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Donnerstag, 23. Dezember 2021

Lieder zur Weihnacht - Peter Schreier (Berlin Classics)

 

Schätze aus dem Archiv legt Berlin Classics Klassikfreunden auch in diesem Jahr wieder auf den Gabentisch. Gleich zwei CD präsentieren historische Aufnahmen mit Peter Schreier. So hat der legendäre Tenor 1969 in Leipzig mit Musikern des Gewandhausorchesters unter der Leitung von Thomaskantor Erhard Mauersberger Arien von Johann Sebastian Bach gesungen; die Schallplatte ist 1970 erschienen. 

1978 entstand im Studio Lukaskirche Dresden eine Einspielung mit Weihnachtsliedern von vier großen Liedmeistern der Spätromantik: Peter Cornelius (1824 bis 1874), Joseph Haas (1879 bis 1960), Max Reger (8173 bis 1916) und Hugo Wolf (1860 bis 1903). Klavierpartner des Sängers war bei dieser Produktion Norman Shetler. Zu hören sind beispielsweise Cornelius‘ bekannte Weihnachtslieder op. 8 oder aber Regers berühmtes Maria am Rosenstrauch op. 142 Nr. 3. Und man staunt noch heute, mit welcher Intensität sich Peter Schreier jedem einzelnen dieser Lieder zuwendet. Noch immer ist dies eine der schönsten Aufnahmen mit diesem Repertoire. 


Sonntag, 19. Dezember 2021

Herrnhuter Weihnacht (Berlin Classics)

 

Mit dem Ensemble Vocal Concert Dresden wendet Peter Kopp sich einmal mehr einem interessanten und bislang wenig beachteten Kapitel der Musikgeschichte zu: Die Herrnhuter Brüdergemeine feiert im nächsten Jahr nicht nur 300jähriges Bestehen, sie wird auch wird UNESCO-Weltkulturerbe. 

Ab 1722 siedelten sich Böhmische Brüder, Anhänger einer vorreformatorischen Bewegung in Böhmen und Mähren, nachdem sie in der Heimat verfolgt worden waren, in der Oberlausitz auf einem Gut des Grafen Zinzendorf an. Dort gründeten sie eine Kolonie in der Obhut des Herrn Jesus – Herrnhut. 

Damit legten sie den Grundstein für ein noch heute lebendiges Zentrum des Glaubens, mit höchst internationaler Ausstrahlung. Der Brüdergemeinde gehören heute weit über eine Million Menschen an. In Tansania leben derzeit die meisten Mitglieder der „Moravian Church“. Herrnhuter Missionare wirken weltweit, von Dänemark bis Südafrika, von Nepal bis Albanien und von Grönland und Alaska bis in die Karibik. 

Mit den Gläubigen zogen ihre Lieder in die Welt. Denn die Brüdergemeine war von Anfang an eine singende Gemeinde. Und so bauten die „Moravians“ musikalische Brücken zwischen Europa und der Neuen Welt. Faszinierend ist dabei die Tatsache, dass bereits im 18. Jahrhundert Kompositionen, die in fernen Gebieten entstanden, wieder nach Deutschland gelangten und dort in das Repertoire aufgenommen wurden. Eine Ahnung davon vermittelt diese CD mit weihnachtlichen Klängen. 

Den Aufnahmen sind intensive Recherchen in Archiven der Herrnhuter Brüdergemeine in der Oberlausitz, aber auch in Übersee vorangegangen. Bei fast allen Werken handelt es sich um Weltersteinspielungen. Einige Stücke wurden eigens für das Programm rekonstruiert. Somit gibt die CD einen einmaligen Einblick in die Herrnhuter Musik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Und das ist ebenso spannend wie erstaunlich. 

Denn Zinzendorf betrachtete das Singen als eine Gabe des Heiligen Geistes, und viele Lieddichter und Komponisten leisteten Beiträge zu dieser „Liederpredigt“. Im Gottesdienst der Herrnhuter wurde so recht von Herzen musiziert; insbesondere die Blechbläser beeindruckten und wurden Vorbild auch für „normale“ evangelische Gemeinden – Posaunenchöre sind noch heute in ganz Deutschland beliebt und weit verbreitet. 

In ihren „Singstunden“ entwickelten die Herrnhuter zudem einen kreativen Umgang mit überlieferten Gesängen: Oft wurden nicht Strophen einzelner Lieder fortlaufend gesungen, sondern thematisch zusammengehörige Verse; aneinandergefügt wurden dabei manchmal sogar einzelne Zeilen verschiedener Lieder. Doch nicht nur die versammelte Gemeinde musizierte; regelmäßig trafen sich auch ein Sängerchor oder aber das Collegium musicum. Sie haben natürlich auch erfolgreiche Werke von bekannten Komponisten aufgeführt, wie Homilius, Händel oder Haydn. 

Was also in der Brüdergemeine erklang, das konnte sich wahrlich hören lassen: „Die Herrnhuter haben Musices von allen Instrumenten unter sich, die theils für Virtuosen passieren können, und wird man in mancher Fürstlichen Capelle keine so solide Music antreffen“, schrieb ein Zeitgenosse. 

