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Donnerstag, 23. Dezember 2021

Lieder zur Weihnacht - Peter Schreier (Berlin Classics)

 

Schätze aus dem Archiv legt Berlin Classics Klassikfreunden auch in diesem Jahr wieder auf den Gabentisch. Gleich zwei CD präsentieren historische Aufnahmen mit Peter Schreier. So hat der legendäre Tenor 1969 in Leipzig mit Musikern des Gewandhausorchesters unter der Leitung von Thomaskantor Erhard Mauersberger Arien von Johann Sebastian Bach gesungen; die Schallplatte ist 1970 erschienen. 

1978 entstand im Studio Lukaskirche Dresden eine Einspielung mit Weihnachtsliedern von vier großen Liedmeistern der Spätromantik: Peter Cornelius (1824 bis 1874), Joseph Haas (1879 bis 1960), Max Reger (8173 bis 1916) und Hugo Wolf (1860 bis 1903). Klavierpartner des Sängers war bei dieser Produktion Norman Shetler. Zu hören sind beispielsweise Cornelius‘ bekannte Weihnachtslieder op. 8 oder aber Regers berühmtes Maria am Rosenstrauch op. 142 Nr. 3. Und man staunt noch heute, mit welcher Intensität sich Peter Schreier jedem einzelnen dieser Lieder zuwendet. Noch immer ist dies eine der schönsten Aufnahmen mit diesem Repertoire. 


Sonntag, 16. Mai 2021

Fremde Heimat (Oehms Classics)


 Das Wandern und der Wanderer sind zentrale Sujets der deutschen Romantik. Der Reiz der großen weiten Welt, die Entdeckungslust und der Verlust von Heimat – das sind Erfahrungen, die nicht nur die Dichter, sondern auch Komponisten zu großartigen Werken bewegt haben. Rafael Fingerlos hat eine Liedauswahl zusammengestellt, die vom frohen Aufbruch über die Begegnung mit der Fremde bis hin zur Entfremdung vom Beschreiten des Lebensweges erzählt. 
Die CD macht deutlich, dass abseits von Schuberts Winterreise viel zu entdecken ist. Rafael Fingerlos gelingen zudem sensible, tiefgreifende Liedinterpretationen – und Sascha El Mouissi begleitet den Bariton feinfühlig am Klavier. 

Sonntag, 4. Oktober 2020

Staatskapelle Berlin - Legendary Eterna Recordings (Berlin Classics)

 

Die Staatskapelle Berlin feiert 450jähriges Bestehen – und Berlin Classics gratuliert mit einer 5-CD-Box zu diesem Jubiläum. Das Label hat dafür legendäre Aufnahmen des Orchesters mit Otmar Suitner und Günther Herbig herausgesucht. Sie wurden seinerzeit in der Christus-Kirche Berlin-Schöneweide aufgenommen, und bei Eterna als Schallplatte veröffentlicht. 

Für die Neuedition wurden diese Einspielungen nun neu von den Originalbändern remastert. Otmar Suitner leitete die Staatskapelle Berlin von 1964 bis 1990. Freuen darf man sich auf feinsinnige Interpretationen der Mozart-Ouvertüren ebenso wie auf Musik von Richard Strauss und Paul Dessau, die Suitner allesamt besonders schätzte. 

Neben Strauss‘ Symphonischer Phantasie aus Die Frau ohne Schatten wurde für diese Kollektion auch Penthesilea von Hugo Wolf sowie die Musik zu Kleists Das Käthchen von Heilbronn op. 17 von Hans Pfitzner ausgewählt; für beides hatte sich Suitner besonders eingesetzt. Zu hören sind zudem Bruckners Siebente und Mahlers Zweite; Günther Herbig, der in den 70er Jahren viele Konzerte mit der Staatskapelle dirigierte, wird ebenfalls mit einer CD geehrt. Darauf erklingen Mendelssohns Sommernachtstraum sowie die Orchestermusik Nr. 4 von Paul Dessau. 


