Mit Liszts monumentalem Zyklus Années de Pèlerinage beschäftigt sich der frankokanadische Pianist Louis Lortie seit Jahren. So hat er bereits zu Beginn der 90er Jahre den zweiten Teil, Deuxième Année: Italie für Chandos eingespielt. Zum Liszt-Jubiläum hat er das gesamte Werk mehrfach in Konzerten ge- spielt.
Hier ist nun die vollständige Ver- sion auf CD - und sie überrascht, weil Lortie, anders als viele seiner Kollegen, den Zyklus als ein in erster Linie poetisches Werk interpretiert. So verzichtet der Pianist auf die allzu massive, vordergründige Demonstration technischer Brillanz und Virtuosität. Er hat für die Aufnahme zudem nicht den branchenüblichen Steinway verwendet, sondern einen Flügel von Faziolo. Der klingt etwas weicher und samtiger, was Lortie für seine Interpretation offenbar näher war.
Lorties Liszt ist bezaubernd, innig und mitunter geheimnisvoll. Lortie zeigt ihn uns, wie er ergriffen vor der großartigen Natur der Schweiz staunt - und von der Kultur Italiens ebenso beeindruckt und beein- flusst wird wie von der katholischen Kirche, der er sich schließlich und endlich zuwenden wird.
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Samstag, 7. April 2012
Sonntag, 18. März 2012
Liszt: Anées de Pèlerinage; Schirmer (Berlin Classics)
Reisen überwindet Distanzen.
Und so hat Ragna Schirmer den 200. Geburtstag Franz Liszts zum Anlass für eine Pilgerreise ge- nommen: Sie folgte den Spuren des Komponisten durch die Schweiz und Italien, seinen Zyklus Années de Pèlerinage als Reiseführer.
Und so hat Ragna Schirmer den 200. Geburtstag Franz Liszts zum Anlass für eine Pilgerreise ge- nommen: Sie folgte den Spuren des Komponisten durch die Schweiz und Italien, seinen Zyklus Années de Pèlerinage als Reiseführer.
Dabei gelang der Pianistin zumin- dest räumlich die Annäherung an den berühmten Kollegen. Das Beiheft zu dieser CD - leider un- glaublich kitschig aufgemacht - verdeutlicht, welche Erkenntnisse Schirmer durch die Reise ge- wonnen hat. So stellte sie fest, dass das Wasser im Garten der Villa d'Este nicht etwa murmelt und raunt: "Das sind hunderte riesiger Wasser-Fontainen. Es ist unfassbar laut!" Über die literarische Qualität der Einträge, die hier mit blauer Tinte notiert sind, möchte man an dieser Stelle lieber schweigen, und hoffen, dass diese schwachen Textchen von PR-Leuten geschrieben worden sind.
Aus der Auseinandersetzung mit den Quellen, auf die Liszt sich in seinem Werk immer wieder bezieht, hat Ragna Schirmer das Prinzip für ihre Gesamteinspielung gewonnen: Liszt hat sich für die Kunst der italienischen Renaissance stark interessiert, sie hat ihn begeistert und inspiriert. Schirmer unterbricht daher seine Klaviermusik, und setzt in die Pausen Madrigale von Carlo Gesualdo und Luca Marenzio. Diese Stücke werden ausdrucksstark gesungen vom Männerquintett Amarcord. Man spürt, dass das Leipziger Ensemble seine Wurzeln im Thomanerchor hat.
Dieser Versuch, Liszts Zyklus durch eine Art Zwiegespräch zu ergän- zen, funktioniert mal besser, mal weniger gut. Wenn beispielsweise auf Marenzios Dura legge d'Amor, am Beginn der dritten CD, Liszts Angélus folgt, dann empfinde ich das als einen Bruch, dessen Funk- tion ich nicht wirklich begreife.
Auch die Liszt-Interpretation von Ragna Schirmer macht mich nicht vollends glücklich. Sie ist unglaublich farbenreich, erscheint aber auch unsäglich oberflächlich. Eine Note ist möglicherweise eben doch nicht nur eine Note. Aus dieser Musik ist unter den Händen der Pianistin das Geheimnis verschwunden; es ist ein protestantisch-geradliniger Liszt, den Schirmer hier porträtiert. Er war aber, denke ich, letzten Endes ein Mystiker, ein Mann der Abgründe und nicht nur der Täler. In den Années de Pèlerinage beschreibt der Komponist weniger Reiseeindrücke als vielmehr seine persönliche, innere Entwicklung - und da ist zu spüren, dass Schirmer der Zugang zu Liszt wohl doch nicht gelungen ist. Schade.
