Fünf Komponisten, drei Jahrhun- derte – auf seiner Debüt-CD zeigt Gitarrist Daniel Marx höchst unterschiedliche Facetten der italienischen Musik. Er beginnt sein Programm mit Musik der Renais- sance, mit den Fantasias von Simone Molinaro (um 1565 bis 1615). Dann spielt er ein Werk des Lautenisten Giovanni Zamboni. „Als ich seine Sonate IX im Konzert meines Lehrers Roberto Aussel hörte, hatte sie eine einzigartige, magnetische Wirkung auf mich“, berichtet der Gitarrist. „Sie schwingt so schön organisch auf der Gitarre und hat noch dazu eine ,nostalgische Ästhetik', die ihre Schönheit aus dem Vergänglichen zieht. Gerade dieses Subtile, Intime, aber auch diese Direktheit sind es, was ich gleichermaßen an seiner Komposition und an der Gitarre liebe. Die schier unbegreifliche Schönheit des Klanges, die manchmal entstehen kann und mich bis heute tief berührt, spiegelt eben dieses Gefühl wider.“
Auch Sonaten von Domenico Scarlatti sind auf der CD zu hören, dazu die Grande Sonata von Niccolò Paganini – der bekanntlich nicht nur ein Geigenvirtuose war, sondern auch exzellent Gitarre spielte – sowie die Rêverie-Nocturne op. 19 von Giulio Regondi.
Daniel Marx beeindruckt durch seine überragende technische Brillanz, verbunden mit faszinierender Gestaltungsfähigkeit. So zeichnen sich seine Interpretationen durch Transparenz ebenso aus wie durch klangliche Schönheit. Man höre nur, wie durchdacht er in Molinaros Fantasias jede Stimme zur Geltung bringt – wenn dieser junge Gitarrist auch weiter so arbeitet, dann hat er eine große Zukunft vor sich.
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Freitag, 2. November 2018
Montag, 8. Oktober 2018
Benjamin Schmid (Oehms Classics)
Benjamin Schmid feierte dieser Tage seinen 50. Geburtstag – und Oehms Classics würdigte den Musiker mit einer 20-CD-Edition. Sie erweist sich als faszinierendes Porträt eines Geigers, der seine Virtuosität stets in den Dienst des Ausdrucks stellt. Selbst wenn er Virtuosenliteratur spielt, wird daraus niemals eine Zirkusnummer; Schmid beherrscht die Technik derart souverän, dass er sie nicht zur Schau stellen muss.
Seine musikalischen Interessen sind weit gespannt. So finden sich in dieser Box Aufnahmen etlicher bedeutender Violinkonzerte, von Felix Mendelssohn Bartholdy bis zu Karol Szymanowski, von Johannes Brahms bis zu Karl Goldmark und von Antonio Vivaldi bis Erich Korngold. Auch das Violinkonzert von Peter Tschaikowski und die Romanze op. 11 von Antonín Dvořák sind zu hören.
Die drei Violinsonaten op. 30 von Ludwig van Beethoven hat Benjamin Schmid gemeinsam mit Alfredo Perl eingespielt, und ausgewählte Sonaten für Klavier und Violine von Wolfgang Amadeus Mozart zusammen mit seiner Frau, der Pianistin Ariane Haering.
Zwei bislang unveröffentlichte Aufnahmen verweisen auf die Favoriten des Jubilars: My Favourite Paganini und Bach: Reflected. Große Bedeutung für den Violinisten haben insbesondere die Werke Johann Sebastian Bachs, die in der Box umfassend vertreten sind, wobei Schmid die Sonaten und Partiten für Violine solo durch die 6 Sonaten für Solovioline op. 27 von Eugène Ysaÿe kontrastiert. Außerdem schätzt Schmid die Musik von Niccolò Paganini, die er gern in den legendären Arrangements von Fritz Kreisler vorträgt.
Kreislers Virtuosenstücke nimmt der Geiger auch als Anlass und Ausgangspunkt zu einem inspiriert beswingten Ausflug in Richtung Jazz. Auch Bach: Reflected zeigt, dass sich der Geiger in der Welt der Improvisation durchaus zu Hause fühlt. Und Hommage à Grappelli führt direkt in die Tradition der großen Vorbilder Stephane Grapelli und Django Reinhardt. Benjamin Schmid erweist sich auch im Reich der eher jazzigen Klänge als ein Souverän. Wir gratulieren!
Seine musikalischen Interessen sind weit gespannt. So finden sich in dieser Box Aufnahmen etlicher bedeutender Violinkonzerte, von Felix Mendelssohn Bartholdy bis zu Karol Szymanowski, von Johannes Brahms bis zu Karl Goldmark und von Antonio Vivaldi bis Erich Korngold. Auch das Violinkonzert von Peter Tschaikowski und die Romanze op. 11 von Antonín Dvořák sind zu hören.
Die drei Violinsonaten op. 30 von Ludwig van Beethoven hat Benjamin Schmid gemeinsam mit Alfredo Perl eingespielt, und ausgewählte Sonaten für Klavier und Violine von Wolfgang Amadeus Mozart zusammen mit seiner Frau, der Pianistin Ariane Haering.
Zwei bislang unveröffentlichte Aufnahmen verweisen auf die Favoriten des Jubilars: My Favourite Paganini und Bach: Reflected. Große Bedeutung für den Violinisten haben insbesondere die Werke Johann Sebastian Bachs, die in der Box umfassend vertreten sind, wobei Schmid die Sonaten und Partiten für Violine solo durch die 6 Sonaten für Solovioline op. 27 von Eugène Ysaÿe kontrastiert. Außerdem schätzt Schmid die Musik von Niccolò Paganini, die er gern in den legendären Arrangements von Fritz Kreisler vorträgt.
Kreislers Virtuosenstücke nimmt der Geiger auch als Anlass und Ausgangspunkt zu einem inspiriert beswingten Ausflug in Richtung Jazz. Auch Bach: Reflected zeigt, dass sich der Geiger in der Welt der Improvisation durchaus zu Hause fühlt. Und Hommage à Grappelli führt direkt in die Tradition der großen Vorbilder Stephane Grapelli und Django Reinhardt. Benjamin Schmid erweist sich auch im Reich der eher jazzigen Klänge als ein Souverän. Wir gratulieren!
Dienstag, 21. August 2018
Paganini - Complete Edition (Dynamic)
Mit Musik von Nicolò Paganini ist Dynamic vor 40 Jahren gestartet: Kein geringerer als Salvatore Accardo spielte das erste Album für das italienische Label ein. Etliche weitere Aufnahmen mit dem Violinvirtuosen folgten. Und auch andere hervor- ragende Geiger wählten Dynamic für ihre Veröffentlichungen.
Obwohl beispielsweise Tartini und Viotti ebenfalls im Repertoire vertreten sind, hat sich Dynamic all die Jahre insbesondere für das Werk Paganinis engagiert. Diese Box gibt Zeugnis davon – sie enthält auf sagenhaften 40 (!) CD sämtliche überlieferten Kompositionen des „Teufelsgeigers“ aus Genua, darunter einige Weltersteinspielungen, und noch ein bisschen mehr.
Zu finden sind in der phänomenalen Box unter anderem die Violinkon- zerte, vorgetragen von Massimo Quarta auf Paganinis Geige gemeinsam mit dem Orchester des Theaters Carlo Felice Genua. Etliche Werke hat auch Mario Hossen eingespielt; außerdem findet sich eine CD, die ursprünglich für EMI entstanden ist, mit Salvatore Accardo und dem Chamber Orchestra of Europe unter Franco Tamponi. Komplettiert wird dieser Teil durch einige Raritäten, wie die Sonata per la Grand Viola, zu hören ist hier Luigi Alberto Bianchi mit dem Rias Orchester Berlin unter Jacques Delacôte. Es erklingt auch Le Couvent du Mont St. Bernard für Violine, Männerchor und Orchester, übrigens ebenfalls mit einem Rondò del campanello.
Im zweiten Teil folgt dann die Kammermusik – von den Quartetten, mit dem Quartetto Paganini, über die Trios für Streicher und Gitarre, bis hin zu den Duetten für Violine und Violincello. Die hinreißenden Duette für Violine und Fagott werden gespielt von Salvatore Accardo und Claudio Gonella.
Die Werke für Violine und Gitarre – beide Instrumente spielte Paganini virtuos – präsentieren Luigi Alberto Bianchi und Maurizio Preda. Man staunt, denn dass es tatsächlich so viele sind, fällt erst auf, wenn man die vielen CD in der Box versammelt sieht.