Samstag, 18. Mai 2019

Balladen im Wandel der Zeit (Gramola)

Die Ballade gilt in erster Linie als eine Gattung des romantischen Zeitalters. So sind auch auf dieser CD etliche populäre Kompositionen aus jenen Jahren zu hören, wie Die beiden Grenadiere von Robert Schumann, Der König von Thule oder Erlkönig von Franz Schubert. Der Balladenspezialist Carl Loewe ist mit Prinz Eugen, Odins Meeresritt und Die Uhr vertreten. Robert Holzer, Bass, und sein Klavierpartner Thomas Kerbl haben für ihr Programm aber auch weniger bekannte Vertonungen ausgewählt, wie Prometheus, Grenzen der Menschheit oder Kreuzzug von Schubert oder Verrat von Johannes Brahms. Dazu kommen Raritäen wie Der König von Thule von Heinrich Marschner, Der Feuerreiter von Hugo Wolf und Die Ballade vom Bettelvogt von Wilhelm Weismann. 
Doch wie einen Rahmen platzieren Holzer und Kerbl noch zwei wesentlich ältere Stücke an Anfang und Ende ihrer CD. Hier erklingt auch die Drehleier, die Eberhard Kummer versiert spielt. Damit verweisen die Musiker auf den Ursprung der Ballade, die ja sehr viel älter ist – man darf getrost davon ausgehen, dass schon in grauer Vorzeit wandernde Sänger ihre Verse zu Strophen zusammengefasst und sie so vorgetragen haben. Man darf sich das als eine Art singende Zeitung vorstellen; spektakuläre Geschichten haben die Leute ganz sicher zu allen Zeiten gern angehört. Robert Holzer und Thomas Kerbl erzählen diese souverän; der Sänger singt nicht nur gut, sondern er spricht auch hervorragend, was heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist. 

Montag, 7. Januar 2019

Fritz Wunderlich - Lieder (SWR Music)

Der SWR hat in seine Archive gegriffen, und in dieser 3-CD-Box zahlreiche Aufnahmen zusammen- gestellt, die Fritz Wunderlich als Liedersänger zeigen. So enthält die Kollektion jene legendäre Live-Aufnahme von Robert Schumanns Dichterliebe, aufgezeichnet auf den Schwetzinger Festspielen 1965, die das enorme Gestaltungsvermögen des Tenors in beeindruckender Weise dokumentiert. Dazu hat freilich auch sein Klavierbegleiter Hubert Giesen mit beigetragen, der eine Klasse für sich ist – und der mit Wunderlich intensiv zu arbeiten pflegte. So kamen jene feinen Nuancen zustande, die bis heute begeistern. 
Mit Hubert Giesen hat Fritz Wunderlich auch eine großartige Interpretation von Franz Schuberts Liederzyklus Die schöne Müllerin eingespielt, und dazu einige weitere Lieder von Schubert und Ludwig van Beethoven. Außerdem finden sich in dieser Kollektion Lieder von Johannes Brahms, Hugo Wolf und Richard Strauss; am Klavier begleiten dabei Josef Müller-Mayen und Rolf Reinhardt den Sänger. Insgesamt bietet diese Edition einen Überblick über Wunderlichs Liedgesang, von den Anfängen bis kurz vor seinem viel zu frühen, tragischen Tod. Faszinierend! 

Donnerstag, 15. November 2018

Herz-Tod (Decca)

Die Liebe und der Tod – das sind die Themen, denen sich der Bassist Günther Groissböck gemeinsam mit seinem Klavierbegleiter Gerold Huber mit dieser Einspielung zuwendet. Ausgewählt hat der Sänger dafür die Vier ernsten Gesänge von Johannes Brahms, die Michelangelo-Lieder von Hugo Wolf, die Rückert-Lieder von Gustav Mahler – und die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner. 
Sie sind hier zum ersten Male auf CD mit einer Männerstimme zu hören. „Mich hat die Klangsprache der Wesendonck-Lieder schon immer fasziniert, da sie eben dem Tristan an vielen Stelle so nahesteht“, erläutert Günther Groissböck in einem Interview, das im Beiheft nachzulesen ist: „Außerdem habe ich im Text keine verbindliche Geschlechtszugehörigkeit entdeckt, sodass ich mir einfach gedacht habe: Warum denn nicht mal diese ,gender-neutralen' Lieder als Mann singen, weil es ja auch Titel wie ,Schmerzen' oder ,Stehe still' gibt, zu denen etwas draufgängerisches Testosteron sehr gut passt, wie ich finde.“ 
Der Österreicher ist ein gefragter Wagner-Sänger. Sein Bass ist prachtvoll, aber der Liedgesang wirkt mitunter etwas kühl und zurückhaltend; in der Textausdeutung erscheint mir beispielsweise Hans Hotter viel stärker. Gerold Huber allerdings erweist sich einmal mehr als kongenialer Klavierpartner. Es ist beeindruckend, mit welchem Feingefühl er mit dem Sänger in einen Dialog tritt, wie sensibel er auf jede Nuance im Ausdruck reagiert. So wird aus dem Klavierpart weit mehr als eine Begleitung. Huber zeigt immer wieder, wieviel der Pianist zum Gesamtkunstwerk Lied beitragen kann. 

