In diesem Jahr feiert der Children's Chorus of Washington sein 15jähri- ges Bestehen.
Diesem Ensemble gehören insge- samt mehr als 170 junge Sänger im Alter von 9 bis 18 Jahren und von mehr als hundert Schulen im Groß- raum Washington DC an, die in drei verschiedenen Chören an die un- terschiedlichste Chorliteratur herangeführt werden.
Die Gründerin und künstlerische Leiterin, Joan Gregoryk, hat "ihre" Chöre zu beachtlicher Leistung geführt. Davon zeugt auch diese CD mit Klassikern des amerikani- schen Folksongs, die die Kinder gemeinsam mit zwei herausragenden Folk-Duos eingespielt haben, mit Cathy Fink und Marcy Marxer sowie mit Kim und Reggie Harris. Die Musik ist flott bis schmissig; musiziert wird schwungsvoll und hochprofessionell. Unsere Kids hat die CD begeistert - und uns gefällt sie auch.
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Freitag, 25. Februar 2011
Freitag, 18. Februar 2011
Bach: Motets (Dorian)
Die Motetten von Johann Seba- stian Bach gehören ohne Zweifel zu seinen am häufigsten aufgeführten und auch eingespielten Werken. In diesem Falle sind The Bach Sinfo- nia sowie die Sinfonia Voci unter ihrem Dirigenten und künstleri- schen Leiter Daniel Abraham die Interpreten.
Musiziert wird sehr sauber, aber auch reichlich langweilig, sieht man einmal davon ab, dass Abraham und seine Mannschaft ein ausgeprägte Faible für extreme Tempi haben. Aber gute Sänger alleine machen eine Aufnahme noch nicht zu einem Ereignis - so erweist sich diese hier leider als eine Enttäuschung.
Musiziert wird sehr sauber, aber auch reichlich langweilig, sieht man einmal davon ab, dass Abraham und seine Mannschaft ein ausgeprägte Faible für extreme Tempi haben. Aber gute Sänger alleine machen eine Aufnahme noch nicht zu einem Ereignis - so erweist sich diese hier leider als eine Enttäuschung.
Dienstag, 25. Januar 2011
Beethoven: Past & Present (Dorian)
Ein überaus interessantes Experi- ment wagen Lambert Orkis, Kla- vier, und David Hardy, Violon- cello: Sie spielen die kompletten Variationen und Sonaten Beet- hovens für Klavier und Violoncello ein. Nun ist das allein noch kein spektakuläres Projekt. Doch auf den vier CD erklingt dieses Programm gleich zweimal - und da wird es aufregend.
Denn wenn die Musiker beim ersten Mal durchgängig "moderne" Instrumente verwenden - es erklingen der übliche Steinway, allerdings ein Modell C aus Hamburg, mit dem etwas dezenteren "europäischen" Sound, sowie ein Cello von Carlo Giuseppe Testore, erbaut in Mailand 1694, aber ausgestattet mit den neuzeitlichen Stahlsaiten - so ist das Cello bei der Wiederholung des Programmes mit Darmsaiten versehen. Und es sind gleich drei Klaviere zu hören, die sich klanglich erheblich unterscheiden. So erklingt ein Fortepiano der Washingtoner Klavierbauer Thomas und Barbara Wolf nach Jean-Louis Dulcken, München um 1788, ein weiteres Instrument derselben Werkstatt nach einem Fortepiano von Nanette Streicher, Wien, ca. 1814-1820, und ein Fortepiano von R. J. Regier, Freeport, nach Wiener Vorbildern um 1830. Orkis nennt das Instrument scherzhaft einen "Grafendorfer", weil es die Stärken der Fortepianos von Conrad Graf und Ignaz Bösendorfer kombiniert.
An diesen Aufnahmen lässt sich die rasante Entwicklung des Klavier- baues zur damaligen Zeit akustisch nachvollziehen. Das macht die Aufnahme außerordentlich spannend. Wirkt die Dulcken-Kopie noch fast wie ein Cembalo, so ist der "Grafendorfer" trotz seines Holzrah- mens und seiner lederbezogenen Hämmerchen klanglich und von seinen gestalterischen Möglichkeiten dem "europäischen" Steinway schon erstaunlich nahe.
