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Sonntag, 8. August 2010

Bach: The Six Sonatas & Partitas for Violin; Baráti (Berlin Classics)

"Die Aufführungspraxis von Ba- rockmusik hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts enorm ent- wickelt. Das Spektrum ist sehr breit", meint Kristóf Baráti; "es erstreckt sich von einer sehr romantischen, intuitiv freien und selbstbezüglichen Herangehens- weise bis hin zur ,historischen', aber nach meinem Dafürhalten manchmal doch dogmatischen und häufig unflexiblen Rezeption. Junge Musiker können heute frei wählen, was aber äußerst schwierig ist, zumal ihre Wahl im Ergebnis eine ausgereifte Über- zeugung reflektieren muss, wenn sie auch ein Publikum überzeugen will."
Baráti, geboren in Budapest, aufgewachsen in Caracas, ausgebildet in der Tradition der russischen Violinschule, konzentriert sich in der vorliegenden Studio-Einspielung darauf, die emotionalen und struk- turellen Zusammenhänge, die er beim Studium von Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo aufgespürt hat, aufzuzeigen: "Mein wichtigstes Anliegen war es, moderne Technik und den farbigen, vollen Klang, wie er meinem Geschmack entspricht, mit der Frische und logischen Struktur einer historischen Interpretation in Einklang zu bringen." Da klingt nichts glatt, kalt und gefällig; schon nach weni- gen Takten lauscht man fasziniert dieser kantablen, beseelten, aber auch eigenwilligen und kantigen Musik. 
Das Wagnis, ein so oft eingespieltes Werk ein weiteres Mal aufzuneh- men, hat sich in diesem Falle gelohnt. Denn der junge ungarische Geiger hat einen ganz eigenen Zugang zu Bachs musikalischen Welten gefunden. Baráti, der die Stradivari "Lady Harmsworth" aus dem Jahre 1703 spielt, gelingt es, Emotion und Analyse gleichermaßen Raum zu geben. Er spielt, als ginge es um sein Leben - und überzeugt damit. Es würde mich nicht wundern, wenn er für diese beiden CD erneut mit Preisen überhäuft würde.

Sonntag, 28. Juni 2009

Paganini: Violin Concertos 1&2 - Kristóf Baráti (Berlin Classics)


Paganinis Violinkonzerte? Noch eine Aufnahme? Muss das denn sein?? Und dann noch als Debüt? Der Kritiker gähnt, während er die CD in den Player hineinschiebt - und reibt sich gleich darauf verwundert die Augen. Denn statt plumper Virtuosenmätzchen gibt's große Linien. Die rasanten Tonleitern, Doppelflageoletts und Springbogen-Attacken werden ergänzt durch schöne Töne und durch eine Spiritualität, die man von diesen Bravourstückchen eher nicht gewohnt ist. Baráti spielt diese Musik mit einer Leichtigkeit, die erstaunen lässt. Der 30jährige Ungar, der in Budapest an der Franz-Liszt-Akademie studiert hat, muss sich um Technik offenbar nicht sorgen. Mag die Passage noch so schwierig sein - Baráti formt seinen Ton, strukturiert mit deutlichen Zäsuren und setzt auf Nuancen. Er lässt seine Stradivari singen, und macht Musik: Paganini kultiviert statt verschwitzt, elegant statt dämonisch, leichtfüßig statt banal-akrobatisch. Der Kritiker ist erfreut und putzmunter: Bravo, Baráti! Gern mehr!