Montag, 1. Januar 2018

Voice of the Soul (Sony)

Immerhin vier Weltersteinspielungen kann Marion Treupel-Franck auf dieser CD vorweisen. Die Flötistin hat das Schaffen von Jean Daniel Braun (vor 1728 bis um 1740) erkundet. Es wird angenommen, dass er aus Deutschland stammte; über seinen Lebensweg ist aber nur wenig bekannt: Als 1728 sein Opus 1 im Druck erschien, war Braun Mitglied der Hofkapelle des Herzogs von Épernon. Spätere Veröffentlichungen benennen Adressen in Paris, bei denen sie „chez l'auteur“ bezogen werden können. Bis 1740 ließ er etliche seiner Werke drucken, so vier Bände mit Sonates pour la Flûte traversière, et Basse, zudem ein Band mit Triosonaten op. 3 sowie Différentes pièces pour flûte traversière sans basse op. 4. 
Da Brauns Opus 6 für zwei Fagotte komponiert wurde, wird zudem vermutet, dass er selbst beide Instrumente spielte. Darauf weist auch sein letzter Sonatenband, ohne Opuszahl erschienen 1740, hin, bei dem es sich wohl um ein Lehrwerk handelt. Es gibt zudem einen „Mr. Braun“, der seit 1728 an der Oper sowie der Académie Royale de Musique in Paris als Oboist wirkte, und der 1749 gestorben ist. Der Gedanke liegt nahe, dass dieser Musiker Jean Daniel Braun gewesen sein könnte – doch muss dies bis auf weiteres Spekulation bleiben. 
Greifbar aber sind die Werke von Jean Daniel Braun. Zur Vorbereitung dieser Aufnahme hat Marion Treupel-Franck in verschiedenen Archiven das überlieferte Notenmaterial gesichtet, um interessante Werke des Komponisten aufzuspüren. Das ist ihr tatsächlich geglückt, wie diese CD beweist. Der Zuhörer kann sich aber nicht nur an vortrefflicher Musik im galanten Stil erfreuen; auch die Einspielung lässt keine Wünsche offen. Auf historischen Instrumenten oder ihren Nachbauten musizieren mit der Flötistin renommierte Kollegen: Sergio Azzolini, Fagott, Axel Wolf, Gitarre und Laute, und Francesco Galligioni, Viola da gamba und Violoncello. 

Montag, 18. September 2017

In the moment (Naxos)

Das Streichquartett, heutzutage eine der bedeutendsten Gattungen der Kammermusik, gilt gemeinhin als ein Genre großer Meisterwerke. Das Arabella Quartett beweist mit dieser Aufnahme, dass diese nicht unbe- dingt besonders umfangreich sein müssen. Denn es gibt durchaus auch kleine Werke für diese Besetzung, die sich als Pretiosen erweisen. 
So bietet diese CD unter anderem zwei wenig bekannte, aber dennoch starke Stücke von Dmitri Schostako- witsch. Dazu gesellen sich sorgsam ausgewählte Werke von Joaquin Turina, Anton Webern, Felix Mendels- sohn Bartholdy, Carl Nielsen, Hugo Wolff, Antonin Dvořák, Franz Schubert und auch die elegischen Crisan- temi von Giacomo Puccini. Und die Aufnahmen sind sowohl musikalisch als auch akustisch von exzellenter Qualität – meine Empfehlung! 