Die beiden Musiker aber sind mit der modernen Version hörbar am glücklichsten. Und warum sie fürs Foto auf den zerfledderten und verstreuten Noten herumtrampeln müssen, das bleibt dann vollends das Geheimnis des Labels.
Denn wenn die Musiker beim ersten Mal durchgängig "moderne" Instrumente verwenden - es erklingen der übliche Steinway, allerdings ein Modell C aus Hamburg, mit dem etwas dezenteren "europäischen" Sound, sowie ein Cello von Carlo Giuseppe Testore, erbaut in Mailand 1694, aber ausgestattet mit den neuzeitlichen Stahlsaiten - so ist das Cello bei der Wiederholung des Programmes mit Darmsaiten versehen. Und es sind gleich drei Klaviere zu hören, die sich klanglich erheblich unterscheiden. So erklingt ein Fortepiano der Washingtoner Klavierbauer Thomas und Barbara Wolf nach Jean-Louis Dulcken, München um 1788, ein weiteres Instrument derselben Werkstatt nach einem Fortepiano von Nanette Streicher, Wien, ca. 1814-1820, und ein Fortepiano von R. J. Regier, Freeport, nach Wiener Vorbildern um 1830. Orkis nennt das Instrument scherzhaft einen "Grafendorfer", weil es die Stärken der Fortepianos von Conrad Graf und Ignaz Bösendorfer kombiniert.
An diesen Aufnahmen lässt sich die rasante Entwicklung des Klavier- baues zur damaligen Zeit akustisch nachvollziehen. Das macht die Aufnahme außerordentlich spannend. Wirkt die Dulcken-Kopie noch fast wie ein Cembalo, so ist der "Grafendorfer" trotz seines Holzrah- mens und seiner lederbezogenen Hämmerchen klanglich und von seinen gestalterischen Möglichkeiten dem "europäischen" Steinway schon erstaunlich nahe.
Die beiden Musiker aber sind mit der modernen Version hörbar am glücklichsten. Und warum sie fürs Foto auf den zerfledderten und verstreuten Noten herumtrampeln müssen, das bleibt dann vollends das Geheimnis des Labels.
Sonntag, 12. Dezember 2010
Christmas with The Washington Chorus (Dorian)
Dieses Weihnachtskonzert wurde am 23. Dezember 2009 im Strathmore Music Center, Washington DC, aufgezeichnet. Was für ein Sound! Das ist Amerika: Knapp 200 Sängerinnen und Sänger stark ist The Washington Chorus, einer der besten Chöre der USA, geleitet von Julian Wachner. Und er wird hier noch verstärkt durch The Whitman Choir, das Elite-Ensemble der Walt Whitman High School mit noch einmal mehr als 50 gut geschulten Stimmen. Er erklingen traditionelle Weihnachts- lieder in nicht zu gewagten modernen Arrangements, und zum Schluss gibt's natürlich Händels berühmtes Halleluja.
Die beiden Chöre musizieren gemeinsam mit dem Ensemble National Capital Brass & Percussion - drei Trompeten, drei Posaunen, Horn, Tuba, Harfe, Orgel, Pauken, Schlagwerk, ebenfalls vom Allerfeinsten. Und erstaunlicherweise behaupten sich die Bläser souverän gegen- über dem riesigen Chor. Das Ergebnis ist derart pathetisch, dass der Europäer den Kopf schüttelt - aber wer amerikanische Weihnachten liebt, der wird bezaubert sein.
Die beiden Chöre musizieren gemeinsam mit dem Ensemble National Capital Brass & Percussion - drei Trompeten, drei Posaunen, Horn, Tuba, Harfe, Orgel, Pauken, Schlagwerk, ebenfalls vom Allerfeinsten. Und erstaunlicherweise behaupten sich die Bläser souverän gegen- über dem riesigen Chor. Das Ergebnis ist derart pathetisch, dass der Europäer den Kopf schüttelt - aber wer amerikanische Weihnachten liebt, der wird bezaubert sein.
Sonntag, 7. November 2010
Evan Chambers: The old burying ground (Dorian)

Und noch eine CD passend zur Jah- reszeit: "Ich liebe es, über Friedhö- fe zu laufen", sagt Evan Chambers. "Sie sind ein idealer Ort, um dar- über nachzusinnen, wie das Leben auf dieser Welt erscheint und verschwindet." Besonders beein- druckt zeigte sich der Komponist von einem alten Friedhof in Jaff- rey, New Hampshire, mit seinen Grabsteinen - und ihren Inschrif- ten. Er hat auf der Grundlage dieser Texte, die er durch moderne Dichtung ergänzte, The old burying ground geschrieben.