Bei den Werken für Solo-Violine dürfen natürlich die berühmten 24 Capricci nicht fehlen; sie werden hier von Leonidas Kavakos vorgetragen. Die verbleibenden Solo-Werke, ihre Zahl ist überschaubar, spielt Stefan Milenkovich.
Die 37 Gitarrensonaten und die fünf Sonatinen für Gitarre sowie einige kleinere Werke stellt Guido Fichtner vor, die Ghiribizzi Adriani Sebastiani. Auf drei weiteren CD sind zudem Raritäten und neu entdeckte Werke zusammengefasst; über eine der Aufnahmen wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet.
Ebenfalls drei CD bieten bekannte Einspielungen mit Salvatore Accardo und mit Ruggiero Ricci; letzterer spielt unter anderem auch die 24 Capricen. Last but not least fasst Dynamic auf zwei weiteren CD unter dem Motto „A Tribute to Paganini“ Werke zusammen, zu denen der Musiker einst andere Komponisten inspiriert hat. Der Pianist Marco Pasini präsentiert Stücke von Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Ignaz Moscheles, Friedrich Kuhlau, Feruccio Busoni, Luigi Dallapiccola, Robert Schumann und Johannes Brahms, Henri Herz und Johann Strauss. Eine wirklich grandiose Kollektion, die derzeit weit und breit nicht Ihresgleichen hat. Gratulation an Dynamic – und meine unbedingte Empfehlung!
Obwohl beispielsweise Tartini und Viotti ebenfalls im Repertoire vertreten sind, hat sich Dynamic all die Jahre insbesondere für das Werk Paganinis engagiert. Diese Box gibt Zeugnis davon – sie enthält auf sagenhaften 40 (!) CD sämtliche überlieferten Kompositionen des „Teufelsgeigers“ aus Genua, darunter einige Weltersteinspielungen, und noch ein bisschen mehr.
Zu finden sind in der phänomenalen Box unter anderem die Violinkon- zerte, vorgetragen von Massimo Quarta auf Paganinis Geige gemeinsam mit dem Orchester des Theaters Carlo Felice Genua. Etliche Werke hat auch Mario Hossen eingespielt; außerdem findet sich eine CD, die ursprünglich für EMI entstanden ist, mit Salvatore Accardo und dem Chamber Orchestra of Europe unter Franco Tamponi. Komplettiert wird dieser Teil durch einige Raritäten, wie die Sonata per la Grand Viola, zu hören ist hier Luigi Alberto Bianchi mit dem Rias Orchester Berlin unter Jacques Delacôte. Es erklingt auch Le Couvent du Mont St. Bernard für Violine, Männerchor und Orchester, übrigens ebenfalls mit einem Rondò del campanello.
Im zweiten Teil folgt dann die Kammermusik – von den Quartetten, mit dem Quartetto Paganini, über die Trios für Streicher und Gitarre, bis hin zu den Duetten für Violine und Violincello. Die hinreißenden Duette für Violine und Fagott werden gespielt von Salvatore Accardo und Claudio Gonella.
Die Werke für Violine und Gitarre – beide Instrumente spielte Paganini virtuos – präsentieren Luigi Alberto Bianchi und Maurizio Preda. Man staunt, denn dass es tatsächlich so viele sind, fällt erst auf, wenn man die vielen CD in der Box versammelt sieht.
Bei den Werken für Solo-Violine dürfen natürlich die berühmten 24 Capricci nicht fehlen; sie werden hier von Leonidas Kavakos vorgetragen. Die verbleibenden Solo-Werke, ihre Zahl ist überschaubar, spielt Stefan Milenkovich.
Die 37 Gitarrensonaten und die fünf Sonatinen für Gitarre sowie einige kleinere Werke stellt Guido Fichtner vor, die Ghiribizzi Adriani Sebastiani. Auf drei weiteren CD sind zudem Raritäten und neu entdeckte Werke zusammengefasst; über eine der Aufnahmen wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet.
Ebenfalls drei CD bieten bekannte Einspielungen mit Salvatore Accardo und mit Ruggiero Ricci; letzterer spielt unter anderem auch die 24 Capricen. Last but not least fasst Dynamic auf zwei weiteren CD unter dem Motto „A Tribute to Paganini“ Werke zusammen, zu denen der Musiker einst andere Komponisten inspiriert hat. Der Pianist Marco Pasini präsentiert Stücke von Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Ignaz Moscheles, Friedrich Kuhlau, Feruccio Busoni, Luigi Dallapiccola, Robert Schumann und Johannes Brahms, Henri Herz und Johann Strauss. Eine wirklich grandiose Kollektion, die derzeit weit und breit nicht Ihresgleichen hat. Gratulation an Dynamic – und meine unbedingte Empfehlung!
Montag, 14. Mai 2018
The New Paganini Project (Sony)
Welch
enorme Bedeutung doch die Begleitung für die Wirkung eines
Musikstückes hat, das macht dieses faszinierende Experiment deutlich: Der junge
Geiger Niklas Liepe, Preisträger des Deutschen Musik- wettbewerbes
2017 und NDR-Kulturpreisträger, hat ausgewählte Komponisten
eingeladen, Capricen für Violine solo von Niccolo Paganini (1782
bis1842) durch einen Orchesterpart zu ergänzen. Einzige Bedingung:
Der Geigenpart durfte nicht verändert werden.
Dieses
Verfahren hat Tradition. Denn schon die Zeitgenossen des Virtuosen
fühlten sich dazu herausgefordert, Paganinis Capricen zu
„komplettieren“; so schrieb beispielsweise Robert Schumann
1853/54 eine – sehr dezente – Klavierbegleitung. Den jeweiligen
Zeitgeschmack spiegeln Klavierparts, die Geigenvirtuosen von
Ferdinand David bis zu Fritz Kreisler oder Jacques Thiebaut
hinzugefügt haben.
Sieben
dieser „historischen“ Begleitungen hat Niklas Liepe in
Zusammen- arbeit mit Andreas N. Tarkmann für diese Aufnahme
ausgesucht. Tark- mann, ein renommierter Arrangeur, hat sie gekonnt und
stilgerecht orchestriert. Er ließ es sich natürlich auch nicht
nehmen, eine Caprice, und zwar die Nr. 14, mit einer Begleitung zu
versehen.
Generell
zeichnen sich die Komponisten, die sich an diesem Vexierspiel
beteiligten, durch höchst unterschiedliche musikalische
Handschriften und Klangvorstellungen aus. Peter WesenAuer
beispielsweise hat die Caprice Nr. 7 mit einem Orchesterpart
versehen, der sicherlich auch Paganini gut gefallen hätte. Gérard
Tamestit hingegen stellt seine Komposition ganz entschieden neben
jene von Paganini. Das wirkt beinahe so, als würde er das Original
ignorieren.
Nahezu
jede Variante aber wertet den Orchesterpart auf, macht ihn zu einem
gleichberechtigten Partner des Solisten. Die Deutsche Radio
Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern hat sich unter der Leitung
von Georg Bühl dieser Herausforderung gestellt, und die 24 Capricen
mit den neu komponierten Begleitungen gemeinsam mit Niklas Liepe
eingespielt. Außerordentlich spannend! So aufregend war Klassik
lange nicht mehr.
Donnerstag, 23. November 2017
Paganini rediscovered (Dynamic)
Neuigkeiten von Niccolò Paganini? Luca Fanfoni hat in Archivbeständen danach gesucht, und was er dort gefunden hat, das ist nicht weniger als eine Sensation. Auf dieser CD präsentiert der Geiger nun seine Entdeckungen.
So waren die Variations de bravoure sur des Thèmes de Moϊse, de Rossini, sur la 4me Corde, nach dem wichtigsten Thema auch Sonata a Preghiera M.S. 23 benannt, bislang nur in Form von Orchesterstimmen als Autograph überliefert, aber es fehlten sowohl eine Partitur als auch der Solopart. Die einzige Quelle für den Geigen-Solopart war eine Bearbeitung für Violine und Klavier, veröffentlicht 1855 in Hamburg.
Bei einem Vergleich beider Notenmaterialien wurde festgestellt, dass in dieser Edition drei Abschnitte fehlen, gleich zu Beginn – und sie konnten nicht rekonstruiert werden, weil dafür keine Violinstimme vorlag. Luca Fanfoni hat gemeinsam mit seinem Sohn Daniele – ebenfalls ein exzellenter Geiger – bei Recherchen in der Biblioteca Palatina di Parma ein Manuskript mit dem Titel Preghiera del Mosè / di / Pagagini / Parte del Pianoforte entdeckt. Es enthielt eine vollständige Version, die sich zudem erfreulich nahe am Ochester-Original bewegte – und die solang vermisste Solostimme.