Samstag, 19. November 2016

Mädchenherzen (Genuin)

Was für ein köstliches Gezwitscher! Die junge Sopranistin Mirella Hagen, Preisträgerin zahlreicher Wettbewer- be, hat gemeinsam mit ihrer Klavier- partnerin Kerstin Mörk ein Liedpro- gramm zusammengestellt, dass keine Wünsche offenlässt. Bei Hugo Wolf, Ludwig Thuille und Richard Strauss fanden sie Werke, die sowohl im Gesangs- als auch im Klavierpart ausgesprochen ausdrucksstark sind. 
„Ganz am Anfang hat jede von uns ihre Lieblingslieder aufgeschrieben“, berichtet die Pianistin. „Das waren vor allem Lieder von Hugo Wolf, der uns beiden sehr wichtig ist. Dabei haben wir festgestellt, dass diese Lieder alle zu dem Thema ,Mädchenherzen' passen. Es geht um junge Mädchen und deren Gefühle, die mal sehr sanft und lyrisch sein können, aber auch sehr energisch, ein bisschen zickig und launisch.“ 
„Auch bei Strauss (..) findet sich eine Fülle an Werken, die die Mädchen- herzen-Stimmung unserer Wolf-Auswahl aufgreifen und sehr gut ergänzen“, merkt Mirella Hagen an. „Ludwig Thuille war wiederum nur ein Jahr jünger als Hugo Wolf, die drei sind also wahre Zeitgenossen.“ Manche dieser Lieder seien „wahnsinnig witzig“; alle drei Komponisten „sind Meister der Tonmalerei, und sie setzen diese oft ein, um ein Augenzwinkern, eine gewisse Ironie in die Lieder zu bringen. Das gefällt uns sehr gut.“ 
Mit ihrem strahlenden, hellen Sopran gestaltet die Sängerin die Lieder als Miniaturen, die direkt hineinführen in die Welt der jungen Mädchen. Mirella Hagen wird dabei kongenial begleitet von Kerstin Mörk, die den Stimmungsgehalt sowie mitunter auch die Doppelbödigkeit des jeweiligen Klavierparts in ihrem Musizieren wunderbar erfasst. „Die Lieder, oder besser gesagt die Texte, haben bis heute eine große Aktualität. Mädchen- herzen werden heute noch von denselben Dingen und Gefühlen bewegt wie im 19. Jahrhundert“, sagt Kerstin Mörk. „Darin spüren wir eine große Verbundenheit zu diesen Liedern und Texten. Natürlich ist die Sprache eine andere, aber im Kern geht es doch um dieselben Themen: die erste Liebe, Eifersucht, Sehnsucht, Enttäuschung, Gefühlsschwankungen und kleine Launen. Das gesamte Spektrum mädchenhaften Seins und Fühlens eben.“ 

Montag, 14. November 2016

Virgins, Vixens & Viragos (Onyx)

Mit extremen weiblichen Emotionen konfrontiert Susan Graham die Zuhörer auf dieser CD. Die Sängerin zeigt Frauen in den verschiedensten Rollen – von der Heiligen Jungfrau, die ihren Sohn vermisst, und den Zwölfjährigen schließlich im Tempel wiederfindet, wo er mit den Schrift- gelehrten diskutiert, bis hin zur mörderischen Lady Macbeth. Das Programm, das sie gemeinsam mit dem erfahrenen Liedpianisten Malcolm Martineau präsentiert, reicht von Henry Purcell bis zu Joseph Horovitz und von Hector Berlioz, vertreten mit La mort d'Ophélie, bis hin zu Cole Porters The Physician.  Sehr spannend sind  übrigens die verschiedenen Vertonungen der Lieder der Mignon aus Goethes Wilhelm Meister

Donnerstag, 11. August 2016

Meinem Kinde (Gramola)

Lieder für Kinder und Lieder über Kinder erklingen auf dieser CD. Sopranistin Ute Ziemer und ihr Klavierbegleiter Julian Riem haben ein Programm zusammengestellt, dass neben Bekannten auch etliche Überraschungen bietet. So hat der 26jährige Richard Wagner (1813 bis 1883) mit Dors, mon enfant in seinen Trois mélodies ein berühren- des Wiegenlied geschaffen. 
Auch Komponisten wie Alexander Zemlinsky (1871 bis 1942, Hermann Zilcher (1881 bis 1948), Hugo Wolf (1860 bis 1903) und Max Reger (1873 bis 1916) hätte man in dieser Reihe nicht unbedingt vermutet. Auch Franz Schubert (1797 bis1828), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) und der finnische Liedkomponist Yrjö Kilpinnen (1892 bis 1959), der in Berlin und Wien studiert hat, sind mit Werken vertreten. Die Kanzonette La Ninna nanna von Gaetano Donizetti (1797 bis 1848) fällt ein wenig aus dem Rahmen; sie gibt zwar vor, ein Wiegenlied zu sein, doch sie ähnelt eher einer Opernarie mit vorangestelltem Rezitativ. 
Nicht fehlen dürfen in einem solchen Programm Lieder von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), Robert Schumann (1810 bis 1856) und Richard Strauss (1864 bis 1949). Sie hatten alle selbst Kinder; doch mit die schönsten und bekanntesten Melodien, die man dem Nachwuchs noch heute gern singt, schuf Johannes Brahms (1833 bis 1897), der zwar mit- unter heftig verliebt war, aber dennoch bis an sein Lebensende Junggeselle blieb. 
Ute Ziemer, die diese CD ihrer 2013 geborenen Tochter gewidmet hat, gestaltet die Lieder klug und abwechslungsreich. Begleitet wird sie erneut von Julian Riem, der für diese Aufnahme einen Flügel von Èrard gespielt hat. Damit ermöglicht er es den Hörern, den Klavierklang des 19. Jahr- hunderts zu erleben – was zu diesen Werken ausgezeichnet passt. Sehr gelungen! 