Das ist ein ziemlich makabres Werk, musikalisch irgendwo zwischen Arvo Pärt und dem "klassischen" amerikanischen Folksong, mit An- leihen in Osteuropa und irischen Anklängen. Ach, diese Kindergräber - an Krankheiten gestorben, vom Blitz erschlagen, im Pfarrhaus verbrannt; und dazu gibts immer diese Sprüche, die sich an der Bibel oder an Kirchenliedern orientieren. Jeder Abschnitt dieses Werkes erinnert daran, dass das Leben endlich und der Tod unausweichlich ist. Das hört man nicht besonders gern, zumal der Gott dieser Sprüche fatal versteinert wirkt.
Vorgetragen wird das alles mit sanfter Stimme von dem Folk-Sänger Tim Eriksen, der Sopranistin Anne-Carolin Bird und dem Tenor Nicholas Phan; die Dichter lesen ihre Texte selber. Es spielt das University of Michigan Symphony Orchestra, eines der besten Hochschulorchester der Welt, unter Kenneth Kiesler. Dienstag, 28. September 2010
Passion and Lament (Dorian)
Salomon Rossi (ca. 1570 bis 1630) war der erste jüdische Komponist der Musikgeschichte, von dem man mehr weiß als nur den Namen. Rossi wurde 1587 als Sänger und Musiker am Hofe des Herzogs Vincenz I. zu Mantua engagiert. Dort war auch seine Schwester als Sängerin beschäftigt. Mehr als hundert Werke von Rossi sind überliefert; die meisten davon erschienen zwischen 1589 und 1628 im Druck.
Rossi komponierte Instrumental- werke und zahlreiche Madrigale für Singstimmen, zusammengefasst in mehreren Madrigalbüchern. Daneben entstand 1623 die Sammlung „Ha-shirim asher li-Shelomo“, Psalmen und Gesänge in hebräischer Sprache. Sechs dieser Werke, die jüdische und europäische Musik- traditionen elegant kombinieren, enthält die vorliegende CD, dazu die Stabat Mater von Heinrich Ignaz Franz von Biber in Ersteinspielung und das Oratorium Jephta von Giacomo Carissimi, dem Erfinder des biblischen Oratoriums.
Es musiziert The Bach Sinfonia unter Daniel Abraham - hinreißend sauber, hochglanzpoliert perfekt, und in der Konsequenz leider auch gähnend langweilig. Bemängelt werden muss hier zudem die völlige Unverständlichkeit des Textes. Schade.
Samstag, 10. Juli 2010
The Czar's Guitars - Souvenirs of Russia (Dorian)
"Die Gitarren des Zaren" - so nennen sich Oleg Timofejew und John Schneiderman. Die beiden Musiker haben sich zusammen- getan, um die russische Gitarren- tradition zu pflegen. Dabei spielen sie sowohl "westliche" als auch russische zeitgenössische Instru- mente.
Die russische Gitarre, im Westen wenig bekannt, ist kleiner als ihre spanische Schwester und hat sieben Saiten. Sie klingt zudem weicher und sanfter. Die Musik, die Timofejew und Schneiderman für diese CD ausgewählt haben, ist zwar virtuos, aber auch volkstümlich. Das beginnt schon bei dem Gitarren- duett Souvenir de Russie op. 63 des Spaniers Fernando Sor. Er lebte drei Jahre lang in Russland - aber was der berühmte Gitarrist während dieser Zeit getan hat, verbleibt im Nebel der Geschichte. Wir wissen nur, dass er seine Frau Fèlicitè Hullen begleitete, die als Primaballerina in Moskau tanzte.
Die beiden Themen von Souvenir de Russie sind bekannte russische Volkslieder, die auch andere damals gerne in Variationen verwende- ten. Doch bevor solche Werke von Wladimir Morkow, Michael Glinka und etlichen anderen erklingen, beginnt die CD mit der früheren russischen Nationalhymne, und zwar in Solo-Variationen von Pietro Pettoletti. Ähnlich patriotisch schließt das Opus - nämlich mit einem Lied, das zuvor die Nationalhymne war, und auf der Melodie von God Save the Queen basierte. Es wurde 1833 durch die Hymne von Alexej Fjodorowitsch Lwow abgelöst, die dann bis 1917 im Gebrauch war.
