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Sonntag, 18. November 2012

Wilhelm Friedemann Bach: Sonatas and Suite (Naxos)

Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784), der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs und seiner ersten Frau Maria Barbara, gehört ohne Zweifel zu den großen Clavier- virtuosen seiner Zeit. Anders aber als sein Bruder Carl Philipp Ema- nuel Bach, der als Cembalist bei Friedrich dem Großen diente, und in seinen Werken für Tasteninstru- mente teilweise eine sehr moderne musikalische Sprache entwickelte, setzte Wilhelm Friedemann Bach auf eine höchst eigenwillige Kom- bination aus dem traditionellen Kontrapunkt und dem Experimen- tierdrang seiner Generation. Da gibt es einiges zu entdecken. So beeindruckt beispielsweise sein kühner Einsatz von Chromatik und Kontrasten. 
Julia Brown, Musikdirektorin und Organistin an der First United Methodist Church in  Eugene, Oregon/USA, wagt sich an eine erste Gesamtaufnahme der Clavierwerke des Komponisten, die insbe- sondere aus einer Reihe von Sonaten und etlichen einzelnen Tanzsätzen bestehen. Diese CD enthält auch die einzige überlieferte Suite von Wilhelm Friedemann Bach. Wie schon sein Vater in den Partiten, überschreitet hier auch der Sohn die Grenzen des Genres. Er nutzt zwar die Tanzsätze weiter, aber obgleich eine gewisse formale Strenge hier ebenfalls nicht zu verleugnen ist, so ähneln diese Werke doch bereits stärker Charakterstücken. 

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Wilhelm Friedemann Bach: Kantaten (Capriccio)

Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784) war der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs. Er lernte das Violinspiel bei Johann Gottlieb Graun; Unterricht im Fach Kompo- sition sowie im Orgel- und Cemba- lospiel dürfte ihm sein Vater gege- ben haben. 
Nach einem Studium der Fächer Jura, Mathematik und Philosophie an der Leipziger Universität wirkte Bach zunächst als Organist an der Dresdner Sophienkirche. 1746 wurde er Musikdirektor und Orga- nist an der Marienkirche in Halle/Saale. Leider kam er mit der Obrig- keit nicht zurecht. Das Kirchenkollegium rügte ihn wegen seines "ungebührlich bezeigeten Betragens, und seiner Vergessenheit der schuldigen Subordination". 
1764 kündigte der "Hallesche Bach" seine Anstellung auf, ohne eine Alternative zur Hand zu haben. Mit 53 Jahren wurde der Musiker, der von Zeitgenossen für sein Orgelspiel und seine Improvisationskunst gerühmt wurde, zum freischaffenden Künstler. Sein schwieriger Charakter und sein angeschlagener Ruf erschwerten ihm zunehmend das Dasein; seine letzten Jahre muss er in großer Armut verbracht haben. 
Seine Werke waren lange aus dem Konzertsaal verschwunden. Viele davon galten als verschollen, und einige wurden erst Ende der 90er Jahre wiederentdeckt. Desto erfreulicher ist es, dass schon Anfang der 90er Jahre Hermann Max mit seinen Ensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert sowie hochklassigen Solisten vier Kantaten von Wilhelm Friedemann Bach aus dessen Hallescher Zeit eingespielt hat. Zu hören sind Barbara Schlick, Sopran, Claudia Schubert, Alt, Wilfried Jochens, Tenor und Stephan Schreckenberger, Bass.
Das Label Capriccio macht diese Aufnahmen nun mit einer Doppel-CD wieder zugänglich. Enthalten sind Lasset uns ablegen die Werke der Finsternis zum 1. Advent, Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste zum Johannistag, Erzittert und fallet zum Ostersonntag sowie Dies ist der Tag, Sinfonia und Kantate zu Pfingsten. Auch wenn der "Hallesche Bach" vielfach als rückwärtsgewandt, kantig und spröde gilt - diese Kantaten sind zwar wuchtig, aber auch erstaunlich empfindsam und für ihre Zeit modern. Insofern lohnt es sich, diese Musik zu entdecken.