Fanfoni vermutet, dass diese Noten aus dem Bestand von Romeo Franzoni stammen, Geigenlehrer am Konservatorium zu Parma. Er war mit den Erben Paganinis eng befreundet. Von ihnen erhielt er auch verschiedene Manuskripte geschenkt, wie man in dem sehr informativen Beiheft nachlesen kann.
Auf dieser CD ist nun also Paganinis berühmtes Werk, das allein auf der vierten Saite der Geige zu spielen ist, erstmals wieder in seiner originalen Gestalt zu hören. Für die Aufnahmen durfte Luca Fanfoni zudem Paganinis Lieblingsgeige, die legendäre Cannone, spielen. Sie wurde 1742 oder 1743 in Cremona von Giuseppe Guarneri gebaut. Heute wird die Cannone im Palazzo Doria Tursi aufbewahrt, dem Sitz der Stadtverwaltung von Genua, und von einer Expertengruppe sorgsam betreut.
Nach einer Beschädigung im Jahre 1833 reparierte der Geigenbauer Jean-Baptiste Vuillaume das Instrument; er fertigte außerdem eine Kopie an, die Paganinis Schüler Camillo Sivori in späteren Jahren erwarb. Auch dieses Instrument ist auf dieser CD zu hören – gespielt wird es von Daniele Fanfoni bei den Drei Ritornellen für zwei Violinen und Violoncello M.S. 1. Dabei handelt es sich wohl um frühe Werke, die sich im Manuskript in der Biblioteca Casanatense in Rom befinden.
Die CD enthält dazu noch weitere Raritäten, wie die Sechs Präludien für Violine solo, das Capriccio (Andante) für Solovioline M.S. 54, das Rondo für Violine und Violoncello M.S. 63 und das Grande Concerto in e-Moll M.S. 75 in seiner ursprünglichen Gestalt, für Violine und Gitarre, und mit den Kadenzen von Franco Gulli. Musizierpartner sind hier Luca Simoncini, Violoncello, und Fabrizio Giudice, Gitarre.
So waren die Variations de bravoure sur des Thèmes de Moϊse, de Rossini, sur la 4me Corde, nach dem wichtigsten Thema auch Sonata a Preghiera M.S. 23 benannt, bislang nur in Form von Orchesterstimmen als Autograph überliefert, aber es fehlten sowohl eine Partitur als auch der Solopart. Die einzige Quelle für den Geigen-Solopart war eine Bearbeitung für Violine und Klavier, veröffentlicht 1855 in Hamburg.
Bei einem Vergleich beider Notenmaterialien wurde festgestellt, dass in dieser Edition drei Abschnitte fehlen, gleich zu Beginn – und sie konnten nicht rekonstruiert werden, weil dafür keine Violinstimme vorlag. Luca Fanfoni hat gemeinsam mit seinem Sohn Daniele – ebenfalls ein exzellenter Geiger – bei Recherchen in der Biblioteca Palatina di Parma ein Manuskript mit dem Titel Preghiera del Mosè / di / Pagagini / Parte del Pianoforte entdeckt. Es enthielt eine vollständige Version, die sich zudem erfreulich nahe am Ochester-Original bewegte – und die solang vermisste Solostimme.
Fanfoni vermutet, dass diese Noten aus dem Bestand von Romeo Franzoni stammen, Geigenlehrer am Konservatorium zu Parma. Er war mit den Erben Paganinis eng befreundet. Von ihnen erhielt er auch verschiedene Manuskripte geschenkt, wie man in dem sehr informativen Beiheft nachlesen kann.
Auf dieser CD ist nun also Paganinis berühmtes Werk, das allein auf der vierten Saite der Geige zu spielen ist, erstmals wieder in seiner originalen Gestalt zu hören. Für die Aufnahmen durfte Luca Fanfoni zudem Paganinis Lieblingsgeige, die legendäre Cannone, spielen. Sie wurde 1742 oder 1743 in Cremona von Giuseppe Guarneri gebaut. Heute wird die Cannone im Palazzo Doria Tursi aufbewahrt, dem Sitz der Stadtverwaltung von Genua, und von einer Expertengruppe sorgsam betreut.
Nach einer Beschädigung im Jahre 1833 reparierte der Geigenbauer Jean-Baptiste Vuillaume das Instrument; er fertigte außerdem eine Kopie an, die Paganinis Schüler Camillo Sivori in späteren Jahren erwarb. Auch dieses Instrument ist auf dieser CD zu hören – gespielt wird es von Daniele Fanfoni bei den Drei Ritornellen für zwei Violinen und Violoncello M.S. 1. Dabei handelt es sich wohl um frühe Werke, die sich im Manuskript in der Biblioteca Casanatense in Rom befinden.
Die CD enthält dazu noch weitere Raritäten, wie die Sechs Präludien für Violine solo, das Capriccio (Andante) für Solovioline M.S. 54, das Rondo für Violine und Violoncello M.S. 63 und das Grande Concerto in e-Moll M.S. 75 in seiner ursprünglichen Gestalt, für Violine und Gitarre, und mit den Kadenzen von Franco Gulli. Musizierpartner sind hier Luca Simoncini, Violoncello, und Fabrizio Giudice, Gitarre.
Dienstag, 30. Mai 2017
Short Stories (Genuin)
Den sogenannten Encores widmete Mark Schumann seine Debüt-CD bei Genuin. Gemeinsam mit dem Pianisten Martin Klett hat der Cellist eine Auswahl jener kurzen Stücke eingespielt, die heute typischerweise als Zugaben nach einem Konzert erklingen.
Mit dieser Aufnahme zeigen die beiden Musiker, dass die kleinen Musikstücke deutlich mehr Potential haben: „In vielen kurzen Werken findet sich jedoch weit mehr, wenn man sich nur die Zeit nimmt, genauer hinzusehen, respektive zu hören. Manch schlicht Melodie entpuppt sich so in ihrer zwingenden Einfachheit als Brennglas, das den Blick für die Wahrheit und Schönheit des Seins schärft“, meint Mark Schumann. „In gleichem Maße erzählt auch manch virtuoser Cellospielertrick weit mehr, als es der Grad an sportlicher Betätigung auf dem Instrument vermuten lässt.“
Und so zeigen die beiden Musiker auf dieser CD, dass Ausdruck und Virtuosität durchaus kein Widerspruch sein müssen. Von Niccolò Paganini bis zu Carl Davidoff, von Joseph Haydn bis zu Gabriel Fauré und von Fritz Kreisler bis zu David Popper reicht das Programm, und vom elegischen Chopin-Nocturne bis zum rasanten spanischen Tanz.
Die Wahl des Titels ist keineswegs Zufall. Mark Schumann erzählt mit seinem Cellospiel in der Tat Kurzgeschichten. Dazu haben die beiden Musizierpartner jedes dieser kleinen Stücke mit großer Sorgfalt gearbeitet. So sind feinste Nuancen möglich. Nicht umsonst heißt es, das Violoncello sei das Instrument, das der menschlichen Stimme am nächsten komme. Entstanden ist ein Album für Genießer, mit schön geführten Linien, faszinierenden Klangfarben, sehr viel Abwechslung, und gelegentlich auch einem charmanten Augenzwinkern. Meine Empfehlung!
Mit dieser Aufnahme zeigen die beiden Musiker, dass die kleinen Musikstücke deutlich mehr Potential haben: „In vielen kurzen Werken findet sich jedoch weit mehr, wenn man sich nur die Zeit nimmt, genauer hinzusehen, respektive zu hören. Manch schlicht Melodie entpuppt sich so in ihrer zwingenden Einfachheit als Brennglas, das den Blick für die Wahrheit und Schönheit des Seins schärft“, meint Mark Schumann. „In gleichem Maße erzählt auch manch virtuoser Cellospielertrick weit mehr, als es der Grad an sportlicher Betätigung auf dem Instrument vermuten lässt.“
Und so zeigen die beiden Musiker auf dieser CD, dass Ausdruck und Virtuosität durchaus kein Widerspruch sein müssen. Von Niccolò Paganini bis zu Carl Davidoff, von Joseph Haydn bis zu Gabriel Fauré und von Fritz Kreisler bis zu David Popper reicht das Programm, und vom elegischen Chopin-Nocturne bis zum rasanten spanischen Tanz.