Und auch sonst gab es einen erstaunlich regen Austausch zwischen dem Zarenreich und dem "Westen", wie das Beiheft sehr ausführlich am jeweiligen Beispiel zeigt. Verzichtet man auf die Theorie, und hört nur die Musik, so werden ebenfalls zahlreiche Querverbindungen hörbar. Ansonsten hält sich der musikalische Aha-Effekt in Grenzen; ebenso wie das Niveau der meisten Kompositionen.
Montag, 7. Juni 2010
If I were a bird - Michael Lewin (Dorian)
"A piano aviary" nennt Michael Lewin diese nette Kompilation. "Es war ein großes Vergnügen, die Musik für diese Aufnahme auszu- wählen und einzuspielen, die ja nur einen Bruchteil der schönen Vogelmusik für das Klavier dar- stellt", meint der Pianist. Selbst das Beiheft, sagenhafte 22 Seiten stark, wimmelt geradezu von Vögeln aller Arten.
Es ist ganz erstaunlich, aber Vögel haben offensichtlich ganze Heer- scharen von Komponisten fasziniert und inspiriert. Lewin eröffnet den gefiederten Reigen mit Barockmusik - aber er bleibt dort nicht. Die CD startet mit Rameaus Versammlung der Vögel. Das zwitschert in allen Tonlagen durcheinander; ein hübsches Stück voll Energie. Es folgen jede Menge Federwesen - Lerchen, ein Kuckuck, Messianens Taube, sogar ein weißer Pfau, der Schwan aus Saint-Saens Karneval der Tiere, bemerkenswerterweise in der Klavierversion von Alexan- der Siloti, ein Truthahn und natürlich auch Nachtigallen, sowie einige magische Vögel, wie Schumanns Vogel als Prophet oder Strawinskys Feuervogel in einer furiosen Transkription von Guido Agosti. Es ist unmöglich, an dieser Stelle alle Miniaturen und ihre Schöpfer aufzuzählen. Mein persönlicher Favorit ist Die zwei Lerchen von Theodor Leschetitzky. Doch das ist Geschmackssache; diese CD lädt zu Entdeckungen geradezu ein.
Lewin spielt die 22 Stücke, die meist nur wenige Minuten dauern, mit hoher Virtuosität und Brillanz. Einzig beim abschließenden Strawinsky würde man sich mehr Präzision wünschen. Und auch der Klang des Instrumentes erscheint gewöhnungsbedürftig. Der Flügel aus dem Hause Steinway & Sons, New York, klingt extrem hell und offen. Das bekommt nicht allen Stücken gleichermaßen gut.
Donnerstag, 3. Juni 2010
Durón: Salir el Amor del Mundo (Dorian)
Spanische und italienische Musik- tradition verschmolz Sebastián Durón (1660 - 1716) zu einem Stück voll Charme und Witz:
"Salir el Amor del Mundo" be- richtet davon, wie der kecke Cupido mit seinen Liebespfeilen und dem Bogen einst im Wald der jungfräulichen Jägerin Diana erwischt wurde. Die fand den Streich gar nicht komisch, und diese Zarzuela verrät, wie sie sich rächte.
"Salir el Amor del Mundo" be- richtet davon, wie der kecke Cupido mit seinen Liebespfeilen und dem Bogen einst im Wald der jungfräulichen Jägerin Diana erwischt wurde. Die fand den Streich gar nicht komisch, und diese Zarzuela verrät, wie sie sich rächte.
Hofmusikus Durón erfand dafür eine Musik, die Formen der italieni- schen Oper mit althergebrachten spanischen Bräuchen kombinierte. Das Ergebnis ist ziemlich überraschend, und einzigartig. Die CD wird komplettiert durch eine Reihe von Werken einiger Zeitgenossen des Komponisten - José Nebra, Juan Hidalgo, José Marin, und Santiago de Murcia.
Das Ensemble El Mundo zelebriert diese Musik unter Leitung von Richard Savino mit Genuss und mit einem hörbaren Sinn für Theatralik. Das Solistenensemble agiert gut aufeinander abgestimmt; die einzelnen Stimmen haben Wiedererkennungswert, die Besetzung ist sehr ordentlich, aber nicht herausragend.
