie kaum an einem anderen Hof Europas in derartiger Zahl verfügbar gewesen sein dürften. Doch nicht nur die jungen Musiker der Inter- national Baroque Players greifen mit dieser Repertoirewahl für ihre Debüt-CD nach den Sternen. Johannes Pramsohler spielt die Geige Reinhard Goebels, eine Pietro Giacomo Rogeri aus dem Jahre 1713. Was Streicher, Holzbläser und Continuo betrifft, so wird man von diesem künstlerischen Nachwuchs ganz sicher noch hören. Die Blechbläser allerdings wurden durch die Anforderungen bis an die Grenzen ihres Leistungsvermögens getrieben; das überzeugt noch nicht. Und auch der bemüht energische Zugriff und die etwas selt- same Akustik dieser Aufnahme sorgen leider dafür, dass die Freude nicht gänzlich ungetrübt bleibt.
Donnerstag, 16. Juli 2009
Musik am Dresdner Hof (Berlin Classics)
Konzerte für große Gruppen von Soloinstrumenten waren um 1700 offenbar sehr beliebt - ganz besonders am Dresdner Hof, wo es wohl schon damals zahlreiche exzellente Musiker gab. Den Virtuosi Saxoniae um Ludwig Güttler bereiten die anspruchsvollen Stücke, die seinerzeit am kurfürstlichen Hof erklangen, noch heute hörbar Vergnügen. In diversen Archiven fand sich glücklicherweise noch etliches Notenmaterial aus jener Zeit. Die Virtuosi Saxoniae, versierte Spezialisten für die Musik des 18. Jahrhunderts - im Hauptberuf Musiker der Staatskapelle Dresden - spielen auf modernen Instrumenten, setzen aber ansonsten weitgehend auf die historische Spielweise. So klingen die Concerti von Vivaldi, Pisendel, Hasse, Quantz, Telemann, Graun, Heinichen, Fasch und Zelenka erstaunlich frisch und kein bisschen museal.
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