Montag, 16. Juni 2014

Prayer - Voice & Organ (Deutsche Grammophon)

Das aktuelle Album von Magdalena Kozená enthält Musik aus (fast) ganz Europa und aus einem Zeitraum, der vom Barock bis ins 20. Jahrhundert reicht. Die Mezzosopranistin hat gemeinsam mit dem Organisten Christian Schmitt geistliche Lieder und Arien zusammengetragen, die zumeist weniger für den Vortrag im Gottesdienst als vielmehr für die häusliche Andacht geschrieben worden sind. Von Johann Sebastian Bach bis zu Giuseppe Verdi, von Hugo Wolf bis zu Maurice Duruflé und von Franz Schubert bis zu Antonín Dvorák und vom Ave Maria bis zum Kaddisch reicht die Spannbreite der Werke, die für diese CD ausgewählt worden sind. 
Sie sind weniger virtuos als vielmehr innig und besinnlich, was für einen Sänger aber eine besondere Herausforderung darstellt. Denn es gibt kaum etwas schwierigeres, als ein „simples“ Strophenlied gut vorzutragen. Kozená meistert diese Herausforderung bestens – ins- besondere dort, wo es doch so etwas wie eine Handlung zu gestalten gilt. Die Sängerin kann zudem ein berückendes Piano aufbieten. Faszinierend! 

Montag, 3. März 2014

Schütz: Kleine geistliche Konzerte I (Carus)

„Anempfohlen sei, man möge sich beim Hören in Ruhe auf einige wenige der ‚Kleinen geistlichen Konzerte‘ beschränken, vielleicht vier oder fünf – dazwischen sei genügend Raum für nachklingen- de Stille“, empfiehlt Ludger Rémy in einem Geleitwort zu dieser CD. „Denn jedes Concert ist mehr als nur reine Musik: Es ist Verkündi- gung.“ 
Es ist dies die erste CD der neuen Schütz-Gesamteinspielung bei Carus, an der Hans-Christoph Rademann nicht mitgewirkt hat. Das hat der Aufnahme nicht gut getan. Festzustellen ist: Dem Ensemble hier fehlt es klar an Führung. Denn die Kleinen geistlichen Konzerte von Heinrich Schütz beziehen ihre Ausdrucksstärke gerade aus der untrennbaren Verknüpfung von Text und Musik, sie sind Exegese mit musikalischen Mitteln. 
Dazu allerdings muss der Hörer zu allererst den Text verstehen. Das fällt nicht leicht, wenn die Instrumente die Sänger übertönen. Zu hö- ren sind hier zudem Verzierungen, die das Wort nicht unterstreichen, sondern verwischen. An solchen kleinen Details stellt man fest, dass es dieser Interpretation an Sorgfalt und Tiefgründigkeit mangelt. Empfehlen kann ich die CD daher leider nicht; mittlerweile sind eine ganze Reihe ausdrucksstärkerer Aufnahmen auf dem Markt, und wer es nostalgisch möchte, dem sei beispielsweise die „originale“ Besetzung mit Knabenstimmen aus dem Dresdner Kreuzchor ans Herz gelegt. Sie singen mit jener Eindringlichkeit, die man bei den Profis hier vermisst. Von einer „Luxusbesetzung“, so wirbt das Label, darf man wohl mehr erwarten als saubere Töne. 