Dienstag, 30. März 2010
Adío Espana (Dorian)
Diese CD offeriert eine Einladung zu einer Zeitreise: The Baltimore Consort hat Musik eingespielt, wie sie um 1500 in Spanien erklang. Die iberische Halbinsel war damals offenbar eine kulturell überaus interessante Landschaft, denn dort lebten Juden, Christen und Mos- lems jahrhundertelang miteinan- der - was sich auch auf die Musik jener Zeit auswirkte.
Die Hochzeit zwischen Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II., dem späteren König von Aragon, im Jahre 1469 beendete allerdings diese kulturelle Blütezeit ziemlich abrupt. Denn die reyes católicos gingen entschieden gegen Juden und Mauren vor - und vertrieben innerhalb weniger Jahre alle Anders- gläubigen, die sich nicht taufen lassen wollten.
Die Hochzeit zwischen Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II., dem späteren König von Aragon, im Jahre 1469 beendete allerdings diese kulturelle Blütezeit ziemlich abrupt. Denn die reyes católicos gingen entschieden gegen Juden und Mauren vor - und vertrieben innerhalb weniger Jahre alle Anders- gläubigen, die sich nicht taufen lassen wollten.
Aus der Musik freilich verschwanden ihre Spuren nicht so schnell, wie diese CD belegt. Noch um 1550 finden sich in den cancioneros Echos jener multikulturellen Vergangenheit - in Instrumentierung, Rhythmen, Harmonien oder auch schlicht in der Notation; so gelten die Mauren als die Erfinder der Tabulaturen.
The Baltimore Consort musiziert auf historischen Instrumenten bzw. ihren Nachbauten - und entführt seine Zuhörer in eine faszinierende Klangwelt. Die Überraschung dieser CD ist aber der brasilianische Countertenor José Lemos mit seiner klangschönen, kultivierten und exzellent geführten Altstimme. Man darf sehr gespannt sein, mit welchem Repertoire man ihn zukünftig wiederhören wird.
Samstag, 20. März 2010
Telemann: Sonate à cinque & quattro (Dorian)
Sonaten für vier oder gar fünf Instrumente aus der Zeit Telemanns sind echte Raritäten. Viel häufiger wurden solche Werke für ein oder maximal zwei Solo-Instrumente und Basso continuo geschrieben.
Die Musiker des Ensembles Rebel haben auf dieser CD gleich acht derartige Werke zusammen- getragen - komponiert von Telemann für zwei Violinen, zwei Bratschen oder aber für Flöte/Blockflöte, zwei Violinen und Continuo. Das ist ein durchaus anspruchsvolles Programm; Telemann gehen die musikalischen Ideen ganz offenbar niemals aus. Da hört man "galante" französisch-höfisch anmutende Passagen ebenso wie den bäuerlichen Dudelsack. Ein Stück verlangt umgestimmte Violinen, die nicht nur derart scordatura, sondern obendrein teilweise auch noch pizzicato gespielt werden. Mitunter hat das Cello zudem einen auskomponierten Part, so dass man eigentlich sogar von einem Quintett bzw. Sextett sprechen könnte. Für Abwechslung ist also gesorgt - und wenn die Musiker etwas mehr dynamische Differenzierung gewagt hätten, wäre das eine grandiose CD geworden.
Die Musiker des Ensembles Rebel haben auf dieser CD gleich acht derartige Werke zusammen- getragen - komponiert von Telemann für zwei Violinen, zwei Bratschen oder aber für Flöte/Blockflöte, zwei Violinen und Continuo. Das ist ein durchaus anspruchsvolles Programm; Telemann gehen die musikalischen Ideen ganz offenbar niemals aus. Da hört man "galante" französisch-höfisch anmutende Passagen ebenso wie den bäuerlichen Dudelsack. Ein Stück verlangt umgestimmte Violinen, die nicht nur derart scordatura, sondern obendrein teilweise auch noch pizzicato gespielt werden. Mitunter hat das Cello zudem einen auskomponierten Part, so dass man eigentlich sogar von einem Quintett bzw. Sextett sprechen könnte. Für Abwechslung ist also gesorgt - und wenn die Musiker etwas mehr dynamische Differenzierung gewagt hätten, wäre das eine grandiose CD geworden.
