Montag, 4. April 2011

Monteverdi: Selva morale e spirituale, Volume 1 (Coro)

Claudio Monteverdi (1567 bis 1643) gehörte zu den wichtigen musikalischen Innovatoren an der Schwelle von der Renaissance zum Barock. Er sorgte für die Wieder- belebung des Chorgesanges am Markusdom in Venedig, wo er 1613 Kapellmeister wurde, und mit Wer- ken wie L'Orfeo, L'Incoronazione di Poppea oder Il ritorno d'Ulisse in patria  gilt er als einer der "Vä- ter" der Gattung Oper. 
Die Sammlung Selva morale e spi- rituale, erschienen 1640/41, war die letzte Veröffentlichung Monte- verdis zu seinen Lebzeiten. Sie enthält eine Vielzahl geistlicher Werke, beispielsweise eine vierstimmige Messe, Psalmvertonungen, Hymnen und Motetten. "It is jam packed with brillant works, from solo songs to thrilling eight part vocal pieces with added strings; every compo- sition is full of luscious harmonies, beautifully constructed for all concerned", begeistert sich Harry Christophers, der mit dem renom- mierten Ensemble The Sixteen für diese erste CD - weitere sollen folgen - einige Stücke aus beiden Büchern ausgewählt hat. 
"Not that the music is easy; Monteverdi stretches every singer's ver- satility to the limit. It is demanding but so exhilarating. Just listen to the rhythmic vitality of the seven part Gloria and then the evocative sensuality of the duet Salve Regina, everything full of contrasts not only vocally but also instrumentally. Frances, Dai and Al" - das Con- tinuo-Team - "luxuriate in Monteverdi's harmonic language: the variety of textures and sonorities they achieve are quite extraordi- nary", schwärmt Christophers. 
"Performing his sacred music is in many ways no different from per- forming his operas; the same principles apply. It is essential we follow Monteverdi's dictum: recitar cantando (speak through singing). This allows the most amazing licence. As a result, time relationships do not become mechanical. They are intuitively felt, thus giving us the freedom to be expressive and interpret the words, just as any great actors recites Shakespeare."  Wer The Sixteen noch nicht kannte - diese CD ist ein Erlebnis, und von dieser Musizierkultur kann man nur begeistert sein. 

Donnerstag, 31. März 2011

Bach: Johannes-Passion; Forster (EMI Classics)

Eine Aufnahme aus dem Jahre 1962 - historisch korrektes Musi- zieren ist da nicht zu erwarten. Karl Forster nähert sich Bachs Werk vielmehr mit dem spät- romantischen Blick, und sehr viel Sinn für Dramatik. Dass diese Einspielung trotzdem auch heute noch begeistert, das liegt in erster Linie an dem grandiosen Solisten- ensemble. Zu hören sind Fritz Wunderlich als (hervorragender) Evangelist, Dietrich Fischer-Dieskau als Jesus, sowie Elisabeth Grümmer, Sopran, und Christa Ludwig, Alt, die ihre Arien mit anrührender Innigkeit und beeindruckender Intensität gestalten, Josef Traxel, der mit seinem messerscharf geführten Tenor nicht ganz das Niveau der anderen Sänger erreicht, und Karl Christian Kohn, Bass. Es singt der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin - der damals weltweit einen ausgezeichneten Ruf hatte -, und es spielen die Berliner Symphoniker. EMI Classics legt diese historische Einspielung nun als Bestandteil der Electrola Collection wieder vor - sehr ordentlich re- mastert, Kompliment! Freunde schöner Stimmen dürfen sich freuen.