Mittwoch, 29. Mai 2013

Platti / Vivaldi: Six Sonatas for Violoncello and Basso continuo (Oehms Classics)

Zum 250. Todestag von Giovanni Benedetto Platti (1697 bis 1763) setzt Sebastian Hess nun seine Edition der Werke des Musikers bei Oehms Classics fort. Er kam aus Italien nach Franken, weil der Fürstbischof seiner Residenz durchaus etwas Glanz verleihen wollte. In einem Brief vom 23. Mai 1722 berichtete Johann Philipp Franz von Schönborn seinem Bruder, er habe „neue leuthe aus Italien“ für seine Hofkapelle gewonnen. Unter ihnen war auch der „Houboist“ Platti; er war der einzige dieser Musiker, der bis an sein Lebensende im Dienst der Fürstbischöfe von Würzburg bleiben sollte. 
Die Schönborn-Brüder waren fasziniert von der italienischen Musik, die sie bei Studienaufenthalten in Rom kennengelernt hatten. Und sie waren beide selbst versierte Musiker. Der Bischof spielte die Violine, Rudolf Franz Erwein von Schönborn, Herr über die nahegelegene Grafschaft Wiesentheid, musizierte auf dem Violoncello. Platti wurde offenbar bald zum musikalischen Berater und Hauskomponisten des Grafen. Mehr als 60 seiner Werke sind in der Musikaliensammlung Rudolf Franz Erweins überliefert, zumeist Stücke für Violoncello.
Für diese CD hat Hess drei Sonaten mit Basso continuo ausgewählt. Ergänzt wurde das Programm um drei Suonate per Violoncello solo von Antonio Vivaldi, die sich ebenfalls in der Notenbibliothek des Grafen fanden. Auf der dritten CD der Reihe musiziert der Cellist erneut gemeinsam mit dem Lautenisten Axel Wolff. Die Einspielung, die in Koproduktion mit BR Klassik entstanden ist, wurde im August 2012 in der St. Jacobus Kirche in Großlangheim aufgezeichnet.

Montag, 31. Dezember 2012

Weihnachtslieder (Gramola)

Dieses Weihnachtsliederalbum hat die Sopranistin Ute Ziemer ge- meinsam mit dem Pianisten Julian Riem zusammengestellt und eingespielt. Im Mittelpunkt stehen Werke von Richard Strauss und Hugo Wolf; diese Komponisten sind jeweils mit einer umfang- reichen Auswahl vertreten. Doch auch Raritäten wie ein Weihnachts- lied von Engelbert Humperdinck, eines von Joseph Marx und eine berückende Ballade von Carl Loewe finden sich auf der CD. Nicht fehlen darf hier natürlich Wagners Der Engel aus den Wesendonck-Liedern
Etwas aus dem Rahmen fällt ein Werk von Claude Debussy, das der Komponist 1915 geschrieben hat, und das keineswegs das Christfest feiert, sondern die deutschen Besatzer verflucht, die den Kindern in ganz Europa große Not beschert haben. Weihnachtlich hingegen sind die beiden Lieder von Gabriel Fauré und Adolphe Adam, und ein Stück von Edvard Grieg, das Ziemer original in dänischer Sprache singt. 
Die bayerische Sopranistin erweist sich als großartige Liedersängerin. Exzellent begleitet durch Julian Riem am Flügel, begeistert sie durch ihre herausragende Gestaltung ebenso wie durch ihre klug geführte, lyrische Stimme, die auch in der Höhe niemals spitz oder scharf klingt. 

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Alois - Von Hirten und Engeln (Preiser Records)