Die Wahl des Titels ist keineswegs Zufall. Mark Schumann erzählt mit seinem Cellospiel in der Tat Kurzgeschichten. Dazu haben die beiden Musizierpartner jedes dieser kleinen Stücke mit großer Sorgfalt gearbeitet. So sind feinste Nuancen möglich. Nicht umsonst heißt es, das Violoncello sei das Instrument, das der menschlichen Stimme am nächsten komme. Entstanden ist ein Album für Genießer, mit schön geführten Linien, faszinierenden Klangfarben, sehr viel Abwechslung, und gelegentlich auch einem charmanten Augenzwinkern. Meine Empfehlung!
Donnerstag, 26. Januar 2017
Paganini: 24 Capricci (Dynamic)
Als Robert Schumann (1810 bis 1856) am Ostersonntag 1830 in Frankfurt das Geigenspiel des berühmten Nicolò Paganini (1782 bis 1840) hörte, war dies ein Erlebnis, das sein Leben änderte: Wenig später schrieb der Jurastudent aus Heidelberg an seine Mutter, dass er nun doch beabsichtige, Musiker zu werden. Er kehrte nach Leipzig zurück, um bei Friedrich Wieck zu studieren. Und auch wenn er sich vom Auftreten des „Teufelsgeigers“ eher abgestoßen fühlte, so verrät doch sein Lebenswerk, dass Schumann sich immer wieder mit der Musik des Virtuosen auseinandergesetzt hat.
Noch in seinen letzten Jahren arbeitete er an einer Klavierbegleitung zu den Violin-Capricen, für seinen Freund Joseph Joachim. Vollendet hat er sie 1855, in der Psychiatrie. Betrachtet man Schumanns Klavierpart, so wird man feststellen, dass sich der Komponist nicht damit begnügte, die Capricen mit Akkorden zu unterfüttern. Schumann tritt in den Dialog mit Paganinis Melodien, die er mitunter ergänzt oder aber weiterführt. So ist Schumanns Musik das Zeugnis seiner sehr persönlichen Begegnung mit dem Geigenvirtuosen, die ihn vom Anbeginn seiner Laufbahn an und bis zu ihrem Ende beschäftigt haben muss.
Auch wenn Clara Schumann dieses Werk ihres Mannes, dass sie nach seinem Tode in seinen Papieren vorgefunden hat, niemals veröffentlichte – kurioserweise wurde es rasch Mode, Paganinis Capricen mit Klavierbeglei- tung zu spielen. Der „nackte“ Klang der Violine war den Romantikern offenbar suspekt; selbst Geiger schufen Klavierversionen. Und das blieb die Norm, bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die junge Geigerin Maristella Patuzzi hat diese Tradition jetzt aufgegriffen, und gemeinsam mit ihren Vater, dem Pianisten Mario Patuzzi, Paganinis 24 Capricen mit der Klavierbegleitung von Robert Schumann eingespielt. So weit, so gut – die Aufnahme ist solide, aber unspektakulär. Stücke, die Geiger üblicherweise als Etüden nutzen, so vorzutragen, dass das auch für den Hörer ein Gewinn ist, das scheint ziemlich schwierig zu sein.
Noch in seinen letzten Jahren arbeitete er an einer Klavierbegleitung zu den Violin-Capricen, für seinen Freund Joseph Joachim. Vollendet hat er sie 1855, in der Psychiatrie. Betrachtet man Schumanns Klavierpart, so wird man feststellen, dass sich der Komponist nicht damit begnügte, die Capricen mit Akkorden zu unterfüttern. Schumann tritt in den Dialog mit Paganinis Melodien, die er mitunter ergänzt oder aber weiterführt. So ist Schumanns Musik das Zeugnis seiner sehr persönlichen Begegnung mit dem Geigenvirtuosen, die ihn vom Anbeginn seiner Laufbahn an und bis zu ihrem Ende beschäftigt haben muss.
Auch wenn Clara Schumann dieses Werk ihres Mannes, dass sie nach seinem Tode in seinen Papieren vorgefunden hat, niemals veröffentlichte – kurioserweise wurde es rasch Mode, Paganinis Capricen mit Klavierbeglei- tung zu spielen. Der „nackte“ Klang der Violine war den Romantikern offenbar suspekt; selbst Geiger schufen Klavierversionen. Und das blieb die Norm, bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die junge Geigerin Maristella Patuzzi hat diese Tradition jetzt aufgegriffen, und gemeinsam mit ihren Vater, dem Pianisten Mario Patuzzi, Paganinis 24 Capricen mit der Klavierbegleitung von Robert Schumann eingespielt. So weit, so gut – die Aufnahme ist solide, aber unspektakulär. Stücke, die Geiger üblicherweise als Etüden nutzen, so vorzutragen, dass das auch für den Hörer ein Gewinn ist, das scheint ziemlich schwierig zu sein.
Donnerstag, 8. Dezember 2016
Paganini: Violin Concertos 1 & 2 (SWR Music)
Das Werk von Niccolò Paganini hat Salvatore Accardo, geboren 1941 in Turin, schon früh fasziniert: Bereits als 13jähriger spielte der Geiger, ein Schüler von Luigi d'Ambrosio und Yvonne Astruc, öffentlich die 24 Capricci op. 1 – und zwar alle. Im Laufe seiner Karriere hat Accardo dann auch sämtliche Violinkonzerte Paganinis im Konzert gespielt, und mehrfach eingespielt, inklusive der rekonstruierten.
Im Hans-Rosbaud-Studio Baden-Baden sind einige Aufnahmen entstanden, die nun nach einem digitalen Remastering der SWR-Originalbänder aus den Jahren 1961 bis 1970 auf CD veröffentlicht worden sind. Zu hören sind das Violinkonzert Nr. 1 D-Dur op. 6, die Caprice a-Moll op. 1 Nr. 24, die Variationen über God Save the King, mit Maria Bergmann am Klavier, und das Violin- konzert Nr. 2 h-Moll op. 7, bekannt als La Campanella. Die Orchester- introduktion im Kopfsatz des ersten Konzertes wurde sehr stark gekürzt; das war damals nicht unüblich, zumal Paganini seinen Orchestersatz bewusst einfach gehalten hatte. Insofern hält sich der Verlust in Grenzen. Das damalige Sinfonieorchester des Südwestfunks in Baden-Baden wurde von Ernest Bour geleitet, einem Dirigenten, der offenbar akkurates Musi- zieren mit einer großen Portion Eleganz zu verbinden wusste.
Im Hans-Rosbaud-Studio Baden-Baden sind einige Aufnahmen entstanden, die nun nach einem digitalen Remastering der SWR-Originalbänder aus den Jahren 1961 bis 1970 auf CD veröffentlicht worden sind. Zu hören sind das Violinkonzert Nr. 1 D-Dur op. 6, die Caprice a-Moll op. 1 Nr. 24, die Variationen über God Save the King, mit Maria Bergmann am Klavier, und das Violin- konzert Nr. 2 h-Moll op. 7, bekannt als La Campanella. Die Orchester- introduktion im Kopfsatz des ersten Konzertes wurde sehr stark gekürzt; das war damals nicht unüblich, zumal Paganini seinen Orchestersatz bewusst einfach gehalten hatte. Insofern hält sich der Verlust in Grenzen. Das damalige Sinfonieorchester des Südwestfunks in Baden-Baden wurde von Ernest Bour geleitet, einem Dirigenten, der offenbar akkurates Musi- zieren mit einer großen Portion Eleganz zu verbinden wusste.
Montag, 30. Mai 2016
Of Witches and Devils - Tartini, Paganini, Locatelli (Dynamic)
Engelsreine Gesänge und teuflische Klänge – Musik ist oftmals auch mit einer Inszenierung verbunden; und schon in den vergangenen Jahr- hunderten nutzten Virtuosen gern alle Möglichkeiten, sich multimedial in Szene zu setzen. Mit dieser CD erinnern Luca Fanfoni und Luca Ballerini an drei exzellente Geiger, die nicht nur ihr Instrument, sondern auch diese Kunst offenbar ziemlich gut beherrschten.
Allerdings hat die Legende um die berühmte Teufelstriller-Sonate von Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) der Franzose Jérôme de Lalande ins Leben gesetzt. Er erzählte in seinem Buch Voyage en Italie 1769 erstmals von dem Traum des Musikers, in dem der Teufel wundervolle Musik gespielt haben soll – und Tartini sei nach dem Erwachen leider nicht in der Lage gewesen, mehr als Fragmente davon zu notieren.