Diese musikalische Welt also bringt Peter Kopp, mittlerweile Rektor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle (Saale), in diesem Jahr in die heimatlichen Stuben. Im Mittelpunkt des Programmes steht eine Christ-Nachts-Music für das Jahr 1765 von Christian Gregor (1723 bis 1801). Er war Organist, Prediger und Administrator; als solcher besuchte er auch Glaubensbrüder in Nordamerika. Schließlich wurde er zum Bischof ernannt. Die Musik in der Herrnhuter Brüdergemeine prägte er auch als Herausgeber eines Gesangbuches. Seine Christ-Nachts-Music zeigt sehr schön exemplarisch, wie damals in Herrnhut solche Musiken zusammengestellt worden sind – und wer beim Anhören bekannte Melodien entdeckt, der irrt sich keineswegs. 

Auch die anderen Beispiele, die Kopp ausgewählt hat, sind durchweg hörenswert. Er präsentiert mit dem Vocal Concert Dresden, dem Dresdner Instrumental-Concert und einer ganzen Reihe musikalischer Gäste festliche weihnachtliche Musik, Pauken und Trompeten inklusive, vollkommen abseits des vertrauten Repertoires. Was für eine Entdeckung! 


Montag, 8. November 2021

Triptychon - Iveta Apkalna (Berlin Classics)


Einmal mehr hat Iveta Apkalna ein faszinierendes Album veröffentlicht. Nach ihrer Ersteinspielung der Orgel der Elbphilharmonie Hamburg und einer Aufnahme mit Orgelsinfonien von Charles-Marie Widor und Louis Victor Vierne, aufgezeichnet an der Doppelorgel des National Kaohsiung Center for the Arts in Taiwan – im größten Kulturzentrum Asiens befindet sich auch die größte Orgel des Kontinents, erbaut von der Orgelbauwerkstatt Klais – kombiniert die Organistin nun auf Tryptichon Musik von Pēteris Vasks, Johann Sebastian Bach und Franz Liszt. 

Damit spannt sie einen Bogen über drei Jahrhunderte und drei Konfessionen. Im Tryptichon führt sie zugleich drei musikalische Welten zusammen, die sich erheblich unterscheiden. Im Zentrum steht dabei Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), protestantisch, Barockmensch, brillanter Organist und langjähriger Thomaskantor; seine Werke signierte er soli deo gloria. Ausgewählt hat Apkalna für diese Einspielung Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur BWV 564, die Triosonate BWV 527 und die Schübler-Choräle BWV 645-650. 

Bach zur Seite stellt sie den lettischen Komponisten Pēteris Vasks, Jahrgang 1946, Sohn eines Baptistenpfarrers, im Glauben und in seiner Heimat zutiefst verwurzelt. „Lettland ist Pēteris Vasks und Pēteris Vasks ist Lettland“, kommentiert Iveta Apkalna. „In seiner Musik höre ich die Landschaft Lettlands, den weiten Horizont unseres flachen Landes, die Wiesen und Wälder, Vogelstimmen und das Meer.“ Pēteris Vasks ist derzeit neben Arvo Pärt der meistgespielte Komponist des Baltikums. 

Die dritte CD widmet die Organistin Franz Liszt (1811 bis 1886), Wunderkind und reisender Klaviervirtuose, in ganz Europa gefeiert, verehrt und umschwärmt. Er war katholisch, und nach vielen erfolgreichen Jahren als Kapellmeister in Weimar wandte sich Liszt im Alter verstärkt dem Glauben zu. 1865 erhielt er die niederen Weihen. Er schrieb stets auch geistliche Musik, und elf Werke für Orgel. Aus seinem Schaffen wählte Iveta Apkalna die Choralbearbeitung Nun danket alle Gott, von Liszt einst komponiert für die Einweihung der Walcker-Orgel im Dom zu Riga, Fantasie und Fuge über den Choral Ad nos, ad salutarem undam sowie Präludium und Fuge über B-A-C-H

Das Instrument, an dem Iveta Apkalna all diese doch so unterschiedlichen Komponisten spielt, befindet sich in Neubrandenburg. Dort wurde die einstige Marienkirche, im April 1945 vom Feuer zerstört, als Konzertkirche rekonstruiert und schließlich 2001 wieder eröffnet. Der Unternehmer Günther Weber stiftete dann zwei Millionen Euro und ermöglichte so den Bau einer Orgel. 

Dieses Projekt wurde durch Iveta Apkalna begleitet, und die Organistin spielte schließlich im Juli 2017 auch das erste Konzert auf dem neuen Instrument, das von Johannes Klais Orgelbau Bonn und der Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt gemeinsam errichtet worden ist. Die Orgel umfasst insgesamt 2852 Pfeifen, in vier Manualen und Pedal. Die Konzertkirche bietet dazu eine phantastische Akustik - der perfekte Ort also für Orgelvirtuosen. 