Die hohe Stimme ist Alois Mühl- bacher offenbar bislang erhalten geblieben. Der junge Mann singt seit 2005 bei den St. Florianer Sängerknaben; er ist mittlerweile 17 Jahre alt, und gilt nicht nur deshalb als Stimmwunder. Wer seine bislang erschienenen CD nicht kennt, der kann auch bei Youtube nachschauen: Von der Königin der Nacht bis hin zu Strauss und Mahler - es gibt fast nichts, was Mühlbacher nicht gesungen hat, üblicherweise am Klavier begleitet vom Chorleiter Franz Farnberger. 
Anschauen sollte man den jungen Sänger allerdings besser nicht, denn sein musikalischer Ausdruckswille bricht sich Bahn in einer Gestik, die höchst affektiert wirkt. Derartiges Kaspertheater sollte sich ein angehender Profi schnell wieder abgewöhnen, das kommt beim Publikum nicht wirklich gut an. 
Für das Weihnachtsfest haben Mühlbacher und sein Mentor Farnber- ger ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das auf tradi- tionelle Weihnachtslieder vollkommen verzichtet, und statt dessen auf das (spät)romantische deutsche Kunstlied setzt. Es erklingen Lieder von Peter Cornelius (1824 bis 1874), Joseph Haas (1879 bis 1960), Max Reger (1873 bis 1916) sowie von Franz Philipp (1890 bis 1972), Johannes Hatzfeld (1882 bis 1953) und Casimir von Pászthory (1886 bis 1966). Im Mittelpunkt der CD aber stehen ohne Zweifel die sieben Lieder von Hugo Wolf (1860 bis 1903), drei davon aus dem Spanischen Liederbuch. Mühlbacher singt zudem Der Engel aus den Wesendonck-Liedern von Richard Wagner (1813 bis 1883). Ob das durchweg inhaltlich für einen Teenager passt, das muss jeder Hörer für sich entscheiden. 
Gestaltet sind die Lieder zumeist überzeugend. Dabei zeigt der junge Solist eine für sein Alter ganz erstaunliche Reife. Aus den Höhen, in denen er sich bislang stimmlich bewegte, hat sich Alois Mühlbacher allerdings mittlerweile verabschiedet. Seine Stimme hat sich ver- ändert; sie ist voller geworden, klingt reifer - und deutlich tiefer. In der Mezzo-Region ist der Sänger hörbar daheim, die Spitzentöne hingegen klingen nicht mehr wirklich gut. 
Es wäre Mühlbacher zu wünschen, dass er auch nach dem Stimm- bruch weiter künstlerisch gefördert wird. Möge er Partner finden, die seinen Ehrgeiz verstehen, aber den jungen Sänger doch ein wenig bremsen, damit er Zeit bekommt für seine weitere Entwicklung. Man darf gespannt sein - doch man wird ganz sicher weiter von ihm hören. 

Samstag, 22. Dezember 2012

Peter Schreier - Lieder zur Weihnacht (Berlin Classics)

In der Dresdner Frauenkirche, damals noch im Rohbau, gab im Dezember 2000 Peter Schreier ein Konzert für den Wiederaufbau des Gotteshauses. Der Sänger, mittler- weile selbst eine Dresdner Legen- de, stellte Weihnachtslieder vor, die üblicherweise nicht den weih- nachtlich geschmückten Stuben erklingen - weil sie musikalisch ziemlich anspruchsvoll sind. Diese Werke von Peter Cornelius, Ernst Pepping, Joseph Haas, Max Reger und Hugo Wolf sind Kunstlieder in jedem Sinne dieses Wortes. Und wenn man hört, wie der Tenor sie gemeinsam mit seinem langjährigen künstlerischen Wegbegleiter Hansjörg Albrecht interpretiert, dann ist man berührt. Man erfreut sich an der hohen Gesangskultur Peter Schreiers, am hochkultivierten Zusammenspiel der beiden Partner - und an der Weihnachtsbotschaft, die sie seinerzeit inmitten von Stahlgerüsten auf der Baustelle ver- kündet haben. Dank sei auch dem Label Berlin Classics, das diesen Mitschnitt nun veröffentlicht hat. 

Sonntag, 1. Juli 2012

Bach: French & English Suites (Oehms Classics)