Pietro Antonio Locatelli (1695 bis 1764) schrieb ein Capriccio namens Labirinto Armonico, mit dem Hinweis: „Facilis aditus, difficilis exitus.“ Dieses Werk für Solo-Violine ist nicht unbedingt dämonisch, aber anspruchsvoll ist es allemal.
Nicolò Paganini (1782 bis 1840) stand in dem Ruf, der Teufelsgeiger zu sein. Legenden gibt es über ihn ohne Ende; vermutlich wird er jedoch schlicht über einen langen Zeitraum besonders eifrig und besonders kreativ geübt haben, so dass er schließlich das Publikum mit Effekten und Techni- ken verblüffen konnte, die außer ihm damals keiner beherrschte – „Zauber- geigenkünste“, mit denen er die Leute „verhext“ haben soll. Die Musik dieses Virtuosen hat den größten Anteil auf dieser CD. Luca Fanfoni spielt, begleitet von Luca Ballerini, die „Nel cor più non sento“-Variationen, dazu das Adagio aus dem Violinkonzert Nr. 3 sowie natürlich die Variationen über ein Thema von Franz Süssmayr, die unter dem Titel Le Streghe bekannt wurden. Die Sonata a preghiera erklingt sogar in zwei Versionen. Die Originalversion, hier in Weltersteinspielung, interpretiert Fanfoni auf „Paganinis Violine“; nähere Angaben Fehlanzeige, was ich schade finde – da das Instrument von der Stadt Genua für die Aufnahme zur Verfügung gestellt wurde, darf man annehmen, dass es sich um die Cannone handeln könnte.
Luca Fanfoni erweist sich als ein hervorragender Geiger mit einer sehr guten Technik und ausgeprägtem Sinn für musikalische Strukturen. Ihm zuzuhören, das macht wirklich Freude, zumal er mit seiner Geige von Goffredo Cappa aus dem Jahre 1690 auch ein phantastisches Instrument spielt. Zurücklehnen und genießen!
Allerdings hat die Legende um die berühmte Teufelstriller-Sonate von Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) der Franzose Jérôme de Lalande ins Leben gesetzt. Er erzählte in seinem Buch Voyage en Italie 1769 erstmals von dem Traum des Musikers, in dem der Teufel wundervolle Musik gespielt haben soll – und Tartini sei nach dem Erwachen leider nicht in der Lage gewesen, mehr als Fragmente davon zu notieren.
Pietro Antonio Locatelli (1695 bis 1764) schrieb ein Capriccio namens Labirinto Armonico, mit dem Hinweis: „Facilis aditus, difficilis exitus.“ Dieses Werk für Solo-Violine ist nicht unbedingt dämonisch, aber anspruchsvoll ist es allemal.
Nicolò Paganini (1782 bis 1840) stand in dem Ruf, der Teufelsgeiger zu sein. Legenden gibt es über ihn ohne Ende; vermutlich wird er jedoch schlicht über einen langen Zeitraum besonders eifrig und besonders kreativ geübt haben, so dass er schließlich das Publikum mit Effekten und Techni- ken verblüffen konnte, die außer ihm damals keiner beherrschte – „Zauber- geigenkünste“, mit denen er die Leute „verhext“ haben soll. Die Musik dieses Virtuosen hat den größten Anteil auf dieser CD. Luca Fanfoni spielt, begleitet von Luca Ballerini, die „Nel cor più non sento“-Variationen, dazu das Adagio aus dem Violinkonzert Nr. 3 sowie natürlich die Variationen über ein Thema von Franz Süssmayr, die unter dem Titel Le Streghe bekannt wurden. Die Sonata a preghiera erklingt sogar in zwei Versionen. Die Originalversion, hier in Weltersteinspielung, interpretiert Fanfoni auf „Paganinis Violine“; nähere Angaben Fehlanzeige, was ich schade finde – da das Instrument von der Stadt Genua für die Aufnahme zur Verfügung gestellt wurde, darf man annehmen, dass es sich um die Cannone handeln könnte.
Luca Fanfoni erweist sich als ein hervorragender Geiger mit einer sehr guten Technik und ausgeprägtem Sinn für musikalische Strukturen. Ihm zuzuhören, das macht wirklich Freude, zumal er mit seiner Geige von Goffredo Cappa aus dem Jahre 1690 auch ein phantastisches Instrument spielt. Zurücklehnen und genießen!
Samstag, 10. Oktober 2015
Souvenirs - Musiktage with Rudens Turku & friends (Oehms Classics)
Souvenirs heißt eine neue CD aus dem Hause Oehms Classics. Sie enthält Aufnahmen, die in einem Zeitraum von drei Jahren entstanden sind, als ein klingendes Andenken an Konzerte bei den Starnberger bzw. Seefelder Musiktagen. Dieses Musikfest, ins Leben gerufen und geleitet von dem Geiger Rudens Turku, bringt alljährlich gestandene Musiker, Studierende und Dozenten sowie natürlich das Publikum zusammen. Einige Ausschnitte aus dem umfangreichen Programm, das neben Konzerten auch beispielsweise Meisterkursen und Vorträge beinhaltet, sind nun auf dieser CD zu hören. Die Auswahl der Stücke hat sehr viel Charme, und die Liste der Mitwirkenden ist ebenso lang wie illuster. Zu hören sind András Adorján, Flöte, Rudens Turku und Lena Neudauer, Violine, Franz Halasz, Gitarre, Malte Refardt, Fagott, Wen-Sinn Yang, Violoncello und Yumiko Urabe sowie Adrian Oetiker, Klavier. Diese exzellenten Musiker bereiten dem Zuhörer ein grandioses Musikfest; die Programmfolge wirkt fast wie ein Hauskonzert – aber was für eines! Unbedingt anhören!
Freitag, 30. Januar 2015
Paganini: La Lanterna magica (Carpe Diem)
„La sua musica da camera ci parla della sua anima appassionata e bruciante eppure semplice ad un tempo; della stretta relazione tra la musica popolare ed il belcanto italiano che permea ogni sua pagina; del piccolo mondo in cui era nato, della sua Genova con le strade strettissime incastrate tra i monti ed il mare“, begeistert sich Rosario Conte für die Kammermusik von Niccolò Paganini. Auf dieser CD hat der Gitarrist gemeinsam mit der japanischen Geigerin Keiko Yamaguchi eine Auswahl davon eingespielt; mit Ausnahme des Cantabile op. 17 stammen die Werke allesamt aus dem Centone di Sonate per Violino e Chitarra.
Es ist spürbar, dass diese Musik – obwohl sie keineswegs trivial daher- kommt – nicht für das Konzertpodium komponiert worden ist, sondern eher zum privaten Gebrauch, für das Musizieren unter Freunden, im heimischen Salon. Yamaguchi spielt auf einer Violine von Nicolas Lupot, entstanden 1822 in Paris. Dieses Instrument überrascht mit einem sehr eigenen Klangspektrum – es ist nicht der strahlende, brillante Virtuosen- ton, den man bei Paganini üblicherweise im Ohr hat, er wirkt vielmehr eher gedeckt, dunkel, erdig. Zum Klang von Contes Gitarre, über die man leider im Beiheft nichts erfährt, passt dies aber gut. Die beiden Musiker erzeugen eine intensive, sehr intime Atmosphäre. Ihr Zusammenspiel wirkt harmonisch und natürlich. Mein Urteil über diese CD: Sehr gelungen!
Es ist spürbar, dass diese Musik – obwohl sie keineswegs trivial daher- kommt – nicht für das Konzertpodium komponiert worden ist, sondern eher zum privaten Gebrauch, für das Musizieren unter Freunden, im heimischen Salon. Yamaguchi spielt auf einer Violine von Nicolas Lupot, entstanden 1822 in Paris. Dieses Instrument überrascht mit einem sehr eigenen Klangspektrum – es ist nicht der strahlende, brillante Virtuosen- ton, den man bei Paganini üblicherweise im Ohr hat, er wirkt vielmehr eher gedeckt, dunkel, erdig. Zum Klang von Contes Gitarre, über die man leider im Beiheft nichts erfährt, passt dies aber gut. Die beiden Musiker erzeugen eine intensive, sehr intime Atmosphäre. Ihr Zusammenspiel wirkt harmonisch und natürlich. Mein Urteil über diese CD: Sehr gelungen!
Donnerstag, 10. Oktober 2013
Paganini: Violin Concerto No. 5 (Naxos)
Noch eine CD mit Werken von Niccolò Paganini (1782 bis 1840), seufzt der Rezensent, und drückt die „Play“-Taste. Doch schon das erste Stück, das erklingt – das Moto perpetuo op. 11 – lässt aufhorchen. Und im Anschluss daran überzeugt dann das fünfte Violinkonzert vollends, diese Aufnahme bis zum Schluss anzu- hören.