„Die Orgel klingt unglaublich warm, samtig und rund“, berichtet Iveta Apkalna. „Und sie gibt dem Organisten durch ihre klar definierten 70 Register alle Möglichkeiten, ob solo oder mit Orchester, vom Frühbarock über romantische Literatur bis hin zur Moderne. Durch den umfassenden Prozess und die intensive, freundschaftliche Zusammenarbeit mit den beiden Orgelbauern Philipp Klais und Martin Schwarz sowie dem Stifter Günther Weber ist diese Orgel wirklich zu einer persönlichen Liebesgeschichte geworden.“ Auf dieser CD ist das Instrument nun in Ersteinspielung zu hören; die geschickte Zusammenstellung des Programmes gestattet es der Organistin, die vielen Klangmöglichkeiten der Orgel durch die sehr unterschiedlichen Register mit ihren verschiedenen Farben eindrucksvoll zu demonstrieren. 

 

Freitag, 15. Oktober 2021

Bottesini: Revolution of Bass (Berlin Classics)

 

 „So eine Riesenkiste, die wirklich wunderbare Töne hervorbringen kann. Faszinierend!“, schildert Dominik Wagner seine erste Begegnung mit dem Kontrabass. Damals war er zehn Jahre alt, und spielte eigentlich Cello – doch den einstigen Wiener Sängerknaben hat die Faszination Kontrabass nicht wieder losgelassen. Den einzigartigen Klang dieses Instrumentes zu ergründen, den Ton differenziert gestalten zu können, daran arbeitet er seitdem. Und obwohl er noch immer studiert, konnte er bereits zahlreiche Preise gewinnen, unter anderem beim ARD Musikwettbewerb und dem Fanny Mendelssohn Förderpreis. Wagner ist zudem Echo Klassik Preisträger. 

Auch auf dieser CD frönt er seiner Leidenschaft: Die Kompositionen von Giovanni Bottesini – über dessen Lebensweg in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet worden ist – sind Belcanto für Kontrabass. Dazu stellen sie höchste Anforderungen an die Spieltechnik; nicht umsonst gilt Bottesini, dessen 200. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern können, als „Paganini des Kontrabasses“. 

Wie schwierig es ist, aus diesen Noten tatsächlich Musik werden zu lassen, das allerdings wird der Hörer nicht merken, wenn er diese CD genießt. Das Programm beginnt mit dem Concerto Nr. 1 in fis-Moll, das Wagner gemeinsam mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Leitung von Emmanuel Tjeknavorian interpretiert. Es ist ein ebenso virtuoses wie effektvolles Konzert, das man gern auch auf dem Konzertpodium öfter erleben würde. 

Zu hören sind weiter das Gran Duo Concertante für Violine, Kontrabass und Orchester sowie das Gran Duo Concertante über Themen aus Bellinis Oper I Puritani für Violoncello, Kontrabass und Orchester. Als Solisten musizieren hier an der Seite von Dominik Wagner Benjamin Schmid, Violine, und Jeremias Fliedl, Violoncello. 

Ebenso brillant gesetzt sind die Bonustitel, mit Can Çakmur am Klavier: Une bouche aimée und Tutto che il mondo serra, mit Sopranistin Ursula Langmayr, sowie das Allegretto Capriccio und die Rêverie für Kontrabass und Klavier. 

Somit zeigt diese CD, wie ein Kaleidoskop, verschiedenste Facetten des Werkes des Jubilars. Und Wagner galoppiert mit seinem Kontrabass so leichtfüßig durch Bottesinis Virtuosenstücke, dass man nur staunen kann. Alles wirkt so einfach und so natürlich, und hat dabei so viel Ausdruck und Seele – großes Kompliment an die Musiker, sie spielen wirklich großartig; Dominik Wagner stehen alle Wege offen für eine Zukunft als Solist. 


Sonntag, 5. September 2021

The Trumpets of Matthias Höfs (Berlin Classics)

 


Den Trompeter Matthias Höfs zu würdigen, das heißt Eulen nach Athen tragen. Er hat sich bereits als Steppke für das Instrument entschieden, und dann mit Fleiß und mit Talent seinen Lebenstraum verwirklicht: Nach dem Studium wurde Höfs, gerade einmal 18 Jahre alt, Solotrompeter des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Er musiziert bei German Brass, arrangiert auch selbst, und er inspiriert Komponisten, Instrumentenbauer und Musikerkollegen. Er setzt sich für die Trompete ein, und er gibt seine Leidenschaft für das Instrument auch gern an den musikalischen Nachwuchs weiter. So unterrichtet Höfs mit großem Engagement als Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. 

Mit diesem Album gibt Höfs nun Einblick in seine ganz persönliche Trompeten-Kollektion. Die ausgewählten Stücke führen von der Barocktrompete in Händels The Trumpet Shall Sound – aus dem Messias – über Haydns Trompetenkonzert und den bekannten Triumphmarsch aus Verdis Oper Aida bis hin zu Wolf Kerscheks Poem for Matthias for Flügelhorn, Jazz-Trio and String Quartet

Im Laufe seiner Karriere hat Matthias Höfs nicht nur zahlreiche Trompeten besessen, sondern in Zusammenarbeit mit den Bremer Brüdern Thein auch neue Modelle mitentwickelt. Wer darüber mehr erfahren möchte, muss allerdings auf Höfs‘ Webseite nachschauen; im Beiheft steht zu den Instrumenten fast nichts. 