"Prägende Ereignisse vergisst man nicht", berichtet Blockflötist Stefan Temmingh im Beiheft zu dieser CD. "So kann ich mich sehr genau an meine erste bewusste Begegnung mit Johann Sebastian Bach er- innern. Ich war ungefähr acht Jahre alt, als in meinem Eltern- haus eine CD mit den Concerti für drei und vier Cembali mit The English Concert unter Trevor Pinnock in meine Hände gelangte. Die Aufnahme schlug mich sofort in ihren Bann, und ich hörte sie mir stundenlang an. Damit begann meine Liebe für die Alte Musik und für Bach im Besonderen." 
Diese Liebe hat hier Frucht getragen: Temmingh hat gemeinsam mit Domen Marincic, Viola da gamba, und dem Lautenisten Axel Wolf Werke des verehrten Komponisten eingespielt. Schon der Blick auf die Besetzung zeigt: "Original"werke können es nicht sein, denn für Block- flöte, Gambe und Laute hat Bach nichts komponiert. Die Musiker setzten daher auf ein Verfahren, das Bach selbst auch gern und viel verwendet hat. Sie haben Stücke bearbeitet, beispielsweise die Engli- sche Suite Nr. 2 BWV 807, die Französischen Suiten Nr. 5 BWV 816, hier in C-Dur, und Nr. 3 BWV 814. Das greift die barocke Praxis auf, Cembaloliteratur umzuinstrumentieren, so dass sie mit Melodie- instrumenten gespielt werden kann. Es ist ihnen aber nicht durchweg überzeugend gelungen, zumal Blockflöte und Laute mit dem doch recht massiven Klang der Gambe nicht durchweg im Gleichgewicht sind. 
Zu hören sind zudem das Siciliano aus der c-Moll-Violinsonate BWV 1017 und Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 645 aus den Schübler-Chorälen, das sich als Orgelstück in seiner Dreistimmigkeit dazu geradezu anbietet.
Außerdem erklingen Versionen des Pedal-Exercitiums BWV 598 für Gambe solo, des Preludes BWV 1006a - diese Bearbeitung stammt ausnahmsweise einmal von Bach selbst - und auch der Fuge in g-Moll BWV 1000 für Laute solo. Eines muss man sagen: Wer sein Instru- ment so beherrscht, wie diese drei Musiker, der darf sich an solche Experimente wagen. Temmingh spielt einmal mehr furios - und selbst wenn einen vielleicht einmal eine Bearbeitung nicht ganz so begei- stert, so entschädigen Virtuosität und Leidenschaft, die das Trio hier aufbietet, voll und ganz dafür.

Montag, 1. August 2011

The Ballad Singer (Hyperion)

Die Ballade ist ein alterprobtes Medium, um Geschichten zu er- zählen. Der Name Ballade freilich stand im Mittelalter für ein Tanz- lied; heute bezeichnet das Wort die bekannten und beliebten Strophen- lieder, die bevorzugt von makab- ren, aufregenden oder übernatür- lichen Vorgängen berichten. 
Morde, Schlachten, wundersame Errettung und mysteriöses Ver- hängnis, Wiedergänger, Feen, Elfen und andere Zauberwesen, Liebes- paare, Helden - was das Volk inte- ressierte, das faszinierte oftmals auch die Dichter. Und auch die Komponisten hatten ihr Vergnügen daran, wie diese CD zeigt. Sie enthält eine Vielzahl grandioser Balladen - von Beethovens berühm- ter Vertonung der Ballade vom König mit dem Floh aus Goethes Faust über Werke von Carl Loewe, Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf und vielen anderen, bis hin zu Cole Por- ters ironischem The Tale of the Oyster. Bariton Gerald Finley und Julius Drake am Klavier zelebrieren die zumeist schaurigen Geschich- ten mit Hingabe - musikalisch sind sie brillant, und der Zuhörer wird öfters schmunzeln. 

Samstag, 8. Mai 2010

Verwandlung - Lieder eines Jahres. Karg/Kehring (Berlin Classics)

Die Sopranistin Christiane Karg und der Pianist Burkhard Kehring geben eine Lehrstunde in Sachen intelligente Liedgestaltung. Das Programm ist anspruchsvoll, aber auch ansprechend und abwechs- lungsreich: "Das Thema Jahres- zeiten hat mich schon immer fasziniert", erläutert Karg. "Wie kann man klirrende Kälte oder sengende Hitze musikalisch darstellen? Einem Vivaldi ist dies so wunderbar gelungen", meint die Sängerin. "Im Unterschied zu den Orchesterwerken haben wir im Lied das Gedicht, das die Basis der Komposition bildet und mit der Begleitung zu einer Einheit verwoben wird."  Die Auswahl der beiden Solisten reicht von Richard Strauss' Schlechtes Wetter über von Zemlinskys Frühlingstag, Brahms' Sommerabend bis hin zu Schuberts Herbst und Weberns Kahl reckt der Baum.
"Mir gefällt diese Möglichkeit, einen roten Faden innerhalb einer Thematik zu spannen, fernab von Komponist, Musikstil oder eines geschlossenen Opus. Es erfordert Freude am Basteln und kostet viel Zeit", sagt Karg. "Es gibt eine so große Anzahl von wunderbaren Stücken, die zu Unrecht völlig unbekannt sind. Und genau darum geht es mir, einzelne Preziosen, die oft auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennbar sind, zu finden und mit anderen, bekannteren Stücken zu kombinieren."  Die Lieder zeigen den Menschen im Kreis- lauf der Natur - und in seinen Stimmungen zwischen glücklichem Überschwang und Melancholie.