Iwan Potschekin musiziert wirklich brillant, und sein Zusammenspiel mit dem Russian Philharmonic Orchestra unter Dmitri Jablonski ist vom ersten bis zum letzten Ton eine Freude. Die Musiker spielen Paganinis Werke nicht als virtuose Solisten-Turnübung mit Orchesterhintergrund, sie nehmen sie vielmehr ernst und gestalten sie mit großer Sorgfalt. Das Ergebnis begeistert – dies ist eine der besten Paganini-Einspielungen, die ich je gehört habe. Und die I palpiti op. 13 setzen einen würdigen Schluss- punkt.
Iwan Potschekin musiziert wirklich brillant, und sein Zusammenspiel mit dem Russian Philharmonic Orchestra unter Dmitri Jablonski ist vom ersten bis zum letzten Ton eine Freude. Die Musiker spielen Paganinis Werke nicht als virtuose Solisten-Turnübung mit Orchesterhintergrund, sie nehmen sie vielmehr ernst und gestalten sie mit großer Sorgfalt. Das Ergebnis begeistert – dies ist eine der besten Paganini-Einspielungen, die ich je gehört habe. Und die I palpiti op. 13 setzen einen würdigen Schluss- punkt.
Donnerstag, 1. August 2013
Paganini: 24 Caprices op. 1; Seres (Hungaroton Classics)
Die 24 Capricen op. 1 schrieb Niccolò Paganini (1782 bis 1840) für Solovioline. Sie gehören noch immer zu den Prüfsteinen für jeden Solisten, da jedes dieser Stücke andere technische Anforderungen stellt – und höllisch anspruchsvoll sind sie alle. Diese Werke auf die Querflöte zu übertragen, das ist ein extrem wagemutiges Projekt.
Die ungarische Flötistin Dóra Seres hat sich dieser Herausforderung gestellt. Sie ist Preisträgerin vieler renommierter internationaler Wettbewerbe, und derzeit Soloflötistin des DR Underholdnings- orkestrets.
Um Paganinis Capricen angemessen auf die Böhmflöte zu übertragen, hat sie sich auf ihren musikalischen Kern konzentriert, und auf einige Effekte verzichtet, die zu geigenspezifisch sind, wie beispielsweise Doppelgriffe.
Das Ergebnis bleibt spieltechnisch dennoch eine Herausforderung, selbst für eine Solistin ihrer Klasse. Seres galoppiert in geradezu atemberaubendem Tempo durch Läufe und Arpeggien. Man wird jedoch feststellen, dass es nicht ausreicht, das Instrument virtuos zu beherrschen, wenn man dieser Musik gerecht werden will. So ist diese Aufnahme streckenweise sehr gelungen; mitunter vermisst man aber das letzte Quentchen an Raffinesse in der Intonation, den über alle Oktaven gleichermaßen ausgewogenen Ton, und man würde sich mehr Mut zur Phrasierung und Gestaltung wünschen – gern auch zu Lasten der Rasanz.
Die ungarische Flötistin Dóra Seres hat sich dieser Herausforderung gestellt. Sie ist Preisträgerin vieler renommierter internationaler Wettbewerbe, und derzeit Soloflötistin des DR Underholdnings- orkestrets.
Um Paganinis Capricen angemessen auf die Böhmflöte zu übertragen, hat sie sich auf ihren musikalischen Kern konzentriert, und auf einige Effekte verzichtet, die zu geigenspezifisch sind, wie beispielsweise Doppelgriffe.
Das Ergebnis bleibt spieltechnisch dennoch eine Herausforderung, selbst für eine Solistin ihrer Klasse. Seres galoppiert in geradezu atemberaubendem Tempo durch Läufe und Arpeggien. Man wird jedoch feststellen, dass es nicht ausreicht, das Instrument virtuos zu beherrschen, wenn man dieser Musik gerecht werden will. So ist diese Aufnahme streckenweise sehr gelungen; mitunter vermisst man aber das letzte Quentchen an Raffinesse in der Intonation, den über alle Oktaven gleichermaßen ausgewogenen Ton, und man würde sich mehr Mut zur Phrasierung und Gestaltung wünschen – gern auch zu Lasten der Rasanz.
Montag, 27. Mai 2013
Double Bass Fantasy - Ödön Rácz (Gramola)
„Ein widerspenstigeres Material für die Bravour kann es aber kaum geben, als den Contrabass, und einen vollkommeneren Bändiger desselben auch nicht, als Botte- sini“, schwärmte einst der renom- mierte Musikkritiker Eduard Hanslick. „Glaubt jemand, das Staunen über technische Virtu- osität verlernt zu haben, bei Bottesinis Production wird er es wieder lernen. Daß ein ästheti- scher Eindruck, welcher haupt- sächlich aus dem Erstaunen resultirt, kein nachhaltiger sei, bedarf freilich nicht erst eines Beweises. Hingegen verdient Bottesini das ausdrückliche Lob, daß er auch in der Bravour mit Geschmack verfährt und jene bajazzoartigen Charlatanerien verschmäht, mit denen auf derlei Ausnahmeinstrumenten so gern geflunkert wird.“
Die Werke des Urvaters aller Kontrabass-Virtuosen gehören bis zum heutigen Tage zu jenem Repertoire, mit dem Solisten gern ihr Publikum beeindrucken. Ödön Rácz, Solo-Kontrabassist der Wiener Philharmoniker, brilliert auf dieser CD mit den von Giovanni Bottesini arrangierten Fantasien zu den Opern Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti und Beatrice di Tenda von Vincenzo Bellini.
Derartige Bearbeitungen von populären Opernmelodien waren in der Zeit vor der Erfindung des Radios sehr beliebt. Sie erklangen sowohl in den Salons als auch im Konzert, und sie wurden von der höheren Tochter ebenso gern gespielt wie von namhaften Solisten. Niccolò Paganini beispielsweise schrieb sich selbst eine Fantasie über ein Thema aus Rossinis Oper Moses – zu spielen auf einer einzigen Saite seiner Violine. Diese Herausforderung nahmen natürlich auch die Kontrabassisten gern an. Es lohnt sich, wie Rácz demonstriert.
Er spielt noch ein weiteres virtuoses Werk, das ursprünglich für Violine komponiert wurde – den Valse triste c-Moll von Ferenc Vecsey. Das Stück Bass Trip wurde für den ARD-Musikwettbewerb von Peteris Vasks geschrieben. Der Lette ist selbst Kontrabassist, er weiß also, was er von dem Interpreten fordert (der dazu schließlich auch noch fröhlich pfeifen soll).
Die Sonata enigmatica für Kontrabass solo von Gottfried von Einem entstand auf Anregung Ludwig Streichers (1920 bis 2003). Für diesen Musiker, der jahrzehntelang Mitglied der Wiener Philharmoniker war und als einer der großen Virtuosen auf dem Kontrabass gilt, entstand auch eine Version von Nikolai Rimski-Korsakows berühmtem Hum- melflug. Mit diesem Encore, das Streicher im hautengen Kostüm vorgetragen haben soll, beendet sein „Enkelschüler“ Rácz das Pro- gramm. Es wird bei einigen Stücken von dem exzellenten Pianisten János Balázs Jr. begleitet; den Hummelflug absolvieren an seiner Seite zudem The Philharmonics – Orchesterkollegen, die sich dem Cross-Over verschrieben haben.
Ödön Rácz spielt einen Kontrabass des Wiener Instrumentenbauers Michael Ignatius Stadlmann aus dem Jahre 1781. Klanglich zieht er alle Register von kernig bis lyrisch und von ätherisch bis sonor. Ob virtuose Läufe oder Doppelgriffe – keine technische Herausforderung bringt den Musiker, der aus Budapest stammt, in Verlegenheit. Seine Intonation ist stets perfekt, und seine Spielfreude macht diese CD zum Genuss. Gern mehr!
Die Werke des Urvaters aller Kontrabass-Virtuosen gehören bis zum heutigen Tage zu jenem Repertoire, mit dem Solisten gern ihr Publikum beeindrucken. Ödön Rácz, Solo-Kontrabassist der Wiener Philharmoniker, brilliert auf dieser CD mit den von Giovanni Bottesini arrangierten Fantasien zu den Opern Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti und Beatrice di Tenda von Vincenzo Bellini.