Sonntag, 4. Juli 2021

Beethoven Unknown (Berlin Classics)


 Es ist immer wieder faszinierend, was geschehen kann, wenn große Künstler auf Entdeckungen aus sind, und sich abseits vom Standardrepertoire mit wenig bekannten Werken auseinandersetzen. So hat sich Matthias Kirschnereit zum Beethoven-Jubiläum nicht etwa die Hammerklaviersonate, sondern die Miniaturen des Komponisten auf das Notenpult gestellt. 

Das erweist sich als ein durchaus lohnendes Unterfangen, wie diese Aufnahme zeigt, die ich die Ehre habe, im 3.000 Notat in diesem Blog vorzustellen: „Es geht mir bei diesem Album darum, Werke von Beethoven, die vielfach nicht im allgemeinen Fokus stehen, in (hoffentlich!) neuem Glanze erscheinen zu lassen. Darunter auch Stücke, die nicht unbedingt zum Ziel haben, die Welt zu verändern“, schreibt der Pianist. „Ich bin kein Archäologe, der auf Dachböden stöbert oder in Bibliotheken und Archiven noch nicht Veröffentlichtes sucht und findet. Alles ist längst verlegt; das habe ich durch meine intensive Zusammenarbeit mit dem Henle-Verlag und der Wiener Urtext Edition bestätigt gefunden. Dann habe ich mich an die Zusammenstellung gemacht – und kam aus dem Staunen nicht heraus.“ 

Denn auch kleine Stücke können Meisterwerke sein. Kirschnereit interpretiert sie mit Sorgfalt, und er zeigt so, wieviel Poesie in ihnen steckt. Die Anmerkungen machen deutlich, dass in diesen kurzen Stücken auch sehr viel privater Beethoven aufzufinden ist. Hochspannend! Ich finde, dies ist eine der schönsten Einspielungen zum Beethovenjahr. 


Samstag, 3. Juli 2021

Starry night (Berlin Classics)


 Klänge von überirdischer Schönheit – das ist für das Signum Saxophone Quartet offenbar musikalischer Alltag. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Alexej Gerassimez erkunden die vier Bläser den Kosmos – und sie entdecken dabei höchst interessante Werke, von Claude Debussys Clair de Lune über Gustav Holsts Die Planeten bis hin zu Melodien von John Williams. Auch zwei gänzlich neue Stücke, Rebirth von Alexej Gerassimez und Connectome von John Psathas, loten Möglichkeiten aus, die sich aus der Kombination von Percussion und Saxophon-Sound ergeben. Great! 


Montag, 28. Juni 2021

Schöne, strahlende Welt - Peter Schreier (Berlin Classics)


 Auf diesem Album präsentiert sich Peter Schreier einmal nicht als Evangelist, als Tamino oder Belmonte. Der berühmte Dresdner Tenor hat sich an jene musikalische Schatzkiste herangewagt, die üblicherweise mit einem gewissen Naserümpfen der Unterhaltung zugerechnet wird – und er balanciert dabei stilsicher auf der Kante zwischen Kitsch und Kunst: Wer kann, der kann! 

Mit seiner phantastischen Stimme veredelte Schreier diesen krassen Mix aus Schlager und Operette. Wenn er Kálmáns Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen anstimmt, dann sehnt sich wohl jeder nach Wien. O sole mio lässt das Publikum von Venedig träumen. 

Und bei Granada zückt dann das Große Rundfunkorchester Berlin unter Robert Hanell die Kastagnetten. Die Aufnahme betört auch sonst mit leinwandbreitem Sound – warum also im Schlosspark schwitzen, wenn man ganz entspannt zu Hause solche Spitzentöne genießen kann? 

Herzlichen Dank an Berlin Classics, die diese bunte Wundertüte aus dem Jahre 1977 im Archiv aufgespürt und, sorgsam remastert, wieder auf CD gebracht hat. 


Freitag, 21. Mai 2021

beyond words - Felix Klieser (Berlin Classics)

 

Dass Musik, die ursprünglich für Sängerinnen und Sänger geschrieben worden ist, auch als Sprache ohne Worte funktioniert, beweist Felix Klieser mit diesem Album. Dazu hat der Hornist bekannte Melodien von Bach, Vivaldi, Händel und Gluck ausgewählt. Gemeinsam mit dem Ensemble Chaarts Chamber Artists aus der Schweiz erkundet Klieser die Stücke, und gestaltet jeweils ganz unterschiedliche musikalische Welten. 

In Händels berühmtem Halleluja oder in Vivaldis Gloria übernimmt er den Part des Chores, klar vom Orchester abgesetzt. In vielen Arien, am schönsten sicherlich in Bachs Erbarme dich aus der Matthäus-Passion, tritt er in einen spannungsvollen Dialog mit dem Orchester – und gelegentlich wird er auch ein Teil davon. 

