Die Ballade gilt in erster Linie als eine Gattung des romantischen Zeitalters. So sind auch auf dieser CD etliche populäre Kompositionen aus jenen Jahren zu hören, wie Die beiden Grenadiere von Robert Schumann, Der König von Thule oder Erlkönig von Franz Schubert. Der Balladenspezialist Carl Loewe ist mit Prinz Eugen, Odins Meeresritt und Die Uhr vertreten. Robert Holzer, Bass, und sein Klavierpartner Thomas Kerbl haben für ihr Programm aber auch weniger bekannte Vertonungen ausgewählt, wie Prometheus, Grenzen der Menschheit oder Kreuzzug von Schubert oder Verrat von Johannes Brahms. Dazu kommen Raritäen wie Der König von Thule von Heinrich Marschner, Der Feuerreiter von Hugo Wolf und Die Ballade vom Bettelvogt von Wilhelm Weismann.
Doch wie einen Rahmen platzieren Holzer und Kerbl noch zwei wesentlich ältere Stücke an Anfang und Ende ihrer CD. Hier erklingt auch die Drehleier, die Eberhard Kummer versiert spielt. Damit verweisen die Musiker auf den Ursprung der Ballade, die ja sehr viel älter ist – man darf getrost davon ausgehen, dass schon in grauer Vorzeit wandernde Sänger ihre Verse zu Strophen zusammengefasst und sie so vorgetragen haben. Man darf sich das als eine Art singende Zeitung vorstellen; spektakuläre Geschichten haben die Leute ganz sicher zu allen Zeiten gern angehört. Robert Holzer und Thomas Kerbl erzählen diese souverän; der Sänger singt nicht nur gut, sondern er spricht auch hervorragend, was heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
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Samstag, 18. Mai 2019
Montag, 22. Januar 2018
Loewe: Balladen (Brilliant Classics)
Aus den Schatzkammern des VEB Deutsche Schallplatten Berlin – Alleinhersteller von Tonträgern in der DDR – stammen diese Aufnahmen von Balladen Carl Loewes (1796 bis 1869). Zu hören ist zunächst der Tenor Eberhard Büchner, begleitet am Klavier von Norman Shetler. Er singt Die Heinzelmännchen sowie Der verliebte Maikäfer; aufgezeichnet wurden diese heiteren Werke 1983.
Die nachfolgenden Balladen werden gesungen von Bassbariton Theo Adam, am Klavier zu hören ist hier Rudolf Dunckel. Die Einspielung stammt aus dem Jahre 1968, und sie enthält einige der bekanntesten Balladen Loewes wie Der Wirtin Töchterlein, Prinz Eugen, Der Nöck, Heinrich der Vogler, Tom der Reimer, Erlkönig, entstanden übrigens ein Jahr vor Schuberts Version, sowie Die Uhr. Die CD ist ausgesprochen hörenswert, denn die Interpretationen der beiden Sänger bleiben auch nach all den Jahren exquisit.
Die nachfolgenden Balladen werden gesungen von Bassbariton Theo Adam, am Klavier zu hören ist hier Rudolf Dunckel. Die Einspielung stammt aus dem Jahre 1968, und sie enthält einige der bekanntesten Balladen Loewes wie Der Wirtin Töchterlein, Prinz Eugen, Der Nöck, Heinrich der Vogler, Tom der Reimer, Erlkönig, entstanden übrigens ein Jahr vor Schuberts Version, sowie Die Uhr. Die CD ist ausgesprochen hörenswert, denn die Interpretationen der beiden Sänger bleiben auch nach all den Jahren exquisit.
Samstag, 24. März 2012
Chopin: 4 Ballades - 4 Impromptus; Katz (Oehms Classics)
Werke von Frédéric Chopin, ge- spielt von Amir Katz? Das macht neugierig. Und wie schon bei seiner Aufnahme der Nocturnes, setzt sich der Pianist auch bei dieser Einspielung der vier Balla- den und vier Impromptus über so manche Konvention hinweg, und sucht seine ureigenste Lesart.
Wie er Chopin hier spielt, das passt erstaunlich gut - seine Balladen-Interpretationen erscheinen weniger virtuos als poetisch, und die Impromptus wirken tatsächlich wie improvisiert. Eine schöne CD, das muss man Katz lassen - doch man würde sich freuen, wenn er sich gelegentlich auch einmal der Literatur abseits vom romantischen Mainstream widmen würde. Man mag die vielen Aufnahmen kaum mehr anhören, die immer wieder die gleichen bekannten Werke reproduzieren. Warum kümmert sich eigentlich keiner um die Komponisten, die nicht Schumann, Schubert, Mendelssohn, Brahms und Chopin heißen?!
Wie er Chopin hier spielt, das passt erstaunlich gut - seine Balladen-Interpretationen erscheinen weniger virtuos als poetisch, und die Impromptus wirken tatsächlich wie improvisiert. Eine schöne CD, das muss man Katz lassen - doch man würde sich freuen, wenn er sich gelegentlich auch einmal der Literatur abseits vom romantischen Mainstream widmen würde. Man mag die vielen Aufnahmen kaum mehr anhören, die immer wieder die gleichen bekannten Werke reproduzieren. Warum kümmert sich eigentlich keiner um die Komponisten, die nicht Schumann, Schubert, Mendelssohn, Brahms und Chopin heißen?!