Derartige Bearbeitungen von populären Opernmelodien waren in der Zeit vor der Erfindung des Radios sehr beliebt. Sie erklangen sowohl in den Salons als auch im Konzert, und sie wurden von der höheren Tochter ebenso gern gespielt wie von namhaften Solisten. Niccolò Paganini beispielsweise schrieb sich selbst eine Fantasie über ein Thema aus Rossinis Oper Moses – zu spielen auf einer einzigen Saite seiner Violine. Diese Herausforderung nahmen natürlich auch die Kontrabassisten gern an. Es lohnt sich, wie Rácz demonstriert.
Er spielt noch ein weiteres virtuoses Werk, das ursprünglich für Violine komponiert wurde – den Valse triste c-Moll von Ferenc Vecsey. Das Stück Bass Trip wurde für den ARD-Musikwettbewerb von Peteris Vasks geschrieben. Der Lette ist selbst Kontrabassist, er weiß also, was er von dem Interpreten fordert (der dazu schließlich auch noch fröhlich pfeifen soll).
Die Sonata enigmatica für Kontrabass solo von Gottfried von Einem entstand auf Anregung Ludwig Streichers (1920 bis 2003). Für diesen Musiker, der jahrzehntelang Mitglied der Wiener Philharmoniker war und als einer der großen Virtuosen auf dem Kontrabass gilt, entstand auch eine Version von Nikolai Rimski-Korsakows berühmtem Hum- melflug. Mit diesem Encore, das Streicher im hautengen Kostüm vorgetragen haben soll, beendet sein „Enkelschüler“ Rácz das Pro- gramm. Es wird bei einigen Stücken von dem exzellenten Pianisten János Balázs Jr. begleitet; den Hummelflug absolvieren an seiner Seite zudem The Philharmonics – Orchesterkollegen, die sich dem Cross-Over verschrieben haben.
Ödön Rácz spielt einen Kontrabass des Wiener Instrumentenbauers Michael Ignatius Stadlmann aus dem Jahre 1781. Klanglich zieht er alle Register von kernig bis lyrisch und von ätherisch bis sonor. Ob virtuose Läufe oder Doppelgriffe – keine technische Herausforderung bringt den Musiker, der aus Budapest stammt, in Verlegenheit. Seine Intonation ist stets perfekt, und seine Spielfreude macht diese CD zum Genuss. Gern mehr!
Samstag, 4. Mai 2013
Virtuoso Violin Works (Genuin)
Elina Rubio Pentcheva, die Solistin dieser CD, Jahrgang 1996, erhielt schon als Kleinkind ersten Violin- unterricht bei ihrer Mutter Tania Pentcheva Boneva. Später war Roberto Valdés ihr Lehrer.
Bereits mit neun Jahren gewann sie den Violinwettbewerb San Andreu de la Barca in Barcelona. Viele weitere Siege und Platzierungen folgten. Seit 2010 studiert Elina Rubio als jüngste Studentin Sachsens an der Musikhochschule in Dresden bei Professor Igor Mali- nowsky. Mittlerweile hat sie zudem in vielen Konzerten Erfahrung erworben.
Für ihre Debüt-CD bei Genuin hat die junge Musikerin Virtuosen- literatur ausgewählt und gemeinsam mit dem Pianisten Graham Jackson eingespielt. Die Aufnahmen erweisen sich als eine Galerie der Höchstschwierigkeiten, von Paganini bis Sarasate, von Pancho Vladi- guerov bis zu Nikolai Rimski-Korsakow und von Fritz Kreisler über Eugène Ysaye bis zu Heinrich Wilhelm Ernst. Allerdings vermisst der Hörer über all den technischen Finessen eine Prise Raffinesse, Aus- druck und Charakter. Fingerfertigkeit allein bereitet wenig Hörver- gnügen.
Bereits mit neun Jahren gewann sie den Violinwettbewerb San Andreu de la Barca in Barcelona. Viele weitere Siege und Platzierungen folgten. Seit 2010 studiert Elina Rubio als jüngste Studentin Sachsens an der Musikhochschule in Dresden bei Professor Igor Mali- nowsky. Mittlerweile hat sie zudem in vielen Konzerten Erfahrung erworben.
Für ihre Debüt-CD bei Genuin hat die junge Musikerin Virtuosen- literatur ausgewählt und gemeinsam mit dem Pianisten Graham Jackson eingespielt. Die Aufnahmen erweisen sich als eine Galerie der Höchstschwierigkeiten, von Paganini bis Sarasate, von Pancho Vladi- guerov bis zu Nikolai Rimski-Korsakow und von Fritz Kreisler über Eugène Ysaye bis zu Heinrich Wilhelm Ernst. Allerdings vermisst der Hörer über all den technischen Finessen eine Prise Raffinesse, Aus- druck und Charakter. Fingerfertigkeit allein bereitet wenig Hörver- gnügen.
Donnerstag, 31. Januar 2013
The Art of Ida Presti (Idis)
Ida Presti - eigentlich hieß sie Ida Yvette Montagnon - (1924 bis 1967) war eine legendäre Gitarri- stin. Sie stammte aus Frankreich, und erhielt den ersten Unterricht auf diesem Instrument bereits im Vorschulalter. Ihr Vater war ihr Mentor und ihr Lehrer, bis er 1938 starb. Sie soll auch durch Mario Maccaferri unterrichtet worden sein. Ihr offizielles Debüt gab Ida Presti 1934 - und wurde dafür euphorisch gefeiert; die Presse pries sie als "weiblichen Mozart". In den 50er Jahren gab sie ihre Solokarriere auf, und bildete statt dessen gemeinsam mit ihrem Ehemann Alexandre Lagoya das erste Gitarrenduo von Weltruf. Leider starb sie viel zu früh am Lungen- krebs.
Auf dieser CD ist Ida Presti mit Studioaufnahmen zu hören, die sie in den Jahren 1938 bis 1956 eingespielt hat. Es erklingen Werke von Robert de Visée, Johann Sebastian Bach und Niccolò Paganini, aber auch beispielsweise von Isaac Albéniz, Fedrico Moreno Torrobo, Fernando Sor, Heitor Villa-Lobos oder Emilio Pujol. Die Technik der Gitarristin erweist sich als überragend, und die Auswahl sowie die Gestaltung der eingespielten Werke lässt auf einen ausgeprägten Sinn für Qualität schließen. Dieses Wunderkind ist nicht verglüht wie so manche andere Sternschnuppe, die nur kurz am Musikerhimmel zu bewundern ist. Presti trotzte den widrigen Zeitumständen, und beeindruckt uns noch heute durch ihr meisterhaftes Gitarrenspiel.
Auf dieser CD ist Ida Presti mit Studioaufnahmen zu hören, die sie in den Jahren 1938 bis 1956 eingespielt hat. Es erklingen Werke von Robert de Visée, Johann Sebastian Bach und Niccolò Paganini, aber auch beispielsweise von Isaac Albéniz, Fedrico Moreno Torrobo, Fernando Sor, Heitor Villa-Lobos oder Emilio Pujol. Die Technik der Gitarristin erweist sich als überragend, und die Auswahl sowie die Gestaltung der eingespielten Werke lässt auf einen ausgeprägten Sinn für Qualität schließen. Dieses Wunderkind ist nicht verglüht wie so manche andere Sternschnuppe, die nur kurz am Musikerhimmel zu bewundern ist. Presti trotzte den widrigen Zeitumständen, und beeindruckt uns noch heute durch ihr meisterhaftes Gitarrenspiel.
Samstag, 12. Januar 2013
Paganini: Ghiribizzi for guitar; Baschiera (Newton)

Zwar hat er dieses Instrument nie im Konzert gespielt, doch Nicolò Paganini, der "Teufelsgeiger", war auch ein begnadeter Gitarrist. Er komponierte auch erstaunlich viel Musik dafür, so 37 Sonaten, Quartette und Trios für Streicher und Gitarre, diverse Werke für Violine und Gitarre und zahlreiche kleine Stücke.
Einer Sammlung mit 43 Miniaturen gab Paganini den Titel Ghiribizzi, was man mit Launen oder Schrul- len übersetzen kann. 1990 hat sie der Gitarrist Alfonso Baschiera eingespielt. Diese Werkchen bleiben durchweg in Tonarten, die für Gitarristen bequem zu bewältigen sind. Auch klingen etliche davon wie jene Stücke, die Gitarrenschüler üblicherweise im Unterricht spielen, um Technik und Ausdruck zu verbessern. Das ist kein Wunder: Die Ghiribizzi schuf Paganini für ein kleines Mädchen aus Neapel. Ihr Vater, ein gewisser Signor Botto, war mit Paganini be- freundet und hatte ihn um ein paar kurze Stücke gebeten.