Farbenreich und außerordentlich einfühlsam spürt Felix Klieser dem musikalischen Gehalt der Kompositionen nach; er kombiniert barocken Affekt und romantischen Hornklang. Eine interessante Kombination, und ein Album zum Träumen und Schwelgen. Barock-Puristen freilich wird diese CD eher nicht begeistern. 

Dienstag, 16. Februar 2021

Bach & Piazzolla (Berlin Classics)


 Bach und Piazzolla kombiniert Nikola Djoric miteinander auf einem Album. Der serbische, in Österreich lebende Akkordeonist hat gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter der Leitung von Hans-Peter Hoffmann sowohl Bachs Cembalokonzerte BWV 1058 und 1052 als auch Piazzollas bekanntes Konzert für Bandoneon „Aconcagua“ eingespielt. Dabei legt er besonderen Wert auf die Feststellung, dass alle Werke originalgetreu auf seinem Konzertakkordeon erklingen – jede einzelne Note ist an ihrem Platz. 

„Das Instrument bietet mit seiner Fähigkeit zum Singen und seiner Komplexität einen unvergleichlichen Reiz“, erläutert der Akkordeonvirtuose. „Stellen Sie sich vor: Ein Blasinstrument, das beim Ein- und Ausatmen polyphon spielt und den Klang in der Luft entstehen lässt; ein Tasteninstrument, das Töne wie Streicher mit dem Bogen phrasieren kann, mit zwei unterschiedlichen Manualen, über 500 Tönen, 20 Klangregistern und einem Musiker, der mit allen zehn Fingern spielt und frei atmen kann – das ist das Knopfakkordeon, es singt und atmet.“ 

Dieses „Atmen“ bekommt vor allem Bachs Cembalokonzerten ausgezeichnet, die im Original oftmals etwas hektisch klingen. Das Akkordeon bringt einerseits Farbe, andererseits wirkt auch die Phrasierung auf einmal ganz neu und interessant. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 


Samstag, 2. Januar 2021

Clarinet Concertos - Nielsen & Lindberg (Berlin Classics)


 Musik aus Skandinavien widmet sich Sebastian Manz auf diesem Album. Zu hören sind Klarinettenkonzerte des dänischen Komponisten Carl Nielsen (1865 bis 1931) und des finnischen Komponisten Magnus Lindberg (*1958). Komplettiert wird das Programm durch eine Rarität, Nielsens farbenreiche Serenata in vano

Gemeinsam mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern stellt Manz diese komplexen, anspruchsvollen Werke vor, die auf nordische Landschaften verweisen. Nielsens Klarinettenkonzert spielte der Solist bereits 2008 erfolgreich im Finale des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD. Dirigent dieser Aufnahme ist Dominik Beykirch. 

Das Konzert von Lindberg, das an den Solisten extreme Anforderungen stellt, dirigierte der Komponist selbst. Manz leistet hier, ebenso wie die Deutsche Radio Philharmonie, Außerordentliches. 


Dienstag, 22. Dezember 2020

Sächsische Weihnacht (Berlin Classics)

 


Ludwig Güttler und seinem Blechbläserensemble gelingt es noch immer, das Publikum zu überraschen. In diesem Jahr haben die Musiker ein Album zusammengestellt, dass den ganz besonderen Zauber der sächsischen Weihnacht in jede Stube bringt. Dazu haben die Musiker die schönsten Stücke aus den Konzertprogrammen der letzten Jahre ausgewählt. 

Sämtliche Aufnahmen waren bislang unveröffentlicht, und sie sind geprägt durch die spezielle Atmosphäre der sächsischen Kirchen, in denen sie jeweils aufgezeichnet worden sind: „Die Frauenkirche hat eine Bedeutung durch ihre Geschichte bis hin zum Wiederaufbau, für den eine Weltkulturgemeinschaft gewonnen werden konnte“, erläutert Güttler in einem Interview, das im Beiheft zu finden ist. „Die restaurierte Stadtkirche in Pirna ist ein Kleinod, eine der letzten spätgotischen Hallenkirchen hierzulande mit einem wunderbar weiten Klang. Die lichtdurchflutete Dorfkirche Polditz ist klanglich einzigartig, veredelt durch eine fantastische Ladegast-Orgel. (..) Auf zu Unrecht kaum wahrgenommene Orte einen Lichtstrahl zu lenken, für mehr Wahrnehmung und Wertschätzung, ist mein Ziel.“ 

Bläserklänge gehören zur sächsischen Weihnacht ebenso wie Pyramiden, Räucherwerk und Kerzenschein. Das Blechbläserensemble um Ludwig Güttler stellt bekannte weihnachtliche Melodien in teilweise ganz erstaunlichen Arrangements neben Kompositionen alter und neuer Meister. Die Übergänge sind dabei fließend – oder hätten Sie gewusst, dass Ludwig van Beethoven Fünf Variationen über Tochter Zion geschrieben hat? 

