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Montag, 1. November 2021

Abrahám: Ball at the Savoy (Naxos)

 

Paul Abrahám (1892 bis 1960) kombinierte in seinen Operetten österreichische Tradition, zeitgenössischen Schlager, und moderne Klänge. Für seine Werke wurde der ungarische Komponist, der 1930 nach Berlin kam, vom Publikum in ganz Europa gefeiert. Doch ihm war nur eine kurze Frist beschieden: Die Uraufführung der Operette Ball im Savoy, die im Dezember 1932 stattfand, war für manche das letzte große kulturelle Ereignis der Weimarer Republik. 

Ein Orchester, das durch eine Jazz-Band ergänzt wurde, eine kesse, mitunter sogar frivole Geschichte, und dazu Helden, wie sie sich die Regenbogenpresse nicht bunter ausdenken könnte – Ball im Savoy wirkt aus heutiger Perspektive wie ein Abgesang auf die Berliner Weltoffenheit in den „goldenen“ 20er Jahren. Dann kam das Jahr 1933. Und der Zauber war vorbei. 

In jüngster Zeit sind etliche Werke aus jener Zeit, die so abrupt zu Ende ging, wieder für die Bühne entdeckt worden. Das gilt auch für Ball im Savoy. Auf dieser Doppel-CD ist eine Aufführung der Folks Operetta unter Anthony Barrese in englischer Sprache aus dem Jahre 2014 dokumentiert. Man hat viel Freude beim Anhören. Und man fragt sich, wie zeitgenössische Musik denn heute klingen würde, wenn sich seinerzeit bürgerliche Kräfte hätten behaupten können. Welch ein Verlust! 


Freitag, 10. Mai 2013

Zelenka: The Capriccios (Sono Luminus)

Als der sächsische Kronprinz Friedrich August II. nach Wien auszog, um dort um die Hand der Erzherzogin Maria Josepha von Österreich anzuhalten, begleiteten ihn auch etliche Musiker. Unter ihnen war Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745), der während des Aufenthaltes in Wien - er dauerte immerhin vom Oktober 1717 bis zum März 1719 - auch durch den kaiserlichen Kapellmeister Johann Joseph Fux unterrichtet wurde. 
Die Abrechnungen jener Reise zeigen, dass der Kronprinz standesgemäß Hof hielt, so wie es von ihm erwartet wurde. Und seine Musiker spielten ihm auf - auch zu Parfor- cejagden, einem beliebten Vergnügen des Adels. Eigens dafür kom- ponierte Zelenka offenbar seine Capricci - höfische Unterhaltungs- musik, die sich durch anspruchsvolle Partien für Horn auszeichnet. 
Man darf darüber spekulieren, ob dies wirklich das Waldhorn meint, das Cor de chasse, wie es am Hof in Versaille gespielt wurde - oder aber das Corno da caccia. Dieses Instrument war am sächsischen Hof sehr beliebt, und wurde dort virtuos geblasen. In jedem Falle müssen es exzellente Solisten gewesen sein, die diese extrem schwierigen Partien gespielt haben. Unter den Musikern, die mit dem Kronprinzen nach Wien gereist waren, befanden sich mit Tobias Butz und Johannes Josef Götzel allerdings zwei herausragende Hornisten aus Böhmen. Ihre Kunst wird man in Wien sehr bewundert haben. 
Das Ensemble The Bach Sinfonia, geleitet von Daniel Abraham, hat Zelenkas Werke nun erstmals so vorgestellt, wie sie damals in Wien vermutlich gespielt worden sind - mit Naturhörnern. R. J. Kelley und Alexandra Cook bewältigen diese Herausforderung bewundernswert. Und die klangschönen Stücke lohnen die Wiederentdeckung. 


Donnerstag, 11. August 2011

The Art of Vivaldis Lute (Sono Luminus)

Das Washingtoner Originalklang-Ensemble The Bach Sinfonia, geleitet von Daniel Abraham, hat sich in mehreren Programmen mit der Musik Antonio Vivaldis (1678 bis 1741) auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt dieser Einspielung steht die Laute, hörenswert ge- spielt von Ronn McFarlane. 
Den Rahmen bilden zwei Ripieno-Konzerte, die Sinfonie in d-Moll
RV 127 und die Sinfonia in g-Moll RV 157 - Konzerte ohne Solisten; das andere formale Extrem folgt sofort: Das Konzert für zwei Violinen und Laute in D-Dur RV 93 er- fordert nur Solisten, und kein Orchester. 

Zwei Trios für Violine und Laute, RV 85 und 82, geleiten die Motette In turbato mare irato RV 627, die aber leider unerträglich schlecht gesungen wird. Als vorletzes Stück erklingt schließlich ein "normales" Konzert für Viola d'Amore, Laute, Streicher und Basso continuo in
d-Moll
RV 540. 

Es ist durchaus spannend, Vivaldis Experimente mit der Form "Kon- zert" zu beobachten. Der Komponist sorgte mit seinem Schaffen, das zahlreiche Musiker aus ganz Europa zum Vorbild nahmen, für eine weite Verbreitung und starke Dominanz des Konzertes in seiner drei- sätzigen Form. Leider gehörte die Laute eher nicht zu seinen Lieb- lingsinstrumenten, so dass das Repertoire ziemlich beschränkt ist. 

Freitag, 18. Februar 2011

Bach: Motets (Dorian)

Die Motetten von Johann Seba- stian Bach gehören ohne Zweifel zu seinen am häufigsten aufgeführten und auch eingespielten Werken. In diesem Falle sind The Bach Sinfo- nia sowie die Sinfonia Voci unter ihrem Dirigenten und künstleri- schen Leiter Daniel Abraham die Interpreten. 
Musiziert wird sehr sauber, aber auch reichlich langweilig, sieht man einmal davon ab, dass Abraham und seine Mannschaft ein ausgeprägte Faible für extreme Tempi haben. Aber gute Sänger alleine machen eine Aufnahme noch nicht zu einem Ereignis - so erweist sich diese hier leider als eine Enttäuschung.

Dienstag, 28. September 2010

Passion and Lament (Dorian)

Salomon Rossi (ca. 1570 bis 1630) war der erste jüdische Komponist der Musikgeschichte, von dem man mehr weiß als nur den Namen. Rossi wurde 1587 als Sänger und Musiker am Hofe des Herzogs Vincenz I. zu Mantua engagiert. Dort war auch seine Schwester als Sängerin beschäftigt. Mehr als hundert Werke von Rossi sind überliefert; die meisten davon erschienen zwischen 1589 und 1628 im Druck. 
Rossi komponierte Instrumental- werke und zahlreiche Madrigale für Singstimmen, zusammengefasst in mehreren Madrigalbüchern. Daneben entstand 1623 die Sammlung „Ha-shirim asher li-Shelomo“, Psalmen und Gesänge in hebräischer Sprache. Sechs dieser Werke, die jüdische und europäische Musik- traditionen elegant kombinieren, enthält die vorliegende CD, dazu die Stabat Mater von Heinrich Ignaz Franz von Biber in Ersteinspielung und das Oratorium Jephta von Giacomo Carissimi, dem Erfinder des biblischen Oratoriums.
Es musiziert The Bach Sinfonia unter Daniel Abraham - hinreißend sauber, hochglanzpoliert perfekt, und in der Konsequenz leider auch gähnend langweilig. Bemängelt werden muss hier zudem die völlige Unverständlichkeit des Textes. Schade.