Doch Paganini hat in den Ghiribizzi so manchen musikalischen Scherz versteckt. So bedient er sich bei etlichen populären Werken. Eine bekannte Mozart-Arie wird wohl jeder erkennen. Und die Nummer
37 besteht aus zwei Teilen - der erste ist mit Rossini, der zweite mit Paganini überschrieben. Je mehr sich der Virtuose mit seinem Material beschäftigt, desto anspruchsvoller wird die Musik.
37 besteht aus zwei Teilen - der erste ist mit Rossini, der zweite mit Paganini überschrieben. Je mehr sich der Virtuose mit seinem Material beschäftigt, desto anspruchsvoller wird die Musik.
Gitarrist Baschiera kann leider mit den einfachen Werken nicht viel anfangen; er spielt sie ziemlich lieblos, und ohne sie ansprechend zu gestalten. Wo es schwieriger wird, wächst auch sein Engagement, und er präsentiert die hübschen Stücke zunehmend mit Esprit. Insgesamt aber gehört diese CD nicht zu jenen Aufnahmen, die man unbedingt haben muss.
Freitag, 16. November 2012
The young Salvatore Accardo (Idis)
"Il mio iter di studi è stato asso- lutamente normale, solo che ho fatto tutto molto prima", bemerkte der Geiger Salvatore Accardo einmal. Üblicherweise dauert das Studium an einem italienischen Konservatorium zehn Jahre, mit Prüfungen nach dem fünften, dem achten und dem letzten Unter- richtsjahr. Accardo, Jahrgang 1941, absolvierte die erste Prüfung 1951, die zweite 1953 und das Ab- schlussexamen 1956. Zwei Jahre später gewann er den Internatio- nalen Violinwettbewerb Premio Paganini in Genua.
Diese CD bringt - sorgsam remastert - einige ganz frühe Aufnahmen Accardos, die er in den Jahren 1959/60 im Studio eingespielt hat, am Klavier begleitet von Antonio Beltrami. Der Hörer erlebt kein dres- siertes Wunderkind, sondern einen jugendlichen Künstler, der sich bereits durch jene Sorgfalt und Finesse auszeichnet, die sein Spiel auch später prägt. Und noch eines wird klar: Alle Geiger, die Werke von Paganini vortragen wollen, müssen sich an diesen Aufnahmen messen lassen. Dieses Niveau will erst einmal erreicht sein.
Diese CD bringt - sorgsam remastert - einige ganz frühe Aufnahmen Accardos, die er in den Jahren 1959/60 im Studio eingespielt hat, am Klavier begleitet von Antonio Beltrami. Der Hörer erlebt kein dres- siertes Wunderkind, sondern einen jugendlichen Künstler, der sich bereits durch jene Sorgfalt und Finesse auszeichnet, die sein Spiel auch später prägt. Und noch eines wird klar: Alle Geiger, die Werke von Paganini vortragen wollen, müssen sich an diesen Aufnahmen messen lassen. Dieses Niveau will erst einmal erreicht sein.
Salvatore Accardo (Dynamic)
Diese Neun-CD-Box, erschienen anlässlich des siebzigsten Geburts- tages des großen Geigers Salvatore Accardo, bestätigt es wieder ein- mal: Virtuosität ist eine notwendi- ge, aber keine hinreichende Vor- aussetzung für den Musikerberuf.
Das zeigt sich insbesondere an Accardos Auseinandersetzung mit dem Werk Nicoló Paganinis. Wir verdanken ihm viele Ersteinspie- lungen und Wiederentdeckungen - und wer darum weiß, wie der exzellent ausgebildete Nachwuchs diese Werke oftmals spielt, der wird bestätigen, dass es nichts von dem Zauber dieser Musik vermittelt, wenn man sie lediglich technisch brillant und so rasant wie eben möglich vorträgt. So erklingen Paga- ninis Drei Duette für Violine und Fagott als zwar virtuose, aber eben auch geistreiche Stücke, in denen Salvatore Accardo in einen spielerischen Wettstreit mit Claudio Gonella tritt, der die höllisch anspruchsvolle Fagott-Partie locker und mit Witz meistert.
Auch die Kammermusik gehört offensichtlich zu den Leidenschaften Accardos. Ob das Concerto von Alberto Ginastera oder Werke von Dvorak, Verdi, Chausson, Borodin oder Rolla - in den Archiven von Dynamic fanden sich viele interessante Aufnahmen. Sie zeigen, mit welcher Sorgfalt und Hingabe der Geiger auch Werke erarbeitete, die viele namhafte Solisten gar nicht beachten. Vielen Dank an das Label für dieses großartige Porträt eines bedeutenden Musikers.
Das zeigt sich insbesondere an Accardos Auseinandersetzung mit dem Werk Nicoló Paganinis. Wir verdanken ihm viele Ersteinspie- lungen und Wiederentdeckungen - und wer darum weiß, wie der exzellent ausgebildete Nachwuchs diese Werke oftmals spielt, der wird bestätigen, dass es nichts von dem Zauber dieser Musik vermittelt, wenn man sie lediglich technisch brillant und so rasant wie eben möglich vorträgt. So erklingen Paga- ninis Drei Duette für Violine und Fagott als zwar virtuose, aber eben auch geistreiche Stücke, in denen Salvatore Accardo in einen spielerischen Wettstreit mit Claudio Gonella tritt, der die höllisch anspruchsvolle Fagott-Partie locker und mit Witz meistert.
Auch die Kammermusik gehört offensichtlich zu den Leidenschaften Accardos. Ob das Concerto von Alberto Ginastera oder Werke von Dvorak, Verdi, Chausson, Borodin oder Rolla - in den Archiven von Dynamic fanden sich viele interessante Aufnahmen. Sie zeigen, mit welcher Sorgfalt und Hingabe der Geiger auch Werke erarbeitete, die viele namhafte Solisten gar nicht beachten. Vielen Dank an das Label für dieses großartige Porträt eines bedeutenden Musikers.
Samstag, 3. November 2012
Paganini l'insolite (Calliope)
Es ist wenig bekannt, dass Niccolò Paganini auch drei Konzertduette für Violine und Fagott komponiert hat. Sie wurden durch Salvatore Accardo und Claudio Gonella zum ersten Male auf CD vorgestellt; diese Weltersteinspielung ist 1996 bei Dynamic erschienen.
Das Manuskript gilt als ältestes überliefertes Werk des Virtuosen; er schrieb die Duette als 17jähriger für einen Fagottisten, der sich be- klagte, es gebe keine anspruchs- volle Musik für sein Instrument. Paganinis Duette erweisen sich als gleichberechtigter Dialog zwischen Violine und Fagott; an Herausforderungen dürfte es dabei beiden In- strumentalisten nicht mangeln. Denn die Konzertduette sind bereits so virtuos gestaltet, wie man das von Paganinis Musik kennt.
Insofern ist es ein aber wenig übertrieben, diese CD Paganini l'insolite zu nennen. Diese Duette sind keineswegs "endiables", auch wenn die technischen Anforderungen an die Interpreten sicherlich hoch sind. Pavel Eret, Violine, und Franck Leblois, Fagott, musizieren solide. Und weil es offenbar nicht ganz befriedigend ist, wenn man auf die CD deuxième enregistrement mondial schreiben muss, haben die beiden Solisten gleich noch zwei Werke der Komponisten David W. Solomons und Jean-René Combes-Damiens ersteingespielt.
Das Manuskript gilt als ältestes überliefertes Werk des Virtuosen; er schrieb die Duette als 17jähriger für einen Fagottisten, der sich be- klagte, es gebe keine anspruchs- volle Musik für sein Instrument. Paganinis Duette erweisen sich als gleichberechtigter Dialog zwischen Violine und Fagott; an Herausforderungen dürfte es dabei beiden In- strumentalisten nicht mangeln. Denn die Konzertduette sind bereits so virtuos gestaltet, wie man das von Paganinis Musik kennt.
Insofern ist es ein aber wenig übertrieben, diese CD Paganini l'insolite zu nennen. Diese Duette sind keineswegs "endiables", auch wenn die technischen Anforderungen an die Interpreten sicherlich hoch sind. Pavel Eret, Violine, und Franck Leblois, Fagott, musizieren solide. Und weil es offenbar nicht ganz befriedigend ist, wenn man auf die CD deuxième enregistrement mondial schreiben muss, haben die beiden Solisten gleich noch zwei Werke der Komponisten David W. Solomons und Jean-René Combes-Damiens ersteingespielt.
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