Prächtige mehrchörige Werke, unter anderem von Valerius Otto, Antonio Vivaldi und Johann Heinrich Schmelzer stehen neben modernen Stücken, wie den Seven Madrigals on Negro Spirituals op. 58b von Adolf Busch. Zu meinen ganz persönlichen Favoriten gehören auch Allemande und Courante für zwei Pauken von Ludwig Güttler – ein Stück, das deutlich macht, wie ausdrucksstark man auf diesen Schlaginstrumenten musizieren kann. 

Insgesamt erweist sich diese CD mit ihrem liebevoll zusammengestellten und brillant musizierten Programm unter all den vielen Aufnahmen, die der exzellente Trompeter im Laufe seines langen Musikerlebens eingespielt hat, als ein echter Höhepunkt. Für mich ist das das schönste Album zur Weihnacht 2020. 


Dienstag, 15. Dezember 2020

Adventskonzert (Berlin Classics)


Man glaubt es kaum, aber die vorweihnachtlichen Konzerte des Dresdner Kreuzchores in einem Fussballstadion gibt es erst seit 2015. Damals hatte der weltberühmte Knabenchor anlässlich seines 800jährigen Bestehens die Dresdner erstmals zum Adventskonzert eingeladen. Mittlerweile hat sich das Konzert zu einem Event entwickelt, zu dem alljährlich mehr als 25.000 Menschen anreisen; zudem erleben Hunderttausende das Programm zu Hause am TV mit. 

Wenn die großen Stars aus Klassik und Pop gemeinsam mit den Kruzianern Weihnachtslieder singen, wenn das Publikum begeistert mit einstimmt, und wenn auf den Rängen und auf dem Rasen tausende kleine Lichter aufleuchten, dann ist wieder ein Jahr vergangen, und einmal mehr steht Weihnachten vor der Tür. In diesem Jahr allerdings hat die Corona-Pandemie auch dieses Großereignis verhindert. 

Dennoch muss das Publikum nicht auf die stimmungsvollen Klänge verzichten. Denn die Kruzianer sind unter der Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile ebenso ins Studio gegangen wie Rockstar Peter Maffay, die finnische Sopranistin Camilla Nylund, Tenor Klaus Florian Vogt, die Musicalsängerin Sabrina Weckerlin sowie die norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth. So entstand unter strengen Hygienebedingungen dieses Album. Und man staunt, wie professionell sich die Jungs auf die ungewohnten Arbeitsbedingungen eingestellt haben – zu hören ist das nicht; alles klingt gewohnt klar und weihnachtlich. 

An der Seite der Chorsänger und der Solisten musiziert auch in diesem Jahr das Cross Bell Orchestra, bestehend aus renommierten Band- und Studiomusikern, unter der Leitung von Peter Christian Feigel. Ob Orgel- oder Saxophonsound – auf zwei CD erklingen bekannte Weihnachtsmelodien in klassischen und modernen Arrangements. Ein wichtiger Höhepunkt im umfangreichen Programm ist die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium, gelesen von Samuel Koch. 

So bringt dieses Album festliche Stimmung in die vorweihnachtliche Stube – auch wenn in diesem Jahr die Weihnachtsmärkte abgesagt sind, in den Gottesdiensten nicht gesungen werden darf, und alle Konzerte ausfallen müssen. Von Herzen Dank an alle Beteiligten, für ein Stück Normalität in einer äußerst seltsamen Zeit. 


O nata lux (Berlin Classics)


 Kann man Licht hörbar machen? Die Zurich Chamber Singers zeigen auf dieser CD, wie wunderbar das geht. Auch wenn O nata lux von Thomas Tallis eigentlich keine Motette zum Weihnachtsfest ist, kann man sich kaum ein besseres Stück vorstellen, um dieses Programm zu eröffnen. 

Die jungen Sängerinnen und Sänger um Chorleiter Christian Erny kombinieren auf dieser CD traditionelle und moderne Chorsätze aus den verschiedensten Regionen Europas. Der Zuhörer kann sich auf so manche Überraschung einstellen. Denn die Zurich Chamber Singers bescheren uns mitunter sogar magische Klänge. Ein faszinierendes Album. Bravi! 


Sonntag, 4. Oktober 2020

Staatskapelle Berlin - Legendary Eterna Recordings (Berlin Classics)

 

Die Staatskapelle Berlin feiert 450jähriges Bestehen – und Berlin Classics gratuliert mit einer 5-CD-Box zu diesem Jubiläum. Das Label hat dafür legendäre Aufnahmen des Orchesters mit Otmar Suitner und Günther Herbig herausgesucht. Sie wurden seinerzeit in der Christus-Kirche Berlin-Schöneweide aufgenommen, und bei Eterna als Schallplatte veröffentlicht. 

Für die Neuedition wurden diese Einspielungen nun neu von den Originalbändern remastert. Otmar Suitner leitete die Staatskapelle Berlin von 1964 bis 1990. Freuen darf man sich auf feinsinnige Interpretationen der Mozart-Ouvertüren ebenso wie auf Musik von Richard Strauss und Paul Dessau, die Suitner allesamt besonders schätzte. 