Samstag, 6. März 2010
Hagen: Sonatas for Lute & Strings (Dorian)
Bernhard Joachim Hagen war der letzte große deutsche Lautenist. Er starb 1787 in Ansbach; und mit ihm endete eine Epoche. Die Laute jedenfalls wurde als reizvolles Instrument erst 200 Jahre später wiederentdeckt.
Hagen stammte offenbar aus einer musikalischen Familie: Sein älterer Bruder Peter Albrecht Hagen, aus- gebildet als Violinist bei Gemiani in London, war als Organist in Rotterdam erfolgreich. Bernhard Joachim Hagen hingegen kam in jungen Jahren als Violinschüler zu Johann Pfeiffer, dem Kapellmeister des Bayreuther Hofes.
1731 wurde Friedrich von Brandenburg-Bayreuth mit Wilhelmine, der ältesten Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I., verheiratet. Beide Kinder des Soldatenkönigs begeisterten sich für Musik - Friedrich der Große war bekanntlich ein exzellenter Flötist; Wilhelmine spielte Cembalo und, mit besonderer Hingabe, Laute. In Bayreuth angekommen, engagierte sie als erstes ein Hoforchester. Dort wurde auch Hagen tätig - als Geiger, nicht als Lautenist; bis an sein Lebensende blieb er Kammermusiker am markgräflichen Hof. Wie versiert er auch die Laute beherrschte, das zeigen allerdings seine Werke, die handschriftlich in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg überliefert sind. Sechs seiner Sonaten, für Laute und Streicher, fasst die vorliegende CD zusammen.
Sie erweisen sich als Kabinettstücke allerersten Ranges, die an die Instrumentalisten enorme Anforderungen stellen. John Schneider- man, Laute, erweist sich als versierter musikalischer Partner der renommierten Barock-Violinistin Elizabeth Blumenstock. William Skeen übernimmt einen Cello-Part, der sich zumeist zwar darauf beschränkt, die tiefe Stimme der Laute mitzuspielen. Doch wer da glaubt, dieser Continuo-Part sei simpel, der irrt. Denn einfach ist an diesen Stücken rein gar nichts - das ist galante Virtuosenmusik vom Allerfeinsten, auf dem Wege zur Frühklassik, hier und da aufgepeppt mit einer Prise Empfindsamkeit. Jede dieser Sonaten ist ein Solitär, mit vielen funkelnden Facetten, die entdeckt werden wollen. Und die drei Solisten haben hörbar Vergnügen daran, diese Musik vor dem Museum zu retten. Der Zuhörer wird ihnen dabei dankbar folgen - er ist eingeladen zu einer Entdeckung, wie sie nur selten gelingt.
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Corellisante - Sonatas for Two Violins & Basso Continuo by Corelli & Telemann (Dorian)
Das Ensemble Rebel, benannt nach dem französischen Komponisten Jean-Féry Rebel, ist heute in New York ansässig. Obwohl es 1991 in den Niederlanden gegründet wurde, hat es mittlerweile seinen festen Platz im Musikleben der USA gefunden. So hat Rebel gemeinsam mit dem renommierten Trinity Choir in den letzten Jahren eine Gesamtaufnahme der Haydn-Kantaten eingespielt.
Die vorliegende CD aber kombiniert vier Triosonaten des italienischen Barockkomponisten Arcangelo Corelli mit vier von insgesamt sechs Werken Georg Philipp Telemanns, die er "Sonates corellisante" nannte. Das mag als cleveres Marketing durchgehen; denn erstaunlicherweise sind sich diese Stücke keineswegs ähnlich. Zwar scheint sich Teleman hier und dort tatsächlich am Vorbild Corelli zu orientieren. Doch letzten Endes sind seine Werke - Telemann. Mit den zeittypischen Anleihen unter anderem beim französischen Stil, der damals auch "en vogue" war. Und einem Feuerwerk an musikalischen Einfällen.
Karen Marie Marmer und Jörg-Michael Schwarz, Violine, John Moran, Violoncello, Dongsok Shin, Cembalo und Orgel sowie Daniel Swenberg, Laute, musizieren schwung- und lustvoll, und gerade heraus. So kommt auch beim Zuhörer keine Langeweile auf.
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