Montag, 2. Mai 2011
Liszt: Années de Pèlerinage; Dratva (Oehms Classics)
Gratulation an Oehms Classics - denn das nenne ich eine Idee: Liszts Années de Pèlerinage - und zwar der erste Teil, Première Année - Suisse, eingespielt ausge- rechnet auf Wagners Flügel in Bayreuth. Diesen prächtigen Steinway schenkten die New Yor- ker Klavierbauer dem Komponi- sten 1876 zur Eröffnung der ersten Bayreuther Festspiele. Das Instru- ment, das aus Palisander gefertigt wurde, überstand den Krieg eben- so schadlos wie die langjährige Betreuung durch Klavierbauer, die ja meistens behaupten, dass Konzertflügel nicht mit Anstand altern können - schon gar nicht jene Exemplare, die viel gespielt werden. Dieses Instrument beweist, dass dies sehr wohl möglich ist; nur darf man nicht erwarten, dass ein historisches Klavier genauso klingt wie eines, das soeben die Fabrik verlassen hat.
Auch Wagners Steinway tönt nicht wie ein moderner Flügel der be- rühmten Klaviermanufaktur, deren Steinway D mittlerweile faktisch zum Konzertsaalstandard geworden ist, und damit natürlich auch Aufnahmen und Hörgewohnheiten prägt. Das Instrument aus dem Haus Wahnfried klingt wärmer, farbiger, sanglicher und nicht so stählern-direkt wie die heutigen Konzertflügel, nicht ganz so brillant und ausgeglichen, im Bass sonor und im Diskant silbrig. Auf die Klangunterschiede der Register muss sich ein Pianist einstellen; Tomas Dratva gelingt das exzellent.
Der Pianist hat vor dieser Aufnahme zudem umfassende Quellen- studien betrieben, was in erster Linie die Auseinandersetzung mit dem Originalmanuskript des Werkes bedeutet, das sich heute in der Russischen Nationalbibliothek St. Petersburg befindet. Dratva zeigt sich davon sehr beeindruckt: "Von Liszts Handschrift geht eine große suggestive Wirkung aus." Die Notizen des großen Klaviervirtuosen "geben deutliche Interpretationshilfen", so Dratva, "welche der gra- phisch einebnende Notendruck nicht in dieser Weise wiedergeben kann." Liszts Reinschrift sieht der Pianist als die verbindliche Version an. Das ermöglichte etliche Korrekturen, und prägt diese Interpreta- tion ganz entscheidend.
Wagners Konzertflügel wiederum erweist sich als das ideale Instru- ment für dieses Werk, denn zum einen hat Liszt selbst mehrfach damit musiziert, und das Klangbild offenbar geschätzt. Zum anderen passen die Tonbilder der Années sehr schön zum sanglichen Klangbild dieses Flügels. Das ist spannend, und das ist ein würdiger Auftakt zum Liszt-Jahr 2011, im Gedenken an den 200. Geburtstag des Virtuosen.
Auch Wagners Steinway tönt nicht wie ein moderner Flügel der be- rühmten Klaviermanufaktur, deren Steinway D mittlerweile faktisch zum Konzertsaalstandard geworden ist, und damit natürlich auch Aufnahmen und Hörgewohnheiten prägt. Das Instrument aus dem Haus Wahnfried klingt wärmer, farbiger, sanglicher und nicht so stählern-direkt wie die heutigen Konzertflügel, nicht ganz so brillant und ausgeglichen, im Bass sonor und im Diskant silbrig. Auf die Klangunterschiede der Register muss sich ein Pianist einstellen; Tomas Dratva gelingt das exzellent.
Der Pianist hat vor dieser Aufnahme zudem umfassende Quellen- studien betrieben, was in erster Linie die Auseinandersetzung mit dem Originalmanuskript des Werkes bedeutet, das sich heute in der Russischen Nationalbibliothek St. Petersburg befindet. Dratva zeigt sich davon sehr beeindruckt: "Von Liszts Handschrift geht eine große suggestive Wirkung aus." Die Notizen des großen Klaviervirtuosen "geben deutliche Interpretationshilfen", so Dratva, "welche der gra- phisch einebnende Notendruck nicht in dieser Weise wiedergeben kann." Liszts Reinschrift sieht der Pianist als die verbindliche Version an. Das ermöglichte etliche Korrekturen, und prägt diese Interpreta- tion ganz entscheidend.
Wagners Konzertflügel wiederum erweist sich als das ideale Instru- ment für dieses Werk, denn zum einen hat Liszt selbst mehrfach damit musiziert, und das Klangbild offenbar geschätzt. Zum anderen passen die Tonbilder der Années sehr schön zum sanglichen Klangbild dieses Flügels. Das ist spannend, und das ist ein würdiger Auftakt zum Liszt-Jahr 2011, im Gedenken an den 200. Geburtstag des Virtuosen.
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