Neben Strauss‘ Symphonischer Phantasie aus Die Frau ohne Schatten wurde für diese Kollektion auch Penthesilea von Hugo Wolf sowie die Musik zu Kleists Das Käthchen von Heilbronn op. 17 von Hans Pfitzner ausgewählt; für beides hatte sich Suitner besonders eingesetzt. Zu hören sind zudem Bruckners Siebente und Mahlers Zweite; Günther Herbig, der in den 70er Jahren viele Konzerte mit der Staatskapelle dirigierte, wird ebenfalls mit einer CD geehrt. Darauf erklingen Mendelssohns Sommernachtstraum sowie die Orchestermusik Nr. 4 von Paul Dessau. 


Sonntag, 28. Juni 2020

Beethoven: Complete Symphonies; Blomstedt (Berlin Classics)

„Die DDR-Politik war mir nicht sympathisch. Aber das Orchester hat eine große Ausdauer gehabt“, berichtet Herbert Blomstedt. Es waren die Musiker, die den schwedischen Dirigenten schließlich überzeugten, Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle zu werden: Nach etlichen Jahren als „Gastchef“ war er dann in den Jahren 1975 bis 1985 an der Elbe musikalisch fest engagiert. 
Die Dresdner Jahre Herbert Blomstedts waren mit einer ganzen Reihe aufsehenerregender Einspielungen verbunden. So sorgten sowohl die Gesamteinspielung der Sinfonien von Franz Schubert als auch eine Einspielung der Urfassung des Fidelio, veröffentlicht 1977, auch im Westen für Furore. Große Resonanz gab es zudem für Aufnahmen sämtlicher Sinfonien Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827), die Blomstedt mit der Staatskapelle in den Jahren 1975 bis 1980 einspielte. Aufgezeichnet wurden sie in der Dresdner Lukaskirche, die mit ihrer exzellenten Akustik zum transparenten Klangbild beitrug. 
Die Aufnahmen vermitteln Spannung und Stimmungen; Blomstedts Beethoven hält perfekt die Balance: Seine Werkauffassung neigt weder zu romantisierender Gefühligkeit noch zum penibel-knochentrockenen Beharren auf einer „historisch korrekten“ Lesart. So berühren diese Aufnahmen noch immer, und es ist schön, dass Berlin Classics sie zum Beethoven-Jubiläumsjahr in einer Fünf-CD-Box, remastert und liebevoll neu verpackt, wieder zugänglich macht. 

Donnerstag, 19. März 2020

Clemens Christian Poetzsch plays Sven Helbig (Berlin Classics)

Clemens Christian Poetzsch spielt Werke von Sven Helbig. „The idea for a piano album has been running through my head for many years“, schreibt der Komponist im Beiheft. „I don’t play the instrument very well, but I always had a special love for it and its literature.“ Besonders fasziniert zeigt sich Helbig von den Legenden, die sich um große Konzertpianisten der Vergangenheit ranken. „They live in my head like figures from novels“, so Helbig. 
Dann begegnete ihm Clemens Christian Poetzsch – und die beiden Musiker stellten bald fest, dass sie nicht nur die Begeisterung für diese Pianogötter gemeinsam hatten. Auch im Ringen um musikalischen Ausdruck fanden sie viele Übereinstimmungen. „I was always searching for the music I would like to play”, meint Poetzsch, der sich daher ebenso schon aufs Komponieren konzentriert hat.  „I have been waiting for the right moment to focus on my piano playing with the right compositions.“
In Sven Helbig hat Poetzsch offenbar diese Inspirationsquelle gefunden: „It was a dream constellation for me to work with him on his music and to be given absolute freedom in my interpretation.“ Der Pianist hat die Kompositionen von Sven Helbig aus seiner Sicht gedeutet und interpretiert. Das wirkt oft ein wenig wie Filmmusik, und die meisten Stücke sind sehr poetisch. Im Beiheft sind kurze Notate beider Partner zu den jeweiligen Werken nachzulesen; es ist faszinierend, nachzuvollziehen, was sie jeweils dazu empfinden und denken. 

Dienstag, 17. März 2020

Bach: Oboe Concertos (Berlin Classics)