Montag, 1. August 2011
The Ballad Singer (Hyperion)
Die Ballade ist ein alterprobtes Medium, um Geschichten zu er- zählen. Der Name Ballade freilich stand im Mittelalter für ein Tanz- lied; heute bezeichnet das Wort die bekannten und beliebten Strophen- lieder, die bevorzugt von makab- ren, aufregenden oder übernatür- lichen Vorgängen berichten.
Morde, Schlachten, wundersame Errettung und mysteriöses Ver- hängnis, Wiedergänger, Feen, Elfen und andere Zauberwesen, Liebes- paare, Helden - was das Volk inte- ressierte, das faszinierte oftmals auch die Dichter. Und auch die Komponisten hatten ihr Vergnügen daran, wie diese CD zeigt. Sie enthält eine Vielzahl grandioser Balladen - von Beethovens berühm- ter Vertonung der Ballade vom König mit dem Floh aus Goethes Faust über Werke von Carl Loewe, Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf und vielen anderen, bis hin zu Cole Por- ters ironischem The Tale of the Oyster. Bariton Gerald Finley und Julius Drake am Klavier zelebrieren die zumeist schaurigen Geschich- ten mit Hingabe - musikalisch sind sie brillant, und der Zuhörer wird öfters schmunzeln.
Morde, Schlachten, wundersame Errettung und mysteriöses Ver- hängnis, Wiedergänger, Feen, Elfen und andere Zauberwesen, Liebes- paare, Helden - was das Volk inte- ressierte, das faszinierte oftmals auch die Dichter. Und auch die Komponisten hatten ihr Vergnügen daran, wie diese CD zeigt. Sie enthält eine Vielzahl grandioser Balladen - von Beethovens berühm- ter Vertonung der Ballade vom König mit dem Floh aus Goethes Faust über Werke von Carl Loewe, Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf und vielen anderen, bis hin zu Cole Por- ters ironischem The Tale of the Oyster. Bariton Gerald Finley und Julius Drake am Klavier zelebrieren die zumeist schaurigen Geschich- ten mit Hingabe - musikalisch sind sie brillant, und der Zuhörer wird öfters schmunzeln.
Sonntag, 5. Juni 2011
Chopin: 4 Ballades - 4 Scherzi; Glemser (Oehms Classics)
Als Bernd Glemser 1989 durch die Hochschule für Musik Saar zum damals jüngsten Professor Deutschlands berufen wurde, war der Pianist selbst noch als Student bei Vitali Margulis in Freiburg immatrikuliert. Inzwischen hat er seine Examina abgeschlossen, und seit 1996 unterrichtet er an der Hochschule für Musik Würzburg. Glemser hat zahllose Wettbewerbe gewonnen, und das Bundes- verdienstkreuz erhalten.
Trotzdem finde ich seine Chopin-CD, die vier Balladen und vier Scherzi kombiniert, seltsam schwach und blass. Mir fehlt hier Eleganz, und mir erscheint sein Chopin-Spiel generell zu schwerfällig, zu massiv, zu unbeweglich. Diese CD hat mich daher nicht begeistert.
Trotzdem finde ich seine Chopin-CD, die vier Balladen und vier Scherzi kombiniert, seltsam schwach und blass. Mir fehlt hier Eleganz, und mir erscheint sein Chopin-Spiel generell zu schwerfällig, zu massiv, zu unbeweglich. Diese CD hat mich daher nicht begeistert.
Sonntag, 18. April 2010
Chopin: Préludes op. 28, 2 Ballades; Sheila Arnold (Avi-Music)
Als Chopin 1838 zusammen mit George Sand nach Mallorca reiste, hatte er Bachs Wohltemperiertes Klavier im Gepäck - und erste Notizen für ein eigenes Werk: Die 24 Préludes op. 28, Charakter- stücke, über denen seitdem Pianisten und Musikwissenschaft- ler grübeln. So gaben Pianisten diesen Stücken diverse Untertitel, Alfred Cortot beispielweise von "Fieberhaftes Warten auf die Geliebte" bis "Vom Blut, von der Wollust und vom Tod". Und André Gides berühmte "Aufzeichnungen über Chopin" sind in erster Linie Notate zu den Préludes.
Die indisch-deutsche Pianistin Sheila Arnold gestaltet diese 24 Stücke sowie die Balladen Nr. 1 g-Moll op. 23 und Nr. 4 f-Moll op. 52, die sie voran- bzw. an den Schluss stellt, ausgesprochen souverän und ent- schieden. Konsequent spielt sie sich durch den Kosmos der Tonarten; sie gibt jedem Stück einen eigenen Charakter, nimmt aber Chopins Werke nicht als Grundmasse für eigene Reflexionen, sondern als das, was sie sind: Musik, und zwar enorm anspruchsvolle. Arnold musi- ziert auf einem Érard-Hammerflügel, gebaut in Paris 1839. Die Mechanik dieses Instruments nutzt die Pianistin, um musikalische Strukturen hörbar werden zu lassen - hier wird jedenfalls nichts überspielt oder zugelärmt, und jedes Rubato, jedes Zögern hat seine Funktion.
Das 17. Prélude, in b-Moll, Presto con fuoco, beispielweise dauert nur 01:07. Es beginnt mit sechs Akkorden wie Peitschenschlägen - und dann rast die rechte Hand unaufhaltsam wie ein Hurrikan in Wellen- bewegungen Tonleitern hinauf und hinab, und durch diverse Modu- lationen und Figurationen, zornig rhythmisch versetzt kommentiert durch die Linke im Bass. Schließlich aber gerät der Furor ins Straucheln; und dann finden sich beide Hände vereint in einer auf- steigenden chromatischen Passage - Schluss. Grandios!
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