Auf ihrem neuen Album setzt sich Céline Moinet mit der Musik von Johann Sebastian Bach auseinander. „Bachs Kantaten waren mein erster Zugang“, zitiert das Beiheft die Musikerin, die in Paris studiert hat, und mit 23 Jahren Solo-Oboistin der Sächsischen Staatskapelle Dresden wurde. „Es ist eine überaus reiche, anspruchsvolle Literatur für Oboisten, letztendlich die Essenz seiner Musik. Hier wird die Oboe zur Erzählerin.“ 
Zwei Sinfonien aus Bach-Kantaten sind auf dieser CD zu hören. Musik aus seinen Kantaten verwendete Bach aber auch in seinen Solo-Konzerten, und umgekehrt. In Bachs musikalischem Universum gibt es erstaunlich viele Querverbindungen; das wird auf dieser CD anhand der rekonstru- ierten Konzerte deutlich. 
Für Bach benötige man mehr Zeit als für die meisten anderen Kompo- nisten, meint Moinet. Und seine Konzerte seien eine Herausforderung, „technisch virtuos, mit schier endlos fortgesponnenen Passagen, die kaum Möglichkeiten zum Atmen lassen.“ Zu hören sind die Konzerte BWV 1059, 1053 und 1055. Komplettiert wird das Programm durch das Konzert in d-Moll von Alessandro Marcello. 
Die Oboistin musiziert auf dieser CD gemeinsam mit dem Instrumental-Ensemble L'arte del mondo unter Werner Ehrhardt. Die Kombination aus einem historisch informierten Orchesterklang und ihrer modernen Marigaux-Oboe funktioniert erstaunlich gut. Die Instrumente der Pariser Firma klingen warm und wesentlich voller als Barockoboen. Als Solistin führt Céline Moinet einen lebendigen Dialog aus moderner Perspektive mit dem Orchester, das beispielsweise barocke Bögen verwendet. Man nähert sich an, was unter anderem in den Verzierungen hörbar wird. Der Austausch lohnt sich: Musiziert wird klangschön, sensibel und kammermusikalisch transparent – und mit Noblesse, was Bachs Werke sehr gut steht. 

Samstag, 1. Februar 2020

Bach: Trumpet Concertos (Berlin Classics)

Wie würde das klingen, wenn Johann Sebastian Bach Trompetenkonzerte geschrieben hätte? 
Matthias Höfs hat es ausprobiert – und sechs bekannte Konzerte des berühmten Barockmusikers für Trompete adaptiert. So erklingt das Konzert BWV 974, nach Alexandro Marcello, ursprünglich für Oboe, aber bei Bach mit einem reich ausgezierten langsamen Satz – denn auf dem Cembalo lassen sich Töne nicht gut lang aushalten. Höfs spielt mit seiner Piccolotrompete Bachs Fassung: „Das fand ich sehr reizvoll“, meint der Musiker: „Es sind sehr berühmte Verzierungen.“ 
Das Concerto nach Italiaenischem Gusto BWV 971, entstanden für Cembalo solo, hat Höfs in seiner Bearbeitung des ersten Satzes quasi nachträglich orchestriert. Kontraste und Klangeffekte, wie sie Bach mit den Manualen und Registern seines Cembalos erzielen konnte, liefert hier das Streicher-Tutti – eine attraktive Variante, die auch Bach sicherlich gefallen hätte. 
Der Thomaskantor bearbeitete seinerzeit selbst seine Konzerte, um sie an die zur Verfügung stehenden Instrumente anzupassen. Für die wöchentlichen Auftritte mit dem Collegium musicum im Zimmermannschen Kaffeehaus setzte er besonders auf das Cembalo. Aus Bachs Arrangements wurden mittlerweile etliche Konzerte rekonstruiert, die ursprünglich offenbar für eine ganz andere Besetzung geschrieben wurden. 
Höfs erkundet nun gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, ob diesen Konzerten nicht auch Blechbläserglanz steht. Die Musiker um Konzertmeisterin Sarah Christian waren ihm dabei inspirierende Partner. So kann der Trompeter mit diesem Album auch Skeptiker überzeugen: Es funktioniert, dank der Möglichkeiten des modernen Instrumentes, und auch deshalb, weil Matthias Höfs es wirklich großartig spielt. 
Man kommt aus dem Staunen gar nicht heraus. Denn der Musiker beeindruckt nicht nur durch technische Perfektion, sondern auch durch seinen betörend schönen, enorm wandlungsfähigen Ton und durch grandiose Stilsicherheit. „Die Solopartien der Vivaldi-Konzerte kann man zwar fast im Original spielen, aber mir waren manche Repetitionspassagen zu gleichförmig“, sagt der Trompeter. „Schon Bach hat einige figuriert. Ich habe den Solopart etwas freier gestaltet.“ Und wie! Unbedingt anhören, es lohnt sich.

Freitag, 13. Dezember 2019

Weihnachten mit dem Dresdner Kreuzchor (Berlin Classics)

Für viele Dresdner gehört der Gesang des Kreuzchores ebenso selbst- verständlich zu Weihnachten wie ein Besuch auf dem Striezelmarkt. Ob Bachs Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche, oder das große Adventskonzert im Rudolf-Harbig-Stadion – stets sind die Bänke, Ränge und Emporen voll. 
In der Adventszeit haben die jungen Sänger enorm viel zu tun. Und das Weihnachtsfest feiern die Kruzianer ebenfalls beim Dresdner Kreuzchor. Am 24. Dezember gestalten sie die Christvespern, und am ersten Weihnachtsfeiertag beginnt der Tag bereits früh, denn da singen die Kruzianer um sechs Uhr die Christmette in der Dresdner Kreuzkirche. Wer den Chor nicht in Dresden hören kann, für den hat Berlin Classics ins Archiv geschaut und auf dieser CD eine Auswahl der schönsten Weihnachtslieder zusammengestellt. Sie verweist zugleich auf die lange Geschichte des Dresdner Kreuzchores.